Ausgabe 
10.6.1898 Zweites Blatt
 
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deutend vermehrt und zwar durch Zugang au» der Um« gegeod. In der nun zu Ende gegangenen ersten Juniwoche stad mehr Badekarten verkauft worden, als in der vorigen Saison während der ganzen Monarß. Hier haben wir einen trefflichen Beweis dafür, daß durch die neue Bahn­verbindung daS kleine, reizend gelegene Bad wesentlich ge­hoben wird. Die Heilquellen kommen auch ganz besonders der Umgegend und den weniger bemittelten Kranken zu gute. Alltäglich erscheinen Badegäste aus Hungen, Echzell, Gettenau, Reichelsheim, Büdingen und au- wetter an den Bahnlinien liegenden Orten. Das Waffer der Lithiumquelle zu trinken, soll besonders empfehlenSwerth sein. Die verehrliche Eisen­bahnverwaltung in Gießen würde sich den leb- haftestenDank der W etterauer Bevölkerung ver­dienen, wenn ein Personenwagen an den 4-Uhr- NachmittagS-Güterzng gehängt würde, wodurch die Badegäste nicht gezwungen würden, bis zum Abendzug in Salzhausen zu bleiben. Nächsten Sonntag findet hier großes Militärconcert statt.

N. Nidda, 8. Juni. Im hiesigen Oberförstereibezirke liegt eine selbständige Waldgemarkung von über 8000 Morgen, die fast ganz aus Laubwaldungen besteht und ein wunder­volles Jagdgebiet für sich abgibt. Seither hat die Jagd­pacht kaum 200 Mark betragen. Herr E. aus Frankfurt, der sich zwischen hier und Salzhausen eine Billa baut, hat 3000 Mark Jagdpacht für diesen Bezirk, der den Namen die »Harb" führt, geboten, und nun soll diese selbständige Wald- und Jagdgemarkung im Nachsommer öffentlich ver­pachtet werden. DaS Angebot ist, wie bemerkt, 3000 Mk. - jetzt haben die hiesigen Jagdfreunde ein Consortium zu bilden in AuSficht genommen, daS bi» zu 5000 Mark mttbieten will. So bringt die neue Bahnlinie Leben, Verkehr und Geld in die Gegend. Bet Salzhausen find wettere 810 Bauplätze öffentlich versteigert worden.

n . Nieder-Rosbach, 7.Juni. Unsere bedeutenden Ktrschrn- anlagen liefern dieses Jahr nur eine Mittelernte, da der Hagel viele junge Früchte in der ersten Entwickelung abge­schlagen hat. Aus anderen Gegenden mH namhafter Kirschen- zücht lauten die Nachrichten günstiger. Wir werden deshalb keine hohen Preise erzielen können und darum doppelten AuS- fall haben.____________

Dernrifcfrits»

Marburg, 7. Juni. Bei Roda ging ein Wolken- bruch nieder, wodurch das WettschastSthal überschwemmt wurde. Der Landwirth Hainer in Oberasphe wurde auf feinem Hofe vom Blitz erschlagen.

* Marburg, 8. Juni. Auf einer UebnngSfahrt be­griffen pasfirte heute Morgen eine Radfahrer-Abtheilnng des 116. Regiments »Kaiser Wilhelm" aus Gießen, bestehend au» 1 Offizier, 2 Unteroffizieren und 12 Manu, unsere Stadt.

* Berlin, 7. Juni. Das tragische Ende de» Professors Geselschap in Rom beschäftigt noch immer kunstsinnige Kreise. Im September vorigen Jahres war er nach Italien gereist, begleitet von der Tochter seiner Wirthschafterin, da er in Folge seines Fußleidens nicht ohne Hilfe auskommen konnte. Im März erkrankte er an der Influenza und war drei Wochen bettlägerig. Bald nach seiner Wiederherstellung traten Entzündungserscheinungen an seinem kranken Bein auf und verschlimmerten sich derartig, daß die Aerzte ihm dringend zur Amputation riechen. Geselschap glaubte jedoch nicht an seine Wiederherstellung und befürchtete, den Bildercycluü für die Friedenskirche in Potsdam, den er gerade in Rom zu vollenden gedachte, nicht mehr fertigstellen zu können. Dieser Gedanke drückte den Künstler seelisch sehr nieder und trieb ihn unter namenlosen Seelenqualen dem Selbstmorde entgegen. Der Sectionsbefund ergab eine Erkrankung des Gehirns. Die Beerdigung sollte Sonntag Nachmittag auf dem Cestius.Friedhof in Rom, der Ruhestätte der deutschen Künstler daselbst, erfolgen. Die Berliner Akademie der Künste, deren Mitglied Geselschap seit 16 Jahren gewesen ist« hat chren Vertreter in Rom, Bildhauer Professor Ger- Hard, beauftragt, am Sarge des verstorbenen Künstlers einen Lorbeerkranz niederzulegen. Ueber die letzten künstlerischen Arbeiten Geselschaps erfährt dieRat. Ztg." noch von ge­schätzter Seite: Professor Geselschap hatte vor einigen Jahren vom Staat den bedeutenden Auftrag erhalten, das Mittel­schiff der Friedenskirche in Potsdam mit einem Cyclus von Darstellungen aus der biblischen Geschichte zu schmücken. Die von ihm ausgearbeiteten Skizzen, welche die malerische Decoration des ganzen Raumes umfaßten, haben bei den maßgebenden Factoren ungeteilten Beifall und lebhafte An. erkennung gefunden. Geselschap widmete sich mit freudigem Eifer der Durchführung der von ihm übernommenen großen Aufgabe, er hatte die Cartons zu einigen Bildern bereits vollendet und war in Rom mit Ausführung der Gemälde auf Leinwand beschäftigt. Außerdem hat er in letzter Zeit im Auftrage der Stadt Hamburg Skizzen für die Ausmalung des Hauptsaales des dortigen neuen Rathhauses entworfen. Auf andere ehrenvolle Anträge, die an ihn herantraten, konnte er mit Rücksicht auf die von ihm bereits übernommenen umfangreichen Arbeiten nicht näher eingehen.

* Hamburg findet in diesem Jahre vom 10. Sep- ttmbcr bis 2. October eine allgemeine Ausstellung für VolkSernährung und Gesundheitspflege, verbunden mit einer Sonderausstellung für Kochkunst, Brauerei und Wirth« schaftSwesen, statt. Sie wird in särnrntlichen Räumen bei auf StaatSgrunde stehenden ConcertbauseS Hamburg, St. Pauli, und auf dem anstoßcnden Heiligengeistfelde in einer eigens zu erbauenden Maschinenhalle veranstaltet. Dem Aus­schüsse der Ausstellung gehören die hervorragendsten Männer aller in Frage kommenden Fachkreise Hamburgs an, sodaß ein Gelingen bei Unternehmens außer Frage steht.

e Der verband deutscher Fahrradhandler beabfichtigt eine Fahrrad messe. Sie wird in der Zeit vom 3. bis 9. November in den Räumlichkeiten del Crystallpalastes zu Leipzig abgehalteu. Die Vorarbeiten schreiten rüstig vor-

wärtö, und schon jetzt läßt sich mit Sicherheit eine um- faffende Betheiligung der deutschen Fahrradindustrie und der mit dieser in Beziehung stehenden Geschäftszweige erwarten.

e «ulschreibeu. Die Firma G. Leh kauf, kunstgewerb­liches Magazin, Nürnberg, erläßt, ein Preisausschreiben zur Erlangung eines künstlerisch aulgefütrten Gegenstände», der all Andenken an Nürnberg geeignet ist. ES ergeht deßhalb an Künstler wie auch Kunsthandwerker die Aufforderung zur Be« theilignng und können die betr. Bedmgungen bei obiger Firma erholt werden. All Preise find 500, 300 und 200 Mk. an- kttsetzt, wie auch die Prämiirten fofort Aufträge auf mehrere Tausend Mark erhalten.

* Auszeichnung. Dem Ingenieur Hugo Luther in Braunschweig wurde durch einstimmigen Beschluß der jetzt in Ehemnitz tagenden Generalversammlung del Verein» deutscher Ingenieure (ca. 12000 Mitglieder) als höchste Vereins- auSzeichnung für hervorragende technisch-industrielle und fach­wissenschaftliche Leistungen die Gralhof-DeakmÜnze zuerkannt. Inhaber der GraShof-DenkmÜnze waren seither der Bau­director und Professor des MaschinentngenieurwesenS an der technischen Hochschule Stuttgart C. v. Bach, der Professor deS Bauingenieurwesens an der tchnischen Hochschule Aachen O. Jntze, der Commerzienrath G. Krauß-München, der Pro­fessor an der technischen Hochschule München Dr. Earl Linde, der Geh. RegiemngSrath und Profeffor an der technischen Hochschule Berlin A. Riedler, der Geh. RegiemngSrath A. Wöhler-Hannover, der königl. sächs. Geh. Rath und Pro­feffor an der technischen Hochschule Dresden Dr. Gustav Zeuner, sowie die Geh. Commerzienräthe Fabrikbesitzer H. Gruson- Magdeburg und F. Schichau-Elbing, von denen die beiden Letztgenannten bereits verstorben find.

* Mau nimmt gewöhnlich an, daß die Schreibmaschine eine ganz moderne Erfindung sei,- dem ist aber nicht so, vielmehr findet .fich, wie uns da» Internationale Patent- bureau Carl Fr. Reichelt, Berlin NW. 6, mittheilt, in den englischen Patentacten vom Jahre 1714 ein Patentgesnch, welche» sich auf eine »Maschine zum Schreiben mit gedruckten Characteren" bezieht. Genau hundert Jahre später findet fich eine zweite von Sain & Wright eingereichte Anmeldung, die fich gleichfalls auf Schreibmaschinen bezieht. Diese (Son* struction bildete die Bafis, auf welcher Thurber in Worcester weiter baute. 1851 erhielt ein Franzose, Foucault, ein eng­lisches Patent auf eine sehr finnreich ausgedachte Schreib­maschine, welche auch im Modell auf der großen Weltaus­stellung desselben Jahres figurirte und Aufsehen erregte. Unter den derzeit gangbaren Schreibmaschinen nimmt die BlickenSderfer einen hervorragenden Platz ein. Die Jury in Chicago, welche der BlickenSderfer auf der Ausstellung im Jahre 1893 die höchste Auszeichnung zuerkannte, äußert fich in ihrem Gutachten dahin: »BlickenSderfer, eine vorzügliche und handliche, den Erfordernissen des Geschäfts- und Privat* gebrauche- entsprechende Schreibmaschine. ES ist eine au» sehr wenig Theilen bestehende Thpenradmaschine mit stet» sichtbarer Schrift, die Thpenräder find au»wechselbar und billig, die Zeilenweite kann beliebig reguliert werden. Die Maschine eignet fich gut zum vervielfältigen und hat ein leicht Übersichtliche», gut angeordnete» Griffbrett. Sie zeichnet sich durch Einfachheit, geringe» Gewicht, LeiftungSfähigkett, Billig* kett und Dauerhaftigkeit aus und bedeutet einen außerordent­lichen Fortschritt in Fabrikation, Leistungsfähigkeit und Schnelligkeit von Schreibmaschinen." Die BrÜhl'sche Uni* verfitStS, Buch« und Steindrnckerei in Gießen hat den Allein- vertrieb der BlickenSderfer für daS Großherzogthnm Hessen übernommen und steht mit Auskunft gern zu Diensten.

Aul Jerusalem wird berichtet: In der deutsch- evangelischen Kirche find gegenwärtig zwei deutsche Maler mit Herstellung der Wandmalereien beschäftigt, Kuppel und Decke find nahezu vollendet- bis aber die Malerei an den Seitenwänden fertig fein wird, werden noch Monate vergehen. Altar und Kanzel werden aus dem besten Gestein des be­nachbarten Gebirges hergestellt, und zwar find es zwölf ge* schickte arabische Steinhauer auS Bethlehem, Betschala und Ramalla, die diese feinere Arbeit liefern, wie ja die Bau- Handwerker Bethlehems von alter Zeit her einen guten Ruf haben. Die Orgel baut Orgelbaumeister Dinse in Berlin. Die türkischen Behörden Jerusalems find infolge höherer Weisung vor Kurzem zusammengetreten, um unter Mitwirkung eines Beamten des deutschen Lonsulats eingehend über Alle» zu berathen, waS wegen deS bevorstehenden Besuche» des deutschen Kaisers in» Werk gesetzt werden soll. Der deutsche Consul Dr. v. Tischendorf ist vom Auswärtigen Amt nach Berlin berufen worden, um ebenfalls die Reise des Kaiser­in die rechten Wege leiten zu helfen.

* 3n Pari! beabfichtigt man, nach einer Mittheilung des Patentbureaus von H. L W. Pataky in Berlin, die Wasserkünste der öffentlichen Plätze leuchtend zu machen, und hat schon Versuche in dieser Richtung angestellt. Man hat dabei nicht die Mannigfaltigkeit der Farben angestrebt, wie sie von Zeit zu Zeit bei den Fontänen der internationalen Ausstellungen entfaltet und durch auf einer Anhöhe angebrachte Apparate erzielt wird; in Paris soll nur eine Art Goldgelb zur Anwendung kommen. Dafür aber werden die Spring­brunnen das Ansehen von Caskaden aus Diamanten und Topasen haben. Diele Wirkung soll mittels elettrischer Lichter und farbiger Gläser erreicht werden, die in solcher Weise um das Bassin geordnet find, daß die Schönheit des Springbrunnens auch bei Tageslicht sich nicht vermindert. Die zu Versuchen verwendeten Fontänen waren die am Place du Theätre fran^ais und am Place de la Concorde, und bis jetzt sind alle diese Versuche vom besten Erfolge gekrönt gewesen.

* Für Wirthe. Wirthe sollten, nachdem da» Radeln tu großartigem Maßstabe zunimmt, barem denken, fich den Be* such der Radler zu sichern. Hierzu gehört neben preil- werther und guter Verpflegung ein trockener, sicherer Raum zur Aufbewahrung der Räder, Vorhandensein von Reparatur* Werkzeug, größere Luftpumpe, wie solche für wenig Geld zu erhalten. Dal Vorhandensein von Karten der nächsten Um­

gebung, Fachschriften wird angenehm Überraschen, noch mehr aber, wenn der Radler über Nacht bleibt und am Morgen sein Rad von der sachverständigen Hand bei Haulknechtl sauber geputzt, eventl. ausgepumpt und nachgesehen vorfindet. Ist der Wtrth selbst Radfahrer, so wird er seinen dienstbaren Geist leicht unterweisen können, sonst laffe er diel von einem Radfahrer thun. Genaue Kenntniß über die Straßenver­hältnisse auf Grund eigener oder fremder Erfahrung dürfte auch von großem Bonheil sein. Der Wirth sorge dann dafür, daß keine Belästigungen der Radler In Orten durch Kinder ober Erwachsene (solche Orte werden gemieden) statt- finden, und ein Radler wird el dem andern sagen, wie gut aufgehoben, und wie zufrieden er war. Der Besuch wird steigen zum BoNheil deS WinheS, der Gemeinde und der ganzen Gegend. Wirthe, welche geeignete Schllber anbringen, z- B.Radlerheim", »Gute Verpflegung",Aufbewahrung!- raum für Räder", »Reparaturwerkzeug vorhanden",Reinigen der Räder" rc., werden sicher dadurch manchen Radler ver- aulaffen, einzukehren und wiederzukommen.

* Fürst BiSmarck ist bekanntlich kein Freund der neuen Orthographie manch liebel Mal hat er feiner Ab­neigung dagegen Anldruck gegeben. Neu ober ist, wal Po- schinger im vierten Bande seine» Werke» »Fürst BiSmarck und der BundeSrath" aus den Erinnerungen de» weimarischen StaatSminister» Dr. Stichling mittheilt. Darauf, so berichtet Stichling über eine Kaffeeunterhaltung aus den ersten Mo­naten deS Jahre» 1880, brachte der Fürst da» Gespräch auf die neue Orthographie, gegen die, als eine ganz unnütze Beengung der persönlichen Freiheit, er gewaltig zu Felde zog, zur großen Verlegenheit de» anwesenden Minister» Hof­mann, der die Unvorsichtigkeit begangen hatte, die neue Putt- kamer'sche Orthographie den 8unbe»regterungen zu empfehlen, ohne dem Reichskanzler darüber Vortrag erstattet und seine Genehmigung eingeholt zu haben. In seiner Auffassung von der persönlichen Freiheit jede» einzelnen Deutschen in Betreff der Rechtschreibung ging der Fürst allerdings weit. Er er­kannte namentlich auch gewiffe Schreibarten innerhalb der Familien an, sprach die vorau»setzung au», daß ich doch gewiß so schreiben würde, wie Herder geschrieben habe (Stichling war der Sohn der einzigen Tochter Herder»), und erzählte au» seiner Familie von der eigeuthümlichen Sprachbildung seine» Vaters. Der habe für baß Wortjagen" zwei Im­perfecta gehabt: wenn er auf ber Jagd gewesen sei, habe er gesagt: »ich jagte"; wenn er aber recht scharf geritten fei:ich fug". Unb da» schien ber Sohn al» ganz berechtigt anzusehen.

* Die erste Kirche in Klorrdyke. Aus dem neuen Gold­lande kommt dem Patentbureau von H. L W Pataky in Berlin die Nachricht, daß Klondyke seit Kurzem im Besitz einer Kirche und zwar einer sehr wohleingerichteten ist. Noch im August vorigen Jahres hielten die dort anwesenden beiden Missionäre in einem kleinen Häuschen Gottesdienst. Als dieses durch einen Zufall abbrannte, predigten sie im Opernhause", dem größten Saal in Klondyke; bald aber regte sich bei den Missionaren und bei den Goldgräbern selbst der Wunsch nach einer eigenen, würdigen Stätte der Andacht, und mit vereinten Kräften unternahm man den Kirchenbau. Derselbe stellte sich ziemlich theuer; zum Maaß- stabe für den hohen Preis jedes einzelnen Zubehörs fei er­wähnt, daß eine gewöhnliche Thürhaspe nicht unter 2 Pfund Sterling 40 Mark beschafft werden konnte. Nachdem aber diese Opfer gebracht worden, bietet die Kirche Annchm- lichketten und Vortheile, die man sonst in Gotteshäusern vergeblich sucht. Immer wohlgehetzt, dient sie den Gold­gräbern, wenn kein Gottesdienst ist, zum Versammlungslocal und enthält ein Lesezimmer und eine Bibliothek mit etwa 1500 Büchern und den gelesensten Zeitschriften. Dies hat einen ganz besonderen Werth für diese Minenarbeiter, die sonst aus das verwlldernde Wirthshausleben angewiesen waren, und schon zeigt sich bei ihnen ein reges Interesse für Lectüre und geistige Unterhaltung. Endlich steht in directer Verbindung mit der Kirche ein Arbeitsnachweisbureau, eben­falls eine sehr nützliche Einrichtung, denn seltsamerweise sind die ArbeitS« und Stellenlosen in Klondyke, der Stadt des Goldes, ebenso häufig, wie in anderen Großstädten Amerikas und in denen Europas.

Chinesische Dienstboten. Da gegenwärtig China, bal Reich ber Mitte", gewissermaßen bal Zentrum ber all­gemeinen Aufmerksamkeit bilbet, dürfte e» von Interesse sein, ,u erfahren, wie man in »competenten Kreisen" über jenem Riefenreid) entstammenbe dienstbare Geister benkt unb urtheilt. Chinefische Dienstboten finb in Amerika keine Seltenheit - von bort kommt un» daher auch bie maßgebende Kritik: Ein Kreuz unb Leiben", so schreibt man au» San Francisko, hat man hier zu Laube mit chinesischen Dienstboten- sobald ie fich bei einer Herrschaft befinden, die ihnen nicht zusagt, iflegen fie vor dem Abzüge ihren Nachfolgern durch allerlei geheime Zeichen auf den Töpfen und sonstigen Küchengeräthen ;anz bestimmte Mittheilungen über die Eigenheiten der Herrschast zu geben. Sie bringen zu diesem Zweck auch an den Wänden unb Thüren kleine, kaum sichtbare Zettel an, welche oft die unerbaulichsten Warnungen enthalten. Ein Herr in San Francisko, der seine Dienerschaft häufig wechselte, latte vor Kurzem einen neuen Koch angestellt- doch kaum gatte dieser die Küche betreten und einige Kächengegenstände a Augenschein genommen, al! er sofort Kehrt machte und davoneilte. Der Herr folgte dem fort eilenden Kochkünstler und fragte ihn, warum er seinen Dienst nicht antrete.Me no wanto stop here* antwortete der bezopfte Sohn Chinas - Frau böse Zunge den ganzen Tag Arbeit kein Lohn zahlen me go."

* Antichambrirende Königinnen. Daß auch Königinne» bisweilen antichambriren müssen und doch keine Audienz erlangen können, haben die holländischen Königinnen kürzlich n Arth.Goldau erfahren. Am Tage vor Pfingsten wollten ie ihrerCoufine", der Königin der Berge, einen Besuch abstatten unb theilten die» ber Direktion der Arth-R gi Bahn in Goldau von Schönfel» aus telephonisch mit. Director