Ausgabe 
14.10.1898 Zweites Blatt
 
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leicht irregesührt werden, totnn man irgend ein S:ück Zeug oder dergleichen an dem Käfig entlang bewegt. Viel be« deutender ist der Geficht»finu bei den höheren Krtechehteren, also bet den Eidechsen, entwickelt, wo der Zuugenfinu ent» sprechend schwächer ist. Eine Mauereidechse, die man einmal mit dem beinahe allen Thteren widerlichen Marienkäfer an­geführt hat, erkennt ihn später stet» wieder und läuft an sh« vorbei. Hu» dem Mitgetheilteu geht hervor, daß die vchlangeuzunge unseren Naturforschern noch besondere Auf- gaben der Untersuchung bietet.

* Tal größte Familtendiner. E» dürfte fich wohl nur höchst selten ereignen, daß fünf Generationen an einem Familienfest theilnehmen können. Die» war wie au» London geschrieben wird vor einigen Tagen bet der goldenen Hochzeitsfeier de» Shapman'schen Ehepaare» In Braintree der Fall. Die Gesellschaft, die fich tu fröhlichster Stimmung zu dem splendiden Festmahle niedersetzte, bestand au» dem zwischen 70 und 73 Jahren stehenden Jubelpaar, der fast hundertjährigen, noch fehr rüstigen Mutter de» .Goldbräutigam»* und defien Kinder», Großkindern und Ur» enkeln. Mr». Ehapman fen., die mit ihrem vor wenigen Jahren gestorbenen Gatten sogar da» Fest der diamantenen Hochzeit feiern durfte, hatte neun Kinder, von denen die Mehrzahl noch am Leben ist. Die Zahl ihrer Enkel beläuft fich auf nahezu 100, die ihrer Urenkel auf 19; die alte Frau Ehaprnau darf also auf eine Nachkommenschaft von 303 Per« Ionen herabblicken. Da» Paar, defien goldene Hochzeit nicht nur der weitan» größte Theil der Nachkommenschaft, sondern auch eine beträchtliche Anzahl getreuer Nachbarn und guter Freunde mitsetern half, hatte nicht weniger al» 17 Kinder, von denen 14 am Leden blieben und ebenfalls hetratheteu. Die gesamrnte Nachkommenschaft de» Jubelpaare» beträgt heute bereit» 109 Per'oneu.

Tee Bee mit dem bouueufchirm. Am Samötag er­eignete fich tu der Schönbrunner Menagerie (Wien) im Käfig de» Hufetseubäreu ein kornische» Intermezzo. Bor dem Käfig diese» Bären versammelten fich einige Dornen, die dem putzigen Thtere Bonbon» durch da» Gitter zuwarfen. Ein solche» Stück Zucker fiel außerhalb be» Gitter» auf den Randstein be» Käfiq» und der Bär konnte e» mit seinen Pranken nicht erreichen. Eine Dame schob de»halb mit der Spitze ihre» Sonnenschirme» dem Bären da» Stückchen Zucker näher. Plötzlich schrie fie aber evtsetzt auf, denn der Bär hatte ihr den Schirm entriffeu unb in seinen Käfig gezogen. Nun begann bei Bär ein Schauspiel aufzuführen, ,da» die Menschenmenge, die durch den Schrei der Dame herbeigelockt morden war, in stürmische Heiterkeit versetzte. Da» plumpe Thier kletterte mit seiner Beute auf den im Käfig stehenden Baumstamm und manipulirte damit so lange, bi» fich der Schirm öffnete. Der Bär schwang nun den offenen Schirm über feinem Schädel unter dem schallenden Gelächter der Zuschauer. Länger al» eine halbe Stunde dauerte da» Schauspiel; auch die EigenthÜmerin de» Schirme» machte gute Miene zum bösen Spiel unb lochte mit. Der Wärter be» Thiere» entriß endlich dem Bären die Trophäe und wollte der Dame die Fragmente Übergeben, wo» fie jedoch bankend ablehnte.

Hin Milchautowat für Schulkinder. Mit der Tagung bei Verbände» der Milchhändler Deutschland» in Hamburg war eine Au»stellung von milchwirthschastlichen Geräthen ver- 1 bundeu. Besondere» Interesse erregte die Borführung eine» |

Milchautomaten von Ludwig Hoffmann in Berlin. Bor Jahr und Tag schon hatte fich Herr Hoffmann die Aufgabe gestellt, einen selbstthätigen Milchverkäufer zu eoustruiren, der Auf­stellung in Schulen finden soll, um den erschöpften Schülern unb Schülerinnen in den Pausen durch Darreichung von Milch die uöthige Erquickung zu verschaffen. Die Lösung dieser Aufgabe war um so schwieriger, al» der Apparat nicht nur die Entgegnnahme de» Gelbe» (ein Fünf- Pfennigstück) unb die Verabreichung der Maare selbstthätig bewirken, sondern auch die Pflege der Milch durch Kühlen und Rühren, sowie die exacte Reinigung der Trinkgrsäße übernehmen sollte. Auch mußte, wenn der Apparat seinen Zweck erfüllen sollte, den eine» möglichst vollkommenen Au­tomaten, dafür gesorgt werden, daß er, wenn er ,aa<öei» kauft" ist, die» selbstthätig von außen fichtbar mach- und gleichzeitig seine Kaffen schließe. Nach langer, mühsamer Arbeit ist da» Gewünschte erreicht worden. Der Hoff- mann'sche Milchautomat, der jetzt dem Verkehr übergeben wirb, erfüllt alle an ihn gefüllten Anfoidrruugen. Für die Milchhändler unb Molkereigenossenschaften wirb fich durch die Aufstellung dieser Automaten auf Schulhöfen, Spielplätzen, tn BerrjnÜaung»loealitäten u. f. w. ein ganz neue» Absatz- gebiet erBffien, da», einmal in die Wege geleitet, große Ausdehnung geittnnrn kann.

Die Vorführungen del Joel'icheu Shrowofkops zum Zwecke der Wiedergabe phoiographirter Bilder in den natür­lichen Farben auf einen Schirm projicirt, verdienen die größte Beachtung. Da» Chromoskop, wie es gegenwärtig in Thätigkeit ist, erscheint als Ergebniß einer zwanzigjährigen Arbeit des Erfinders, und die Wiedergabe der Farben ist eine rein mechanische, die der gewöhnlichen pothographischen Aus- nähme durchaus entspricht. Mit Bewunderung irfennt man auf dem Schirm nicht nur die Farben der Gegenstände, sondern auch den ihnen eigenlhümlichen Glanz, wie solchen z. B. eine Bronzebüste, polirter Marmor, eine silberne Statuette, besitzen, und man begreift hiernach leicht den enthusiastifchen Beifall, den der große engl'sche Physiker Thomson der Eoe»'- scheu Erfindung zollte. Auch auf der jüngsten Nalursoscher- Versammlung tn Düffeldors erregten die Vorführungen Eoe»'- scher Farbenphotographien berechtigte» Aussehen. Von all­gemeinem Jntereffe ist es endlich, daß die Wiedergabe farbiger Aufnahmen jedem Amateur möglich ist durch bloße Anbringung des Jves'fchen Aufnahme-Apparats an feine Camera. Da die Entstehung der Farben durch die bei der Aufnahme er« folgenden Vorgänge auf der sensiblen Platte bedingt ist und die einmal entwickelte Platte unverändert bleibt, so bleiben auch die Farben im Chromoskop unveränderlich.

* Der Tafelfchwuck im königliche, Schlöffe zu kerlto. Größere Zu-amw'un«lluugeu von Blume» vrfiudru fich au| der kaiserlichen Tafel »heil« in silbernen Aussätzen, theil» in einfachen Drahtkörben. Außerdem werden kleine Blumen Vasen au» mattgeschllff-nem, farblosem Gla» benutzt. Am beliebtesten unb zweckmäßigsten find, wie dieGartenflora" anglest, die kleinen, zwechcnkeligen Krüge, die eine gefällige Form mit sicherem Stehen unb den passendsten Rrumverhält- n.ffen zur Aufnahme be» Wasser» wie bei Blumen verbinden. Die Vasen werben von bei F.rma P Radbatz & (So. all­jährlich in größerer Anzahl beschafft und tn euer Glashütte nach besonderer Vorschrift hergestellt. Alle nicht zu großen Blumen können verwendet werben, so befonber» Rosen, Nelken, Maid umen, Alpenveilchen, Anemonen, Ranunkeln uuo am

melden Orch deen j der Art mit feinem N:uhöllänbei'SrÜn; fie müssen nur genügenb lange Stiele Haden, da da» Ao- drahten der Blumen fich schon wegen der ganzen leichten An­ordnung von felbft verbietet. Bei größeren Tafeln von 200 bi» 300 Set ecken wird für zwei Gedecke je eine Base gerechnet, bei kleineren Tafeln etwa» mehr. Rach der Farben- Wirkung der Blumen geordnet, werden die Släier, wie der Rmm e» gestattet und die Symmetrie vorschreibt, hauptsäch­lich zwischen den Gedecken und den die Mittellinie einnehmenden großen PtunkstÜcken aufgestellt. Sie sollen der Tafel ein leiste», graciöse» Ansehen verleihen unb die schwerer unb «aifiger wirkenden Blumenaufsätze gefälliger erscheinen lassen.

* 3 bei Freude. Er (zu seiner Gattin):Meine zweite Million ist voll Sarah, wünsch' Der wa» recht» Unverschämt'»!*

Euphemistisch.Ist el wahr, daß der alte Ober­förster so riefig aufschueidet?" .Da» gerade nicht aber er erinnert fich immer an wehr, al» er er­lebt hat!"

Wissenschaft, Literatur und Aunst.

r. In der Buchhandlung Großh. StaatSverlag» zu Darmstadt ist zur Zeit eine olfizirlle Festschrift zur GnkülIunaMdtr be» Denkmal» weiland Seiner Königlichen Hoheit de» Großherzog» Ludwig IV. tn Vorbereitung. Diese Festschrift ist verfaßt von dcm Großh. Hauptmann A la eaite der Infanterie Zernin unb wird mit Allerhöchster Erlaudniß Seiner -königlichen Hoheit de» Groß- Herzog» Ernst Ludwig veröffentlicht. Dieselbe bringt, außer zwei Bildnissen, in gedrängter Form eine Biographie de» hohen Ver­storbenen und dürfte für jeden Hessen und ganz besonder» für die FeldzugSiheilnehmer ein würdige» Erinnerungsblait an genannte F-ier bilden. Dem Versaffer wurden von Großh. HauSarchio unb einem s<hr nahestehenben Freunde be» verstorbenen Großherzog» wichtige Beiträge zu blefer Festschrift zur Verfügung gestellt, worunter sich Briefe Seiner Majestät Kaiser Wilhelm» be» Großen, Seiner Majestät de» Kaiser» Franz Josef befinden. Durch den vorgesehenen billigst gestellten Preis dürfte die Festschrift in allen Familien unsre» Hessenlandes leicht Eingang finden.

Iubelkalenver zur Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig. Neunte Auflage. Preis J Mk. Verlag von I. I. Weber tn Leipzig. Fünfundachtzig Jahre stnd seit jenen Taaea vergangen, als auf Leipzig» Ebenen der Stern de» gewaltigen Korsen erblich; am kommenden 18. October wird der erste Spatenstich er­folgen zur Aufrichtung de» weithinragenden Denkmal» zur Erinner­ung an die unsterblichen Thaten unserer Väter. Da erscheint in rechtem Augenlick in 9. Auflage Weber» Jubelkalender, der zum ersten Male zur Halbjahrhundertfeier der Völkerschlacht bei Leipzig auSgegeben worden ist. Unmittelbar in da« denkwürdige Jahr 1813 versetzt die MonatSchronik diese» Kalenders mit ihren KrtegSnach- richten unb culturhistorischen Daten. Die frische Darstellung dieser dedtutungSoollen Octoberkämpse wird belebt von zahlreichen tresflichen Abbildungen nach Zeichnungen von A. Beck, O. Fikentscher, E. Kirch­hoff und C. Scheuten. Die der patriotischen Schrift beigrgebene Karie bient zur Orientirung hinsichtlich der einzelnm Gefechte und der Schlachtbenkmale, die einschließlich be» nun zur AuSsÜhrung kommenden Völkerschlachtdenkmai» sämmtlich in Abbildung bcigegeben find.

10 FlammriS je für 46 Personen lasten sich aus 1 Packet Mondamtn A 60 Pfg. Herstellen. Erscheint der Preis auch etwa» hoch, so ist wiederum Mondamin dermaßen ergieoig, daß sehr wenig davon zu einem Flammri gehört. Der durch Mondamin erlangte zarte und köstliche Geschmack ist unver­gleichlich, weil frei von jedem Beigeschmack. Die» wolle die HauSfra» besonder» beachten. Im U brigen bürgt für die gute Qualität Brown und Polson'S 40jähriger Weltruf. Mondamin ist in allen einschläg. Geschäft, z. hab. Engro» bei Türk u. Pabst, Frankfurt a- M.

iWniintiiiadjiiwii

Submission

Für die Großb. neuen Kliniken in Gießen soll die Lieferung nach- benannter Products auf dem öffent­lichen Eubrnissionswege vergeben Derben, unb zwar:

20 Ctr. Aepfel,

600 gute Speisekartoffeln (500 Gentner magnum bonum, 100 Gentner feine gelbe),

15 Mäuschenkartoffeln

10 untererbige Kohlrabi,

2 oberetbige Kohlrabi,

10 Zwiebeln,

2 rothe Rüben,

2 Meerrettig,

10 gelbe Rüben,

35 Weißkraut,

150 Stück Rothkraut,

400 Wirsing,

200 Lauch,

350 Sellerie.

Die fiiefcrungflbebingungen können mf bemöetroaltungftbureau ber teuen Kliniken an ben Wochentagen Nachmittag» von 3 bi» 5 Uhr ein« gesehen werben.

Offerten unter Bei'chluß von Nusterproben find verschloffen, mit mtsprechenber Aufschrift versehen, lie zum

Wontag den 17. Cct. 1898,

Mittags 12 Uhr, auf bem oben erwähnten Bureau ainzureichen.

Zuschlag erfolgt am 24. October 2898.

Gießen, 28. September 1898.

Großh. Verwaltung» Direction ber neuen Kliniken. 9681

Submission.

Für bie psychiatrische Klinik soll die Lieferung von:

10 Ctr. Aepfeln,

300 Kartoffeln,

5 , unterirbigen Kohlraben,

3 w Zwiebeln,

1 Meerrettig,

2 Carotten,

10 Weißkraut,

50 Stück Rothkraut,

100 Weißkraut mit Strünken,

*200 Wirsing,

200 Lauch,

200 Sellerie

auf bem öffentlichen Submisfionsweg vergeben werben.

Die Lieferungsbebingungen liegen auf bem Verwaltungsbureau NaZ- mittags von 3 bis 5 Uhr offen.

Offerten sinb versiegelt unb mit entfprechenber Aufschrift versehen bis zum 25. Qctober 1898, Bor­mittags 11 Uhr, einzureichen.

Zuschlag erfolgt am 31. October 1898.

Gießen, ben 27. September 1898.

Großh. Direktion ber psychiatrischen Klinik. ________Sommer._____9622 Muhr von Asche lllld Wullli in der vriktilliit-AMt. Diejenigen, welche geneigt sinb, in ber Zeit vom 1. November b. I bis zum 31. October n. I. bie in ber Anstalt erwachsende Asche und den Mulm wegzufahren, wollen ihre Angebote für Abfuhr alebalb an uns einreichen. 10124

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Städtischer Arbeitsnachweis Gießen

Wartenstraße 2.

Angebot der Arbeitnehmer r 1 Buchbinder, 1 Spengler, 1 Heizer oder Maschinist, 1 Bauschreiner, 1 Taglöhner, i Packer, 1 Kassirer, 1 ttleidermacherin, 1 Nähfrau, 3 Büglerinnen, 1 Büreaugehülfe, 1 Schreibgehülfe, 1 Comptoirift.

Nachfrage der Arbeitgeber: 1 Drechsler, einige tücbt. Spengler, Kessel­schmiede und Schlaffer für eine auswärtige Fabrik für Beleuchtungswesen, 2 Spengler, 1 Jnflcllatrur und 3 Schlaffer für eine hiesige Fabrik, 1 tücht. Glaser (Rahmen- macker) bei hohem Lohne, 3 Weißbinder, 2 Küfer, 1 Tapezirer, 2 Sckmiede, 2 Wagner, 1 Sckuhmacker, 8 Sckreiner, 2 Kutscher, 2 Fuhrknechte, 9 Taglöhner, 1 Hausknecht, 2 HauSburschen, 1 jüngerer Arbeiter für eine Fabrik, 2 Kinder­mädchen, 7 Lauffrauen, 8 Dienstmädchen für Küche und Hausarbeit.

Pftaillii'- H. WkmrßMinis.

Freitag den 14. l. Mts., Nachmittags 8 Uhr, sollen in bem hiesigen alten Rathhanse bie auf ben Namen bet Cht. Nebe'sche« Eheleute ftchenben Gtunbstücke, Hoftaithe unb Felbscheuer, wie solche im Gießener Anzeiger näher bezeichnet waren, einer britten unb letzten Versteigerung ausgesetzt werben. Karte unb Pläne über bie Srunbftücke liegen im Versteigerung»locale von 2 Uhr ab auf. 10054

Die Concnrsverwaltnng.

Iourlul-Lesczirkcl

empfiehtt beim Beginn be» Wintersemester» [9822

3ünli|t 5. I. Rickersche Buchhandlung Sileilflflr 5.