Ausgabe 
15.11.1898 Erstes Blatt
 
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weise für die Schuld DrehfuS', sondern nur persönliche Au- fichten, auf die der CaffationShof kein Gewicht legen kann. Die Aufhebung de» DrrysuS Urtheil» ist zweifellos. Von der deutschen Botschaft wird verfichert, daß die Eatschuldtgung DelcassöS wegen der Htueivziehung der Tochter des deutschen Botschafters in die DreyfuS-Affaire spontan erfolgte.

Beirut. 13. November. Die tu den Ruinen von Baal- beck enthüllte Gedenktafel wurde nur provisorisch auf- gestellt. Sie erhält ihren eigentlichen Platz, den Kaiser Wilhelm selbst angegeben hat, im Jauern deS Jupiter-Tempels in Baolbeck. Dort that der Kaiser den ersten Spatenstich zum Unterbau, der aus Befehl deS Sultans sofort ausgeführt werden soll. Auch besuchte der Kaiser unter Führung des Profeffors Moritz den BeuuStempel tu Baalbeck. Der Pro* ftffor erhielt ein Bild deS Kaisers mit deffeu eigenhändiger Unterschrift. Die hohen türkischen Würdenträger wurden auf die Hohenzollern zur Tafel eiugeladen. Hierbei schenkte der Kaiser Camphövener Pascha sein Bild im Reiseeostüm mit eigenhändiger Unterschrift. Ein zweites Bild übergab er dem Pascha für den Sultan, nachdem der Kaiser eine Widmung und die WorteJerusalem, Damaskus, Baalbeck" darunter geschrieben hatte.

Kauea, 13. November. Die hiesige Stadtverwaltung hat für den festlichen Empfang deS Prinzen Georg von Griechenland 4000 Frs. ausgeworfeu. Bon den christlichen Einwohnern werden große Festlichkeiten vorbereitet.

Cocoles «nd provinzielles.

Vietze«, 14. November 1898.

Aus dem Verwaltuugsdieust. Durch Entschließung Großberzoglickkn Ministerium» de» Innern wurde der Regie* ruugsaffrffor Dr. Kehretn mit Lukhtlfeleistung bei Großh. KreiSamt Oppenheim beauftragt.

Ferufprech-Berbiudung. Sämmtliche Universität»' Institute find nunmehr an das Telrphonuetz angeschloffen und zwar haben Caozlei, Chemisches Laboratorium, Aula, Bibliothek, Anatomisches, Botanisches und Zoologisches In* stitut directen Anschluß, während Rentamt, Administration, Quäftur und Rectorat durch Vermittelung der Cauzlei ver* bunden werden.

Zur btadtverordueteuvahl. Der heutigen Nummer liegt die Wählerliste für die Stadtverordnetenwahleu bei.

* Stadtverordneten»^!. ES möge Niemand versäumen, die Wählerlisten vackzusehen und den Eintrag in dieselben zu verlangen, wenn er 25 Jahre alt ist, mindesten» 4 Jahre tti Gießen wohnt und seit 2 Jahren Steuer bezahlt. Die frühere Bestimmung, daß mau im Jahre vorher auf der Bürgermeisterei die Erklärung abgebeu mußte, von seinem Wahlrecht Gebrauch machen zu wollen, ist weggefallen.

Lehrervereiu. Wie wir hören, hat der vor Kurzem hier gegründeteGießener Lehrerverein", der bereit» über 50 Mitglieder zählt, in seiner letzten Versammlung u. A. auch Stellung zur Stadtverorduetenwahl genommen und ist ein einmüthige» Vorgehen in dieser Angelegenheit be­schlossen worden.

StadttheaterGGesternNachmittag gingIm weißen Rößl" zum sechsten Male Über die Bretter unsere» Stadt- theater» und zwar wieder bei gut besetztem Hause. Biele auswärtige Besucher waren erschienen. Auch die Fürstliche Familie von Ltch wohnte der Vorstellung bei.

P. Stadttheater. Neulich war die selige Btrch«Pfe>ffer mit einem Volk»* und Dialeetstück, demGoldbauer", auf unserer Bühne eingekehrr, gestern folgte ihr ihre Tochter, Wilhelmine von Hillern, mit einem ähnlichen Schauspiel,die Geier«Wally" betitelt, getreulich nach. Die Dichtung der Tochter verdient den Vorzug, denn fie ist nicht ganz so un­natürlich und dramatisch wirksamer. Sie wird auch jetzt noch auf größeren Bühnen nicht selten gegeben, hauptsächlich deshalb, weil die Titelrolle für Heldinnen Gelegenheit bietet, Triumphe zu feiern. Fräulein Würdig bewies zum zweiten Male, daß fie für diese» besondere Fach entschiedene Begabung besitzt. Sie löste ihre umfangreiche und anstrengende Aufgabe tu allen Theileu auf» Beste. Auch Herr Dietzsch gab seinen Barevjoseph so, daß er natürlich und glaubhaft er­schien. Herr Liebscher fand sich mtt der Rolle de» Vincenz Gellner gleichfalls gut ab. Die Afra spielte Fräulein Rux, nicht Fräulein Pauli, wie auf dem Zettel angrküudtgt war. Sie hätte etwa» zarter und lieblicher sein dürfen, um die Eifersucht der Höchsthosbäueriu mehr zu rechtfertigen. Herr Werner genügte als Benedict Klotz. Da» Vorspiel im Rosener Hof verlor dadurch, daß Herr Helm für dir Rolle de» alten Stromiuger nicht die geeignete Persönlichkeit ist. Desgleichen könnte sich die Gemeinde von Hriligkreuz nach einem andern, weniger steifen Psarrherru umsehen. Die anderen kleineren Rollen waren zufriedenstellend besetzt, die seentscheu Schwierigkeiten der Gebirgsgegend wurden im Ganzen glücklich überwunden.

* * Stadttheater. Dienstag den 15. dr. wird Schiller» »Jungfrau von Orleans" im hiesigen Stadttheater wiederholt. Die Titelrolle spielt diesmal Fräulein Würdig. Al» viertevolksvorstelluug geht am kommenden Donners­tag (Mittwoch tst Theatervereius-Vorstelluug) Hermann Suder­mann» vi'ractigrö SchauspielHeimath" in Scene. Herr Hofschauipteler Heinrich Hacker von Darmstadt wird, wie man uns wittheilt, im Laufe der folgenden Woche al» Bolingb-ok" tu Seribe'sDas Gla» Wasser" gestiren.

* Coucert desSaalbau-Bereius am Donnerstag den 17. November. Eine Reihe höchst ehrenwerther Berichte über die Leistungen des Herrn Hans Buff-Gießen, der am Donnerstag als Liedersäoger Mitwirken wird, liegen uns vor. So lesen wir iw Wiesbadener Generalanzeiger: Liederabend von Hans Buff-Gießen. Wiesbaden, 27. Januar. Der beliebte Künstler, der eben zwei Gast ptele im König!.

Theater alsGraf Almaviva" undGeorge Brown" ab- solvirt hat, in welchen er durch seine trefflichen Kunstleistungeu im colortrteu Gesäuge wieder schmerzlich seinen Abgang von der hiesigen Bühne bedauern ließ, mochte seine jetzige An­wesenheit nicht vorübergeheu lassen, ohne seinen zahlreichen Verehrern den alljährlich gebotenen Genuß eines Lteder- Abeud» zu gewähren. Wie dankbar sich das Publikum für dieses Entgegenkommen bewiesen, bezeugte der bi» zum letzten Platz gefüllte große Cafino-Saal. So groß und achtung­gebietend auch die Vorzüge des Herrn Buff-Gießen auf der Bühne find, so möchten wir ihm al» ausgezeichneten Lieder- sänger fast den höheren Preis zuerkeonen. Deiches Urtheil fällen unsere Weimarer Collegen, die wie folgt sich äußern: Weimar, 18. April. (Liederabend von Hau» Buff Gießeu.) Mit welch' dankbarer Erinnerung da» Weiwarische Publikum an feinem ehemaligen lyrischen Tenor hängt und welche begeisterten Herzen demselben noch jetzt rntgegeuschlagev, da» bewies da» am letzten Mittwoch im großen ErholuugS- Saal von dem Großh. Säckf. Kammersänger und Königl. Preuß. Opernsänger H. Buff Gießen au» Wiesbaden ver­anstaltete Covcert in vollstem Maße. Daß der treffliche Säuger der Stadt seiner langjährigen Wirksamkeit jede» Jahr wieder Gelegenheit giebt, seine prächtige Stimme bewundern zu dürfen, muß al» ein Zeichen der Auhäuglichkcit gelten und ihm dafür besondere» Lob zuerkanot werden. Alle Vor­züge von GießrnS Gesang find noch vollständig vorhanden und stehen noch in herrlichster Blüthe- seine Höhe hat denselben Glanz, sein Ton besitzt noch dieselbe enorme Kraft und fein Vortrag gewinnt ungemein durch Feinheit und Noblesse. Aus Wien schrieb un» ein Freund unsere» Blatte»: In der Aufführung der OperTell" erregte neben Reichmann, welcher in der Titelrolle die gewohnte enthusiastische Aufnahme fand, besondere» Interesse der junge Tenor Herr Gießen, der al» erste Rolle tu seinem hiesigen Engagement denArnold" zu allgemeiner Zufriedenheit des gut besuchten HauseS sang und spielte. Die Stimme ist ein echter lyrischer Tenor, nament­lich in der Höhe von hellstem Timbre, wohllautend, in der Cantilene von einschmeichelndstem Schmelz, ausgiebig im Affekt, und der Säuger hat fie vollständig in der Gewalt. Das Material erwies sich in allen Registern ausgeglichen, und Herr Gießen, der in Dresden als Schüler des unvergessenen Ge- sauglehrerS Scharfe f. Z. feine ernsten Bühnenversuche machte und inzwischen in Weimar und Wiesbaden große Fortschritte gemacht hat, dürfte bald als hervorragender Vertreter bei immer seltener werdenden bei oanto viel genannt werden. Dieser Seite seine» Talent» galt auch gestern der wiederholte leb­hafte Beifall des Publikum», in dessen Reihen man viele bekannte Dresdner, wie z. B. Fräulein von Orgeny u. A., bemerkte. Mögen diese Notizen genügen, um den treff­lichen Sänger auch hier zu feinen alteu Freunden einen Kret» neuer ?u fichern.

Innere Mission. An da» morgen und übermorgen dahier statrsiudende Jahresfest des Oberheffischev Verein» für innere Mission möge auch hier nochmal» erinnert werden. Insbesondere sei auf die am DienStag Abend 81/, Uhr ia Stein» Garten veranstaltete Ab end - versammluug aufmerksam gemacht, zu der gegen ein kleine» Eintrittsgeld (10 Pfg. dir Person, 20 Pfg. für Familien) alle Freunde der inneren Mission Zutritt haben. Diese Versammlungen, bei denen neben Gesäugen des Evang. Kirchengksaugveretn», Ansprachen über allerlei wichtige und interessante Themata geboten werden, erfreuen sich ja schon lange einer großen Beliebtheit. Diese» Mal wird Herr Prof. D. Stamm einen Rückblick au» dem Jubiläumsjahr der inneren Mission geben, und Herr Pfarrer Albert» au» Frankfurt o. M. wird über die sozialen Nöthe dc» Kelluerstande» und die Verpflichtungen, die uns darau» er­wachsen, reden. Weitere Mittheilungen über da» Fest finden fich in der heutigen Anzeige. Nur darauf möge noch hin- gewiesen werden, wie erwünscht c» ist, um der Festgäste und der Gemeinschaft mit den auswärtigen M tgliedern willen, daß die hiesigen Freunde de» Verein» fich auch au dem gemeinsamen Mittagessen betheiligen.

* Die Wanderer, Gießener Radfahr Gesellschaft. Die ordentliche Generalversammlung, welche vor einigen Tagen stattfand, war stark besucht, und der erstattete Jahresbericht wurde mit regem Interesse entgegengenommen. Die von der Statuteu-Cvmmission vorgelegten neuen Satzungen fanden nach eingehender Prüfung mit einigen unwesentlichen Ab­änderungen einstimmige Annahme. Dieselben werden allen Mitgliedern raschtstwöglich zugestellt und sollen, da man fich von ihnen die besten Erfolge verspricht, auf da» Genaueste stet» Anwendung finden, von den in vollster Ueberein- stimmung der Ansichten zur Erledigung gebrachten weiteren Verhandlungen sei an dieser Stelle nur der Antrag des ersten Vorsitzenden besonder- erwähnt, nach welchem Herr Brauereibesitzer Georg Btchler in Gießen in dankbarer An­erkennung seiner großen Verdienste um die Förderung der radsportlichen Interessen int Allgemeinen und die tharkräftige Mitwirkung bei allen größeren Veranstaltungen der Gesell- schäft im Besonderen unter allseitiger Befürwortung ein­stimmig zum Ehrenmitgliede derWanderer, G. R G." er­nannt worden ist. Die Vorstandswahl pro 1898/99 ergab folgende» Resultat: 1. Vorsitzender Wilh. Hornberger- 2. Vor­sitzender Heinr. Hettler- 1. Schriftführer Wilh. K nzenbach- 2. Schriftführer Gustav Müller- 1. Fahrwart Wilh. Hamel- 2. Fahrwart August Dutll- Zahlmeister Heinr. Krieb- Zmg- wart Carl Textor- Beisitzer Eugen Groß. Soeben geht die erfreuliche Nachricht ein, daß in Uebereinstimmuug mit unserer Eingabe an die Königliche Eisenbahndirection in Frankfurt a. M. mit Wirkung vom 15. d. M. on die sämmtlichen Schnellzüge auf der Strecke Gießen- Frankfurt und zurück für die Beförderung von Fahrrädern ebenso wieder fretgegeben find, wie die» bisher nur für die Personenzüge der Fall war.

* Sport. Am 18. d. M. feierte derRadfahrer- Club zu Butzbach" seine Bannerweihe, verbunden mit Concurrerz-PreiSretgenfahren und Abend» anschließendem Ball.

Da» Fest war sehr gut besucht und nahm einen überaus schönen Verlauf, ein ehrendes Zengniß de» auf der Höhe der Zeit und in gutem Ansehen stehenden genannten Vereins. Am Preis Reigensahren betheiligte fich auch, wie schon de» Oest ren bet derartigen Concurrenzen, der hiesigeGießener Radfahrer-Verein 1885" mit seiner Sechser-Saalsahrer- Mannschaft und errang hierbei den ersten Preis mt 13% Punkten. Letzterer ist im Ladevschaufenster de» Herr» C. Herber, SelterSweg 71, auf einige Tage ausgestellt.

Abgefaßt. In letzter Zeit wurden in hiesiger Stadt in verschiedenen Straßen, besonder» aber in der Wrstanlage, zur Nachtzeit wiederholt Fensterscheiben mit Steine« ein geworfen. In der Nacht von Sam»tag aus Sonntag gelang e» einem Schutzrnarme, den Thäter in der Westanlage in der Person de» Studenten Zöckler von hier bei der That abzusafftn.

Bom Laude, 13. November wird nn» geschrieben: Sobalv bte zunehmenden Nachte die Hellen Tagesstunde« kürzen, schart sich die ländliche Jugend, gewöhnlich nach Jahr­gängen getrennt, aber nach Geschlechtern vereint, um de» L cht» gesellige Flamme. In früheren Jahren, al» die maschi­nelle Thätigkeit die menschlichen Arbeitskräfte noch nicht wie in der heutigen Zeit verschob, beschäftigten fich die Mädchen fast durchgängig mit Spinnen von Flachs zu dem vorzüglichen HauSmacherletuen. Nach dieser Thätigkeit bekam die gesellige Bereinigung den Namen Spinnstnbe. Die Bezeichnung Spinnstnbe ist heute noch gebräuchlich, obwohl io den meisten kein Faden mehr gesponnen, sondern genäht, gestrickt ober ge­hakelt wird. Die Einrichtung derSpinnstube" ist schon so alt und im Volksleben so tief und fest gewurzelt, daß ihr noch eine lange Lebensdauer beschieden sein wird. El wäre darum vergeblich, dagegen anznkäwpsen. Solange der länd­lichen Jugend keine besseren Unterhaltungen, Zusammenkünfte und edlere Genüsse geboten werden können, kam ja der Spinnstnbe eine gew ffe Berechtigung nicht abgesprochrn werden. Die Spinnstuben in der Gegenwart aufheben, hieße weiter nichts, als die Jugend auf die Straße oder in das Wirths- Haus fetzen, und damit käme man aus demRegen in die Traufe". Aber auf eine Schattenseite, leider nicht die ein­zige, soll hingewiesev werden, damit höheren Ort» ÄtfttQuna. oe» Uebkl» angeordnet werden kann. Mit Vorliebe sammelt fich die halbwüchsige Jugend in Häusern, in denen ein männ­liches Oberhaupt nicht anwesend ist- denn in solchen Familien kann fie fich der größten Freiheit erfreuen. Wie e» da her­geht, daS zu erzählen, sträubt fich die Feder, und da» treibt einem die Schamröthe in» Geficht. Ja vielen Orten besteht die Einrichtung, daß die Jugend zu ihrer Spinnstnbe immer ab- wechselnd bei den einzelnen weiblichen Kameraden zusammeu- kommt. Von dieser Regel wird jedoch öfter» die Ausnahme zur Regel gestempelt, indem die längsten und häufigsten Za- sammcnkünfte gerade in solchen Familien, in denen wenig oder keine Aussicht grübt nnd da» Laster mehr als die Tugend g-pflegt wird, am beliebtesten find. Wer eS darum mit der Jugend und der Sittlichkeit ernst meint, der sorge dafür, daß die Spiunstubeu nur In acht- und ehrbaren Familien, in welchen man auf strenge Zucht und Ordnung sieht, geduldet werden. ES wird daun später mancher Ehegatte nicht mit Scham fich seiner Jugend zu erinnern brauchen.

A Mainz. 13. November. Der unter dem Verdachte Mädchenhandel getrieben zu haben, vor einigen Tagen auf Requifitton der Staatsanwaltschaft in Colmar hier verhaftete Deutsch-Arnerikaner L epp ert ist gestern auf Antrag der Be­hörde in Colmar wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Wegen einer unbedeutenden Diebstahls wurde vor Kurzem ein seit einiger Zeit hier ansässiger Schneidergeselle verhaftet, in dem man bet der Ermittelung nach feinem Vorleben nach der Mittheiluag eine» hiefigen Blattes, einen zweifachr» Mörder entdeckt haben soll. Dieser gefährliche Schneider soll Gehring heißen, au» der Schweiz stammen und seine beiden Stteskiuder ermordet haben, wosür er vom Schwurgericht deS Kanton» Luzern zum Tode verurtheilt. Die Strafe wurde ia lebenslängliche Zuchthausstrafe umgewandelt- Gehftng kam wegen Geistesstörung in das Jrrenhan», von wo er entfloh, fich in das Ausland flüchtigte und jetzt nach allerhand Irr­fahrten den Behörden hier wieder in die Hände fiel. Geh­ring soll nach der Schweiz auSgeliefert werden.

Mainz, 13. November. In später Abendstunde gestern nach zweitägiger Verhandlung vor der Strafkammrr de» hiefigen Landgerichts der Ptvceß wegen der an dem städtischen Gaswerke hier vorgekommenen Unterschleift zu Ende gegangen. Der Antrag der StaalSanwaltichaft lautet: gegen Director Hrffemrr auf eine Gefängnthstroje von 6 Monaten, gegen Kassendiener Reimann auf eine ®e* fängnißstrase von 3'/, Jahrm und gegen Kasfirer Beilstei« auf eine Gesängnißstrase von 2% Jahren. Bezüglich be­wettern Angeklagten, Buchhalter Feldmann stellte bte Staats­anwaltschaft die Strafe bem Ermessen deS Gerichtshofes an­heim. Die Publication beS Urtheil» erfolgt den 19. Novrmber. An» her Verhandlung ist noch zu erwähnen, daß die Staats­anwaltschaft bet Begründung ihrer Anträge betonte, daß de» Director Hessemer eigennützige Motive nicht unterlegt werden könnten, er aber um deßwtllen bestraft werden müsse, wdl er die Unterschlagungen der andern Angeschnldtgten gewußt und monatelang unter falscher Buchung Remunerationen ohne jede Ermächtigung an seinen Sohn und sonstige Hilss- arbeiter angewiesen, welche Handlungsweise al» Untreue ob» zusehen sei. Kassendiener Reimann und Kasfirer Beilstetn al» überführte Betrüger und Fälscher bezeichnend, characteri- firte die Staatsanwaltschaft den Buchhalter Feldmann dl willenlose» Werkzeug der übrigen Angeschuldigten, dessen ver­gehen darin bestanden, daß er durch die Einträge der Fälsch- ungeu Anderer diese begünstigt und unterstützt habe. Seitens j der Bertheibigung wurde besonders von den Vertretern del Director HessemerS und Buchhalter Feldmann, den Herrs« Dr. Retnach und Meyer die Anklage von juristischen Gesichts­punkten al» unhaltbar bekämpft und unter Hinweis auf bk uneigennützigen Motive Hessemer» und Feldmann» borget^,