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9.11.1898 Erstes Blatt
 
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Während ihrer praettlcheo die Bezeichnung ,Tultnr-

Sem Heidelberger Schloß. Professor R. Schäfer ton Karlsruhe, unter befftn Veitang gegenxarttg die Restau- Tirunglarbttten am Friedrichsbau bei Heidelberger Schlosses oulgesützrt werben, hat auf Grund eingehender Untersuchungen m Nr. 40 beiLeutralblattel für Bauverwalttog" ble überraschenbe Behauptung aufgeftellt, bah sämmtliche Beuten bei Heidelberger Schlosse! ursprünglich bemalt gewesen seien und zwar nicht nur ans ben gegen ben Schlohhos ge- richteten Fronten, sondern auch aus der anderen Seite. Beim Friedrichsbau habe ble Grundlage der farbigen Behandlung ein bellrother Anstrich gebildet, btr gleich nach der Vollendung der Fa'-aden angebracht worben sein müsse, weil er h'uter ben berühmten Standbildern ter de» Hose zugekehrten Süd- front in len für sie bestimmten Nischen durchgehe. Die Standbilder selbst seien realistisch bemalt gewesen. Gewisse Tchmucktheile an den Rüstungen hätten Vergoldung getragen. Die Inschrifttafeln seien schwarz gefärbt, die Buchstaben darauf vergoldet gewesen. Auch die aul den Feasterverdach- uogen heraulschauenden RÖpfe hätten realistische Bemalung getragen: fleischfarbene Haut, braune! Haar, rotbe Lippen, weihe Augäpfel mit dunkler Papille. Daran! taffe sich auf polychrome Behandlung der anderen Schmucktheile schließen. Diese Ausführungen erregen in kunstverständigen Rrcifen großes Aussehen.

Die Diät unserer Borfahreu. In der Rölner Wochen- schristDa! neue Jahrhundert" lesen wir: Im 16. Jahr» hundert stand man früh um 5 Uhr auf, eine Suppe all Frühstück, nahm um 10 Uhr die Mittaglmahlzeit ein, vesperte um 3 Uhr, speiste um 5 Uhr zu Abend und ging spätestens um 8 Uhr zu Bett. Mit Recht bemerkt zu dieser Leben!- ordnung Friedrich! II. Leibarzt, Johann Rarl Wilhelm Mäßen (17221795): Wären wir gewiß, daß unsere vorfahren bei dieser Ordnung gesunder, stärker und älter geworden, so könnten wir deren Diät aul ihren Küchenzetteln und Roch- büchern nachholen. Wenn wir aber bedenken, daß wir in ben langen Nächten Gespenster sehen, vom Alb, ja zuweilen vorn Teufel selbst geritten werben, Pacte mit bem Satana! mit Blut unterschrieben und daß io großer Executioa etliche 60 brennende Juden, Hexen und Zauberer, die flch auf ihre Unschuld beriefen und aul den Flammen über Unrecht und Gewalt schrieen, so viel Rührung machten, all uni jetzt Mahomet ober Emilie Galotti, so wollen wir gern mit der Abänderung, die innerhalb 200 Jahren vorgefallen, zufrieden sein, viel schlafen und dickes Bier waren dem Alb und den Gespenstern günstig."

Zehn Kugeln i» Körper. Nach 28 Jahren würbe ein alterDüppel-Stürmer" dieser Tage von der zehnten, noch in seinem Körper steckenden Schrapnellkugel befreit. Herr Hermann Dehbeu, ehemals Gefreiter der Garbe-Artillerie, hatte den Feldzug von 1864, in welchem er beim Düppeler Sturm da! Milttär-Ehreozetchea 1. und 2. Klaffe erhielt, und ben von 1866 mitgemacht nnb manche Verletzung erlitten. 1870 würbe er vor Straßburg durch Schrapnellkuzelu schwer verwundet. Mehrfachen Operationen hat fich der Veteran Im Laufe der Jahre unterziehen müssen. Tine Schrapnell- kugel blieb aber durch 28 Jahre im linken Oberschenkel. Nun entschloß sich der alte Krieger in den letzten Tagen abermals zur Operatton Es .wurde ihm die zehnte Kugel, sie wog nach einem Localblatt 30 Gramm, entfernt. Herr D. hat die schwere Operation aut überstanden.

Feuer im Capitol zu Washington. Sonntag Abend brach in Washington tra Mmelflügel de! Eapitols Feuer aul, infolge einer Explosion in dem unter dem Saal de! Obersten Gericht! belegeneu Gewölbe; wahrscheinlich handelt es sich um eine Gasexplosion. Die Gesetzbüchersammlung des obersten Gerichts ist stark beschädigt, und viele werthvolle Urkunden sind vernichtet. Die Feuersbrunst zerstörte fast den ganzen mittleren und östlichen Theil des Capitols. Der Ju- hüt der Acten- und Urkundenzimmer ist fast gänzlich ver­nichtet. Der durch die Vernichtung der Urkunden und der Bibliothek verursachte Schaden wird auf über eine Million Dollar! geschätzt. Der Gebäudelchaden beträgt 200,000 Dollars.

* Sine originelle 6ebnrt8toglftier. Au! Mühlhausen i. Th. schreibt man derFranks. Ztg." unterm 5. d. Mts.: In der Goltzschen Badeanstalt an der Unstrut konnte man heute eine eigenartige Scene beobachten, den Besitzer der Anstalt, einen 85 jährigen Greis, frisch und munter inmitten alter und junger Badegäste in kühlen Fluthen der Unstrut badend und schwimmend! Schon seit 56 Jahren feiert Herr Goltz seinen Geburtstag, 5. November, mit fernen Badegästen durch ein gemeinsames Bad in der Unstrut, unbekümmert um die Witterung, und an diesem Tage ist auch alljährlich erst Schluß der Badesaison in der Glotz'schen Badeanstalt.

Logisch. Proseffor:Was ist die Folge baoon, Herr (Sanbibat, 6qb es auf bem Moube kein Wasser gibt!" vaß es auch kein Bier dort glbtl"

Eingesandt.

Sieger», ben 9. November 1896.

Zu den Ltadtverordnetenwahlen!

Vor einiger Zett hörte Schreiber dirieS, btfc beabsichtigt sei, »ar Borbereitung bcitdbrn etr r allgemeine Bürgeroersamm- tung einzudcrufen. Schade, daß dteier Plan scheint fallen gelaflen worden zu (ein und btc politisch.n Par teten sich der Leche wieder annehmen. Gewiß, etz ist vor neun Jahren von denselben sogar der conservative Prmefior Lhacr ausgestellt worden, aber Im Grunde ist e! doch nicht Sache der Poltttt<r, bie für bie stäbnsche Vertretung geeigneten Persönlichkeiten zu finden; ba ist eS boch ganz einerlei, ob einer z B. fcdfhmtc, uln «montan, Nationalltderal, chriillich-sozial ist, wenn er nur das »öihtge PerstLnbntß unD bie nölhige Zeit hat. Deren giedtS ja viele tn Der Stadt und auS denen muß gewählt werden, aber eS sollte bas eine allgemeine Bürger-Versammlung thun. WeShalb thun fich nicht die Vorstände von Nord Ost und Süd-West und die Schäferei zu diesem Behufe zusammen? (ins.

Die Leitung be8 Gießener Stabttheaters wird höflichst ersucht, auch ben auswärtigen Theaterfreunden,, denen der Besuch der Äbtoboorftettungen wegen ber ungünstigen RückfahrtSzetten unmöglich ist, bie Bekanntschaft maßgebender neuer Stücke dadurch zu ver-

I Mitteln, daß sie dieselben jeweils an Sonntag Nachmittagen auf« führt. ES wird gebeten, beispielsweise daS Lustspiel ,Jm Weißen Rößl^, welche?, wie man hört, einen ungewöhnlichen Erfolg gehabt z haben soll, einmal als Sonntag-NachmittagS'Borst ellung zu geben. Z.

Biel Lärm nm Nichts!

Eo kann man von der Alarmirung von oorvergangener Nacht sagen. Um eine- StrohhaufenS willen so viel Leute tn Ihrer Nacht­ruhe gestört, aber auch io viel unruhige- Volk auf die Straße ge­bracht und doit Unfug verübt! sollen boch an bk 40 Personen von Polizeiwegen notirt worben sein!

Wann enbUcb wirb benn bie boch schon für ben 1. October v. IS. vorn Ltabloorftanb beschlofiene «larmvorrichtung fertig werden, sodaß bloß die nächsten Feuerwehrleute zu wecken wären, ohne daß der Thürmer zu stürmen hätte. Luch wüßte man bann im ThurmhauS alsbald, wo da- Feuer ist.

Ein in seiner Nachtruhe Gestörter.

liniocrfität» - Nachrichten.

Würzburg. In bem abgelaufenen PrüsungSjahr 1897/98 machten an der hiesigen Universität 208 Medictner da« Staatsexamen, von denen 107 zu Leezten appro.trt wurden. In München waren e! 278 refp. 198, tn Erlangen 104 resp. 56, in ganz Bayern dem­nach 594 resp. 360.

Wien. Am 3. d. MtS. feierte der ordentliche Profefior ber Elektrotechnik an ber hiesigen technischen Hochschule, Dr. Albert v. Waltenhofen, ben fünfzigsten Jahrestag bes Antrittes seiner lehramtlichen THLtigkeit.

Verkehr, Land- «nd volkewirthschaft.

Gieße«, 8. November. Marktbericht. Aus dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfb. 1.101.25, Hühnereier per Et. 69 2 St. 1317 Enteneier 2 St. 0000 Gänse­eier per St. 11 18 Käse 1 St. 58 Käsematte per St. 3

Erbsen per Liter 20 Linsen per Liter 30 Tauben per Paar

0.500.60, Hühner per St. X 1.101.30, Hahnen per Stück X 0 601.30, Emen per St. X 1.802.50, Gänse per Pfund X 0.460.60, Ochsenfleisch per Pfb. 6874 Kuh- und Rindfleisch per Pfb. 6266 H, Schweinefleisch per Pfd. 6876 H, Schweine­fleisch, gefallen, per Pfb. 80$>, Kalbfleisch per Pfd. 6466 Hammelfleisch per Pfb. 5070 H, Kartoffeln per lOu Kilo 5.00 bi! 6.50 X, Weißkraut per St. 1020, Zwiebeln per Str. X 5.005.50, Milch per Liter 16 H, Zwetschen per Str. X 6.000.00.

Dauer ber Marktzeit von 8 Uhr Morgen! bi! 2 Uhr Nach­mittag!. Währenb ber ersten 3 Stunben ber Marktzeit bars im Umherziehen nicht feilgeboten werben.

Neueste Nachvicliten.

Depesche» des Bureau .Herold".

Beilin, 8. November. Die Ankunft des Kais erp aa res in Dawascus «folgte programmgemäß gestern Nach­mittag 5 Uhr unter großem Jubel ber Bevölkerung. Die Stabt war großartig illumiuirt.

Berlin, 8. November. DemLocal-Anz." wirb aus Pari! telegraphirt: Bei bem Schluß der gestrigen Kammer­sitzung war io ben Waobelgängen bal Gerücht verbreitet, Salisbury sei entschlossen, in brüskester Form das Protektorat Über Aegypten zu proklamirrn. Jedenfalls wird im Laufe bet heutigen Faschabo-Debatte Minister Delcassü gefragt werden, wa! er zu thun gedenke, wenn diese Meldung sich bewahrheiten sollte.

Harburg, 8. November. Der langjährige oatiooalliberale Landtags-Abgeordnete Weibezahn ist gestern gestorben.

Bien, 8. November. Unterrichtete Kreise halten die aus­fällige An der Veröffentlichung der englischen Rüstungen für ben Vorläufer einer Erklärung de! englischen Pro- tectorats über Aegypten.

Wien 8. November. In deutschen Abgeordneten­kreisen besteht die Absicht, da die Regierung und die mit ihr verbündete Parlaments Majorität selbst den berechtigsten Forderungen der Deutschen sich rücksichtslos widersetzt, ihre Mandate nieder zulegen und den Neichsrath zu verlassen.

Prag, 8. November. Jo der vorletzteo Nacht wurden zwei noch uovergitterte Froster de! deutsch avatomtschen I'- stituts abermals durch und-kannte Thäter ein geschlagen

Nom, 8. November. Canevaro erhielt anonyme Briese, in welchen gedroht wird, daß das Gebäude, in welchem die Conserenz gegen die Anarchisten stattsindet, während der Verhandlungen in die Lust gesprengt werden soll.

Rom, 8. November. Ein königlicher Gnadenact : zu Gunsten der politischen Gefangenen ist bevorstehend.

Rom, 8. November. DemSecolo" wird aus Messina I gemeldet, daß sämmtliche Fort» der Meerenge neu ' armirt und das Kriegsgeschwader in den fizilianischm Ge­wässern vereinigt wird.

Rom, 8. November, von osficiösen Blattern wird ver- sichert, tu maßgebenden italienischen Kreisen herrsche (einerlei ! Befor goih über einen Kriegsausbruch.

Rom, 8 November. Nach einet Meldung derTribuoa" | wirb dal deutsche K aiserp aar voraussichtlich in Genua , landen und mit der Giseobahn nach Deutschland zorückkihrev. ; Der Herzog von Aosta wird eventuell da! Kaiserpaar an Stelle bei König! begrüßen.

Paris, 8. November. Die focialistische Gruppe der Kammer hat einen Gesetzentwurf zur Abschaffung del Militärftrafgesetzdochel sowie ter Knegsräthe sowohl tu Friedens- wie io KnegszeUeo eingebracht. Die Abgeordaeteo stützen sich in bet Begründung dieser Fotberuog aus bie Vorgänge in ber Driysulsachf. Die Regierung wtrb am Donnerstag interpellier werben, auf welche Weise sie gedenkt, die Ehre bet Armee gegea Angriffe zu vettheibigeo. Ferner witb bet Kriegs- j Minister ioterpellttt werben übet bie Strapazen, welche ben < Restroetrupptu im letzten Sommer auferlegt würben, infolge bereu viele Soldaten gestorben find.

London, 8. November. mDaily Mail" meldet aul Kairo, daß Muhamed 6ffenbt, brr Anführer der sudanesischen Troppeu, fich ben englischen Truppen er­geben habe.

London, 8. November. Die Admiralität hält noch mmer die Bekaummachung btr Bewegungen ber Schiffe im Aullaude zurück. Dal Vertheibigllngl-Lornito der westlichen Distrikte beschloß, den Distritt in compleuen Vertheidtguugl- ! zuftand zu versetzen. In den südwestlichen Diftricteu wurde

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der Befehl zur Parade aller W-ffeugattuogeu auf dem Exercierplatz von Dover für nächsten Mittwoch er lassen. Ferner wurde die Alarmirung der volunter Artillerie binnen 24 Stunden in Aussicht genommen.

London, 8 November. Giohe Erregung herrscht in militärischen Kreisen darüber, daß ein englischer Offi­zier auf der Ringbahn in der Nähe ber Waterloo-Station eine mit geheimen Dokumenten gefüllte Reisetasche verloren hat und bil jetzt die Wiedererlangung noch nicht möglich war. Die Regierung hat eine hohe Belohnung dieser für England sehr wichtigen Documeote ausgesetzt.

London 8. November.WorniDp Post" meldet aus Wien: In hiesigen politischen Kreisen sieht man mit großer Unruhe den fortwährenden Rüstungen Englands zu. Denn nunmehr, nachdem die Faschodasrage gelöst, stthtn diese Rüstungen nicht im verhältnih zu dem jttzigen Stande der Dinge. Man muß daher annehmen, baß England noch dunkle Pläne hegt.

Antwerpen, 8. November. Die Diamantschleifer, An­streicher, Schneider, Schuhmacher, Zimmerer sowie andere Genossenichaften Haden fich mit den ausständigen Schrists'tzern versammelt und fie zur Ausdauer oufgeforbert, in der Absicht, gegebenenfalls auch den Aus stand zu proclamiren und ihre Forderungen durchzusetzen.

Madrid, 8. November. Zwischen Madrid und Washington findet in der Philippinen frage ein lebhafter Noten­wechsel statt. Man rechnet auf einen Ausgleich auf Grund einer großen Ablösungssumme.

Athen, 8. November. Das Ministerium überreichte gestern seine öntlaffang mit der Begründung, daß die außer­ordentlichen Verhältnisse, welche seine Berufung zur Folge hatten, vorüber seien. Dieser Entschluß bei Ministeriums wurde noch einer Unterredung des Premierminister! mit dem Könige gefaßt. Der König wird wahrscheinlich die Entlassung annehmen.

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r Meyers Konversations-Lexikon