den Daumen aufs Auge zu letzen. Alle Krieg-schiffe find wieder in Stand gesetzt, vollständig ausgerüstet und mit wenigen Ausnahmen bereit, auf das erste Signal in See zu gehen. Admiral Deweh hat dieselben Vorsichtsmaßregeln getroffen und in den Uebungen find große Fortschritte gemacht worden. So berichtet mau aus Washington, Spanten wird fich also einen Abbruch der FriedeuSvrrhandlungeu sehr sorgfältig zu überlegen haben.____________________________
Locales unb Provinzielles.
Gieße», 8. November 1898.
Bestätigung. Seine Königliche Hoheit der Groß- Herzog haben Allergnädigst geruht, am 3. November der am 27. Oktober l. I. durch die Stadtverordueteu.Versamm- lung der Haupt- und Rcfideuzstadt Darmstadt erfolgten Wahl der KreiSamtmanneS Carl Schltephake zu Friedberg zum besoldeten Beigeordneten der Haupt- und Residenzstadt Darmstadt die Bestätigung zu ertheileu und den Genannten auf sein Nachsuchen, mit Wirkung vom 15. November l. I., auS dem Staatsdienste zu entlaffen.
*• Ernannt wurde cm 29. October der Georg Luh in Friedberg zum Schuldtrner au der Obstbauschule daselbst.
•• nn. Kleingewerbe, Arbeitlverhiltutffe u. f. w. Im Auftrage der Großherzoglichen Staatsregierung lasten augenblicklich die Sroßherzoglicheu KretSämter Erhebungen über die Lage des Kleingewerbes, des Handels und der Industrie, sowie über die ProductiouSverhält- niffe, die Lage des ArbeitSmarkteS und über die Lebenshaltung der Arbeiterbevölkerung veranstalten und haben die Handelskammern, HaudelSvereiue, sowie eine Anzahl größerer OrtSgewerbevereine damit beauftragt. Aus deu bis jetzt eingegangeueu Berichten ist zu entnehmen, daß fich Handel und Industrie im Laufe des Jahres 1898 ganz bedeutend gehoben hat und daß die Productions- vrrhältniffe gar in steigendem Maße zugeuommeu haben. Die Lage heS ArbeitSmarkteS und die Lebenshaltung der Arbeiter kann demgemäß als eine günstige bezeichnet werden. Dagegen wachte fich ein bedeutender Mangel an tüchtigen und brauchbaren Arbeitskräften in fast allen Gewerbebetrieben fühlbar.
** Zur DenkmalS Siuweihuug in Darmstadt. Das Prä- fidium der Kriegerkameradschaft „Hassia" erläßt bezüglich der Enthüllung des Denkmals für weiland Großherzog Ludwig IV. am 25. November die weiteren Bestimmungen: Diejenigen Fahveudeputatiouen, welche als Vertreter der Bezirke an der combinirten Fahnen-Cowpagnie theiluehmeu, haben fich pünktlich um 10 Uhr im Saale der „Stadt Pfungstadt" am LudwigSplatz einznfiadeu. Deputationen, welche schon Morgen- früh oder Abends zuvor tu Darmstadt anlaugen, köanen dortfelbst auch ihre Fahnen tu sichere Aufbewahrung geben. Alle Hasfiaveretne, welche fich zum Festzuge gemeldet haben, treten pünktlich halb 11 Uhr mit ihren Fahnen auf dem LudwigSplatz an, um von dort als geschloffenes Ganze abzumarschtren. Allgemein wird dunkler Anzug gewünscht. Hasfiaabzeichen und Orden rc. find anzulegen. Präfidtalmitglieder und BeztrkSvorfitzende, erscheinen in schwarzem Rock und Cylinder. DaS Festcomits hat eine Anzahl Freiquartiere zur Verfügung gestellt, Kameraden, welche auf ein solches Anspruch erheben, haben fich baldigst bet dem Borfitzenden der EtnquartternngS.Commisfion, Herrn RegteruugSraih Weder, schriftlich zu melden. Bet der großen Bethetliguug auS allen Theilen des Landes und der Bevölkerung werden die Hasfiaveretne gut thuu, fich frühzeitig mit Restaurationen und Gasthäusern in'S Benehmen zu setzen, um MittagSttsch zu erhalten. Eine gemeinsame Bereinigung aller Hasfiamttglieder herbeizusühren, war nicht möglich, da der Saslbau vergeben war.
♦*R.S. ReichSgerichtSeutscheidnng. (Nachdruck verboten). Am 19. August 1898 hatte das Landgericht Gießen den Haufierer Wilhelm Lehmann wegen falscher Anschuldigung verurtheilt. Der Angeklagte hat am 7. December 1897 gegen deu Gerichtsvollzieher Betzberger beim Gericht eine Anzeige wegen Meineides erstattet, indem er behauptete, der Gerichtsvollzieher habe wider beffereS Wtffen falsch geschworen, daß er bei ihm, dem Angeklagten, schon mehrmals vergeblich gepfändet habe, während es nur einmal geschehen sei. Diese Anschuldigung des Angeklagten hat fich in der Verhandlung als falsch ergeben, und es wurde festgestellt, daß drr Gerichtsvollzieher beim Angeklagten thatsächlick mehrere Male gepfändet habe, da jedoch dieser nichts besaß, hat er auf Auftrag der Gläubiger meist kein Protokoll aufgenommen, so oft die Pfändung ergebnißloS war, jedoch zweimal ist der Pfän- dungSact auch protocollarisch beurkundet worden. Der Angeklagte giebt die- zu, er hält trotzdem seine Behauptung de» Meineide- aufrecht, da er, wie er behauptete, der Anficht war, ein erfolglos gebliebener PfänduugSvrrsuch sei keine Pfändung. Der Angeklagte mußte daS Gegentheil wtffen und hat es auch nach der Annahme des Gericht» erster Instanz gewußt und er ist demgemäß auf Grund des § 164 Str.-G.-B. verurtheilt worden. Gegen diese» Urthetl legte der Angeklagte Revision ein, da nicht erwiesen sei, daß er wirklich gewußt habe, daß ein erfolglos gebliebener PfändungSact eine Pfändung fei, ferner fei der Angeklagte von der Bermuthuug auS- gegaugeu, daß feine Anschuldigung begründet sei, eS könne demnach höchsten» ein dolus eventualis dem Angeklagten zur Last fallen, der aber genüge, nicht um eine Anwendung deS § 164 Str.-G.-B. zu rechtfertigen. — In der heutigen Verhandlung wurde vom I. Strafsenat des Reichsgericht» die Revision verworfen.
*• Staatsschuldbuch. Im Monat Oktober, mit deffen Anfang die Einrichtung de» Staatsschuldbuche» für da» Großherzog th um in» Leben getreten ist, find Hessische Schuldverschreibungen im Nennbeträge von 2,036,500 Mk. mit dem Antrag auf Einschreibung tu dem Staarrschuldbuch ringere cht worden.
Stadttheater. Mittwoch den 9. November findet da» zweite und letzte Gastspiel von Frau Anna Führtug-
au» Berlin statt. Zur Aufführung gelangt „Areia und Messalina" von Adolf Wtlbrandt, worin die Künstlerin die „Meffalina", eine ihrer bedeutendsten Rollen, spielt. Für diese Vorstellung gelten erhöhte Preise.
*• Theater-Verein. Die zweite Vorstellung des Vereins findet am Mittwoch dem 16. November statt. Zar Darstellung gelangt das jetzt auf den deutschen Bühnen die Runde machende Lustspiel von Trotha: „Hofgunst". Al» Gast ist Fräulein Walther vom Geoßh. Hoftheater in Darmstadt gewonnen.
Da» nächste Schwurgericht der Provinz Oberheffeu beginnt Montag den 5. December, Vormittag» 9Va Uhr. Zum Präsidenten des Gerichtshöfe» ist LandgerichtSrath Dr. Lhukeuheld ernannt.
Wetterbericht. Der Kern de» hohen Drucke» ist weiter ostwärt» in den Continent hiueingewandert und hat an Jutenfiiät beträchtlich gewonnen. Gleichzeitig ist im Nordosteu das Barometer sehr stark gestiegen und auch im Mittelmeergebiet hat der Luftdruck etwa» zugeuommeu. Ueber deu britischen Inseln und über West-Fravkeeich da- gegen liegt unter dem Einfluffe einer tiefen Depression, welche au» dem Atlantischen Ocean uordwärt» vorüberzuziehen scheint, ein barometrische» Gefälle und haben fich über Irland und dem Canal stärkere südliche Winde eingestellt. Auf unserem Gebiete ist eine Besserung de» Wetter» eingetreten. Im Flachlande, woselbst am Morgen stellenweise nebelige Witterung herrschte, find die Temperaturen etwa» zurück- gegangen. Die Hochstationen haben wolkenlosen Himmel. — Borau»sichtliche Witterung: TheilS heiteres, theil» nebelige» Wetter.
A Bom Laude, 7. November. Ein sehr begehrter Artikel find zur Zeit die fetten Schweine. Da um diese Zeit daS Angebot am stärksten während de» ganzen Jahre» ist, so steht e» klar, daß die starke Nachfrage durch da» Verbot der Einfuhr ausländischer Schweine verursacht wird. Die Preise, welche infolge dessen bezahlt werden, stehen auf respektabler Höhe- man bezahlt für da» Pfund Lebendgewicht 46 Pfg., gibt dazu 1 Mk. Trinkgeld und trägt feiten» deS Käufer» die BerficheruugSgebühr. Durch diese hohen Preise erreicht die BerkaufSsumme eines fetten Schwein» sehr oft die Zahl von 100 Mk. und mehr. Vor zwei Jahren kaufte man da» Pfund Lebendgewicht fetter Schweine für 35 und 36 Pfg. DaS ist eine sehr bemerkenSwerthe Differenz, die Heuer manchen Städter von den damals sehr beliebten Hausschlachtungen, auf dem Lande ausgeführt, abhalten wird. Trotz der ungewöhnlich hohen Schweinepreise bleibt auf dem Lande, namentlich in solchen Orten, wo die Metzger fehlen, die Haus- schlachtung durchaus empfehlenswerth — au» leicht begreiflichen Gründen — auch für diejenigen Leute, welche fich nicht mit der Schweinezucht bezw. Schweinemast abgeben können.
§ Au» dem Ohmlhal, 7. November. Seit heute Mittag wehen im Ohmthal die Fähnchen, welche provisorisch die geplante Eisenbahnlinie der oberen Ohmthalbahn markiren. Die Bewohner des Ohmthal» begrüßen freudig da» erste ficht- bare Zeichen der projeciirten Bahn. Wie die Fähnchen zeigen, so würde die Richtung der neuen Bahn vielfach ander» gehen, al» Mancher fich hier und da gedacht. Man nahm nämlich an, die Bahn werde am linken Rand de» Ohmthal» entlang geführt werden, wodurch die vielen sonst uöthigen Brückenbauten erspart würden- die erste Absteckung führt aber z. B. bei Ruppertenrod mitten durch das Ohmthal. Jedenfalls finden noch mehrere Absteckungen statt, schließlich bleibt e» auch einerlei, ob der Weg der neuen Bahn etwa» mehr links oder recht» geht. Die Hauptsache aber ist, daß das obere Ohmthal in der That bald die für seinen so überau» starken Verkehr nach der Bahnstation Mücke erwünschte Bahn erhält. Wenn andere Thalorte eine andere Bahnlinie wünschen und sich inS Werk legen, so ist da» ihre Bache- aber e» auf Kosten der geplanten Ohmthalbahn zu thun, wird hoffentlich fruchtlo» fein. Die Gründe für und wider find öfters und genug erörtert worden- unumstößlich bleibt aber die Thal« fache, daß der Hauptverkehr deS nordwestlichen Vogelsberg» nach der Bahnstation Mücke geht, wie die Statistik klar zeigt, und daß die Hauptverkehrsader die obere Ohmthalstraße seither gewesen ist. Daher unserem nordwestlichen Vozettberg eine Ohmthalbahn.
Grünberg, 5. November. Gestern Nachmittag um 41/2 Uhr fand unter entsprechenden Feierlichkeiten die Grundsteinlegung zum Neubau des Sparkassehauses für den Spar- und Leihkaffeverein Grünberg, der sich über sämmtliche, etwa 37, zum früheren Kreis Grünberg gehörige Gemeinden erstreckt, statt. Der Director der Kaffe, Herr Decan Pull- mann, verlas nach kurzer Ansprache die von ihm verfaßte Urkunde, die das Nähere über die vor mehr als 50 Jahren erfolgte Gründung des Vereins und seine Weiterentwickelung, sowie die Namen der verschiedenen Beamten, die seit der Gründung des Vereins der Kaffe vorstanden, bezw. an ihr wirkten, enthielten. Das in eine Kapsel verschloffene Schrift- stück wurde sodann eingemauert, und hierauf thaten die anwesenden Vorstandsmitglieder und Beamten der Kaffe unter entsprechenden Worten die üblichen drei Hammerschläge. Hierauf begaben sich die Teilnehmer in die Restauration „Zum Bahnhof", wo die z. Zt. am Bau beschäftigten Steinmetzen und Maurer bewirthet wurden. — Der Bau selbst ist bereits über Sockelhöhe aufgeführt, und dürfte nach seiner Vollendung eine Hauptzierde unseres Städtchens bilden. Man hofft, denselben vor Eintritt des Frostes unter Dach zu bringen. Darmst. Ztg.
nn. Darmstadt, 7. November. Ein bedeutsamer Act für unsere hessische Landwirthschaft vollzog fich heute Morgen in den Räumen der Landesbaugewerkschule. Derselbe galt der Eröffnung der neu in» Leben gerufenen Fachschule für Culturtechniker, und hatten fich als Vertreter der Großh. Regierung Herr Mtnisterialrath Braun und Herr Landes- ökonomierath Müller hierzu eingefunden. Mintsterialrath Braun begrüßte die Schüler und hob in feiner Rede hervor,
wie durch die Fürsorge der Regierung diese Schule in» Lebe» getreten sei, um für die Bodenmeliorationen der Landwirthschaft tüchtige HülfSkräfte heranzubilden. Die Anstalt bezwecke die Heranbildung von Cnltnrtechntkern für die bei den Cultur- inspecttonen zur Projectirnng und zur Ausführung kommenden LandeSculturarbeiten (Feldbereinigungen, Wiesen- und Bach- regulirungen, Drainagen usw.) Den Schülern stehe eine große Aufgabe zu lösen bevor, er hoffe aber, daß fie da» Ziel, da» fie fich gesteckt, auch erreichen möchten. Hierauf ergriff der Leiter der Anstalt, LaudeScalturrath Dr. Klaa», das Wort. Er wies auf die Schwierigkeiten hin, welche dem Beruf des CulturanfseherS entgegenfiehen und denen nur ein gesunder Körper und klarer Kopf gewachsen sei. Bereit» im Jahre 1883/84 habe eine ähnliche Schule unter dem Namen „Wiesenbauschule" bestanden, welche von 13 Schülern besucht war. Von diesen hätten fich drei al» Geometer 1. Kl. ausgebildet, während einer in Rußland al» Ingenieur bei» Eisenbahnbau thätig sei. Nur durch eisernen Fleiß der Schüler fei e» denselben möglich, da- von der Anstalt geforderte Ziel zu erreichen. Nach Einweisung der Schüler in die Anstaltsordnung wurde mit dem Unterricht al-bald begonnen. Die Schule wird von 27 Schülern besucht- davon find acht ander Provinz Starkenburg, dreizehn au-Oberheffeu, fünf au» Rheinhessen und ein Ntchtheffe (Hannover). Als Lehrer wirken an der Anstalt die Herren Lande-cultmrath Dr. Klaa-, LandesökonomierathDr.Müller,Landwirthschaft-lehrerDr. Eier, die Lehrer Doll, Kopp, Klein und Schäfer, Realgymnasiallehrer Lenhardt, Revision».Geometer Engroff und Hofkalligraph Göttmanu. Die theoretische Ausbildung der Schüler erfolgt in 3 Wintercursen für die Jahre 1898/99—1900/01. Für die übrige Zeit de- Jahres erfolgt die praktische Ausbildung bei den Cultnrinspectiouen und Bereinigungsgeometern, denen fie zur Beschäftigung brigegeben werden. Während ihrer praktischen Ausbildung erhalten dieselben die Bezeichnung „Cultur- gehülfen".
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Vor 50 Jahren, am 9. November 1848, wurde Robert Blum, der Führer der äußersten Frankfurter Linken, in Wien erschossen. Mit derselben kalten Ruhe, die er so oft auf der Rednertribüne bewiesen, ist er auch in den Tod gegangen. Sein minder bedeutender Gefährte Julius Fröbel wurde nach angstvollem Schweben zwischen Leben und Tod einige Tage später entlaffen.
* Unsere Marine. Ein höchst ehrenvolles Zeugniß für unsere Marine enthält ein Artikel, den die „Cronica di Santander" anläßlich des Aufenthaltes des deutschen Schulschiffes „Charlotte" in dem spanischen Hafen bringt. Er heißt da: „Obgleich wir wußten, daß wir Ordnung, Sauberkeit und gute Disciplin antreffen würden, waren wir doch von dem was wir sahen, überrascht. Als wir die für die Cadetten bestimmten Räume betraten, bot sich uns ein feffeln- des Bild: Am Piano saß ein junger Mann und spielte in vollendeter Weise eine Sonate von Beethoven, die anderen saßen umher und studirten Bücher und Karten, wieder andere schrieben und arbeiteten, müßig war Keiner. Aehnlich war es auch in der Schiffrjungenabtheilung, während die Matrosen mit Waschen, Ausbeffern und anderen practischen Arbeiten beschäftigt waren. Letztere machten alle einen gesunden und kräftigen Eindruck, die Breite ihrer Schultern ist fabelhaft. Von der vortrefflichen Schulbildung, die in Deutschland herrscht, bekamen wir einen sprechenden Beweis. Es kam nämlich während unserer Anwesenheit an Bord die Schiffspost an, sechs umfangreiche Säcke. Ein Pfiff, und die gesammte Mannschaft versammelte sich zur Empfangnahme von Briefen, und da war, so viel ich bemerken konnte, fast keiner, der leer ausging. Alle konnten lesen. Glückliches Land! Wenn wir dabet der trostlosen Schulverhältniffe im eigenen Lande gedenken, beschleicht uns tiefe Trauer und Beschämung.....
Entzückt von der liebenswürdigen Aufnahme und von Allem, was wir gesehen, verließen wir das herrliche Schiff." — Der Artikel schließt nach den „B. N. N." noch mit einer besonderen Anerkennung der vorzüglichen Haltung der Matrosen an Land; man habe nie einen Betrunkenen gesehen, und ihr Betragen auf der Straße sei tadellos gewesen. „Le fregata blanca“ war das Object zahlreicher Besucher, die mit Bewunderung la sabia organizacion de la marina de guerra en Alemania betrachteten. Leider habe fast keiner der Besuchenden die schöne Sprache eines Schiller oder Goethe verstanden, während von den Offizieren und Cadetten Alle französisch, die meisten englisch, einige auch spanisch gesprochen hätten.
♦ Zahle« reden. Johanne» Falk, der Vater der christlichen RettungShanSfache, der in unermüdlicher Siebe die gefährdeten und verlorenen Kinder aufnahm, Pflegte wohl d-nen, welche Über die großen Kosten dieser LledeSthätigktit klagten, vorzurechnen: 1. Brod, Waffer, Schande uuj Prügel für einen Knaben im Zuchthause kosten jährlich 52 Thaler. 2. Dagegen kosten Fleisch) Brod, Ehre, Bibel und Christen- thum in einer christlichen Werkstätte in Weimar ein für allemal 25 Thaler. Die Zahlen selbst find jetzt andere geworden, aber da» B-rhältniß der Zahlen zu einander wird auch jetzt noch dasselbe sein. Ist e» da nicht edler und vor- theilhafter, daß Gemeinden, Vormünder und Alle, die eS angeht, vorbeugen und die Jugend in Zucht und Ehre er- ziehen taffen, selbst wenn el in einem RettungShause oder bei christlichen braven Leuten unter mancherlei Kosten geschehen müßte, al» daß man daS Geld bei der Erziehung spart, nm eS später für die Zuchthäusler doppelt und dreifdch nutzlos hinzuwerfen. Falk war selbst armer Leute Kind aus Danzig- aber toa» der Rath jener Stadt freudig an seiner Erziehung gethan, daS hat Falk später an den vielen armen Kindern, die er au» Noty und Verkommenheit gerettet, tausendfach vergolten.
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