Ausgabe 
22.11.1898 Erstes Blatt
 
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Pari», 20 November. Prinz Heinrich von Orleans veröffentlicht einen Brief an den Minister des Auswärtigen, DelcaffL/ worin er erklärt, daß fein Vorgehen den Zweck hatte, Marchand am weißen Nil anzutreffen und er d eßhalb durch Abesshnien gereist fei. Prinz Heinrich von Orleans erklärt, er fei hierüber mit König Menelik im Ein- verständniß gewesen. Der Plan sei nur dadurch gescheitert, daß die franzöfische Regierung feinem Vorgehen gegenüber nicht genügend entgegengekommcn sei.

Pari«, 20. November. In der gestrigen Lonfereoz zwischen Dupuy, Ledret und Guillain wurde bezüglich der Bertheidigung DrehfuS unter der Bedingung der Be- stärigung durch den C^ssation-hof beschloffeu, den Gefangenen nach Frankreich zu überführen.

Pari», 20. November. Im ersten Hrft der Esterhazy. Broschüre über die Couliffen deS DrehfuS- Falle- führt der Verfasser aal, er behalte fich den docu» meutvrischen Beweis dafür vor, daß ft ein blindes Werkzeug des Generalstabs gewesen fei. Par Ordre habe er Ptcqaart auf der Straße ausgelauert und geschlagen, hingegen er vor- gezogen habe, auf Elemenceau oder Retnach ouS dem Hinter­halt lo-zusprtngrn. Par Ordre habe er den Brief auch an Faure geschrieben. Jedes Wort war von den Vorgesetzten dicttrt. ES ist wahr, ich habe außergewöhnliche, ungehörige Mittel zu meiner Bertheidigung angewandt, aber durch wen veranlaßt? Durch den gelammten Geueralstab. Wie kam e-, daß ich flüchten mußte? Ich habe das Werk des Gene- ralstabeß fortgesetzt, mich gegen Alle und AllrS zu schützen, nachdem man mir nach 28 Dienstjahren hat die Epaulrtten vor die Füße werfen lassen, und warum? Etwa, weil ich vor 17 Jahren die Briefe an Frau Boulancy geschrieben, die mein Vertrauen schmählich getäuscht? Nein, well zwischen den Eavaignac und meiner Familie ein alter Haß besteht. Mein Vater war Bouaparttst und ich bin es in der Seele geblieben. DaS kann uns diese Hugeaottensippe nicht ver« zeihen. Großes Lob sp'ndet Esterhazy dem Cavaignac'schen EabimtSchef, General Roget, welcher sie guten Traditionen des Generalstabes fortsetzrn wollte. Den Tod Henrys er­klärt Esterhazy folgendermaßen: Er wußte zuviel und muhte sterben, ich aber habe kein Talent zum Opferlamm und war vorsichtiger. Die Broschüre enthält sechs Holzschnitte, Situationen und PortraitS.

Paris, 20. November. Aus absolut zuverläsfiger Quelle verlautet, daß General Mercier auf die Frage Löw'S nach der Vorlegung der geheimen Acten tm DreyfuS Prozesse die Antwort verweigerte. Löw bemerkte, der EaffationShof müffe die Verweigerung der Antwort als Gestäabntß auf« fasten, worauf Mercier weiter schwieg. Löw ließ den Bor« gang protocolltren, da auf Grund destelben unmittelbar nach der Deehsuß-Revifiou die Strafverfolgung Mercier- und der fieben Militärrichter erfolgen soll. Löw erklärte Mercier gegenüber ausdrücklich, der Casiattonshof werbe bi- an- Ende feiner Mission gehen, ohne Rückficht auf die Folgen.

Pari-, IS. November. Einen mit der Drey f uss ach e zusammenhängenden Zwischenfall hat die Deputirtenkammer auch am Freitag wieder gehabt. Der Nationalist Laste- .fragte, welche Maßnahmen die Regierung zu treffen gedenke, nm JribiScretiouen bei Geheimniffen, die die nationale 8er« theidlkung angehen, zu verhindern. Ministerpräsident Dupuy b-me-kte, die Kammer könne darin auf die Wachsamkeit der Regierung zählen. Laste- griff nun die Regierung und den Richterstand an und warf der Regierung vor, fie verschaffe der Nationalehre keine Achtung. Hierauf erhob fich ein großer Lärm und gaben die Mitglieder der Mehrheit ihrer Entrüstung Au-druck. Die Kammer beschloß, nach dem Wunsche deS Ministerpräsidenten, die Interpellation nm einen Monat zu vertagen.

Paris, 19. November. Im Justiz Palast curfirt da- Gerücht, daß neue Verfolgungen tu der DreyfuS- Auzelegeuheit bevorstehen.

Paris, 19. Novembei. DerFigaro" berichtet, Prinz Louis Napoleon habe heute Pari- verlaffeu und fich nach Brüssel begeben, woselbst er einige Tage Aufenthalt nehmen und dann nach Petersburg znrückkehren werde.

Paris, 19. November. Die heutige Unterredung deS Advokaten Labori mit dem Obersten Picqnart über die Vorgänge während feiner Haft in der Zelle Picquarts fand ohne Zeugen statt. Labori deutete Picqnart an ihn über aller Borqefallene zu unterrichten, damit er für die bevor­stehende Confrontirnng mit BoiSdeffre und anderen Generalen vor dcm Cassation-Hofe genügend vorbereitet fei. Präsident Faure wirb, wie eS heißt, die an ihn gelangten DreyfuS- scheu Jmmrdint Gesuche dem CaffalionShofe überweisen.

Parts, 19. November.®ldcle" meldet, daß der gestrige Ministerrath beschloffeu hat, DreyfuS auf der TeuselS- tnsel größere Freiheiten zu gewähren, insbesondere soll ihm gestattet werden, auf der ganzen Insel Ausflüge zu machen. Diese Vergünstigungen sollen in den nächsten Tagen noch erweitert werden.

Madrid, 20. November. In politischen Kreisen erwartet man von Stunde zu Stunde die Demission deS Labt« het* Bayasta. Dasselbe wird wahrscheinlich durch ein Ministerium Polavoseja«Silvela ersetzt werden, welches ge­mäßigt konservativ sein wird.

CtcaU» provintitdw*

Vietze», 21. November 1898.

Parlamentarisches. Die Anfrage welche der Abge­ordnete Köhler (Langedorf), in Betreff des Verbotes deS Verschleißes von Preßerzeugnissen auf den Hessischen Bahn­höfen an Gr. Regierung gerichtet hat, hat folgenden Wort- laut: Auf Befragen an Ort und Stelle konnte ich feststellen, daß im Bahnhöfe zu Gießen der Verschleiß der Zeitschriften Die Zukunft" undSimp licif simuS" verboten ist. Ans Anlaß dieses Verbotes ergeben fich folgende Erwägungen und Schlüffe: 1. Der Bahnhof zu Gießen ist Elgenthum des Preußischen Staates,- das Bahnhof-geländr der Ober-

heffifcheu Strecken dagegen ist HefflscheS LandeSeigenthum. ' Das verfchleißgebtet der BahuhofSbuchhandlung erstreckt fich i demnach über Preußisches und Hessisches Landetgenthum, : welches aber fämmtlich (das Preußische wie das Hessische) der Großherzogltch Hessischen Rechts- und Landeshoheit unter­liegt. 2. Die Verwaltung der Oberheffischen Bahnstrecken wird von der Preußisch-Hessischen GemeinschastSverwattung ausgeübt. ES sollen von derselben thunlichst Wünsche der Großherzoglich Hessischen Regierung berücksichtigt werden.

3. DaS Verbot deS Verschleißes der erwähnten Zeitschriften erfolgte durch die Königlich Preußische Eifenbahnverwaltung. Es ist nicht denkbar, daß dasselbe auS Rücksichten auf den technischen Betrieb der Eisenbahnen und der mit den letzteren verbundenen Anstalten erfolgt sein könne, da durch die Zu- laffung des Verschleißes beider Zeitschriften im Bahnhofe zu Gießen und auf anderen Hessischen Bahnhöfen der Gemein- fchaftSverwaltung, weder der Preußische Staat noch die Preußisch-Hesfische GemeinschaftSverwaltung irgend eine Ein- büße ober gar eine Schädigung des Betriebes befürchten konnte, sondern vielmehr sicher angenommen werden kann, daß durch den zu erwartenden, durch den Weitervertrieb der erwähnten Zeitschriften verwehrten Geschäft-Umsatz der Bahn- hosSbuchhaudlnng ein ansehnlicher Mehrgewinn der BahnkLsse zugefioffen wäre. Auch der etwaige Einwand, daß die Aus­übung der Buchhandlung auf den Bahnhöfen der Gemein­schaft-Verwaltung ein Monopol der Preußischen Verwaltung sei und eS hiernach der letzteren anheim zu geben wäre, welche Preßerzeugniße fie zulassen wolle und welche nicht, kann den Anforderungen des Hesfischeu Volke- auf thunlichste Berücksichtigung seiner Wünsche und Jntereffen und an Billigkeit und Recht überhaupt nicht entsprechen, da nicht der Bahnhof-- buchhandlung halber, sondern wegen Verbefferung deS technischen Betriebe- und finanzieller Jntereffen deS H-sfischeu Staate- feiten- der Großherzogltch Heffifcheu Regierung durch den Beschluß einer kleinen Mehrheit deS damaligen Hrsfischen Landtag- der technische Betrieb, nicht aber auch daS Eigen- thum und die Landeshoheit an den Bahnen in Preußische Hände gegeben wurde. Wenn nun die Königlich Preußische Effenbahnverwaltung bei Erlaß de- Verbots der zwei ge­nannten Zeitschriften hiernach von irgend welchen Bedenken, weder in Bezug auf die Sicherheit noch auf die Rentabilität des technischen Betriebe- der Eisenbahnen und der mit den Letzteren verbundenen Anstalten geleitet fein konnte, so bleibt nur übrig, in dem verbot einzig und allein eine polizeiliche Maßnahme de- Preußischen Staate- zu erblicken. Nun hat aber der Vertreter der Großherzogltch Hesfischeu Staats- rrgierung bei Gelegenheit einer diesbezüglichen Anfrage des Landtages entschieden in Abrede gestellt, daß ein Einmischen oder gar eine Beaufsichtigung der Königlich Preußischen Polizeibehörde im Großherzogthum Heffeu stattfände. Dem widersprechend aber sehen wir hier tatsächlich, wie der Preußische Staat durch Maßnahmen, die einen entschieden polizeilichen Charakter tragen, in unserem eigenen Land unS vorfchreibt, was wir im Bereich der Bahnhöfe des Groß- herzogthumS Heffen, insoweit fie der Preußisch Hessischen Gemeinschaftsverwaltung unterstehen, lesen dürfen oder nicht. Ein großer Theil des Hessischen Volke- empfindet an- diesen und anderen Gründen da- Vorgehen der Königlich Preußischen Verwaltung al- n-tt in Uebereinstimmung stehen- mit der oben bemerkten Erklärung Großherzoglichen Staat-mlnifteriumS, erblickt vielmehr darin eine offenbare Beeinträchtigung der Hessischen Rechts- und Landeshoheit und kann sich der sehr gerechtfertigten Meinung nicht verschließen, daß im Bereich der Stadt Gießen einzig und allein die Großherzoglich Hessische Regierung, vertreten durch daS Großherzogliche KreiSamt Gießen, befugt fei, auf Grund der Reichs- und LaudeSgefetze den Verschleiß von Preßerzeuguisi-n polizeilich zu überwachen. Indem ich das oben AuSgeführte Groß­herzoglicher Regierung zu geneigter Kenntnißnahme unter­breite, bitte ich hochdiefelbe, dem Landtage Mittheilunz zu- gehen zu lassen, ob die Großherzogliche Regierung gewillt fei, 1. die vorliegende Angelegenheit im Besonderen und die Berechtigung der Königlich Preußischen Bahnverwaltung im Allgemeinen und Piinzlpiellen in Bezug auf Erlaß solcher ober ähnlicher Verordnungen eingehenb zu prüfen? 2. Die Heffifche Rechts- uab Lanbe-hoheit auch in solchen Fällen genügenb zu wahren?

Lesehalle. Im Laufe ber vergangenen Woche hat in ber Lesehalle eine Zählung beS Bücherbestände* unb eine statistische Zusammenstellung der Benutzung ftattgefunben. Hiernach beträgt die Zahl ber vorhanbeuen Bände runb 1760. AnSgeliehen würben an 38 Ausleihetagen 1771 Bücher. Dem Berufe nach waren die Entleiher: Arbeiter unb Handwerker 170, Kaufleute 80, Beamte 65, ©tubenten 43, Angehörige anderer Berufsarten 56. Wie baS Ausgabejournal zeigt, ist bte Zahl ber Entleihungen im Steigen begriffen. Berücksichtigt man, daß die Lesehalle erst im Juli eröffnet worden ist und wir kaum in die Wintermouate eingetreten find, so darf daS all­gemeine Interesse für das Unternehmen, wie es fich in ber Entleihung betätigt, als ein fehr lebhaftes bezeichnet werben. Ein Beweis hierfür liegt auch in bem Umstande, baß bis jetzt 533 Entleihungskarren auögegeben worben fivb. Auch der ßeferaum erfreut fich fleißiger Benutzung, doch läßt fich leider die Arbeiterschaft noch zu wenig fehen. Allerdings ist auch in dieser Beziehung eine allmähliche Besserung zu konstatiren; sollte fich jedoch nicht bald ein ganz erheblicher Fortschritt zeigen, so wird der Vorstand eine Verlegung der Lesestunden in E.wägung ziehen. Zu bedauern bleibt nur, daß directe Wünsche auS d em Publikum, n am ent* lich aus der Arbeiterschaft, dem Vorstände bis jetzt nicht unterbreitet worben find. Gerabe dessen bedarf eS aber, um das Unternehmeu recht nutzbringend anSzugestalten. Der Vorstand rechnet mit Bestimmtheit darauf, daß daS nächste Geschäftsjahr auf der einen Seite eine enge Fühlung mit dem Publikum unb auf ber anderen eine lebhafte Theilnahme

i in der Form der Zahlung von Jahresbeiträgen bringt. Beitrittserklärungen werden während der GefchäftSstuudeu in

I der Lesehalle dankbar entgegengenommen.

Zur Stabtveeokdnetenwahl. «s wirb unsere Leser ivteresfiren, welche unserer v Shengru Stadtverordneten aus- scheiden. ES find die Herren: Fabrikant Heinrich Adami, Fabrikant Louis Hehligenstaebt, Fabrikant Meyer Hornberger, OrlSgerichtSmann A. Keller, Bäckermeister Wilh. Löb er, Laudgerichtsrath Dr. Schäfer, Kaufmann Richard Scheel, Ingenieur Friedrich Schiele, Geh. Hofraih vr. Thaer, Rentner Heinrich Vogt. Außerdem findet Ersatzwahl statt für die verstorbenen Herren August Heß und Dr. Fritz Ploch.

* Städtische» Wasserwerk. Wir machen auch an dieser Stelle die Hausbesitzer bezw. deren Stellvertreter auf die in der heutigen Nummer dieses Blattes enthaltene Bekannt­machung des Städtischen Gas- und Wasserwerks, betreffend Vorkehrungen gegen das Einfrieren der Haus» wasserleitungen aufmerksam; es empfiehlt sich, diese Bekanntmachung aufzubewahren.

* Stadttheatee. Die gestrige zweite Kinder-Vor­stellung, in OerBinsenmännchen und Biuscnm chel" ge­geben wurde, war gut besucht unb würbe feiten! der kleinen Gäste mit großem Beifall anfgenommeu.

* * Stadttheater. Scribe'S berühmtes LustiplelDaS GlaS Wasser" geht, wie bekannt, am Dienstag, den 22. b. M., mit Hofschauspieler Heinrich Hacker von Darmstadt als Gast im hiesigen Stadttheater in Scene. Herr Hacker hat denBolmgdroke" inGlas Wasser" u. A. auch jüngst im Stadttheater in Kaiserslautern al8 Gastspiel- rolle gegeben. DiePfälzische Presse" schreibt darüber: In keiner ßiiterotur ist daS Genre des JntriguenstückS so entwickelt, wie in Frankreich. Dieses L stspiel, daS auf die Feinheit deS GefpinnsteS, auf daS bunte, erpötzliche, aummhig gelenkte Hin und Wieder der Fabel daS höchste Gewicht legt, steht einigermaßen im Gegensatz zu der von Shakespeare getroffenen unb auch in Deutschlanb trefft ch gepflegten Charactercomövie. Zwar ist auch baS JlitriguenstÜck nickt dar aller Characteristik. Allein diese ist hier nicht bte Quelle der Motivirnng, sondern wird lediglich ber Derw cklung bienftbor gemacht, ist mehr scharf als tief, mehr starr al- fllehenb. Scribe unb feiue Nachfolger je^nrn wohl auch Charactere, aber fie entwickeln dieselben nicht au der Hand­lung, sondern fie stellen sie fix unb fertig in bat Sptel hinein. Es ist einleuchtend, baß damit auch ber Thatigkdt des Schauspielers im Jntriguenlustspiel ein in bestimmten Grenzen gehaltene- Gebiet angewiesen ist- eS gilt nicht, Charactere psychologisch zu entwickeln, sondern gegebene Figu­ren richtig zu erfoffen unb inS rechte Licht zu stellen und babei jener feinen, esprltvollen Grozie gerecht zu werben, burch die fich die meisten französischen JntriguenstÜcke aus- zeichnen. Im Ganzen kamen die Darsteller in der gestrigen Vorstellung von ScribeSDaS Glas Wasser" diesen Forbe- rungen nach. Vor Allem war unser Gast vom Darmstädter Hoftheater, Herr Heinrich Hacker, als Bolingdroke in jeber Hinsicht Herr ber Situation. Man kann biefe Figur mehr nach ber Seite beS feinen, in allen Ränken erfahrenen Jutriguanten geben, unb viele Schauspieler mit berühmten Namen ziehen bieS vor, aber ohne Frage verliert bamtt ber Character beS Bicomte. Biel sympathischer ist naS die Art, wie gestern Herr Hacker den Bolingdroke verkörperte, nämlich als übermütigen unb überlegenen, mit allen Waffen des Spottes au-gerüsteten Ritter unb Beschützer ber gerechten Sache, bem nicht biplomatifche Kniffe unb Durchtriebenheiten, fonbern fein eigener gefunber, fröhlicher Menschenverstand» bte Mittel an bte Hanb geben, bie von ber Herzogin von Marl­borough geschürtzten Knoten ber Jntrigue zu burchschlagen. So bot Herr Hacker als Bicomte eine prächtige, vom wärm­sten Leden erfüllte Figur, deren fröhliche Laune fich bald auch bem Publikum mittheilte unb biese- zu rauschenbem Beifall anregte.

Kaiser Panorawa. In die Riviera, Genua, San Rrmo, Bordighera, Vintimiglia, Mentone und Monaco führt uns die diesmalige Reife. In vortrefflichen Bildern bewundern wir Genua, das feine großen Söhne in Denkmälern zu ehren weiß. Eingehender zeigt sich ferner San Remo, dessen Villa Zirio die Wohnung Kaiser Friedrichs während feiner Leidens­zeit war. Prächtige Strandpartien, Ausblicke auf das Merr, Abendlandschaften, Gebirgsmotive ziehen an uns vorüber, wir betrachten Monte Carlo, sehen in Monaco die Villen des russischen Kaiserpaares und vieles andere. Der Besuch der ebenso lehrreichen wie interessanten Ausstellung kann unseren Lesern angelegentlichst empfohlen werden, zumal Herr Schmidt den Vereinen und durch Vorverkaufsstellen die Preise so er­mäßigt hat, daß jede Familie sich den Genuß wöchentlich bereiten kann.

Schweine Einfuhr. Vergangenen Freitag traf hier ein Waggon Holländer Schweine ein. Herr Schweine- länbler Nebhut hat eS übernommen, durch Einfuhr dieser von der städtischen Schlachthausverwaltung für gesund und labenrein befunbenen Schweine, eine allgemeine Preisermäßig­ung herbeizuführen. Voraussichtlich gelangt nächste Woche lieber eine Waggonlabung an bte hiesigen Metzger zum Verkauf.

* Guterwagen. In der vergangenen Woche fand hier eine Versammlung von Interessenten, behufs Stellungnahme gegen die von der Eisenbahnbehörde geübte Berechnung von Wagenstandgeld für die Sonn- und Feier­tage statt. Man sprach sick entschieden gegen die am 1. Ja- nuar in Aussicht gestellte Maßnahme au», daß nämlich von jenem Zeitpunkt an bei Avisirung und Bereitstellung von Wagen bis spätestens 9 Uhr Vormittags die Be- bezw. Ent­ladefrist derselben mit dem Schluffe der Geschäftsstunden ihr Ende erreichen muß. (Ausgenommen hiervon sind Versender oder Empfänger, welche 2 Kilometer vom Stationsort woh­nen.) Die jetzt gültigen Ladefristen für Waggongut dauern 24 Stunden, von denen allerdings die Nachtzeit in Abzug kommt, so daß immerhin 12 Stunden zum Ent- oder Be­laden der Wagen zur Verfügung bleiben. Nach den neuen Bestimmungen würde biefe Frist um 23 Stunden gekürzt werden. Die Versammlung war sich darüber einig, daß diese

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