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8.4.1898 Erstes Blatt
 
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Mitag dm 8. April

Erstes Blatt

Nr. 83

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

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beschäftigte fich bereits mit den Vorbereitungen zur Wahi eine» neuen Oberbürgermeister». Nachdem der Vor­steher Dr. LaogerhannS in längeren Ausführungen die Bei- dtenste bei bisherigen Oberbürgermeister» Zelle gewürdigt hatte, wählte die Versammlung einen Ausschuß von fünfzehn Mitgliedern, der die erforderlichen Maßnahmen zur Oder- dürgermeister Nkuwahl treffen soll. Dann gelaugte die Interpellation wegen der vorzeitigen Entfernung der Kränze von deu Gräbern der Märzgefalleueu zur Verhandlung. Die Interpellation wurde als erledig» erachtet, nachdem der MagistratS-Decerueut, fow e Oberbürgermeister Z lle erklärt hatten, der Obergartoer Abraham habe zwar toctlo», aber nicht pflichtwidrig gehandelt. In Zukunft würde Derartige» nicht wieder Vorkommen.

Berlin, 6. April. Wie demBeil. Tagebl" au» Madrid telegraphirt wird, hat fich der Mtuisterrath tu Permanenz erklärt. D-e Regierung beschäftigt fich be­reit» mit der Brrtheilung der Commaudo» im Kriegsfälle. Wie verlautet, soll im Kriegsfälle Marschall Martinez Campo» wieder den Oberbefehl auf Tuba übernehmen. Die Prrffe drückt ausnahmslos die ernstesten KriegSbefürchtuugen au», legt jedoch große Zuverficht an den Tag.

Berlin, 6. April. Die Arrangement» für deu Empfang de» Prinzen Heinrich in Peking find jetzt getroffen. Wie über Londoa au» Peking gemeldet wird, erwartet »an die Ankunft de» Prinzen in ungefähr einem Monat. Sih- Haug Tichaug und Wang-Tichang Ying Waua werden den hohen Gast ihre» Kaiser» auf einer Station unweit Peking erwarten, um ihn dort im Nameu ihres Herr» zu begrüßen. Prinz Heinrich wird in der deutschen Gesandtschaft tu Peking wohnen. Für sein Gefolge ist ein besondere» HauS her- gerichtet worden. Der Kaiser von China wird den Prinzen Heinrich in feinem Sommerpalast empfangen. Dabet Ist die Frage, welche den Gegenstand vieler Verhandlungen bildete, dahin entschieden worden, daß der Kaiser ihn stehend em­pfangen wird.

Berlin, 6. April. Wie demLoealanzeiger" au» Ham­burg gemeldet wird, suchen die vereinigten Staaten daselbst schnelllaufende Schiffe auzukaufen. «tn amerikanischer RegieruogSvertreter kaufte der Amerikaliuie die SchnelldampferColumbia" undNormauuta" ab.

Berlin, 6. April. Nach den letzten, bei der hiefigeu chilenischen Gesandtschaft eingegangeoeu Depeschen vollzieht fich die Grenzabsteckuug zwischen Chile und der Argentinischen Republik iu regelmäßiger Weise und nicht» läßt eine andere Lösung als die der Erfüllung der Verträge vorauSseheu, welche für deu Fall eines mangelnde« Einverständnisse» zwischen den beiden Regierungen schieds­richterlich? Entscheidung vorschreiben.

Homburg v. d. H., 6. April. Da» Saalburg Castell und der Psahlgraben wurden gestern Nachmittag von dem Kaiserpaar und den Prinzen, sowie dem Gesolge, unter dem fich auch der KrtegSmtaister v. Göhler befand, eingehend befichtigt. Der Kaiser befahl, die Reconstrutruug der porta decumana sofort vorzunehmen. Sodann wurden innerhalb de» Castells unter Leitung de» Herrn Baurath» Jacobi Au», grabuugeu vorgeuommen Gegen Uhr trat daS Katfer- paar und die Prinzen mit Gefolge den Rückweg zu Fuß au und gelangte nach 1'/Madigem Marsche nach dem Homburger Schloß. Heute früh machte daS Katferpaar wiederum einen längeren Spaziergang tu den Wald. Der Kronprinz ritt mit feinem Militärgouverneur in den Taunus- heute Nach« mittag 3 Uhr unternahm auch der Kaiser einen Spazierritt in da» Gebirge. Der Kaiser wird bi» Ende nächster Woche hier verbleiben, die beiden Prinzen reisen gleich nach den Osterfeiertagea nach Plön zurück.

Karlsruhe, 6 April. Der frühere badische Justtzmtuister und stellvertretende Bevollmächtigte beimBuudeSrath, Grim«, ist heute im Alter von 68 Jahren gestorben.

Aurtaud.

Wien, 6. April. Der österreichische Touristenclnb gibt bekannt, daß in den Centralalpen, den nördlichen und süd­lichen Kalkalpen noch viele Lawinen iu AuSficht stehen, deren Sturz jedeuITag zu befürchten sei. E» werden daher alle Touristen ernstlich gewarnt, zu Ostern Touren dahin zn unternehmen.

Budapest, 6.April. Die ungarischeu Gummiwaaren- fabriken haben ihre Preise um 16 pCt. erhöht.

Budapest, 6. April. DaS Project der Bildung eine» ungarischen Kohlencartell» ist infolge der ablehnenden Haltung der ungarischen Regierung gescheitert.

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Erfindung aller Erfindungen.

Er hat eine ewige Erlösung erfunben." Hebr. 9, 12.

Ich hab'» gefunden nun fürwahr", Rief einstens dr» Gelehrten Mund, Nun auf, Glück auf, der Sorgen bar, Mach' ich die frohe Lösung kund!"--

Auf Golgatha am Marterholz Hängt dorvgekröllt und blutbedrckt De» Menschen Sohu, de» Vater» Stolz, Die Arme huldvoll auSgestreckt.

E» ist vollbracht, ist vollbracht", Ruft'» endlich von dem Kreuze hrr, Die Menschheit schuldenrein gemacht, Getilgt die Höllenstrafe schwer!" UndHalleluja" töm'S im Kreis Der Seraphim und Cherubim, Dem Lamm Anbetung, Lob und Preis, Uad aller Weltkrei» diene ihm!"--

Wiefeck.

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener DamittenStätter «erden dem Anzeiger Wöchentlich viermal beigelegt.

Lramtten, ßrr Surmühl jn W 8311

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feien gemacht, Reichstag und preußischer Landtag hätten fich f mehrfach mit der Frage beschäftigt. Em im preußischm s Justizministerium außgearbeiteter Entwurf sei gegenwärtig veröffentlicht, um Juristen und Interessenten Gelegenheit zu geben, ihre Wünsche und Ansichten zu äußern. Redner ist erfreut, iu dem Entwurf seine vor zwei Jahren ausgesprochene Idee wiederzufinden, daß man nämlich unter Aufrechterhaltung bei bestehenden Hypothekengesrtzgebung doch dem Bavhaad- Werker an Dem einen Vorzug gestatten wolle, wa» durch seine eigene Arbeit geschaffen wurde. Nach dem Entwurf sollen durch lande-herrliche VerordnungNeubaubezirke" geschaffen werden, welche geeignet sind, daß dort Neubauten in größerem Umfange zu erwarten find. An diesen Bezirken soll daun ein Vorzug zur Sicherung der Bauforderungen geschaffen werden. Hierzu solle einBauvermerk" im Grundbuch eingetragen werden und zwar muß die Baustelle genau be- zeichnet und ihr Werth eingetragen werden. Nach dem Ent­warf der preußischen AuSsühruugs-Brrordnung sind Bau- chöffeuämter vorgesehen. Der Bauvermerk muß vor Srtheilung der vauerlaubnih eingetragen werden. Die Eintragung hat die Wirkung, daß mit dem Bau begonnen werden kann. Die Bauhypothek ist wirksam vom Tage de» Eintrags deS Bau- Vermerks. Der Bauvermerk kann fich auf eine ganze Ge­meinde oder Theile derselben beziehen und können uur Wohn­häuser und industrielle EtabliffemeutS in Betracht kommen. Nach Vollendung de» Baue» ist eine Mtttheilung der Bau- Polizeibehörde an da» Gruvdbuchamt nothwendtg, daß daS Gebäude zur Benutzung sertig ist, und kann daun der Bau­gläubiger von diesem Zeitpunkt an und innerhalb einer Frist von sechs Monaten seine Forderungen anmelden und ein- schreiben laffen. Die» geschieht durch gerichtliche Verfügung und zwar erwirbt dann der Baugiäubtgrr ein Vorzugsrecht au demjenigen Mehr, wa» durch Ausführung der Bauarbeiten auf dem Grundstück entstand. Dam't ist für den Bauhaud- werker jede Gefahr von Verlust auSgeschloffeu, eine Coucurreoz kann ihm nur geschaffen werden, wenn von dritter Seite Baugelber dargelieheu werden, in welchem Falle da» Gesetz einen Zusatz zum ursprünglichen Werth deS Grund und Boden» vorfieht. Die Baugläudtger werben uur mit bem Haupt- betrag gesichert, nicht aber mit ben Zinsen. Sämwtltche Bauhandwerker rangtren unter fich mit gleichem Rang, ein Verzicht auf da» Vorrecht der Eintragung ist nicht möglich oder doch erst nach Ablauf der sech-monatlichen Frist oder nach gerichtlicher Aaorduuog der Zwangs­vollstreckung. DaS Gesetz fieht ferner Bestimmungen vor für etwaige Zwangsvollstreckung und Zwang»- Verwaltung, für Fälle, in denen ein Bauhaudwerker feine Arbeiten nicht oder nicht vollständig ausgeführt hat, ebenso auch für den Fall, daß die Preise übersetzt find. Nach An- ficht des Redners zeigt der Entwurf einen gangbaren Weg, womit jedoch nicht gesagt sein soll, daß derselbe nicht ver- besserungsfähig sei. So empfand eS der Vortragende al- mißständig, daß man in dem § 1 der Landesgesetzgebung einen allzugrohen Spielraum gewähre, daß ferner der Bau- vermerk an die Beschränkung geknüpft sei, daß daS Gelände seit fünf Jahren nicht ober doch nur mit untergeordneten Gebäuden bestanden sein darf, das fei eine willkürliche, wenig motivirte Bestimmung. Auch vermißt Redner, daß die Wt.k- ung des Bauvermerk» in dem Entwurf nicht bestimmt genug zum Ausdruck kam. Dagegen ist eS als eine äußerst wichtige Bestimmung de» Entwurfs anzufrhen, daß gesagt ist, daß eine Veräußerung deS Grundstücks die Rechte deS Bauhand- werker» nicht berühre. Nach Ansicht de» Redner» sollte auch die AuSserttguug einer Theil Hypothek im Gesetz al» möglich bezeichnet sein.______________________________________________________

Deutsche» tteid?»

Darmstadt, 6. April. Wie dieDarmst. Ztg." meldet, reist Se. Königl. Hoheit der Groß Herzog heute Abend nach Gotha, wo die Großherzogin mit der Prinzessin Elisabeth verweilt.

Berlin, 6. April. Parlament-müde. Nach einer Zusammenstellung derKreuzzeituvg" werden gegen hundert Reichstag» ab geordnete oder mehr bet den nächsten Wahlen nicht mehr caudtdtren. Ihrer Mitgliederzahl nach ist bei dieser Mandatemüdigkeit am stärksten die freiconservative Partei bethriligt, von der bisher elf Mitglieder nicht wieder candtdiren wollen. Demnächst ist die Wahlmüdigkett am stärksten bei den Natioualltberalen und den Couservativen - von den ersteren haben bereit» 20, von deu lctzeren 15 den Verzicht auf ihr Mandat erklärt, doch ist hiermit die Anzahl bei Mandat-müden noch keineswegs erschöpft.

Berlin, 6. April. Die heutige Stadtverordneten-Sstzung

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Charfreitag.

Die große, stille Woche ist wieder angebrochen. Der Blick von Millionen ist auf Golgarhas Hügel gerichtet. DaS Leiden und Sterben de» Welterlösers nimmt wieder der Menschen Herz gefangen. Der Meuscheosohu leidet und stilbt, aber wie er stirbt, wie er mit dem Tode ringt, um welchen Preis die» TodeSrtagen geschieht da» Alle» läßt kein andere- Bekennt- ntß zu, als da-des römischen Hauptmanns, der beim Tode Jesu zugegen gewesen war: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen.

Wie er mit dem Tode ringt? Wie Einer, dem die Wahrheit höher steht, als daS Leben. Die Wahrheit, der aber Christus sein Leben opserte, ist keine andere al» die: Die Welt, in der ich weile, bedarf der Erlösung, es gibt aber für fie keine andere Erlösung, al» in metuem Tod. Diese Wahrheit bezeugte jene» Heldenleiden auf Golgatha, an dem nur Blafirtheit theiluahmSlo» vorübergeheu kann. Diese Wahrheit, tu Liebe ersaßt, erzeugt jene selbstverleug- «ende Selbsthiugabe, die jeden Borübergeheudeu heute noch zum Stillstehen zwingt.

O Liebe, Liebe, du bist stark,

Du streckest den in» Grab und Sarg, vor dem die Felsen springen.

Und diese Wahrheit, die auf GolgathaS Höhe so fieg- hasten, ergreifenden Ausdruck fand, hat bi» heute au Kraft nichts verloren und nichts eingebüßt. Die Welt bedarf der Erlösung heute nicht weniger, als am ersten Charfreitag, da das Auge de» Heiligen im Tode brach. Au ihrer Srlbst- erlösung hat die Welt seitdem redlich gearbeitet. Sie hat alle Kunst und alle Kraft in den Dienst de» Versuchs ge- stellt, von den Mächten loszukommen, unter deren zerstörender Gewalt ein Geschlecht nach dem anderen seufzend dahinsinkt. Auf die alte Frage : was kann der Mensch geben, daß er feine Seele löse, hat die Welt bis heute keiae Antwort ge­funden. Sonach bleibt e» dabei: Es kostet zu viel, daß er e» muß laffen ansteheu ewiglich. Gehört aber Selbsterlösung zu ben Unmöglichkeiten menschlichen Könnens und menschlicher Kunst, so tritt neben die eine Wahrheit, baß bte Welt bei Erlösung bebarf, eben boch immer wieder die andere: im Kreuze allein ist Heil. Wa» auch gegen diese Wahrheit ge­schrieben, gehöhnt und gespottet worden ist, ihre Kraft ist un­gebrochen. Uno die warten wollen, bi» fie kraftlo» zusammen- fiukt, müffeu warten ewiglich.

Millionen sammeln fich heute wieder um» Kreuz, aus der Kreuzespredigt für die Kämpfe ihres Leben», für die Wunden ihre» Herzen» Stärkung und Heilung schöpfend. Möchte die Stille, die ihnen der Charfreitag gewährt, jene doppelte Wahrheit aufs Neue gewiß machen: Die Welt bedarf der Erlösung, auf Golgatha allein ist sie bereitet! Dann wird aus dieser Gewißheit jene innere Freiheit geboren werden, die uns besähigt, ai h unser Kreuz bi» auf jene Höhe zu tragen, da fich unseren Lippen das selige Wort entringt: es ist vollbracht! ________

lieber nas hypothekarische Vorrecht der

Bauhandwerker

hielt am Samstag Rechtsanwalt Metz I. im OitSgewerbe- verein zu Darmstadt einen Vortrag. Der Vortragende knüpfte au einen vor zwei Jahren über den Gegenstand ge- haltenen Vortrag an. In der Zwischenzeit habe die Frage Zuteressenten und juristische Kreise bewegt, zahlreiche Vorschläge

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