amerikanische Volk sittlich zu verderben droht, daß ein fröhlicher Krieg von Zeit zu Zeit uothwendig ist, um die Vaterlandsliebe und Selbstlosigkeit zu wecken, und daß die vereinigten Staaten im Namen der Freiheit und Gesittung erst alle geknechteten Völkerschaften befreien und nachher sich die befreiten Länder angltederu müsien. Mau konnte drüben vor dem Krieg über die oordawerikantsche Kriegsflotte mit ihren luftblafigeu Caruegte'scheu Panzerplatten nicht genug Spott au-gießen, nachdem sie aber einige leichte Siege Über die spanischen Schiffe errungen hat, wird schon allen Ernstes die Frage erörtert, ob sie es nicht mit der russischen, französischen und deutschen zusammen aufnehmeu könnte. Die Milizen wurden so vernachlässigt, daß sie Mr ihren Unterhalt auf Picknicks, die zu ihrem Besten veranstaltet wurden, und auf die Beiträge derjenigen guten Bürger angewiesen waren, die sich vom Geschwornendtevst fretmachen wollten. Seit dem Gefecht bei Santiago aber, an dem übrigen- auch mehrere Regtmeter de- stehenden HeeSes theilnahmeu, wird schon die Behauptung aufgestellt, daß die amerikanischen Freiwilligen tu jeder Hinsicht den besten Berufssoldaten gletchkommeu und es uöthigeufallr auch mit der deutschen Armee aufnehmeu könnten. Stehende Heere, heißt eS, mögen allenfalls in den europäischen Ländern uothwendig sein, deren Bevölkerung zum Kriegsdienst gezwungen werden muß; tu der großen Republik dagegen, deren Bürger auf den leisesten Ruf zu den Fahnen strömen und den bewußten Gehorsam des freien Mannes leisten, find sie durchaus Überflüssig. — Indessen sollten sich die Nordamerikaner nicht der gefährlichen Selbsttäuschung htu- gebeu, daß sie ohne ein geschultes Heer und ohne jegliche Vorbereitung eS mit jedem Volk der Erde aufnehmen könnten. So außerordentlich tapfer, lernbegierig und opferwillig auch die amerikanischen Freiwilligen find, so wüffen doch auch sie erst eingeübt werden, ehe sie allen Ansprüchen genügen können. Die Bereinigten Staaten brauchen kein großes stehende- Heer und keine gewaltige Kriegsflotte, so lange sie keine auswärtigen Kriege führen und an den Ueberlteferungen eines Jahrhunderts festhalteu wollen. ES wird sie Niemand an- gretfeu, wenn sie sich nicht in fremde Händel einmischeu oder > andere Länder herau-fordern.
CocaUi und provinzielles.
Gieße«, den 17. August 1898.
Vo« den höheres Schulen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergoädigst geruht, am 13. August den Director der Realschule zu Darmstadt, Dr. August Freiherr v. Gall, zum Direktor der Oberrealschule daselbst, mit Wirkung vom 1. April I. I. au, — den Lehrer an dem Neuen Gymnasium zu Darmstadt, Profeffor Dr. Wilhelm Nehmeyer, zum Lehrer an dem Gymnasium und der Realschule zu Friedberg zu ernennen.
•’ Die öffentliche« Ferasprechstellen in Ulm (Kr. Wetzlar), Katzeufurt, Ehringshausen (Kr. Wetzlar), Werdorf, Altenkirchen, Hohensolms, Bla-bach, Aßlar, Hermauusteiu, Nauborn, Schmalbach, Braud- oberndorf, Groh-Rechtenbach, Waldgirmes, Dutenhofen find zum Sprechverkehr mit den Theilnehmeru au der Stadt Fernsprechetnrichtung in Gießen zugelaffen worden. Die Gebühr für ein Gespräch von 3 Minuten beträgt 25 Pfg. Für daS Herbeiholeu derjenigen Person, mit der zu sprechen gewünscht wird, werden weitere 25 Pfg. erhöbe«. DaS Herbetholen von Personen erfolgt im All- gemeinen nur innerhalb deS betreffenden Orte- selbst, nicht auch aus der Umgebung. — In Flör-Heim ist eine Stadt.Fernsprechetnrichtung eröffnet und zum Sprechverkehr mit der Stadt-Ferusprecheinrichtung in Gießen zugelaffen worden. Die Gebühr für ein einfache- Gespräch bi- zur Dauer von 3 Minuten beträgt 1 Mk.
• • Der vernbeck'sche 14. Familienlag wurde am 16. d-. wiederum in Gießen tu Sretn- Garten abgehalten. Schon am Vorabend waren 40 Familienmttglteder erschienen, die dem engeren Famtlienrathe, der im Hotel Victoria tagte, beiwohnten, um über die Familienangelegenheiten, wie Stipeudteu, da- alle Monate erscheinende Familtenblatt, deu mit großer Sorgfalt bet der ausgedehnten, wett verzweigten Familie ausgestellten Stombaum, RechnnogS- ableguug u. dgl. m., Bericht zu erstatten und über neue Angelegenheiten zu beschließen. Nach diesem geschäftlichen Thetl wurden daun bet einem GläSletu Bier und Wein noch recht heitere Stunden in froher, heiterer Stimmung zu- gebracht. — Am 16. war um 10 Uhr Vormittags die stattliche Anzahl von über 100 Familienangehörigen aus Nord und Süd, Ost uud West in Steins Garten versammelt und wurden dieselben von den Beschlüffen deS Vorabends tu Keuotntß gesetzt uud tn einer zu Herzen gehenden, so recht von familiärem Geiste durchdrungenen Rede deS Herrn Kreis- Oberschulraths Dr. Leimbach tn Breslau von allen Famtlieuverhältntffen, wie Sterbefälle, neuer Zuwachs und dergleichen berührende Momente, die tn dem zweijährigen Zeiträume vorgekommen waren, unterrichtet. Ein fideler Frühschoppen, dem dann da- gemeinsame Mittagsmahl folgte, gewürzt durch Reden uud Verlesen der eingelaufenen Depeschen uud Postkarten, erhöhte diese schöne Feier. Gesangs- vorträge, Spiele und unvermeidliche- Tänzchen hielt die frohe Festversammlung bl» tn die späten Abendstunden geseffelt.
** Der Circus Corty-Althoff hat fich mit seiner gestrigen sehr zahlreich besuchten Vorstellung gut eiugesührt uud deu Ruf gerechtfertigt, der ihm vorau-ging. Dem ausgezeichnet geschulten Personal, wie dem vorzüglich dresfirien Pferde- material entsprechen die Leistungen vollkommen. Eine Reihe hier noch nicht gesehener Darbietungen, wie da» große Ballet- Diverriffemeut, Pferd und Dogge, der wackere Gladiator Stahuke, der Riesensaltomortale über 15 Mann, der Jongleur Pearson auf ungesatteltem Pferde, Doppel Jokeys uud schließ- Uch da» Monftre-Tableau mit 50 Pferden sanden stürmischen Beifall. Die Vorführungen der nach verschiedenen Schulen dresfirien Pferde durch Herrn Direktor Althoff waren bewundern»werth, und die Darbietungen der Clown» und
August ebenso originell wie humorvoll. — Man darf nach dem tu der EröffaungSvorstelluug Gebotenen gespannt sein auf die folgenden Vorstellungen; der heutige Novitäteu-Abend bringt u. A. da» Seasatiou-stück: Ueberfall eines wirklichen Etsenbahnzuge» mit Paffagieren durch Indianer.
Fliegendes Kor«. Lebende Pyramiden erstanden gestern Abend nach Dunkelwerden um die GaSlaternen auf der Lahnbrücke tn Gestalt von sogen, fliegendem Korn. Wie wir schon kürzlich berichteten, wird übermäßig lange gelagerte Frucht von Jnsecten ihres Inhalts beraubt und diese bewegen fich daun in der Hülse im Fluge fort. Wie Motten uud Mücken suchen auch diese leichtbeschwingten Gäste daS Licht, und tummelten sich schier undurchdringliche Schwärme um deS LichtS gesellige Flamme. Heute Morgen sammelten die Kinder daS herniedergefalleue verhüllte Gewürm zu Haufen und zündeten diese au. — ES wäre interessant zu erfahren, welchem spekulativen Händler hier sein Grwiuu oavongeflogen.
• • Bieberthalbah«. Im Juseratenthetle bringen wir den Fahrplan der Bieberthalbahn, welche bekanntlich am 19. d». MtS. für deu Personenverkehr eröffnet wird, zur Kenutiiß nuferer Leser.
* • Fürst BiSmarck Sterbethaler werden zur Zeit in der königl. Münze in Berlin geprägt. ES sollen davon mehrere Arten angefertigt werden. Von der einen Sorte find bereit» Probestücke in den Verkehr gekommen- dieselben zeigen den Kopf BiSmarck» mit der Inschrift „Fürst Bis- marck-Sterbethaler, 30. Juli 1898". Auf der Rückseite befindet fich in einem Eichenkranz eine poetische Inschrift. E» handelt fich dabei um Bestellungen, welche die königliche Münze für die Privatiudustrie au»führt. Die Prägungen haben ungefähr denselben Silbergehalt wie die Thaler- münzen.
* ♦ Wetterbericht. Hoher Druck beherrscht noch deu größten Thetl Europa» und dauert daher auch bei wolkenlosem Himmel da» ruhige und sehr warme Wetter an. DaS Barometer ist zwar namentlich von Westen her im Sinken begriffen, doch dürfte der Einfluß deS hohen Druckes wohl noch anhalten. Allerdings fehlen au» dem Nordwesten Europas sämmtliche Nachrichten uud ist daher nicht erfichtlich, n wie weit dortselbst die Luftdruckverthetlung eine Aender- ung erfahren hat. — Voraussichtliche Witterung: Heiter und warm.
n. Stade«, 15. August. Bet der gestern im Curth'- schen Gartensaale hier abgehaltenen landwirthschaft- lichen Versammlung, in der der Dirigent der Ackerbauschule in Friedberg, Herr Dr. v. Peter in klarer, anschaulicher Weise das Bedürsuiß zur geschehenen Gründung eine» Vieh- zuchtverein» für die Provinz Oberheffen mit Anlegung von Herdbüchern, sowie die von diesem Verein verfolgten Ziele darlegte, traten acht hiesige Landwirthe dem Verein bei. Die Gemeinde ist schon seit einiger Zeit Mitglied geworden. ~ Die Anmeldungen gehen eben zahlreich ein, sodaß da» nächste Herdbuch weit umfangreicher sein wird, al» der vor einigen Monaten erschienene erste Band.
n. Dauekuheim, 15. August. Gestern Mittag fanden badende Knaben in der Nidda nahe beim Ort die Leiche eine» Ertrunkenen. Die Leiche wurde rasch geländet und al» die eines hiesigen 68 jährigen Einwohners, den man Morgens in der Nähe der Nidda auf* und abgehend gesehen hatte, erkannt. ES liegt unzweifelhaft Selbstmord vor.
Blofeld, 16. August. Der zum Bürgermeister unsrer Gemeinde neu gewählte frühere Beigeordnete Herr Nicolay wurde auch als OrtSgerichtSvorsteher und Standes- beamtet bestellt.
A«r der Zelt für die Kett.
Vor 28 Jahren, am 18. August 1870, wurde die heiße Schlacht von Gravelotte geschlagen, in welcher König Wilhelm selbst den Oberbefehl führte und die mit der Einnahme der franzöfischen Stellungen und mit dem Rückzug der Franzosen hinter die Festungswerke von Metz endigte. Wie auf den Stegesfeldern von Weißenburg und Wörth, so wurde auch in den Kämpfen von Metz die neue deutsche Waffenbrüderschaft besiegelt.
Vermischtes.
♦D. Frankfurt a. M., 16. August. Im Zoologischen Garten ist am nächsten Sonntag der Eintrittspreis während des ganzen Tages auf 50 Pfg., Kinder 25 Pfg. ermäßigt, für das Aquarium beträgt derselbe 20 Pfg. Am Nachmittag und Abend ist Doppel-Concert der Gartencapelle mit der Musik des 81. Infanterie-Regiments. Für diesen Tag ist auch wieder eine Luftballon-Auffahrt mit Fräulein Kätchen Paulus in Aussicht genommen, die, seitdem am 26. Juni ihre hier geplante Auffahrt verregnet war, eine Reise nach dem Niederrhein unternommen hat, wo sie großen Erfolg mit ihrer Kunst erzielte. In Duisburg, Barmen, Dortmund, Hagen und Remscheid fuhr sie mit ihrem Fahrrad-Ballon auf, dessen Construction noch manche Verbesserungen erfahren hat und mit dem sie nun auch hier wieder vor den Augen der Besucher des Zoologischen Gartens in die Lüfte steigen will. Wir werden ja sehen, ob es ihr gelingt, den Weg des Ballons nach ihrem Willen zu bestimmen und ihre Absicht, im Garten selbst wieder zu landen, zur Ausführung zu bringen.
♦ Die August-Nummer des „Der Orient" (Redaktion: Heinz Bothmer — Administration: Jul. Münnich'S Buchhandlung, Berlin W.), welche fich wiederum durch reichhaltigen, interessanten Inhalt auSzeichnrt, enthält einen Leitartikel über die Kreta frage, in welchem folgender „Vorschlag zur Güte" gemacht wird: „Da die Pforte an der Herstellung des alten RechtSzustande» von den Mächten verhindert wird, so übernehmen diese damit die Verpflichtung zum Einschreiten. Der Rath einiger Jnsurgentenführer, alle muhammedauischen Flüchtlinge zwangsweise nach Kleinasien abzuschieben, wäre ja allerding» für die Christen sehr vortheilhaft, doch schwerlich
werden die Mächte zu einer solchen Barbarei die Hand reiche« — und wie sollte die Frage der Entschädigung der ihrer Güter verlustig gehenden MoSlim» gelöst werden? Das Logischste wäre allerdings, den Vertriebenen daS alte Besitz- thum zurückzugeben. Aber wer wird sie schützen, sobald die europäischen Truppen nach Wiederherstellung deS statue quo ante den Rücken kehren? DaS Dreifache und Vierfache des jetzigen Truppenbestande» würde uöthig sein, um zu verhindern, daß die in» Innere zurückgekehrten MoSlim» wie tolle Hunde todtgeschlagen werden. Welche Macht aber will für den Schutz der Muhammedaner Soldaten opfern? Wie sich auch sonst die Zukunft Kretas gestalten möge, das Beste ist, vor allem eine reinliche Scheidung zwischen den beiden feindlichen Brüdern auf dem kretischen Eilande durchzuführeu, derart, daß christliche und muselmännische Kantone, möglichst mit guten natürlichen Grenzen, geschaffen werden. Diese» könnte durch einen Austausch der Ländereien der Christen und Mohammedaner — allerding» eine schwierige Aufgabe — erreicht werden, was unter der Aufsicht von unparteiischen und sachverständigen Kommissionen stattzufinden hätte. Zwar würden die Mohammedaner am Schlechtesten dabei fahren^ da fie bislang die fruchtbarsten Gebiete inne hatten, nichts» destoweniger werden fie e» in der Majorität zweifelsohne vorziehen, neuen, wenn auch schlechteren Grund und Boden zur Anfiedelung zu erhalten, als in den Städten zu verhungern. Auch die Verwaltung dieser christlichen und muselmännischen Sphären wäre am besten zu trennen, indem aa die Spitze der einen eia Christ, an die der anderen ein Muselmann gestellt wird "
* Fahrstraße« für Luftfchiffer. TS ist die Frage, ob jemals da» Luftmeer für den Verkehr von Menschen in ähnlicher Weise ausgenutzt oder, richtiger gesagt, überwunden werden wird wie der Wafferocean der Erde. Man ist geneigt, die Erfüllung solcher Ideen in einer freilich mehr oder weniger entfernt zu denkenden Zukunft al» höchst wahrscheinlich oder al» selbstverständlich zu betrachten. So überflüsfig bei dem gegenwärtigen anfängerhaften Zustande der Luft- schiffahrt Grübeleien über ihre mögliche Entwickelung zum eigentlichen Verkehrsmittel sein wögen, so ist eine Betrachtung doch nicht ganz werthlo». E» läßt fich nämlich mit einiger Bestimmtheit voraussetzen, daß die Luftschiffe der Zukunft auf ihrer Reise durch daS Reich der Winde ebenso wenig eine ganz willkürliche Straße verfolgen werden, um von einem Orte der Erde zum andern zu gelangen, als die gewöhnlichen Schiffe im Reiche der Wogen. Die Vergleichbarkeit beider Meere, des OceanS und der Atmosphäre, erstreckt fich auch vornehmlich auf das Vorhandensein von Strömungen, deren Lauf ein mehr oder weniger gleichmäßiger bleibt. Freilich find die Meeresströmungen im Wafferocean, wie überhaupt das Wasser in feinem Verhalten immerhin noch zuverläsfiger als die Luft, beständiger al- die Winde, aber in manchen Grdgebieten, namentlich in den Strichen der heißen Zone beiderseits des Alquator», wehen die Winde (Passate, Monsune zc.) doch für lange Zeit des Jahres fast regelmäßig an» derselben Richtung. Diese Luftströmungen zu benutzen, wird ohne Zweifel eine bedeutsame Aufgabe der zukünftigen Luftschifffahrt sein, und eß läßt fich auch nicht verkennen, daß dadurch schon vor der Erfindung eines genügend lenkbaren Luftschiffes ein nützlicher Verkehr auf Luftstraßen in gewissen Ländern der Erde ermöglicht werden würde. Ja einem Aufsatze der „Archive» de Medecine Navale" hat der Franzose Le Dantec u. A. auch auf solche nach seiner Meinung nächstliegende Aufgaben der Luftschifffahrt hingewiesen. Einmal denkt er an eine Benutzung der Windverhältnisse in Inner- Afrika zur Durchquerung diese» Erdtheil» auf dem Luftwege. Der Plan ist nicht ganz neu: schon 1894 wurde er von Drx und Dibo» ausgesprochen, blieb aber unversucht. In btr heißen Zone wehen gewöhnlich Winde von Südosten, während tu etwas höheren Schichten die Luftströmung umgekehrt nach Südosten hin gerichtet ist. Man könnte daher mir einem Luftschiffe von der Ofiküste Afrikas, etwa in Jnhabimbi auf* steigend, mit großer Sicherheit darauf rechnen, vom Winde nach der Westküste bei San Paola de Loanda getragen zu werden, wenn da» Fahrzeug sich nicht zu hoch über die Erde erhebt, um denselben Weg umgekehrt zurückzulegen, müßte da» Luftschiff tu höheren, vom Nordwest Passat beherrschten Schichten der Atmosphäre bleiben. Da fich die Gürtel der Passate mit dem Gange der Sonne verschieben, so würden die Luftfahrstraßen freilich nur in kleineren Erdstrichen daganze Jahr hindurch unverändert benutzbar bleiben, fich sonst aber ebenfall» nach der Jahre»zeit nord- bezw. südwärts verlegen. Le Dantec denkt serner an den sogenannten „Alice", der mit großer Beständigkeit von Nordost her Über die Sahara weht, man könnte ihn benutzen, um schnell und verhältnißmäßig gesahr- und mühelos von Nordafrika, etwa von Tunis oder Tripoli- aus, zum Tsad-See zu gelangen. Der Südost Monsun, der während des Sommers nach Afien hineinweht, würde Luftschiffe zu sonst unersteiglichen Höhen de» Himalaya tragen und mit ihnen etwa da» Material zur Errichtung von Wetter- oder Sternwarten. Der kühne Gedankenschwung des Franzosen richtet fich endlich noch auf ein andere», für ihn besonder» bedeutsame» Ziel. Im Falle de» nächsten Krieges zwischen Frankreich- und Deutschland sollen die häufig und ziemlich beständig wehenden Südwestwinde dazu dienen, eine schnelle und regelmäßige Verbindung nach Rußland hin über Deutschland weg zu ermöglichen- daß diese Verbindung allerdings gewöhnlich nur höchst einseitig sein würde, da man dadurch wohl von Frankreich nach Rußland, aber nicht umgekehrt Nachrichten und Leute schicken könnte, bekümmert Herrn Le Dantec nicht. Werthlo» find seine Beobachtungen jeden- fall» nicht. Die Benutzung der beständigen Winde wird für die Luftschifffahrt ebenso von Bedeutung werden müssen, wie e» die Benutzung der Meere-strömungen, um die fich der amerikanische Capitän Maury ein unsterbliche» Verdienst erworben hat, für die Oceauichifffahrt geworden ist. Durch die Benutzung der Meeresströmungen verkürzte sich der See- I weg von New-Uork nach Calisornien um Südafrika herum


