Gießen, 15. August 1898.
Betr.: Die Bildung der Schöffen- und Schwurgerichte. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a» die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.
Wir beauftragen Sie, mit der Aufstellung der Urlisten der zum Amte eines Tchöffeu oder Geschworenen bestellbaren Personen zu beginnen und diese Listen nach vorgängiger achttägiger Offenlegung sammt den etwa erhoben werdenden Reclamattonen mit Begleitbericht spätestens bis zum 15. Oktober l. I. an die zuständigen Amtsgerichte einzusevden.
Die Spruchlisten der Geschworenen haben, wie bereits ia unserem Au-schreiben vom 20. April 1885 (Anzeiger Nr. 92) bemerkt wurde, in mehrfachen Fällen die Namen von Persourn enthalten, welche daß 30. Lebensjahr noch nicht vollendet oder das 65. bereits überschritten hatten und find hierdurch in den Schwurgerichtsfitzungen den Fortgang der Verhandlungen hemmende Weiterungen veranlaßt worden. Derartige Borkommniffe können nur durch eine genaue Beobachtung der hiufichtlich der Aufstellung der Urlisten der Schöffen und Geschworenen bestehenden Bestimmungen vermieden werden. Wir machen Ihnen daher die sorgfältigste Beobachtung der Vorschriften in § 1 und 3 der Verordnung vom 14. Mai 1879 (Rrg.-Bl. S. 213) zur Pflicht. Hier- nach find die in den §§ 32, 33 und 34 des GerichtSver- faffungSgefetzes (f. Reich»-G.-Bl. von 1877, S. 47) bezeichneten Personen nicht in die Urlisten aufzunehmen, während bet den in § 35 daselbst Genannten der Grund, warum fie ablehnen können, in der Spalte „Bemerkungen" der Liste auzugebeu ist. In allen Fällen, in welchen Zweifel darüber bestehen, ob eine in die Urliste aufzunehmende Person da» 30. oder 65. Lebensjahr vollendet habe, wollen Sie fich durch eine Anfrage bei derselben, oder in sonst geeignet scheinender Weise genau über deren Alter vergewiffern. Sie dürfen aber auch nicht Personen, welche sie für ungeeignet zum Amte eines Schöffen oder Geschworenen halten, bet denen aber dte gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen, aus der Liste weglaffeu, z. B. weil sie arm oder zu alt sind. Sie wollen vielmehr diese Personen ebenfalls in die Lifte aufnehmeu, Ihre Ansicht aber unter „Bemerkungen" oder im Begleit- berichte angeben.
Da» zur Aufstellung der Listen erforderliche Formular wird Ihnen k. H. zngesandr werden.
v. Bechtold.
Dir AklheMe Industrie- unii Gtwerbcansstkllung ?« Luhbch,
die am vorigen Donnerstag eröffnet wurde, zieht die Aufmerksamkeit des Publikums in hohem Grade auf sich. Pro- vinzial-AuSstellungen haben vor den großen Landes- oder den Weltausstellungen den Vorzug, daß man fich in ihnen eingehend über das orientieren kann, was dem Verständniß des Laien am nächsten liegt, und so ist auch die Anordnung der Butzbacher Ausstellung tu diesem Sinne getroffen. Sie gibt gleichzeitig ein leben-frische» Bild oberhesfijchen Gewerbe- fletße».
Beim Betreten des Au-stellung-geländeS fällt links sofort das nach Plänen des Herrn Architecten Ko Serbeck- Gießen errichtete und in den Zimmererarbeiten von Herrn Nuhn in Lollar ausgeführte oberhessische Bauernhaus auf, daun» im Aeußern und Innern Aufschluß giebt über dte Sitten und Gebräuche, wie fie bei der oberhesfischen Bevölkerung vor Jahrhunderten tu Gebrauch waren und zum Theil heute noch find. Gleichzeitig gewinnen wir einen Ueberblick über dte Volkstrachten, die sich nur in einzelnen Gegenden noch
ES war ein wunderschöner Tag. Al- ich in Ar- aus- stieg, heftete fich mir ein junger Manu an die Fersen, obwohl ich nur dte Straße nach Gravelotte wtffen wollte. Bet Ar- mündet dte Mance, ein Bach, der auS dem Gehölz de la Cuffe kommt, wo am 18. August 1870 die holsteinische Artillerie einen so schweren Stand den Franzosen gegenüber batte, dte Amanweiler und mehrere davorltegende Pachthöfe besetzt hielten. Der Bach, der im Sommer wenig Waffer hat, fließt zuerst von Nord nach Süd, um dann, nachdem er dte von Metz nach Gravelotte führende Chauffee durchschnitten hat, mit starkem Gefälle nach Südosten etnzubiegen. Die Straße von Ar» nach Gravelotte, dte die Mance immer recht- hat, steigt steil au. Dte Schlucht, tu der fie fich hinauf, windet, die Manceschlucht, hat noch steilere Abhänge. Hier lagen die Westfalen stundenlang während der Schlacht am 18., ohne weiter zu können. Nach dreiviertelstündtgem Marsche war ich in Gravelotte. Hatte ich bisher Wald zur Rechten und zur Linken gehabt, so sah ich jetzt eine baumlose Hochebene. Nördlich, etwa 2 Kilometer von der Chauffee, tauchte wieder Wald auf.
Ich dachte mir Gravelotte al» große-, ziemlich nahe an Metz liegende- Dorf. Beide- erwte» fich als Jrrthum. Es liegt immer noch 14 Kilometer westlich von Metz und kann nicht mehr al- 300 Einwohner haben. Geht man weiter nach Westen auf der nach Verdun führenden Chauffee, so erreicht mau zuerst Rvzonville, dann Dionville. Mar-- la-Tour, da- folgende Dorf, ist bereit» französisch. Von Gravelotte nach Rvzonville und von dc. nach Btonville geht man Va Stunde, nach Mar».la-Tour find e» noch 8/4 Stunde. Sobald man, von Ars kommend, dte wellige Hochebene erreicht, fallen schon recht» dte zahlreichen Denkmäler auf.
In Gravelotte wurde gegessen. Im Gasthause sprach man deutsch und französisch. Dann wurde die Richtung nach Metz eingeschlagen. Am Au-gange de- Dorfes rechts liegt ein Krtegerfriedhof. Die landläufige Erzählung, daß König Wilhelm die SiegeSnachrtcht vom 18. in der Nähe der Kirche von Gravelotte, auf einer Letter fitzend, die auf einem tobten Grauschimmel und einer Brückenwage lag, gehört in» Reich der Fabel.
erhalten haben. Lebensgroße Figuren find mit den Trachten bekleidet, welch letztere den Vorzug haben, daß fie auS- nahmSlos echt find. Prächtige alterthümliche Möbel -eigen, daß unsere Handwerker in früherer Zeit kuustgrübte Augen und kuuftgeübte Hände hatten, um Schönes zustaudezubringen und noch dazu mit Mitteln, die an dte heutige Technik in keiner Weise heranretchten. So finden wir in dem Hanse einen prachtvollen Schrank aus dem ehemaligen ReichSkarnrner- gericht in Wetzlar, der seiner Zett versteigert und von einem Einwohner in PohlgönS erworben wurde, der ihn der Aus- stellung zur Verfügung stellte. Schloß und Beschläge sind Meisterwerke der Kunstschlofferet. Ein prächtiges Stück Möbel ist ferner ein Schrank mit eingelegter Arbeit, der nachweislich aus dem Schloß de» Landgrafen Philipp von Butzbach au- dem 17. Jahrhundert stammt. Es würde zu weit führen, hier wettere Einzelheiten über den Inhalt de» Hause» anzugeben, da» auch in seinem Aeußeren de» bei den Bauernhäusern traditionellen Storchennestes und des „Spatzennestes im Kä-korb" nicht ermangelt. — Hausvater und Hausmütter scheinen in dem alterthümltchen Bau nicht zu walten und zu schalten, dagegen find hübsche Bauerntöchter, die fich im Laufe der Unterhaltung als fesche Butzbacherinnen entpuppen, eifrig beschäftigt, nicht nur die nöthtgen Erklärungen zu geben, sondern auch die Besucher mit den unvermeidlichen AuSstellungsloosen und Postkarten zu beglücken. Letztere find ebenso reizend wie ihre liebenswürdigen Verkäuferinnen. — Gegenüber dem Bauernhause liegt die Festhalle, in der die GambrinuSbrauerei von I. C. Melchior in Butzbach ihren Ausschank hat. An der westlichen Schmalseite hat die Brauerei eine Ausstellung veranstaltet, zu der Herr Maler Sachs aus Frankfurt die Malereien anfertigte. Auf dem Boden eines großen Fasses hat er eine Ansicht des alten Butzbachs — frei nach Merian — angebracht. Ueber diesem Faß erblicken wir den in lebhaften Farben gehaltenen Einzug des GambrinuS in die Melchior'sche Brauerei. Der hier verzapfte „Stoff" ist vorzüglich.
In der großen HauptauSstrllungShalle fällt gleich die schön arrangirte Ausstellung, der Saline Bad-Nauheim mit ihrem au» Tropfsteinen tmittrten großen Sprudel, umgeben von verschiedenen Salzen und Laugen, ins Auge. Die Wagen- fabrikattonen, auf beiden Längsseiten der Halle aufgestellt, bietet eine große Auswahl- u. A. befindet fich auch ein Wagen mit electrischer Beleuchtung sowie ein Motorwagen darunter. Einige schön ausgeführte Wagen, sowie daS in einem Schranke ausgestellte Sattelzeug und sonstige Eczeugniffe der Sattlerei stammen aus der Werkstatt des Herrn August Kilbinger-Gießen. Die seit alter Zeit in Butzbach bestehende Leder- und Leimfabrikation ist durch verschiedene Firmen würdig vertreten. Außerdem finden wir die Tr- zeugniffe der Klempner, Setter, Schloffer, Schmiede, Sattler u. s. w. Die Butzbacher Farbenfabrik veranschaulicht ihre Fabrikate in reichhaltigen Abtönungen. Auch pyrotechnische Körper (künstl. Feuerwerk) haben dabei Platz gefunden. Den weiteren Haupttheil dieser Ausstellungshalle bilden die land- wirthschaftlichen Maschinen und Geräthe, sowie die mannigfaltigsten Werkzeug- und Kraftmaschinen, als da find zu verzeichnen eine schön gearbeitetete achtpferdige Dampfmaschine, verschiedene GaS- und Petroleummotore, als auch elrctrische Antriebe.
Die Hinterwand der Halle gehört einer Frankfurter Firma, die Rohgummt (interessant find die auS roher Gummi- maffe hergestellten Spielwaaren wilder Völker) und technische Gummtwaaren, da- Mineral des A-besteS und die daraus hergestellten Gegenstände und besonders die Treibriemen, deren Anfertigung in einem instructiven Modell veranschaulicht wird, sowie hölzerne getheilte Riemeascheiben herstellt. Ftlterplatten und deren Berwerthung zeigt ein weiterer AuS-
Bei Rszonvtlle meldete Moltke den Sieg, und nicht ein Grauschimmel, sondern ein Haufen Holz war die andere Stütze. Ein Standort bei Gravelotte war im höchsten Grade gefährlich, da dieses kaum 2 Kilometer von der Manceschlucht entfernt ist. Die nach Metz führende Chauffee hat von Gravelotte aus eine ganz geringe Neigung. Kurz vor der Schlucht fällt fie, um jenseits derselben sich steiler emporzuheben. Doch darf man fich von der Brette und Tiefe der Schlucht keine übertriebenen Vorstellungen machen. Da, wo die Chauffee die Schlucht durchschneidet, ist diese vollständig eben, etwa 50 Meter breit und so tief, daß ein zweistöckiges Hau» kaum hineingestellt werden kann. Die Schlucht ist wegen de- durchrieselnden Bächleins am Boden grün wie eine Wiese. Nach Süden stehen nur an den Rändern einige Fichten, während in nördlicher Richtung der Fichtenwald in dte Schlucht hineintritt. An dieser Stelle, recht» und link- von der Chauffee, lag Göben mit seinen Rheinländern stundenlang in der Schlucht, ohne heraus zu können. Sie gewährte zwar eine vorzügliche Deckung, sobald aber die braven Leute vom 8. Corps über den Rand hinaus Vordringen wollten, wurden fie von den Pachthöfen Mo-con, St. Hubert und Point du jour, die durch verdeckte Gänge verbunden waren, mit einem furchtbaren Feuer empfangen. Wenn mau aus der Schlucht auf der Chauffee nach St. Hubert aufsteigt, liegen link- verschiedene Denkmäler der 67-iger- unmittelbar hinter St. Hubert befindet sich ein kleiner Artillerie-Friedhof, während wir rechts, dem Hofe gegenüber, den Friedhof eines deutschen Jnsanterie-Regiment» — ich glaube des 60. — antrrffen. Ja etwa sechs Gräbern ruht hier der größte Theil des Regiment», da» innerhalb einer Viertelstunde mehr als den dritten Theil seines Bestandes verlor.
ES macht einen überwältigenden Eindruck, an dieser Stätte des Todes zu stehen, wo der Oberst des Regiments mit vielen seiner Offiziere siel und inmitten seiner Braven ruht. St. Hubert ist ein ganz kleiner Bauernhof. Point du jour existirt nicht mehr. Auf der Höhe der franzöfischeu Stellung neben Point du jour, etwa- seitlich von der nach Metz sich hinabziehendeu Straße, erhebt sich seit wenigen Jahren ein steinerner Au-fichtSthurm, der die beste Rundschau
steller, Obst- und Kelterpreffen, Nähmaschinen, Sohlenwalz^ Maschinen und Backsteinmaschinen vervollständigen daS Bild^ Mit feuer- und diebessicheren Kaffenschränken und Kaffetten vertritt besonder- die Firma Fr. Krogmann-Gießen seit Jahren diesen Industriezweig würdig und anscheinend mit Erfolg. — Den Eisenarbeiter interesstren besonder» die von der Firma Heyligenstaedt u. Co.-Gießen gebauten Werkzeugmaschinen, Bohrmaschinen, Biegmaschtnen, Stanzen, Eisen- scheeren, Drehbänke- eine der Bohrmaschinen wird durch directen electrischen Antrieb in Bewegung gesetzt. — Von GießenerFirmen find in der Halle noch vertreten Lehrschmied Gg. Lamberth mit sauber gearbeiteten Hufeisen,. K. F. Nickau mit einer reichhaltigen Au»wahl schöner ®Iace> Wildleder-, Stoff- rc. Handschuhe, Spezialitäten dieser alten Gießener Firma- Emil Weißbäcker mit Drahtgeflechten aller Art vom feinsten Haarsieb bi» zum grobmaschigen Schutzgitter in exacter Ausführung. — Carl Wiegand, Schlossermeister, hat hübsche Kunstschmiedearbeiten in Gestalt von Oberlichtdecoratiouen u. s. w. ausgestellt. — Erzeugnisse de- Bergbaues hat Herr L. Petry Ü. in Form von Farberden und Brauneisenerzen, nach Fundorten gruppirt, ausgestellt. — Die in der Halle noch ausgestellten Oefen unv Kochheerde, sowie andere Eisengußfabrikate, JnstallationS- gegenstände u. f. w. beweisen, daß auf diesem Gebiete in Oberheffen Vorzügliche» geleistet wird. Die Küferei zeigt wahre Cabinetstückr von sauberer und gefälliger Arbeit.
Bon der Maschinenhalle au» führt der Weg zu dem BereinShause. Unterwegs lohnt es fich jedoch, hier und da einen Augenblick zu verweilen. Zuerst treten wir in ein-n Pavillon, woselbst daS sogen, elektrische Concurrenzlicht, Ace- tylen, mittelst der von der Firma R WelkoborSky- Gießen hergestellteu Apparate erzeugt wird. Hier findet mau das schöne weiße und dabei sehr billige Licht pro 16kerzige Normalbrenustunde) in den verschiedenartigsten Lampen veranschaulicht. Auch ein ganz neuer, intensive Hitze erzengender Heizapparat, in dem Acetylen Verwendung findet, ist dort aufgestellt. — Lenken wir unsere Schritte weiter,, so treten wir linker Hand in die offene Halle, wo es eine Ausstellung von gepreßten Braunkohlen giebt, deren Aufbau durch die Verwendung halbverkohlter Baumstämme und knorriger Wurzelstücke besonder» an Jntereffe gewinnt. Baumaterialien, mit denen besonder» die Kunststeinfabrik Emil. Horst-Gießen durch schön geformte Werkstücke hervortritt» Grabdenkmäler, die u. A. Bildhauer Atzbach-Gießen in mehreren schön auSgeführtev Exemplaren ausstellt, nehmt» die andere Seite der Halle ein.
Auf der anderen Seite de» Weges find verschiedene Arten Pflüge, ein schöner Oeconomiewagen, Säemaschinen- (Gießen ist hierbei durch die Firma M. Rosenthal vertreten) und Düngerstreumafchineu rc. aufgestellt. — In dem Verein-Hause nehmen die Fabrikate der Kürschner in dem ersten Zimmer recht- einen großen Raum ein, und fie haben es verstanden, durch die Ausstellung au-gestopfter Thiere ihre Ausstellung ganz besonders interessant zu machen. Sogar ein recht anziehendes Waldstillleben, das in seinem Thierrrich> Nord und Süd in einen Rahmen faßt, hat hier seinen Platz, gefunden. Zahlreiche Arten au-gestopfter Vögel, sowie eine recht humoristisch zufammengestellte Froschcapelle vervollständigen da- Ganze.
In der Ausstellung für Lehrgegenstände, UnterrichtS- matertalien, Karten und Pläne, sowie in Erzeugniffen der Buch- und Kunstdruckerei ift Gießen in hervorragender Weise vertreten. Die BerlagSfirma Emil Roth hat die beliebten Wamser'schen Stadtpläue, sowie ihren reichen Verlag an Lehrmitteln und Lehrbüchern, ferner ihren Prachtwerk-Verlag ausgestellt, wahrend die Ricker'sche Buchhandluog besonder» durch ihr mit werthvollen Werken auSgestatteteS Antiquariat, auf da- ganze Schlachtfeld bi- nach St. Privat im Norden gewährt.
Ich war gerade oben, als mehrere Referveunteroffiziere vom 8. bayrischen Regiment mit einem Lieutenant ankamen, um an der Hand von Karte und Generalftab-werk den Angriff- de- Generals v. Steinmetz, der ja bekanntlich da- 7. und 8. Corps befehligte, an Ort und Stelle zu studirrn. Einer der Herren laß, ein zweiter zeigte auf der Karte und der Lieutenant zeigte die Orrtlichkeiten im Gelände. Sehr intereffant!
Ich schlug nun den directen Weg nach Metz ein und kam, nachdem ich von MoulinS an» die Pferdebahn benutzt hatte, um 6 Uhr auf dem dortigen Bahnhofe an. Hier erwartete mich auch mein Freund, der von meiner um 6,50 erfolgenden Abreise nach Straßburg in Kennrniß gesetzt worden war. Das war eine Freude! Seit dreizehn Jahren hatten wir un» nicht gesehen. Wir saßen in derselben Klaffe. Sein Vater war Zahlmeister bei der Infanterie und wurde später zu den Dragonern versetzt. Beide Söhne dienten bei der Truppe und traten in den Beruf des Vater» ein. Alle drei wurden mit dem Regiment versetzt und traten dann zur Infanterie wieder über. Seit acht Jahren war mein Freund in Lothringen. Was für eine Figur war aus ihm geworden! Seine gelbliche GefichtSfarbe in der Schülerzeit war verschwunden. Der Brustkasten hatte fich geweitet und die hohe, kraftvolle Gestalt zeigte, daß ihr der Soldatenberuf bekam. Natürlich wurde die Absicht, nach Straßburg schon nach einer Stunde zu fahren, aufgegeben. Zwei Locale wurden abgestraft, in einem vortreffliche lebende Bilder angesehen und der Rest der Zeit wurde auf dem Bahnhofe verbracht. Da» waren angenehme Stunden! Erinnerungen au» der Schüler- zeit wurden wieder aufgefrischt, von ehemaligen Kameraden wurde erzählt und vor Allem wurden eigene Erlebniffe mit* getheilt. Wa- ereignet fich nicht Alle- in dreizehn Jahren! Rasch verging die Zeit, und mit dem Versprechen, wenigsten» Neujahr einen längeren Brief zu schreiben, schieden wir von einander, er, um noch einige Stunden zu schlafen, ich, um mit dem Nachtschnellzuge nach Straßburg abzureifrn.


