Ausgabe 
7.4.1898 Erstes Blatt
 
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1809

Donnerstag den 7. April

Erstes Blatt.

Nr. 82

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Amts- und Anzeigeblutt für den Tkveis Giefzen.

Gratisbeilage: Giehener Familienblätter

Vom

Alk Anzeigen "cmitilung-stellev de- In« und AuRian-eA «hmr« Anzeigen für den Gießener Anzeiger mt߫߫.

«n»,hme von Anzeigen zu der Nachmittags für bat Renten Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 vhr.

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Fchulstraße Ar. 7.

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Ranta, 5. April. Der türkische Gouverneur erhielt vom Sultan den Auftrag, mittelst Proklamation bekannt zu geben, daß der Sultan niemals in die Ernennung de» Prinzen Georg von Griechenland zum Gouverneur von Kreta eivwilligen werde.

Adresse für Depeschen: Anzeiger HteIen- Fernsprecher Nr. 51.

Loeule» und prwiKjieö«.

Lieber», den 6. April.

* Sitzung Großh. Handelskammer vom 1. April 1808. Anwesend die Herren: KoL, Balser, KUngspor, Kcaay und Wortmann. Der Kammer ist eine bereit» im ReichSanz-iger Nr. 51 abgedruckte Instruction der Londoner Zoll­behörde an die britischen Zollbehörden über die Handhabung der Grenzkontrolle nach Matzgabe de» englischen Maaren- bczeichvungSgesrtzrS zugegangen. Die neuen Bestimmungen enthalren gegenüber den seitherigen Vorschriften namentlich i* den Nummern 2, 5 und 8 einige Milderungen, welche für den Exporteur von Wichtigkeit stad. Interessenten können vou demJnhalt de» Schriftstücke» indem Grschäft»z'mmer der Kammer Kenntnitz nehmen. Der Berg- und Hüttenmännische Verein -u Tiegen richtete an die Kammer die Bitte, eine von ihm au den Herrn Minister der öffentlichen Arbeiteu, Exctlleuz Thielen, gerichtete Eingabe in Sachen de» Bahn- projecr»Weidenau (Siegen)-Hatger unterstützen zu wollen. Die Kammer, welche dem Projekt sympathisch gegen- übersteht und auch in 1895 im Verein mit zahlreiche» Schwesterkammern, Stadtvertretungeu, Behörden u. s. w. eine Denkschrift über das Projekt dem Herrn Minister überreicht hat, wird die erwähnte Petition unterstützen. Nachdem im vorigen Monar die Handelskammern Gießen und Stegen auf- Neue für die endliche Einstellung je eines Schnell zngSpaareS auf der Main Weser-Bahwie ia Richtung GießenSiegenHagen nab zwar mit Wirkung für den diesjährigen Sommerfahrplan eingetreten find, haben neuerdings auch die Havdeirkammer Altena und der Berg« und Hüttenmännische Verein für Lahn und Dill gleichen Antrag für letztereZugverbtnduuz beiHerrnMinister Thielen eiozebracht. Nach einer Verfügung der spantschen Regierung werden nur solche Ursprungszeugnisse bei den spantschen Zollämtern in Zukunst zugelaffen, welche eine genaue Bezeichnung der Wohnung des Empfängers (Straße und H urSnummer) enthalten. Ursprungszeugnisse, die diesen Erfordernissen nicht entsprechen, findsürdieFolgevonderBeglaubigungouSgeschleffen. Am 20. März !. I. tagte in Ulrichstein eine Versammlung zwecks Besprechung de» BahnprojecteS Mücke Ulrich- stein-Herbftein-Lauterbach. Die Kammer, welche ein lebhaftes Jntereffe an der alsbaldigen Verwirklichung diese» Projektes nimmt, erhielt zu derselben eine E nladung, der jedoch nicht ent'prochen werden konnte. Inzwischen ist der in jener Versammlung beschlossene Antrag an Groß- herzogliche Regierung um Erbauung jener Strecke unS abschriftlich behufs Unterstützung zugekomwen. DaS Projekt erscheint umso auSfichtSvoller, al» bei dieser ß;nU in gleicher Weise die Interessen sämmtlicher wirihlchaftltchen Faktoren Handel und Industrie, Land- und Forstwirthschaft den baldigen Ausbau wünschrnSwerth machen. Es ist darum nicht zu bezweifeln, daß Großh. Regierung den Antrag zu fördern bereit fein wird. Die vom Comitv nachgtfuchte Unterstützung wird ihm Seiten» der Handelskammer za Thril werden. Da» verzeichntß der Kammer über zweifelhafte ausländische Firmen hat Erweiterung für Belgien, Großbrttanien und Serbien erfahren.

Sine Sivgabe der Metzger-Innung von Gießen an dir Zweite Kammer strebt die Zuziehung von Sachverstän­digen zu den Ausschußverüandlungen der Kammer ort Die von dem Abgeordneten Köhler (Langsdorf) als Antrag übergebene Petition lautet:

An

die hohe zweite Kammer der Landstände.

Infolge drS Umstande», daß die Abgeordneten der hohen zweiten Kammer der Stände, ohne Rückficht auf ihren LebenSberaf zumeist au» allgemeinen politischen Gründen gewählt werden, entsteht der Nachtheil, daß in manche» Fachfragen die verehrlichen Mitglieder hoher Kammer nicht so ia manchen Materien eingewetht find, al» dies im all- gemeinen Interesse zu wünschen wäre. Wie nun die Groß- herzogliche Regierung, eingedenk dieses NachtheileS, e» h» Gebrauch hat, bei Fachfragen Sachverständige al» RrgierungS- eommissäre zu berufen, und dieselbe damit betraut, vorliegende Specialfragen im Sinne der Regierung zu vertreten, ebenso sollte »ufere» Erachten» die hohe Kammer dazu schreiten,

Att-land»

toten, 5. April. Wie dieNeue Freie Presse" meldet, will der Flottenplan, wrlchrn der Marine-Commandant dem gemeinsamen Mtnifterrath vorgelegt hat, den Stand der österreichisch-ungarischen Kriegsflotte auf 16 Stzlachtsch ffe, 14 Kreuzer, 15 Torpedo Fahrzeuge und 90 Torpedoboote dringen. Die dazu erforderlichen Sch'ffrtauren würden einen Aufwand von 55 Millionen Gulden erfordern, der auf zehn Jahre vertheilt werden soll.

toten, 5. April. DerW.emr Allg. Zig." zufolge soll fich Kaiser Franz Josef behaf» Einleitung einer collec- tiven Vermittlungsaction zwischen Spanien und Amerika an die europäischen Souveräne gewandt jund von ihnen Allen sofort eine zustimmende Antwort erhalten haben.

Budapest, 5. April Der Obrrhosunister G " af Szaparh ist gestorben.

Mailand, 5.April. Die 250 Heizer der hiesigen GaS- anstalt stellten heute Nacht dir Arbeit ein. Der GaS- vorrath reicht bi» heute Abend.

Brüssel, 5. April. Einer Nachricht au» Rio de Janeiro zufolge wiro der dortige belgische Co ns ul im Auftrage bei König» der Belgier mehrere Länder von Südamerika besuchen, um die dortige Handelslage zu studiren.

Paris, 5. April. In Ministerium berichtete heute der Minister de» Auswärtigen über die auswärtige Lage, speciell über den spanisch-amerikanischen Confltct. Wetter theilte er mit, daß Frankreich von China die verlangten Covceifionrn erhalten habe.

Kopenhagen, 5. April. Da? Hauptresultat der Wahlen ist folgende»: Radicale Linke 65, Moderate 22, Rechte 15 und Soctaldemokraten 12. Bisher zählte der Fotkerhing 24 Rechte, 25 Moderate, 55 radicale L-nke und 9 Socia- listen. Der Marinem nister wurde wtedergewählt. Die Socialisten eroberten die Städte Aalburg, RanderS und Horseu». Der Führer der Freihandelspartei, Kaufmann Koedt, wurde in Slagelse wiedergewählt, während der Führer der Protectionisten, Redakteur Wulff, in HorseuS unterlag. 8'kf. Ztg.

Madrid, 5. April. Der Minister des Aeußeren, Gullon, erklärte einem Berichterstatter, Spanten habe auf die Mit- theilung des Papste» in zustimmendem Sinne geantwortet. Man erwartet eine Note bei Vatikan», die den Vorschlag be» Papstes genau formulire. Die Regierung nehme bte Ber- Mittelung in bet Voraussetzung au, daß die Ehre Spaniens und die Integrität seine» Gebiete» gewahrt bliebe. Wenn der Papst einen Waffenstillstano vorschlage, so müff- bte Bitte um benselben von den Aufständischen auSgehen. Jeden- fall» werde in dem Wortlaut be» Vermittelungsvorschlage» bte Forderung der Beendigung deö Krieges auf Cuba ent­halten fein. Der Minister schloß seine Ausführungen mit der Bemerkung, der Conflict habe während des gestrigen Tages in der gleichen Schärfe weiter bestanden. ES fei mehr Licht nöthig, um klar zu sehen.

Saragossa, 5. April. Ein Eisenbahnzug ist zwischen EaSpe und Fux entgleist und in den Ebro gestürzt. Viele Personen sind verletzt worden. Einzelheiten fehlen noch.

Loudon, 5. April.Daily Chronicle" meldet, daß, wenn Spanten den Bereinigten Staaken nicht Genugthuung gebe, die Bereinigten Staaten Grund hätten, Spanten den Krieg zu erklären.

Lovdon, 6. April.Morntng Post" schreibt, daß der Besitz von Wei«hat-wet für England keinen besonder» großen Werth habe.Daily Graphik" sagt, daß England Recht gehabt habe, Wei-hai-wet zu verlangen.

Sofia, 5. April. Gerüchtweise verlautet, daß fich Fürst Ferdinand demnächst nach Rom begeben wird, um abermal» einen Versuch zur Aussöhnung mit dem Papste zu machen.

Stuttgart, 5. April. Die Kammer der Abgeordneten nahm mit mehr als der erforderlichen Zweidrittelmehrheit die drei Gesetzentwürfe über die Be rfafsungSreviston an.

Straßburg. 5. April. Gestern Abend 6 Uhr stieg in Straßburg der RegistrirballonLangenburg" auf und verschwand in ost nord-östlichrr Richtung in den Wolken. Der Ballon ist wahrscheinlich nach kurzer Flugbauer nieder­gefallen. Der Finder de» Ballon», der die Instrumente, ohne fie zu berühren, in dem Schlußkorbe läßt und ihn sorgfältig ausbewahrt, erhält 50 Mk. Belohnung. Telegraph sche Nach­richt ist an ben Meteorologischen Landeldtenst tn Straßburg zu richten.

NezagopreiB ,ierteljährlich 2 Mart 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerioha.

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.

M u Wchunttek. WM- u. lein« «m flamenHenkel 3222 sseldorf,

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

enthält:

(Nr. 2455.) Gesetz, betreffend die Feststellung be» Reich»- Haushalt»-Etats für da» Rechnungsjahr 1898. Vr"

Grfchkiat ttgNch mit Ausnahme bei Montag».

Die Gießener Mamilieubkätter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt.

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Leipzig, 5. April. Die Revision Trojan» gegen feine Verurtheilung wegen MajestäiSbeletdtgung durch die bekannte Veröffentlichung imKladderadatsch" wurde ver- worfen. Trojan muß also die gegen ihn erkannte Strafe von 2 Monaten abbüßen. Frkf. Ztg.

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Amtlicher Theil.

Nr. 12 de» ReichS-GesetzblattS, auSgcgeben den 1. April,

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81. März 1898.

(Nr. 2456.) Gesetz, betreffend die Aufnahme einer An- leihe für Zwecke der Verwaltungen be» ReichSheere», bet Marine und der Reichseisenbahnen. Vom 31. März 1898.

(Nr. 2457.) Gesetz wegen Verwendung überschüssiger Reichseinnahmen zur Schuldentilgung. Vom 31. März 1898.

(Nr. 2458.) Gesetz, betreffend die Fefist-llung de» HauS- haltS-Etat» sür die Schutzgebiete auf das Rechnungsjahr 1898. Vom 31. März 1898.

Gießen, den 6. April 1898.

GroßherzoglickeS KreiSamt Gießen. v. Gaqern.

Gießen, den 5. April 1898.

vetr.: Die Voranschläge der Landgemeinden dcS Kreise» Gießen lür 1898/99.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großherzoglicheu Bürgermeiftereie« der Landgemeinden des Kreises.

Die rubricirten von unS abgeschloffenen Voranschläge werden Ihnen in den nächsten Tagen zugehen.

Wir empfehlen Ihnen, daS in Ihren Händen befindliche Eoncepr derselben alsbald mit ben Ansätzen d-r Original- Voranschlags in Ueberetr stimmung zu dringen, auch bte Revifions- Verhandlungen zu Ihrem Conceptexemplar abzuschretben- und den Originalvoranschlag noch im Laufe diese» Monat» dem Gemeinde-Einnehmer auSzuhändigev.

v. Gagern.__________________

Oetttsche« Reiche

Berlin, 5. April. Der Besuch be» Kaiser» soll, wie dieHamburgische Correspondenz" hört, in Altona in der ersten Woche deö Mai zu erwarten sein.

Berlin, 5. April. Wie nunmehr feststeh», werden Kaiser Wilhelm am 23. d. M., Vormittags 10 Uhr und Kaiser Franz Josef 10 Uhr 35 Mtn. auf dem Hauptbahnhof in Dresden einwffrn.

Berlin, 5. April. Wie dasBerliner Tageblatt" be- richtet, war die Reicks bank heute Vormittag Infolge einer außerordentlichen Revision bis V,12 Uhr geschloffen.

Berlin, 5. April. Gegen den au» Edenkoben stammenden SOjährigen Schriftsteller Gustav Minster ist die reich»- gerichtliche Voruntersuchung wegen Verrath» militärischer Geheimnisse eingeleitet worden.

Berlin, 5 April. D.m Reichstag soll alsbald nach feinem Wiederzusammentritt nach den Osterferien der schon feit längerer Zeit in Aussicht genommene Gesetzentwurf wegen höherer Bemessung der Entschäbigung für militärische Vorspanuletstnngen zugeheu.

Homburg v. d. H., 5. April. Der Kaiser hörte heute vormittag den Vortrag de» Kriegsminister» v. Goßler. Nachmittag» fuhr daS Kaiserpaar mit ben Prinzen nach der Saalburg, um unter Führung be» Baurath» Jacobi da» Römer-Castell zu besichtigen, auf dessen Trümmern bekanntlich da» Reichs-LimeS-Museum, dessen Pläne und Modelle dem Kaiser gestern vorgrlegt wurden, erbaut werden soll. Der Chef beS Cioilcabinet» v. Lucanu», welcher gestern zum Vortrag befohlen war, weilt heute n,ch hier und dürfte mtt dem «rikgßministet voraussichtlich gemeinschaftlich die Rückreise nach Berlin antreten.

München, 5. April. Die Nachricht von einer Ver­schlimmerung im Befinden deS Königs Otto hat in allen Kreisen der Bevö kerung herzliche Thellnahme Hervor­gernfen. Wie auS ärztlichen Kreisen mitgetheilt wird, ist r» nicht ausgeschlossen, sich auf den Nieren Abscesie gebildet haben, die aufgebrocheu find und ben Biutabgang bewirkt haben. E« ist diese Annahme wohl um so berechtigter, weil bei der Gehirnerweichung im vorgeschrittenen Stadium da» Auftreten von Absceffen eine sehr häufig beobachtete Erscheinung