er ja auch nicht nöthig, denn er war ihm gar kein Kind gestorben. Al- der Bürgermeister am anderen Tage die Sache erfuhr, wurde B. verhaftet.
• * Seltenheit. Herr Bleicher Schürz fing gestern in der Lahn einen Karpfen im Gewichte von W/g Pfund.
* ♦ Der 14. deutsch-evangelische Kirchengefangveretnsta- wird in diesem Jahre in Leipzig am 15., 16. und 17. September abgehalten werden.
• • Da» elfte deutsche Turnfest in Hamburg wird, nach den bisherigen Anmeldungen zu urtheilen, von 30,000 Turnern au- allen Theilen Europa- besucht werden.
Vermächtnisse. Der Großherzog hat im Laufe der Monate Januar, Februar und März l. I. Schenkungen und Vermächtnisse bestätigt, welche die Gesammthöhe von 166311 Mr. erreichen. Hiervon entfallen auf die katholische Kirche 90034 Mk, auf die evangelische Kirche 39425 Mk., auf die israelitischen Religion-gemeinden 2112 Mk., auf Gemeinden 29600 Mk., auf wohlthätige Stiftungen 4140 Mk. und auf die Hochschulen 1000 Mk.
• * Die 18. Hauptverfammluug de- Vogelsberger Höhen- Elubß wird Mittwoch den 1. Juni in Ltch stattfinden. Nach dem Programm ist vorgesehen: Bon */39 Uhr ab: Empfang der Theilnehmer; von 10 Uhr ab: Frühstück und Frühschoppen im Adlers von 11 Uhr ab: Hauptversammlung. Unter den statutarischen Punkten, die zur Verhandlung gestellt find, ist u. A. enthalten: Aufnahme de- neugegründeten Zweigverein» Burg- und Nieder-Gemünden. Die Zweigveretne stellen folgende Anträge: Alsfeld: Bewilligung eines Beitrages von ca. 300 Mk. zur Schaffung eine- schönen AuS» ficht-punkte»; Herchrnhain: Bewilligung eine- Beitrag- von 100 Mk. zur Herstellung einer Schutzhütte auf der Herchen- hainer Höhe; Ortenberg: Bewilligung eine- Beitrag- von 100 Mk. zu den Kosten der Errichtung eine- Aussicht»« thurme- auf dem sog. Dürren Stein. Wetter steht noch auf der Tagesordnung: Wahl eine- Mitgliedes de- EentralauS- auSschuffeS an Stelle des verstorbenen Apothekers Scriba, BorauschlagSberathung, Bestimmung deS Orte- für den Herbst- auSflug. Um lJ/i Uhr ist gemeinschaftliche- Mittageffen vorgesehen, nach demselben bei günstiger Witterung: Spaziergang auf den Hardberg, Concert daselbst auf Jung- Terraffe, Abend- Concert und Tanz in Stein- Saal.
* * Gültigkeitsdauer der Rückfahrkarten zu Pfingsten. Zur Erleichterung de- Reiseverkehrs zur Pfingst-eit wird auf den Preußischen, Preußisch-Hessischen und Sächsischen Staat-- eisenbahven, den Niederländischen Staatreisenbahnen, den Holländischen Eisenbahnen, der Cronberger Bahn, der Maiu- Nrckarbahn, der Eutin-Lübecker Bahn, der Gernrode-Harzge- tobet Bahn, der Halberstadt-Blankenburger, der Mecklenburg. Friedrich-Franzbahn, Mecklenburg. Friedrich-Wilhelw-bahu, den Strecken der Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft, sowie auf den Strecken einer Anzahl weiterer Bahnen, die au- den auf Stationen des Kgl. Preuß. Gr. Heff. Eisenbahndirection-- bezirk- Mainz au-hängenden Bekanntmachungen zu ersehen sind, die Gültigkeit aller gewöhnlichen Rückfahrkarten von sonst kürzerer Geltungsdauer, die am Donnerstag, 26. Mai d. I., und au den folgenden Tagen gelöst werden, bis einschließlich Montag, 6. Juni d. I., verlängert. Die Rückfahrt muß spätestens am 6. Juni um Mitternacht angetreren sein uvd darf nach Ablauf diese- Tage- nicht mehr unterbrochen werden. Auf den Badischen, Bayerischen und Württembergischen StaatSeisenbahnen, den Elsaß-Lothringischen und Pfälzischen Eisenbahnen tritt eine die allgemeine Geltungsdauer von 10 Tagen überschreitende Verlängerung der Geltungsdauer nicht ein.
* • Preisermäßigungen für Kinder auf der Eisenbahn signalisirt. Obwohl die Generalcouferenz der deutschen Eisenbahnen, der die Festsetzung allgemeiner Tarifvorschriften obliegt, erst gegen Ende de» JahreS in Berlin statlfinden wird, so ist doch bereit- ein Antrag in Vorbereitung, der sür die Preisermäßigungen der Kinder eine andere Altersgrenze zu bestimmen sucht. Die Eingabe wird anstatt des 4. bezw. 10. das 6. bezw. 14. Lebensjahr Vorschlägen, d. h. also den Anfang und den Abschluß deS schulpflichtigen Alters. Hoffentlich bestätigt sich die Mittheilung l
• * Die Firma A. L. Mohr, Altona Bahrenfeld, schreibt uns mit Bezug auf den Artikel „Amerikanische Würste" in Nr. 111 unsere- Blatte- folgendes Erwägen-werthe: „Es ist unwahr, daß die beschlagnahmte Wurst in meinen Geschäften beschlagnahmt worden ist. Ich habe allerdings die Waare geliefert, doch gehen die betreffenden Geschäfte ganz für Rechnung der Inhaber. Die Untersuchung der Wurst hat nicht von AmtSwegen, sondern auf meinen Antrag stattgefunden, weil sich herauSgestellt hat, daß sich in einem anderen Platz in einer Wurst von der gleichen Parthie Trichinen ergeben haben sollen. UebrigenS ist die Wurst in gesetzlicher Weise bezogen worden, nämlich in Begleitung eine- amtlichen amerikanischen Gesundheitsatteste-. Ohne ein solche- wird die Waare überhaupt nicht durch die Zollgrenze gelaffen. Vor dem Weiterversandt habe ich die Waare bei dem Gerichtschemiker, Herrn Dr. Langfurth in Altona, untersuchen lassen, welcher sie al» völlig gesund erklärt hat. Selbstverständlich hat er nicht jede Wurst angeschnitten, sondern nur einige. Auch find von den 70 Städten, wo die Wurst untersucht worden ist, nur in sechs Städten Trichinen gefunden worden. Nach Aussage hiesiger Sachverständigen sind Trichinen nur schädlich in frischem Fleisch, in geräucherter und gesalzener Wurst aber völlig unschädlich und habe ich über diese Frage das Gutachten des ReichSgesundheitS- amte- in Berlin beantragt. Im Uebrigen bemerke ich noch, daß ich es für möglich halte, daß sich ein Fleischbeschauer in Amerika versehen haben kann. ES kommt dies auch in Deutschland vor und hat vor nicht allzulanger Zeit daS Polizeiamt zu Creseld bekannt gemacht, daß sich ein dortiger öffentlicher Fleischbeschauer geirrt hat, indem er trichinöses Fleisch für gesund erklärt hat.
— Bon der Lahn, 23. Mai. Es ist unlängst in diesem Blatte auf die Schrift „Trost im Leiden," Lesefrüchte einer
Trauernden v. B. von B(attenberg) Darmstadt, Joh. Waitz, 95 S. mit Nachdruck aufmerksam gemacht worden, darin eine rieftrauernde Wittwe ihrem Schmerze Ausdruck verleiht, indem fie manche intereffante und erhebende Trostgedanken zumal aus englischen Werken Gleichgestimmten und Gletchgebeugten darbietet. Das warme und mitfühlende GeleitSwort schrieb P. Georg Vogel in Seeheim, früher Beuern. Inzwischen hat der Genannte am 8. Mai d. I. in Londorf bei Gelegenheit deS JahreSfesteS der hessischen Kirchengesangvereine eine Predigt gehalten, die, begeistertem Herzen entfloffen, viele Festtheilnehmer erhoben und zu neuer Arbeit ermuthigt hat. Georg Vogel, musikalisch und poetisch trefflich beanlagt und voll feinen BerständniffeS für die beiden hehren Künste, ist zugleich ein gern gehörter Prediger, der stets Wohldurchdachtes in feiner Form und Ausführung darbietet. Wir erweisen, wie wir wiffen, manchen Lesern einen Gefallen, wenn wir auf Vogel'S neueste gedruckte Mtsfionspredigt: „Kommet zu Jesu" über Evang. Matthäi 11,28 (Darmstadt, Waitz 1898, 25 Pfg.) empfehlend Hinweisen. Gehalten wurde fie am Erntefeste von Winnen, im Walde bei Nordeck im September 1897. In jener bekannten Stelle erblickt der Prediger einen Trostruf, und er gliedert die Ausführung in die drei Theile: 1. Au wen dieser Ruf ergeht. 2. Wa- dieser Ruf unS verheißt. 3. Was er von un» fordert. Die Entwicklung der Rede ist, wie stet- bei Vogel, logisch klar, knapp gehalten, gedankenreich.
§§ Gedern, 21. Mai. Ein seit Menschengedenken hier noch nicht dageweseneS Natur-Ereig ni ß trat gestern Nachmittag ein, nämlich ein Wolkenbruch. Gegen 3 Uhr Nachmittags zog ein schweres Gewitter Über unsere Gemarkung und gegen 4 Uhr brach ein Wolkenbruch los. Bon der Staatsstraße HartmannShain—Gedern ergoß sich oberhalb Gedern am AvSgang des Waldes eine gewaltige Waffer- masie gegen unfern Ort. Die Feuerwehr wurde allarmirt, da» Waffer stieg im tiefer gelegenen Thetl unsere» OrteS bi» zu l*/i Meter und riß Alle» mit fich fort, Wagen, Pflüge, Eggen, Holz u. s. w. Sogar beladene Wagen wurden durch die Gewalt de» WafferS fortgeriffen. Die Ortsbewohner griffen mit der Feuerwehr vereint ein. Das Vieh wurde au» den Ställen geholt, was nur mit großer Anstrengung geschehen konnte. Zwei Ziegen find verschwunden. Schwere Holz- stämme, sowie steinerne Gartenstöcke, Zäune u. s. w. wurden mit fortgeschwemmt. Einigen Kaufleuten wurde dadurch bedeutender Schaden zugefügt, daß ihre Vorräthe an Salz, Ehilisalpeter, Mehl, Kleie u. s. w. vollständig unter Waffer gesetzt wurden. Einem Wirthe schwammen die Branntwein-, Bier- u. s. w. Fässer im Keller durcheinander. Jeder bedrängte OrtSbÜrger schrie um Hilfe, alle» ging bunt durcheinander. Ein Landwirth, welcher mit seinem Kühgespanu in daS Waffer gerieth, konnte nur mit Mühe gerettet werden. Mehrere Männer trugen ihre Frauen aus dem Haufe. Bei Merkenfritz wurde ein kleine- Kind tobt vorgefunden, woher es stammt, ist bi- jetzt noch unbekannt. In dem vom Waffer heimgesuchten Theil der Gemarkung find Aecker und Wiesen mit Schlamm Überfluchet, sodaß wohl nur eine seht geringe GraS-Ernte zu erwarten ist. Vom Bahnhofe au- wurde dem zu erwartenden Zuge daS Signal zum Langsamfahren gegeben, da dem Bahndamm oberhalb Merkenfritz der Durchbruch drohte. AuS einigen Häusern mußte am andern Tage der hineingeschwemmte Koth und Unrath heraus geschippt werden. Chilisalpeter, Kleie u. s. w. wurden heute von einigen Kaufleuten al- minderwerthig versteigert. Die Höhe des WaffetstandeS wurde an den Telegraphenstaugen matkirt.
Berusburg, 17. Mai. Ju verschiedenen Blättern, so auch im „Gießener Anzeiger", wurde vor einiger Zeit mit» getheilt, daß Gemeinderechner Jakobi von hier wegen Fehlen- amtlicher Gelder in Haft genommen worden sei. Die eingeleitete Untersuchung hat nun damit ihren Abschluß gefunden, daß der Gemeinderechner Jakobi durch Beschluß der Strafkammer Gtoßh. Landgericht- der Provinz Ober- heffen vom 6. Mai er. von dem ihm zur Last gelegten Verbrechen im Amt kostenlos freigesprochen worden ist, da durch die geführte Voruntersuchung sich keine genügenden thatsäch- lichen Anhaltspunkte ergeben haben, daß der Beschuldigte eine strafbare Handlung begangen.
vabeuhausen, 22. Mai. Einem Zufall ist gestern die Aufdeckung eines schweren Verbrechen» zu danken gewesen. Ein in einem Gasthaus in Sickenhofen bedienstete» Mädchen gab einen Koffer nach Darmstadt auf, ohne daß es selbst die Reise dorthin angetreteu hätte. Durch irgend einen Umstand kam man auf die Dermuthung, daß das Mädchen gestohlenen Wein fortschaffen wollte- die Polizei wurde verständigt, und von dieser eine Otffnung des Koffer- veranlaßt. Statt de- Weine- wurde jedoch die Leiche eine» neugeborenen und getödteten Kinde» gefunden. Die Folge war die 83er- Haftung de- Dienstmädchen-, da- tndcffen beharrlich leugnet, von dem Inhalt des Koffers Kenntniß gehabt zu haben.
1. Alzey, 23. Mat. Unter der Direktion des Herrn Fritz Bolbach au- Mainz, deS hochberühmten Leiters der Mainzer „Liedertafel", welcher den durch Trauerfall verhinderten BereinSdirigenten Herrn Keil in liebenswürdigster Weife noch in letzter Stunde vertrat, fand vorigen Sonntag in der großen evangel. Stadtkirche die Aufführung des Händel'schen „Messias" statt. Die Solopartien, gesungen von Fräulein Annt Wiegand au» Frankfurt (Sopran) und Fräulein Avni SteinwÜrz au- Karlsruhe (Alt), sowie den Herren Nicolau- Dörter au- Mainz (Tenor) und Georg Haderer au- Frankfurt a. M. (Baß) befriedigten sehr- die Chöre waren geradzu vorzüglich zu nennen; der Hallelujachor z. B. riß mit seinen gewaltigen Figuren und Accorden die überaus zahlreichen Zuhörer völlig hin; da- Orchester verdiente alle- Lob und zeugte von der musikalischen Durch' bilbung, welche Herr Musikdirektor Muschke seiner Kapelle der Siebenundachtziger in Mainz angedeihen läßt. Der Gesummt- eindrnck de- Concert- war bedeutend und gereicht dem aufi führenden „Männer- und Damengesangverein Alzey" zur großen Ehre.
D exmif
* Frankfurt a. M., 22. Mai. Bei der Abfahrt dek Zuges von Basel nach hier am vergangenen Donnerstag Morgen um 8 Uhr 25 Min. fand die deutsche Postbehörde einen ihr übergebenen Geldbeutel ausgeschnitten und beanstandete die Uebernahme desselben. Bei der vorgenommenen Revision des Beutels stellte es sich nämlich heraus, daß in demselben ein Baarbetrag von rund 5000 Mark fehlte, während die anderen in Zinscoupons rc. bestehenden Werthobjecte sich vorfanden. Untersuchung ist sofort eingeleitet worden.
* Dillenburg. 21. Mai. Die hiesige Tabak-fabrik Joh. Daniel Haa-, Besitzer Herr Georg Land fried, hat mit dem heutigen Tage feinen Arbeitern eine TheuerungS« zulage auf drei Monate für Derheirathete 3 Mark, für Unverheiratete 1.50 Mark pro Monat bewilligt.
* Ueber das große Grubenunglück bei Dortmund wird der „Köln. Ztg." geschrieben: Kirch linde bei Dortmund, 22. Mai. Auf der der Gelsenkirchener BergwerkSgesellschaft gehörigen Zeche Zollern hat ein entsetzliches Unglück eine große Anzahl wackerer Bergleute hingerafft. Gegen 3 Uhr heute Morgen, in der letzten Nachtschicht, brach aus der 274 Meter-Sohle in der Maschinenkammer eines nach der tiefsten 351 Meter-Sohle gehenden blinden Schachtes ein Brand aus. Durch die in den Schacht einziehenden Wettes sind die Brandgase mit in die Baue gedrungen, sodaß für die ganze aus 216 Mann bestehende Belegschaft große Gefahr entstand. 170 Mann haben sich, manche nur mit großer Mühe retten können, während 45 nicht mehr in gute Wetter und zu Tage zu gelangen vermochten; sie werden sämmtlich tobt sein. Wenigstens der Ausdehnung des Brandes und der entsetzlichen Brandgase halber war es nicht möglich, die Verunglückten zu erreichen. Bis Mittag war erst eine Leiche geborgen, im Laufe des Nachmittags förderte man deren noch zwei. Wann es gelingen wird, die anderen Leichen zu bergen, läßt sich noch nicht übersehen. Der Brand ist dadurch entstanden, daß ein offenes Licht in der Bremskammer ein herabhängendes Hanfseilstück ergriff. Das Feuer fand an dem Schmierfette reiche Nahrung und es entwickelten sich in Folge dessen äußerst üble Gase in sehr großer Menge. Zeitweise schlug der Qualm aus dem Schachte zu Tage heraus; auch die Rettungsarbeiten wurden dadurch sehr erschwert. Todesmuthig drangen die Mannschaften vor, aber sie mußten vielfach unverrichteter Sache umkehren, ja, sie geriethen selbst in große Lebensgefahr. Zahlreiche Theilnehmer an dem Nettungswerke wurden ohnmächtig zu Tage geschafft, zwölf derselben befinden sich noch im Krankenhause, doch darf man hoffen, daß sie mit dem Leben davonkommen. Das Feuer hat sich selbstverständlich auch dem Schachte mitgetheilt; cs zu löschen, ist die Aufgabe, die zu lösen ist. In dem Schachte entstandene kleinere Brände wurden gelöscht, indem man Waffer in Fässern einförderte, wobei die Gemeinde-Feuerwehr,- die gleich zur Stelle war, große Dienste leistete. Zur Zeit war man damit beschäftigt, an das Rohr des Luftcompressors, der gute Wetter vor die Baue bringt, über Tage eine Röhren- tour anzuschrauben, um durch die so hergestellte Leitung Wasser in die brennende Abtheilung zu fördern. Man hofft, auf diese Weise den Brand zu ersticken. Die Arbeiten leiteten seit dem frühen Morgen der Revierbeamte Bergrath Schars und dessen Stellvertreter Assessor Wonneberg. Berghaupt- mann Täglichsbeck war schon früh auf der Grube, ebenso Oberbergrath Zix. Selbstverständlich haben auch die Zechenbeamten ihre ganze Kraft eingesetzt; der Director, Assessor Randebeck, war gleichfalls schnell zur Stelle. In hervorragender Weise haben sich auch die Arbeiter an der Rettung ihrer Kameraden betheiligt, wie dic- in löblicher Weise bei solchen Unglücken stets geschieht; es achtet da keiner der Gefahr für sein eigenes Leben, wenn es gilt, dem bedrängten Kameraden beizustehen. Der Bergmann Friedrich Sichelschmidt war schon außer Gefahr, er eilte aber nochmals zurück, um seinen Bruder Richard zu retten. Er hat dieses wackere Vorhaben mit dem Leben bezahlt, sie sind beide von dem Tode ereilt worden. Drei Brüderpaare sind unter den Umgekommenen. die beiden genannten, dann die Brüder Heinrich und Wilhelm Binsmann aus Kirchlinde und die Brüder Heinrich und Franz Wüllner von hier. Die Verunglückten waren meist Häuer, es befanden sich unter ihnen aber auch vier Maurer, die mit Maurerarbeiten beschäftigt waren. Da die Leute in der Nachtschicht fast durchweg Reparaturarbeiten auszuführen haben, sind unter den Verunglückten viele ältere, also verheirathete Leute. Vermißt wird auch der Stallmeister Süggeler. Heute Morgen gegen 8 Uhr war er noch über Tage gesehen worden; seitdem nicht mehr. Möglicherweise ist er eingefahren, um nach den Grubenpferden zu sehen, wobei er wahrscheinlich erstickt ist. Die Pferde werden auch tobt sein, es waren deren gegen 20 in der Grube. Bei dem heutigen Unglücksfalle ist die Ursache wenigstens klar. Ob ein fahrlässiges Handeln vorliegt, wird kaum festzustellen sein; jedenfalls sollte aber in einer solchen unterirdischen Bremskammer nicht bei offenem Lichte gearbeitet werden. Es giebt doch Laternen genug, die genügendes Licht verbreiten, wenn eine Sicherheitslampe zur Beleuchtung des Betriebes nicht ausreichen sollte.
• Kronprinz Wilhelm nud fein Bruder Prinz Eitel Friedrich haben fich in der Zeit ihre- Aufenthalte» in Plön geistig und körperlich ganz vorzüglich entwickelt. Der Kronprinz ist in der letzten Zeit sehr gewachsen und bedeutend kräftiger geworben. Er turnt gut und mit Vorliebe, auch rudert er ausgezeichnet. — Da» Rudern ist ein besonder» beliebter Sport in Plön. Zu Ostern hat Kronprinz Wilhelm da- Fähnrtch-examen gut bestanden. Bei Allem ist er mit großem Eifer dabei. Die beiden Prinzen müssen tüchtig arbeiten, in der Anstalt dürfen fie sich ganz frei bewegen. Sie tragen sür gewöhnlich eine Litewka und weiße Rudermütze ganz so, wie die anderen Cadetten. Sieht man fie nicht mit diesen zusammen, so fitzen fie auf dem Rade. Am Sonntag den 15. Mai fand auf dem Spielplätze deS Corps — Reitbahn


