Afrika. Mit einem im F;llr der Richtigkeit nicht un« berechtigten Gefühle triumphireuder Genu-;thuuug theilt ein Londoner Blatt aus angeblich bester Quelle mit, baß die Eisenbahn vom Cap nach Cairo nicht länger dem Gebiet der Traume angehöre, sondern der Plan täglich greifbarere Gestalt auuehme. ES heißt in der Mittheilung darüber weiter: (Steil RbodeS wird sich tu Capstadt schon bald nach England eivsch ffru und die Pläne für die ganze 200 englisch». Meilen lange Strecke von Baluwaho nach dem Tanganjika.See bet sich tragen. Im letzten April traf Rhodes nichtförmlich mit der britischen Regierung daS Abkommen, daß die StaatSbörgschaft für die Bahn streckenweise erfolgen solle. Seit der Zeit aber hat der ursprüngliche Plan große Aenderungeu erlitten. Damals wußten die Beamten des Schatzamts nicht, welch' große Veränderungen sich in Bälde vollziehen würden,- selbst Cecil Rhode» mit seinen großartigen Gedar-ken konnte da- nicht ahnen. Veit dem April ist die britisch-ägyptische Armee tu Omdurmav eingerückt. Zweifellos werden die britische Regierung und Cecil Rhodes tm nächsten Monat, nach dessen Ankunft tu England, zu einem Einverständniß behusS schnellen Baues der Eisenbahn biß zum Tanganjika-See gelangen, so daß die L nie durch das afrikanische Festland innerhalb der nächsten zehn Jahre vollendet ist. Der Steg Lord Kitcheners über den Chalifen hat die Vollendung des großen Werkes um 20 Jahre näher gerückt. Die Britische Südafrikanische Gr- stllschast wird natürlich große Beihilfe leisten und wird Anleihen bis zum Betrage von einer halben Million Pfund Sterling betfteuern, so daß der Baustoff für die Bahn schon Anfang nächsten Jahres nach dem Cap befördert werden kann. Auch wird die Regierung der Cap Coloute alle mögliche Hilfe leiste», wenn fie ihre Abficht auch noch nicht amt- lich angekündigt hat.
Amerika. Die Philippinen werden den Vereinigten Staaten voraussichtlich noch viel zu schaffen machen. In Madrid find von General RioS eingehende Meldungen über das augenblickliche Berhältuiß der Nordamerikaner zu den Ausständigen etugetroffev, welche erkennen lassen, daß für die Vereinigten Staaten die vollständige Unterwerfung der Eingeborenen mindestens ein Jahr der heftigsten Kämpfe erfordern würde. Die Mannschaft des uordamertkaüischen Kreuzers „Ralrigh", welche in die Provinz BatangaS eiuzudrtngeu versuchte, wurde dort acht Tage laug gefangen gehalten, während welcher Zett man ihr Gelegenheit gab, die Streitkräfte der „philippinischen Regierung" sehr genau zu befichtigeu. Ja der Provinz wurden durch Aguinaldo W-ffeuntederlagen errichtet, tu denen fich miudesteuS 25 000 neue Gewehre mit sehr reichlichen Borräthen an Schießbedarf befinden. Dabei ist dies nur der dritte Theil der von Aguinaldo beschafften neuen Gewehre, wozu noch etwa 20 000 Gewehre uad fünfzehn Kanonen kommen, welche die Eingeborenen von den Spaniern erbeuteten. General Rio- fügt hinzu: „Diese Thatsachen muß man berücksichtigen, wenn man den Werth der zwischen Aguinaldo und den Nordamerikanern fortwährend au-getauschteu Freundschaft-verficherungen bemeffeu will." — Daß soeben der nordamerikanische Hilfskreuzer „Aosemite" Befehl erhalten hat, über den Suez«Canal nach Manila zu gehen, um fich dem Geschwader DewtyS auzuschließen, deutet als weiteres Anzeichen auf Schwierigkeiten bet der thatsach- lichen Befitzergretfung der Inselgruppe htn.
— Amerika. Da- nordamertkantsche Reprä- tanteohauS lehnte mit 104 gegen 101 Stimmen ab, die EtnwauderuugSbtll in Erwägung zu ziehen, die vom Senate in der vergangenen Tagung angenommen worden war.
totales and provinzielles.
Gießen, den 16. December 1898.
* * Militärisches. Folgende TruppentheUe des 11. Armeecorps find gemäß des § 94, 1 der Wehrordouug von dem Königlichen General Commavdo zur Einstellung Einjährig- Freiwilliger am 1. April 1899 bestimmt worden: Frankfurt a. M.: 1. Hessisches Infanterieregiment Nr. 81. Taffet: Infanterieregiment v. Wittich (3. HefficheS) Nr. 83, 1. uub 2. Bataillon. Jena: 5. Thüringisches Infanterieregiment Nr. 94 (Großherzog von Sachsen), 3. Bataillon. Darmstadr: 1. Großherzogi. Hessisches Infanterie (Leibgarde-) Rrgiment Nr. 115. Gießen: Infanterieregiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Heff.) Nc. 116.
• • Knustveret». Die Gemälde - Ausstellung im Thurmhaur am Brand ist seit heute wieder geöffnet. Unter den ausgestellten Gemälden findet fich eine große Anzahl solcher, die ein besondere- Jntereffe der Kunstfreunde beanspruchen dürfen.
Oberhesfifcher Geschichtßveretn. Ueber die gestern Ader-.d im Cass Ebel abgehaltene Versammlung, in der Herr Professor Gundermann sehr eingehend über die wichtigen Funde gelegentlich der letzten Ausgrabungen am Eulenkopf berichtete, und Herr Geheimerath Profeffor Dr. Siebeck „Literarische Händel in Gießen vor hundert Jahren" in einem höchst intereffanteu Bortrage behandelte, hoffen wir morgen den Lesern Ausführliches mittheilen zu können.
• • Alice Schule. Unsere Leserinnen möchten wir noch besonders aufmerksam machen, nicht zu versäumen, die Ausstellung von Arbeiten der Schülerinnen am 18. und 19. d. Mts. zu besuchen. — Stickereien in Seide und weiß, feine Handarbeiten jeder Art, gewebte Echarpen und Brand-Malerei find in vollendeter Ausführung da zu sehen. Ebenso lobenSwerth präsentireu fich die Weißzeug-, Schneider- und Bügel-Curse! — Ein Z'mmer füllen die Erzeugniffe des KochcurseS und da diese Erzeugniffe verkauft werden, so kann mau fich gleich auch von deren „innerem" Werth überzeugen. — DaS zur Ansicht aufliegende Monat- Menu zeigt, daß die Schülerinnen in allen Fächern der Kochkunst unterrichtet, nnd dazu angeleitet werden, unabhängig von Köchinaenlaunev, selbstständig Haushalt zu führen. — Im Lause des Sommers wurde die Alice Schule durch den Besuch der König!. Hoheiten
des GroßherzogS, der Großherzogin und der Privzesfin von Battenberg ausgezeichnet. Die Herrschaften besichtigten die Schule im detail, geruhten den Thee, der von den Schülerinnen servirt wurde, einzuuehwen und sprachen fich beim Scheiden höchst beftiedigt und lobend über alles „Gesehene und Genoffeue" aus.
* • Evangelischer Arbeiterverein. Wie aus dem Inseraten- theil zu ersehen ist, findet die diesjährige Weihnachtsfeier entgegen früher festgelegten Bestimmungen bereits am nächsten Sonntag den 18. d. Mts. und zwar in „Stein- Garten" statt, worauf auch an dieser Stelle aufmerksam gemacht sei. Da die starke Betheiligung von Nichtmitgliedern seither bei den BereiuSsesteu zu mancherlei Unzuträglichkeiteu geführt hat — vor Allem fehlt eS häufig an genügendem Platz für die Mitglieder — so hat der Borstand beschlossen, daß künftighin Fremden nur bei ausdrücklicher Einführung durch Mitglieder und nach Entrichtung eines kleinen Eintrittsgeldes der Zutritt gestattet werden kann. Endlich ist es bei der sehr große» Mitgliederzahl wünscheuSwerth und geboten, daß Alle, die dem Verein angehöreu, an Festabenden daS Ber- einSabzeicheu anlegen.
• * Stadttheater. Frieda EichrlSheim, die gefeierte Heroine und Salondame, die von unserer Direction für nächsten Montag zu einem einmaligen Gastspiel als „Claire" im „Hüttenbesitzer" gewonnen wurde, ist eine- der beliebtesten Mitglieder der Darmstadter Hofbühne und eine der ersten Vertreterinnen ihres Faches überhaupt. Eine glänzende Bühnen-Erscheinuog, ein überraschend schönes Organ, baß ebensowohl die weichste Stimmung wie die größte Leiden- schäft zum hinreißenden Ausdruck bringt, — edle Plastik der Bewegungen, seelenvolleS Mienenspiel — das find die unbestrittenen Vorzüge der Künstlerin, deren Auftreten man also mit gespannten Erwartungen entgegeuseheu darf.
• • Sonderzüge. Die König!. Ersenbahndirectton Frankfurt a. M. übersendet unS einen Fahrplan für die Bonder- züge, welche anläßlich des bevorstehenden WrihnachtSfesteS adgelaffen werden. ES werden danach folgende Sonderzüge gefahren: A. Auf der Strecke Köln-Gießen: 1) am 24. December: Köln ab (Hauptbahnhof) 960 Vorm., Gießen an 22» Nachm. 2) am 27. December: Betzdorf ab 232 Nachm., Gießen an 447 Nachm. 3) am 24. December: Köln ab 214 Nachm., Gießen an 717 Nacht». 4) am 24. December: Köln ab 6 Abends, Gießen an ll48 Nachts. — B. Auf der Strecke Gießeu-Köln: 1) am 24. December: Gießen ab 3iv Nachm., Köln an 789 Abends. 2) am 24. December: Gießen ab 5^ Nachm., Köln an 10" Nachts. 3) am 27. December: Gießen ab 636 Nachm., Betzdorf an 88 Abends. — C. Auf der Strecke Frankfurt-Gießen: 1) am 22. December: Frankfurt ab 1250 Nachm., Gießen an 33 Nach«. 2) am 23., 24. und 27. December: Frankfurt ab 283 Nachm., Gießen an 468 Nachm. 3) am 24. December: Frankfurt ab 530 Nach«., Gießen an 769 Abends. 4) am 21., 22. und 28. December: Frankfurt ab 1110 Nichts, Gießen an 1226 Nachts. 5) am 21., 22. u. 23. December u. 2. Januar: Frankfurt ab ll25 Nachts, Gießen an l42 Nachts. — D. Auf der Strecke Gieß en-Frankfurt: 1) am 24. December: Gießen ab ll60 vorm., Frankfurt an l89 Nachm. 2) am 23., 24. u. 27. December: Gießen ab 448 Nachm., Frankfurt an 645 Abends. 3) am 24. und 27. December: Gießen ab 6" Abends, Frankfurt cn 838 Abends. 4) am 27. December: Gießen ab 88 Abends, Frankfurt an 1008 Abends. — E. Auf der Strecke Gießen-Fulda: 1) am 24. December: Gießen ab 112B Vorm., Fulda au 2i3 Nachm. 2) am 24. December: Gießen ab 5°° Nachm., Alsfeld au 643 Abends. — F. Auf der Strecke Fulda-Gießen: 1) am 24.Deccrnber: Fulda ab 2" Nachm., Gießen an 442 Nachm. — G. Auf der Strecke Gießen-Gelnhanfen: 1) am 24. December: Gießen ab ll60 Vorm., Gelnhausen an 242 Nachm. 2) am 24. December: Gießen ab 443 Nachm., Gelnhausen an 650 Nchm. — Die Fahrpreise der Sonderzüge find die gewöhnlichen. Die Reisenden werden dringend ersucht, möglichst die Vorzüge zu benutzen, weil diese Züge auf den Abzweigungsstationen die Anschlüffe an andere Züge sicherer erreichen als die nach» folgenden Hauptzüge.
• In Amerika verstorbene Heffen. In West Cairo, Allen County, O.: Jacob Altstädter fen., 89 Jahre alt, aus Wersau. Ja Chillicothe, O.: Martin B. Griesheimer, 54Jahre alt, aus Lampertheim. Daselbst: John Eberle, 83 Jahre alt, aus Lampertheim. In Davenport, Ja.: Peter Seeger, 75 Jahre alt, aus Allertshofen. In NewUork: Nicolau- Weiß, 62 Jahre alt, an- Sulzheim. JnCleveland,O.: Louifa Elleuberger, 83Jahre alt, au- Heffen-Darmstadt. Ja New-Aork City: Philipp Fehr, 51 Jahre alt, au- Reichenbach. In Belleville, Jll.: Georg BerniuS, 75 Jahre alt, au- Heffen-Darmstadt. In John-towu, Pa.: Wilh. Wilhelm, 77 Jahre alt, au- Inheiden. In Hamilton, D.: Capitän I. P. Bruck, 79 Jahre alt, au- Hrffen-Darmstadt. Ja Baltimore, Md.: Frau Lena Schneider, au- Hrffen Darmstadt. In Franklin, Ja.: MathäuS Weil, 81 Jahre alt, au- Alsheim.
• • Wetterbericht. Da- gestern vor der nördlichen Küste gelegene Depression- Cevtrum ist auf gleicher Bahn wie seine Vorgänger in südlicher bi- südöstlicher Richtung fortgeschritten. Wenn auch da- barometrische Maximum fortgesetzt weiter nach Westen zmückweicht, so weist daffelbe doch noch immer eine Intensität von über 730 Mm. auf. Dementsprechend treten anch sehr starke Gradienten auf und herrscht noch meist flache bi- stürmische Luftbewegung. Auch auf der Rückseite de- Minimum- fallen In weitem Umkreis Niederschläge. Die Hochstationeu melden SchneestÜrwe. — Voraussichtliche Witterung: Zunächst noch uabeständigeS, etwa- mildere- Wetter mit zeitweisen Niederschlägen.
Mainz 14. December. Erst französischer General und Armeecommandeur und dann Bürgermeister von GaualgeSheim (ein bekannter Weiuort von 2500 Einwohner in der Nähe von Bingen). Gelegentlich des vor
Kurzem erfolgten Ablebens de- hessischen ForstinspectorS Peter Eickemtyer ist in verschiedenen Blättern daran erinnert worden, daß ein Onkel des Verstorbenen der letzte cur- mainziiche Comwandaut von Mainz und nachmalige französische General Eicktmcyer war. ES ist bekannt, inwieweit Ecke- nnyer, der hier den Titel eines Ingenieur-Obetstlieuteuant führte, an der Uebergabe von Mainz an die Franzosen am 21. Ocioder 1792 betheiligt war, ebenso wie eS auch bekannt ist, welchen bedeutenden Anthetl Eickcmeyer an den Kriegen nahm, mit welchen Frankreich und Napoloen I. zu Ende des vorigen und zu Beginn dieses Jahrhundert- Europa überschüttete. Wenig bekannt dürfte es sein, daß der frühere curmainzische Ingenieur-Oc-erstlieutenaut und spätere Commandeur der hauptsächlich am Rhein gerircndeu Nordfrankeu-L'g on nach einer großen militärischen Laufbahn sein Leben als schlichter Bürgermeister von Gaualgesheim abschloß. Nach seiner im Jahre 1810 erfolgten Versetzung ia den Ruhrstand hatte Eickemryer fich nämlich nach GaualgeSheim zurückgezogen, wo er einiges von seinen Eltern ererbtes Grundeigenthum besaß. Hier beschäftigte sich Ticke» meyer nur mit der Pflege eines Gartens und schriftstellerische» Arbeiten, welche Thätigkeit er im Jahre 1811 mit der Verwaltung der Gemeinde GaualgeSheim vertauschte, indem er auf Drängen deS Präfecteu bei Departements Mout-Tonnerre die Bücgermeisterftelle aunahm Durch die kriegerischen Er- eigniffe, sowie durch eine große Feuersbrunst und eine Krank- heit in den Weinbergen war die Gemeindeverwaltung damals sehr in Unordnung geratheu, so daß Eickemeyer ein großes ArbeitSfeld fand, auf welchem er besonders dadurch mit Erfolg wirkte, daß durch seine Verwendung bei dem Präsccteu die Bewohner von GaualgeSheim Unterstützungen auS der Staat-kaffe erhielten, womit fie die niedergrbrannten Gebäude wieder aufbauen und die sonstigen Schäden beseitigen konnten. AlS im Anfänge des Jahre- 1813 die Kl egSheere der Verbündeten über den Rhein fetz-en, wußte Eickemeyer als ehemaliger französischer General befürchten, fich und bie von ihm verwaltete Gemeinde der Mißstimmung des Feind, s ausgesetzt zu sehen, weßhalb er sein Amt mit Zustimmung bei Präfecteu in die Hande seine- Adjuncten legt$ und fich nach Mainz zurückzog. Bei seiner Rückkunft nach Gauaigeshei« nach aufgehobener Blokade war die Bürgermeisterstrlle anderweitig besetzt und zwar in einer Weise, baß fich in vielm Dingen schon wieder ein Rückgang zeigte, so daß bereit» nach wenigen Monaten die gemeinschaftliche bayrische und österreichische LandeS-Administratiou Eickemeyer ersuchten, daS Bürgermeisteramt wieder zu übernehmen. Eickemrher kam diesem Ersuchen nach und verwaltete das Amt bis zu seinem am 9. September 1825 erfolgten Tod.
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Vor 65 Jahren, am 17. December 1833, starb zu Ansbach in Folge einer von Unbekannten beigebrachten Verwundung der räthselhafte Findling Kaspar Hauser, der am 26. Mai 1828 in Nürnberg aufgegriffen worden war. Seine vermeintliche Herkunft als badischer Prinz ist bestritten und das Dunkel, welches über seiner Person schwebte, nie gelichtet worden. __________________________________
Schwurgericht.
W. Gießen, 16. December 1898.
(Fortsetzung der Verhandlung gegen die Angeklagten Baer und Dambmann wegen Brandstiftung.)
Der Angeklagte Baer bestätigt, daß er mit Dambmann zusammen in der Schauermaun'schen Eirthschaft an dem Abend des dritten Brande- in der Mühle zusammen war, er habe die Zeche bezahlt, doch war der Mitangeklagte nicht betrunken, dieser machte den Vorschlag, die Rud. Hofmann'sche Scheuer anzusteckeu. Sie seien auch dort hingegangen, el waren aber Leute in der Nähe. Man sei zurück in die Wirthschaft gegangen, unterwegs habe Dambmann bann de» Vorschlag gemacht, die Mühle anzuzünden. AIS in bet Schauermann',cheu Wirthschaft vom Polizeidiener Feierabend geboten wurde, stellte sich Dambmann stark betrunken. Unterwegs als fie zur Mühle gingen, wollte derselbe ihn überreden, da- Feuer anzuzünden. In der Scheuer angekommen, will Baer fich geweigert haben- mit den Worten „Steck Da doch die Scheuer an," er habe bann seinem Genossen vier Streichhölzer gegeben, womit berselbe einen Buschen Stroh ober Heu, dar er in bet Hand hielt, anzündete, und damit den Brand verursachte. Hierauf habe man fich getrennt und sei auf verschiedenen Wegen von bet Branbstelle geeilt. Det Mitangeklagte Dambmann bestreitet bie Angaben seines Genossen, er habe nicht baran gedacht, die Hofmann'sche Scheuer anzusteckeu. — E- folgt die Zrugeuvernehmung. — Bürgermeister Biehl, von Rainrod, schildert die Stimmung Über die Brände in seiner Gemeinde. Mau hatte gleich beim ersten Brand Verdacht auf Baer. Beim zweiten Brand bei SchauermanuS trat gegen Baer der Verdacht der Brandstiftung noch stärker auf, und die Leute waren dadurch tu Angst und Schrecken versetzt. Der Verdächtigte arbeitete außerhalb be» Ortes, hielt er fich jedoch tm Dorfe auf, so versetzte die- die Bewohner in eine förmliche Aufregung. — Der Schaden, der gedeckt ist, belief fich auf ca 15 500 Mark, von welchem etwa 7g Erudtevorräthe re. nicht ver- sichert waren. Auf Befragen deS Staatsanwalts deponirt der Zeuge: Daß bie als Zeugen im Vorverfahren vernommenen Personen mit ihren Aussagen, sehr zurückhaltevb gewesen, an- Furcht vor ben Verdächtigungen gegen Baer. — Forstaufseher MeugeS, bem bie Angeklagten bie Scheuer uiebergebranut haben, erklärt, er habe den Baer s. Z. ein Mal wegen Diebstahl angezeigt, denselben auch vom Holzmachen ausgeschlossen, e- könne möglich fein, daß ihm dieser deshalb feindlich gesinnt fei. Auch Dambmann sei vom Holzhauen zurück- gewiesen worden. — Aus der Vernehmung weiterer Zeugen geht hervor, daß Baer ein Mensch ist, der früher schon, rein au» Schabernack, recht dumme Späße ausgesührt har. Dem Schuhmacher Bechthold II. gegenüber hat Baer gedroht, er


