Ausgabe 
9.12.1898 Erstes Blatt
 
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Gzilagyi verweigerte. Trotz dieser Vorgänge ist die liberale" Partei in gehobener Stimmung, da die Krone bot Vorgehen der Regierung genehmigt, wenn die liberale Partei fest und einig bleibe. Lin nun von der Partei gebilligter Gesetzentwurf ermächtigt die ungarische Regierung, sowohl die Steuererhebung als das wirthschaftliche Verhältniß mit Oesterreich weiter aufrecht zu halten, auch falls der vor­läufige Staatshaushalt und die Ausgleichsvorlagen bis zum 1. Januar verfassungsmäßig nicht erledigt werden sollten. Die oppositionellen Blätter bezeichnen diese Vorlage aller­dings als höchst ungewöhnlich und dem förmlichen Ber- faffuugSrecht zuwiderlaufeud.

Paris, 6. Decembrr. Der frühere französische Bot­schafter Fournier, der gestern zu Tour« begraben wurde, soll Denkwürdigkeiten hiuterlaffen haben, deren Ver­öffentlichung für viele seiner Collegeu wenig schmeichelhaft sein wird. Fournier gehörte zu den diplomatischen Quer­köpfen- in Rom als Gesandter beim Quirinal zankte er sich derartig mit seinem Collcgen vom Vatiean, dem Grafen Bourgotug, daß ein förmlicher Krach entstand- Bourgoiug dankte ab, und Fournier ließ sich zur Disposition stellen. Merkwürdigerweise war Fournier später, als er 1877 in den aktiven Dienst zurückkehrte, BourgoingS Nachfolger tu Soustauünopel. Er verblieb dort bis 1880, ließ sich peu- fioutreu und nahm feit 1880 als Senator gelegentlich an den parlamentarischen Kämpfen theil. Er starb 78 Jahre alt.

Parts, 7. September. Die Wendung tm Fall Ptcquart. Dem Drängen seiner Bertheidiger nachgebend, bar Ptcquart, wle schon telegraphisch gemeldet, au den LaffatiouShof ein Gesuch wegen der R'chterorduuug gerichtet, das sich auf die Artikel 527 und 536 der Strafproceßord- nung stützt. Die Bestimmung der Richterorduuug ist die Befugniß des CaffationShofe», im Falle eines Zuständigkeit». streiteS zwischen zwei verschiedenartigen Gerichtsbarkeiten, die mit der Aburtheiluug derselben Sache oder eng zusammen» hängender Sachen betraut sind, diejenigen Richter zu benennen, die tu der Sache urthetleu sollen. Augenblicklich ist nun Ptcquart vor zwei Gerichtsbarkeiten verwiesen. Bevor er der Militärjusttz auSgeliefert und in daS Mtlitärgefangniß von Eherchr-Mtdt gebracht wurde, saß Piqusrt im Gefängutß La Santo wegen des ProeeffeS, der von der bürgerlichen Justiz gegen ihn und den Anwalt Leblois wegen Verbreitung von Schriftstücken, die die LandeSvertheidtgung augeheo, ge­führt wurde. Ptcquart wird nun wegen derselben Angelegen­heit und außerdem wegen Fälschung der Rohrpostkarte von der Militärjusttz belangt. Der Artikel 527 der Strafprocrß- orduung, den Ptcquart tu seinem Gesuche anzteht, lautet nach derRöfa. Ztg.":Die Entscheidung, vor welchen Berichts» stand eine Angelegenheit gebracht werden soll, muß durch den Eaffattoushof stattfiudev, wenn ein Militär- oder Marine- geeicht, ein militärischer UntersuchuugSosfizter oder jedes andere Ausnahmegericht einerseits und der Appellhof, das Schwur­gericht, das Zuchtpolizeigericht, das einfache Polizeigericht oder ein Untersuchungsrichter anderseits daffelbr Verbrechen oder miteinander zusammenhängende Verbrechen gleichzeitig abzuurthetleu haben." Artikel 536 lautet:Indem der LaffationShof den ZuständigkeitSstreit zwischen zwei Gerichts­ständen entscheidet, beschließt er auch über alle RrchtShand- hingen, die die betreffende richterliche Behörde bereits au»- gesührt hat." Ferner sagt ausdrücklich der Artikel 82 der Mtlüärstrafproceßordnung, die Bestimmungen des Artikels 527 hätten auch für die Militärjusttz Geltung. Demnach wird also der CaffatiooShof zu entscheiden haben, ob Picquart vor der bürgerlichen oder der Militärjusttz erscheinen soll, und cs ist somit anzunehmeu, daß der Prrceß Ptcquart am 12. De- cember vor dem Kriegsgericht nicht stattfinden wird.

Die Botschaft desPräsideuten Mae Kin­ley erwähnt des Handelsabkommens mit Frankreich und fügt hinzu, daß auch mit Deutschland Verhandlungen im Gange feien. Die Bestätigung dieser Nachricht von ameri­kanischer Seite kann nur angenehm berühren. Allein wenn die Verhandlungen nur daS in der Botschaft angedeutete Ziel haben sollten, nämlich uns von derGründlichkeit der Aufficht über die zur Ausfuhr bestimmten amerikanischen Schweineproducte zu überzeugen" und dieEinfuhr von ge» trockneten Flüchten" nach Deutschland zu erleichtern, so ist uns damit wenig gedient, und wir können nur mit Entschie­denheit darauf dringen, daß die Reichsregierung endlich die Frage zur Entscheidung dringe, ob wir mit Amerika tm Verhältniß der Meistbegünstigung stehen oder nicht. Der Vertrag von Saratoga vom Jahre 1891 ist deutscherseits bisher eingehaltea worden, und amerikanische Produkte ge­nießen tu Deutschland olle Vorzüge der Metstbegünstigung. Dagegen haben die Vereintsten Staaten am 1. Januar 1898 das Abkommen mit Frankreich geschloffen, welches letzterem Lande eine Reihe von Zollbegünstigungen gewährt, die Deutsch­land bisher vorenthalten worden find. Da» ist eine Ver­letzung der Meistbegünstigung und die amerikanische Auf» sassung, wonach Deutschland diese Vergünstigungen erst durch besondere Zageständntffe erkaufen müffe, kann nur energisch zurückgewteseu werden. Zwar haben wir mit Amerika keinen Vertrag, der das gegenseitige Verhältniß mit derselben Deut­lichkeit formultrt, wie etwa der § 11 des Frankfurter Friedens unsere Beziehungen zu Frankreich festlegt. Aber auch ohne einen solchen Paragraphen ist eS absolut unhaltbar, Amerika im Genuß deS Rechte» der Meistbegünstigung zu belaffeu, während un» dasselbe Recht unter nichtigen Gtündrn verweigert wird. Hier kann man also nicht mit der That» fache fich zufrieden geben, daß Verhandlungen im Gange find, fondern mau muß immer und immer wieder auf die Nothwendigkett Hinweisen, daß diese Verhandlungen beschleunigt und im berechtigten deutschen Jntereffe zum Abschluß gebracht werden.____________________________

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Vietze«, 8. Deeember 1898.

Ernennungen. Seine Königliche Hoheit der Groß­herzog haben Allerguädigst geruht, am 7. Deeember den

Notar Dr. Gustav Wallenstein in Osthofen zum Notar » mit dem AmtSfitze in WormS, mit Wirkung vom 15. Deeember j 1898 an, zu ernennen. An Stelle de» zum Krei-amtmanu ; bei Broßherzogl. KreiSawt Friedberg ernannten Ministerin!- seeretär» Dr. Wagner ist der Mmisterialsecretär bei dem Ministerium de» Innern Dr. Hermann Kratz zu Darmstadt zum Vorsitzenden be» Schiedsgericht» für dis Invalidität»' und Alter».Versicherung tm Bezirke des Großherzogthum» ernannt worden.

** Militärdienst-Rachrichten- Dr Gros kurth, Assistenz» arzt der Res. vom Lanvwededezirk II Darmstadt, zum Ober­arzt, Schneider, Unterarzt der Res. vom Landwehrbezirk Gießen, zum Assistenzarzt befördert, Dr. Pfahl, Ober­stabsarzt 1. Kl. und Regimentsarzt vom Jnf.»Rzt. Nr. 99, al» Garnisonsarzt nach Mainz versetzt.

** Stadttheater. Ueber da» am Freitag hier zur erstmaligen Aufführung gelangende neue Philippi'sche Schau- spielDa» Erbe" schreibt gelegentlich der Erstaufführung im Königlichen Residenztheater zu München der Bayerische Courier":DaS Erbe", Schauspiel in vier Auszügen von Felix Philippi. Im Königlichen Residenz- theater gab e» gestern Abend einen starken Erfolg. Herr Felix Philippi kann mit dem Münchener Publikum zufrieden fein. Wir müffcn Herrn Philippi da» Compliment machen, \ daß er in seinem Stück gezeigt hat, daß er die Bühne und ihre Wirkungen kennt, wie keiner. Die Exposition und der \ Aufbau dr» ersten Akte» ist glänzend gemacht, wir möchten l fast sagen raffiairt. Die Steigerung im zweiten Act hält uns in Athem, und wir folgen mit Freude und Jntereffe dem prächtigen, flüssigen Dialog und der außerordeytlichen sprach­lichen Geschicklichkeit und Fertigkeit.

Stadttheater. Al» sechste Bolksvorstrllung wird am Samstag den 10. d. Mt». Fulda'»Talisman" auf­geführt. Am Sonntag Nachmittag 4 Uhr wird wiederum Blumenthal Kadelburg's LustspielIm weißen Rößl", und zwar zum neunten Male, gegeben.

* * Erwischt. In letzter Zeit wurden wiederholt von Fuhrwerken, die an Markttagen tm Hofe einer Wirthschaft in derNeuüadr standen, Packete mit Maaren gestohlen. Gestern Abend gelang eS einem Schutzmavnr, den Dieb in der Person de» dahier wohnhaften, schon mehrfach wegen Diebstahl bestraften Taglöhuers Friedrich Keller von Bellersdorf auf frischer That abzufaffen. Derselbe gestand drei Diebstähle ein und wurde in Untersuchungshaft ge­nommen.

* nn. Gewerbevereine. Bei dem starken Zuwachs, den der LaudeSgewrrdeverein durch Neubildung und Vergrößerung von Ortsgrwerbevereiuen seither erfahren hat, gestaltet fich die Verwaltung derselben sehr umfangreich, und der Verkehr der OrtSgewerdevereiue mit der Centralstelle für die Gewerbe steigert die Anforderungen an die Arbeitsleistungen dieser Behörde fortwährend. Auch die zahlreichen OrtSvereiue finden in dem LaadeSgewerbeverein nicht den wünschenSwertheu Anschluß, und eS erscheinen kleinere Bezirksverbände als Zwischenglied zwischen OrtSgewerbeverein einerseits und LandrSgewerbevereiu und Centralstelle andererseits ein zweck« mäßige» FörderuugSmtttel' für die weitere Entwickelung de» gewerblichen BereturlebenS in nuferem Laude. Zu diesem Zwecke wurde von dem seitherigen engeren und weiteren Ausschuß de» LandeSgewerbeveretn» die Einrichtung von Be-trkSverbäudeu beschlossen, al» Sammelpunkt benachbarter Gewerbevereine und als Grundlage für dir Wahlen zum Au»schuß dr» LandeSgewerbeveretn». Auch in Baden, Bayern und Württemberg ist mau bereit» mit der Schaffung von Gau- oder BezirkSverbändeu vorgegangen. Die Gründung dieser Bezirksverbände soll in Hkffen im Monat Deeember erfolgen und sind die Gewerbevereine dr» Lande» von Großh. Centralstelle für die Gewerbe hierzu aufgefordert worden. Die bereit» bestehenden 89 Gew-rbevereiue zerfallen in 13 BezirkSvereine, und zwar: AlSfeld-Lauterbach mit 311, Alzey mit 449 BenSheim-Heppenheim mit 632, Büdingen» Schotten mit 463, Darmstadt mit 1079, Dieburg mt 509, Erbach mit 563, Friedberg mit 390, Gießen mit 536, Broß-Brrau mit 609, Offenbach mit 899, Mainz-Bingen mit 871 und WormS Oppmhetm mit 495 Mitgliedern.

Wetterbericht. Eine im Norden Skandinaviens ge­legene, ziemlich tiefe Depression breitet ihren Einfluß tu süd» sicher Richtung nach dem Coutinent au» und zieht bereit» den größten Thril de» Küsteugebiete» in ihren Bereich. Ueber Central» und Südeuropa lagert zunächst noch hoher Druck, doch hat seine Intensität abgenommen und wird da» baro­metrische Maximum langsam süd ostwärt» zurückgedrängt. Auf unseren Gebieten war der Himmel in den nördlichen Theilen heiter, im Süden lag vielfach eine Nebeldecke. Auf den Bergen ist eS noch sehr warm. Voraussichtliche Witterung. Im Norden neuerdings zunehmende Bewölk­ung, im Süden noch heiter oder nebelig, je nach der Oert- lichkett.

Darmstadt, 7. Drcember. Da» Personalverzeichniß der Technischen Hochschule für das Wintersemester 1898/99 ist soeben erschienen. Die Zahl der Studirenden beträgt danach im Wintersemester iuSgesammt 1431 (gegen 1832 im Sommersemester), darunter Hospitanten 137 (111). Bon den 1431 Hörern waren gebürtig au» H-ffeu 296 (308), au» Preußen 486 (460), au» Bayern 111 (108), au» Sachsen 40 (84), au» Hamburg 30 (25), au» Elsaß-Lothringen 23 (21), au» Baden 22 (21), an» Württemberg 15 (8), aus Sachsen- Cobnrg-Gotha 12 (13)- bann folgt Bremen mit 9 (5) re. Bon den Übrigen europäischen Staaten ist Rußland mit der hohen Zahl von 150 (130) Stubireudeu vertreten - nach ihm stellt Oesterreich-Ungarn mit 50 (38) die höchste Ziffer, die Gesammtzahl der Studirenden au» dem Deutschen Reiche außer Heffm beträgt 792 (740), au» den übrigen europäi­schen Staaten 323 (267). Außereuropäischen Staaten ge­hören 20 (17) an, darunter 5 (6) au» den vereinigten Staaten, je 2 au» Venezuela, Britisch'Westiudien und Japan,

je 1 an» Mexiko, Argentlnia, Brasilien, Chile, Uruguay, Aegypten, Madagaskar, Ntederländtsch-Judten und Ostindien.

Am- de» |»it für M» Lett.

Vor 257 Jahren, am 9. Deeember 1641, starb in London der niederländische Maler van Dyk, ein Schüler Rubens. Er zeichnete sich besonders durch seine Porträt» au», welche, wie alle anderen seiner Bilder, Leben und Be­wegung in der Compofition mit Schönheit de» Kolorits ver- einigten- van DyckZwurde am 22. März 1599 zu Antwerpen geboren.

Schwurgericht.

W. Gießen, 8. Drcember 1898.

Heute wird verhandelt gegen die Dienstmagd Katharine Bessner an- Wolf wegen Brandstiftung. Die Ankiage vertritt Staatsanwalt Zimmermann. DieBertheidignng führt Rechtsanwalt Wei big.

Die am 24. März 1880 zu Nieder-Seemen geborene, mit 1 Tag Gefäugniß wegen Diebstahl» vorbestrafte Ange­klagte wird beschuldigt, zu Anfang laufenden Jahre« in vier Fällen zu Wolf, Scheuern und Stallgebäude vorsätzlich in Braud gesetzt zu haben. Die Angeklagte erklärte, sie sei bei Ludwig Möser in Wolf in Dienst gewesen, dort sei ein alter Mann al» Kosthalter gewesen, über Den sie recht zu klagen gehabt, er sowohl al» Frau Mösrr haben mit ihr öfter ge­zankt. Die Angeklagte gesteht zu, am 24. Februar d». Jrs. au» Rache dafür die Möser'sche Scheune tn der Weise in Brand gesetzt zu haben, daß sie ein brennende» Schwefel» Holz in das Stroh, da» im Gebäude gelagert, geworfen. Die Beffuer gesteht ferner zu, am 31. August die N chbarscheuer (dem Johann Zinn gehörig) ihrer Dienstherrschaft eutzündrt zu haben, um da« Mösrr'sche Wohnhaus niederbrennen zu laffen. Arn 13. September hat die Angeklagte die Scheuer -hrer Dienstherrschaft, die inzwischen wieder aufgebaut war, an- gesteckt und am 22. September einen Holzschuppen. Am 12. September war die Angeklagte auf der Kirchweih und ist am nächsten Tage von der Herrschaft, weil sie zu spät nach Hause kam, gescholten worden; die» soll der Grund sein, weshalb die Angeklagte die neu erbaute Scheuer in Brand gesetzt. Da» Feuer bei Zinn will die Angeklagte deshalb angelegt haben, weil Frau Zinn sie bei ihrer Herrschaft ver­klatscht habe. Er wird hierauf zur Vernehmung der elf Zeugen geschritten.

Ludwig Möser von Wolf: Die Brffner sei Anfang des Jahre» zu ihm al« Magd gekommen, er bezeichnet dieselbe als willig, fleißig und ordentlich bi« zu der Zeit, wo die Scheuer wieder aufgebaut wurde und da» Mädchen fich in ein Verhältniß mit einem Zimmrrgesellen eingelaffen habe. Auch die Ehefrau Möser deponier, daß sie mit der Angeklagten bi» zum Sommer in der Arbeit und im Betragen sehr zu­frieden gewesen sei. Die Zeugin hat nie bemerkt, daß die Beffuer etwa ihre fünf Sinne nicht zusammen habe. ES ist der Zeugin auch heute noch unklar, welchen Grund die Angeklagte* gehabt hat, die Brände anzulegev.

An» den wetteren Zrugenbekundungen geht hervor, daß die kurz hiuteceinanber folgenden Brände iv Wolf große Er­regung hervorgerufen haben. Aber auf die Angeklagte hatte Nie­mand Verdacht. Die Ehefrau Schauermann au» Ober- lais dcponirt, daß die Angeklagte 1897 bei ihr etwa sechs Monate in Dienst gestanden und entloffen worden sei, weil sie gelogen und gestohlen habe. Der ehemalige Lehrer der Angeklagten erklärt, dieselbe sei wenig begabt gewesen und habe schlechte Fortschritte gemacht. DaS Mädchen war in der Schule äußerst lügenhaft.

Der medieinische Sachverständige Dr. Haberkorn erklärt, er habe die Angeklagte auf Veranlaffung de» Untersuchung«» richterS untersucht, und al» Gefängvißarzt beobachtet, v'^ch die Wahrnehmungen der Gefängnißbeamten sich mittheilru laffen. Der Sachverständige ist der Ueberzrugung, da« Mädchen sei klaren Geiste», sie habe ihm witgetheilt, daß sie e» sich stundenlang vorher überlegt, wenn sie die Bräude angelegt. Da» Mädchen sei geistig und körperlich gesund, e» sei auch auSgeschloffen, daß die Angeklagte in geistiger Umnachtung die Strafthaten begangen habe. Die den Ge­schworenen vorgelegten Schuldfragen lauten auf vorsätzliche Brandstiftung in 4 Fällen.

(Schluß folgt.)

Vsvmrschtes.

Hine ganze Ortfchaft eingestürzt. Au» Daffari auf Sardinien wird geschrieben: Hier treffen entsetzenerregende Einzelheiten über die Katastrophe ein, die durch ein Unwetter in Samasft (Sardinien) verursacht wurde. Der Sturm brach gegen 9 Uhr Vormittag» lo». Unter Donner und Blitz brauste da» Waffer von den Bergen in. Strömen hernieder. In wenigen Minuten waren die breiten Straßen vollständig ungangbar. Die San Giuskppe-Straßr bildete einen wahren Strom, den mau nicht einmal zu Pferde oder auf Wagen kreuzen konnte. Nach 1 Uhr suchten die Familicn, die auf dem Marktplätze wohnten, in de- hochgelegenen Pfarr­kirche Zuflucht- voll Verzweiflung verkündeten sie, daß der Fluß die Dämme durchbrochen habe und die Ortschaft be­drohe. Man läutete Sturm, um die entfernt wohnende Be­völkerung von der drohenden Gefahr zu benachrichtigen. Bald herrschte ein wilde» Durcheinander von Wagen nnb Pferden, welche die Leute zur Kirche brachten, ein Hilferufen^ Flüchten, Jammern und Wehklagen. Um Mittag war der niedrig gelegene Theil de» Orte» völlig geräumt, gegev Mitternacht schien die Fluth abzunehmen, und die Hoffnung kehrte wieder. Aber am anderen Morgen gegen 3 Uhr wüthete der Sturm heftiger al» zuvor, und die Fluth über, schwemmte die ganze Niederstadt. Alle Häuser läng» der Straße, die vom Marttplatze zum Monte Granatico sührt, etwa 200, stürzten ein, ebenso alle Häuser der angrenzende« Straßen und an anderen Punkten de» Orte». Mit be«? Wohnungen und dem HauSgeräth verlor die arme Bevölkerung

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