Ausgabe 
14.10.1898 Erstes Blatt
 
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der Diplomatie nicht zu erzielen, daß der Sultan fast immer der tertius gaudens war. Und bei den Gegensätzen, die insbesondere zwischen Rußland und England in der ostasiatischen Frage bestehen, lag die Befürchtung nahe, daß auch hier der Hauptzweck aus den Augen gelassen und sich das aus der Türkei bekannte Spiel wiederholen würde.

Sämmtliche europäische Staaten sind jetzt mehr oder minder an den Dingen in Ostasien interesfirt, keiner derselben wird die mit China geschlossenen Beziehungen ohne Roth preisgeben. Der wirthschaftliche Wettbewerb in Ostasien ist so werthvoll, daß die Vertheidigung desselben sogar einiger Opfer werth gehalten werden muß. Ob der Einfluß der europäischen Cultur auf den jungen Kaiser wirklich so mächtig gewesen ist, daß letzterer mit dem Zopf aufzuräumen gedachte, läßt sich nur schwer feststellen. Man muß immer berück­sichtigen, daß der chinesische Kaiser nur eine Scheinmacht führt, daß ihm jede Einwirkung auf sein Reich fernliegen muß, daß er nicht die geringste Initiative ergreifen kann. Das Mandarinenthum bedeutet in China Alles und wird sich seine Stellung auch kaum gutwillig nehmen lassen. Dazu kommt noch, daß die Dynastie nicht auf sehr festen Füßen steht. Die vielen Aufstände beweisen, daß der Thron bedenk­lich wackelt.

Die Pflegemutter des Kaisers, welche jetzt die Regierungs­gewalt inne hat, ist bekanntlich allen Neuerungen abhold und dürfte es auch nur mit sehr scheelen Augen angesehen haben, als sich eine Macht nach der andern in China festsetzte. An den Thatsachen wird sie freilich nichts ändern können und sie wird gute Miene zum bösen Spiel machen müssen. Aber man darf wohl darauf gefaßt sein, daß sie intriguirt und den Fremden möglichste Hindernisse bereitet. Dem entgegenzutreten, werden die Mächte nicht lange säumen, das schnelle Handeln derselben erfüllt uns mit der Zuversicht, daß die Interessen der Europäer kräftig gewahrt werden und daß wir keinen Fuß breit von der mühsam errungenen Stellung in Ostasien aufzugeben brauchen. Die Diplomatie dürfte in nächster Zeit im fernen Osten wieder viel Arbeit zu vollbringen haben.______________________________ (xx)

Deutscher Reich.

Berlin, 12. October. DemReich-anzeiger" zufolge wurde dem Reich-rath der Krone Bayern-, Commerzienrath v. Haßler zu Augsburg der Kronenordeu zweiter Klaffe verliehen.

Berlin, 12. October. Wie eine hiesige Correspondevz berichtet, ist Prinz Albrecht von Preußen, Regent von Braunschweig, durch den Tod seiner Gemahlin tief erschüttert, sodaß er ernstlich daran denkt, von der Regierung von Braunschweig zurückzutreten und fich gänzlich nach Camenz zurückzuziehen.

Berlin, 12. October. Der Capttäu zur See R o s e n d h a l, Gouverneur von Kiautschou, ist von dieser Stellung enthoben worden und zur Martne-Station der Ostsee zurück« versetzt. Srin Nachfolger ist der Commandant zu See Jäschke, bisher beim Stabe de- Ober-CommandoS der Marine, geworden. Diese Veränderungen hat der Kaiser unter dem 10. October verfügt.

Berlin, 12. October. Bon postalischer Seite wird be­richtet: Seit einiger Zeit bringen verschiedene Zeitungen mehr oder minder ausführliche Einzelheiten über von der Reichs- Post« und Telegrapheu-Berwaliung geplante Umgestalt­ungen der Persoualverhaltntsse. Auf Grund zuverlässiger Information kann mitgetheilt werden, daß im Reichs-Postamt zwar seit letzter Zett Berathungeu über diesen Gegenstand gepflogen worden find, daß aber ein bestimmter Beschluß noch nicht gefaßt wurde.

M.P.C. Die Reise des Oberpräsidenten der Provinz Westpreußen nach dem Westen der Monarchie wird tu den deutschen Kreisen der Provinzen Westpreußen und Posen dahin aufgefaßt, al» wenn in der Absicht der StaatSregterung liege, mit großen Jndustrtefilmeu im Rhein­land und Westfalen in Verhandlung darüber zu treten, ob es fich nicht ermöglichen lasse, im Osten Zweigniederlaffungeu solcher Etablissement- anzulegrn, die an drn Westen nicht unbedingt gebunden find. Bevor fich nicht auch im Osten eine re che Judustriethätigkeit entfaltet, sind viele der Maß' regeln, die zur Hebung der wirthfchaftlicheu und eulturelleu Lage der östlichen Provinzen in Angriff genommen werden, ein Schlag ins Wasser.

Elbing, 12. October. DerElbinger Zeitung" zufolge ist das Amtsgericht zu Saalfeld tu Ostpreußen tu der letzten Nacht mit fammtlichen Acten niedergebraunt.

Arr-laud

Budapest, 12. October. Graf Thun ist gestern Abend nach Wien abgeretst. Wie von informirter Seite versichert wird, hat eine Aenderuvg in der AuSgletchSfrage nicht statt« gefunden. Beide Regierungen stehen auf dem Standpunkt, daß vorerst die Ausgleich-Verhandlungen im Parlament beendet werden müssen.

Rom, 12. October. Der Papst bereitet eine Tnchklica vor, in welcher er die Staaten auffordert, mit den fort­gesetzten Rüstungen eivznhalten und dafür die Religion im Volke besser zu verbreiten.

Neuerdings bestärken sich die Hoffnungen auf Bei­legung des Pariser Ausstandes. Zwar beschloffeu am Montag die Oseusetzer und Holzbildhauer dm Strtke, aber die Zimmerleute haben fich am Dien-tag entschieden, nicht in den Ausstand einzutreten. Auch mehrt fich die Zahl Derjenigen, welche die Arbeit wieder ausuehmeu, wenn auch nur langsam. Auf mehreren Baustellen konnte bereit- ohne militärischen Schutz gearbeitet werden. Die Mehrzahl der Blatter glaubt, der Strtke werde durch die Uebernahme der Arbeiten in städtische Rechnung baldigst beendet fein.

Ueber die Verhandlungen de- in Paris tagenden Frieden--Ausschusses wird ein so große» Stillschweigen bewahrt, daß nicht ein Wort tu die amerikanische Preffe

. dringt. DieNew«Uork Tribüne", welche die Anfichten der j Bundesregierung erwiesenermaßen wiederspiegelt, meint, daß die Bereinigten Staaten schließlich im Friedensvertrage die t gesammteu Philippinen zugesprocheu erhalten werden- Deutsch­land werde keinen Widerstand bieten. Nach einer amt­lichen Depesche von den visayas.Inseln unterwarfen sich mittlerweile 38 Anführer der Aufstäudtscheu und 4000 Auf­ständische bedingungslos den Spaniern. Man schöpft aus dieser sehr gelegen kommenden Nachricht in Madrid die Hoff­nung, daß wenigsten- ein Theil der Philippinen fich für Spanien werde retten laffen.

Ein Gericht-Vollzieher schickte fich am Dien-tag in Pari- an, im Auftrage der im Proceß Zola vernommenen Schretbsachverstäudtgeu mit dem verkauf beSMobiliarS Zola- zu beginnen. Frau Zola und Octave Mirbeau, welcher auf- Neue vergeblich da- Anerbieten machte, die Schuldsumme zu bezahlen, verlangten, daß die Frage dem zuständigen Richter unterbreitet werde. Dieser erklärte, der Verkauf könne nicht vertagt werden. Bei der Versteigerung wurde der erste au-gebotene Gegenstand, ein Tisch, von dem Verleger FraSqaelle für 32,000 Frauken erstanden, durch welche die Schuldsumme gedeckt ist. Der Versteigerung wohnten zahlreiche Neugierige bei.

Die spanische Regierung will bi- zum Frteden-schluß eine starke Truppenmacht in Cuba belassen. Die Corte» sollen gleich nach Unterzeichnung der Friedeu-akte ein­berufen und ihnen Vorlagen zur Umgestaltung der Staat-« Verwaltung gemacht werden. Man glaubt, daß die Erörte­rung stürmisch und lang sein wird. Trotz der bedrängten Finanzlage fordert der KriegSminister 30 Millionen. Be­denkliche Gerüchte laufen um über carltstische Umtriebe- halb­amtlich verlautet jedoch, nichts fei vorläufig zu befürchten, die umfaffendsten vorfichtSmaßregeln feien getroffen.

Die Besetzung Cubas durch die Amerikaner be­gann am Dien-tag, indem Manzanillo besetzt, die amerika­nische Flagge gehißt und die Ctoilverwaltung unter Protest der Spanier Amerikanern übertragen wurde. Die ameri­kanischen Räumung».Commtffare theilten den spanischen Be­hörden mit, daß fie die vollkommene Verwaltung Cuba- am 1. December und Portorico- am 18. October übernehmen werden.

Kanea, 12. October. Der hier eiugetroffeue Befehl de- Sultans, alle Vorbereitungen für die in der nächsten Woche be-inuende Abreise der Truppen von der Insel zu treffen, ruft unter der muselmanischen Bevölkerung große Erregung hervor. Man befürchtet den Au-bruch neuer Massacres. Die Admirale treffen die uöthigen Vorsicht»- maßregeln.

Locales unfc ^provinzielles.

Gießen, 13. Ociober 1898.

Empfang. Seine Königliche Hoheit der Groß­herzog empfingen am 12. October u. A. den Kreis- amtmann Dr. Reinhart, den Turninspector Schmuck, den Dr. Bartholomae, ordentl. Professor für Sanskrit und vergleichende Indogermanische Sprachwissenschaft aus Gießen.

Aus dem Großh. Ministerium. Seine Königliche Hoheit der Grobherzog haben Allergnädigst geruht, am 12. October d. I». dem mit der cowmiffarifchen Berfehung der AmtSgeschäfle eines Vortragenden RathS in der Ab- theilung des Ministeriums der Finanzen für Banwesen be­trauten ordentlichen Professor an der Technischen Hochschule, Baurath Earl Hofmann, den Character al»Geheimer Oberbaurath" zu verleihen- den ordentlichen Professor an der Technischen Hochschule, Geheimen Hofrath Dr. EraSmuS Kittler, mit der commissartschen Versetzung der AmtS- geschäfte eine» Mitgliedes für elektrotechnische Angelegen­heiten in der Abtheilung des Ministerium» der Finanzen für Bauwesen zu betrauen und demselben den Character als Geheimerath" zu verleihen.

* AuS dem BerwaltuugLdieust. Durch Entschließung Grobherzoglichen Ministerium» de» Jauern ist der Regie« rung-affessor Hechler in Darmstadt bi» auf Weitere» mit AuShilfeletstuag bet Großh. KceiSamt Schotten beauftragt worden.

Erneuuuug. Seine Königliche Hoheit der Groß­herzog haben Allergnädigst geruht, am 8. October den Fachlehrer Jacob Schindel au» Dolgesheim zvm Haupt­lehrer an der erweiterten Handwerkerschule zu Al-felv, mit Wirkung vom 1. October l. I., zu ernennen.

* Militardieustuachrichten Krause, Pr. Lt. vom Infanterieregiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess) Nr. 116, zur Dienstleistung beim KrtegSministerium commaudirt. Stephan, Sec.-Lt. vom Infanterieregiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, zum Pr.-Lt. befördert- Der characterts. Port..Fähnrich Frhr. v. d. Goltz vom Infanterie­regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, zum Port.«Fähnrich befördert.

* * Da» neue Armeecorps. Wie zuverlässig verlautet, ist Mainz al» Sitz de» Generalcommanoos aus bestimmten Gründen fallen gelassen und Frankfurt a. M. in sichere Aussicht genommen.

* dt Stadttheater, Einen seltenen Genuß bot die gestrige Aufführung derBraut von Messina" mit Frau E. Teller-Habelmann vom Kölner Stadttheater al» Gast. Stellt das Stück an fich hohe Anforderungen an die Kunst der Darsteller, so bewog das ergreifende, wahrhaft hin­reißende Spiel des verehrten Gaste» die Mitwirkenden, ihr bestes Können einzusetzen, und mit aufrichtiger Freude dürfen wir bestätigen, daß sie ungeahnt erfolgreich Widerpart ge­halten haben. Die bisherigen Ausführungen gaben dem un­parteiischen, wohlwollenden Kritiker hie und da zu berechtigten Ausstellungen Anlaß- die gestrige darf als vollendet ge­kennzeichnet werden, und auch der uunachfichtlichsten Kritik dürfte es schwer fallen, einen Mangel zu erspähen, daran fie einsetzen könnte. Durchaus erhaben war das Spiel der

Donna Isabella (Frau E. Teller Habelmann), die gleichsam ihre Kinder inspirirt zu haben schien- eine bezwingendere Verkörperung echter Mutterliebe vermögen wir uns kaum zu denken, und der bestrickende Lebreiz der Beatrice, Fräulem Bella Cronegg, ließ uns verstehen, daß fie die Herzen der beiden Brüder (Hubert Dietzsch und Fritz Werner) zu ver­zehrender Glut entfachte, und Don Cesar völlig von Sinnen brachte, sodaß er fich zum Brudermord hinreißen ließ. Wir können e» uns ersparen, die weiteren Rollen einzeln aufzu­zählen, eS genügt, zu sagen, daß alle Darsteller auf der Höhe standen. Freude und Frohsinn zu verkörpern ist am Ende keine allzuschwere Aufgabe, aber Trauer, Schmerz und Brr« zweifluug leben-wahr und überwältigend darzustellen, dünkt uns denn doch werthvoller, und darum vermögen wir nicht recht zu begreifen, daß der Besuch der Vorstellung so gar sehr zu wünschen übrig ließ. Der Direction und den Künstlern aber wünschen wir aufrichtig Glück zu diesem elementaren Erfolg und hoffen, daß die wohlverdienten Lor- bereu des gestrigen Abends Allen ein Sporn sein werden, unentwegt auf der dornenvollen Bahn vorzudringen.

* * Stadttheater. Die für daS neue Blumenthal-Kadel- burg'sche LustspielIm weißen Rößl" nothwendigen neuen Dekorationen entstammen dem Atelier unsere» Mitbürgers, de» Herrn Maler Wilh. Scheich. Die Berliner Zetuug" schrieb seiner Zeit:Im weißen Rößl" von Blumenthal und Kadelburg. DaS waren gestern zwei muntere, lustige Gesellen voll Liebenswürdigkeit und guter Laune, die uns nicht mit crquälten Witzen und mühsam herangezerrter Situationskomik ermüden, sondern übermüthige Einfälle flott hervorsprudeln laffen, uns ein paar hübsche Lustspielfiguren vorführen und wirklichen Humor zeigen. ES war ein starker, unbestrittener Erfolg, und waS viel mehr besagen will, ein vollberechtigter. ES geht sehr rüstig zu im Weißen Rößl", dessen schmucke Wtrthin schließlich ihren Ober­kellner heirathet, wenn fie auch nicht mit ihren Gästen kokettirt, sondern iu den Einen, einen Schwerenöther, ernsthaft verliebt ist. Und wenn der Dampfer über den See kommt und die Reisegesellschaft landet, dann entwickelt fich farbige», muntere- Leben und dabei ist da- nur mit fich beschäftigte F'.itte'-wochen- Paar ebenso lustig charakterrfirt, wie der Berliner Glüh­strumpf Fabrikant, der, da er eine Dampferfahrt gemacht, nun durchaus grüne Aale essen will. In der Gestalt bei alten Privatgelehrten, der mit seinem lispelnden Töchterlein nur alle vier Jahre eine Reise macht, haben die Autoren eine wirklich gute Gestalt geschaffen und die Gegenüberstellung eines im Reifezauber schwelgenden Armen im Gegensatz zu dem reichen, verärgerten Reiseprosaiker ist eine wirklich glück­liche Idee. Der erste Akt entschied bereits den Erfolg des Stückes, deffen knappe Handlung ich nicht verrathen will. Mit den Darstellern mußten die Autoren wiederholt erscheinen.

* Lom Windhof. Gestern Abend fand aus Anlaß der gänzlichen Fertigstellung bei Etablissements Wind Hof da­selbst ein Festwahl statt, an welchem 50 Personen theil- nahmen. Au- den bei der Tafel gehaltenen Reden ging da» Eine mit Sicherheit hervor, nämlich die allgemeine Aner­kennung, daß Herr Chr. Duill, der Bauherr de- neuen Ausflugsortes, e» fertig gebracht, ein vornehme-, ze tgemäß eingerichtetes vergnügung-local zu schaffm, welche» auch al» Bauwerk eine Zierde unserer Gegend ist. Daß der Prächter des Windhofe», Herr Klage», aber auch vorzügliche» in der Lieferung von Speisen und Getränken zu leisten vermag, bewie» da- bereitete Festmahl und die Runde wackerer Zecher, welche erst weit nach Mitternacht die gastliche Stätte verließ.

* Den Soldatentod mittel» der Kugel erlitt gestern Nachmittag da- Reitpferd eme- Offiziers. Da» werth- volle Thier hatte fich auf der Reitbahn durch Sturz einm schweren Beinbruch zugezogen. Der Besitzer des Rosse» konnte fich nicht entschließen, dasselbe zum Schlachten zu geben und so machte ein Schuß dem Leiden de» Pferde» ein Ende.

* Befitzwechfel. Nicht die Firma Gebr. Röhrle kaufte da» Boeck'sche Han- in der Marburgerstraße, sondern Herr Gotthilf Röhrle.

* Die hessischen Gerichtsvollzieher haben am Sonntag im Saale der Rosenau zu Frankfurt eine Versammlung abgehalten. Dieselben hatten gelegentlich der Berathnng de» Beamtenbesoldungsgesetze» an die Regierung und die Stände­kammer eine Eingabe bezüglich ihrer definitiven Anstellung, ihrer PenfionSverhältniffe und ihrer Stellvertretung in Er- krankungSfällen gemacht. Die Regierung glaubte vor Em- führung de» bürgerlichen Gesetzbuches nicht darauf eivgehm zu können, es fei jedoch feststehend, daß, da die Einführung de» bürgerlichen Gesetzbuches und der dadurch bedingten Ab­änderung der Civil- und Strafproceßordnung re. sämmtliche Zustellungen nicht mehr durch die Gerichtsvollzieher, sondern durch die Gerichtsschreibereien vermittelst der Post und der GerichtSdiener besorgt werden, die Gerichtsvollzieher in ihrem Diensteinkommen eine bedeutende Einbuße erleiden. Sie be­schlossen, vor Einleitung weiterer Schritte durch eine Depu­tation bei der Regierung bezüglich ihre» Dienstverhältnisse» vorstellig zu werden. Sollte die Regierung die berechtigten Wünsche der Gerichtsvollzieher nicht in Betracht ziehen, bann soll die Ständerammer wiederholt um Regelung der Dienst­verhältnisse angegangen werden.

* Ueber das Leben-alter der Geschlechter in Hessen enthalten dieMit,Heilungen der Großherzoglich hesfischen Ceutralftelle für LandeSstatistik" die nachfolgenden Z'ffern, die miss Neue die Thatsache bestätigen, daß do- weibliche Geschlecht im Durchschnitt ein höheres LebenSatter als da» männliche erreicht. Danach gab eS am 2. December 1895 8 Personen im Alter von 95 bis 100 Jahren, die alle dem weiblichen Geschlechte angehörten (7 verwittwet, 1 ledig)- 90 bi» 95 Jahre alt waren 136 Personen (57 männliche, 79 weibliche), 85 bi» 90 Jahre 945 Personen (429 männliche, 515 weibliche), vom 26. Jahre an find die Frauen in Bezug auf das Lebensalter den Männern gegenüber in Bortheil, dagegen ändert fich da» verhältniß