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19.4.1898 Erstes Blatt
 
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1898

Dienstag den 19. April

Erstes Blatt

Amts- und Zlnzeigeblutt für den LLeeis Gietzen.

^Gratisbeilage: Gießener Familienblätter.

Das war e

Allr Anzeigrn-VermittlungSstkllen dr« In- und ÄultoMd nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger mtfce*.

Rebaction, Expedition und Druckerei:

-«Sulgraße Ar. 7.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den ftolyndm Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr.

zogen hatte, alle Welt davon überzeugt war, letzterer werde nun die Initiative geben, um die cubantsche Frage den Wün. scheu der Yankee« entsprechend zu lösen. Statt deffen hat er bisher seine ganze Macht aufgeboten, um diesen Schritt zu verzögern, und er hat nicht davor zurückgeschreckt, selbst Anfeindungen seiner Landsleute wegen dieses Borgehens auf sich zu nehmen. Ob ihm seine Anstrengungen einen Erfolg sichern, ist bekanntlich im Laufe der Zeit immer fraglicher geworden.

Spanien hat jetzt an die Großmächte appelltrt und an dieselben eine Note gerichtet, in w lcher es den ganzen Der. lauf der Cubafrage noch einmal ausführlich rrcapitulirt. In­sofern hat die Madrider Regierung jedenfalls Recht, daß nicht Barmherzigkeit und Menschenliebe die Amerikaner leiten, wenn sie für die unglücklichen Bewohner CubaS eiutreten. ES find lediglich materielle Interessen, welche die Directive geben, und nicht ganz von der Hand zu weisen ist die vou der spanischen Regierung aufgestellte Brhaupiung, daß die Zuckrrfabrikanten die Empörung auf Cuba inscenirt haben und daß die Hauptrebellenführer nicht Cubaner seien, sondern internationale Abenteurer. Schon mehrfach hat die spanische Regierung auf die aus den Bereinigten Staaten kommenden Flibustier-Expeditionen hmgewiesen, welche den cubantschev Ausständigen Verstärkungen in Gestalt von Menschenmaterial,

vor ehrm genzliche Verfall bewahrt; hawe ja aach schont die Frihluigssterm mit heerbarem Krache an e ahlderschgrau unn hcechst reberadurbedcrfdig Borg in de Neuebäu e Stick neu Dachkennel higeweht, waß uff e baldig Fortsetzung der bis jetz allerdings not sehr bescheidene Renne- wazion schließe laffe kann.

So erftllt des Dichterword:Alles neu macht der Mai" die Menscheherze mit de Hoffnung, Ahles vergeh unn Neues ersteh ze seh. . ,

Wer will'S de Mensche aach verarge, wann se sich mit derardige Hoffnunge drage? Hoffe men ja doch All' unn hoffe men net aach immer deß Beste?

Mags sich etz um e Lodderieloos drehe oder um sonst en haaße Herzenswunsch; mag die Verbreiderung von de Dreihäusergaß oder die Nidderlegung von de ehemalige Hinnergaß unn jetzige Wetzsteistraß de Gegestand von unsere Hoffnung sei; meege men bräume, net nor von de Ei- fihrung der Abardernaans in de Verrderklaßwäge, sonnern aach von de Vermehrung derardiger Aastalte in de Ahl- unn Neustadt Giesse; hoffe dhun men immer unn zwar deß Beste, wann's ach gewöhnlich net in Ersillung geht. Die Dichder hawes uns gelernt, die Hoffnung net sinke ze laffe unn wann men bene Dichber Glaawe schenke berf, baß'eS boch enblich F.thling wern muß unn baß Alles neu, macht de Mai, bann bricht fer uns in Giesse e golben Zeib aa unn mir sinn bie beneibenswerbeste Mensche!

Frihling werd's; eS streut de Mai Bltedhe uff die Wege, Alles, alles, werd etz neu, Watz gtdbt datz en Segel Drickt ahm trjendwo de Schuh, Laht en nor ruhig briete; Dann de Mai der schafft unS Ruh, Etz in alle Sticke

Waffen und Munition bringen.

Die Washingtoner maßgebenden Factoren haben freilich bisher jede Gemeinschaft mit diesen Flibustiern geleugnet, aber er ist ein offenes Gehetmniß, daß, wenn die Expeditionen auch nicht von amtlichen amerikanischen Stellen ausgerüstet werden, bet der Absendung derselben doch ein Auge zugebrückt wird. Auch in seiner jüngsten Note weist Spanten die Großmächte auf jene Expeditionen hin und protestirr zugleich gegen die Resolutionen des amerikanischen CongrrffeS.

Welchen Erfolg diese neue Kundgebung Spaniens haben wird, steht noch dahin. So lange die Feindseligkeiten noch nicht begonnen haben, darf man immer noch hoffen, daß die­selben ganz vermieden werden. Freilich ist diese Hoffnung heute sehr gering, aber der Ertrinkende klammert sich schließ­lich an einen Strohhalm. Möge die jetzige Pause nicht die Stille vor dem Sturm, sondern die Stille vor vollständiger Ruhe sein! (xx)

Adresse für Depeschen: Anzeiger chieße«, Fernsprecher Nr. 61.

roQrn* *Unn doch wart Alles in be Nabut uff ben etleesenbe Frihlingshauch, ber baß, waß noch brauß schlummert, zu frehlichem Läwe erwecke soll. Awer nor Gebulb, es werb schont komme; be n Gebulb iroroerroinbt Hotzelbrih, waiS Sprichwort säht, unn mehrn sich ja boch dagdäglich bie Aa- zeige, baß immer Nacht beß Ahle in Staab versinke unn e neu Läwe aus be Ruine blihe wirb.

Die kommenb Maiezeib, bäi Alles neu macht, werb koffenblich aach net spurlos an unsere Stabt voriwwer geh, wo sich so viel Gelegeheib finbt, e Manches neu je mache, maß schont längst ernme ungsbeberfbig iS. Jwweraus ainstige Zeicke sein vorhanne, bann in be Wolkegaß iS schont e manch ahld Gelärr in Drimmer gesunke, um moberne Gebäude ze weiche; vielleicht werb aach bie ahl Kanzlei uff'm Branb von bem Alles neurnachenbe Mai net vergeffe unn

gtHnflsyrtU vierleltährlich

2 Mark 20 Pf-, monatlich 75 Pfg. mit Bringcrloha.

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pf,, vierteljährlich.

AusUrud

Pola, 16. April. DaS aus Kreta zurückkehrende österreichisch-ungarische Bataillon wurde bet der Landung vom KriegSmiwstrr, dem Corpkcommandanten, den dienstfreien Ossizieren u. '. w. empfangen. Der Kriegs. Minister hielt eine Ansprache an das Osfiziercorp«, uw im

enthalt« auf Kreta Ausdruck zu geben.

Rom, 16 April. Die Kammer beschloß, zwei gegen da« Duell etogebrachte Anträge io Erwägung zu zithen und an die BureauS zu verweisen. Der eine, von dem Depu- tirten de Martino eingedrachte Antrag betrifft die Einsetzung einer Ehren-Jury, der andere, vom Deputirten Bernini im Namen der Socialisten eingedrachte, die Anwendung de« ge­meinen Rechtes auf da« Duell.

Venedig, 16 April. DieGazetta di Venezia" ver- vffentltcht einen Brief des Jnfanten Don Carlo au den Deputirten von Estella, Melle. Der Brief lauter:An der Grenze vou Navarra, welches Dich zu feinem Vertreter in den Cortes ernannte, hatte ich den Schmerz, mich von Spanien zu nennen. Ich sagte Dir jedoch, daß ich wieder­kommen würde. Jetzt naht die Stunde heran, daß ich mein versprechen einlöse. Daher wende ich mich an Dich, damit Du als Abgeordneter meine« unvergeßlichen Estella e« ver­kündest. 22 Jahre politischer Sammlung liefern den Beweis, daß ich weder ehrgeizig, noch ein Verschwörer bin. Wenn mau in Madrid den Handschuh aufnehmen wird, den Washington Spanien ins Antlitz schleuder», werde ich auch fernerhin das­selbe Beispiel der Eatsagung geben, welches ich bis jetzt gab, voll de« B'.dauernS, an dem Kampfe nur mit meinen Wünschen und dem Etnfluffe meine« Namens theiluehmeu zu können. Mit ganzem Herzen werde ich Diejenigen, welche daS Glück haben, tu« Feuer zu kommen, glücklich preisen und e« so ansehrn, al« wenn diejenigen Carbsten, welche sich zum Kriege gegen die Bereinigten Staaten verpflichten, meiner Sache dienten, wer e« auch sein mag. Wird jedoch, wie nach Allem zu befürchten steht, die Politik der Erniedrigung fort­gesetzt, rann entreißen w\x die Waffen Denjenigen, die nicht würdig find, sie zu tragen, und nehmen ihren Platz ein."

Pari», 17. April. Einer Meldung aus Habana zu­folge ist in einer Zusammenkunft der Generäle der Ver­th eidiguvg«plan für den Fall eine« Kriege« festgesetzt worden. Vertreter der HaudelSwelt vou Habana statteten Marschall Bianco einen Besuch ab und boten ihre unbedingte Unterstützung au. General Pando hat die Befestigungen von Cienfuego« brfichtigt, welche zur Zurückweisuug jede« An­griffes tu Staad gesetzt find.

Petersburg. 16. April. Ein UkaS de« Zaren ordnet die Bildung von zwei neuen Schützenregtmentern in Ost- asten an. Der Commandant des Schiffe«Saratow" erhielt den Auftrag, ein ganze« Truppendetachement nach Port Arthur zu befördern.

Madrid, 16. April. Die Königin-Regentin erhielt von der autonomen Regierung von Cuba eia Manifest, in welchem fie der treuen Anhänglichkeit der Cubaner verfichert

wird.

Madrid, 16. April. Die Herzogin Castro Enriquez ! hat sich bereit erklärt, eine halbe Million Peseta« für Ber- mehruug der Flotte zu spenden.

Madrid, 16. April. Mau glaubt hier, der erste Zu­sammenstoß zwischen spanischen und amerikanischen Kriegs­schiffen werde aa der cubanischen Küste erfolgen. Die spanische Flotte wird einen Vernichtungskrieg gegen alle amerikanischen Handelsschiffe führen.

Madrid, 16. April. Die Regierung hat beschloffeo, die spanischen Vertreter erst dann abzuberufen, wenn Mac Kiulry die JnterventiouSresolution angenommen hat. In Cuba werden die spanischen Truppen au« dem Innern der Insel zurückgezogen, um in den Küstenortschafteu ver­wendet zu werden.

Sadtx, 16. April. Studenten versuchten gestern Abend, eine Kundgebung zu veranstalten, wurden aber an der AuSsührung ihre« Vorhabeu« durch die Polizei ver- hindert. Zwei Verhaftungen wurden vorgenommeu. Die Polizei überwacht da» amerikanische Covsulat.

London, 16. April. Nach Washingtoner Meldungen soll die Haltung der Botschafter mit Ausnahme de« englischen gegen bie UnionS-Regierung eine merklich kältere geworden sein. Da« gestern in Newyork verbreitete und von hiesigen und auswärtigen Blättern bereit« dementirte Gerücht von einer geplanten europäischen Demonstration gegen Amerika hat dort große Aufregung hervorgerufen und einen Senator zu der Aeußerung veranlaßt, Amerika werde eventuell den Kampf gegen Europa aufnehmen.

Loudon, 16. April. Wie derStandard" meldet, würde« die Mächte im Kriegsfälle strenge Neutralität beobachten, ! dürften aber möglicherweise eingreifen, wenn die vereinigten ! Staaten versuchen sollten, Cuba zu annecttren.

wibber, en

Das war e Osterfest, baß sich gernäsche halt!

Ganz gege bie Gewohnheib unn alle Verabredung ze- kaale Rege, statt etbel Sonneschei; statt FrihlinaSwehe en rnifferawele Winb, ber durch Alles ebborch gange iS unn be Mensche beß bische Frihlings- unn Osterstimrnung noch vollen« aus'rn Kopp gebrirnwe hatt!

Kaa Mensch unn kaa Seel könnt so em Osterfest Ge- schrnack abgerninne unn namentlich biejenige Dame anet,, bäi bord) be voreilige Gebrauch von ere Strohhieb am Umschlag von be scheere Charfreibagsmibberung net ganz unschulbig

Ferrilletsn.

Alles neu macht de Wai!

Von Carl Geißler.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

kaiserlichen Auftrage der Zufriedenheit de« Kaiser« mit der DiSciplin und Haltung des Bataillon« während feine« Auf-

Nr. Sv

Erscheint täglich mit Ausnahme dcS

Montags.

Die Gießener Aamikieuvkätter »erden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt.

Aintüche» Thell.

Gießen, den 18. April 1898.

Betr.: Die Ausführung der Verordnung über das Radfahren auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen tut die Grosth. Bürgermeistereien der Land- gemeinden deS Kreises.

Insoweit Tie noch mit Erledigung unserer Verfügung vom 2. dS. MtS. Gießener Anzeiger Nr. 80 im Rückstände find, werden Sie hieran mit Frist von 24 Stunde« erinnert.

v. Gagern.

Die Stille vor dem Sturm.

Schon feit mehreren Wochen schwanken die Chancen für Krieg oder Frieden zwischen Spanten uad den vereinigten Staaten von Nordamerika. Während e» heute heißt, daß der AuSbruch de« Krieg« unvermeidlich sei, wird morgen ge­meldet, daß doch noch ein friedlicher Verlauf möglich er- scheine und man noch nicht alle Hoffnung auf Vermeidung blutiger Ereignisse aufgeben dürfe. Zur Zeit ist in gewtffem Sinne eine Pause etugetreteu in den Ereigniffen, auf beiden Seiten bereitet man sich mit allen verfügbaren Mitteln zur letzten Entscheidung vor.

In Washington kämpfen noch die Krieg«- und die FriedenSpartei um die Oberherrschaft. Daß Mc. Kinley so energisch allen übereilten Vorschlägen der JingoS wider­standen hat, ist in erster Linie der Grund, daß nicht schon längst die Kanonen donnern und der Krieg in seine Rechte getreten ist. Der Präsident fühlt die ungeheure Schwere der Verantwortlichkeit, die auf seinem Entschluffe lastet, voll und ganz, und er thut wohl daran, diesen letzteren so weit wie möglich hinauszuschieben. Freilich sagte man schon vielfach, die Verzögerung geschehe au« anderen, gleichsam strategischen Gründen, da daS amerikanische Heer mit seinem Milizsystem, seiner verlodderten, tu keiner Weise den Anspruch der Neu- zeit erfüllenden Organisation noch nicht schlagfertig ist uad auch die Mariae viel zu wünschen Übrig lassen soll. Aber man darf wohl annehmen, daß Mc. Kinley auch aus rein menschlichen Ursachen vor dem Augenblick zurückschreckt, in welchem er durch fein Wort die KrtegSfuiien entfacht. Wer hätte dem jetzigen Präsidenten ber großen amerikanischen Union überhaupt solche Besonnenheit und Zurückhaltung zugetraut! Man wird sich noch erinnern, daß, als Cleveland daS Weiße Hau« in Washington verlaffrn und Mc. Kinley dasselbe be-

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