Ausgabe 
13.10.1898 Zweites Blatt
 
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res Interesses. Sämmtliche Zeitungen erklären die Lage für ernst, drücken aber einfttmmtg ihre Befriedigung über Salis­burys Standpur kt aus und versichern, daß er im Ernstfälle das ganze Volk hinter sich haben werde.

Auf Kreta treffen die Admirale der vier Machte bereits Vorkehrungen zur angeblichen Ausführung von 3«ang«* * maßregeln. Nach einem in Kanea umlaufenden Gerüchte ist, falls die türkischen Truppen die Räumung Kretas nicht binnen vier Wochen bewerkstelligen sollten, von den vier Mächten eineeventuelle" Beschießung einzelner Städte mcetaS tu Aussicht genommen. Deshalb reisen auf Wunsch der Admirale die Familien der Consuln ab und verlaffeu andere fremde Unterthaueu auS diesem Grunde die Insel. Andererseits ist den Mohammedanern avgekündigt worden, daß nach dem Ab- zuge der türkischen Truppen die Admirale für den Schutz der gesammten Bevölkerung ohne Ausnahme Gewähr leisten und die Mohammedaner im Berhältniß zu ihrer Kopfzahl bei der Besetzung öffentlicher Aemter berücksichtigt werden würden. Aber mit echt östlicher Zähigkeit sucht die Pforte noch einen Aufschub zu erlangen. Wie nämlich der Minister des Seußern den vier Botschaftern mitgetheilt hat, wolle der Sultan die Zurückziehung der türkischen Truppen auS Kreta genehmigen, beanspruche dagegen, gestützt auf die Versicherung der vier Machte, seine Souveränität nicht zu verletzen, als Kennzeichen seiner Souveränität in einem Ort auf Kreta eine kleine Garnison. Die Botschafter versprachen in der That denn auch, ihren Regierungen zu berichten, doch ist die Antwort hierauf noch nicht eiugetroffen. TürktscherseitS hat man iudeß hierdurch eine Hinausschiebung erreicht und hofft auf diese Weise und durch eine weitere Verhandlung eine günstige Lösung zu erlangen. Inzwischen freilich verstärken die vier Mächte ihre Truppen auf der Insel sortgesetzt zu einer in ihrer Gesammtheit gar nicht so geringen Streit­kraft.

Locale- and provinzielles.

Gießen, 12. Octobber 1898.

Hinsichtlich der Bewerbung von Militarauwärter« um Anstellung im ReichS'Postdieuft har das Reichs-Postamt jetzt folgende neue Bestimmung erlaffeu: Die Ober-Post- direktioneu haben bet Meldungen solcher Militärauwärter auS entfernt gelegenen Bezirken, die bereits bet anderen Ober- Postdirektionen vorgemerkt find, dte Vermögeusverhältviffe besonder» eingehend zu prüfen und diejenigen Bewerber von der Aufnahme in die Aawärterliste auSzuschließeu, htufichtlich deren in Anbetracht ihrer gesammten wirthschaftlichrn Lage, der Größe ihrer Familie, der TheuerungSverhältuiffe des Bezirk» rc. die begründete Befürchtung aufkommen muß, daß sie bei einer Einberufung in Noth gerathen würden. Dte Bewerber au» entlegenen Bezirken, deren Vormerkung unbe­denklich ist, find darauf aufmerksam zu machen, daß fie nach erfolgter Anstellung auf Versetzung in andere Bezirke um so weniger zu rechnen hätten, als dadurch die für nur einen Bezirk vorgemerktev Anwärter geschädigt werden könnten.

Butzbach, 8. Oktober. Schon seit mehreren Wochen wird au der Burg Münzenberg eifrig gearbeitet, um dem immer drohender werdenden Zerfall der Burg Einhalt zu thun. Dte prachtvolle achuheiltge Fenstergalerte an der Südsette des romautschen Baur» war so verwittert, daß fie gewiß noch in diesem Sommer zusammengestürzt wäre- bet einem solchen Sturz aber wären sicherlich die gänzlich morschen Theile bis zur völligen Unkenntlichkeit zertrümmert worden. Aehnlich waren die Berhältniffe an den zwei schönen Fenstern des oberen Stockwerkes der Nordseite. Unter der umsichtigen Leitung des Herrn Baurath Groß in Friedberg sind deshalb, nachdem vorher noch sehr genaue photographische Aufnahmen gemacht worden waren, alle Säulen sorgfältig herunter- genommen und, soweit fie sich als nicht mehr aufftellbar er­wiesen, theilweise in Gip» abgegoffen worden. So ist die denkbar größte Garantie dafür geboten, daß dte danach an- gefertigten Ersatzstücke den ursprünglichen in der Form gleich find. Nachdem zunächst dte Fensterbänke ausgebeffert worden waren, ist man gegenwärtig damit beschäftigt, die Südgalerie wieder aufzustellen. Außerdem find noch andre Arbeiten auS-

mit Jagdscenerieu, welche da» Herz jede» Watdmanue» höher schlagen laffeu, schenkt man mehr als eine nur flüchtige Auf­merksamkeit. Mit welch liebevoller Aufmerksamkett find hier vom Maler die verschiedenen Specte» von Jagdthteren in fesselnden Exemplaren und Situationen festgehalten worden!

Neben den gemalten Erinnerungen finden sich auch dte realen Jägertrophäen, unter ihnen eine höchst eigenartige Kariofität: M Geweihe zweier verkämpfter Hirsche, dte sich auch tm verenden noch nicht voneinander lo-zulösen ver­mochten. Dem länger lebenden hat daun Fürst Ferdinand den Gnadenschuß gegeben.

Wenn man zur Herbstzeit, wo da» rothe Wetnlaub sich am grauen Mauergestein emporrankt, durch den tu hundert Farbeuschattirungen schillernden Schloßpark schreitet, der Blick dir feinen, von keinen Dünsten verschleierten seinen Silhouetten der den Horizont eiuschließeuden Hügelketten abläuft, da» Ohr auf da» gebieterische Röhren der Hirsche im nahen Wildpark lauscht, kommt über un» eine eigene weltversonneue, träume­rische Stimmung. Trotzdem nur einige zwanzig Schritt von nu» ein Schieneustrang läuft und jeden Augenblick da» Bahn- hosSsignal da» Idyll durchschnriden kann au» den weiten massiven Bogenthorev, die wir durchschritten, vom seierltcheu Pomp der Ritterhallen, in welchen die Erinnerung von Pfeiler zu Pfeiler unser Begleiter war, au» den lauschigen Nischen der Fürstensäle, in denen Bergangrvheit»zauber nistet find Geisterstimmen mit un» hinauSgrzogen in die Welt de» Alltagsgeräusche» und wirken noch lange, lange nach, indem fie un» eine Landschaft so sehen laffeu, wie Walter Scott fie sah: uwfloffen vom Zauberlicht einer fernen, für immer entschwundenen Romantik. Dr. M.

geführt worden- die westliche Hälfte desPalaS" ist aus- geräumt worden, so daß man erst jetzt recht fieht, welch schöner Raum da noch vorhanden ist- die Einfügungspunkte der Deckbalken find alle bestimmt und zweckmäßig herger'.chtet- sogar in die Mauern eingesetzt gewesene Balkeustücke, von denen man nur noch geringe Ueberreste vorfand, find er­neuert- Tbürschwellen und Treppeuausätze hat man freigelegt, unter Anderen auch dte breite, hübsch profilirte Stufe, von der aus die geharnischten Ritter fich aus» Pferd schwangen- kurz, man empfängt den Eindruck, daß hier mit großem bau- künstlerischem Geschick und zugleich mit der Pietät verfahren wird, wie eS einem solchen wundervollen Denkmal romanischer Bauweise gegenüber gewünscht werden muß. Auch die übrigen Theile der Burg bedürfen frhr der nachbeffernden Hand des Architekten, so vor Allem der edle gotische Nordbau, der mit seinen graziösen, dreithetligen Spitzbogenseustern in da» Städtchen hereinschaut. Und ebenso wird leider auch der obere Theil des westlichen Thurme» immer durchsichtiger, von größtem Werthe für dte Erhaltung aller dieser Theile würde e» sein, wenn sie mit natürlich stilgerechten, mög­lichst auS echtem, altem Material hergestellten Dächern versehen würden, denn Regen und Schnee find die schlimmsten Feinde des freistehenden Mauerwerke» und beginnen auch au den kaum erst reparirtea Theilen sofort wieder ihre unheim- licke Zerstörungsarbeit.

Liegnitz, 8. October. Hier hatten fich ein Fleischer und ein Gastwtrth, ehemals gute Freunde, entzweit, und um seinem Gegner etwa» am Zeuge zu flicken, ließ fich der Fleischer bei dem Gastwtrth einen Koruschnap» einschänken. Da dieser nur halbe Coucesfiou hat, d. h. Branntwein nicht auSschänken darf, so ging der Fleischer zu einem Schutzmann und denuucirte seinen gewesenen Freund. Die Folge war, daß Beide gerichtliche Strafbefehle über je 45 Mark erhielten. Beide erhoben Einspruch, worauf dieser Tage da» Schöffen­gericht denjenigen de» Gastwtrth» verwarf und die Strafe des Denuucianten auf 50 Mark erhöhte. Die Bestrafung de» Letzteren war erfolgt, weil er den Gastwirth zu der strafbaren Handlung verleitet hatte. Der vorfitzeude hob bei der Urtheilsverkündung hervor, daß dte Anzeige und die Art der Rache Zeichen einer gemeinen Grfiuuung seien und eine empfindliche Strafe de»halb geboten sei.

* In der Gewalt des Dalai-Lama. Der amtliche Bericht über die Abenteuer des englischen Forschungsreisenden Savage Landor in Tibet, ist jetzt in London erschienen. Es heißt darin u. A.:Plötzlich stürzten sich die Thibetaner auf Mr. Landor und seine beiden Diener Chanden Sing und Mansing, nahmen sie gefangen und feffelten sie. Alsbald begann ein Verhör der Opfer. Der Träger Chanden Sing kam zuerst an die Reihe. Man machte kurzen Proceß mit ihm und gab ihm 200 Peitschenhiebe. Für die Nacht wurden die Gefangenen getrennt. Am nächsten Tage wurden Landor und Mansing gefeffelt auf Pferde gesetzt, und im Galopp nach Gatschio gebracht. Unterwegs wurde an den Handschellen, die man Landor angelegt hatte, eine lange Leine befestigt, deren Ende einer der begleitenden Reiter in die Hand nahm und mittelst deren er, während der Ritt fortgesetzt wurde, versuchte, Landor aus dem Sattel zu ziehen, damit er unter den Hufen der nachfolgenden Pferde seinen Tod fände ein für die feige Grausamkeit der Tibetaner bezeichnender Zug; vor einer offenen Tödtung des Europäers schrecken fie zurück. Als Landor völlig erschöpft bei der Ankunft in Gelschio um einige Minuten Ruhe bat, antwortete man ihm höhnisch, diese sei überflüssig, er werde sogleich enthauptet werden. Er wurde darauf von mehreren Lamas gepackt, feine Beine so weit als möglich auseinandergezerrt und er mit nacktem Rücken so fest, daß das Blut hervorbrach, auf scharfkantige Pfähle gebunden. Alsbald ergriff ein Mann, den alleNerba" nannten, Landor bei den Haaren und ein anderer brachte ein rothglühendes Eisen seinen Augen so nahe, daß er erblinden zu müffen glaubte. Darauf kam einer mit einem scharfgeschliffenen Schwert, berührte mit der Schärfe Landors Hals, wie um die richtige Stelle zur Enthauptung ! herauszufinden, und führte dann einen sausenden Hieb dicht über den Kopf des Gefangenen hinweg. Diese Prozedur, bei der Landor unwillkürlich seine Todesstunde für gekommen halten mußte, wurde ein halbes Dutzend mal wiederholt.". . : Wie aus früheren Berichten erinnerlich, blieb Landor das Schlimmste erspart, er gelangte auf englisches Gebiet zurück, hat aber eine dauernde Schädigung seiner Gesundheit von den schrecklichen Strapazen davongetragen.

* Untergegaugrn ist vermuthlich mit allen an Bord be­findlichen Personen der am 29. September von Swansea nach Rotterdam abgegangene DampferCity of Bristol". An die Küste von Cornwall sind zwei Leichen und ein Boot angetrieben.

* Fund eine» Wikingerbootes. An der Südkante des Lebasees stießen einige Wiesenarbeiter beim Grabenauswerfen vor kürzerer Zeit auf ein altes Fahrzeug, welches der Grundbesitzer, Regierungsrath v. Somnitz, nunmehr im Bei­sein des Professors Lemcke aus Stettin hat freilegen lasten. Der sehr sorgfältig gearbeitete Schiffskörper war in seinen unteren Theilen in einer Länge von IS1/,. Meter vollständig vorhanden und so gut in dem Sande, der ihn überdeckt hatte, erhalten, daß ein Transport dieses tausendjährigen Schiffe» ins Museum nach Stettin, dem Herr v. Somnitz es zu überweisen beabsichtigt, ausführbar erscheint. Alle Bestand- theile des Fahrzeuges, das auf Kiel gearbeitet ist und besten Planken nach Art der Wikingerschiffe geklinkert find, bestehen nach derDanz. Ztg." aus Eichen- und aus Eibenholz. Die Nägel und Spunde sind besonders sauber geschnitzt. Die Abdichtung der Planken ist durch einen langfaserigen Wurzel­stoff geschehen. Einige Theile sind vermittelst Bindewerks befestigt. Im Hinteren Theil des Schiffes fand sich ein wendisches Gefäß, welchem das gleiche Alter zuzuschreiben ist, wie dem ganzen Schiff, das übrigens ebensowohl zum Rudern wie zum Segeln eingerichtet war. Wie die noch vorhandenen

Befestigungsanlagen zeigen, stand der Mastbaum auf der mittelsten von 11 Rippen.

Die Wiener Feuerwehr zu Rad. Der Wiener Stadt­rath hat in seiner jüngsten Sitzung 3000 Gulden aus­geworfen, um die städtische Feuerwehr mit Fahrrädern zu versehen. Außer Zweirädern sollen auch Vierräder zur Ver­wendung kommen, welch letztere zur Beförderung von Feuer- lösch-Geräthschaften dienen. Es soll damit bezweckt werden, daß bei kleineren Bränden das Ausrücken der großen Wagen vermieden wird.

* Das Wildem im Sachftnwalde nimmt in letzter Zeit wieder sehr überhand. Vor einigen Wochen wurden mehrere feingekleidete Herren von Forstbeamten ertappt, als sie ein erlegtes Reh in einem Reisekoffer zum Bahnhof zu schaffen bemüht waren. Neuerdings wurden wieder verdächtige Schüste im Walde gehört, worauf sich die fürstlichen Forstbeamten nach dem Orte begaben, wo man die Schützen vermuthete. Sie fanden und verhafteten dort einen Menschen, der sich an einer Stelle aufhielt, wo ersichtlich ein Stück Wild soeben ausgeweidet worden war. Er gab an, daß ein Anderer eben einen Rehbock geschossen und davon getragen habe. Die Beamten eilten zur Bahn und erfuhren, daß ein Mann soeben mit einem verdächtigen Packen nach Hamburg gefahren sei. Auf telegraphische Anfrage wurde dann auch auf dem Berliner Bahnhof in Hamburg der Betreffende mit dem erlegten Reh- bock abgefaßt und verhaftet.

* Vom weißen Rössel. Die letzte Nummer derDeutschen Bühnengenoffenschaft».Zeitung" enthält folgende Mittheiluvg: Der Wirth vom Weißen Rößl' ist gestorben". Da» ist die Hiob-post, dte an» der Stadt Laufen kommt. Dort haben die Verfasser de» zugkräftigen Lustspiele»Im weißen Rößl' die Anregung zu Stoff gesunden. Der Rößlwirth hieß Mathia» Aigatr.

Christoph Columbus' Gebeine werden nun nach langen Irrfahrten wieder in ihre Heimath zurückbefördert werden. Genera! Blauco, der letzte spanische Statthalter von Cuba, hat dieser Tage einen Befehl'erlassen, wonach der Sarkophag mit den Ueberresten de» großen Entdecker» von seinem Posta­ment entfernt werden soll, damit eine feierliche Uatersnchung der Gebeine stattfinden kann, ehe ;fie zur Verschiffung nach Spanien verladen werden. Bekanntlich besteht ein Zweifel, ob da» Hauptheiligthum de» Dome» an der Plaza de Arma» in Havannah wirklich die Gebeine Christoph Columbus' und nicht die eines feiner Verwandten birgt, von denen einige, wie fein Sohn Diego, fein Bruder Bartolomeo und mehrere Enkel gleich ihm in der Cathedrale von Santo Domingo auf Haiti betgesetzt waren. Columbus hatte vor feinem Tode angeordnet, mau solle seine Leiche nach Westtudien bringen und in der ersten großen Kirche der neuen Welt, eben jenem Dome von Santo Domingo, bestatten. Indessen brachte mau den Leichnam erst zu den Frauzirkanern nach Valladolid, sieben Jahre später in» Kloster der Santa Maria de la» Cueva» nach Sevilla, und dann erst erinnerte man fich seine» Wunsches und überführte den Sarkophag, 31 Jahre nach dem Tode, nach Haiti. Al» dann der Baseler Friede 1795 zwischen Spanien und Frankreich die Abtretung Haiti» an die franzöfische Republik verfügte, nahmen die spanischen Behörden ihren Columbu» mit nach Cuba, wo er im Dome zu Havannah mit großen Feierlichkeiten beigesetzt wurde. Achtzig Jahre darauf, d. h. vor etwa zwanzig Jahren, wurde in Sarno Domingo ein bi» dahin unbeachteter Sarkophag au» einer vergessenen Gradkammer anfgestöbert, den man in Haiti für den echten Columbus erklärte. Wie dem auch fei, die Spanier halten au der jetzt im Dome zu Havannah be­findlichen Reliquie als ihrem größten Schatz in ganz West- Indien fest, und die Untersuchung der Gebeine wird eine der letzten Haupt- und StaatSactioneu unter der gelbrothen Flagge sein. Der Generalstatthalter selbst, der Erzbischof, der Justtzmtntster, der Dompfarrer, ein Ausschuß aller Militär­behörden und der Civilverwaltung werden der feierliche« Oeffnung deS Sarges durch den Colonialbaumeister und der Prüfung seines Inhaltes durch den PhysicuS beiwohnen» Die frommen Spanier, dte ihren Columbu» wie einen Heiligen verehren, wird der Besitz seiner sterblichen Ueberreste leicht über den Verlust der Perle der Antillen trösten, denn die Perle dieser Perle war eben Cristobal Colon» Scelett.

* Hebet da» Alter der Landenge von Panama hat der amerikanische Geologe Hill eine neue Arbeit veröffentlicht, welche die Frage in ihren wesentlichen Punkten zur Ent­scheidung bringt. Früher gingen die Meinungen darüber auseinander, ob da» nördliche und da» südliche Amerika bi» in dte ältesten Zetten der Erdgeschichte in Zusammenhang gestanden hat, vielleicht sogar durch eine brettere Landver- htndung al» heute, oder ob die Landenge von Panama erst in neuer Zett fich au» dem Meere, da» früher die beiden Erdihetle trennte, emporgehoben hat. Die geologischen Unter­suchungen haben e» schon vor einiger Zett genäß gemacht, daß die letztere Anficht die richtige ist, aber über dte Zeit, tn der die Landverbtnduug hergestellt wurde, war man noch nicht ganz im Klaren. Nach den Schlüffen von Maack soll dte Landenge ganz neuer Entstehung fetn, wetl angeblich ans ihrer höchsten Erhebung Meerrsmuscheln zu finden find, dte dem letzten Abschnttte der Erdgeschichte angehören. Daß eine Verbindung zwischen dem Mexicanischen Golf und dem Stille» Oceau an dieser Stelle noch vor nicht allzu langer Zett be­standen haben muß, wurde auch durch eine gewiffe Aehnlich- keil in der Thierwelt beider MeereStheile nahegelegt. Die neuesten Forschungen haben nun gezeigt, daß diese Aehnlich- ketten tn der Thierwelt de» Caratbtschen und deS Pacifischev Meere» doch nicht so groß find, wie man bisher angenommen hat- die Gattungen der MeereSthiere find allerdings z» beiden Seiten der Landenge tm Allgemeinen dieselben, Arten aber find verschieden. Hill hat durch feine sehr ge­nauen Untersuchungen an Ort und Stelle das größere Alt« der Landenge von Panama bestätigt gefunden. Er ist z» dem Ergebntß gekommen, daß das nördliche und das südlich« Amerika wenigstens seit der Periode des Oltgocän miteinander verbunden gewesen find und daß schon seit der Jura-Zt^