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Nr. 241 Erstes Blatt._________Freitag den 14 October_____________________1S9^
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Die Z^aiserreise nach Jerusalem.
am Dienstag Abrnd 11 Uhr hat das Satserpaar Potsdam verlagert und feine Reise nach dem Orient angetreten. Der kaiserliche Sonberzng macht einen Umweg über Kamenz, wo am Mittwoch die Beisetzung der Prinzessin Albrecht er- folgte. Da» umfangreiche Gepäck der Majestäten war in drei Wagenladungen vorausgesandt. Der Sonderzug bestand aus 40 Achsen und wurde von einem höheren Betriebs« beamten geführt. Das gesammte Gefolge des Kaiserpaares hatte fich in Potsdam eingefunden und ehe die Majestäten den Bahnhof betraten, ihre Plätze in dem langen Zug auf. gesucht und belegt.
Das Befolge der Kaiserin bilden Oberhofmeisterin Gräfin von Brockborff, Palastdame Gräfin von Keller, Hofdame Fräulein von Gersdorff, Oberhofmeister Freiherr von Mir« dach, Vice«Ober«Leremortieomeifler von dem Knesebeck. Im Gefolge des Kaisers befinden fich Ober-Hof- und Hausmarschall Graf zu Eulenburg, Ober-Stallmeister Graf von Wedel, Hausmarschall Freiherr von Lyacker, Generalarzt Dr. Leut- hold, Oberstabsarzt Dr. Jlberg, Geueraladjutant Freiherr von Pltffen, General ä la suite Generalmajor von Kessel, General ä la auite Generalmajor von Scholl, Flügeladjutant Oberst Mackensen, Fiügeladjatant Oderstlteutenaut von Pritzel« »ttz, General der Infanterie von Hahnke, Lhef des Militär- cadinets, Wlrkl. Geh.«Rath Dr. von Lucanus, Lhef des Eivil- cabinet», Admiral ä la auite, Lontreadmiral Freiherr von Senden-Bibran, Lhef des MarinecabinetS, VtaatSsecretär des Auswärtigen Amts von Bülow, Wirkl. LegationSrath Klehmet- ferner General-Superintendent Dr. Drhander, Prof. Knack- fuß. In Konstamtnopel treten hinzu: Botschafter Freiherr Marschall von Bieberstein, Dragoman Graf Murinen, Haupt« manu Morgen. In Haifa tritt hinzu Prof. Dr. Moritz.
Die zur Begleitung abcommandirten Leibgendarmen waren, wie schon gemeldet, bereits vor einigen Wochen vorausgeschickt. Der Reisezweck der Letbgendarwerte ist natürlich der, In erster Linie für die Sicherheit unseres Katserpaares zu sorgen. Daneben verfolgen die Gendarmen aber auch einen friedlichen Zweck. Die sollen nämlich — photographtren, wo nur etwas Schönes auf der Platte festzuhalten ist. Auf Befehl des Kaisers haben die Wachtmeister Sonueustuhl und Güffow im photographischen Atelier von Selle L Knutze in Potsdam das Knusthandwerk erlernt. Sie find mit einer photographischen Reiseausrüstung versehen, nachdem fich der Kaiser persönlich Überzeugt hatte, daß fie fich etwas Rechtes artgeeignet haben. Leibgendarmen und Sattelmeister haben eine eigene Tropenausrüstung mit Helm und Nackenleder erhalten, io der fie hoch romantisch in die Welt schauen. Am Tage des Einzugs in Jerusalem aber werden fie in weißer Gala p-radiren. Eine recht prächtige Uniform ist ihnen zu diesem Tage vom Kaiser verliehen.
Beritten wird die Reisebegleitung in Konstantinopel ge« «acht. Der Oder-Stallmeister Graf Wedel hat lediglich die für das Kaiseipaar bestimmten Reitpferde, sechs Stück, dort« hin gebracht, um fie an den Lärm des Orients zu gewöhnen. Für da» Gefolge und die Reisebegleitung aber sorgt die Gastfreundschaft deS Sultan». Sr hat drei Dutzend Pferde, zumeist schwere Sarosfier», in Deutschland aufgekauft,' dieselben
werden feit Wochen in der tütkischen Hauptstadt eingefahren. Ueberhanpt ist ein gut Stück Geld von Konstantinopel nach Deutschland, zumeist nach Berlin, geflossen- denn alle Um* formen für die Hofstaaten de» Sultan», sowie zahlreiche Waffen und Armaturen find bei un» eiugekauft worden. Unter den Koffern, welche da» Saiserpaar mit fich führt, be« finden fich Exemplare von außerordentlichen Dimenfiouen. ES find dies die Stücke, welche die Garderobe der Kaiserin ent- halten. Ihre Größe erklärt fich au» dem Zweck, daß die Kleider ohne jede Falte, wie im Schranke, darin ruhen wüffeu. Der beste und inhaltreichste Koffer befindet fich freilich im Sonderzug, uud zwar unter der Aufficht eine» hohen Hof« beamten. Er enthält die kostbaren Geschenke, welche der Kaiser nach dem Orient mitnimmt, wo man für dergleichen Aufmerk« sawkeitev empfänglicher ist, als sonst irgendwo auf der Welt. Dieser bedeutsame Schrein enthält aber auch b’e türkischen, mit werthvollsten Brillanten besetzten Orden de» Kaiserpaares.
Die Berproviautirung für die Kaiserreise ist selbstredend io großem Maßstab erfolgt. Bis Venedig geschieht fie im Sonderzug, wo zwei Muodköche und eine kleine Armee HülfS« personal thätig ist. Diese Landratten von Köchen werden aber auf der .Hohenzollern" von seebefahreueu «ochkünstlern abgelöst. Das Kaiserschiff besitzt ausgezeichnete Gefrier- kammero, welche die Lonservirung des Fleisches bis auf sechs Wochen ermöglichen. Im heiligen Lande übernimmt nach der Landung die englische Reisefirma Look die Regie.
Zu der Orieutfahrt wurde für die Kaiserin eine Anzahl neuer Toiletten hergestellt, die nicht allein den Ansprüchen der Eleganz, sondern auch des Praktischen entsprechen. Um den Anforderungen der Repräsentation genügen zu können, besonders In Soustautinopel, wo die höchste Entfaltung des Luxus zur Gewohnheit geworden ist, gehört eine Reihe von Staatstoilettev, ebenso waren Reisetoiletten herzustelleu, welche allen Anforderungen des Klimas und der Btquewlich« lichkeit entsprechen müffev. Schon seit Wochen, so berichtet der „Lonfectiouär", war die Kammerfrau der Kaiserin be- schäsligt, die ihr zu diesem Zwecke gewordenen Aufträge bet den Lieferanten der Kaiserin auSführen zu laffen. Für die Seereise scheinen die langen LapeS aus carrirteu Stoffen (steamer coata) bestimmt zu sein. Gegen Regevwetter sollen bie langen, zweireihigen Paletots (Coachmen), au» feinen Tuchen hergestellt, welche sehr kleidsam find, schützen. Für See- und Landreise sind besonder» geeignete Toiletten hergestellt worden, wie unsere Kaiserin überhaupt liebt, die sür jede Gelegenheit paffenden Toiletten zu tragen. So erschien dieselbe wahrend deS JagbauSflnge» nach Rowinten in einem äußerst kleidsamen, anschließenden, grünen Damen Jagdkostüm mit braunem Wehrgehänge, an dem ein zierljcher Hirsch- fanget hing. Hüte au» Panamastroh, die hinten aufgeschlagen werden, vorn mit breiter Krempe, welche mit großen Schleiern garnirt find, find besonder» für die Orientreise angefertigt worden, um Schutz gegen die Sonne zu gewähren. Jedeufall» hat die Kaiserreisc nach Palästina einer großen Anzahl von Geschäften recht erhebliche Auftrage gebracht.
Utber ihre Vorbereitungen schreibt der „Lokal-Anzeiger": Die englische Firma Cook hält für den Zug deS Kaiser» von Jaffa nach Jerusalem über hundert Zelte bereit. Sie find
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comfortabel eingerichtet mit Bettstellen, Teppichen, Möbeln usw. Der Kaiser nimmt für fich und die Kaiserin eigene Wohn« und Schlafzelte au» Berlin mit. Außerdem liefert der Sultan dem Kaiserpaar drei kostbare Zelte. Zu den Zelten gehören mehrere hundert Manlthiere, welche die Wagen mit den Zelten ziehen, uud dem Kaiser jeden Morgen vorau»ge- sandt werden, damit man die Zelte im Nachtquartier wieder aufschlagen kann. Zusammen liefert Look über 1500 Thiere, einschließlich der Reit« und TranSportpferde. Mit dem Kaifer werden 92 Pascha» und Beamte reisen, die der Sultan von Konstantinopel schickt. Auch für diese liefert Look Zelte und Bedienung. Letztere besteht meist au» Eingeborenen, zusammen mehrere hundert, welche die Zelte ausschlagen und abbrechev. Da» Saiserpaar nimmt eigene Dienerschaft zur persönlichen Aufwar« tung mit. Der Sultan schickt eine bedeutende Militärescorte. Der Kaiser reitet, die Kaiserin fährt. In Jerusalem ist ein besondere» Lager für den Kaiser uud sein Gefolge aufgeschlagen, welche» ebenfall» au» Hunderten von Zelten besteht. Die Reisezelte werden hierzu nicht benutzt. In Jerusalem steht da» Lager auf deutschem Boden. Da» Gefolge de» Kaiser» zählt Hunderte von Personen, einschließlich der Beamten und mehrerer türkischer Prinzen, die den Sultan vertreten. Eine Leibgarde deutscher Truppen umgiebt da» Kaiserpaar- Saleem Pascha, mit 92 Paschas und Beamten wird die Anordnungen der türkischen Regierung für den Empfang des «aiserpaare» tn Palästina und für die Reise daselbst überwachen.
Ueber die Festtage in Lonstantinopel meldet der Draht:
An der zu Ehren deS Kaiser» geplanten Truppenschau auf dem Execierplatz nächst Uildiz werden theilnehmea: Eine combintrte Jnfanterie-Divifion, bestehend au» zwölf Jnfan- terie-Batailloneo, zwei syrischen Zuavenbatailloneu, zwei alba« nefischev Zuavenbatailloneo uud zwei Jägerbataillonen- ferner vier Lavallerte-Regimenter und drei Feldbatterten. Das Lommando über diese Truppen wird der Lommandant der 2. Garbe-Division Marschall Szchesket Pascha führen. Die Einübung der Truppen findet schon seit einigen Wochen statt und wurde schon zweimal Parade vor dem Sultan abgehalten. Sämmtliche an der Parade theilnebmenden Truppen werden vollständig neu ausgestattet. Sine besondere Aufmerksamkeit für den deutschen Kaiser b'ldet die neue Uniform der albane» fischen Zuavev, die In den deutschen Farben, schwarz, weiß und roth, gehalten ifL__________________________________________
Tie Ereignisse in China.
Der Einzug der Marinesoldaten der verschiedenen euro» päischen Großmächte In die chinesische Hauptstadt bildet das Gespräch de» Tage» in hervorragendem Maße, unb in der Thal ist diese» Ereigniß in mehrfacher Beziehung bemerkens- werth. Einmal zeigt e», daß die Mächte nicht gesonnen find, sich von der Ziehmutter de» depoffedirten Kaiser» nasführen zu laffen, und die Autorität der westlichen Cultnr aufrecht erhalten werden, andererseits aber ist da» gemeinsame Vorgehen der Staaten ein günstige» Zeichen dafür, daß bei den gegenwärtigen Wirren im Reiche der Mitte keine Macht daran benft, Sonderintereffen zu verfolgen. Wir haben in ber Türkei so oft da» Schauspiel erlebt, baß eine Einigkeit
Feuilleton.
Kumoristisch Wundschau.
Von Karl Geißler.
De Herbst is da! — mit wohlwollende Miene hott er aoch emal de letzte der diesjährige effendliche veranstaldunge, de« große Wettfahrn uff 'm Sporddlatz an de Hardt -uge- guckt- dann hott fich awer fei Aagtficht e biffiverännert nun hott fich in graue Newwel gehillt nun er holt e jedem Sonne- strahl verbodde, fich blicke ze Uffe, denn es war jetzt genug des grausamen Spiel» — er wollt sei Recht aach emal be« haubte! Dem Herbst zem Drotz hott daun grab am Schluß von de Badseffong deß „Gießener volk-bad^ sei wässerig Dasei begönne uuu hott fich -enechst gege e mäßig Tivdritts- gelb Dom Bublikurn aastauue lasse, waß zur Folge hott, daß deß BetriebSkabidal von dere Sctiegesellschaft um e Erkleck- liches gewachst is. Wenn die Frequenz von dem BolkSbad In Zukunft so bleibe dhut, wäi se in de paar erschte Woche zewese iS, so is ze hoffe, daß dann aach bene Wiusch ent» spräche werd, däi diejenige geäußert Howe, däi fich per Rad nach nun von dem Bad begewwe, nämlich e Hall noch ze erbaue, wo aerr die Fahrräder uunerbriuge kann. L efdere
Gestattung der Befichdiguug gege e meeßig Aadree unv die uff die Ard gesammelte Gelder, zu bene bereits vor be Er- Öffnung eingegangene (Sitrtttßgelber gelegt — daß kennt de Baufong abgäwe fer die Fahrräberhall!
E anner gemeinitzig Jnstidub hott aach sei Sorbe wibber geeffeub - ba» Stabtlheater!
Bann em nor en annähernd so große Besuch zu dheil werb, wäi dem BolkSbad, bann wer be Verfasser von bem Eigesandt blamtrt, der unser Stadt e Beispiel splehberger- ttcher Gleichgildigkele gegeiwwer künstlettsche Bestrewunge nennt. Ganz so schlimm, wäi's de Eisender macht, iffes nn grab doch net, wann ja nach zuxegewe wem muß, daß bei verehrungswirbige Bubligum manchmal e bische «ehr Jn- bnffe an Dag lege berft, wäi fich baß ja aach fer e Pro- vinzialhaapd«, Uneverschibeets-, Garnisongs- nun Hannelsftadt wal Gieffe nor geziemt. E jeder Gießer ehrt die Profeebe in sei« vadderland nun bezeigt Jndreffe fer alle kmstlerische Bestrewunge — awer se aach bhadkräsdig ze unnnerstitze, daß — läßt sein Dorschd net zu!
Daß Gieffe fich allmählich zur Großstadt entwickelt beweise net allaa die zahlreiche Neubaude unu ueuaagelegte Straß unu de wachsende Verkehr, sounern nach die zahlreiche Jwwersell, Rausereie nun Stechereie, däi fich im Verlauf von e paar Dag zugedrage hawe. Wcmn's so weider giht,
dann werd merr bahl in de Blätter nor noch Klage iwwer die zunehmende Unficherheit in unsere werdende Großstadt Gieffe verukmme unn die Stadtverordnete wem geneedhigt sei, dem verlange des Bollezeiamts Rechnung ze drage unn noch verschiedene Schutzmänner aazestelle, wenn aach an Dheil von be Bollezei in städttsche Händ Uoergange i».
Nach e längere Paus tritt bann nach Gieffe beß nächste Jahr wibber emal e Schitztfest! Schont etz werd mit de Borbereidunge aagesange unn merr kann iwwerzeugt sei, daß bei dem Fest Großardiges gebobbe werb, waß viel, viel Geld kost. T Maffe Berjer werru fich in be Dienst der gube Sach stelle um bem Fest zu e« richbige Glanz ze verhelfe, «aß ja recht loweuwerdh iS- awer warum hott fich Nie- «onb bezu gefunue, beß Jngeusest ze Stand ze bringe, deß doch immer ahn» von de glanzvollste unu scheeuste Feste war?
Aul onnere Stabt finn friher bie Mensche ebbelgeftreeret unn hawwe fich an uuserm Juqeudfest beß Muster abgeguckt, um'S behaaw bei fich aach eizefihrn unn mir! — mir wolle'» eischloffe loffe? Pesstmiste Mensche behaapte, be ahle Geist wer au» be Gieffer gewiche, merr sLH's in alle Sticke — solle däi Rächt behahle? ....


