Ausgabe 
12.1.1898 Erstes Blatt
 
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Srentfart a. R , 10. Januar. DerFrkf. 3tfi." wird aus Coustantiuopel gemeldet: Da in der letzten Zeit von verschiedenen Seiten Versuche gemacht wurden, die Orient« Politik Deutschlands zu verdächtigen, so hat der Sultan, da er von der Grundlosigkeit dieser Ausstreuungen überzeugt ist, ein geheimes Jrade erlaffev, welches solgenden In­halt hat: ES sei dem Sultan zu Ohren gekommen, daß ver­schiedene auswärtige Einflüsse dahin arbeiten, die deutsche Politik in der Türkei zu verdächtigen, indem ihr die Ver­folgung eigennütziger Interessen zum Vorwurf gemacht wird. Der Sultan, welcher daS vollste Vertrauen in die Aufrichtig­keit und Uneigennützigkeit der Politik des Deutschen Kaisers setzt, erwartet von seiner Umgebung, daß sie den erwähnten Jutrigueu tu keiner Weise Gehör schenkt, deren auSschlteß» licher Zweck es ist, die zwischen Deutschland und der Türket bestehenden ausgezeichneten Beziehungen zu trüben.

Frankfurt a. M., 10. Januar. DerFrkf. Ztg." wird au» Constavtinopel telegraphirt: Den Botschaftern ist ein Memorandum deS armenischen ComiteeS zuge­gangen, worin auf da» unsägliche, in den armenischen Pro­vinzen herrschende Elend hingewiesen und dringend Reformen gefordert werden. Diese» neueste Memorandum der Armenier enthält keine Drohungen.

Wiesbaden, 10. Januar. Die Versetzung deS Regie­rungspräsidenten v. Tepper-Laski nach KöSltn ist vom Kaiser bestätigt worden.

Jena. 10, Januar. Pfarrer Naumann hielt hier seine Sandidateurede. Die zahlreich anwesenden Social- demokratea brachten die Leitung der Versammlung in ihre Hände und setzten eine Resolution zu Gunsten einer social« demokratischen Wahlprogramms durch.

Straßburg i. E, 10. Januar. Der kaiserliche Statt­halter eröffnete den Land es aus schuß mit einer Rede, welche die Finanzlage al» befriedigend bezeichnet. Die Er­öffnungsrede bezeichnet das vergangene Jahr als nicht befou- sonders günstig für die Landwirtschaft und bespricht nament­lich die durch Viehseuche und Hagelschlag verursachten Schäden. Uater den neuen Gesetzvorlagen wtrd besonders der Entwurf zur Regulirung des Rheines hervorgehoben, über dessen ÄuS- führung bereits Unterhandlungen mit der badischen und der bayerischen Regierung schweben, ferner Vorlagen, betreffend die Anlage von Bicinalstraßen, betreffend Aufbefferung deS DieustetnkommenS der Lehrer und Lehrerinnen an Bürger­und Elementarschulen, betreffend die Capttalrentensteuer und die Wittwen« und Watsen-Penfionen. Eröffnet wurde die Tagung mit einem Hochruf auf den Kaiser. Zum Präsi­denten wurde Dr. Schlumberger wiedergewählt, der nunmehr dieses Amt zum 25. Male übernimmt. Zum ersten Vice- Präsidenten wurde Jaunez wiedergewählt, zum zweiten Vice- Präsidenten Staarörath Dr. Gunzert neugewählt.

Arr-lair-.

Prag, 10. Januar. Za der heutigen ersten Sitzung im Landtage sind sämmtliche deutschen Abgeordneten erschienen. Nach der Eröffnung durch den Oberlandmarschall brachten die deutschen Abgeordneten einen Antrag auf Aufhebung der Sprachen.Verordnungen ein. Vor Eröffnung des Landtages hatte sich eine große Menschenmenge vor dem Landtagshause angesawmelt, wurde jedoch durch ein starkes Polizeiaufgebot zerstreut.!

Paris. 10. Januar. Proceß Esterhazy. In dem Anklagebeschluß heißt eS: Die Ansicht de» Berichterstatters und die Schlußfolgerungen des RegirrungScommissar» gingen auf einen EinftellungSbeschluß hinaus. Da aber die Unter­suchung nicht genügend Licht gebracht habe, um in voller Keuntniß der Sache ein Nichtschuldig auszusprechen, werde Major Esterhazy unter der Anschuldigung, mit einem fremden Staate im Einvernehmen gestanden zu haben, vor das Kriegs­gericht gestellt.

Pari», 10. Januar. Heute Vormittag begann vor dem Kriegsgericht die Verhandlung gegen den Grafen Esterhazy. Der Gerichtshof beschloß mit füaf gegen zwei Stimmen die Oeffentlichkeit des Verfahrens mit Ausnahme derjenigen Punkte, welche Angelegenheiten der Landesverthei- dtgung betreffen. Hieraus wurde der Rapportbericht vor­gelesen, dessen Totaletndruck günstig für Esterhazy war. Al­bte da- Kriegsgericht anordnende Zuschrift des Generals Saussier zur Verlesung gelangte, bemächtigte sich der An- wesenden eine gewisse Bewegung, weil es in dem Schreiben heißt, daß auch nach der Untersuchung gewisse Zweifel an der Unschuld Esterhazy» bestehen. Sodann nahmen die Verhand­lungen ihren Fortgang. DerMatin" bringt die Nach- rich', Drcyfus sei vom Kriegsgericht zuerst freigesprochen worden, da habe man das geheim gehaltene Actenmaterial

Abreibungen, schnelle Bewegung, starkes Klopfen. Nament­lich tüchtiges Reiben (Frottiren) der Haut bewirkt sehr schnell Blutfülle derselben und sollte bei verweichlichten Personen, täglich zweimal angewendet, stets das Einleitungsstadium zu jeder nachherigen Abhürtungskur mit kaltem Wasser bilden. Es ist aber auch das beste Heilmittel gegen eine schon ein­getretene Erkältung, wenn es im Anfang derselben zur An­wendung kommt. Fühlt Jemand, z. B. nach einer längeren Elsenbahnfahrt in der kälteren Jahreszeit, leichtes Frösteln und einige Frostschauer, bleibt seine Haut blaß und behält den Character der Gänsehaut, kurz und gut empfindet er die ersten Anzeichen einer bald mit aller Macht hereinbrechenden starken Erkältung, so läßt sich dieselbe fast stets noch dadurch verhüten, daß man auf diese oder jene Weise eine starke Hautreaction, eine Blutfülle der Hautgefäße hervorruft. Zu diesem Zwecke wendet man vielfach nasse Wickel und der- gleichen an; am schnellsten und sichersten aber wirkt zuerst länger fortgesetztes und öfter wiederholtes starker Reiben des ganzen Körpers. Legt man sich dann ins Bett und trinkt mehrere Tassen heißen Thee mit etwas Rum oder Cognac, so wird die Erkältung fast nie zum Ausbruch kommen oder gar schlimmere Krankheiten verursachen. Probatum est!

beigebracht, welches die bekanntlich auf der Botschaft ge­stohlenen Schriftstücke enthielt. Da» Kriegsgericht nahm sofort eine neue Abstimmung vor, ohne sich von der Echtheit der au» dem Krieg-Ministerium stammenden Documevre zu über­zeugen. Drehfu- wurde daraufhin einfach verurtheilr.

Paris, 10. Januar. Proceß Esterhazy. Der Be­richt de» Majors Ravary erinnert an die Umstände, welche in Mathieu Dreyfu» Verdacht gegen Esterhazy erregten und welche ihn veranlaßten, denselben bei dem KriegSmintster zu denuneiren- der Bericht stellt ferner fest, daß infolge der Aehnlichkeir der Handschrift in dem DrehfuS'schen Verzeich­nisse mit derjenigen Esterhazys auch bet dem Obersten Picquart Verdacht entstanden sei und bemerkt, daß Esterhazy alle gegen ihn erhobenen Anschuldigungen von sich weise und leugne, der Verfasser de» Bordereau zu sein. Esterhazy be­haupte, eS sei materiell unmöglich, daß er die Schriftstücke besessen haben könne, von denen daS Bordereau spreche,- die Sachverständigen in Schreibsachen hätten auch ihrerseits er­klärt, das Bordereau sei nicht das Werk Efterhazh'S. Der Bericht behauptet sodann, Oberst Picquart habe in dieser Angelegenheit schwer gefehlt und sich der JndiScretion schul­dig gemacht. Al- seine Vorgesetzten ihn aufgefordert hätten, nicht auf seinen Behauptungen zu beharren, habe er in einem Augenblicke der Erregung auSgerufen:Ah, Sie wollen nicht voran, ich werde Sie dazu zwingen \" Picquart hätte hinzu- gesügt:Sie merken wohl, daß eine schreckliche Campagne sich vorbereitet". Picquart scheine die Seele dieser Campagne gewesen zu sein- er wurde im Jahre 1896 dabei überrascht, wie er in einem Schranke wühlte und mit dem Advocaten LeblotS geheime Acteustücke durchstöberte. Der Bericht ge­langt zu dem Ergebniß, von der traurigen, so schlau eiu- gefädelten Angelegenheit bleibe, nichts übrig, als ein pein­licher Eindruck, der einen schmerzlichen Widerhall finden werde in allen wahrhaft französischen Herzen. Alle dabei aufgewendeten Mittel hatten den Zweck, eine Revision des gesetzmäßig und gerecht gefällten UrrheilS zu erlangen.Dem zu schließen, sagen wir, daß, wenn die Anschuldigungen gegen Esterhazy im Stande wären, die öffentliche Meinung zu erregen, kein stichhaltiger juristischer Beweis von seiner Strafbarkeit erbracht worden ist und daß die mühevolle Vor­untersuchung keine genügende Belastung Esterhazy» hat er­mitteln können, um eine Anklage auf Hochverrath gegen ibn zu begründen. Wir find der Ansicht, daß es angezeigt ist, einen EinftellungSbeschluß ergehen zu lassen."

Petersburg, 10. Januar. Der Minister für Volks- aufkläruug, Deljanow, ist gestorben.

CocaXe» rrnd provinzielles.

Gießen, den 11. Januar 1898.

** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Berfamwluug Donnerstag den 13. Januar 1898, Nachmittags 1/i4 Uhr pünktlich: 1. Gesuch des Konrad Rübsamen dahier um Ueberlassung eines Platzes au der Lahn zur KieSlagerung. 2. Gesuch de» Heinrich Carlö um pacht­weise Ueberlassung des Platzes neben seinem Hause Frank- furterstraße 60 als Lagerplatz. 3. Gesuch de» Joh. Georg Pfaff dahier um Erlaubniß zur Anbringung von Balkons an seinem Hause in der Bletchftraße. 4. Die Verwerthung von Lauberde und vou Sträuchern au» der städtischen Baumschule. 5. Die Abgabe von Walderde von dem Eulenkopf amchiuteren Theile des Exercierplatze». 6. Erlaß einer Milchverkaufs- ordnuug. 7. Theilung weiterer Klassen der Volksschulen, bezw. Errichtung weiterer Lehrerstellen. 8. Beleuchtung der Octroierheberstelle am Neustädter Thor. 9. Gesuch der Konrad Döpfer Wittwe um bessere Beleuchtung deS von der Steinstraße entlang des Bahndammes nach der Schillerstraße führenden Weges. 10. Der Voranschlag deS städtischen Wasserwerks pro 1898/99.

* Postpersonalnachrtchteu. Dem Ober-Postkaffenrendaut Bönning ist der CharacterRechoungSrath" verliehen worden. Versetzt find: der Postinspector Hoffmann von Minden (Westfalen) nach Darmstadt und der c. Post- iuspector Langbein von Darmstadt nach Minden (Westfalen), die Ober-Postassistenten Kleiius von Bensheim nach Laubach (Hessen), Muno von Frankfurt (Main) nach Fürth (Oden­wald) unter Ernennung zu Postverwaltern; der Telegraphen- asfistent Schül von BenSheim nach Frankfurt (Main). In seiner Stellung als Postdirector bestätigt ist der c. Post­director Haag in BenSheim. Angenommen find: als Postagenteu der Portefeuiller Fischer I. in Rumpenheim, der Bürgermeister Bechtel in Biebesheim, der Kaufmann Ernst W. Theodor Albrecht in Düdelsheim, der nicht ständige PosthtlfSbote v. Alt jun. in Walleurod. Frei­willig auSgeschiedeu find: die Postagenteu Stroh! in Rumpenheim, RooS in Biebesheim, Wilhelm Albrecht I. h Düdelsheim. Gestorben ist der Postagent v. Alt fen. in Wallenrod.

♦♦ Stadttheater. Mittwoch Abend werden unsere geschätzten Gäste von neulich, Fräulein LipSkt und Herr Poss in, ein nochmaliges (letztes) Gastspiel absolvtren. Zur Aufführung kommt daS LustspielFreund Fritz", in welchem Fräulein LipSkt die Susel, Herr Posfin den Rabbi Sichel verkörpert. Ueber Letzteren liegt das nachstehende Urtheil vor. Vor einem sehr gut besetzten Hause absolvirte gestern Abend Hosschauspieler Herr Posfin sein zweite- Gastspiel, und zwar in dem LustspielFreund Fritz" von Erkmann-Chatrian, in welchem er den Rabbiner David Sichel spielte. Der Gast überraschte geradezu durch die Sicherheit und große Natür­lichkeit, mit der er die Rolle gab, und als ein prächtiges Cabinetstück verdient dieser Rabbi bezeichnet zn werden. Welch' eingehende» Studium ist hier nöthig gewesen, um solche Ge­stalt al- gleichsam aus dem Leben gegriffen hinzustelleu und mit welcher großen Sorgfalt verstand es der Künstler, so­wohl durch Geberden, wie Bewegungen stets der richtigen Stimmung Ausdruck zu geben. Eine solche Charakterfigur ist hier lange nicht gesehen worden, und welche Scene immer wir uns ins Gedächtniß zurückrufen fei es die köstliche

Pumpaffaire wegen des Sohne- vom kleinen MoseS, oder die so gelungene Ermahnung an die Junggesellen, zu Heiratheu, oder endlich die dem biblischen Bilde uachgeahmte Begegnung mit Susel am Brunnen, stets hatten wir daS angenehme Ge­fühl, so allein müsse dieser Rabbi dargestellr werden. Seine Darstellung dürfte kaum besser gegeben werden können, so vollendet zeigte er fich hier in Miene und Haltung, so sehr riß er Alle durch sein wahrheitsgetreues Spiel hin.

Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle in Gieße». Dem in den hiesigen Zeitungen erlassenen Aufruf folgend, ver­sammelten fich gestern Abend imCafö Ebel" eine größere Anzahl hiesiger Einwohner, um endgültig über die Errichtung einer öffentlichen Bibliothek und Lesehalle zu berathen. Die Vorarbeiten hierzu waren bereits durch einen engeren vou einer vor mehreren Wochen stattgehabten vorberathendeu Versamm­lung provisorisch eingesetzten Ausschuß gefertigt worden. Namen» dieses AuSschuffeS referirte Herr Oberbibliothekar Professor Dr. Haupt zunächst eingehend über die Gesichtspunkte, nach denen man zu Werke zu gehen beabsichtigt und bezeichnete die Gründe, welche die Errichtung einer, Jedem zur Verfügung, stehenden Bibliothek für nothweudig und nützlich erscheinen ließen. DaS BedÜrfniß nach gütet Lectüre fei allgemein ge­stiegen, die Erschließung neuer Gebiete in der Wissenschaft und dem Erwerbsleben dränge nach eingeheuderem Wissen, dieser Drang solle nicht verkümmern, nicht breite Schichten unsere»- Volkes vou dessen Befriedigung ausgeschlossen werden, der Bildung»- und Wissensdrang nicht auf Abwege gerathen, son­dern zu Befriedigung dieser Bedürfnisse ein Mittelpunkt ge­schaffen werden. Herr Prof Dr. Wetz legte nach Hinweis auf bereits bestehende öffentliche Bibliotheken im In- und Auslände die Prinzipien dar, nach denen bei Errichtung und Fortführung eine» derartigen Instituts in Gießen zu ver­fahren sein werde- er gab insbesondere dem Wunsche Aus­druck, daß dem Werke allseitige Unterstützung zu Theil werde,, sei eS durch Ueberlaffuug vou Zeitungen und Monatsschriften, oder durch freiwillige Erhöhung der Mitglirderbeiträge am Anfang, damit schon bei der Eröffnung der Bibliothek recht viel geboten werden könne, und damit die Sache allgemeine. Sympathie finde- eS möchte da» Beispiel der Geographischen. Gesellschaft, die ihre Zeitschriften auszulegeu fich erboten habe, Nachahmung finden, auch möchten die politischen Parteien dafür sorgen, daß ihre Zeitungen gelesen werden könnten. Hierauf wurde in die Bcrathuug der Satzungen eingetreten. Der vou der Mitgliedschaft handelnde § 5 veranlaßte eine längere lebhafte Besprechung - fie führte 'zu dem Beschluß, daß der jährliche Mindestbeitrag vou 2 Mk., deffeu Erhöhung dem Gemeinfinu der Mitglieder überlaffeu und dringend empfohlen wird, auch in vierteljährlichen Raten entrichtet werden tann. Au- dem Absatz, welcher vou den unterstützenden Mitglieder» (Förderern de» Verein-) handelt, wurde der Satz entfernt, nach dem solchen Mitgliedern in den Listen der Gesellschaft eine besondere Stelle eingeräumt würde- al» Förderer de- Vereins werden solche Mitglieder bezeichnet, welche einen jähr­lichen Beitrag von mindesten- 20 Mk. entrichten - efl kann die Eigenschaft al- Förderer des Verein- auch feiten» de» Vorstandes für Uebernahme regelmäßiger persönlicher Arbeits­leistungen, für größere Büchergeschenke und sonstige namhafte Förderung der Vereinszwecke verliehen werden. Die Mit­gliedschaft hört auf durch Nichtbezahlung deS Jahresbeitrages. Der Verein führt die Bezeichnung:Gießener Lesehalle- Verein". In der öffentlichen Lesehalle und in der Biblio-" thek find Zeitungen, Zeitschriften und Bücher der allgemeinen Benutzung unentgeltlich zugänglich zu machen unter Berücksichti­gung der Bedürfnisse und Interessen der verschiedensten Stände uudBerufsklaffen. Bei Auswahl des anzuschaffendeu, und Annahme de» angebotenen Lesestoffes ist strenge Neutralität gegenüber allen politischen, wirthschaftlich und religiösen Par­teien einzuhalten, unter Abwehr mißbräuchlicher Ausnutzung der Einrichtungen des Vereins zu Gunsten einer einzelne» Partei. Die unentgeltliche Benutzung der Lesehalle und der Bibliothek steht allen, der Schulpflicht entwachsenen Personen beiderlei Geschlechts frei- e» bleiben jedoch bezüglich der jugend­lichen Personen besondere Anordnungen deS Vorstände» Vor­behalten. Die Mitglieder-Versammlung wählt auf die Dauer eines Jahre- 14 Personen mit dem Rechte der Zu­wahl. In der gestrigen Versammlung wurden solgende Herren in den Vorstand gewählt: Landgerichtörath Dr. Dornseiff, Buchdruckereibefitzer Kindt, Commerzienrath Heichel­heim, Beigeordneter Georgi, Professor Dr. Welz, Professor Dr. Haupt, Professor Frank, Commerzien­rath Heyligenstädt, Kaufmann Bräutigam, Stadt­verordneter Haubach, Hauptmann a. D. Kramer, Real* gymuasiallehrer Bloch, Realschullehrer Janu, Ober­lehrer Hahn. In den Mirglieder-Versammluugen, deren alljährlich mindesten» eine und zwar im Februar stattfindet, führt jede» Mitglied eine Stimme, Körperschaften, Vereine, Geschäft-firmen und Personengruppen üben ihr Stimmrecht durch einen von ihnen bevollmächtigten Vertreter aus. Die Auflösung de» Vereins kann nur mit einer Mehrheit von drei Viertel der in der Mitglieder-Versammlung anwesenden Stimmberechtigten beschlossen werden. Da- Vermögen de» Vereins fällt, so weit nicht durch Beschluß der Mitglieder- Versammlung ander- darüber bestimmt wtrd, der Stadt Gießen zu, deren Vertretung dasselbe zu Gunsten ähnlicher gemeinnütziger Zwecke zu verwenden hat. Im weiteren Verlauf der Versammlung wurde u. A. mitgetheilt, daß Herr Fehsenfeld in Freiburg bereit- 29 Bände seiner Verlags» werke (Meyer'sche Reisebeschreibungen rc.) gestiftet, daß ferner Hans Jacobs Schriften in Aussicht gestellt seien, und daß schließlich nicht daran zu zweifeln sei, daß die Stadt die er­forderlichen Localitäten zur Verfügung stellen werde. Die erspießltche Thätigkeit de- vorbereitenden Ausschusses wurde von der Versammlung durch Erheben von den Sitzen aner­kannt, worauf Herr Professor Dr. Haupt unter Ausdruck des Dankes an die Erschienenen für das an der Sache be* thätigte Interesse und mit der Bitte um weiteres Wilken zu Gunsten derselben die Versammlung schloß. Derselben folgte eine Sitzung des Vorstandes, in welcher die Wahl der

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