Ausgabe 
22.2.1898 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

1808

Dienstag den 2^. Februar

Erstes Blatt

kbach öle

Aints- unb Anzeigeblutt für den Kreis Gieren.

I Gratisbeilage: Gießener Familienblätter

Deutsches Retchstug.

*0000®

nbehörtheile.

Alle Anzeigen-BermittlungSstellen de« In- und «uSUebef nehmen Anzeigen für )«t (Siebener Anzeiger ntgcgae.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Sonn. 10 Uhr.

Redactton, Expedition und Druckerei:

Schntstrah, Ar. 7.

beste

jebrauch

[ bequemste

- Welt

1803 xrbesimmgSmtttel, bei wann, > m der frilUU, che ro.

Sdreffe für Depeschen: Anzeiger Ließen.

Fernsprecher Nr. 61.

A«r»S-,rei» vierreljährlich, 2 Mari 2® Pfg. monatlich 76 Sffr mit Bringerloh«.

Btt Postbezug Mark 50 Pf», ierteljahrlich.

Tbompso iW

um dringende Antwort be-üglich der Ausbesserung der Pen« \ sionen der vor 1890 penfionirten alten Lehrer. Die Verhält- ntsse derselben seien sehr bedürftig und eine Erhöhung dringend uöthig. Geh. StaatSrath Knorr erwidert, die Erwägungen der Regierung in dieser Richtung seien noch nicht abgeschlossen. Die Angelegenheit sei nicht so einfach, da eS sich hierbei um ganz bedeutende Summen handle. Die Verhandlungen feien bald abgeschlossen und werde eine Ant- wort erfolgen. Abg. Christ wird mit alleu Kräften für die Idee der Verstaatlichung dec Volksschulen eiutreteu. Die voa deu Gegnern hervorgehobene Verdoppelung der Staats- steuer fürchte er nicht, da sich ja dann die Communalfteueru in demselben Matze verringern werden. Abg. Bren­tano hält die unentgeltliche Abgabe von Schülbüchern für ein gefährliches Experiment. Man solle den Eltern die Für- ' sorge für ihre Kinder nicht allzusehr erleichtern, weil hierin eine gewisse Gefahr liege. Für wirklich Bedürftige werde von den Communen in ausreichendem Maße gesorgt. Er

aalwuren-, handlangen.

mpson's

L Isanwolt.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Ausland»

Wien, 20. Februar. Nach einer vorübergehenden Besserung im Befinden der Prinzessin Clementine hat fich .ihr Rustand gestern Abend wieder verschlimmert, sodaß die Patientin mit den Sterbesacrameuteu versehen werden mUtit3anlbni(L 19. Februar. Infolge ungeheuren Schnee­falles ist der Verkehr überall gestört- der Bahn­verkehr zwischen Innsbruck und Knfstein, sowie auf der Strecke Langen-Bludenz ist eingestellt. t _

Bndapest, 20. Februar. Infolge der fortdauernden soclaltsttschen Unruhen n-erdcn jetzt °ui V->jagu°g de« Ministers des Innern alle fcclaltstifchen Anführer, die fich an Orten aufhalteu, in denen fie nicht zuständig find, an die Grenze oder an ihre ZnftL->dtgk-,t»°rte abg-Ich°b-n. Hier und in Neuhäusl sind bereit« solche «u-w-tsung.n «folgt, weitere Ausweisungen stehen bevor. Auch im Bekeser Comitat sind neuerdings Unruhen auSgebrochen.

Palermo, 20. Februar. In Tro tua verlangten 800 Per* fontn, die zum Thetl bewaffnet waren, vom Bürgermeister Brot. Der Polizei gelang eS nicht, die Demonstranten au»' einand-r zu trribrn, fo dah Militär mit scharf gdabeneB

Berlin, 20. Februar. Die kaiserlichen Prinzen werden am 27. Februar, dem VermählungStage des Kaiser­paares, von Plön in Berlin erwartet.

Berlin, 20. Februar. DerNational Zeitung" zufolge wird der Kaiser schon am 25. Februar tu Wilhelmshaven eiutrrffen, um die Rekruten des Geschwaders zu besichtigen.

Berlin, 20. Februar. Die Einrichtung der Verwaltung für das Kiaot schau-Gebt et ist nunmehr erfolgt. Lapitän Rosendahl ist zum Gouverneur des Gebietes ernannt worden.

Bochum, 19. Februar. Der Berg« und Hüttenarbeiter- verband fordert durch ein Flugblatt alle Bergleute auf, an der Beerdigung der auf der ZecheKarolinenglück Verunglückten theilzunehmrn,ben Opfern zur Ehre, dem System zur furchtbaren Anklage." Um 7 Uhr Abend» waren sämmtltche Leichen geborgen.

Bochum, 19. Februar. Wie die Verwaltung der Zeche Bereinigte Karolinenglück" heute Vormittag 8 Uhr mittheilr, find inSgesawmt 117 Todte geborgen. In der Grude sollen fich keine weiteren Verunglückten mehr befinden. Die Beerdigung der Tobten findet morgen Nachmittag statt.

Bochum, 19. Februar. Der Kaiser sandte für die Hinterbltebeneu der verunglückten Bergleute ein Bet- leidStelegramm. Der Minister des Handel» und der Gewerbe wurde ferner beauftragt, zu berichten, wa» zur Linderung der dringendsten Noth sogleich geschehen könne. Frkf. Ztg.

Bochum, 20. Februar. Heute Nachmittag fand unter Theilnahme zahlreicher Vereine und einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge die Beerdigung der Mehrzahl der bet der Grubrnkataftrophe auf ZecheBereinigte Karolinen» - glück" in Hamme um» Leben gekommenen Bergleute statt. Nachdem die Särge, 109 an der Zahl, in zwei riesigen \ Massengräbern auf dcm Friedhof in Hamme versenkt waren, hielten Geistliche beider Confesfionen tief ergreifende Trauer- reden. Hunderte von Familienmitgliedern umstanden laut klagend beide Gräber.

Minden i. Wests, 19. Februar. Die städtischen Collegteu haben einstimmig beschloffen, von dem Garantiebetrage, deu die Provinz Westsalen leisten soll für den Mittelland- canal, die Hälfte al» freiwillige Borausletstung zu über» ? nehmen. , , n

Hamburg, 19. Februar. Da» Schöffengericht ver­handelte heute gegen dieHamburger Nachrichten" wegen der Ntchtaufuahwe einer von dem Inspektor BrunS eingesandten Berichtigung in der Affaire mit dem Grafen Rantzau und wie» die Klage ab.

München, 20. Februar. Der Chefredacteur derAll- gemeinen Zeitung", Geheimrath vr. Jolly, ist heute plötzlich an einem Schlaganfall gestorben.

München, 19. Februar. Der Historienmaler und Pro- seffor an der Akademie der bildenden Künste, Alexander v. Liezenmayer, ist heute früh gestorben.

Karlsruhe, 19. Februar. Der Großherzog und die Großherzogin von Hessen trafen heute Mittag 12 Uhr 35 Minuten hier ein und wurden auf dem Bahnhöfe va« Großherzog und der Großherzogin von Baden, sowie der Fürstin zu Wied empfangen. Die Großherzoglichen Herr- schäften gedenken um 4 Uhr 45 Mtn. nach Darmstadt zurück« zukehren.

sch vollkommene if vor allen

881 Oberhessen: hf.,

Hfl!

L"* fi« «tinem ich * "pezier. und (Wen werde.

Ä 1330

»en.

Stücken and

ter Mt.

E$ $£Ü|L

ir

-Ä.

Nr 44

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Die Gießener

JamtlienötLtter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal bttgelegt.

45. Sitzung vom SamStag deu 19. Februar 1898.

Tagesordnung: Antrag deS Bbg. Augst (iüdd. Vp.), die Genehmigung zum Fortgang eine» Strafverfahrens zu rrtheileu, bet welchem der Antragsteller Kläger und Wider- beklagter ist.

Der Antrag geht nach kurzer Debatte on die Geschäft»- ordnungScommtsfion.

ES folgt die Fortsetzung der Brrathung der Postdampser- uovelle.

Abg. Graf Arnim (Rp.) hält es für nothwendig, daß in dem Gesetze selbst die Verpachtung dr» Norddeutschen Lloyd ausgesprochen werde, auf oeutscheu Werften zu bauen. Auch wüßten die Schiffe sich mit deutschen Producten ver- sorgen und nicht mit ausländischen. Frrner wünsche er, daß | der Lloyd aus allen seinen Linien seine Brkaontmachungeu in deutscher Sprache publicire und nur da, wo dies unbedingt unerläßlich erscheine, auch in englischer Sprache.

Abg. Hermes (frs. Bp.) kann nicht glauben, daß es fich bei dieser Borlage um ein nationales Interesse handele und daß dieselbe dem nationalen Handel zu gute komme. Der Postverkehr werde ohnehin nut dem Augenblicke aufhören, wo die sibirische Bahn vollendet sei. Erfordere e» aber der Handel, so werde auch ohne Subvention eine andere Linie [ häufigere und schnellere Schiffe einstellen, dazu brauche man | aber nicht unsere Steuerzahler in Anspruch zu nehmen. Auf die BertragSbestimmungen wegen Nichtbefö-cderung ausländischer Producte, Fletsch aus Australien, Getreide au» Indien, lege er wenig Werth, denn dir Concurrenz werde wegen der Ver­mehrung de» Schiffsraumes ohnehin genöthigt sein, billiger zu verfrachten.

Abg. Hamm ach er (nl.) macht dem Vorredner den Vor­wurf, daß es scheine, als wenn ein gewiss:r Mangel an nationalem Gefühl seine Stellungnahme deeivfluffe, und fährt dann fort, man müsse dem Lloyd, der viele Opfer für Deutsch­land gebracht habe, die Anerkennung nicht versagen, daß er seine Verpflichtungen gewissenhaft erfülle, und würden ihm jetzt größere Verpflichtungen auferlegt, dann müsse er auch dafür schadlo» gehalten werden. Auch trotz der sibirischen Bahn werde für unsere Postdampfer ein ausreichender Verkehr bleiben. Für die deutsche Landwirthschaft erwachse daraus Trine Gefahr. Die deutsche Landwirthschaft brauche eine kauf­kräftige Industrie, und daß deren Kaufkraft durch die Vor­lage gefördert werde, sei nicht zu bezweifeln. Redner wünscht noch, mit dem Anlauf von Rotterdam und Antwerpen zu alterniren und für die Schiffe ausschließlich deutsche- Material zu verwenden.

StaaSsecretär Graf PosadowSky erwidert, schon in dem letzten Vertrage sei der Bau auf deutschen Werften angeordnet, und er sei gerne bereit, die Frage dahin zu ver­tiefen, ob es fich gebiete, die Verwendung deutschen Material» vorzuschreiben, insoweit dieses in genügender Güte zur Ver­fügung stehe. R chtig sei, daß der Lloyd in London gelegentlich billigere Tarife bewilligte als Deutschland im Vertrage ge- nehmigte, und zwar wegen der scharfen Concurrenz in London- die deutsche Regierung habe auch sofort energisch Einspruch erhoben, aber dem Lloyd gestattet, den Tarif generell herab­zusetzen (Zwischenrufe), auch für Deutschland- eS seien 20 Pro- rent Rabatt erlaubt worden.

Abg. Metzger (Soc.) ist gegen die Vorlage.

Abg. Graf Limburg (cons.) betont nochmal», daß ein Zusammengehen von Landwirthschaft und Industrie nur mög­lich, wenn auch letztere der ersteren mehr entgegenkomme, als die» bisher der Fall gewesen sei.

Nach weiterer kurzer Debatte geht die Vorlage an eine Commission. .

Nächste Sitzung Montag 1 Uhr. Tagesordnung: Militäretat.

Schluß 5i/4 Uhr.

Aus deu Verhandlungen der Zweiten Kammer der hessischen Stünde.

G. Darmstadt, 19. Februar 1898.

Die Berathuugen über da» Ftnanzbudgrt werden mit Capitel 48, V o l k» s ch ue n, fortgesetzt. Geh. Oberschulrath Eisenhuth ist der Ansicht, daß bei Einführung von Lehr- büchern in den Schulen lediglich deren Brauchbarkeit maß- gebend sei. Die Einführung derselben auf Zuficherung de» Verlegers, einen Thetl des Reingewinnes irgend einer milden Stiftung zuzuwetsen, zu empfehlen, halte er für sehr gesähr- Itd}. Abg. Ulrich interpellirt nochmals die Regierung

^pt l°r|ir?eD'

wünscht die Aufbesserung der Pensionen der vor 1890 penfionirten Lehrer. Bei ihm nicht in Betracht : komme die Koftenfrage. Abg. Köhler wünscht, daß die j Landwirthschaft in der Volksschule mehr berückfichtigt werde. Er empfiehlt der Regierung, Lehrearse für Lehrer einzurtchteu, in welchen die Grundzüge der Landwirthschaft gelehrt würden. Bet dem jetzigen Stand der Landwirthschaft fet eS nöthig, die Schüler der Volkt schulen hierüber auszu- klären. Abg. Graf Oriola und Abg. Heiden reich treten dieser Ansicht entgegen, da durch Abhaltung von öffent- ltchen Vorträgen und burd) die landwirthschaftlichrn Winter« schulen diesem Bedürfvtß Jn vollstem Maße entsprochen werde. Abg. Wern her gibt die Erklärung ab, daß : man in Rheinhessen nicht geneigt sei, jetzt noch mehr sür die beiden anderen Provinzen zu thun, als b,s jetzt geschehen sei. Abg. Schmalbach spricht fich für die Übernahme der VolkSschulkosten auf den Staat aus und wünscht, daß die Aufbesserung der Lehrerpeusioneu bald eintrete. Abg. Bähr ist gleicher Ansicht wie sein Vorredner. Bedauerlich sei es, wenn fich die reicheren LandeStheile von der Thetl- nähme der Aufbringung der Mittel zurückziehen würden. Er hält die Volksschule viel wichtiger al» den Bau von Brücken, Museum und Hochschule. Staatsminister Finger er- widert, mau nehme es bei Behandlung der Frage sehr leicht mit den constitutionellen Bestimmungen, in welchen das Mitbe­stimmung-recht der Regierung gewahrt sei. Die hier be- handelte Sache sei sehr schwierig und erfordere die eingehendste Prüfung. Man möge die Regierung nur gewähren lassen, dieselbe werde schon thun, waL recht und billig sei. Abg. Friedrich wird für Uebernahme der Volksschulkosten auf den Staat eintreten, hält aber den Zeitpunkt, sich hierüber zu erhitzen, sür zu früh. Erst wenn ganz genaue Kosten- erhebungen stattgefundm hätten, könne man darüber reden. Nach einigen persönlichen Bemerkungen wird da» Capitel im Betrag von 1,402,200 Mk. einstimmig genehmigt.

Bei Capitel 49, Turnunterricht, tat der Ausschuß beantragt, den geforderten Betrag von 8615 Mk. zu be­willigen mit der Maßgabe, den Gehalt des Turninspectors nur auf den Inhaber zu bewilligen. Geh. Oberschulrath Eisenhuth weist in trefflicher Weise die Nothwendtgkett de» Turninspectors für Hessen nach. Nach Zurücknahme der Einschränkung durch den Finanzausschuß wird das Capitel genehmigt. .

Für Capitel 50, Hofbibli othek und Museum, werden 109,598 Mk. einstimmig bewilligt.

Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung am Mittwoch.___ __

Deutsches Reich»

Berlin, 19. Februar. Der Kaiser hörte heute Bor- mittag von 10 Uhr an die Vorträge des Chefs des General­stab» der Armee Grafen v. Sch liessen und de» Chef» des Militärcabinet» v. Hahuke und nahm demnächst zahlreiche mili­tärische Meldungen entgegen.

Berlin, 19. Februar. Die Präsidien der beiden Häuser de» Landtage» wurden heute Mittag 1 Uhr von der Kaiserin in besonderer Audienz empfangen.

Berlin, 19. Februar. Die Budget-Commission des Reichstages bewilligte die Forderung für die Ar- tillerie- und Trainkaferne in Darmstadt.

Berlin, 20. Februar. Am nächsten Dienstag tritt im ReichSamt des Innern der Börsen-Aus schuß zusammen, um seinen Vorsitzenden zu wühlen, die Geschäftsordnung zu berathrn und Beschlüsse über verschiedene allgemeine Ange- legenhetten zu fassen.