Majestäten am Garge nieder und verabschiedeten sich durch ein stilles Gebet von der Leiche der Prinzessin.
Ausland.
Wien, 12. October. Die Polizei verhaftete einen aus Amerika eingetroffenn Anarchisten namens Won- nawttsch. Mau fand bei demselben einen scharf geschliffenen Dolch und eine große Summe in amerikanischen Banknoten. Der Verhaftete machte sich durch anarchistische Reden verdächtig. Mau glaubt, daß er einer amerikanischen anarchistischen Verbtnduog augehört.
— Der italienische Staat, so schreibt man der „Tägl. Rdsch." aus Rom, braucht Geld, Geld und wieder Geld, nicht um Krieg zu führen, dazu fehlt ihm jede Lust, wohl aber um seinen Credit im Außlande nicht allzu sehr zu gefährden. Er will daher auch im kommenden Haushaltsjahr von neuen Anleihen abseheu, trotz des 540 Millionen- creditS, welchen der Marineminister Palumbo für die Erneuerung und Verstärkung der Flotte verlangt. Die allgemeine Steoerkraft des Landes scheint erschöpft, aber mau findet hier immer noch ein Mittel, die klingenden Denare dem Bürger aus der Tasche zu ziehen. Man hat gesehen, wie in Frankreich und der Schweiz eine Militärsteuer gute Früchte trägt, und hat berechnet, daß man nach dem Schweizer Verfahren, welches die Militärsteuern in 13 Klaffen während 24 Jahre auf alle Diejenigen vertheilt, welche vom Mtlitär- dteust frei find, bei den 31 Millionen Einwohnern der Halbinsel die schöne Summe von 26,/3 Mill. Lire erzielen könnte, sodaß die Vorlage eines MilitärsteuergesetzeS alle Wahrscheinlichkeit für fich hat. — Großen Sturm wird in der Kammer ein Gesetz erregen, welches eine Aeuderuug des Wahlrechts herbetführeu soll, und zwar dürfen darnach 1. auch wegen politischer Vergehen bestrafte Abgeordnete nicht mehr gewählt werden, 2. diejenigen Kreise auf drei Jahre nicht wahlberechtigt sein, welche einen solchen Abgeordneten zum zweiteumale wählen.
M.P.C. Pari», 11. October. Die Einführung des Zweirads in die Armer scheint nunmehr größeren Umfang anzunehmen, nachdem auch die 3. und 11. Gendarmerir- Brigade mit demselben ausgerüstet sind. Während in früheren Jahren nach den Manöver« die Radfahr-Detachements aufgelöst wurden, ist eS in diesem Jahre mit der Compagnie, welche der 6. Cavallerte-Dtvifion zugetheilt war, noch nicht geschehen, dieselbe soll vielmehr sogar auf 200 Köpfe verstärkt werden, um in größere Versuche etntreten zu können. Voraus- sichtlich wird diese Compagnie der Garnison einer Cavallerte- Dtvifion zugetheilt werden. — Die in Paris dauernd garntsouirenden vier Mariue-Jnfauterie-Bataillone, welche einem Oberst und Oberstlieuteuaut unterstehen, sollen nunmehr zu zwei Regimentern und eine Brigade unter dem Com- mando eines Generals der Mariue-Jnfanterie zusammeugefaßt werden.
Locales und provinzielle*»
Gießen, 13. Octobber 1898.
** Die vriefpostseudungeu »ach dem Großherzogthum Luxemburg werden von den deutschen Absendern häufig unrichtig nur nach deutscher Portotaxe, statt nach den Weltpostsätzen, fraukirt und unterliegen daun in Luxemburg einem erhöhten, vom Adreffaten zu zahlenden Nachschußporto. ES folgen daraus für die Betheiltgten noch weitere Urbelstände, als Beschwerden, Anuahmeverweigerungeu u. dergl. ES wird empfohlen, auf die richtige Fravktrung der Briefseudungeu nach Luxemburg zu achten, welche zu bewirken ist für Briefe mit 20 Pfg. für je 15 Gr., für Postkarten mit 10 Pfg., für Drucksachen, Waarevproben und GeschästSpapiere mit 5 Pfg. für je 50 Gr., jedoch mit dem Mindestsätze von 10 Pfg. für Waarenproveu uud 20 Pfg. für GeschästSpapiere.
** Die Viehzählung im Jahre 1897 im Großherzogthum Hessen ergab folgendes Resultat: Pferde 56,002, Rindvieh 324,626, Schafe 86,731 und Schweine 271,595 Stück. Pferde, Rindvieh uud Schweine hatten von Zählung zu Zählung im Großherzogthum einen Zugang zu verzeichnen, während die Stückzahl der Schafe ständig abgeuowmen hat. Noch 1896 wurden 174,554 Schafe gezählt, also die doppelte Anzahl derjenigen von 1897. Gegen die außerordentliche
sein. Und daß wir an der Achsendrehung nicht Theil nehmen, merken wir auch nicht, obgleich ein Bewohner des AequatorS in Folge derselben in jeder Minute beinahe 28 Kilometer zurücklegt, während wir Nordpol Bewohner fest auf unserem Punkt beharren! Um die Sonne müssen wir freilich auch mit, und auch au der Drehung, welche die Erde außerdem noch in 26000 Jahren um ihre Pole beschreibt, nehmen wir Theil - doch welcher Mensch könnte fich davon auSschlirßen? Vorläufig wird im Winter der Polarstern noch über uuS leuchten, in 12000 Jahren wird er durch die Wega ersetzt sein. Wer weiß, wie es daun auf diesem Platz auSfieht, uud ob nicht daun unter Benutzung bisher noch unentdeckter Reise- und Existeuzmtttel eine zahlreiche Bevölkerung fich hier nieder- gelaffeu hat.
Für jetzt laffen wir uns nieder, dirrct auf dem auf einer Insel befindlichen Nordpol errichten wir unser HauS. Aber womit? Steine gibt e» nicht, uud Eis und Schnee schmelzen im Sommer. Nun, wir finden doch ein Mineral in der Nähe, das uns nicht nur als Baumaterial, sondern im Winter als Brennmaterial vorzügliche Dienste zu leisten verspricht. So sonderbar er auf den ersten Blick erscheint, so ist es doch nichtsdestoweniger eine feststehende Thatsache, daß auf vielen Inseln des Eismeeres abbauwürdige Stein- kohlevflötze zu Tage treten, und mancher Dampfer hat fich da schon mit Kohlen verproviantirt. Wir haben durchaus keine Ursache, anzunehmen, daß die Verhältuiffe auf dem noch unbekannten Terrain, das ja nur noch ein paar Grade um- faßt, anders find, als ein weniger weiter südlich, daher darf es uns nicht wundern, wenn wir nicht fern vom Nordpol auf
Zählung vom 1. Dezember 1893, welche hinfichtlich des Rindviehs uud der Schweine angeordurt worden war, um den durch die ungewöhnliche Trockenheit des Jahres 1893 und den damit zusammenhängenden Futtermangel veranlaßten Rückgang der Viehbestände fefizustellen und welche gegen das Jahr 1892 einem Abnehmer: um 31,667 Stück Rindvieh oder 9,8 pCt. und 14,029 Schweine oder 5,7 pCt. ergeben hatte, hat fich die Stückzahl des Rindviehs demnach um 34,652 uud diejenige der Schweine um 38,711 erhöht. Der durch die Futterooth im Jahre 1893 verursachte Verlust erscheint hiernach im Jahre 1897 mehr als ersetzt.
+ Nidda, 12. October. Der gestern berichteten Verhaftung wegen Falscheids re., folgte heute die weitere gefängliche Einziehung eines Arbeiters aus Kohden, zu deffeu Gunsten seiner Zeit die beiden Anderen, in der gegen denselben verhandelten Strafsache, Zeugniß abgelegt haben sollen. — Die für unser Decanat als Krankenpflegerin enga- girte Frl. Mandler aus Kleinkintzeubach, hat in Berstadt ihren Wohnsitz erhalten.
-1- Ortenberg, 12. October. Durch die neue Einrichtung | mit den Büreaukosteu uud Schreibhilfevergütungen bei den Oberför st ersten können, wie der „Gieß. Anzgr." einmal - früher meldete, auch Damen einen recht lohnenden Neben- , verdienst erzielen. Jetzt kommen diese Nebenverdienste auch s den Herrn Schullehrern auf dem Lar de zu Gute, wie dies j in unsrer Gegend der Fall ist. Früher durften die Herren Schullehrer die schriftlichen Arbeiten auf den Bürgermeistereien machen, was jedoch Mißstände hervorrief und darum abgestellt wurde. Die schriftlichen Arbeiten bei den Ober- förstrreien genireu ebenso wenig den Arbeitgeber, wie das Publikum und den Arbeitnehmer und liefern dem Letzteren ein recht annehmbares Honorar.
Butzbach, 10. October. DaS altdeutsche Bauernhaus, s deffeu Herstellung 5000 Mark kostete, hat in der AuS» stellungSzeit 2000 bis 3000 Mark au Eintrittsgeldern eingebracht uud wird nun abgebrochen. Das AuSstelluugS- comitö hat mit einem Plus abgeschloffen; auch die Geschäftsleute find sehr zufrieden mit ihren Einnahmen.
-k- Aus Starkenburg, 12. October. Sehnlich wie in einigen früheren Jahren soll auch heuer wieder eine Aufnahme der Kassenbestäude bei den staatlichen und einigen Privatkasseu uud zwar am 31. October d. I. statt- i finden. Hierbei sollen Kupfer- und N ckrlmünzen, Gold- und Silbermüuzen, ReichSkaffenscheine und Banknoten, sowie die | Privatbauknoten ausgenommen und die Ergebnisse in einer i besonders dazu hergerichteten Postkarte der HauptstaatSkasse k mitgetheilt werden. Diese macht eine Zusammenstellung sür J daS ganze Land und schickt fie an die ReichShauptkvffe nach Berlin, wo daun eine Urberficht sür das ganze Reich gefertigt wird.
Vermischtes.
* Wir machen die Herren Studirenden, welche die Universität Leipzig besuchen, auf den Mittags tisch aufmerksam, welcherimVereinsHauS der Inneren Mission in Leipzig, Roßftr. 14, verabreicht wird. Für 60 Pfennige erhält man dort ein kräftige», reichliches Effen und ist nicht genöthigt, etwas zu trinken oder Trinkgeld zu geben. Gegen 100 Zeitungen, unter ihnen auch die unftige, liegen dort aus. Da der Reingewinn dem Verein zu Gute kommt, würde man durch Besuch des MtttagStischeS daS LtebeSwerk der Inneren Mission unterstützen.
* Die Londoner Polizei. London besitzt eine Schutz- mannschast von 15000 Polizisten. Sie zählt 28 Superintendenten, 534 Jnspectoren, 1686 Sergeanten und 11 814 Konstabler, zusammen 13564 Mann; außerdem sind aber in Regierungsdepartements im Spezialdienst noch weitere 1800 Mann beschäftigt. Die City von London hat bekanntlich ihre eigene Polizei. Diese zählt zwei Superindenten, zwei Ober-Jnspectoren, 15 Districts-Jnspectoren, 22 Polizei- Stations-Jnspectoren, 12 Detective Jnspectoren, 72 Sergeanten, 7 Detective-Sergeanten und 795 Konstabler.
* Eine Riesenuhr ist nach der „Etincelle Electrique" am Bahnhof der Liverpoolstraße in London aufgestellt worden, an dem Endpunkte der Großen Osteisenbahn. Die Uhr wurde von dem Electrotechniker Stockall von Clerkenfeld gebaut und
einer Insel einen Vulkan rauchen sehen, erhebt fich doch jenseits des 70. Breitengrades der 6448 Fuß hohe Beerenberg aus der menschenleeren Polarinsel Jan Mayen. Die Kälte des äußersten Nordens bildet kein Hinderniß für die Aeuße- rungen des heißen Erdinnere, darum sehen wir auch glühende Lavaströme aus EiS und Schnee hervorlachen und ihre Gluth im Winter wetteifern mit den blutigen Nordlichtern des Polarhimmels I
Der Sommer ist erträglich warm, das Thermometer verhält fich durch den Juli und August hindurch vielfach mehrere Grad 0. über den Nullpunkt. Seinen tiefsten Stand erreicht es iw Juli mit — 2° C. und im August mit — 8° 0. Im Ganzen ist die Temperatur beständig, nur die häufigen Nebel trüben die Klarheit der Luft und unterbrechen das warme Sowmerwetter oft mit eisiger Kälte. An Beschäftigung und Nahrung fehlt es uns nicht. Der Nordpol erweist fich als krineSwegS so thierarm, als man denken sollte. Eisbären, Füchse, Hasen zeigen fich eben so häufig, wie Alken und andere Seevögel, vor Allem einige Mövenarten umgeben uns des Oeftrren in dichten Schaaren. Sollte man eS glauben? Sogar einen kleinen Mückrnschwarm können wir einmal beobachten — Mückenschwärme find in manchen arktischen Gegenden im Sommer nämlich gar nichts Seltenes und plagen die Eskimo oder Reisenden manchmal ebenso wie ihre Artgenoffen in den Tropenländern. In unseren Kajaks fahren wir auch häufig auf die See hinaus, soweit fie eisfrei ist, nm Jagd auf Walrosse und Robben zu machen, deren wir unzählige erlegen.
(Schluß folgt.)
dürste sowohl in ihrer Größe wie in ihrer Einrichtung kaum einen Nebenbuhler auf der Welt besitzen. Sämmtliche übrigen Uhren der 624 Bahnhöfe des Schienennetzes der Großen Osteisenbahn sind mit der erwähnten Riesenuhr verbunden und werden durch sie im richtigen Gang erhalten; fie werden durch denselben electrischen Strom regulirt und erhalten ihre Bewegung von demselben Apparate, so daß ihr Gang absolut gleichmäßig ist. An der Riesenuhr ist eine große Zeigertafel angebracht, die die geringsten Störungen im Uhrgange und die kleinsten Abweichungen von der richtigen Zeit bis zu Bruchtheilen der Secunde für jeden beliebigen Punkt des Eisenbahnnetzes anzeigt. Die Genauigkeit der Uhr ist so vollkommen, daß die Schwankung ihres Ganges seit ihrer Einstellung am 15. Juni d. I. nicht über Vsoo Minute betragen hat. Das Zifferblatt der Uhr hat einen Durchmesser von 6Vs Metern, die Minuten find durch Striche, so groß wie eine Handfläche, abgetheilt, und der kleine Uhrzeiger wiegt allein beinahe P/2 Centner.
♦ Ein interessantes Srlrbniß aus Edmund Keans Schauspielerlaufbahn ist bei dem kürzlich erfolgten Verkauf der Bibliothek seines Sohnes bekannt geworden. Es handelt sich um den Bericht eines Augenzeugen über sein erstes Auftreten im Londoner Drurylanetheater im Jahre 1813. Der damals schon berühmte Kean hatte viele Feinde und Neider unter den Schauspielern Londons. Zudem war er gerade kurz vor seinem Auftreten wegen des Verhältnisses zu der Frau eines Freundes vor Gericht gezogen. Die öffentliche Meinung war gegen ihn sehr erregt. Die „Times" brachte sogar einen Leitartikel, in dem sein Auftreten als eine Beleidigung des moralischen Empfindens der Bevölkerung hingestellt wurde. So kam der erste Abend heran. Man spielte „Richard III." Das Haus war ausverkauft. Kaum hatte sich aber der Vorhang gehoben, da brach ein solches Johlen, Schreien und Zischen los, daß von der Bühne her keine Silbe zu verstehen war. Das dauerte den ganzen Abend an. Als die Rathsherrn Richard III. ihrer Unterthanentreue versicherten, rief einer im Publikum: „Hütet Euch vor ihm!" Der Ruf pflanzte sich durch das ganze Haus fort und erregte stürmische Heiterkeit. Kaum hörte das Gelächter auf, so fing das Gejohle wieder an. Das Stück wurde als Pantomime bis zu Ende gespielt. Am zweiten Abend — Othello — war es nicht anders. Nur hatte sich die Mehrzahl der Zuhörer schon an dem ersten Abend heiser geschrieen. Ein Nachlassen von der Seite der Gegner aber gab nun den Freunden Keans Gelegenheit zu Beifallssalven. Am dritten Abend war Keans Rolle die des Sir Giles Overreach in. dem Stück „Ein neuer Weg, alte Schulden zu bezahlen". Jetzt beschränkten die Gegner ihre Kundgebungen auf die Zeit, wo Kean auf der Bühne war, die anderen Schauspieler hörte man ruhig an. Durch die zufällige Jnszenirung hatte Kean aber einige Worte hinter der Bühne zu sprechen. Auf die Frage „Aber wo ist Sir Giles", antwortete er schnell noch hinter der Szene „Hier, gnädiger Herr" und tritt dann sogleich auf die Bühne. Ehe das Publikum zur Besinnung kam, hatte Kean hinter der Szene diese Worte schon gesprochen. Es waren die ersten, die das Publikum von ihm hörte. Ihre Wirkung war unbeschreiblich. Niemals, so oft ich Kean gehört habe, berichtet der Augenzeuge, war ich so fascinirt, wie in diesem Augenblick. Er legte in diese Worte die servile Schmeichelei eines Sclaven, der doch selbst gern Herr sein möchte. Ein Sturm des Beifalls hallte durch das Haus. Seine Feinde vergaßen das Zischen und huldigten wider ihren Willen seinem Genius.
• Der Zungeufinu der Schlangen. Jeder, der einmal einer Schlange zugeschaut, hat beobachtet, welch ungemein häufigen Gebrauch fie von der langen, dünnen, gespaltenen Zunge macht, die fast dauernd in Bewegung bleibt. Während sonst dem Gesichtssinn der Schlangen eine ziemlich bedeutende Fähigkeit zugeschriebeu wird, ist P. de Grijs in Hamburg nach Beobachtungen an einer Natterart zu dem Schluffe gekommen, baß der Tastsinn der Zunge eine weit größere Bedeutung sür das Thier besitzt, als irgend ein anderer Smn. Eins Natter, die besonders gern Eidechsen frißt, nimmt auch Fleisch an, wenn es vorher in Berührung mit einer Eidechse gebracht wurde. Immer, bevor fie Nahrung annimmt, bezüngelt fie fie und scheint fich dadurch ihrer Appetitlichkeit zu versichern. Die Schlangen bedienen fich, wie de Grijs im „Zoologischen Garten" ausführt, ihrer Zunge ähnlich wie die Jnsecteu ihrer Fühler. Dieser „Zungeufinu", denn von einem solchen kann man geradezu sprechen, muß ungemein fein entwickelt sein. Die Schlangen erkennen durch die Berührung mit der Zunge sofort, ob fie eine Schlange ihrer eigenen oder einer fremden Art vor fich haben. Als eirmal eine Natter in einen Käfig gebracht wurde, worin sich eine Schlange der Gattung Leptodria aufhielt, kroch letztere auf den fich übrigens ganz ruhig verhaltenden Ankömmling zu und bezüngelte einen Körpertheil desselben, um dann voller Angst davonzuschießen; fie hatte den Eindringling sofort als einen Fremden erkannt, obgleich fie noch mit mehreren andere« Arten den Käfig theilte. Auch das Geschlecht anderer Schlangen derselben Art erkennt eine Schlange durch die Zunge. — Ferner spürt fie durch Bezüngelu die Stelle aus, wo ein von ihr zum Futter begehrtes Thier geseffen hat, wenn es auch ihren Blicken vollständig entzogen worden ist, und fie versolgt dann die Fährte mit der Zunge wie ein Hund mit der Schnauze. Ringelnattern, die Fische fressen, vermögen, wenn fie mit der Zunge über die Oberfläche eines Waffer- beckeus hinfahren, zu erkennen, ob Fische in dem Becke» find. Der Gesichtssinn ist nach de Grijs überhaupt nur bei Schlangen mit großen Augen einigermaßen entwickelt, aber auch bei diesen soll der Zungeufinu dem GefichtSfiun entschieden überlegen sein. Schlangen mit mittelgroßen oder kleinen Augen können ihre Beute aus einiger Entfernung meist nur iu der Bewegung erkennen und auch dann schnappen fie häufiig daneben oder beißen auf Thiere los, die gar nicht von ihnen gefressen werden. Froschfreffende Schlangen gehen z. B. auf Alle» los, was in froschähnlicher Weise an ihnen vorbeihüpft. Hungrige Schlangen können auch sehr


