Ausgabe 
10.9.1898 Erstes Blatt
 
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Berlin, 8. September. I« Reichsgesundheitsamt find heute Vormittag die Verhandlungen bezüglich der kaiserlichen Verordnung über den verkehr mit Arzneimitteln vom 27. Januar 1890 eröffnet worden. An den Verhand­lungen, die eine Revision dieser Verordnung bezwecken, nehmen Vertreter des Reichsgesundheitsamt» und Sachverständige au- verschiedenen Klaffen Thetl.

Die Uebertraguug der Med icivalabthetlung au da» Ministerium de» Jauern ist, wie Profeffor Eulenburg in der®. Med. Wochcuschr." mittheilt, noch keine abge­schloffene Sache, vielmehr dürfte erst im Verlause de» nächsten Monat» eine au» Vertretern der verschiedenen be- thetligteu Reffort» gebildete Eommtsfion zur Berathung und wetteren Förderung der Angelegenheit zusammentretev.

M.P.C. Anläßlich der neuesten blutigen Zwischen­falle auf Kreta ist erneut die Forderung erhoben worden, daß Deutschland drein fahre und Ordnung schaffe. Da» zeugt von einer vollständigen Verkennung der Sachlage. Deutschland hat sich tu den grtechisch-türktscheu Streit und die Kreta-Affaire überhaupt nur widerwillig hineingemtscht. E» überwand seine Abneigung, dies zu thun, lediglich unter dem Gesichtspunkte, daß sich so vielleicht eine beffere Aussicht eröffnen dürfte, den griechischen Gläubigern deutscher Nation mit der Zeit so wett gerecht zu werden, al» e» billig sei und bisher nicht möglich gewesen war. Daß Deutschland sonst nichts lukriren wollte, bewies es, indem es die Flöte, die es im europäischen Loucert gespielt, au» der Hand legte, sobald rS seinen Zweck, au der Herstellung des Friedens erfolgreich mitzuarbeiten, erreicht hatte.

Köln, 8. September. DieKöln. Ztg." schreibt zu der Oeyuhauseuer Kaiserrede: Der Kaiser habe bei dem Wunsche und der Nothweudigkeit, dem Trinkspruche die kürzeste Fassung zu geben, den Gedanken der zukünftigen Gesetzgebung tu scharf pointirter Weise zum Ausdruck gebracht. Außerdem sei darauf hinzuwetsen, daß e» der osfictelleu telegraphischen Berichterstattung über die Kaiferreden nicht immer gelungen fei, diese in tadelloser Form wiederzugeben, wie mau das in den letzten Tagen an einem schlagenden Beispiele erfahren habe. S» sei dringend zu wünschen, daß der RegieruugS- entwurf baldigst vorgelegt werde.

Hamburg. 8. September. In dem civilgertchtlicheu'Ver- fahren des Fürsten Herbert Bismarck gegen die Photo­graphen Wtlcke und Priester aus Herausgabe der von ihnen angefertigteu Platten und Photographien der Leiche de» Fürsten Bismarck wurde heute da» Urtheil der Civilkammer de» Landgericht» verkündet. Da» Urtheil lautet: Die am 5. August von der Civilkammer de» Landgericht» erlaffene Verfügung wird bestätigt. Jedoch werden die Worte: 20 000 Mark Geldbuße für jeden einzelnen UebertretuugSfall dahin abgeändert: Bet einer Haftstrafe von sechs Monaten für jeden einzelnen Fall des ZuwiderhandeluS. Diese» Urtheil wurde ohne Begründung verkündet. Wilcke und Priester werden gegen dasselbe Berufung beim hanseatischen Ober- Laude»gertcht einlegen.

Aus Uhche. Nach Meldung de» Kaiserlichen Gou- veruements tu Dar-e»-Salaam hat der W ah ehe-Aufstand mit dem Tode de» Sultan» Quawa sein Ende gefunden. Nachdem durch Lande»eiuwohner sein Aufenthalt bekannt geworden war, wurde Feldwebel Merkl von der Kaiserlichen Schutztruppe zur Verfolgung entsandt. Ihm gelang e» durch seine Geschicklichkeit und Ausdauer den, Quawa derart in die Enge zu treiben, daß er unmittelbar vor Ankunft de» Feld« Webel» seine letzten Anhänger und daun sich selbst erschoß.

Ars-Urrrdo

Wien, 5. September. In der inneren Politik ist während der Abwesenheit de» Kaisers bei den südungartscheu Manöver« eine kleine Ruhepause eiugetreteu. Die öster­reichischen Völker erwarten von Banffy in Pest heute oder morgen Enthüllungen Über ihre Zukunft. Wenn in hiesigen Moutagsblättern und einigen polnischen Zeitungen angeblich officiö» mit baldigster Auflösung des ReichSrathS gedroht wird, so ist da» leere» Geflunker, denn Graf Thun wird fich hüten, gerade um die Zett der Hauptjubiläum»feirr uu» mit zwecklosen Neuwahlen zu beunruhigen. Nachdem er mit dem bisherigen Präsidenten de» Abgeordnetenhauses Dr. v. Fuchs gestern eine Unterredung gehabt, soll die Wiederwahl de» bisherigen Präfidinm» feststeheu. Falls die Opposition nicht gar schon die Eonstituirung de» Hauses gewaltsam hindert, waS unwahrscheinlich ist, wird Thun froh sein, wenn er die Badeni'scheu Ausgleich-Vorlagen wieder eiubriugen und die vergeffeue Quotendeputation wiederwähleu lasten kann, ehe er den Reich-rath nach wenigen Sitzungen abermals vertagt und mit § 14weiterwurstelt". In Wien wurde gestern unter dem Präsidium des Fürsten Auer-perg anläßlich der Jubiläumsausstellung eineLandwirthfchaftlicheWoche" eröffnet, eine agrarische Zusammenkunft, zu der auch die größte agrarische Vereinigung Deutschlands Vertreter geschickt hat. Auf Vorschlag von Lucke-Offenbach (Bund der Laud- wirthe) wurde der sächsische LandeSculturrath Graf Könnerttz zum ersten Bicepräfidenten gewählt. Köln. Ztg.

Rom, 8. September. LaVoce della Berita" meldet, die Abrüstungsnote des Zaren sei dem Papst mit einem Begleitschreiben zugegangeu, welches viel Verbindlich­keiten für den Papst enthalten habe. Letzterer habe dir Note direkt beantwortet.

Paris, 8. September. Die Morqenblätter versichern, der KriegSmiotster Zurlinden trage fich schon mit De- missionSgedanken, weil er die Revision deS DreyfuS- ProceffeS sür Frankreichs Ansehen gefährlich halte und weil er in dem Dossier Schriftstücke gefunden habe, die den General­stab in ein so schlechte» Licht stellen, daß er ein Vorgehen gegen diesen nicht auf fich nehmen wolle.

Pari», 8. September. DemSiöcle" zufolge soll die Fälschung Henry» bereit» dem Ministerium Mvliue bekannt gewesen sein. Mehrere andere Blätter behaupten, Henry habe für den gefälschten Brief 2000 Franc» in Rech­nung gestellt, woran» mau folgert, daß Henry die Fälschung

von einem Dritten aufertigeu ließ. Dieser Dritte sei der vor einigen Monaten unter räthselhaftev Umständen erhängt vorgefundene Lemercier-Pkquart gewesen.

Pari», 8. September. Der Abgeordnete Casteliu sandte dem Ministerpräfidenteu Brisson einen Brief, in welchem er erklärt: Ich will Sie daran erinnern, daß Sie seit zwei Jahren wissen, welche sofortigen Folgen die Revision de» DreyfuS-ProcesseS haben würde. Noch ist e» Zeit. Sie werden sicher nicht denjenigen Leuten, welche so vorzüglich den Interessen der Feinde Frankreichs dienen, Geuugthuuug geben.

Pari», 8. September. Kriegsminister Zurlinden ge­wann aus dem Protokoll, welches Henry nach feinem Ge­ständnisse unterzeichnete, die Ueberzeuguug, daß Dupaly de Clam an dieser Fälschung keinen Anthetl hatte. Eine andere formelle Klage aber liegt derzeit nicht vor. ES heißt, Brisson und Zurlinden seien bezüglich der Art der Einleitung der Revision deS DreyfuS-Prozesse» getheilter Ansicht. Zurlinden wolle nicht die Hand bieten zu der Feststellung, daß 1894 daS Recht der Vertheidtguug verletzt worden sei.

London, 8. September. Nach hier eingelaufeuen Pekinger Depeschen wurde der Vtcekönig Lthuug-Tschang ab­gesetzt. Tine osficielle Bestätigung dieser Nachricht liegt noch nicht vor.

Weitere Nachrichten von dem Schlachtfelde von Omdurman bekunden, daß unter den Derwischen, die trotz ihre» persönlichen MuthrS unfähig waren, den neuzeitlichen Waffen auf die Dauer Stand zu halten, rin furchtbare» Ge­metzel stattgefunden hat. In dichten Reihen lagen die Leichen dahingrstreckt. Und wa» mit den vielen ihrer Verwundeten geschah, da» deutet ein britischer Berichterstatter wie folgt an: Eine Anzahl von Sudanesen schlich vorsichtig über da» Schlachtfeld. Ihre Pflicht war eine, welche dem theoretischen Menschenfreund sehr verhaßt Vorkommen mag, welche der Krieg gegen wilde Horden, wie die de» Khalifen, aber zur gebieterischen Nothweudigkeit macht. ES ist nicht uöthig, solche Sachen eingehend zu besprechen. ES genüge, zu sagen, daß Jeder, welcher Kriege im Sudan kennt, weiß, daß ein verwundeter Baggara-Araber häufig ein gefährlicherer Feind ist, als einer, dem die Haut nicht geritzt wurde. Er stellt fich todt und versetzt seinem arglosen Gegner den Todesstoß. So ist die Verlustziffer der Derwische eine gejvaltige. Offiziere, welche die auf dem Schlachtfelde Vorgefundenen Leichen der Derwische zählten, haben berichtet, die Gesammtzahl der Todteu betrage 10800, die Zahl der Verwundeten werde auf etwa 16000 geschätzt. Außerdem seien bei der Einnahme der Stadt Omdurman noch zwischen 300 bi» 400 Derwische gefallen. Gefangen seien zwischen 3000 und 4000. Der Steg bei Omdurman hat das britische Selbstgefühl bedeutend geschwellt. Aber gegenüber dem Selbstlobe, da- die eng­lischen Blätter den om oberen Nil au-geführten Heldeuthateu gespendet, ist e» doch zeitgemäß, daran zu erinnern, daß nach militärischen Begriffen von einergroßen Schlacht" keine Rede sein kann, wo die auf englischer Sette erlittenen Ver­luste sich nur auf 23 Todte und 99 Verwundete belaufen haben. ES wäre gut, wenn die englischen Leistungen in der festländischen Presse nicht nach dem au der Themse angelegten Maßstabe, sondern nach ihrem wahren krtegSgeschichtltcheu Werthe eingeschätzt würden. Etwas Anderes ist e» um die Vorbereitung und Durchführung de» ganzen Feldzuges, die anscheinend alles Lob verdienen. Der Oberbefehlshaber General Str Herbert Kitcheuer wird daher mit Recht wahrscheinlich den Titel eine» Baronets erhalten- bisher bekleidete er nur die Rttterwürde. Er wird bald auf Urlaub nach England kommen. Dort wird er zweifelsohne der Löwe der Jahreszeit sein, obgleich ihm vor den damit verbundenen Lasten bange fein kann.

Locale- und provinzielle-.

Stetzeu, 9. September 1898.

Provinzialausschntzfitznug. SamStag den 17. September 1898, Vormittag» 9 Uhr, findet tu dem Regierungs­gebäude zu Gteßeu eine öffentliche Sitzung de» ProvinzialauSfchuffeS der Provinz Oberhessen mit folgender Tagesordnung start: 1. RecurS des Gemeinde« rathmitgliede» Scherer gegen einen Beschluß des Kreis- auSschusseS zu Friedberg vom 1. Juni 1898 in Sachen des uneutschuldigteu Ausbleibens der GemeiuderathSmitglieder bei den GemeinderathSfitzungeu zu Nieder-Florstadt. 2. Den Allmeudgenuß der Wilhelm Eißuer II. von Bisses. 3. Klage des OrtSarmenverbandeS Beienheim gegen die OrtSarmen- verbände Dorheim und Schwalheim wegen Unterstützung der Familie de» Georg Meter III. zu Beienheim. 4. Erbauung der Nebenbahn BeienheimNidda- hier: Geländeerwerb tu der Gemarkung Ober-WtdderSheim, insbesondere Entschädigung für Obstbäume im Wege deS EnteignungsverfahreuS.

Hessischer Laudwirthfchaftsrath. In diesem Jahre ver­anstaltet der Hessische LandwtrthschaftSrath nach Vereinbarung mir den 31 laudwirthschaftlichen Provtnzialvereiuen eine gemeinsame Beschickung der 6. deutschen Gersteu- undHopfeu-AuSstellung zu Berlin unter Bestreitung der entstehenden BeschickuugSkosteu. Die Proben sind mit Anmeldekarte bis längstens 19. September au da» Bureau des Hesstschen LaudwirthschaftSrathS, Offenbach a. M., Löwen­straße 4, zu senden, wo fie einer engeren Auswahl und Bor- prämttrung unterzogen werden. Die Bedeutung der Berliner Ausstellung und die bisherigen Erfolge der hesstschen Gersten auf jener Ausstellung dürsten dieser Jahr eine starke Be- theiligung aus dem ganzen Großherzogthum erwarten laffeu.

* Gabettberger Stenographie (deutsche» Einheitssystem). Der GabelSberger Stenographen - Verein (ge- gründet 1861) wird seinen nächsten Au fang».Unter richt Donnerstag den 22. September beginnen. Genauere Mit- rhetlungen werden demnächst im Aozetgentheil erscheinen. I Der Unterricht wird in seither bewährter Weise durch den I Lehrer des Vereins ertheilt. Wir verfehlen nicht, wiederholt I auf den Nutzen der Babelsberger Stenographie

hinzuwetsen heute unentbehrlich für jeden mit viel Schreib­werk Belasteten, amtlich eingeführt in fast allen deutschen Schulen, Lehrgegeustaud an der Handelshochschule zu Leipzig.

* Radsport. Bei dem vorgestern Abend stattgefundeneu Kadrenueu (Lahubrücke Windhof Heuchelheim Lahn­brücke) wurde Häuser-Steinberg Erster, Krömmelbein- Gießen Zweiter und Großmann (außer Coueurreuz) Dritter. Häuser legte die Fahrt in 10, Krömmelbein in 15Vg Minuten zurück.

♦♦ Für die Bahureifenden vierter Klaffe ist folgende Verfügung der Bahuverwaltung in Halle betreffs Be­nutzung der Sitzbänke von Interesse:Wiederholt find zwischen den Reisenden der vierten Wagenklaffe Streitigkeiten darüber entstanden, daß einzelne Passagiere berechtigt zu sein glaubten, einen bestimmten Sitzplatz für die ganze Dauer der Reise für fich allein in Ansprnch nehmen zu können. Das Zug­personal wird angewiesen, bei eintretenden Differenzen da» Publikum darauf aufmerksam zu machen, daß ein Anspruch auf dauernde Besetzung eines Sitzplatze» der vierten Wagen- klasse nicht besteht, auch ein Belegen der Plätze unstatthaft ist. Die Sitzplätze find lediglich da, um allen Reisenden ohne Unterschied Gelegenheit zu geben, fich zeitweise auSzuruheu, wobei eine weitgehende Fahrt in keiner Weise einen be« günstigten Vorzug für den Reisenden in fich schließt."

* Da» Reiterstandbild de» «roßherzog» Ludwig IV. von Heffeu, das für Darmstadt bestimmt ist, angefertigt von Professor F. Schaper in Berlin, hat auf dem Werkplatz des Berliner Granitwerk- Kessel & Röhl Aufstellung gefunden. Die ganze Höhe de» Standbildes beträgt 8,77 Mir., wovon 4,25 Mtr. auf die Figur de» GroßherzogS entfallen. Der Sockel wurde von der vorgenaunteu Firma in rothrm schwedischen Lysektl-Granit au-geführt- die Sockelschicht ist geschliffen, der Aufbau polirt. Das Denkmal selbst zeigt den Großherzog in der kleinen Generalsuniform mit Mütze- er halt in ruhiger Haltung auf seinem edel gebauten Pferde- die Linke führt den Zügel, während die Rechte leicht auf die Hüfte gefetzt ist. Auf dem gütigen, bartumrahmteu Antlitz liegt ein freundliche» Lächeln, da» die für die Rückseite des Sockel» bestimmte Inschrift:Dem geliebten und gerechten Fürsten, dem tapferen Führer der hessischen Truppen 1870 bi» 1871 sein treue- Hrssenlaud" erklärlich macht. Professor Schaper hat mit Geschmack und Geschick bet seinem Werk auf alle- Gespreizte, Apotheosenhafte verzichtet- er hat den Fürsten so schlicht und rein menschlich dargestellt, wie er in den Herzen und dem Gedenken seine- Volke» fortlebt. Die Vorderseite de- Sockel» trägt über den WortenLudwig IV." einen Broneefrie» aus Lorbeerblättern, der in der Mitte durch den hessischen Löwen gethetlt wird- darüber ruht auf einem Kissen die Krone. Um die anderen drei Seiten zieht sich ein schwach sttlifirter Fries von Fichtenzweigen und -Zapfen. Da- Denk­mal wurde tu der Gladenbeck'schen Broncegießeret gegossen und wird am 16. d-. Mts. seinem Bestimmungsort zugeführt werden.

** Der 6. Bundestag Deutscher Gafiwirthe tagte am am 5. September in Kassel. Unter Anderem wurde ein Antrag angenommen, der Bundesvorstand möge Schritte thun bei der Regierung, daß durch Reichsgesetz dir Faßaiche, namentlich an Bezug-- und Versandt-Fäffern, nach Verlauf von zwei Jahren zn wiederholen ist. Betreff» de» Concesfion»- wesen» fand ein Antrag Annahme, wonach der zugleich vom Ostdeutschen Verband ausgearbeitete Entwurf zur Abänderung des § 33 der Gewerbeordnung allen Vereinen de» Bunde» zur Begutachtung zugesandt werden soll. Hinsichtlich einer reichsgesetzlichen Regelung der sogen. Straußwirthschafteu, Controle der Production, Festsetzung der Polizeistunde und Verbot der Speisewirthschaften wurde beschlossen, daß der Bundesvorstand beauftragt wurde, eine solche reichSgesetzltche Regelung anzustrebeu. Ferner wurde der Bundesvorstand beauftragt, vorbereitende Schritte zur Einrichtung von Haft­pflichtversicherung und Feuerversicherung zu thun und dem nächsten Bundestag bezügliche Vorlage zu machen. Lebhafte ; Klagen wurden über die Concurrenz de» Flaschenbierhandels laul und in Verbindung damit über den Kleinverkauf von Bier durch Brauereien an Private und Gewährung eines procentualen Abstich» von den Brauereien. Man beschloß, da» vorgebrachte Material zusammen zu fassen und einer Commission zu übergeben, damit fie die Schritte erwäge, welche zur Abhilfe führen können. Zum Zweck einer Auf­hebung des Vieh- und Fletscheinfuhr-Berbot» wurde der Vor­stand beauftragt, eine Petition abzusrvden.

* Zur Fahrrad-Beförderung anf der Eisenbahn. Mit Rücksicht auf die neuen Bestimmungen, betr. den Fahrrad- Transport auf Etseubahneu, ist höheren Ort» angeordnet worden, daß auch die Packwag en Richtungsschilder erhalten, i damit die Radfahrer ihre Räder nicht in falsche Packwagen bringen. Namentlich sollen die Richtungsschilder angebracht werben, falls mehr wie ein Packwagen in den Zügen läuft. Hinsichtlich der Fahrräder-Besörderuug ist ferner noch bestimmt worden, daß die Packmeister, falls etwa Uebergang auf eine andere Linie beabsichtigt wird oder au» anderen Gründer Umladung stattfindet, die betr. Aufgeber von vornherein auf­merksam machen sollen, auf welcher Station das Rad in Empfang zu nehmen und an den anderen Zug zu bringen ist. Hat ein Reisender auf einer UebergangS- oder der Zielstatiou sein Rad vom Packwagen nicht abgeholt, so können auf sein Ansuchen auf Grund der Fahrradmarke zur Ermittelung nut Rücksendung deS weitergegangeneu Rades Depeschen nachgesandt werden. In diesem Fall empfiehlt eS fich, dem betr. Station»' beamten die Fassung der Depesche zu überlassen. Für letztere find alrdaun ohne Rücksicht auf ihre Wortzahl nur 50 Pfg- zu zahlen, während die volle Taxe erhoben wird, wenn der Reisende die Depesche selbst schreibt.

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Vor 92 Jahren, am 10. September 1806, starb i» Dresden als Oberbibliothekar der berühmte Sprachforscher

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