barem Wahnsinne verfallenen Schriftstellers X. vor, legitimirte sich als solche durch eine mit Dienstsiegel beglaubigte Empfehlung der Bürgermeisterei als würdig und bedürftig, außerdem durch ein gleichfalls uuterfiegelteS Document einer Irrenanstalt, worauf ich der Dame eine Unterstützung gab. Vor acht Tagen erschien wieder eine vornehme Dame bet mir, stellte sich als die Gattin eines ProfesiorS vor, welcher durch ein unheilbares Luugenletden mittellos geworden und sich mit seiner Familie In größter Roth befinde. Durch 6c« glaubigte Papiere war dieselbe wohlthätigen Menschen zur Unterstützung empfohlen. Die Sache kam mir wohl ver« dächtig vor, doch die Dame verstand so sehr die unglückliche Gattin und Mutter zu iptelen, daß ich in die Liste, welche etwa schon 50 bis 60 Mk. an Beiträgen zu 5 Mk enthielt, ebenfalls einen Beitrag zeichnete und verabfolgte. Einige Tage später erhielt ich durch die Post ein Bittgesuch uebst beglaubigten Papieren eine» durch Krankheit in Noth ge« kommenen Kaufmanns und in demselben Augenblick brachte mir mein Bruder, in der Meinung, daß der Brief für mich bestimmt sei, ein zweites Bittgesuch eines durch Krankheit verarmten Malers. Zu unserer beiderseitigen Ueberraschung erkannten wir, daß die verschiedenen Bittgesuche von einer Hand herrührten, Documente und Siegel also gefälscht waren. Ich übergab diese der Polizei und weder Kaufmann noch Maler, welche jedenfalls den in der Nähe meines Hauses postirten Schutzmann erkannten, haben ihre Papiere abgeholt. Die beiden eleganten Damen scheinen zu derselben Gesellschaft zu gehören. — Vielleicht debuttreu die Damen auch in Gießen und Umgebung und dann wird die Warnung vielleicht mithelfen können, bnen daS Handwerk zu legen.
Ae«este Nachrichten.
Depeschen deS Bureau „Herold".
Mainz, 11. Mai. Heute Nacht 1 Uhr ist Bischof Dr. Komp-Freiburg an den Folgen eines Schlagaufalles gestorben. Ec war auf der Reise von Fulda nach Freiburg begriffen, wo am Donnerstag seine Jnthrouifiruug erfolgen sollte. Gestern traf der Bischof in Begleitung von zwei Fuldaer Dom-Capttularen hier ein. Auf der Schwelle des bischöflichen Palais brach er von einem Schlaganfall getroffen zusammen, an deffen Folgen er heute Nacht verstarb.
Berlin, 11. Mai. Dem „Berliner Tageblatt" wird aus Brüssel telegraphtrt: Die belgische Mtlitärpartei, hinter
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welcher 800000 mit dem Wahlrecht auSgestattete ehemalige Soldaten stehen, verseudet ein Rundschreiben an sämmtliche Caudidateo, worin sie erklärt, die Militär «Part ei werde bei den Wahlen am 22. Mat alle Caudidaten rücksichtslos bekämpfen, welche sich nicht verpflichten, energisch zu Guusteu der HeereSreform einzutreten. Großes Aufsehen erregt die Thatsache, daß General Chapelie, der General-Adjutant deS Königs, die Action der Mtlttär.Partei, welche sich namentlich gegen die clericale Regierung richtet, unterstützt. Man erblickt darin, jedenfalls mit Unrecht, eine Kundgebung des KöuigS gegeu die Fortdauer der ultramontauen Herrschaft.
Berlin, 11. Mai. Aus Lemberg wird mehreren Blät« tern telegraphirt: Wegen Brodtheuerung kam eS hier zu einer ernsten Demonstration. Holzarbeiter stürzten sich auf die Brodläden und wollten sie plündern, kamen aber mit der Sicherheitswache ins Handgemenge. Die Wache gab Feuer. Ein Excedeut wurde schwer verletzt. Die Polizeimannschaft wurde mit Steinen beworfen. Eine Deputation der Arbeiter und Arbeiterinnen ging zum Vicebürgermeister, um ihm die Nothlage der Arbeiter vorzustellen. Die Ansammlungen wurden immer größer. Ein Abgeordneter suchte die Menge zu beruhigen und versprach eine besondere Versammlung zur Besprechung der LebenSmittel-TheuerungSsrage einzuberufen.
Zurich, 11. Mai. Ganze Schaaren Italiener ver- laffeu die Schweiz, um sich der aufständischen Brwegung in ihrem Mutterlande anzuschließeu. In Bern, Lausanne, Genf und hier fanden revolutionäre Versammlungen statt, in welchen die Redner erklärten, der Augenblick sei gekommen, um das Königthum und das Joch der Bourgeosie abzu- schüttelu.
Mailand, 11. Mai. Die Situation ist andauernd Hochernst. ES wird fortgesetzt gekämpft. Die Aufständischen halten noch immer alle Bahnhöfe besetzt. Trotzdem man Kanonen in Anwendung bringt, entstehen fortgesetzt Barrikaden. Einige Hundert aus Padua und Bologna eingetroffene Studenten lieferten an der Porta Venezia dem Militär eine förmliche Schlacht, wobei 21 Studenten den Tod fanden. Da die Umgebung der Stadt ebenfalls in vollem Aufruhr ist, wird heute die Verhängung des Belagerungszustandes über die ganze Lombardei publicirt werden. Man schätzt die Zahl der Tobten auf über tausend, die Zahl der Verwundeten auf über dreitausend. Die Turiner Ausstellung wurde von dem Pöbel in Brand zu stecken versucht.
Loudon, 11. Mat. AuS Key West wird gemeldet, daß
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die gesamwte in Ehickamanga vereinte Truppenmacht den Besehl erhalten hat, sofort abzumarschtreu. Das 1. und daS 10. Cavallerie-Regiment gehen nach New»OrleanS, das 2. noch Mobile, daS 3. nach Tampa. Unter drn Truppen soll große Freude herrschen, daß sie nun endlich zur Front kommen.
WB. Loudon, 11. Mai. Extrablatt. Die „Times" melden auS New-Aork: Das Marine - Departement in Washington erhielt die Nachricht, daß vier Kreuzer und drei Torpedoboote deS spanischen Cap Verde-GeschwaderS gestern vor Cadtx angekommen seien. Die Nachricht wurde in Washington heute Nachmittag offiziell bekannt gegeben.
WB. Washington, 11. Mai. Reuter-Meldung. DaS Marine-Departement erhielt die Nachricht, daß daS spanische atlantische Geschwader vor Eadix eintraf. Die amerikanische Action gegen Cuba und Portorico wird nunmehr beschleunigt. __
WöchrMtchk Uederstcht der TodesMe in Giere»
19. Woche. Dom 1. Mai bis 7. Mat 1898. Einwohnerzahl: angenommen zu 24 100 (incl. 1600 Mann MtlitLr), SterblichkeitSziffer: 15,10, nach Abzug der Ortsfremden 6,47°/«.
Kinder
Summa: 7 (4) 5 (3) 1 1 (1)
ES fierben ea: Zusammr«:
Erwachsene:
im
vorn
1. Lebensjahr: 2.-
-15.3«br:
Krebs
1 (1)
1 (1)
—
—
Tuberkulose des
Hüftgelenks
1
1
—
—
Gehirnhautentzünd.
1 (1)
1 (1)
—
—
Krämpfen
1
—
1
—
Herzleiden
1
1
—
—
Gallensteinen
1 (1)
1 (1)
—
—
Schußwunde
1 (1)
—
—
1 (t)
Snm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf vor, auSwärt« nach Metzer, gebracht- Kranke kommen.
Bei Todesfällen
übernimmt die Buchdruckerei des Giessener Anzeigers, Schulstrasse 7, die schnellste Anfertigung von Trauerbriefen und Danksagungskarten, welche auf Wunsch couvertirt geliefert werden.
Städtischer Arbeitsnachweis Gießen
Garterrstrafle 2.
Angebot der Arbeitnehmer r 1 Sattler, 1 Bau- oder Möbelsckreiner, 1 Möbelschreiner. 2 Kistenmacker, 1 Mann für leichtere Beschäftigung, 1 Mann für eine Holzschneiderei, 2 Lagerarbeiter, 3 Taglöhner, 1 Herrschaftskutscher, 2 Fuhr- knechte, 1 Werkführer für eine größere Schreinerei oder Möbelfabrik.
Nachfrage -er Arbeitgeber: 2 jüngere Buchbinder, 1 Installateur, 2 Krankenwärter. 3 Gerber, 1 Glaser (Rahmenmacker), 1 jüngerer und 1 älterer Lackirer, 1 Weißbinder, 1 Sattler und Tapeziergehülfe, 1 Bauschlosser, 1 tücht. Hufschmied, 1 Jungschmied, 4 Schuhmacher, 2 Bauschreiner, 1 Möbelschreiner, 2 Haus- burscken, 1 tücht. Fuhrkneckt, 3 Dienstmädchen._____________________________________
Bekanntmachung.
Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß der städtische Friedhof von jetzt ab bis zum 15. August d. Js. von Morgens 6 bis Abends 9 Uhr geöffnet bleibt und daß die auf dem Friedhof Verweilenden eine Viertelstunde vor Schluß desselben auf diesen durch ein Glockenzeichen aufmerksam gemacht werden.
Gießen, den 9. Mai 1898.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
_______________________Gnauth. ______________4978
Generalversammlung-
des hiesigen Thier schütz - Vereins
Dienstag den 24. Mai d. Js., Abends 8V2 Uhr, im „Hotel Schütz."
Tagesordnung: 1) Vorlage der Rechnung und Entlastung des Rechners. 2) Rechenschaftsbericht. 3) Vorstandswahl. 4) Verschiedene Mitthellungen. 4950
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