gefertigte Decret überreiche, beglückwünsche ich Tie zu dieser wohlverdienten Auszeichnung uud gebe zugleich der aufrichtigen und herzlichen Freude Ausdruck, die ich darüber empfinde, daß es mir vergönnt ist, einem von mir allezeit besonders hoch verehrten Collegeu diesen Beweis Allerhöchster Gnade übermitteln zu dürfen. Mit den besten Wünschen für den Verlauf Ihres Ehrentages, wie für Ihr ferneres Wohlergehen, verbleibe ich unter der Versicherung ausgezeichnetster Hochachtung
Ihr ergebenster
Dittmar, Mtuisterialdireetor.
Auch der Vorstand der Anwaltskamwer übermittelte Herrn Geh. Justizrath Batst seine Glückwünsche in folgendem Schreiben:
Darmstadt, den 7. Mai 1898.
Sehr geehrter Herr College!
Ihnen zu dem heutigen bedeutsamen Festtage die herzlichsten Glückwünsche deS Vorstandes der Anwalt»- kammer darzubringeu, ist eine der angenehmsten uud erfreulichsten unter allen uns seit langer Zeit obgelegenen Aufgaben. Der Rückblick eines Anwalts auf ein halbes Jahrhundert der Pflege uud Anwendung des Rechts ist an sich schon ein seltener und erhebender/ wenn der Anwalt sich aber sagen darf, daß er iu dieser laugen Zeitperiode die RechtSübuug mit voller Treue uud Gewissenhaftigkeit und allseitiger Anerkennung pflegte, so muß der Rückblick als ein stolzer und beglückender bezeichnet werden. In dieser ehrenden Lage befinden Tie sich/ die fünfzigjährige Ausübung der Rechtspflege war eine Gunst des Schicksals, aber die pflichttreue Ausübung Ihres anwaltlichen Berufs Ihr Werk, e» folgte ihr die allgemeine Anerkennung nach, fie ward durch eine Auszeichnung unserer Landesjustiz- Verwaltung gebührend gewürdigt, fie war es, die Ihre mehrfache Berufung in de» Vorstand der hesiischen An- waltSkammer seitens Ihrer Collegen herbeiführte. Wir, die Mitglieder des Vorstandes, können am sichersten bezeugen, daß Sie des Amtes sorgsam, unparteiisch und mit dem Bestreben gewaltet haben, die Würde unseres Standes zu wahren, sein Ansehen zu heben. So spricht Ihnen denn am heutigen Ehrentage der Vorstand der Auwaltökammer aus freudigem Herzen die wärmsten Glückwünsche aus und reiht an fie die Hoffnung uud den Wunsch, daß Sie noch lauge rüstig uud schaffensfroh, geehrt und beliebt in unserer Mitte weilen möchten.
Mit ausgezeichneter Hochachtung
für der Vorstand der AuwaltSkammer:
Metz I, Vorsitzender. E. Scho edler, Schriftführer.
Auch wir bringen dem Herrn Jubilar unsere besten Wünsche dar in der Hoffnung, daß w noch viele Jahre inmitten der Bürgerschaft Gießens sich des wohlverdienten Ansehens erfreuen möge.
• * Historische eommifflou für Hesteu uud Waldeck. Am 7. Mai fand iu der Universität zu Marburg die erste Jahresversammlung der Historischen Commission für Hessen uud Waldeck statt, der eine VorftandSfitzuug am selben Tage voraugiug. Neben den in Marburg ansässigen Patronen und Mitgliedern waren von auswärts erschienen u. A. die Herren Obercouststorialrath Rohde uud LandeSbankrath Freiherr Wolff von Gudenberg aus Kassel, Oberbürgermeister Dr. Antoni aus Fulda, LandgerichtSrath Dr. Brandt und Prof. vr. Tuchier aus Hanau, Oberbibliothekar Dr. Haupt, Prof. Dr. Höhlbaum, Geh. Hofrath Prof. Dr. Oncken aus Gießen, Pfarrer Heldmaun aus Michelbach. Der Vorsitzende Prof. Freiherr von der Ropp theilte zunächst die erfreuliche Thatsache mit, daß die Commission iu den 9 Monaten ihres Bestehens 3 Stifter uud 34 Patrone gewonnen habe, deren Namen der demnächst tu Druck erfcheineude Jahresbericht veröffentlichen wird. Die Einnahmen in dem am 31. März endenden Finanzjahre beliefen sich auf 5027 Mk., von denen 1500 Mk., die Hälfte der Stifterbeiträge, statutengemäß capitalifirt wurden. Die Ausgaben für GrüudungSkosten, Verwaltung und wisseufchaftliche Arbeiten bezifferten sich auf 1271 Mk. Da eine Reihe von Bewilligungen erst vom April d. I. ab laufen, so wird sich die Einnahme aus PatrouatSbeiträgen im zweiten Finanzjahre auf 4750 Mk. stellen, die sich jedoch hoffentlich durch den Zutritt weiterer Patrone erheblich vermehren wird. Nachdem dem Schatzmeister, Herrn Geh. Archivrath Dr. Köunecke, die Entlastung für seine Rechnungsführung ertheilt war, wurde der Provinzialdirector von Ober- heffen, Herr Geh. Rath Freiherr Max von Gagern in Gießen, zum Mitgliede des Vorstandes gewählt, uud zu Mitgliedern der Commission ernannt die Herren Prof. Dr. Brandi, Marburg, LandgerichtSrath Dr. Brandt, Hauau, Rudolf von Buttlar auf Elberberg, Dr. Diemar, Marburg, Dr. Dieterich, Gießen, Oberlehrer Flach, Biedenkopf, Freiherr Max voa Gagern, Gießen, Director Prof. Dr. Goldman«, Friedberg, Dtrector der köuigl. preuß. Staatsarchive Geh. Ober- regieruugSrath Prof. Dr. Koser, Berlin, Prof. Dr. Niese, Marburg, Oberlehrer Dr. Reichard, Wtlduugen, LandgerichtS- rath Dr. Schäfer, Gießen, Geh. Archivrath Dr. Vrltmau, Wetzlar. — Die Berichte über den Fortgang der bereits begonnenen wtffeuschaftlicheu Unternehmungen lauteten durchweg recht befriedigend. Von dem Fuldaer Urkundenbuch wird, wie der Bearbeiter, Herr Prof. Dr. Taugl, Berlin, hofft, der erste Band im nächsten Jahre den Mitgliedern vorgelegt werden können. Die Arbeit an den LandtagSacteu, die Herrn Dr. Glagau übertragen ist, schreitet rüstig voran, uud auch die Herausgabe der hessischen und waldecktschen Chroniken wird voraussichtlich rasch gefördert werden, nachdem der Herr CultuSmiuister auf die Bitte der Commission uud deren Befürwortung durch das Proviozial-Schulcollegium dem einen Bearbeiter, Herrn Oberlehrer Dr. Ptstor in Kassel, einen halbjährigen Urlaub für den Winter 1898/99 bewilligt, uud
Herr Dr. Diemar, Marburg, die Bearbeitung der Gersteu- bergischeu Chroniken übernommen hat. Für die Regesten der Landgrafen und daS historische OrtSlexikou sind die Herren Geh. Archtvrath Könuecke uud Archivrath Reimer unausgesetzt thätig gewesen, so daß auch für diese Arbeiten ein Abschluß tu nicht zu ferner Zett erwartet werden kann. Zu diesen gleich bei Gründung der Commission vorgesehenen Unternehmungen wurde weiterhin die Herausgabe von städtischen Urkundenbücheru und eines hessischen Trachtenbuches beschlossen. Die Reihe der ersteren, für die man wohl mit Sicherheit auf die besondere materielle Unterstützung Seitens der städtischen Behörden rechnen darf, sollen die Urkundenbücher der wetterauischen Reichsstädte eröffnen/ für das Trachtenbuch hat Herr Geh. Rath Prof. Dr. Justt seine umfassenden Sammlungen zur hessischen Trachtenkuude in liebenswürdigster Weise der Commission zur Verfügung gestellt und es übernommen, Herleitung uud Geschichte der einzelnen Trachtstücke au der Hand von zahlreichen Btldertafelu zu erläutern. Eine ganz besondere Ueberraschung hatte die N. G. Elwert'sche UniverfitatS-Buchhandlung der Jahresversammlung bereitet durch Ueberreichuug einer eigenen Festschrift. Sie enthält die trefflich gelungenen Nachbildungen der von Wilhelm Dilich iu Holz geschnittenen uud seiner handschriftlichen Beschreibung der Stadt und Universität Marburg beigefügten Bildniffe von 64 Marburger Rectoren uud Profefforeu des 16. und 17. Jahrhunderts: der erläuternde Text rührt vou Herrn Prof. Justt her. Die Schrift, für welche die Versammlung Herrn W. Braun ihren warmen Dank aussprach, wird den Stiftern, Patronen und Mitgliedern zusammen mit dem Jahresbericht zugeheu.
* * Fleifcher-Berbaudltag. Am Sonntag fand in F u l d a der Bezirkstag des 22. BeztrkSvereinS im deutschen Fleischerverbande statt. Zu demselben hatten sich zahlreiche BerufSgenoffeu au» dem Bezirk, der beide Hrffen, Naffau, die Regierungsbezirke Cobleuz und Trier und das Fürsteu- thum Waldeck umfaßt, eiugefuudeu. Nachmittags 2 Uhr begannen die Beratungen. ES referirten die Herren Lantz- Darmstadt über eine erneute Eingabe an den KriegSmiutster, betr. die Lieferungen für das Militär/ Herr Falb Mainz über eine Eingabe an den Reichskanzler, betr. Verwendung von ConservirungSmitteln/ Herr Marx Frankfurt über die Fleischerschule in WormS/ Herr HeeS-WteSbaden über die Frage, ob freie oder ZwangStuuuugen zu erstreben seien/ Herr Lantz-Darmstadt über die Herausgabe einer Zusammenstellung der Namen der einzelnen Fleischstücke durch den Verband/ Herr FalbMaiuz über die Bestellung von Sachverständigen/ Herr Pirr-Gießeu über die Herbeiführung einer DeclarattonSpflicht für amerikanische Fleischwaareu/ Herr Heß-Maiuz über die Redactiou der durch die BerbaudSbe- schlüffe uothweudig werdenden Eingaben durch die Antragsteller. Der bisherige Vorstand wurde darauf wiedergewählt. Für den nächsten Verbandstag wurde Wiesbaden bestimmt.
* * Katholikeu-Verfammluug. Sonntag den 22. Mat findet in Friedberg im Saalbau eine Katholikeuversamm- luvg für die Provinz Oberheffen statt. Der CenrruwS- candidat, Rechtsanwalt Schmitt vou Mainz, sowie JustitutS- vorsteher Kübel von Gießen und andere Redner werden erwartet.
* • SpielcurfuS. Auf Bsraulassuug des Central-AuSfchuffeS zur Förderung der Volks- uud Jugendspiele tu Deutschland findet in Frankfurt a. M. vom 23. bis 28. Mai etnschl. ein CursuS zur Ausbildung von Lehrerinnen im Jugend- uud Volksspiel statt. Die Theiluahme an demselben ist kostenfrei. Anmeldungen find an Turuinspector Weidenbusch, Frankfurt a. M., zu richten.
* ♦ Ausstellung vou Hunden aller Raffen am 18. uud 19. Juni zu Gießen. DaS Programm für die Ausstellung liegt uns heute vor, und find im Ganzen 595 Klaffen ausgeschrieben/ davon entfallen 335 auf Jagdhunde und 260 auf LuxuShunbr. Wie uns witgetheilt wird, liegen bereits sehr viele Anmeldungen vor. Die Bildung eine« Ehrsucomitös ist iu Vorbereitung, uud findet eine Sitzung deS geschäftS- führenden AuSschuffes zwecks Bildung von Sonderausschüssen Donnerstag den 12. ds. MtS., Abends 81/, Uhr/^im Restaurant Royal (ElgeS) statt.
* * Freibad. Der Bademeister des städtischen Freibades an der Lahn ist seit Montag wieder in Dienst, um da« Bad herzurichten uud vor allen Dingen den waghalsigen Buben zu wehren, welche trotz deS für da» Baden gefährlichen Wasserstandes in das nasse Element hinein wollen.
* • Umbau. Am Uebergang der Frankfurterftraße über die Oberhesstsqe Eisenbahn ist daS höchst unschöne Bretter- Häuschen abgebrochen uud seit gestern durch ein recht geschmackvolles Wellblechhäuschen ersetzt.
* * Gewerbeschuliufpector. Für die gesammteu Gewerbeschulen des Landes soll nnumehr vou Seiten der Großherzoglichen Ceutralstelle ein besonderer Gewerbeschuliufpector bestellt werden. Nach einem von dieser Stelle aus erlasseneu Aue- schrciben soll dieser Gewerbeschuliufpector zunächst ein Gehalt bis zu 4000 Mk. beziehen, außer den Tagegeldern uud Reisekosten. Der Bewerber soll ein wissenschaftlich gebildeter Techniker sein, welcher im Gewerbeschulwescu practifch erfahren und mit den Verhältnissen deS Handwerkerstandes vertraut ist. Die Stelle soll bereits am 1. Juli d. I. besetzt werden.
* • Patentanmeldungen B. 21393. Einrichtung für Heißluft-, Dampf- und Wasserbäder. Dr. Theodor Büdingen, Mainz, Rheinstr. 71. — B. 21146. Stetnschletfmaschine. Ludwig Best, Darmstadt. — H. 19 364. Zum Befahren von Et» oder Schnee dienender Radreifen. Henry Hirsch, Mainz, Fuststr. 17. — G. 12120. Typeuverschiuß für Plowbtrzangen, Cuptrzaugen u. dgl. Jean Goebel, Darmstadt, Griesheimer Weg 25.
* Der Evangelische Kirchengefaugverei« für Heffen beging am Sonntag in Londorf da» 19. KtrcheugesangSfest, daS mit der Generalversammlung deS Vereins verbunden war. Um 10 Uhr vormittags begann, einem Berichte der
„Darmst. 3tg." zufolge, iu der dortigen Kirche die Hauptprobe, zu der die Ktrcheugesangvercine von Allendorf a. d. L., Alsfeld, Beuern, Flensungen, Gießen, Grüuberg, Holzheim, Lardenbach uud Londorf deu stattlichen Chor von über 350 Stimmen gestellt hatten. Dieselbe wurde vou Herrn Ktrcheumusikmeister Arnold Mendelssohn geleitet. Darauf fand die Generalversammlung deS Vereins statt. Nach dem vou dem VereinSvorsitzeuden, Herrn Wirkt. Geheimerath D. Hallwachs Exc., erstatteten Jahresbericht besteht der hessische Landesverein gegenwärtig aus 106 OrtSvereinen uud 9 Chorschulen. Nach der für daS BeretnSjahr 1897 gestellten Rechnung betrug die Gesammteinoahme, einschließlich der Beiträge vou Vereinen, Chorschulen und Einzelmitgliederu (im Betrage vou 351 Mk. 01 Pfg.) im Ganzen 629 Mk. 65 Pfg. der eine GesammtauSgabe von 567 Mk. 88 Pfg. gegenüber steht, sodaß ein Rest vou 61 Mk. 77 Pfg. verbleibt. Hierzu kommen noch zahlreiche rückständige Zahlungßbeträge mit ungefähr 80 Mk. 45 Pfg. DaS Gesammtvermögen deS Ber- eius beläuft sich zur Zeit auf 3102 Mk. 61 Pfg. Nachdem der Vorsitzende auf die Gefahr htngewiesen hatte, daß die Vereine auf daS selbstständige Concertiren mehr Gewicht legten, al» auf die Mitwirkung beim Gottesdienste uud wiederholt nicht uur die Mitwirkung bei kirchlichen Festen, sondern auch, wenigsten» einmal im Monat, bei deu gewöhnlichen Gottesdiensten empfohlen, wurde der Vorschlag, daß der Vorstand die Vereine alljährlich zu kurzer Berichterstattung über ihre Thätigkeit aufforderu solle, einstimmig angenommen. Zum Schlüsse der Generalversammlung hieß Herr Pfarrer Weber Namen» der Kircheugemeinde Londorf alle erschienenen auswärtigen Vertreter herzlich willkommen uud sprach insbesondere Herrn Wirkt. Geheimerath HallwachS Exc. und Herrn Kircheumufikmeister Mendelssohn deu Dank für ihr Erscheinen auS. Nachdem im Gasthaus „Zur Stadt Gießen" gemeinsam ein Mittagessen eingenommen war, fand um 2 Uhr der Fest- gotteSdienst in der Kirche statt. Die Festansprache hielt Herr Pfarrer Bogel von Seehetm über den Text Psalm 126, 3. Der Chor der neun Vereine sang sieben Chornummern, von denen Felix Mendelssohn» „Ehre sei dem Vater", die Choräle „Macht auf daS Thor der G'rechtigkeit", „Gott, laß Dein Heil uv» schauen" und „Macht, Ruhm uud Hoheit immerdar" eineu besonder» tiefen Eindruck erzielten. — Eiue gesellige Bereinigung im Gasthaus „Zur Stadt Gießen" bildete am Nachmittag den Beschluß de» schönen Feste». Bei derselben brachte der Vorsitzende, Herr Wirkt. Geheimerath D. HallwachS Exc., daS Hoch auf Se. Köuigl. Hoheit den Großherzog au». Weiter wurden Toaste auSgebracht auf den Herrn Vorsitzenden, von diesem auf den Evangelischen Kirchen- gesangverein, ferner auf Herrn Ktrchenmufikdirector Mendelssohn, die Dirigenten der neun Vereine, auf die Frauen rc.
Freiensteinau, 8. Mai. Bon einem recht unliebsamen Jagdabenteuer kann ein hiesiger Jäger erzählen. Derselbe sah dieser Tage auf 67 Meter vor sich einen Rehbock auf einem Raine innerhalb einer Fichtenschonung sitzen. Nach dem Schuß lag der Bock und schlenkerte nach Art verendender Thtere mit den Hinterläufen/ er schlenkerte auch noch, als ihn der Schütze au einem Hinterlauf ins Freie zog. Hier augekommen, traf der freie Hinterlauf mit seiner scharfen Klaue die Hand des Jäger», daß er lo» ließ und sich mit feiner geschundenen Hand zu rhun machte. Während dessen tackelte der Bock auf und dem Dickicht zu/ ihn sollte eine zweite Kugel strecken. Aber da will eS das Ungemach, daß der Schuß zu früh lo» geht uud — Roß und Reiter sah mau niemals wieder.
* Kassel, 9. Mai. In hiesiger Gegend, insbesondere im Stromgebiet der Fulda, Eder, Diemel und Oberweser haben Hochwasser und Ueberschwemmung seit Samstag Nacht ungeheueren und unberechenbaren Schaden angerichtet. Die am Carlsauepark errichtete hölzerne Brücke über die Fulda für das Militär ist von den Fluthen weggeriffen, die verschiedenen Flußbadeanftalten ganz oder theilweise vernichtet. Das Zerftörnngswerk, das in den Dörfern ungerichtet worden ist, die oberhalb und unterhalb Kassels an der Fulda liegen, ist nicht zu beschreiben; einen schwachen Begriff erhält man davon, wenn man die Trümmerhaufen und Thierleichen erblickt, welche die tosenden Fluthen mit sich führen. Darnach find namentlich viel Schweine, Ziegen, Lämmer, Gänse, Hühner u. s. w. umgekommen. Ganze Berge von Dielen, Balken, Brettern u. dergl. m. werden angeschwemmt. . In dem Fuldahafen hier schwimmen allein 20—30 Thiercadaver umher. Die Felder und Fluren an allen niedriger gelegenen Stellen des ganzen Fuldathales stehen unter Wasser und gleichen großen Seen. Der Schaden, den die Landwirtschaft erleidet, ist ganz enorm. Am schlimmsten ist den Gartenbesitzern vor den Thoren, den Gärtnereien mitgespielt, alles ist hier vernichtet, verwüstet, versandet. Der herrliche Carlsauepark ist nicht wieder zu erkennen; er steht fast völlig unter Wasser, an den niedrigeren Stellen reicht das Hochwasser bis an die Aeste, der Verkehr ist unterbrochen. Gegenüber der Karlsaue am rechtseitigen Ufer ist die Fulda ausgebrocheu und hat die Leipziger Vorstadt theilweise Überschwemmt, so den Siechenhof, die Leipziger Landstraße, so daß der Verkehr nach Bettenhausen und dem Bahnhof nur mittelst Kähnen und Wagen aufrecht erhalten werden kann. Der Hafen ist ebenfalls überschwemmt, ebenso die Bleichen und Straßen gegenüber dem Hafen u. s. w. Die Bewohner verschiedener Häuser an der Mombacherftraße, wo ebenfalls alles unter Wasser steht, waren so gefährdet, daß sie Nochschüffe ab- feuerten, worauf die Feuerwehr alarmirt wurde und die Bewohner in Sicherheit brachte. Die Keller stehen bis unter die Decke voll Wasser, auch in den nicht direct inundirten Straßen. — Aehnliche Hiobsposten kommen aus dem ganzen Fuldathale u. s. w. (Darmst. Ztg.)
• Zur Warnung. Vou einem Darmstädter Herrn ging den „N. Hess. VolkSbl." die folgende Warnung zu: Bor etwa drei Wochen machte bei mir eine sehr elegant iu Trauer gekleidete Dame Besuch, stellte sich al» Gattin deS nuheil-


