Ausgabe 
15.11.1898 Erstes Blatt
 
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daß deren Lhmr unb Uaterlasserr wohl discipliaarisch, aber «icht strafrechtlich zu ahabeu sei.

Wörrstadt. 11. November. Tinern Mainzer Fuhrmann yasfirte gestern Nachmittag die Unannehmlichkeit, daß ihm auf der Variier Straße rin Faß Wein au »lies, dl geschah dadurch, baß bie Deichsel tinel nachfolgenden wein» fuhrwerk» in den Boden de« Faste« stieß.

«u» Rhrinheflen, 11. November. Bin einem schweren Unglücksfalle wurde die Familie de« Laodwirth« Rad Fink von Gundheim heimgesucht. Der im kräftigsten Mannes- alter stehende Ernährer der Familie stürzte am letzten Freitag cfltfling« von seinem Wagen und schlug so unglücklich mit dem Hiuterkepsr auf da« Pflaster, daß Bewußtlosigkeit ein- trat. Der kräftige Mann erholte sich jedoch sofort wieder und ging noch fünf Tage seinem Verufggeschäfte nach. Sm Dienstag Nveod stellte sich leichte« Unwohlsein ein nnb traten bann Delirien auf. Der herbeigeholte Arzt stellte Gehirn- hauteutzünduog, verursacht durch den schweren Fall, fest. Der verunglückte starb gestern in Folge von Gehirnlähmung. Unter der Bevölkerung auf dem Laude ist mau noch häufig der Meinung, do« Hochzeitsschleßen sei erlaubt. Da« Vegentheil mußten 10 junge Burschen aus Hrßloch erfahren, die wegen genannten Delikte« zu erheblichen Geldstrafen ver» urtheilt wurden.Darrnst. Ztg."

A Aus dem vroßherzogthn« tzeffeu, 13. November. Die RreiSämter de« Lande« find Gelten« des Großherzog» lichen Ministerium« beauftragt worden, mit Rücksicht auf da« vielseitige verlangen der Aufhebung de« Bieheiufuhrver» bote« Erhebungen über die Fleischpreise anzuordnen. ES soll eine die Zeit vom 1. Januar 1896 bi« jetzt umfassende Ueberficht Aber bie an den Haupimorkttagen im Kleinhandel für je ein Kilo Ochseufleisch, Rindfleisch, Schweinefleisch unb Speck im monatlichen Durschschnitt gezahlten Preise, so über die Markt­preise für lebende« Vieh ausgestellt worden.

Xms ter »eit für Ne Lett.

Vor 160 Jahren, am 15. November 1738, wurde zu Hannover der größte Astronom aller Zeiten Friedrich Wilhelm Herschel geboren. Al« astronomisch-optischer Dilettant baute er jene Riesenteleskope, mit denen er neue Wunder am Himmel erschloß und den Uranus entdeckte. Herschel starb am 25. August 1822 zu Slough bei Windsor.

Eingesandt.

Gießer», brn 14. November 1898.

Zur Ltadtverordnetenwatzl!

Geehrter Herr Redacleur!

Die Numm«r 46 der sozialdemokratischenMitteldeutschen Sonntag«Zeitung" brachte bereu« vergangene Woche einen Artikel, Me Zusammensetzung ber Sradtoerorbneten Beriammluna betreffenb, besten Inhalt sich tm Widerspruch mit ben Thatsachen befinbet; wenn Einsender auch eine Erwiderung dezw. Richttgsielluna für angebracht erhalten hätte unterließ er dieselbe, da bekanntlich dieser Partei jede« Mittel recht ist. um ihren Zweck zu errrichen, einerlei ob dasselbe den Lhalsachen entspricht oder nicht. Nachdem nun aber dieHessische I

Leudeszettung" ben betteffenben Artikel wörtlich abgedruckt und hier­durch in weiteren streiten oerbreitet hat, bitte ich Nachstehende« |ur Auf klär ung gefl. in Ihr geschätzte« Blatt «ufnebmen iu wollen.

In bem bezüglichen Artikel heißt es u. A.:Wer aber bilbet die Mehrheit tm Stadt Vorstand, der au« 30 Mitgliedern besteht? Fabrikanten, Lommerztenräth e, Rentiers, Professoren, Rechtsanwälte!

In bet o ergangen en Periode setzte sich ber Stadtvorstanb aul folgenden Berufsklassen zusammen: 1 Goldarbeiler, 1 Arzt, 3 Ren­tiers, 1 6penglermdfter, 4 Fabrikanten. 2gLeconomen. 2 Profestoren, 1 Nähmaschinen Händler, 2 Rechtsanwälten, 1 Wrißbindermeister, 1 Bankier, 3 Detaillisten, 1 Restaurateur, 1 Kaufmann, 2 Crtfl= gericht«männer, 1 Bäckermeister, 1 Schreinerm eistet, 1 Landgerichts- rath, 1 Ingenieur.

Also sage und schreibe 12 von 30 Stadtverordneten gehörten den an.iefübtten Ständen an, und das nennt und bezeichnet man die Mehrheit! 12 von 30 Stimmm.

Nachdem sich ber Verfasser bet Artikels noch einige Schlag­worte wie: Frischt« Blut mutz in da« Stadtparlament! Selbst ist ber Wann! Wähl« Männer de« Volke«', u. f. f. geleistet hat. ereifert er stch weiter wie folgt: Qt:*.9

Unb so lange wir In Gießen Mitbürger haben, bie im Volke leben, bie mit dem kleinen Geschäftsmann denken und fühlen, so lange braucht bie Stadt Gießen nicht ihre Jnieresten ausschließlich Gelehrten, Hof- und Eommetzienräthen anzuoertrauen, deren Verkehr stch auf ben Club beschränkt."

Zwei Mitglieder de« Stadlvorstanbe« gehören dem Gelehrten­stand an und zwei Mitglieder führen den Titel Eommerzienrath; diesen vier Herren tollen alsoausschließlich" bie Jnieresten der Stadt anoertraut fein. Wer lacht da?

Also vier von dreißig Stadtverordneten unb von blefen dreißig gehören höchsten« zehn dem Club an! Uebrigen« ist Einsender ber Ueberzeugung, baß, wenn man auch bie Hobe Würde al« Mitglied des Club» errungen hat, man dennoch ein gewöhnlicher Sterblicher, vielleicht sogar auch noch einMann des Volke«" verbleibt, der sogar berufen unb befähigt ist, das vielumworbene Ami eine« Stadt- ratbeft zu bekleiden. Cina._______

Tttrchliehe Anzeigen der Stadt Ziehen.

tzivangelische Scmttntt.

Montan ben 14. November, Abends 8 Uhr: Bibelstunde im Confirmandensaas der Johanneskirche. Text: Apostelgeschichte 2,14 ff. Pfarrer Euler.

Die Vereinigung der Neuconfirmirten der LucaSgemeinde fallt DienStag den 15. November wegen des JahreSfesteS deS Vereins für innere Mission auS.

Üerfebr, Can^ anC VaUSwirthschaft-

rtnkt|, 12 Nov. Fruchtpreife ffieijen JL 17,6017,25, torn X 14,00-14,80, Gerste ^lt 14.00-16,00. Hafers 13,00-14,00, Erbsen X 17,00-00,00, Linsen X 00,0000,00, Wicken X 00,00, ßdn X 00.00, Kartoffeln X 6,000,00, Samen X 00,0000,00.

Schiffrnach^ichten^

Der Postdampf«Nederland" berReb Star Line" in Ant­werpen ist laut Telegramm am 10. November wohlbehalten in Ph'lrdelvista angekommen._________________________________________

Neueste Nachrichten.

Depesche» des Bureau ^Herold^.

Berlin, 14. November. Au« München meldet die ,®elt am Montag": Bon vier Briefen, welche die Frau de«

Verleger« de« .Simplicifsimu«^, Albert Langen, an ihre» Mana in Zürich im Laufe der letzten Woche gerichtet hat, ist nicht einer angekommen. Die Briefe enthielten nur Häusl,che Angelegenheiten.

verlüe. 14. November. Ueber einen Aufsehen erregende» Sebstmordversnch wird dem ,8nün« Tageblatt" au« Pari« berichtet: Dort hat sich der junge Herzog Serge d» Morny infolge von Liebesgram au« Ätzern Fenster ge­stürzt. Setu Zustand soll sehr ernst sein. Die Nachricht ruft allerlei Reminisceozen wach. Der Bater de« junge» Herzogs, der seinem Leden freiwillig ein Ziel setzen wollte, war (tu Halbbruder Napoleon« III. unb dessen hauptsäch­lichstes Werkzeug beim Staatsstreich.

Wien, 14. Novkmber. Der Polen-Club berieth in gl- Helmer Sitzung Über die Ausweisung österreichischer Polen au« Preußen, wobei der Abgeordnete M>lew«A auf den Mangel der religiösen Stütze für die polnischen Ar­beiter, die in deutschen Gegenden ihren Lebensunterhalt suchen, hiuwles, wodurch die Ardeiter in das socialistische Lager ge­trieben würden.

Prag. 14. November. Die tschechischen Blätter kündigen an, daß die tschechischen Abgeordneten sich in da« Unvermeid­liche fügen und dem Au «gleich keine Schwierigkeiten machen werden, weil sonst ein Mrnisterium der Linken auf lange Zeit die Situation beherrschen und die tschechische Etappen Politik auf Jahrzehnte hinan« in« Stocken gerathen würde.

Prag, 14. November. Infolge ber umfasiendsten polizei­lichen Maßregeln verlief der gestrige Tag vollkomme» ruhig. Der übliche Studentenbummel konnte ohne jede Störung vor sich gehen.

Paris, 14. November. Aus Drängen Freycinet« wird die Untersuchung gegen Picquart sicher morgen ab­geschloffen werden. Ein Verhör Freycinet« vor dem Caffations- hofe ist unwahrscheinlich, da er an der Affatre unbelheiligt ist.

Pari», 14. November. Nach hier eingetroffenen zuver­lässigen Meldungen hat die russisch-englische Differenz bezüglich der chinesischen BertragShafeu-Frage eine neue bedenk­liche Verschärfung erfahren.

Pari», 14. November. Gestern Abend circulirte hier da« Gerücht vom Tode Drehfns. DieAgence HavaS" veröffentlicht ein Telegramm, demzufolge eine Familie Dreyfn« im Elsaß Nachricht über den Tod Dreyfns erhalte» habe. Fran Dreyfn« in Pari« bementirt jedoch biefe Meldung entschieden unb sagt, sie fei nur verbreitet worden, um die öffentliche Meinung in Pari« aufzuwiegeln. Auch bal Colonial- Ministerium hat keinerlei Bistätigung der Tobe«nachricht erhalten.

Pari», 14. November. Die Revifionöpreffe greift Dupuy wegen seiner Weigerung an, Dr eysu« Nachricht Über btt Eluleitucg der Revision Übermitteln zu laffen. Diese Mittheilung sei nicht ungesetzlich. Im Gegentheil sei da« auf Dreyfns angewenbete Ausnahme-Regime ungesetzlich.

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11345] Ein Dachdeckerhammer von der Gartenstraße bi« Schiffen berg ert Hal ver­loren wordei. Der ehrliche Finder wird gebeten, denselben Maigaffe 11 abzugeb.

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