1898
Freitag den 25. November
Amts- und 2lnjciaeblatt für den Kwi*
Gratisbeilage: Gießener Familienblätter
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• Sill eigenthumliche» Stücklet», da« die fibirtschen Der. kehrSoerhältniffe trefflich beleuchtet, erzähtt die „®iina 8*g.": Äm Ende der Schtfffahrt«zeit diese« Jahre« matzte der Dampfer „Djädnschka" die am Jeuiffei gelegene Ortschaft KasatschinSkoje berühren. viele Reisende warteten am Ufer, um den Dampfer, der vielleicht die letzte Fahrt im Jahre machte, benutzen zu können. Aber stehe do, stolz fährt der Dampfer, nachdem er einige Fahrgäste in einem Boot au«» ira augtiauetu., ______ ----— ........r, । gesetzt, unter bti Weigerung, weitere Fahrgäste aufzuuehmeu,
sei e« wenigsten« etwa» Belustigende« und Leichte«. Der | vorüber. Allgemeine« Staunen und gerechtfertigter Unwille
belehren. Schweigt aber der lLeremonienmeister, 'o wird da« Pariser Publikum da« Nöthige thun. Sine« schönen Tage« werden Sie anSgepfiffen, Herr Felix Faure, und da« haben Sie sich selber zuzaschreibeu, denn Sie fallen un« lästig, wenigsten« auf der Straße. Lernen Sie doch Bescheidenheit,- v:rgrffen S'e nicht, datz die R publik, der Sie vorsteheu, demokratisch ist, datz die Stratze für Jedermann da ist und datz man Sie nicht au«erkoren hat, um fie ganz allein in Beschlag zu nehmen." — Diese» Strahrubildchen ist mit seiner Anschaulichkeit au fich schon merkwürdig. ES ze'gt da« Byzanz der Neuzeit in einem Lichte, da« durch den Wider« sprach von Demokratie und Hofstaat launig wirkt. Napoleon der Dritte lieh die Strahen nicht ab'pereev, wenn er durch Part« fuhr. Thier«, Mac Mahon, Grä.y, La,not und Eafimir Pörter hüteten fich gleichfalls vor einer solchen Polizei« maßregel. Man fieht do, wie die S tteu sich ändern. Doch da« ist noch nicht da« Merkwürdigste an der Schilderung de« -Malta". Man mutz vielmehr zwischen den Zeilen lesen. Der »Matta" ist seit einiger Zett etn« der geschicktesten Organe der DrehfuSpartet. Wenn er dem Präfideateu der Republik mit abfälligen volksknodgebungen droht und
n'träge.
dveraitäte-Aula folgende
ehe Vorträge
»refs« für Depeschen:
Fernsprecher Ar. «1.
• Frankfurt a. M-, 20. November. Zahlreiche Geschäfte haben fich neurrdtag« Dreiräder zur Beförderung von Waaren angeschafft, und auch die RetchSpost ist diesem Beispiele gefolgt. Nachdem diese Fuhrwerke eine Zeitlang unbehelligt durch die Strahen gefahren waren, verlangte da« Polizeipräfidtum, datz fie fich den Bestimmungen der Radfahr« ordnuog unterwerfen, also eine Nummerplatte beschaffen und, wenn sie durch die Straßen der Jaurastadt fahren wollten, fich mit einer Lesöbre Bremse versehen. Al« eia Thetl der Brfitzer nicht gehorchte, erhielten fie Strafzettel. Dagegen riefen fie richterliche Entscheidung au, und sowohl da« Schöffen« al« da« Landgericht erkannten auf Freisprechung. Beide Gerichte sprachen au«, datz solche Fahrzeuge, die der Beförderung von W-aren dienen, nicht al« Fahrräder im Sinne der fraglichen Polizeiverordouog anzasehrn seien. Die Polizei hält an ihrer entgegengesetzten Anficht fest und will jetzt die Entscheidung de« »ammergertcht«
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Rom, 22. November. In Beantwortung einer Inter« prllation de« Deputirten Balle in der Kammer über den Zwischenfall von Raheita erklärte der Minister de« Aeußera Laoevaro, e« handle fich nicht um eine Rahettafrage, da da« Recht Italien« auf diese« Gebiet von Niemand bestritten werde. E« habe in der Nähe von Ra« Dumeira eine kleine Grenzüberschreitung stattgefunden- die französische und italienische Regierung seien jedoch in Verhandlung getreten »ob hätten die Angelegenheit in der freundschaftlichsten
der Parte en gipfelt.
Petersburg, 22. November. Die Mahuahme de« Mi« uister« te« Innern, der der „Nowoje Wrewja" den Emzelverkauf entzogen hat, wird auf die Uugelegeuheiteu zurückgesührt, die da« Blatt durch seine G.sammthaltung und namentlich auf dem Gebiete der au««ärtigeo Politik ia letzter Zeit der Regierung bereitet hat. Die gleiche Matz, regeluvg soll übrigen« auch dem „Swjei" de« „General« Komarow in «u«ficht gestellt worden sein, fall« er fortfahre, Eotschridungen der staatlichen rusfiichen Politik zu durchkreuzen.
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Abends 5 (]u ^«.verein, ' igend’Albert
,e körperliche Erziehung
ia Wasser.
in: Entwickelnug der äuterungen am Klarier,. te Recht ecken heetimmi.
4 Wl, füi 2 Penonei a mehr Personen der
>rten 2« Mk 1.50 icker’sehen Buchhand- neißter zubM_____
Rr. 277 Drittes Blatt.
jolb^ iefen
waltige Mache entgegen.
Part», 22. November. Ein Pariser Stimmung«, bildchen entnimmt der Berichterstatter der „Tägl. Randsch." dem „Matio" vom Sonntag: „Gestern Abend gegen 7 Uhr war die Rue Lafayette in Aufregung. Fünfz'hn Pferde« bahnen und zweihundert Wagen stocken- Schutzleute bildeten Spalier am Bürgersteig. Da« Volk lief zusammen und fragte: «Wa» girbt'«? Brennt'« wo?" So wartete man 20 Minuten. Endlich kam — ja wa»? Die Darnpsspritzr mit den Rettungsletterv? Rein - Felix Faure. Er kam vom Ostbahnhofe, au« der Pariser Umgegend, wo er bet eine« Frruoie auf der Jagd gewesen war. Schade, daß er nicht hö.en konnte, wa« da« Publikum dazu sagte! Aber wir können eö ihm wtedersagen: Mau fand, daß er m t seiner Wmb, sich al« Souverän aufzuspteleu, aller Welt überflüsfig wird. Al« Souverän! Al« ob t« tu Europa noch einen Anderen gäbe, der fich dergleichen erlaubt^ Kann er nicht auSfahrrn, ohne daß er den Verkehr absperrt und die Leute, die in Eile einen Wagen genommen haben, unnütz auf hält ? Kann er e« nicht machen wie seine vor. gänger oder wie die gewöhnlichen Bürger, au« deren Tasche feine Wagen und Bedienten bezahlt werden? Glaubt er, daß Frankreichs Prestige oder auch sein persönliche« Ansehen darunter litte, wenn er bei der Ankunft auf ekrem Bahnhof sich einfach io den Wagen setzte und still ab ühre? Die Souveräne, die in ihrer Jugend kein Gerbergeselle gewesen find, machen e« so. E« wäre keine Schande für ihn, des« gleichen zu thuv. Vein Leremouirumrister sollte ihn darüber
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gtwöhnliche Brauch, zum Frühstück die Zeitung zu lesen, ist nicht völlig zu vrrurtheileu- er liefert Stoff zur Unterhaltung und ermüdet da« Gehirn nicht allzusehr. Am besten aller« ding« ist e«, während de« Esten« überhaupt nicht zu lesen. Die Verdauung geht immer bester von statteu wenn der Geist frei ist uud wenn die natürlichen Proceffe fich abspielen, ohne von der Arbeit de« Gehirn« gestört zu werden. Aeußerst zuträglich für die Gesundheit ist e«, in Gesellschaft lustiger, freundlicher Leute zu speisen. Die Anregung, die damit der Nerveuthätigkeit gegeben ist, wirkt fördernd auf die ver- dauung- t« Gegentheil vermag ein Mensch, der gelangweilt, ermüdet oder gereizt ist, die verdaunngSarbeit, wie jede andere Function nur mangelhaft zu leisten.
• Parlamentarische Aedeblüthe». Wie da« „Neue Wiener Tagblatt" berichtet, hat eine ött jüngsten Sitzungen dr« Außgletch«'Au«schuffe« de« österreichischen Sbgeordneteuhausr« einige hübsche Redeblüthen zu Tage gefördert. So sagte rin Redner: „Ungarn ist ein Blutegel, der seine eigenen Wege geht." Ein andere« Dictum lautet: „Da fieht man die Schlange, die fich unter dem harmloseu Text verbirgt." Ein anderer Satz: „Man trachtet, daß die Krankheit einen letalen AuSgaug uimmt. Da wird man endlich Io« davon!" Ju einer früheren Sitzung sagte ein Redner: „Ich habe mit dem Ministerpräsidenten ein persönliche» Hühnchen zu pflücken!"
• Undeutlich geschtiebrue Inserate. Nach einer Eutschei- düng de» Reichsgericht« braucht für Fehler in der Anzeige, [ welche iufolge unleserlich oder undeutlich geschriebenen
I Manuskripte» entstanden find, keinerlei Ersatz geleistet zu werden. Da» Reichsgericht ging hierbei von der Anficht au», daß Anzeigen, welche man einer Zeitung zuseudet, deutlich geschrieben sein mllsteu.
• Tabakbau tu OstAfrtka. Im Hinterlaude von Lindt hat Feldwebel Wiest bei dem Bache Kiplndimbi, westlich vom I Loudoplateau, eine Gegend gesunden, in der die Eingeborenen einen verhältuißrnäßig guten Tabak bauen. Die In 1 bi» zu U/1 Meter Abstand regelmäßig gesetzten Pflanzen sollen gut au«sehen. Sehnlicher Tabokoan wird auch am Flulu- berge gefunden. Der Tabak wird gestampft und in Brote geformt, die etwa 5 Pfund schwer find und die Form eintS Kegelstumpse» haben. E» scheint so, al» wenn diese Grgend noch einmal sür Tabakbau in Frage kommen kann.
• Die Zahl der Stawoh»er »eilte» steigt stet g. Am Ende des letzten MouatS zählte die ReichShauptstatt I 1 793 440 Einwohner. Noch 6 500 und da« achtzehnte I Hunderttausend ist voll. Diese» Ergebniß dü.fle in den I beiden letzten Monaten diese« Jahre« noch erreicht werden.
• Wa» kostet den Sultan die Kaiserreife? Folgende I Nachklänge au« Konstantinopel weiß der „Londoner Staad." berichten: Einer der sür den Gebrauch des Kaiser« I Wilhelm II. errichteten Kiotkr kostete allein 102,000 Psd. St. (ä 20 Mk.) ohne die Möbel, die au« den Palästen de, I Sultan« Herbetgeschafft worden waren. Die neuen Uatformii der Garnison stellten fich auf 88.000 Psd., den Prei« dr« I Tuche« ungerechnet. Die Geschenke de« Sultan« sür seine I kaiserlichen Gäste erreichen die Summe von 120,000 Pfd, I abgesehen von den Gelegeuheit«.Srscheuken. So war z. B. I die da« Bett der Kaiserin Auguste Victoria bedeckeode Seiden« I uud Sp tzeohülle mit einer in Diamanten uot> Perlen ge I stickten Krone und dem Monogramm I. LI» geschmückt, welche I die Bewunderung der Kaiserin erregten. Der Sultan ersnhr davon, und al« die Majstäten abreisten, sand die Kaiserin die Bettdecke unter ihrem Gepäck. Dieselbe Freigiebigkeit I herrschte gegenüber dem Gesolge de« Kaiser». In der Herekeh- I Teppichmanufaclnr hatte Staat»secretär v. Bülow eine An« I zahl Teppiche der wunderbarsten und kostbarsten Arbeit be- I wundert- alle wurden ihm ohne Wettere» -ugesaudt. Im I A ld!z«S oSk betrachtete Herr von Bülow zwei wunderbare I Dre«deuer Vasen - kaum hatte der Sultan da» gesehen, al« er den Minister fragte, ob fie ihm gefielen. Die Antwort I lautete: „Ich würde etwa« darum geben, ein ähnliche« Paar . I zu besitzen." Al» Herr v. Bülow tu seine Wohnung zurück« ; I kehrte, fand er die beiden Vasen schon vor.
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• Soll mau bei Tische lesen? Diese sür lernbegierige und in der Zeit beschränkte Leute ganz iutereffante Frage beantwortet, wie die „Bohemia" mtttheilt, da» Pariser Fach« blatt .L’hygiene moderne* mit folgenden Sätzen: Wenn wir allein find, fühlen wir un», sei e» beim Frühstück, beim Mittagessen oder beim Nachtmahl, zumeist bewogen, un» während der Zett de» Effev» mit Lektüre zu beschäftigen. Diese Gewohnheit ist schlecht und man muß fie entschieden bekämpfen; fie ist umsomehr zu bekämpfen, wenn man, um fetne Zeit zu verlieren, bei Tische eine begonnene Arbeit, ein angefaugeue» Studium fortsetzt. Wenn man schon lieft,
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Gießener Anzeiger
(General-Anzeiger
und zufriedenstellendsten Weise betgelegt.
London. 22. November, während auf der einen Sette die britischen Gerne,kvereine Im Stillen über einen Plan zur Verbindung särnmtlicher Gewerke zu einem einhettlicheu Ganzen berathrn, ist auch da« Eapital nicht müßt, gebliebrn. Der letzte große Strike der Maschinenbauer hat einen tiefen Eindruck hiuterlaffen. Der Sieg der Arbeitgeber stand nicht viel über einem Pyr,hu«-Siege. Die gebrachten Opfer waren in der That ungeheure. Schon vor etntgen Monaten hatte fich ein vorläufizer »u«schnß zur Gründung eine« ver« bände« der Arbeitgeber gebildet. Dieser Au«schuß i sch^u Seite faßt, so hat er
hatte nun jüngst zu einer Versammlung eingeladen, ver« &a6(t clnc Gleichzeitig fangen noch andere Zeitungen treter folgender Gewerbe waren erschienen: St^ff»,Heber, Dreyfu«pa,tri an, den ehrenweithen StaatSchef mit Jigenieure, Schiffbauer, Baumwoll-Fabrikanten, Baumwoll« Nghxlstichen zu reizen oder mit Drohungen eiuzuschüchterv. Spinner, Bleicher, Färber, Möbelsabrtkavten, Lavdwtrthschaft, gronbt« behauptet nun, daß Herr Faure sich um den Kohlen« und Eisenindustrie, Steiobrüche, Bauindustrie, Dock», ö<| v„sto,beneu Poffeudichter» Meilhac in der Academie Werften, Lagerhäuser, Kornspeicher, Stiefel« und Schuhfabri« btB)eibcn woQf Dtc Uhficht, den Peäfidenten lächerlich zu kmteu, Sattler, Glaßflaschenfabrikanteu, Bürstenbinder, Bäcke,« Hegt auf der Hand. Die „Aurore" deutet seit meister»Londitoren,Klempuermeister,Silberschmiede,Druckereten einiflen lQgcn ttnmex dringlicher auf die Vorgeschichte der und verwandte Geschäft»zwetge, Schneider, Leichterschiffer, [ 2D?atlQ0Q|Car,(5Fpebttlon hin, deren Fehler und dunkle Stellen Barkenbefitzer, Fnhrherren, Schieferhäodler, Schieferdecker, b(!flnntlld) bem damaligen Marinemtotster, eben Herrn Faure, Juweliere, Eisen- und Geldgteßer, Malermeister und andere gafi werden. Da» Alle» bedeutet weiter nicht» Gewerbe. Der Beschluß der Versammlung lautete, daß e» ®l|; bM ^r5pbent der Republik steht dem Uaternehmen der
nach der Anficht der gegenwärtigen Vertreter der Arbeitgeber« DreyfuSsreuvde im Wcge- und wenn er nicht gutwillig bet«
verbände be» vereinigten köutg«retch» wüoscheo»we,th sei, b tol|b u AugrtffSpunkt der Preffe gewählt. Der«
einen parlamentarischen An«schuß von Arbeitgebern be» ver« I .C^|R ggsudungeu ber Pariser Preßpolemik haben wir seit einigten Königreiche» rtnzusttztn. Dieser möge tagen, um ctntm 3obt ^on 9ftne beobachtet. Herr Faure wußte
über Bill«, die in beiden HSusern de» Parlament» eingebracht n b(| (nimn uoch geschickt zu entgehen. Wahrscheiu« werden, zu beratheo und ihnen gegenüber Stellung zu nehmen, I lt(j) Qb(r llegt bcT Grund der jetzigen Angriffe in der soweit fie die Jutereffm de» Handel«, de» freien vertrage» I m(cquaTt’|*(It Sache, tu welcher neuerdtng» der Riugkampf und der freien Arbeit beträfen. — Die Liste der Mitglieder läßt erkennen, über welche Macht der Ausschuß gebietet. Er ist au» den folgenden Herren zusammengesetzt: Sir William Betet«, Sir Benjamin 6. «roivue, George Ltvesey (vorfitzen« ber ber Süd-Metropolitan-Ga«.Gesellschaft), G. A. Late» (Hauptletter de« Sch ffjahrt« verbände«), Alexander Siemen« (Präfident de« Londoner verbände« der Maschinenbauer« Arbeitgeber, W. Shepherd (Londoner Hauplverdand der Bau« meister), E. W. Macara (Präfident di« verbände« der Baum« wollen,pinnermeister). W. Tattersall, (Secretär der Baum« wollevspinner in Laacashire), Joseph Johnstone (Schottischer verband der Mödelsabriken), A. W. Last (Nationaler verband der Bäckermeister und Sonditoren von Großbritannien und Irland), I. S. Jean« (vrittscher Etsenhäudler- verband). Damit stellt fich den verbündeten Arbeitnehmern eine ge«


