Ausgabe 
12.1.1898 Erstes Blatt
 
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Mittwoch den 12, Januar

1S98

Erstes Blatt

Nr. S

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblntt für den Kreis Gieren

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter

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sagt hatte. DaS that den Belgradern natürlich in der Seele

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zielbewußt bekämpfen.

Viele werden hier wohl denken: die Sache ist doch ganz einfach und allbekannt; man erkältet sich eben dann, wenn Kleidung und Strümpfe naß werden, oder wenn man aus einem warmen Raume plötzlich in die Kälte kommt, und zvar tritt die Erkältung um so leichter ein, je größer der Temperaturunterschied zwischen beiden ist Diese viel ver« breitete Ansicht beruht aber auf einem Jrrthum, wie die

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sind gespannt, was die Regierung auf die von der Opposition jedenfalls zu stellenden Aosrogen antworten wird.

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Adresse für Depeschen: Anzeiger Hießen.

Fernsprecher Nr. 51.

I man z. B. bei längerem Sitzen am Fenster, von dem es zieht", Reißen im Ar-.r, Schm-rzen im Nacken, Zahnweh und dergleichen bekommen kann. Dabei ist aber die durch Ritzen und Mauerwetk eindringende und sich auf ihrem Wege schon mit der Zimmerwärme vermischende Luft keineswegs sehr kalt, sonst würden wir uns doch vom Fenster wegsetzen. Der Temperaturunterschied ist vielmehr meist so gering, daß wir erst nach einiger Zeit die unangenehme Abkühlung cm- pfinden. Und gerade das ist das Gefährliche, gerade dies bewirkt eine Erkältung. Während nämlich bei Einwirkung eines stärkeren Kältereizcs die Haut sich sofort gegen dessen schädlichen Einfluß auf die Gewebe dadurch wappnet, daß sie ihre Gefäße erweitert und die Blutzufuhr bedeutend verwehrt, geschieht dies in jenen Fällen nicht. Aber nur wenn eine solche Blutfülle in den Hautgefäßen eintritt, wenn nach dem Kälten iz eine solcheReaction" sich zeigt, findet keine Er­kältung statt. Deshalb wird in der Wasserheilkunde großes Gewicht darauf gelegt, daß bei her Anwendung von kaltem Wasser alsbald die Reaction, d. h. eine Blutfülle der Haut- gefäße etntrete, was um so schneller geschieht, je stärker der Reiz, also je kälter das Wasser ift Aus diesem Grunde er­kälten wir uns auch am ganz geöffneten Fenster nicht so leicht, wohl aber am geschlossenen, das nicht luftdicht ist; ebenso beugt eine kalte Brause nach einem warmen Bade der Erkältung vor. Auch folgende bekannte Thatsachen sind jetzt verständlich: Wer beim HerauStreten in die Winterkälte nicht ein frischrothes, sondern ein bleiches Gesicht bekommt, der friert und erkältet sich leicht, denn die Reaction ist aus­geblieben; den im Sommer in Flüssen und Seen Badenden bekommt daö Bad nur dann gut, wenn die ,. Gänsehaut" bald einer rosigen Hautfärbung weicht.

Die Erfahrung lehrt nun, daß bei manchen, namentlich verzärtelten,zu Erkältung disponirten" Personen die so nothwendige Reaction selbst bei höheren Kältegraden auSblei- ben kann, wodurch sie sich eben sehr oft der Gefahr einer Erkältung auüsetzen. Hier gilt es, die Nerven der Hautge­fäße durch andere (mechanische) Reize zur Reaction zu ver­anlassen, denn dies ist das einzige Vorbeugungsmittel gegen Erkältung. Am empfehlenswerthesten sind energische, trocken-

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daß die Regierungen dort nicht lange am Ruder sind, da keine Partei der anderen die Gewalt gönnt. Sehr ver­wundert hat aber die Meldung, daß König Milan zum Obercommandanten der activen serbischen Armee ernannt worden ist und der saubere Cowplize MilanS, Zingar Mackovic, zum G:neralstobSchef. Damit ift dem König Alexander die Machtvollkommenheit über die Armee aus der Hand genommen. Jeder kennt die Geschichte Milans und weiß, daß er der Unstern Serbiens ist, seine Familienver> haltniffe haben dos Ansehen der Dynastie Obrenowitsch stark im In- und AuSlaode diScredittrt, und sein Lebenswandel nach seiner Scheidung von der Königin Natalie hat ebenfalls nicht dazu beigetragen, die Achtung der Welt vor ihm zu vermehren. Gegen gutes, baares Geld hat sich Serbien vor einigen Jahren seiner erledigt, und in dulce jubilo lebte er in dem schönen Babel an der Seine, bis seine Taschen leer waren. Unter allerlei Gründen hat er dann da- ohnehin nicht reiche Land um weitere Millionen gebracht und es schließlich auch durchgesetzt, daß er wieder zurückkehren durfte und in seine Rechte als König-Bater wieder eingesetzt wurde. Auf seinen Sohn hat er einen immer größeren Einfluß auS- geübt, und wenn nicht Alles tauscht, so trachtet er wieder nach dem Thron, den er in einer schwachen Stunde, als er tief im Sumpfe saß, abgetreten hatte. Wir haben alle Sympathie für den jungen Alexander, aber wir sind der Meinung, daß er viel zu früh auf den Thron gelangt ist, zu früh für Serbien und sich selbst. Er hat noch nicht Widerstandskraft genug, um sich dem Einflüsse seines Vaters entziehen und in dieser Hinsicht das Richtige zu treffen.

Man hat schon in diesen Tagen viel darüber geschrieben, au» welchem Grunde sich Milan zum Obercommandauten der Armee habe machen lassen. Die einfachste und für Serbien beste Antwort ist die, daß in selmr Kasse wieder einmal Ebbe ist und Alexander ihm eine reich dotirte Stelle hat überweisen wollen. Liegt nur dieser Grund vor, und stud el nicht weitergrhwde ehrgeizige Pläne, welche Milan verfolgt, dann kann Serbien noch froh sein. Denn sollte er wieder aus Ruder gelangen, so würde er seine Stellung doch nur benutzen, um da- Land in ausgiebigster Weise qu8* zusaugen. UctnigenS dürsten die neuesten Vorgänge ter Skupschtina Gelegenheit zur Stellungnahme geben, und wir

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Aus Serbien.

Da» Land der Schweinezüchter macht wieder einmal von sich reden. Aber gewöhnlich ist es nicht» Gutes, waS man von den Serben hört. Wir erinnern daran, daß da» letzte Intermezzo, durch welche» Serbien die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf sich zog, j-uer diplomatische Krieg mit Oesterreich-Ungarn war, als die Regierung des tranSleicha- vischen Königreich» die Einfuhr serbischer Schweine unter-

Deutsche» Reich.

Berlin, 10. Januar. Nach eiugehruden Verhandlungen zwischen dem -ur Zeit hier weilenden Landeshauptmann Major Leutwein einerseits und der deutschen Colouial-Gesellschaft, sowie dem evangelischen AfrikaVeren andererseits wurde, wie diePost" b-richtet, bezüglich der Sendung von Mädchen und Frauen nach unserem südwcstafrikanischen Schutzgebiet eine Vereinbarung erzielt.

Berlin, 10. Januar. DieNordd. Allgrm. Z»g." bestätigt, daß der Pachtvertrag zwischen dem Deulschen Reiche und China über die Kioau Tschau-Buchl auf einen Zeitraum von 99 Jahren abgeschlossen ist.

Berlin, 10. Januar. Nach einer an das Oberkommando der Marine gelangten telegraphischen Meldung ist der Dampfer Darmstadt" mit dem Auslandsbataillon, Transportführer Corvettencapitän mit OberstlieutenautSrang Truppel, am 10. dS. in Colombo eingetroffen und beabsichtigt am 11. d». nach Hongkong in See zu gehen.

Köln, 10. Januar. DieKöln. Ztg." schreibt: Wir find in der Lage, nach zuverlasfigrn Londoner und Berliner Mittheiluugeu über den Stand der chinesischen Anleihe'- Verhandlungen Folgendes zu berichten: Die von. China in England nachgesuchte Anleihe von 16 Millionen Pfund Sterling rückt ihrem Abschlüsse entgegen. Bon der öffent­lichen Meinung dringlich unterstützt, neigt da» englische Cabiuet wehr uud mehr dem Entschlüsse zu, der chinesisches Regierung eine direkte Staatsanleihe zu gewähren. Für des Vrrrag werden wahrscheinlich Consol» auSgegrde?. Dir russischen Bemühungen, in Berlin die chinesische Anleihe auf- zubringcn, find daran gescheitert, daß die großen Berliner Finavzgruppeu ihre Betheiligung von der Bedingung ab­hängig machten, die Anleihe müsse im Gegensätze zu der russisch chinesischen einen internationalen Eharacter tragen. Leitende Londoner wie Berliner Finanzkreise begegnen sich Jo der Erwartung, daß da» englische Cabinet. das vorgestern in dieler Angelegenheit berieth, demnächst die formelle Ent­scheidung treffen werde, welche im nächsten Monat dem Par­lamente zur Bestätigung zu unterbreiten wäre.

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Thatsachen beweisen, Oder tritt etwa nach einem heißen Dampfbade mit nachfolgender kalter Ucbergießung Erkältung ein? In Rußland herrscht sogar die Sitte, nach dem Bade noch auf brm Schnee herumzulaufen.Ohne diese, wie es scheinen könnte, heroische Prozedur", sagt Dr. A. Chelmonski in Warschau,kann man sich unmöglich ein rechtes Bad vorst llen." Wäre Erkältung von sehr hohen Kältegraden abhängig, so müßten die durch Erkältung hervorgerufenen Krankheiten am häufigsten im Winter vor kommen, und zwar um so häufiger, je kälter diese Jahreszeit ist. Indessen ist es allgemein bekannt, daß diese Krankheiten gerade im Herbst und Frühling vorherrschen, im Winter aber nur dann, wenn milderes (Thau-) Wetter eintritt. Ferner würden die Italiener, Franzosen, Spanier und andere Einwohner derjenigen Länder, in denen ein strenger Winter zu den Ausnahmen gehört, an Catarrhen u. s. w. niemelß erkranken, während z. B. die Feuerländer, die, wie Darwin angiebt, fast nackt in ihrem unwirthlichen Klima einhergehen, schon lange hingesiecht fein müßten. Schließlich lehrt uns die Erfahrung, daß eine warme Wohnung, warme Kleidung, ja selbst das Hüten des Zimmers während des ganzen Winters keineswegs vor Er- Faltungen schützt. Also die Einwirkung der Külte, ja selbst sehr großer Kälte, an und für sich verursacht keine Krank heiten; sonst müßten ja auch die Polarfahrer stets mindestens heiser und verschnupft fein.

Oder werden vielleicht nur schwächliche und kränkliche Individuen von Erkältungen heimgesucht? Auch dies ist nicht der Fall. Vielen blutarmen, kranken, ganz schwachen Patienten werden vom Arzte sehr kalte Sitz-, Hand- und Fußbäder verordnet, oder Eisumschläge auf Bauch, Brustkorb, Kopf, Wirbelsäule gemacht, ohne daß sie sich im Geringsten erkälten. Kraftlose Nervöse wenden auf Anordnung des Arztes kalte Waschungen und Brausen an, heftig Fiebernde werden oft in ganz kaltem Wasser gebadet, ohne sich irgend­wie eine Erkältung zuzuziehen. Also hängt das Erkälten nicht von der allgemeinen Körperconstitution ab, es ist nicht ein alleinige» Vorrecht kränklicher Leute.

Ja, wodurch entsteht dann aber eine Erkältung? Jeder von uns hat doch wohl schon die Erfahrung gemacht, daß

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Feuilleton.

Entstehung und Verhütung von Erkältungen.

Von Dr. Otto Gotthilf.

(Nachdruck verboten.)

D'e erstaunlichen Ergebnisse der Untersuchungen über den Antheil der Bacterien an der Entstehung vieler Krank- heiten haben in der letzten Zeit die medicinischen Gelehrten so sehr in den Bannkreis dcr Mrkrokokkenforschung gezogen, daß andere, schon lange aufgetauchte, wichtige wissenschaftliche Fragen seitdem fast unbeachtet zur Seite gestellt sind. Dies ist auch mit der sogenannten Erkältung geschehen Bereits die Rationalisten im Alterthum zählten sie zu den ersichtlichen Krankheitsursachen (causac evidentes), aber bis fitzt wissen wir noch nicht, was Erkältung ist, d. h. welche krankhaften Veränderungen sie in unserem Körper bewirkt. Und doch spielt sie unter den Krankheitsursachen eine sehr große Nolle, wenn man freilich auch in Laienkreisen darin zu weit geht, fast jedes körperliche Leiden, dessen ursächliches Moment sich nicht ausfindig machen läßt, auf Erkältung zurückzuführen. Fast möchte man sagen:

Was man sich nicht erklären kann, Da» sieht man als Eikältung an.

Vom rein praktischen Standpunkte aus liegt übrigens weniger an der Erforschung der durch Erkältung bewirkten patho- ) logischen Veränderungen als an der Kenntniß der Beding­ungen, unter denen eine Erkältung zu Stande kommt. Erst nenn wir die Bedingungen ermittelt haben, können wir sie »ermeiben; nur einen Gegner, den man kennt, kann man

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CtrMfatt 71.

Iso lauge, bis Graf GoluchywSki die bekannte Warnung nach Belgrad sandte, die sofort fruchtete uud die Serben zur Bernuuft brachte. Seitdem hat die Belgrader Regierung «ehr uud mehr Anschluß an Oesterreich gesucht uud damit bewiesen, daß sie den Interessen ihre» Lande» Rechnung zu tragen weiß. Der junge König Alexander hat mehrfach Zusammenkünfte mit Kaiser Franz Josef gehabt, nachdem die erste Begegnung gelegentlich der Eiöffnung de» Eisernen Thore» ftartgefunden hatte, die zu einer intimen Uaterredung beider Monarchen Veranlassung gab. WaS damals zwischen denselben verhandelt worden, ist natürlich nicht bekannt ge­worden, aber e» liegt nahe, daß der Kaiser dem jungen Alexander ein ernste» Privatissimum gelesen hat.

Die innerpo'.itischen Verhältnisse Serbiens find von jeher ziemlich verworren gewesen- die einzelnen Parteien haben sich immer in leidenschasilichster Weise bekämpft. Es regt unS gar nicht aus, wenn wir die Nachricht von einer MinistcrkrifiS in Belgrad erhalten, denn wir sind es gewohnt,

I weh, uud fie vollführten allerhand Demonstrationen, ver­brannten z. B. die ungarische Fahne und belästigten ungarische Staatsangehörige, welche tu Serbien wohnten. Das ging

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mischte Anzeigen.

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