Ausgabe 
16.2.1898 Zweites Blatt
 
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Fläche bezahlt, während bei einer in letzter Woche in Staden abgehalteuen Versteigerung 1800 Mark für den Morgen erstLlasfige« Land geboten wurden. Sehnlich hohe Preise wurden in den Orten, die die Feldbereinigung durchgesührt haben, für da« versteigerte Maffengelände erzielt. Die Sartoffelpreiie find in den letzten Tagen bedeutend in die Höhe gegangen. Für Steckkartoffeln befferer Sorte zahlt mau bereit- 5.20 Mk. Auch die Brennholzpreise Zeigen steigende Tendenz. Bei den Versteigerungen in den Walddistricreu an den südwestlichen Abhängen deS Bogels« bergS, die von hier aus besucht werden, wurden schon 8.50 Mark für doS Raummeter Bucheu'Scheitholz bezahlt.

0 Darmstadt, 14. Februar. Die heutige Beerdi« g u n g des Herrn Oberceremonieumeister Geh. Staatlrath Earl v. Werner erfolgte unter außerordentlich zahlreicher Theilnahme von Leidtragendm, an deren Spitze sich der Großherzog und Prinz Wilhelm befanden und wobei alle L'vil'Behörden sowie das Militär durch Spitzen ver­treten waren, ein Beweis der großen Beliebtheit des nun­mehr H7imgrgangenen. Hofbedienstete schritten zu Seiten des Leichenwagens, dem die zahlreichen Orden, die v. Werner befeflen, vorangetragen wurden. Den imposanten Trauerzug empfing die Infanterie-Capelle am Friedhof-Portale mit einem Choral. In tiefergreifender Grabrede legte Herr Pfarrer Petersen dar, wie der Entschlafene treue Pflicht- erfüllung bis zum letzten Athemzuge geübt, wie er 35 Jahre lang seinen LandeSfürsteu und dem Lande treue und werth­volle Dienste geleistet und wie er auch seiner Familie alle­zeit ein liebendes, fürsorgendeS Oberhaupt gewesen- all diesen habe ein herbes Geschick ihn frühzeitig entrtffen. Allen, die ihn kannten, werde er unvergeßlich sein. Nach der kirchlichen Handlung und nach Choralvortrag traten der Landesfürst und Prinz Wilhelm an das offene Grab, um dem Heim« gegangenen den letzten Tribut der Hochachtung in der pietät­voll üblichen Weise zu bezeugen. Prachtvolle Kränze waren am Grabe (es ist das v. Werner'sche Familiengrab auf dem alten Friedhof) niedergelegt worden. Unter den Leidtragenden befanden sich auch zwei Söhne des Entschlafenen.

Dieburg, 12. Februar. Ein »fetter GaulSproceß" zwischen einem hiesigen Bäckermeister und einem Pferdehändler aus Seligenstadt, der schon seit August 1897 schwebt, bean­sprucht in der ganzen Gegend lebhaftes Jntereffe. ~ Der Bäckermeister hatte nämlich Anfangs August von dem Händler ein Pferd als »zugfest" und gesund für 360 Mark käuflich erworben. Unmittelbar nach dem Kaufabschluffe wurde indessen constattrt, daß daß Pferdkreuzlahm" sei und darum zur Fortbringuug schwerer Lasten unbrauchbar sei. Der anfäng­lichen Bereitwilligkeit zur Zurücknahme bei Pferdes setzte später der Händler Widerstand entgegen, weshalb das Thier auf neutralem Gebiete, nämlich in einem Gasthause zu Seltgen- tzadr, zur einstweiligen Verpflegung eingestellt wurde, wo eS sich leit 14. August befindet. Die Kosten de« gleichzeitig eröffneten RechtrstreiteS find inzwischen auf etwa 1500 Mark angelaufen und noch ist da« Ende des kostspieligen ProceffeS nicht abzusehen. Bei dem heutigen Termine vor dem Amts­gericht in Seligenstadt, wobei wiederum zwei Offenbacher Rechtsanwälte fungirten, wurde dem Händler die demnächstige Leistung zweier Eide zugeschoben. Behufs Ersparung weiterer Futterkoften soll auf Gerichtsbeschluß das Pferd jetzt zur öffentlichen Versteigerung gelangen. Die Herbeiführung eines Vergleiche« zwischen den streitenden Parteien dürfte nach Lage der Umstände aussichtslos sein.____________D. Tal. Anz.

Gesundheitsstaud, Bewegung der Bevöl­kerung, insbesondere die Todesfälle in der

Stadt Gießen im Jahre 1897.

Im Jahre 1897 sind in der Stadt Gießen lebend geboren worden 457 Knaben und 449 Mädchen, zusammen 906 Kinder gegen 914 im Vorjahre (tobt zur Welt kamen 27 männliche und 23 weibliche, im Ganzen 50); hiernach beläuft sich die Zunahme der Bevölkerung durch Nachwuchs, wenn man die in der Frauenklinik geborenen Kinder fremder Mütter, welche meist alsbald wieder wegziehen, mit ca. 350 abzieht, auf 556.

Die Gesammtzahl der Verstorbenen betrug 506 gegen 476 des Vorjahres, davon 272 männlichen und 234 weiblichen Geschlechts; hiervon waren Ort Sange- hörige 340 und Ortsfremde, in den Kliniken Verstorbene, 166, welch letztere bei Berechnung der Bevölkerungsbewegung selbstverständlich nicht berücksichtigt werden können.

Unter diesem Gesichtspunkte übertrifft die Zahl der Geburten diejenige der Sterbefälle um ca. 256. Unter Zu­grundelegung einer wahrscheinlichen Einwohnerzahl von 23 700 beträgt die Sterblichkeitsziffer, d. h. die Zahl der Tobten im Jahre auf 1000 Lebende: 14,35°/M gegen 13,170/yo im Jahre 1896.

Zum Vergleiche folgen die entsprechenden Zahlen der letzten acht, d. h. derjenigen Jahre, in welchen die Ortsfremden aus der Zahl der Verstorbenen ausgeschieden wurden:

Jahrgang

Einwohnerzahl

Verstorbene Einheimische

Sterblichleitsziffer

1890

20570

391

19,00 pCt.

1891

20800

350

17,01

1892

21 100

330

15,64

1893

21600

396

18,57

1894

22100

290

13,12

1895

22 700

302

13,30

1896

23200

303

13,17

1897

23 700

340

14,35

Die

Sterblichkeit

und damit ber Gesunbheitsstanb ber

Stadt Gießen hat nach dieser Zusammenstellung seit dem Jahre 1894 eine entschiedene und bleibende Befferung er­fahren, da die Sterblichkeitsziffer seitdem zurückgegangen und sich ziemlich auf gleicher Höhe hält, was man ohne Zwang den in den letzten Jahren ausgeführten gesundheitspolizeilichen Verbefferungen, insbesondere der Einführung der Queckborner Quellwafferleitung zu Gute schreiben darf.

Die Sterbequote der Stadt mit 14,35°/00 bleibt auch

hinter der Mittelzahl der letzten 5 Jahre für die Provinz I Oberheffen mit 18,88e/oo und für da« Großherzogthurn mit 19,93«/<x), noch mehr hinter der Durchschnittszahl für da» Land in einer langen Jahresreihe mit 2122 p. m. erheb­lich zurück, was zum Theil, wie wir schon in früherem Bericht erwähnt haben, in der Zusammensetzung der Bevölkerung Gießens begründet ist, denn eine verhältnißmäßig starke Garnison, die Universität und andere höhere Schulen führen alljährlich etwa 2000 jugendkräftige, gesundheitlich widerstand»- fähige Personen zu, welche die Sterbeziffer der seßhaften Bewohner verbessern; nach Abzug dieser Fremden von der Einwohnerzahl erhöht sich die Sterbequote immerhin erst auf ca. 15,660/00.

Ordnen wir die Todesfälle nach den wichtigsten Alters­klassen, so warm verstorben im Mer

unter 1 Jahr: 96 Einheimische 4- 16 Ortsfremde =112

von über 1 bis 15 Jahren 41 , 4-16 = 57

15 60 116 , 4-101 , =217

_________über 60 87 4-33 = 120 Zusammen: 340 Einheimische 4- 166 Ortsfremde = 506

Lassen wir im Weiteren die Ortsfremden ganz außer Betracht, so war die Zahl der im ersten Lebensjahre Ge« storbenen mit 96 um 26 höher, die der zweiten Gruppe von 1 bis 15 Jahren, 41 um 24 niederer als im Jahre 1896; der Grund für diese Erscheinung war eine in der zweiten Jahreshälfte von 1897 herrschenden Keuchhustenepidemie, welche mehr die Säuglinge gefährdete, andererseits in 1896 eine Masernepidemie, welche die meisten Opfer unter den 2« und 3 jährigen Kindern forderte; die Summen der ver­storbenen Kinder überhaupt sind in beiden Jahren fast gleich, 137 und 135. Der Ueberschuß der Todesfälle des Berichts­jahres mit 35 über die Sterbezahl in 1896 betrifft mithin die Erwachsenen, und zwar sind bei dieser Altersgruppe ins­besondere acute Lungenkrankheiten und Herzleiden als Todes­ursachen häufiger vertreten gewesen als im Vorjahre.

Von den einzelnen Monaten brachte der April die meisten: 39, der November die wenigsten Sterbefälle: 21, überhaupt war in dm drei Wintermonaten November bis December die Sterblichkeit am geringsten: 62, im ersten Quartale starben 78, im zweiten 98, im dritten 102.

An acuten Infektionskrankheiten waren, abge- sehm von 6 Todesfällen an Influenza gestorben an

Masern: 1

Diphtheritis und Croup: 2 (4- 12 Ortsfremde)

Keuchhusten: 14

Rose: 3

Unterleibstyphus: 3 (4- 3 Ortsfremde).'

Diphtheritis und Croup war im Berichtsjahre in Gießen ungleich seltener aufgetretm als im Vorjahre, es wurden nämlich 48 Erkrankungen gemeldet mit 2 = 4 pCt. Todes- fällen gegen 208 Fällen in 1896 mit 11 = 5pCt. Tobten. Um zum Vergleiche eine größere Zahl herar.zuziehen, sei er­wähnt, daß von den aus dem Kreise Gießen bei uns gemeldeten 251 diphtheriekranken Kindern 22 8,8 pCt. gestorben sind (im Jahre 1896 von 472 gestorben 34 7 pCt.), während wir in demselben Bezirk in den Jahren 1891 1894 noch resp. 100, 146, 279 und 187 Todesfälle an Bräunekrankheiten zählten.

Er wird hierdurch abermals die Beobachtung bestätigt, daß seit Einführung der Impfung mit Heilserum im Jahre 1895 die Diphtheritis von ihren Schrecken bedeutend eingebüßt hat, und diese Erfahrung wird ferner erhärtet durch eine neuer» bings veröffentlichte Arbeit aus der hiesigen chirurgischen Klinik (durch Herrn Stabsarzt Dr. Bötticher), aus deren Schlußfolgerungen folgende hier im Auszuge angeschloffen seien:

Der Procentsatz der Gesammtsterblichkeit bei Diph- Iherie hat mit der Serumbehandlung *e Herabsetzung um etwa 36 pCt. erfahren; insbesondere ist die Sterb- lichkeit bei den operirten Kranken von 58,2 auf 16,1 pCt. herabgedrückt worden.

Die Operation (Luftröhrenschnitt) wurde im Vergleich zu früher in einem Drittel der Fälle vermeidbar.

Bereits bestshende Erstickungsgefahr ging unter Serumbehandlung in 17 pCt. der Fälle wieder zurück.

Je früher die Serumbehandlung einsetzt, um so günstiger ist die Aussicht auf Heilung."

Von den drei Typhus« Todesfällen ereignete sich einer in der Krofdorferstraße und gehört, dem Elkrankungstermine entsprechend, eigentlich in das Jahr 1896, zwei in der Schloß- gaffe, Mutter und Tochter derselben Familie; fünf weitere Erkrankungen endeten mit Genesung, zwei davon waren aus- wärts inficirt.

Die Sterblichkeit an Tuberculose 61 Fälle ober 25,7 auf 10000 Einwohner hielt sich auf gleicher Höhe wie im Vorjahre (60), es entfallen bavon auf Lungentuber- culofe (Lungenschwinbsucht) 46 unb auf Tuberculose anbeier Organe 15.

Der Lungenentzündung erlagen 21, anderen Ec- krankungen der AthmungSorgane einschließlich Influenza 34, die Zahl der Todelfälle an Schlagfluß war gegen früher etwas erhöht und betrug 20 (16), diejenige an Herzleiden ebenfalls 25 gegen 13 im Jahre 1896. Von 22 an acuten Magen« und Darmkrankheiten verstorbenm Personen waren 21 kleine Kinder, und die Todesfälle fielen wie ge« wöhnlich zumeist in die heißen Monate; an allgemeiner Ab­zehrung starben drei Kinder, an angeborener Leben»fchwäche ober Mißbildung 14.

Bösartigen Neubilbungen (Krebsgeschwülsten rc) erlagen 20 (im Vorjahre 21) Personen; bei 15 war Alters- schwäche als Tobesursache angegeben, 62 Verstorbene hatten an verschiebenen, minber wichtigen Krankheiten gelitten, bei brei blieb die Todesursache unbekannt.

Verunglückt sind 3 (6) durch Ueberfahren, Chloro­form und Ertrinken, durch Selbstmord endeten 6 (4), durch Mord und tödtliche Körperverletzung fünf, davon 1 im Duell.

Gießen, im Februar 1898.

Großherzogliches Kreisgesundheitsamt Gießen. Dr. Haberkorn.

Ein «euer Massenmörder.

Pari«, 1. Februar.Alles, was die öffentliche Auf­merksamkeit vom Dreyfn»«Scandal ablenkt, ist uns willkom­men", so bemerkte ein Franzose. Und em Patriot fügte hinzu:Und wenn es selbst ein Verbrechen wäre". Das Verbrechen liegt nun vor, ein grausiger Lustmord, begangen schon vor einigen Wochen. Dee Gerichtschronisten nannten es ein schönes Verbrechen, so recht geschaffm für die Feder eines Boisgobey. In einem Hinterhause des sashionablm Triumphbogenquartier» wohnte im Erdgeschoß eine Priesterin der Venus, viel Mannsvolk, alt unb jung, ging bei ihr aus unb ein, schlüpfte unerkannt an ber Wohnung de» Thürhüter» vorbei; die Aeußerlichkeiten des Anstandes wurden gewahrt, Niemand nahm daran Anstoß. Da blieb vor einigen Wochen die Thür dieser Circe sie hieß Marie Bigot mehr re Tage lang geschloffen; ihre Verehrer wurden ungeduldig, man schaffte sich gewaltsam Eingang, und da lag sie beim da, bedeckt mit Kiffen, halb verwest: eine kleine Wunde an ihrem Hinterkopf verrieth den Pistolenschuß, der ihrem Leben ein Ende gemacht. Ihre Briefschaften gaben über den Namm unb Staub ihrer zahlreichen Verehrer Auskunft. Der Mürber blieb unentbedt, unb halb benn, so schön auch für bie krank­hafte EinbilbungSkraft das Verbrechen fein mochte, schlugen die Wogen der Dreysus - Erörterung darüber zusammen. Gestern Morgen aber tauchte es ro eher aus den TageSwclleu empor, der Mörder war gefangen. Er heißt Pierre Robot, war einst Polizist, würbe sogar zeitweilig zum Vertrauens- bleuste beim Elysse verwaubt, hatte die Person de» Präsi­denten gegen die Meuchelmörder zu schützen, zu denen er selbst damals schon gehörte. Vor dem Elysöe, in der Rue du Faubourg St. Houors, wandert regelmäßig außer den Polizisten in Uniform ein untadelig gekleideter Herr in Cylinder und schwarzem Gehrock auf unb ab, er gchört dem Geheimdienste an; wer also 1883 in Paris verweilte, mag vor ber Wohnung bes Staatsoberhauptes oft jenen Rodot bemerkt haben, wie er, im Herzen bas Mordbewußtsein, im Auge ben Vogelblick bes Häschers, die Vorübergehenden musterte. Damals schon hatte er ben Morb ber Buhlerin Maria Jou n auf bem Gewissen. Bald nach bieser Unthat verließ er die Polizei er wurde wegen Unbotmäßigkeit entlaffen, unb nun enthält seine Chronik ben aristokra­tischen Anstrich; er trat al« Privatsecretär ein bei der Marquise de Manoury d'Ectot, unb ihr getreuer unb dienstbeflissener Privatsecretär blieb er bis zu dem Augenblicke, da er gestern Morgen verhaftet wurde. Die Marquise, jetzt 72 Jahre alt, war einst jung unb schön, glänzte im Salon und fügte zu ihren persönlichen Vorzügen ben schöngeistigen Anstrich: sie gründete die Annales diplomatiques, gab eine Lebensbe­schreibung ihres berühmten Großvaters Nicolas Leblanc heraus, der bekanntlich die Soda-Industrie geschaffen, und arbeitete für ein Blatt Succö». Zur Zett, da Rodot vor dem Elysöe den Vater Grövy und deffen Schwiegersohn Wilson bewachte, besaß die Marquise thatsächlich großen politischen Einfluß. Rodot erhielt sogar ben Auftrag, sie auszuspioniren, und als er 1883 stellenlos wurde, wandte er sich an sie und blieb seitdem in ihrem Dienste, wohnte bei ihr, speiste bei ihr, wurde ihr unentbehrlich, begab sich sogar mit ihr nach Brüssel, als sie wegen eines Zeitungsartikels, worin sie das Elysse angriff, nach Brüssel floh. In der belgischen Hauptstadt begründeten sie zusammen eine Heiraths- agentur; auch scheint es, als wenn sie später dieses zuweilen nicht uneinträgliche Geschäft betrieben hätten. Wie aus Obigem ersichtlich, gehört Rodot zu den mteressanten Persön­lichkeiten. Er trug gewöhnlich einen Cylmderhut; wer hätte in ihm einen Mörder vermuthet, wenn er am Triumphbogen ben Omnibus bestieg. Auch würde er als biederer Bürger fein Leben beschlossen haben, hätte er nicht vor 15 Jahren einem gewissen Franger gegenüber eine unbedachtsame Aeußer- ung gemacht. Franger war ein Vagabund, der zeitlebens zwischen der Schnapsbude und dem Krankenhause hin- und herschwankte. Eines Tages gab ihm Rodot 30 Fr., zeigte ihm dabei eine Uhr, eine Kette und weitere 300 Fr. unb fügte hinzu:Die wirb keine kalten Füße mehr haben, sag' nichts bavon". Bald darauf ward der Mord der Maria Ionin bekannt; Franger wußte, wer ihn begangen. Und so oft später ein Lustmord an bie Oeffentlichkelt kam, ber ber Louise Lamsar in ber Rue St. Lazara, ber Mar je Agnetant in ber Rue Caurnartin, sagte sich Franger:Das hat Robot gethan". Unb basselbe sagte er sich bei bem jüngsten Morde ber Marie Bigot, nur baß er biesrnal seinen alten Cumpan verrieth unb ihn ber Polizeipräfectur anzeigte. Nachforschungen ergaben Überaus große Aehnlichkeit bei ber Begehung der Unthat. Die Polizei glaubte sich auf ber richtigen Fährte unb sing Robot ab, unb nun, beim Verhör, ergab sich bet eigentlich merkwüibige Punkt in dem Leben dieses Verbrechers; er gestand den Mord der Marie Jouin ein, nachdem er sich nochmals versichert, daß dafür das Recht der Verjährung eingetreten. Falls ihm also der darauffolgende Mord nicht nachgewiesen werden kann und da» ist nicht unmöglich, wirb er hier in Pari«, trotz des Kainszeichens auf seiner (Stirn, frei umherspazieren können und wird vielleicht später, wenn Arton aus bet Haft entlassen ist unb sich ein neues Vermögen erwirbt, in dessen Dienste treten. Robot hat ben Morb der Marie Ionin zweimal mit ber größten Ausführ­lichkeit erzählt, Hal zugleich feine Stellung bei ber Polizei characterlsirt mit ber saftigen Bemerkung:Ich war ein Schurke, aber ich hatte eine stattliche Haltung, unb das zieht bei bet Polizei mehr als gute Aufsühnmgszeugnisse". Ob I er nun bamals wirklich ber Don Juan gewesen ist, für ben er sich ausgiebt, erscheint jetzt fraglich. Er sieht mager unb 1 knochig aus, tragt einen Vollbart, feine Augen liegen tief in | ben Höhlen; er macht im Ganzen einen unheimlichen Einbruck. ! Mit Hänben und Füßen verwahrt er sich gegen alle ferneren Morde, sie sind eben noch nicht verjährt. Die Tochter der Thürhüterin vom Hause ber Marie Bigot hat ihn gestern nicht erkannt, will auch seine Stimme nie gehört haben. Dagegen entdeckte die Polizei in seiner Wohnung eine Menge

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