An-ttnrö»
Wie«, 23. Oetober. Es sind hier zwei neue Erkrankungen au Pest dorgekomwen und zwar ist ein Diener bei Franz-Josefs-Spital!, Namens Noe, erkrankt, sowie die zweite Wärterin.
Wien, 23. October. Nach den letzten Berichten ist das Befinden des Dr. Müller und der Wärterin Pecha gefährlich.
Wien, 23. October. Die langen Besprechungen, welche Graf Murawtew gestern mit dem Kaiser und dem Grafen GoluchowSky gehabt hat, werden allseitig als ein sicheres Zeichen dafür angesehen, daß der russische Besuch ebenfalls wesentlich die bestehenden freundschaftlichen Beziehungen zwischen Oesterreich und Rußland verstärkt. Mau ist auch der Ansicht, daß dies im Auslände als eine eminente Kundgebung für den Weltfrieden Würdigung finden wird.
Wien, 23. Oetober. Was die Untersuchung in Betreff eines etwaigen strafbaren verschuldens bei den Pest-Erkrankungen anbelangt, so hat der Erste Staatsanwalt Erhebungen angeordnet im Einvernehmen mit den obersten Sanitätsbehörden. Die polizeilichen Organe führen die Untersuchung unter fortwährender Eontrole der beiden Staatsanwälte und der Sanitätsbehörden.
Wien, 23. October. Dr. Müller ist heute früh der Pest erlegen. Die Wärterin Pecha liegt im Sterben.
Genf, 23. October. Laut gestrigen Beschluffes der Anklagekammer wurde Luccheni für den 10. November vor die Asfisen verwiesen und zwar, wie es in dem Beschluß des Gerichts wörtlich heißt: Wegen Meuchelmordes gegen die Person Ihrer Majestät Elisabeth, Kaiserin von Oester- rrich, Königin von Ungarn.
Rom, 23. October. Wie auf der Tonsulte verlautet, wird die internationale Anarchisten - Conferenz am 15. ^November zusammentreten.
Druffel, 23. October. Aus dem Congostaat ein« gelaufene Telegramme melden, daß Oberlieutenant Glorie die Aufständischen bei Urta geschlagen habe.
Paris, 22. October. Da- socialistische Meeting des UeberwachungS-Eomitös, welches für gestern Abend an- beranmt war, konnte nicht stattfinden, weil der Inhaber des Locales sich tm letzten Augenblicke weigerte, den Socialtsten den Saal zur Verfügung zu stellen. Die Organisatoren versuchten dann unter freiem Himmel das Meeting abzuhalten, jedoch ließ die Polizei dies nicht zu und vertrieb die Theil» nehmet.
Paris, 23. October. Gestern Abend hat das Pasteur- Institut, den telegraphischen Wünschen zweier Wiener Pro- fefforen entsprechend, dal ganze augenblicklich vorhanden gewesene Pest-SernM'Quantum nach Wien gesandt.
Paris, 23. Oetober. Im gestrigen Ministerrathe Hin* digte Delcafsö die Absendung einer Note nach London an, worin er den festen Entschluß ausdrückt, Faschoda zu behalten, falls England kein Tauschobjrct anbiete.
Paris, 23. Oetober. Cavaiguac kündigt offiziell an, er werde einen Antrag auf Einstellung der Drehfus- Affaire tinbringen. Er erklärte, er werde die Revifion sicher vereiteln.
London, 22. October. „Daily News- schreibt, daß die erste Bedingung, um die Verhandlungen zwischen Frankreich und England zu beginnen, die sei, daß die französische Regierung der March and-Frage den politischen Eharacter nehme. Sollte Frankreich sich weigern, dies zu thun, so falle die ganze Verantwortung für die kommenden Ereiguiffe auf die französische Regierung zurück.
London, 23. October. In hiesigen Regierungskreisen wird die Faschodafrage als absolut nicht beunruhigend bezeichnet und die fichere Erwartung ausgesprochen, daß die englischen Verhandlungen mit Frankreich zu einem befriedigenden Abschluß gelangen werden. Den Blättermeldungen über Bertheidigungs-Maßregeln wird jede Bedeutung ab- gesprochen.
Madrid, 23. October. Die Situation ist hoch- ernst. Die Militärpartei hat vollständig die Obergewalt. Der Rücktritt SagastaS und die Uedernahme der Regierung durch ein Milltär-Labinet ist bevorstehend. Der General- Capitäu von Madrid besteht auf der Annahme seiner Demission.
Konstantinopel, 23. Oetober. Während die Kaiserin ihren Besuch tm deutschen Krankenhause abstattete, war der Sultan bei dem Kaiser vorgefahren und hatte mit diesem eine Besprechung, in welcher es sich jedenfalls um die kretenfische Frage gehandelt haben dürfte.
Konstantinopel, 23 October. Die Kaiserin feierte gestern ihren Geburtstag im Park des Botschafter-Hotels. Der Sultan brachte ihr seine Huldigungen dar und schickte seine jüngste Tochter zur Kaiserin, die ihr ein prachtvolles Blumendouqaet mit einer Ansprache überreichte. Sodann spielte die kleine Prinzessin der Kaiserin die deutsche Nationalhymne auf dem Clavier vor. Die deutsche Kolonie sandte eine prachtvolle Bluwenspende. Die türkischen Schiffe hatten Flaggenschmuck angelegt und gaben einen Ehrensalut ab. Um 3 Uhr Nachmittags fand Diner beim Sultan und in der deutschen Botschaft statt. Nach Überaus herzlicher Verab« schiedung vom Sultan erfolgte um 5 Uhr die Abreise des Kaiserpaares. Unter dem Donner der Kanonen verließen die „Hoheazollern" und die Übrigen Schiffe den Bosporus. Der leichte Nordwind verspricht eine glatte Fahrt.
CtcaUs unt Provinzieller.
Gieße«, 24. October 1898.
Kirchliche Dienstnachrichtev. Ernannt wurden: Pfarrverwalter Schäfer zu Schwanheim zum Pfarrver- Walter in Hartershausen, Decanat Lauterbach - Pfarrverwalter Schultheis zu Dreieichenhain zum Pfarrverwalter in Nieder-Moos, Decanat Lauterbach; Pfarrasfistent Daunen
berger zu Düdelsheim zum Pfarrvicar in Ilbeshausen, Decanat Lauterbach,- PfarramtScandidat Schmidt zu Bad Nauheim zum Pfarrvicar in Trais a. d. Lda., Decanat Gießen- Pfarrverwalter Krauß zu Nauheim zum Pfarrvicar in Düdelsheim, Decanat Büdingen - Pfarrverwalter Köhler zu Wetterfeld zum Pfarrverwalter in Nieder«Ohmen, Decanat Grünberg - Pfarrvicar Stotz zu Rodheim, Decanat Nidda, zum Pfarrverwalter in Rodheim, Decanat Nidda. — — Die SchlußprÜfnng im Juli und August 1898 haben bestanden: Wilhelm Hotz aus Arnsburg, zu Laubach, Philipp Körbel aus Walldorf, zu Egelsbach, Jakob Kraus zu Frankfurt a. M., Heinrich Linck zu Darmstadt, Arthur Müller aus Stuttgart, zu Mainz, Gustav Pfaunmüller zu Dornheim, zu Darmstadt, Otto Repp aus Battenberg zu Bensheim, Wilhelm Schäfer aus Lippstadt i. W., zu Birkenfeld a. d. N., Friedrich Schultheis aus Kelsterbach, zu Gießen, Karl Simon zu Münster, Dekanat Grünberg, Dr. Heinrich We inel ans Bonhaufen, zu Büdingen.
♦•-dt. Stadttheater. Die gestrige erste diesjährige Kindervorstellung hatte zum Gegenstand daS vier- actige Görner'sche Märchenspiel „Rothkäppchen". DaS Theater war gut besucht, ein andächtigeres, anspruchsloseres und dankbareres Publikum konnte sich die Direction kaum wünschen. ES war ja eigentlich Theater im Theater und eine rechte Freude, die Spannung auf den Gesichtern der kleinen Gäste und den AuSbruch ihres beifälligen Jubels zu beobachten. Die Darsteller gaben sich denn auch alle Mühe, den Anforderungen der kleinen Gesellschaft zu genügen, was ihnen auch vollauf gelang. Erwachsene hätten vielleicht Manches anszu- setzen gehabt, diesmal aber stand die Kritik den Kindern zu, und die hatten eitel Lust an dem Märchenzauber.
• * P. Stadttheater. Die Sonntagabendvorstellung brachte uns ein rührseliges Volksstück der guten, alten Charlotte Birch-Pfeiffer, „Der Goldbauer" betitelt. Vom wirklichen Leben ist in dem Drama wenig zu spüren- es spinnt sich wie einer der zahlreichen unächten Bauernromane ab. Die Hauptpersonen find sattsam bekannt. Der alte, reiche, starrsinnige Bauersmann- seine stolze, vielbegehrte Tochter und der arme, aber kreuzbrave und kecke Bursche, die ihre Liebe zuerst unter Spott oder Haß verbergen und doch nicht von einander lassen können. Den Darstellern dieser drei Hauptrollen ist der Erfolg des Abend! zu danken. Die beiden Liebenden (Fräulein Würdig und Herr Merker) suchten sich im Gegenspiel zu überbieten und wußten für die ganze Scala verschiedenartigster Empfindungen den richtigen Ton zu treffen. Ju der Titelrolle gab Herr Liebscher ein scharf umriffene-, typischer Charakterbild. Nur spielte er stellenweise zu theatralisch, und die rauhe Sprechweise klang oft unschön. Alle übrigen Rollen find von der Dichterin stiefmütterlich behandelt. Ans der nur angedeuteten Figur de- Landrichters konnte Herr Dietzsch trotz redlichster Mühe nicht viel machen. Fran Helm war in Erscheinung und Spiel gut, sprach aber namentlich in der Nachtscene viel zu leise. Fräulein Bartholdy müßte ihre Afra zugleich schnippischer und gefühlvoller geben und in ihre Bewegungen mehr Abwechselung bringen. Mit dem oberbairifchen Dialect standen die meisten Künstler auf gespannten Fuß, doch ist e- damit auf großen Bühnen — was zur Entschuldigung angeführt werden mag — oft auch nicht besser bestellt. Schließlich muß eS gerügt werden, daß im Zuschauerraum starke Unruhe herrschte. Manche Besucher wollten offenbar ein heiteres Stück sehen und suchten fich, als diese Hoffnung fehlschlug, durch unangebrachtes Belachen der ernsten Stellen schadlos zu halten.
*ecf Theater Verein. Die Mitglieder des verein- wird es jedenfalls interesfiren, von der gefeierten Künstlerin Prasch-Grevenberg aus Berlin, die am Donners- tag den 27. d. M. hier gaftiren wird, einen kurzen Lebenslauf zu erfahren. Wir find in der angenehmen Lage, die Gästin als unsere Landsmännin zu reclamiren, ihre Wiege stand in Darmstadt. Ihre künstlerische Ausbildung erhielt fie von Tetzlaff, dem Oberrrgisieur der König!. Hofoper zu Berlin. In Meiningen machte fie mit 16 Jahren ihren ersten theatralischen Versuch al! Franziska in Minna von Barnhelm. Ihre nächsten Engagements waren Bremen, Wiesbaden (Hoftheater), Karlsruhe (Hostheater). Der Herzog von Meiningen forderte 1888 die Künstlerin auf, die be- rühmten Gastspiele seines Hoftheater- mitzumachen. Auf diesen Gastspielen spielte fie die Jungfrau von Orleans, Amalia in „Die Räuber", Toinette in „Der eingebildete Kranke" u. s. w. und wurde mit Recht die vielseitigste Künstlerin der berühmten Gesellschaft genannt. Auguste Prasch Grevenberg hat an vielen heroorragenden Bühnen gastirt und ist seit 1895 am Berliner Theater thätig. Die Künstlerin ist mehrsach durch Ordensverleihungen geehrt worden, auch ist fie Ehrenmitglied des Meininger Hoftheaters, eine Auszeichnung, die mit ihr nur die bekannte Tragödin Pauline Ullrich theilt. Bildnisse unsere! Gastes find in den Geschäften der Herren Balser, Free! und Challier aulgestellt.
**R, Festlichkeit. Der Verein „Concordia" veranstaltete am Samstag eine Abendunterhaltung in „Steins Saalbau". Nach der Begrüßungsansprache bei zweiten Borfitzenden, Herrn Balser, und dem Vortrag verschiedener Lieder wurde von Mitgliedern ein Theaterstück flott gespielt. Den Schluß bildete ein Tänzchen. Ein Ausflug nach dem „SchÜtzenhau!" am Sonntag führte die fröhliche Schaar nochmals zujammen.
* • Vortrage im Kaufmännischen und im OrtSgewerbe- Verein werden in der kommenden Winter-Saison gehalten von Dr. A. Köppen-Berlin: „Eine Wanderung durch Pompeji" (ProjrciionSvortrag mit farbigen Lichtbildern) - Franz Fürstenberg-Berlin: „Lebende Photographien". Weiter wird der hier selbst bestens bekannte Privatdocent Jen! Lützen an zwei Abenden hintereinander sprechen und dabei die zur Vorführung gelangenden Lichtbilder erläutern. Die Verhandlungen mit weiteren Vortragenden find noch nicht abgeschlossen.
• * Ki«e neue Serie hübscher Postkarte« hat die Firma Ernst Balser hier, in diesen Tagen herausgegeben. Die Karten, in der beliebten Lichtdruckmanier anlgeführt, werden
ohne Zweifel Liebhaber finden. Besonder! wirkunglvoll präsenttrt fich die das Gießener Volksbad darstellende Karte, die neben der Außenanficht auch eine genaue Darstellung des Schwimmbasfin! enthätt, übrigen! demnächst in Farbendrvä erscheinen wird. Eine andere Karte zeigt die neue Rltmt mit dem von dort au! gebotenen Blick auf den Gleiberg, eine dritte dal Jagdschlößchen bei Dutenhofen, ferner find Karten mit bei alten Kaserne, mit einem Gesamrntpanorawa von Gießen unb landschaftlich befonber! schöne Stadtheile zu erwähnen.
• • Eine Schlägerei zwischen zwei in einer hiesigen Brauerei beschäftigten Braugehülfen r.m Samstag Abend endete auf recht bebauerliche Weise. Einer ber Streitenden erhielt nämlich einen so gefährlichen Stich, baß er nach wenigen Minuten starb. Der Thäter würbe in Haft genommen.
• * Wetterbericht. Heber Centraleuropa ist das Barometer wieder gestiegen, sodaß fich hier der Kern eines Maximums ausgebildet hat Die Luftdruck Bertheilung ist aber in feinem Bereiche keineswegs gleichmäßig, vielmehr sind noch zahlreiche Unregelmäßigkeiten vorhanden. Die gestrige Depression über den britischen Inseln hat ihre Lage wenig verändert. Die Witterung ist meist trübe geblieben und fallen zeitweise Niederschläge. Die Temperaturen sind gestiegen, — voraussichtliche Witterung: Im Allgemeinen besseres, aber noch nicht beständiges Wetter.
Butzbach, 22. October. Nunmehr verschwindet auch das letzte sichtbare Zeichen unserer Gewerbe-Ausstellung, das „althesfische Bauernhaus", das bis jetzt noch den Viehmarktplatz ziert. Denn wie aus einer veröffentlichten Mittheilung hervorgeht, ist die Eingabe des Vorstandes der hiesigen Volksbildungsvereins an den Gemeinderath, feine Genehmigung dazu geben zu wollen, daß das Bauernhaus mit feiner Alterthumsfammlung bis auf Weiteres dortfelbß stehen bleiben könne, zurückgezogen worden. Mit dem Aus« räumen der Alterthumsgegenstände ist bereits der Anfang gemacht. Die Alterthümer werden wieder nach ihrem früheren Aufbewahrungsort in der Langgasse verbracht und daselbst für Alterlhumsfreunde zur Besichtigung zweckentsprechend ausgestellt.
§§ Vom höhere« Vogelsberg, 21. October. Die schon längst projectirte Bahnlinie Lauterbach — Gedern scheint nunmehr in Angriff genommen zu werden. Nachdem schon mehrere Jahre an der Theilstrecke Lauterbach—Grebenhain vermessen worden, ist feit Ende September eine Abthellung des Eisen bahn-Regiments Nr. 2 aus Berlin in unserer Gegend um die Ausführung der Vorarbeiten für den Bau der Nebenbahn Gedern—Grebenhain im Bereich der Eisenbahndirection Frankfurt a. M. vorzunehmen. Das Vorcommando des Regiments besteht aus einem Hauptmann, drei Lieutenants, zwei Unteroffizieren und sechs Gemeinen und ist dnquartirt in Gedern, Oberseemen, Grebenhain und Bermuthshain. Diesem Vorcommando ist das eigentliche Commando gefolgt, welches aus drei Hauptleuten, sechs Lieutenants, fünf Unteroffizieren und 27 Gemeinen besteht, die in Gedern, Ober- feemen, Volkartshain, Bermuthshain und Grebenhain Quartier bezogen. Die Vorarbeiten sollen bis Ende dieses Monats beendigt sein.
tzoherodökopf, 20. Oetober. Reiche Jagdbeute. Eine Jagdgesellschaft kehrte heute Nachmittag, von der Jagd aus dem Oberwald kommend, zu einer Erfrischung hier ein. Dieselbe bestand aus 13 Schützen mit 7 Hunden und zwölf Treibern. Das erlegte Wild bestand in einer — Schnepfe. Waidmannshell!
Aus der Lett für die Lett.
Vor 37 Jahren, am 25. October 1861, starb zu Berlin Friedrich Karl von Savigny, ein hervorragender Lehrer des römischen Rechts. Er gilt als Führer der „historischen" Schule der Rechtsgelehrten. Seine Bücher- fammlung ist ein eigener Bestandtheil der Königlichen Bibliothek zu Berlin geworden. Savigny wurde am 21. Februar 1779 zu Frankfurt a. M. geboren.
Max Halbes „Mutter Erde".
Von Dr. M. Schilling.
Unter den modernen Dramatikern nimmt Max Halbe zweifelsohne einen hervorragenden Platz ein. Zwar ist es ihm nicht gelungen, den Erfolg der „Jugend", die ihn mit einem Schlag in die allererste Reihe rückte, wieder zu erringen; aber nichtsdestoweniger haben auch feine späteren Werke durch ihre feine psychologische Kunst unb ben tiefen Stimmungsgehalt nachhaltige Wirkung hinterlassen, ©übermann! bühnen- fichere Hand, bte kühn auf ben Effect hinsteuert, fehlt ihm; aber bat, wa! ihm an bramotischer Schlagkraft abgeht, weiß er burch ausgezeichnete Milieuschilderung zu ersetzen.
In „Mutter Erde" hat fich Halbe offenkundig an Gerhart Hauptmann! „Einsame Menschen" angelehnt. Dott strebte Johannes Bockerat aus den engen Grenzen seiner Ehr heraus: Frau Käthe, sein liebe! Hausmütterchen, kann ihm nicht fürder genügen, nachdem er die Bekanntschaft ber ihm geistig ebenbürtigen Studentin Anna Mahr gemacht hat. Bei Halbe ist dal Berhältniß umgekehrt. Sein Held, Pool Warkentin, hat fich mit ber Pioftssorentochter Hella Bernharth verbunden, ohne daß er an ihrer Seite feine Befriedigung gefunden hätte. Nach zehn Jahren, al! er zum Begräbniß drS Vaters nach Haufe znrückkehrt, findet er feine Jugend« geliebte Antoinette wieder, er hat fein LedenSglück verscherzt, er ist am Glück vorbeigegangen wie der Blinde an der Pforte, oder vielmehr er hat e! in Jngendthorheit in den Wind geschlagen.
Toinette war ihm vom Vater bestimmt worden; ow Weihnachtsabend sollte er fich mit ihr, der Gespielin feinet Kindheit, verloben. Jedoch er wollte damals in seinem Eigen« sinne nicht, höher hinan! wollte er, den bereits eine emon« cipirte Frau in ihre Netze gezogen hatte. Das führte au®
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