Ausgabe 
18.2.1898 Erstes Blatt
 
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Gemeindeeinnehmer in Bingenheim. 3. Döring, Ernst, Pri­vatier io Gießen. 4. Kleberger, Ernst, Landwirth io Melbach. 6. Sehrt, Johann Georg L, Rrchner in Ober - Besfiogen. 6. Momberger, Konrad IV., Landwirth in Unter-Seibertenrod. 7. Scheid, Christoph IV., Landwirth in Großen - Buseck. S. Fertsch, Wilhelm, Kaufmann in Friedberg. 9. Schudt, Georg, Müller tu Hof-Schwalheim. 10. Bierau, Karl, gräfl. Oberkammerrath in Friedberg. 11. Schreiner, Heinrich III., Landwirth in Ruttershausen. 12. Küchel, Heinrich Johann, Gerber in Butzbach. 13. Schäfer, Heinrich, Rentner in Lich. 14. Kalbfleisch, Christian, Müller in Billertshausen. 15. Klemm, Ludwig, Kammerossefsoc in Lich. 16. Schrimpf, Heinrich, Bürgermeister in Schlechtenwegen. 17. HarreS, Adam, Land- wirth in Ehringshausen. 18. Mondigler, Heinrich, MechaotkuS in Friedberg. 19. Lutz, Eduard, Landwirth in Elpenrod. 20. Bender, Karl Otto, Kaufmann in Hungen. 21. Ammer, Konrad Johann Wilhelm, Landwirth in Klein-Eichen. 22. Dieffenbach, Heinrich L, Beigeordneter in Berstadt. 23. Schäfer, Heinrich II., Bürgermeister in Eschenrod. 24. Laug, Heinrich, Gemrindeetnnehmer in Wieseck. 25. Hirz, Balthasar V., Landwirth in Steinberg. 26. Feuerdach, Georg Philipp, Gemeindeeivuehmer in Ockstadt. 27. Btndernagel, Karl, Buchhändler in Friedberg. 28. Fischer, Adolf, Kohlen­händler iu Meßen. 29. Fieser, Valentin, Fabrikant in Gießen. 30. v. Münchow, Kurt, Privatier in Gießen.

e*H Stadttheater. Die gestrige Aufführung des Suder- «auu'schru SchauspielsDa» Glück im Winkel" fand vor schwach besetztem Hause statt, waS recht bedauerlich, denn auch dieses Stück bekundet das bedeutende Talent des be­rühmten Dramatiker« und verdient vollste Würdigung. Mag fein, daß da» seit 1895 bis jetzt alljährlich hier auf dem Sptelplao erschienene Werk schon allzu bekannt ist, so daß selbst die Gewinnung eine» GaftrS nicht mehr als Anziehungs­kraft zur Erzielung eines gutbefuchteu Haufe» ausreicht. Offenbar hatte unter solcher TheilnahmSlofigkeit deS Publikum» die gestrige Wiedergabe des Drama» in mancher Beziehung zu leiden, denn sie stand nicht auf gleicher Höhe der früher gebotenen. Herr Iarttz als Gast erfreute in der Darbietung de» Röcknitz wohl durch lebhafte», flotte» Spiel, ließ jedoch jeueu heißblütig verführerischen Zug vermiffen, der dessenganz niederträchtige Sorte von Blut" offenbart und ihm die Weiber rutgegentreibt. Diese» charakteristische Symptom, das iu ollen Fasern dieses nur auf Raffe bei Pferden und Weibern sehenden sie herrlichen Don Juans steckt, offenbarte sich weder mimisch noch sprachlich. Doch bekundete im Uebrtgen das Spiel de» Gaste» große schauspielerische Routine und Sicher­heit, und ließ erkennen, daß Herr Jaritz in anderen Rollen bet guter DiSpontruug Bedeutendes zu leisten vermag. Immer­hin drängt sich uns die Frage auf, warum nicht unter den einheimischen Kräften dem für diese Rolle besonders geeig­neten Herrn Janson Gelegenheit gegeben wurde, damit fein Können zu zeigen und sich einen Erfolg zu holen. Herr Fritzschler als Rector Wiedmann, sowie Fräulein Würdig al» Elisabeth befriedigten. Fräulein B e r u e r blieb mit ihrer Bettina tu der Auffaffung manches schuldig, desgleichen Herr Forsch, der den Charakter deS KreiSschulinspectorS gerade tuS Gegentheil verkehrte, so daß deffeu anmaßende, perfide, ironische Aeußerungen gar nicht zur Geltung kamen. Wir hätten gern Herrn Liebscher mit dieser Roll- betraut ge­sehen. Fräulein v. Winterstein bewährte sich als Leuchen, desgleichen Herr Böhm als Hilfslehrer Dangel. Nicht ver- geffen feien die Geschwister Helm, welche die beiden Kinder des RectorS gut tu Sprache und Spiel repräfenttrteu. Die Regte zeigte sich eiwa« nachlässig, was besonder» im dritten Act ausfiel. Das Publikum bekundete keinen von inneren Impulsen getragenen Beifall, denn sonst wäre er »och lebhafter gewesen.

3« der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde sprach am Dienstag Herr Dtrector Bansa überSociale- au» Japan". Der Vortragende, der mehrere Jahre tu Japan »hStig gewesen ist, wußte, au» dem retcheu Schatze seiner eigenen Beobachtungen schöpfend, au» dem Leben de» intelligenten JuselvolkeS interessante Mttthrilungen zu machen. Er be­schränkte sein Tbema auf die fünf menschlichen Beziehungen (vom JapanerGo-rin genannt), die den Kern der Lehre de» Coufuctuö bilden, nämlich die Beziehungen zwischen Manu und Frau, Vater und Sohn, Geschwistern, Freunden und Herr und Diener. Jyeyasu (f 1616) erklärt daS Zusammen­leben von Mann und Frau für ein Grundgesetz der mensch­lichen Gesellschaft. Die Frau ist tu Japan so gut wte recht­los, wenn ihr auch im Kaiserhause der Weg zum Thron beim Mangel eine» männlichen Erben offen steht. Schon von früher Jugend an wird sie zum Gehorsam erzogen. Er ist zunächst der Vater, dann der Mann und wenn sie Wittwe wird der älteste Sohn, dem sie Gehorsam schuldet. Dafür ist die Behandlung der Frauen von Seiten der Männer eine sehr gute. Die Ehe wird nur al» Geschäft betrachtet. Der Mann darf Nebeufrauru haben. Braut und Bräutigam lernen sich erst nach vollzogener Eheschließung naher kennen, nachdem sie sich vorher nur flüchtig gesehen und gesprochen haben. Die Erziehung der Ktoder pflanze diesen vor Allem Ehrerbietung gegen die Eltern, besonder» gegen den Vater, rin- sie ist im Uedrigen nicht allzustreng. Die Pfl chten der Freunde unter einander werden sehr erust genommen. Sie gehen sogar so wett, daß ein Freund deu andern unter ge- wtffen Voraussetzungen durch Kopfabschlagen tödten muß. Da« verhältniß zwischen Herr und Diener zeichnet sich durch milde Behandlung von der einen und außerordentliche Treue von der andern Seite aus. Der Vortragende erläuterte diese Grundzüge durch Beispiele, wobei er intereffante Streif­lichter auf die Geschichte Japan» fallen ließ. Dazwischen flocht er ausführliche Einzelbeschreibungen ein, wie z. B. über die Gebräuche bei der Eheschließung, Bemerkungen über Kinder- erztehuvg u. dgl. w. Zum Schluß trug er zur Charaktrr siruug der japanische Volksseele eine uralte Legende vor. Der Bei­fall der Gesellschaft dankte ihm für seine eben so lehrreichen al» feffelndeu Ausführungen.

* Ritzsche' Bortrage. Der zweite Vortrag de» Dr. Horueffer beschäftigte sich mit dem Begriff deS Uebermenschen. vr. Horneffer betrachtet feinen Geiste»- Helden, wie wir schon am Einleitungsvortrage sehen konnten, tm geschtchtSphilosophischen Zusammenhaoge, nicht lo»gelöst von der voranfgegongeneu Bewegung, dir der gestrige Vortrag noch einmal karz iu ihren Wendepunkten characteristrte. Der letzte große versuch, W ffen und Glauben zu versöhnen, liegt in Letbuitz vor. Auf die christliche Metaphysik waren einer­seits die tiefsinnigen pantheistischen Systeme gefolgt, welche den Gedanken der Tranßcendenz Gotte» mit dem der Im­manenz vertauschen, und andererseits die einfacheren, aber dürftigeren deistischen, welche die Welt al» vollendetes mecha­nisches Kunstwerk ansehen, in da» kein auherweltlicher Wille mehr etngreifeu kann. Kaut» KriticiSmuS, feine Unter- fcheidung vonDing an sich" undErscheinungen" halte überhaupt alle Metaphysik beseitigt, anderersett» aber wiederum dem Glauben Thor und Thür geöffnet. Diepractische Vernunft" gtebt bei Kant zurück, waS dietheoretische Ver­nunft" zerstört hat. Die Nachfolger tonnten sich nun ent­weder an da» kritische, auslösende Element anlehnen, dasselbe weiterführen oder auch zu dem Glauben in seinen kindlichsten Formen zurückkehren. Beide- geschah. Schopenhauer ist daun der Erste, welcher, ausgehend von dem Kant'schen Ge­danken: daß wir die Dinge nur immer al» unsere Vor­stellungen begreifen ein Neues fügt, indem er hinzusetzt: aber der Mensch, der diese Vorstellungen hat, ist selbst doch ein Gegenstand der Welt, die er begreift, und daS Wurzel­hafteste seiner Vorstellungen ist daS Fühlen und Wollen. Wa» der Mensch in seinem Grundwesen ist, da- ist schließ­lich auch die Welt: nämlich Wille. Dieser blinde, planlose Wille, der auf allen Stufen, auf den organischen wie un­organischen in» Leben drängt, gebärt den großen Kampf und das große Leiden der Welt. Schopenhauer, der zum ersten Mal die Welt entgehet schaut, der, anstatt desLogos", den man bis dahin immer in irgend einer Form hiuein- interpretirt hatte, den unvernünftigen Weltwillen con» statirt, einen Weltwillen, dessen höchste Leistung e» schließlich ist, sich zu verneinen, sobald er auf dem Punkt angelangt ist, wo er sich über sich selbst klar geworden, Schopen­hauer konnte au» seiner Erkenvtviß nur einen trostlosen Pessimismus davontragen, der zur Askese, zur Weltentsagung führt. Nietzsche nimmt die Schopenhauer'sche Metaphysik auf, ergänzt sie indeß durch den Darwin'schen Entwicklungs­gedanken. Wohl ist die Welt Wille, aber Wille zur Macht. Jede Macht zieht ihre letzten Consequenzen. Da» Leiden und der unaufhörliche Kampf wird von Nietzsche nicht übersehen, aber durch diese Leiden wird etwa» erreicht, durch diese Kämpfe etwa» erkämpft, nämlich: die Erhöhung de» Sein». Die Menschheit hat die Tendenz, über sich hinaus- zu schreiten, sich über sich hinau» zu entwickeln, denUeber­menschen" zu erzeugen. DieserUebermensch" ist natürlich nicht ein speciell gearteter Individuum, etwa im Sinne eine» außergewöhnlichen, rücksichtslosen Kraftmenschen, sondern eine neue Art, eine neue Rasse, zu welcher die gegenwärtige MenschheitSstuse die Brücke, den Uebergang bildet. Die Perspective auf die Möglichkeit einer solchen Erhöhung, einer solchen Ueberschreitung unseres Seins soll uns Trost, ja Glück geben. Es ist dies allerdings ein rein selbstlose», von allen Schlacken de« Egoirmu» befreites Glück. Nitzsche kann garvicht verstehen, wie man für seine Tugend noch einen Lohn begehren könne. Ewige Wirkungen sollen von un» auSgehen, mögen sie uns selbst auch nichts eintragen. Der Stern kann schon erloschen fein, wenn sein Licht noch immer unterwegs ist. So kann da» Werk der Tugend längst gethan fein, wenn ihre Wirkung noch immer unterwegs ist. lieber den Weg zu dieser neuen Ethik wird am Montag der dritte und letzte Vortrag handeln. Wenn auch alle drei Vorträge zu einander tu innerem Zusammenhang stehen, so ist doch jeder ein in sich geschloffenes Ganze», weshalb wir auchDie- jenigru zum Besuch animiren können, welche nicht in der Lage gewesen sind, dem vollständigen Cyclu» beiwohnen zu können. Druckfehlerbertchtigung. Natürlich muß e-in unserem ersten ReferatWe rth e" (nicht Worte) heißen.

Mit dem 9-UhrLadenfchluß und der Abschaffung des sog. Neujährchens beschäftigte sich eine gestern Abend im Casü Ebel stattgehabte Versammlung de» Detailliftev-Berein-, zu der auch Nichtmttglteder eingeladen waren. Herr Ernst Balser führte nach Begrüßung der Erfchieneven bett, de» ersten Punkte» aus, daß die Idee, einen allgemein Abends 9 Uhr etntretenden Schluß der Ladengeschäfte herbeizusühreu, bereit» in einer Anzahl von Städten verwirklicht sei und stellte au die Versammlung die Frage, ob sie den 9-Uhr-Laden- schluß auch in Gießen durchzuführen wünsche. Herr Wilh. Herbert sprach sich für Bejahung dieser Frage au», hielt es indeß für nöthtg, daß vielleicht an den Samstagen und einer Reihe von Tagen vor Ostern, Pfingsten und Weih­nachten die Verkaufszeit bis 10 Uhr ausgedehnt werden könne. Herr Wohlmuth erklärte überzeugt zu fein, daß die Idee allgemeinen Anklang finden werde, Diejenigen, die nicht oamit einverstanden feien, würden schon durch die Verhältnisse gezwungen, ebenfalls um 9 Uhr zu schließen. Herr Lehrer Knauß begrüßte da» Vorgehen im Interesse der kaufmännischen Fortbildungsschule, dieselbe werde da­durch, daß die jungen Leute zu lange im Geschäft thätig sein müßten, ungemein in Erfüllung ihrer Aufgaben gehindert. Herr Balser würde sogar für den 8 Uhr-Ladenschluß stimmen, erklärt aber, im Interesse der allgemeinen Ein­führung vorläufig sich für den 9,Uhr Schluß au-sprechen zu sollen. Herr Buchacker ist gegen den 9 Uhr-Schluß, und zwar im Interesse de» Cigarrenhandel», da in diesen Läden besonder« im Sommer nach 9 Uhr noch viel verkauft werde. Herr Orbig bezeichnet cU Ideal der kauf­männischen Fortbildungsschule den Tageßuuterricht, doch habe derselbe viele Gegner gesunden, so daß au dessen Einführung vorläufig nicht gedacht werden könne. Er wendet sich gegen die Annahme deS Herrn Buchacker, daß den Eigarrenhandlern durch deu 9-Uhr-Ladenschluß ein Ausfall entstehe. Herr

Balser bemerkt, daß die Ladenbefitzer da» Publikum daran gewöhnen müßttn, sich bei Zeiten mit Waareu zu versehen, auch die E!garr:ukänfer würden sich daran gewöhnen. Herr Bräutigam ist im Interesse der Aagestellten für den 9 Uhr-Ladenschluß, glaubt aber au« dem schwachen Be­such der Versammlung die Befürchtung abletten zu tnbffen, daß mit dem 9-Uhr-Ladenschluß nicht alle Ladenbefitzer einverstanden find. Nachdem die Versammlung sich mit allen gegen eine Stimme für die Einführung deS 9-Uhr- Ladenschlüsse» auSsgeprochen, stellte Herr Balser dieFraze: Welche Mittel find zu ergreifen, um alle Ladenbefitzer zum 9 Uhr-Schluß zu veranlassen? Herr Jughardt ist dafür,, daß Fragebogen in Umlauf gesetzt werden. Herr Nas­sauer empfiehlt, den Beschluß nebst einer Ltste bei dem Ladenbesitzern cnrculhren zu lassen, bleibe die» ohne Erfolg, so müsse man suchen, auf gesetzlichem Wege zum Ziele zu gelangen und iu diesem Falle sei er für 8 Uhr Schluß. Herr Balser spricht sich gegen eine vorgeschlagene Eonvcn- tionalstrafe au». Herr Wohlmuth bringt folgende Resolution ein:Die heutige Versammlung von Gießener Detaillisten erkennt den allgeoetnei freiwilligen 9 Uhr Laden­schluß all ein zeitgemäße! Bedurfoiß an, vnd beschließt dea 9 Uhr-Ladenschluß in Gießen an Wochentagen, mit Ausnahme bei Bamltagl, ferner des Monats Deeember, 8 Tage vor Ostern vnd 8 Tage vor Pfingsten und beauftragt den Borstand den Deiaillisteu-Bereins eine Liste rirculireu zu lasten, worin diejenigen Inhaber von Geschäften, welche heute nicht erschienen find, ihr Eiuverstandniß zu diesem Beschluß erklären mögen, und daß bann weiter, nachdem diel geschehen, der Borstand des Vereins alsbald eine Versammlung eioznberufen habe." Die Resolution wird nach kurzer D batte, an welcher sich die Her ren Herbert, Rübfamen, Orbig, Nassauer, Bräutigam und Baiser betheiligen, angenommen. Hierauf trat die Bersawml.ng ia die Berathung über eveutl. Abschaffung de» Neujährchen-." Herr Balser bezeichnete dasselbe all ein überkommenes Erbe, da» in Unfug ausgeartet fei, de- fonder» in der Colonialwaarenbrauche. Herr Raffauer bezeichnete es a'.s erfreulich, daß in dieser Angelegenheit eine Anregung erfolgt fei; es sei besonder» die Landkandschast, welche ihr Neujährchen in Erinnerung bringe. Herr Rüb- fernen bittet, angesichts der Schwierigkeiten, die einem Vor­gehen gegen da» Neujährchen entgegenfiehen, den Borstaad / de« Detaillisten Vereins zu ermächtigen, das Nöthige zu ver- onlaffen. Herr Siel rl erklärte, fich für Abschaffung de» Neujährchev» nicht verpflichten zu können, da die Concurrenz ihr Einverständniß damit noch nicht erklärte. Gegen den Vorschlag de» Herrn Balser, gleichzeitig mit der Resolution de» 9-Uhr°LadenschlusseS eine Erklärung gegen da» Neujähr­chen in Lircnlation zu fetzen, sprach sich Herr Herbert au», da er befürchtet durch eine Verquickung beider Fragen die erstere (den 9 Uhr Ladenschluß) zu gefährden. Herr Wohlmuth sprach fich entschieden gegen do» Neujährchen au» und ist dafür, daß eine Special Versammlung derjenigen Branchen, die besonders unter dieser Unsitte zu leiden haben, einberuftn werden möge. Herr Bräutigam ist dafür, daß daS Versprechen, kein Nevjahrchen mehr zu verabreichen, auf Ehrenwort gegeben oder eine Eonventionalstrafe aus Umgehen deS Versprechen» gesetzt werden solle. Die von den Herren Salomon und Bräutigam gestellte Frage, ob daS Verschenken von Kalendern oder daS Rabattgeben al» ein vergehen gegen einen in Betreff des Neujährchen» zu fassenden Beschluß aufzufaflen sei, wurde verneint. Eine hierauf angenommene Resolution besagt, daß die Ge­wohnheit de» NeujahrSgeben» al» eine tm höchsten Sraie zu verurtheilende Uafitte zu bezeichnen und auf Abschaffung derselben hinzuarbeiten fei. Der Vorstand de« Detaillist n- BereinS wurde beauftragt, die geeigneten Maßregeln dagegen zu ergreifen. Unter Geschäftlichem brachte Herr Balser eine Reihe von Angelegenheiten zur Sprache, u. A. die Bieberthalbahn und deren beabsichtigte Fortführung über Hohensolms bi» zum Anschluß an die vollbah^ bei Bilchoffen da» Project soll seitens des Verein» (unter Berücksichtigung dessen, wa« bereit» von der Stadtvrrtretung Gießen» ge­schehen) nach Kräften gefördert werden. Herr Nassauer spricht sich gegen den verkauf von Postwerthzeichen durch die Ladeninhaber au», so lange denselben nicht eine geringe Vergütung gewährt werde. Herr Orbig erwähne die Zustände am Güterbahnhof, besonder» den Mangel ein » directen Verbindungsweg- zwischen Personen- und Eilgut- bahnhof und dem Stückguibahnhof; er bezeichnet eine Unter­führung ober Ueberbrückung de» Tchienengeleise» für uneiläß­lich. Herr Wohlmuth bezeichnet die Zustände am Per­sonenbahnhof, besonder» die Uederfchreitung deS Geleise», um zu den nach Fraakfurt fahrenden Zitzen zu gelangen^ für unhaltbar und gefährlich. Die Versammlung beschloß, tm Einvernehmen mit der Handelskammer eine Eingabe an die Eisenbahn-Direktion behufs Abstellung der Mißstände za richten.

Theater Lereiv. Soeben geht uns die Nachricht zu, daß der Theater-Verein für feine 6. Vorstellung Montag den 7. März auSerfehen hat. Wieder ist ein bedeutender Gast, Frau Prasch-Grevenberg vom Berliner Theater in Berlin, gewonnen rooibftt, dazu eine hochinteressante Novität, Max DreyerS neueste» Lustspiel:In Be­handlung", zur Aufführung bestimmt. Wir kommen dem­nächst auf diesen ieterrffunten Theaterabend zurück.

Pnpprv für Priozeffinuev. Im Erker de» Herrn Fuhr (Sonoenstraßr) find sechs in oberhessische Tracht (drei männliche und drei weibliche) gekleidete Puppen aus­gestellt, welche in den nächsten Tagen an ein hochfürstliche» Hau» gesandt werden sollen.

R. Sarveval. Au« unserem Lefertresse gebt un» (etwa» verspätet) folgende Notiz zu: Daß e» der Gießener Männergefangverein versteht, Feste zu feiern, haben wir atn Sonntag Abend bei dem Maskenbälle in Stein» Saaldan gesehen. Der große Saal war fast überfüllt. Zwei exact aufgeführte Gruppen, sowie verschiedene Schaubuden, mit u. A. da» rofenfarbige Wunderpferd, der fliegeode