London. 17. April. AuS Portsmouth wird gemeldet, der hiesige amerikanische Coniul wurde per Sabel angewiesen, die Dampfer „Newyork" uud „St. Louis" mit voller Geschwindigkeit nach Amerika zu schicken. „@t. Sontt" dampfte infolgedessen sofort ab, während „New- York" drei Stunden später folgte.
Washington, 16. April. Der Maaufacturwaarenwillionär Wauamaper läßt in Pensylvauteo ein ganze» Regiment auf seine Kosten anwerben.
Havanna, 16. April. Acht Bataillone der activeo Armee find hierher zurückgekehrt. — 50 Familien schifften sich aus der „Versailles" ein, um Saba zu verlaffen.
Malaga, 17. April. Demoustranteu durchliefen schreiend die Straßen und warfen Steine gegen das amerikanische Tousulat. Siner aus der Menge stieg auf eine Leiter hinanf zum Wappenschild de» Consulat», riß e» herunter uud schleifte e» durch die Straßeu. Der Präsect ging den Demonstranten entgegen uud forderte fie zur Ruhe auf. Genßdarmerie durchzieht die Straßeu. Die Stimmung ist eine sehr erregte. ____________________________________________
Locales utib prwHnjieflw.
Gießen, den 18. April.
*• Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten« Lerfammlnug Donnerstag den 21. Aprtl 1898, Nachmittags 31/, Uhr pünktlich, eventuell mit Fortsetzung am Freitag den 22. April 1898, Nachmittag»: 1. Gesuch de» Jacob Horn um Erlaubutß zur Legung einer Rohrleitung unter dem städtischen Weg in der Nähe der Schtllerstraße. 2. Gesuch de» Direktor Spamer um Erlaubutß zur Anlage eine» Canal» nach und in der Liebigstraße. 3. Gesuch de» H. W. Rinn vou Heuchelheim um Erlaubutß zur Erbauung eines BackstetnmacherhäuSchen» tm Neustädterfeld. ,4. Gesuch de» H. Kockerbeck um Erlaubuiß zum Bauen in der Crednerstraße. 5. Gesuch de» Fabrikanten K. Kliugspor um Erlaubutß zur Errichtung einer provisorischen Sorttrhalle. 6. Bauliche Beränderuugeu tm rechtsettigeu Thorhause am Neuenweg- hier: Arbeit-vergebung. 7. Aufräumung der Fluthgräben tu der Gemarkung Gießen- hier: Arbeit-vergebung. 8. Unterhaltung der Gebäude und Wege auf dem Friedhöfe am Nahrungsberg - hier: Arbeitsvergebuog. 9. Erweiterungsbau für da» Realgymnasium- hier: a) Lieferung vou Rollläden, b) GaS- uud Wasserleitungen. 10. Herstellungen tm westlichen Thorhause am Seltersthor. 11. Die Au»sührung der Anpflanzung de» Gräderselde» A des alten Friedhoses. 12. Errichtung eine» Ausfichtsthurme» aus der Hochwarte. 13. Gesuch de» Johanne» Nickel um Verpachtung eine» seither zur Kehrichtlagerung benutzten Triebvtertel» am Mittelweg. 14. Gesuch de» Franz Nebl um Entfernung eine» Baume» vor seinem Hause au der Grüubergerstraße. 15. Die Goethestrahe zwischen SelterSweg und Südanlage- hier: Abänderung der Bestimmung über die Anlage vou Vorgärten. 16. Gesuch de» Frauz Hermes um Erlaubutß zum Wtrthschaftsbetrteb tm Hause Bahnhofstraße 34. 17. DeSgl. des Ferd. Schott zum AuSschaak vou Cognac und feineren Liqueuren in einem wetteren Zimmer seine» Hauses Bahnhofstraße 27. 18. Gesuch des Louis Bourgeois um Ertheilung der Erlaubutß zum Wtrthschaftsbetrteb im Hause Wallthorstraße 6.
e*c? Coucert deS Akademischen Gesangverein» em 3. Mai. Wir rrhalteu soeben die Nachricht, daß der Akademische Gesangverein unter Leitung seine» Dirigenten, Herrn Univerfität»«Mufikdirector Trautmann, und unter Zuziehung hervorragender Solisten ein größere» Concert veranstalten wird. Wir behalten un» vor, alle» Weitere in nächster Zett zu veröffentlichen, drücken aber heute schon unsere Freude über das Unternehmen au». Die Zett ist eine ungemein günstige- in süheren Jahren hat un» der Concert- vereia mit einer Sommeraufführung erfreut. Genannter Verein hat aber diesmal sein Pensum schnell hintereinander abgewickelt, so daß der Akademische Gesangverein geradezu eine Lücke aussüllt. Für daS Musikleben ist der Akademische Gesangverein so wichtig, so unentbehrlich, und durch seine Leistungsfähigkeit tu allen Kreisen so geschätzt, daß wir keinen Zweifel an dem schönsten Gelingen des Unternehmen» haben.
• • Der „Gießener Radfahrer Verein 1885" hielt am Gamstag den 16. d. Mts. im Hotel Schütz seine diesjährige gut besuchte Generalversammlung ab. Au» den Berichten ist hervorzuheben, daß sowohl die Mitgliederzahl als auch der finanzielle Staad de» Vereins alle früheren Jahre bedeutend übersteigt. An den vom Gau und Bezirk ausgeschriebenen Preistouren betheiligre sich der Verein besonders hervorragend, sodaß demselben auf dem letzten Gautag eine größere Anzahl Prämtirungen zu Thetl wurden. Die Borstandswahl ergab nachstehendes Resultat: Gustav Ruppel, Kohlenhändler, erster Vorsitzender, Louis Seuling, Architect, zweiter Bo,fitzender, Fr. Jung, Etseuhäadler, erster Fahrwart, B. Springer, Kaufmann, zweiter Fahrwart, Carl Herber, erster Schriftführer, Earl Müller, zweiter Schriftführer, Jos. Serva», Eisenhändler, Zahlmeister, Fritz Schreiner, Bäckermeister, Zeugwart. Wie früher, so wird fich der Verein auch im neuen Jahre die Pflege de» Tonrrnsporte» ganz besonders angelegen sein laffen. All Heil!
• • Da» Bersuchsrenurn der Traiuirschüler von Franz verhetzen ging gestern Nachmittag unter ziemlich lebhafter Bethetligung des sportliedenden Publikums auf der Rennbahn an der Hardt vor fich. So viel wir erfahren konnten, wurden recht intereffante Rennen gefahren, über deren Resultat wir indeß nicht berichten können, da uns eine Berichterstatterkarte .nicht zugestellt wurde.
• • DaS Zurückbehalteu der Bierflaschen. Seitens der Brauereien und Bierverleger ist wiederholt darüber Klage geführt worden, daß die von ihnen ausgeliehenen gefüllten und mit Abzeichen versehenen Flaschen in einer großen An- zahl von Fällen nach Entleerung nicht wieder zurückgegeben, iondern von den betr. Inhabern zum persönlichen Gebrauch verwendet «erden. Insbesondere werden derartige Flaschen
oft vou Bierhandlern, Gastwirthen usw. zurückbehalten uud i theilweise zum Berkaus anderer Biersorten benutzt. Diese» , Verfahren verstößt gegen da» Markeuschutzgefetz vom j 12. Mai 1894 und wird mit Geldstraße von 150-5000 Mk. oder mit Gefä^tgaiß bi» zu 6 Monaten bestraft. Daneben ist der berr. Contravenieor dem verlrtzieu zur Entschädigung verpflichtet. Aber auch von sonstigen Sonsumenten werden oft solche Flaschen behalten und zum Privatgebrauch vrr- wandt, besonder» zur Aufbewahrung vou Stoffen, welche geeignet find, da» eventuell später wieder in die Flaschen ge- füllte Bier zu verderben oder seine Güte zu verringern. Sine derartige Benutzung der fremden Flaschen kann eventuell al» eine rechtswidrige Zueignung angesehen und bestraft werden.
•• 3h Amerika verstorbene Hessen. Brooklyn, N. Y., Heinrich Bechtluft, 69 Jahre alt, au» Flonheim. Belle- ville, Jll., John Krug, 52 Jahre alt, aus Flonheim. Boroughof Manhattan, N. A., Margaretha Steinberger, geb. Frank, 72 Jahre alt, aus Gießen. Oakoille, Mo., Carl Becker, 81 Jahre alt, au» Etchloch. Columba», O., Wilhelmine RtugShauseu, 87 Jahre alt, au» Nidda. BeardStown, Jll., Kalharina Heßler, geb. Serth, 68 Jahre alt, au» Ilsdorf bei Grünberg. Chicago, Jll., Jacob Bauer, 67 Jahre alt, aus Nackenheim bei Mainz. San Jose, Cal., Friedrich Theuerkauf, 76 Jahre alt, aus Hessen-Darmstadt.
-e- Lollar,' 17. April. Heute fand hterfelbst im „Schön- Hof" eine Berfammlung behufs Gründung eine» Ort»- gewerbeveretu» für Lollar und Umgegend statt. Nach den einleitenden Worten des Etnberufer» der Versammlung, Herrn Schreiuermeister Rohrbach, übernahm e» der Vorfitzende de» Gießener Gewerbevereins, Herr Commerzienrath Hehltgenstädt, die Bortheile für die betheiligten Handwerker bet Errichtung eine» GewerbeveretnS, im Hinblick auf da» neue Handwerkergesetz, in verständlicher Weise darzulegen, sowie auch aus alle sonstigen Fragen der Anwesenden in ltebeo»würdtger Weise Auskunft zu ertheilen. ES meldeten fich 25 Mitglieder, thetl» Handwerker, theil» Förderer de» Handwerks uud steht die gleiche Zahl Anmeldungen für die, zwecks endgiltiger Coustituirung demnächst einzuberufeude Versammlung bevor. Bon den umliegenden Ortschaften waren ebenfalls Gewerbetreibende erschienen, die ihren Beitritt erklärten und weitere Mitglieder in Aussicht stellen konnten. Die Errichtung einer Zeichnenschule wurde in» Auge gefaßt. ES ist zu hoffen, daß der OrtSgewerbeverein in segenbrtngender Weise wirken wird und einer schönen Zukunft entgegen geht. Herrn Commerzienrath Heyligenstädt, sowie Herrn Rohrbach sei an dieser Stelle nochmals der gebührende Dank zum Ausdruck gebracht.
Mainz, 16. April. Der Schuhmacher Philipp Johann Schmitt aus Mainz, in Engelstadt wohnhaft, wurde wegen Beleidigung des Großherzog» uud der Großherzogin zu fünf Monaten Gefängvtß verurtheilt.
Vermischter.
• liebet den Mädcheumord in der Haseuhaide bei Berlin liegen nähere Meldungen von Berliner Blättern vor: Am Freitag Morgen 6 Uhr wurde vou Arbeitern aus Rudorf, die fich nach Berlin begeben wollten, zwischen dem Militärarrestgebäude und der Küraffterkaserue in der Hasenhaide absett» vom Wege eine entkleidete weibliche Leiche ausgesunden, unzweifelhaft da» Opfer eine» Verbrechen». Die Leiche lag auf dem Rücken zwischen zwei hohen Kiefern. Um den Hals lag feftgeschnürt ein Frauenbeinkleid, mit dem der Mörder fein Opfer erdroffelt hatte. Beide Mundwinkel und die Wangen zeigten Male von Fingernägeln, ein Beweis, daß der Mörder dem Mädchen den Mund zugepreßt hatte. Beide Arme lagen flach auSgestreckt auf dem Erdboden, aber nicht an den Leib angeschloffen, sondern schräg von ihm abstehend. Der Unterleib war entsetzlich verstümmelt. DaS Erdreich zu beiden Seiten der Leiche war mit den Fingern ausgekratzt. Daß der Mörder auf der Brust des Mädchens gekniet, zeigen Spuren seiner Stieselspitzen im Erdreich. Die Kleider der Unglücklichen lagen zu den Füßen auf beiden Seiten der Leiche- fie find wohl von oben nach unten abgestreift worden. Der Kleiderrock lag im Unterrock, dieser so aufgerollt, daß die rothe Farbe weithin fichtbar war. Die Ermordete war dem Anschein nach ein Dienstmädchen, eine Aufwärterin oder Fabrikarbeiterin, die der Mörder beim Stellensuchen autraf und an fich lockte. Der Mörder ist noch nicht entdeckt. Die Ermordete soll etwa 30 Jahre alt sein. — Durch die Polizei de» 85. Reviers wurden das zuständige 47. Revier und die Criminalpolizei alarmtrt. Zahreiche Crtminalcommtffäre und Unterbeamte waren mit dem neuen Chef, RegierungSrath Dieterich und dem Crtminalivspector Geiger bald zur Stelle. Um einen Anhalt für die Ermittelung und Verfolgung deS Mörders zu gewinnen, suchten Criminalbeamten den ganzen Erdboden jenes WaldeStheile» und weiterhin nach Spuren ab. Sie fanden bis jetzt in der Nähe de» Mordplatzes ein blutgetränktes Taschentuch und ein ebenfalls mit Blut beflecktes Stück Papier. Gefahndet wird zunächst auf einen jungen Mann mit dunkelem Haar, der einen sogenannten OfftzterSschettel trug und den Eindruck etueS Studenten machte. — Eine spatere Meldung der „Bofflschen Zeitung" lautet: Die Vermuthung, daß die Ermordete ein Dienstmädchen sei, har fich bestätigt. ES ist soeben gelungen, die Persönlichkeit festzustellen. Criminal- beamte besuchten alle Stellenvermittler. Frau Detering, die Inhaberin eines BermiethungSbureauS in der Kronenstraße, erkannte nach der Beschreibung in der Ermordeten ein Mädchen wieder, das fie Mittwoch an den Schankwtrth Stedeberg in der Potsdamer Straße Nr. 131 vrrmiethet hatte, die am 5. December 1877 geborene Tochter Luise des Arbeiter Günther'schen Ehepaares aus der Fürbrtugerstraße Nr. 9. Günther, deren Mann die Pförtnerstelle versteht und anderweitige Arbeiten tu einer Fabrik auf dem genannten Grund
stück verrichtet, wurde an den Thatort geholt und erkannte , in der Ermordeten mit Emfetzen ihre Tochter. Das Verbrechen erinnert geradezu an die Thaten Jack» de» Auffchlitzer».
• Sin entmenschter Later. Ein Goldarbeiter William GraoeS Edward- au» Birmingham, welcher stch augenblicklich in London befindet, begab fich mit feinem neunjährigen Töchterchen nach dem Bahnhöfe von New-Street. Ein Zug fuhr donnernd in die Halle. Da ergriff der Unhold feine Tochter uab warf den kleinen Körper vor da» Dampfroß auf die Schienen. Als man daß bedaueruswerthe Kind unter dem Zuge hervorholte, waren beide Arme und ein Bein zerschmettert. Der unmenschliche Vater wurde sofort verhaftet. Als Beweggrund der entsetzlichen That gab er an, zu Hause sehr großen Aerger mit — seinen Dienstboten gehabt zu baden!
* WaS ein Kind in einer einzigen 6tinbe alle» anflelee kann. Em Junggeselle war der Onkel eines kleinen Kindes, das ihm, als dessen Mutter einen Ausgang zu machen hatte, in die Obhut gegeben ward. Der Onkel brachte das, was das Kind in dieser Stunde angerichtet, in eine Liste. 1 Zunächst heulte der Kleine eine Viertelstunde lang, 2. bann riß er seinem guten Onkel, der mit ihm spielte, einige Haare vom Kopfe und aus dem Schnurrbart, 3. verschmierte dann ein Stück Tapete an der Wand mit dem Feuerhaken, 4. setzte fich auf eine Vase und zerbrach fie, 5. warf seiner Mutter ArbeitSküftchen um, daß dessen Inhalt auf den Boden fiel, 6. neckte die Katze und wurde von ihr gekratzt, 7. schlug der Wachspuppe seines Schwesterchens den Kopf ab, 8. fiel vom Sophaeck, 9. schlug zwei Glasteller mit einem Stecken zusammen, den ihm fein Onkel gelassen hatte, 10. fiel in den Kohlenkasten und machte seine weiße Kleidung schwarz, 11. setzte den Teppich in Brand, als der Onkel einige Minuten das Zimmer verlieb, 12. kroch unter das Sopha und wollte nicht mehr hervorkommen, außer der Onkel gäbe ihm den Marmeladentopf, 13. klemmte fich zwischen zwei Stuhlfüße, daß diese, um ihn zu befreien, auseinandergebrochen werden mußten, 14. verschüttete einen Krug Milch, 15. schließlich, al» er seine Mutter kommen hörte, rannte er nach der Thüre ihr entgegen, stolperte über die Schwelle, fiel sich die Nase blutig und riß fich ein Loch in da» Kleidchen.
• ZungengeläufigkeilS-Probe. Schweizerischen Hausfrauen ertheilt die „Schwyzer Zeitung" folgenden Rath: „Kommt euch Jemand nach Hause, von dem ihr meint, daß er ein Glä-chen zuviel gehabt habe, so macht die Probe: Heißt ihn zwanzig Mal schnell, laut und deutlich nach einander sprechen: Schwyz schnitt», z' Schwyz schntit», z' Schwyz schniits" u. s. w. Hat er nun einen Zungenschlag, so zwitschert er blo» einmal: ,,z' Schwi tschwi", hat er aber keinen, so braucht'- eine spitzige Zunge, sonst kann er'» doch nicht."
* Ein Hinderniß. Bürgermeister eine» Dorfe» zum Gemeinderath, der versammelt ist, um auf die erledigte Schulstelle einen Lehrer zu präsentiren: „Der Emanuel Kritzefuß hat zwar die besseren Zeugnisse, wir müssen aber doch bett Matthias Rübiuger nehmen, weil bem der vorhandene Chorrock paßt!"
♦ Annonce. Gestern auf bem Wege in» Theater meine Bouton» verloren. Ehrlicher Fiuber möge dieselbe abgeben bei Fräulein R. Ehe nicht ausgeschlossen.
Citcratur Kerne»
— Nansens „In Nacht und Gis" (Verlag von F. A. Brocks Haus in Leipzig) hat, rote selten em Werk, seine Leser bis zuletzt In Spannung erhalten; Niemand wird das Buch au« der Hand gelegt haben, ohne daS Gefühl des Bedauerns, daß es schon zu Ende ist! Der Wunsch nach einer Fortsetzung von „In Nacht und (Sie'' soll nicht unerfüllt bleiben. Es ist der Verlag ^Handlung gelungen, die Berichte zweier Theilnehmer an der Expedition Nansen« zu erwerben, eine willkommene Ergänzung der Mtltheilungen de» LetlAS der Expedition. Die beiden auf den Tagebüchern ihrer Verfasser basirten Erzählungen weiden in den nächsten Tagen, reich mit Avbtldungen ausgestatler, alS Supplementband zu „In Nacht und EiS" veröffentlicht. Bernhard Norbahl, der feine Erzählung der ganzen Drift der „Fram" unter dem Titel „Wir Framleute" zusammenfaßt, war der Electrotechntker an Bord der „Fram* und vertritt de» Standpunkt der „Mannschaft" mit eben so viel Geschick als Fret- mulh. Lieutenant Hjalmar Johansen gehörte zunächst auch zur „Mannschaft", da er fich als Heizer hatte anwerben lahm, um überhaupt mitgenommen zu werden. In Aller Munde ist jedoch sein Name, seit er jianfen auf der einzig dastehenden Schlittrnreise begleitet hat. Was er aus dieser kühn-n Fahrt erlebt hat, berichtet er getreulich in „Nansen und td) auf 86° 14"' (86 Grad 14 Minute» ist der höchste jemals erreichte Punkt auf dem Wege zum Nordpol, kaum 400 Kilometer von dem ersehten Ziel entfernt). Nordahl spricht cS aus, daß unter den Framleuten Keine», auch Nanfm nicht, von Fehlern frei war; er läßt aber auch deutlich erkennm, wie gerechtfertigt da» Vertrauen der Mannschaft zu dem genialen Führer war. Er schreibt gewandt und versteht eS, auch den Humor zur Geltung kommen zu lassen. Johansen entrollt in seinem Berichte eine wahre Robinsonade, die aucy trotz NansmS Darstellung ihren vollen Zauber geltend macht. In einem Lande, in welchem der berühmte Polarforscher Payer sich und seine Begleiter für verloren hielt, wenn fie nur ein paar Tage von ihrem Zufluchtsorte, dem „Tegetthoff", fern geblieben wären; in einem Lande, wo nur Bären und Walrosse Hausen und wo furchtbare Stürme die Eisdecke deÄ Polarmeere» hier zerreißen, dort zu einem Wtrrsale von EtSrücken aufthürmen: da verbrachten Nansen und Johansen fünfviertel Jahre. Nur Naturen, die mit rtefiger Körperkraft und höchster turnerischer Gewandtheit größte GetsteSenergte verbinden, waren dazu fähig. Im Vollbewußtsein ihrer Kraft verloren Beide unter den roünhflm Umständen nicht den Humor und die Hoffnung, und io wird denn au» der Schilderung des Aufenthalts In der weltverlorenen „Winterhütte" eine arktische Idylle. Unglaubliche Versuche machen fie, fich zu wasch:n, fie eteblktn eine Schneiderwerkstatt und friedlich leben sie zusammen mit ihren „HauSthteren": Polarfüchsm und Eisbären. Wie narrt fie der tückische Zufall! Standen sie doch einst, während fie nur einmal in 24 Stunden zu essen hatten, an einer Stelle, an welcher Jackson, der Leiter der englischen Expedition auf Franz- Josef-Land, für Nanfen ein reiches NahrurgSmitteldkpot angelegt batte; eine neidische Schneewehe verbarg ihnen diese Kostbarkeiten! Dann aber kam die Erlösung! Em neues Lcbm beginnt unter dem gastlichrn Dach der ungeahnt nahen englischen Expedition auf Kap Flora. Spaßhaft ist es zu lesen, wie sich Johansen, der daS Englische nicht beherrscht, mit den keiner andern Sprache mächtigen Engländern nur durch die Zeichensprache verständigen kann. So bilden beide Berichte eine nothwendige Ergänzung der Erzählung Nansen?. Da Jeder, Johansen rote Nordahl, in packender Darstellung zu schildern I und dabei sich doch eine besondere Färbung zu erhalten weiß, wird | der dritte Band von „In Nacht und E'.s" jedem Leser von Nanien» ■ Werk erwünscht sein. Die äußere Ausstattung schließt sich aufs Engste


