des schriftlichen Examens zurückgrirettn, 7 haben die münd« ltche Prüfung nicht bestanden. Die Prüfung eines Laudidateu steht noch auS.
• • Bisrnarckjaale. Mit begeisterten Worten wendet fich die deutsche Studentenschaft tu einem Ausrufe au das deutsche Volk mit der Aufforderung, auf jeder Höhe im Vaterlande, die in einem gewissen Bezirk eine Rundschau bietet, eine BiSmarcksSule zu errichten, bereu ®He ein Feuerfaual tragen soll, damit „alljährlich au Bismarcks Geburtstag uud wenn sonst uns ein vaterländische- Fest bescheert ist, nach Sonnenuntergang es fich von Berg zu Berg erhelle mit Flammenschetu, dem großen Kanzler zu Ehren, der fortlebt tu deu Herzen seines Volkes. Mögen treue Leser allerorten in unserer deutschen Hetmath fich regen, tu jeder Stadt, tu jeder Gemeinde ein Ausschuß fich bilden, die» Werk deutscher Dankbarkeit zu fördern". Die Studenten« fchast selbst will sür fich an einem hervorragenden Ort zwei Säulen, außerdem aber in jeder Univerfitätsstadt eine Säule errichten und fordert alle alten Akademiker und Alle, die deu idealen Bestrebungen der deutschen akademischen Jugend ihr Wohlwollen entgegeubriugeu, zu Beiträgen auf. Die Bismarck« säulen sollen möglichst einheitlich ausgesührt werden. Kosten« freie Zusendung des Entwurfes und der Kostenanschläge für die Säule verlange man von stud. med, G. Ellermauv, Bonn, Schänzcheu. Auch Anfragen find au diese Adreffe zu richten.
• * Oberhesfifcher SefchichtSverein. Auf deu am 15. ds-, Abends 8 Uhr, tm Cas6 Ebel stottfiadtndeu Bortrag des H'.rru Geh. Hosraths Professor Dr. Siebrck: „Ueber literarische Händel in Gießen vor hundert Jahren" sei auch au dieser Stelle nochmals gebührend aufmerksam gemacht.
• • Loucertveretu. Das dritte Coneert dieser Saison mochte gewiß von allen Kuvstfreuaden unserer Stadt mit großer Freude uud regem Jntereffe erwartet sein- brachte es uns doch Mendelssohns schönes uud ergreifende- Oratorium Elias, wohl das bedeutendste Chorwerk dieses genialen Tondichters, drffeu Aufführung überall von der sachmännischeu Kritik als musikalische Grohrhat anerkannt wird, wenigstens da, wo wirklich qualitativ uud quantitativ die geeigneten Kräfte fich zur Wiedergabe vereinigen. So glücklich nun jede Stadt zu preisen ist, die fich derartige Geuüffe leisten kann, um so wehr muß man bedauern, daß in einer Stadt wie Gießen, wo fich sonst alle Factoren für ein gutes Gelingen vereinigen, der einzig würdige Platz süe die Aufführung, die hiefige Stadtkirche, vom Kircheuvorstand verweigert worden ist. Ueberall in deutschen Landen, wo derartige Concerte stattfiaden, pflegt man die Kirche als deu geeignetsten Auf« sühruugspllltz vorzuzieheu, selbst da, wo genügend große Coucertsäle existireu, und noch nie haben wir vernommen, daß ein Kirchenvorstand ohne triftige Gründe das Gotteshaus zur Abhaltung eine- solchen Concerte- verweigert habe. Wa» über die im vorliegenden Falle geltend gemachten Gründe bisher au die Orffentlichkeit gedrungen ist, kann als triftig uud stichhaltig nicht bezeichnet werden. Hoffentlich bringen die demnächst hierüber stattfiudenden Verhandlungen Klarheit in die Sache und laffeu dieselbe so endigen, daß Gießen in Zukunft vor der beschämenden Thatsache, sür geistliche Eon- c rte keine geeignete Stätte zu haben, bewahrt bleibt. Was die gestrige Elia--Aufführung anbetrifft, so erfüllte fie tu der Hauptsache die Erwartungen, die wir von ihr hegten. Daß Steiu'S Saal, in dem das Coucert abgehalten werden mußte, den Anforderungen, die man an ein modernes Coueertlocal stellt, in keiner Weise wehr genügt, haben wir bereits mehr« fach erörtert, uud sprciell auf das Conto der schlechten acustischen Verhältuiffe mag heute das geschoben werden, was uns au der Aufführnug nicht völlig zu befriedigen vermochte. Da» Hauptverdieust um da- Ganze hat unstreitig Herr Uni* verfitätsmufikdireetor Trautmaun fich erworben, der die gestrige Aufführung mit ganz besonders großen Opfern an Zeit und Mühe ermöglicht hat und dem wir gern die Siegespalme zuerkeuueu. Das Orchester, die verstärkte Kapelle de» hiesigen Regiment», und der academische Gesangverein thaten ihr Beste-, um durch williges Eingehen auf die Intentionen des Dirigenten die Aufführung zu einer würdigen zu gestalten. Bon den Solisten erwähnen wir in erster Linie die Vertreterin der Altpartie, Fräulein Brügel aus Heilbronn, deren klang« volle- Organ die acustischen Schwierigkeiten de» Coucertsaals am leichtesten überwand. Fräulein Hubert aus Cöln fang die Sopranparthie mit feinem Berständniß und schöner Tongebung, doch schien un- ihre Stimme in der Höge diesmal spröder al» bei ihren früheren Gastrollen in Gießen. Für die au dramatischen Effecten reiche Eliasparthie erscheint uns das kraftvolle Organ des Herrn Sisterman- etwas schwer- wenigsten- schien uu- der geschätzte Künstler in der Wiedergabe der verschiedenen Recitative mehrfach sichtlich Mühe zu haben. Ja der Wiedergabe der Arien leistete er Vorzügliches uud glauben wir somit nicht irre zu gehen, wenn wir die Hauptstärke de- Herrn Sisterman» im Lieder- und Arieufach suchen. Die wenig dankbare Tenorparthie hatte Herr Kammersänger Pichler übernommen, von dem wir überzeugt find, daß er unter befferen acustischen Berhältutffen fich weit größere Shmpathieen in Gießen ersuugen hätte, al» e- gestern der Fall war. Am Schluß unserer Besprechung betonen wir nochmals, daß namentlich die Leistungen de- Chors mustergültige waren und daß die ganze Aufführung in der Haupt* fache nur den Wunsch nach einer würdigeren Stätte offen ließ. Pr.
• • -dt. Stadttheater. Die am Samstag Abend als BolUvorstelluug gegebene Aufführung de» „Talisman" war ziemlich gut besucht. Die Darstellung kann leider nicht in allen Theilen als mustrrgiltig bezeichnet werden, was man doch bet einer Volk-Vorstellung erst recht erwarten darf. Herr Merker al- Owar, Herr Wilhelmi als Habakuk, desgleichen Herr Walter als Diomed, Herr Liebscher als Berengar und Fräulein Pauli als Rita standen auf der Höhe, Herr Dietzsch als Astolf und Fräulein Würdig als Maddaleua befriedigten weniger. Herr Werner war als Haushofmeister völlig in seinem Element- die übrigen
(Darsteller gaben fich redlich Mühe, ihren Rollen gerecht zu werden.
* • Stadttheater. (Sin paar recht vergnügte Stunden wurden gestern Abend gelegentlich der Aufführung der Operettenpoffe „Unfete Marine" von Mannstädt mit Steffen'scher Mufik den Theaterbesuchern geboten. Der Inhalt de» Stückes au und sür fich ist wie die meisten derartigen Machwerke ziemlich flach. Aber eine flotte Sprache, ge« schickt angebrachte Coupletts und nicht zuletzt die sür hiefige Verhältuiffe großartige Ausstattuug verhalfen der Poffe zu einem vollen Erfolg. — Bon deu Darstellern gefiel uns am besten der Vertreter der Hauptrolle, Herr Wilhelmi, als Friseur Kanuapel, der auch technisch seinem Handwerk alle Ehre machte. — Bon den Damen ist in erster Linie Fräulein Helene Schuhmann al- Flora zu neunen, die fich sowohl durch angenehme Stimme als auch durch packende- Spiel und glänzende Erscheinung au-zeichnete. Ihr reihten fich ebenbürtig an die Damen Fräulein Sitar di al- Selina und Frättetn Pauli al- Naschka. — Ganz besondere Erwähnung verdienen noch die Herren Merker al- Hau- Heller und Liebscher al- Föppel. Weniger in seinem Element schien Herr Dietzsch zu sein. — Der Chor „Unsere Marine" gelangte unter Mitwirkung einiger Mitglieder des „Bauer'scheu Gesangverein-" gut zu Gehör. — Der Besuch war in Anbetracht der verschiedenen Veranstaltungen, die gestern stattfanden, ein sehr guter. —e —
M Stadttheater. Felix Philippi'- neue- sensationelles Schauspiel „Das Erbe" wird Dienstag den 13. d. M. nochmal» ausgesührt. Der durchschlagende Erfolg der ersten Aufführung wird ohne Zweifel auch der zweiten einen regen Besuch sichern. — Mittwoch geht als Bolksvorstelluug Lesfings „Minna von Barnhelm" in Scene.
* * Coucerlverein. Die Mitglieder de- Concertverein- seien ans die morgen, Dien-tag, um 8 Uhr, im oberen Saale de- Casö Eb'l stattfiudeude außerordentliche Generalversammlung ausdrücklich aufmerksam gemacht. Die Aufführung des „Elia-" am Sonntag in Stein- Saal hat denn doch schlagend bewiesen, daß diese Räume für weihevolle Darbietungen absolut ungeeignet find. Wollen die Mitglieder nicht dauernd auf ernste musikalische Genüsse verzichten, so wögen fie zahlreich die Versammlung besuchen und dadurch bekunden, daß ein allgemeines Interesse vorliegt, zur Kirchenmusik auch die Kirche benutzen zu Nhfen. r*
Der hiefige technische Verein befaßte fich in einer zu diesem Zwrcke einderufenen Versammlung eingehend mit dem in Nr. 275 d. Bl. „Zur Verbesserung der Gießener Eisen« bahuvrrhältuiffe" überschriebenen Aufsatz und kam zu folgendem Ergebuih: Es wurde dankbar begrüßt, daß der genannte Aufsatz eine wiederholte Anregung gegeben hat, Schlitte zur Beseitigung der in unseren Eisenbahn* und Bahnhofs- verhältniffen in hohem Maße vorhandenen Mißstände in Erwägung zu ziehen. ES wurde nicht verkannt, daß ein Theil der Vorschläge wünscheuSwerth erscheint, daß aber auch ein Theil deffelbeu auS technischen und wirthschaftlichen Gründen auf ganz bedeutende Schwierigkeiten stoßen wird. Die Einmündung der oberhesfischen Linien in die Linie Frankfurt— Caffel im Süden bezw. Norden der Stadt ist schon vielfach tu Erwägung g'^gen worden, da die dermaltge Führung dieser Linien zur Zeit thatsächlich eine schwere Schädigung einer unserer schönsten und verkehrsreichsten Stadttheile bildet, doch dürften auch nach wie vor diesem Projecte schwere Bedenken entgegenstehen. Nachdem nach Fertigstellung der im Bau begriffenen umfangreich ru Geleiseerweiterungen innerhalb des Bahnhofs das Rangiren nicht mehr auf den die Frankfurter- und Liebigstraße schneidenden Geleisen stattfinden wird, dürfte die Hauptverkehrsstörung beseitigt sein. ES dürfte daher weder die Stadt noch die Eisrnbahnverwaltuug veraulaffung haben, wegen der wohl zur Zeit noch bestehenden, in absehbarer Zeit aber beseitigten BerkehrSsthruugeu ganz außerordentlich hohe Opfer zu bringen. Ebenso besteht nicht das geringste Bedürfniß in der Nähe de» Bahnhofs neues, jedenfalls enorm theures Bauterrain aufzuschließen, da durch den neuen Stadtbebauungsplan für viele Menschenalter günstigeres uud preiswürdtgereS Bauterraiu geschaffen wird. Die Verlegung de» CentralbahuhofS an die Stelle der jetzigen Anatomie ist, selbst wenn durch Abtragung der Gebäude des jetzigen Hauptsteueramts Anlagen geschsffen würden, nicht angängig, da diese Stelle keine genügende Ausdehnung in der Tiese gestatten wird resp. die in gerader Linie weitersührende Bahnhos-straße nicht den Verkehr vor dem Bahnhos aufnehmeu kann. Daß die jetzigen Bahnhoss- verhältniffe sehr mißliche find und alsbald Abhilfe geschaffen werden muß, ist der Eisenbahnverwaltung sicher bekannt und wird dieselbe auch hoffentlich die Verlegung des Bahnhofsgebäudes in- Auge gefaßt haben.
• • Oberhesfifcher Verein für Natur« und Heilkunde. In der Sitzung am 8. Decernber sprach Herr Privatdoeeut Dr. Köppe über die künstliche Ernährung des Säuglings und gewiffe Nachtheile dieser Ernährung. Entgegen der oft geäußerten Anschauung, daß heutzutage die künstliche Ernährung der Säuglinge ebenso leicht und sicher fei, als die natürliche, führte der Redner auS, daß eß nicht an dem sei, vielmehr immer noch die natürliche Ernährung an der Mutterbrust das beste ist, und eine künstliche Ernährung die natürliche als die normale, zum Vorbild zu nehmen hätte. Neue Methoden, nach denen sowohl die natürliche, wie die künstliche Ernährungsweise untersucht werden, geben Ausschluß darüber, daß zwischen beiden Ernährungsformen noch keine Uebereinsttmmuug besteht und auch, wie Nachtheile der künstlichen Ernährung vermieden werden können. Die Untersuchungen deS Vortragenden beziehen fich auf den Salzgehalt der Frauen- und Kuhmilch uud erfolgten durch Ermittelung der Gesrierpunktseruiedrigung und der elektrischen Leitfähigkeit beider Milcharten. Der Bortheil dieser Unter« suchungsmethoden liegt unter Anderem noch darin, daß nur wenig Untersuchungsmaterial nothwevdig ist, also von der ' Frauenmilch mehrere Proben eines Tages gesondert untersucht
f werden konnten, während z. B. die chemische Analyse viel Material braucht, und daher die Milch des ganzen oder mehrerer Tage gemischt zur Untersuchung kommt. Die praktischen Ergebniffe der Untersuchungen laffeu fich, kurz zu- sammengefaßt, in folgendem wiedergeben: Bei der natürlichen Ernährung an der Mutterbrust erhält der Säugling 1. zu den verschiedenen Mahlzeiten ganz verschiedene Mengen Milch, 2. ist die Milch der einzelnen Mahlzeiten verschieden in Bezug auf den Gehalt au Molekülen insgesammt, verschieden in Bezug aus den Salzgehalt, 3. bestehen größere Unterschiede in der Milch verschiedener Tage in diesen Punkten und 4. noch in Bezug ans den Gehalt an Eiweiß, Fett und Milchzucker. Im Gegensatz zu dieser reichhaltigen Abwechselung zwischen den einzelnen Säuglingsmahlzeiten bei der nmüt- lichen Ernährung ist die ans Kuhmilch im Soxhlet Apparat nach Vorschrift bereitete künstliche Säuglingsnahrung eine höchst einförmige und einseitige, da die Marktmilch, weil die Milch vieler Kühe gemischt wurde, eine außerordentlich gleich- mäßige, fich gleichbleibende ist. Da nun eine eintönige, einseitige Ernährung, auch wenn fie reichlich ist, bei Erwachsenen KrankheitSerschwerungan hervorrnst, wie z. B. da» Auftreten von Scorbut auf Schiffen, in Gefängnissen u. s. w. beweist, so liegt es nahe, sür die Gesundheitsstörungen der Säuglinge, welche mit Dauermilch genäbrt werden, für das Auftreten von Dyspepsien, Anämie, Obstipation und vor Allem der Barlow'schen Krankheit, de» Scorbut» der Säuglinge, diese falsche Ecnährung verantwortlich zu machen. Bei einer Umfrage unter 300 Arrzten konnte Prof. v. Starck (Kiel) ebtn» falls nur diese Ursache beß Entstehen- der Barlow'schcn Krankheit ermitteln. Für die Richtigkeit dieser Annahme spracht auch die Heilung der Krankheit bei einer Aenderung der Ernährungsweise. Während dieser Nachtheil der künstlichen ■ Ernährung wie er bekannt ist, fich leicht vermeiden läßt, haben die Untersuchungen außerdem noch dargrthan, daß l merkliche andere Verschiedenheiten drr Frauen- und Kuhmilch 5 bestehm, deren Beseitigung zur Zeit noch nicht möglich ift.
Solange aber die künstliche Ernährung der natürlichrn nicht absolut gleich ist, solange kann ohne gewichtige Gründe eine Mutter von ihrer Pflicht, ihr Kind selbst zu nähren, nicht entbunden werden.
• • Hessischer Laudwirlhschaftsrath. In den Tagen vom 4. bi- 7. Januar 1899 findet in Gießen aus Veranstaltung de» Hesfischen Landwirihschast-rath- ein Bortragseurs für praktische Landwirthe statt. ES werden hierbei von ersten Autoritäten und Sachverständigen Vorträge über die derzeit wichtigsten Fragen des laudwirthschaftlichen Betriebe» gehalten. Die Vorträge find jeweils Vormittag- von 10 bi« »/41 Uhr, hieran anschließend Di-cnsfionSstunde zur gegen- fettigen Aussprache der CurStheilnehwer unter fich und mit dem Referenten finden Nachmittags von 3—5 Uhr statt. Die TheilnahrnegebÜhr für sämwtliche Vorträge beträgt 5 Mk. Programm und Theilnehmerkarten find zu erhalten von der Geschäftsstelle de» Hesfischen Laudwirthschaft-rath- in Offen« bach a. M., Löwenfiraße 4.
nn. Darmstadt. 11. Decernber. Heute Morgen um 10 Uhr traten die Delegirten der Gewerbe.Vereine von Arheilgen, Darmstadt, Eberstadt, Griesheim, Nisder- amstadt, Roßdorf, Pfungstadt und Traisa im weißen Saal der „Stadt Pfungstadt" unter dem Vorsitz des Spenglermeisters Rockel zusammen, um den Bezirks-Verband Darmstadt der hessischen Gewerbeoereine zu gründen. Rach erfolgter Berathung der Satzungen und Bildung des Bezirks Ausschusses wurde Weißbindermeister Hillgärtner-Darmstadt zum Bezirks- Vorsitzenden und Weißbindermeister Grund-Pfungstadt zum Vertreter des Verbandes im Landesausschuß gewählt. Zum Stellvertreter desselben wurde Schloffermeister Ewald-Roßdorf ernannt. — Die Binger Baugewerbeschule in der Zahl von 100 Schülern und 9 Lehrern traf heute Morgen zur Be« sichtigung der Techn. Mustersammlung des Museums der techn. Hochschule sowie des städt. Electricitätswerkes hier ein. Die Mitglieder des Gewerbevereins hatten die Führung der jugendlichen Gäste übernommen.
A Mainz, 11. Decernber. Ein M.ßgriff der hiefigen Cnmmalpolizti, der einen Selbstmordversuch zur Folge hatte, bildet feit einigen Tagen hier das Tagesgespräch. Auf Grund der Denunciation eines jungen Mädchen» wurde am verflossenen Donnerstag ein hier fett Kurzem in Dienst befindlicher Schutzmann Namens Müller wegen eines angeb. lichen Sittlichkeit-Vergehen- durch die Criwinalpolizei gefänglich eingezogen, aber den anderen Tag auf Beranlaffnng der Staatsanwaltschaft sofort wieder in Freiheit gesetzt, da er feine Schuldlosigkeit vollständig Nachweisen konnte. Der verdächtigte Schutzmann Müller unterhielt mit der Familie des Mädchens, welches ihn benuncirt hatte, ein freundschaftlichrs verhältniß, und war die Denunciantin dem Beamten auch ziemlich zugethan, bis fie vor einigen Tagen ersuhr, daß er eine Braut habe, woraus die Denunciation gegen Müller wegen Nothzuchl erfolgte. Gestern that nun da» Mädchen, von dem die Denunciation ausgegangen war, einen verzweifelten Schritt, e» vergiftete fich mit Phosphor, und liegt nach Ansicht der Aerzte hoffnungslos darnieder. Ob das Mädchen sich ans verschmähter Liebe oder aus Furcht vor der zu erwartenden Strafe zu ihrem Handeln hat bewegen laffeu, ist vorerst noch unaufgeklärt, doch hat die Selbstmörderin ein verschloffenes Schreiben mit der Aufschrift: „Nach meinem Tode zu öffnen" hinterlaffeu, welches vielleicht zur Lösung des schwebenden Räthsels beitragen wird. Das Schreiben wurde der Behörde behändigt.
A Mainz, 11. Decernber. Bezüglich des jüagst erwähnten, von anderer Seite jedoch bestrittenen Verkauf» des Casteler Festungsgeländes wird uns von unserem Ge« währsmann mitgetheilt, daß ihm in Folge direkter Anfrage bet der Quelle, ans welcher die ersten Andeutungen kamen, die Mttthetluug geworden, daß die Firma v. d. Hehd, Kersten & Cie. in Elberfeld durch Mittelspersonen wohl mit de« MilttärfiScuß wegen Erwerbung de» Casteler FestungSgeländes t unterhandelt habe, diese Verhandlungen aber noch zu keinem


