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5.4.1898 Erstes Blatt
 
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1898

Dienstag den 5. April

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen.

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter

Redaction, Expedition und Druckerei:

Scholstraße Ar. 7.

Die Entschädigung unschuldig Berrrrtheilter.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den spenden Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr.

Alle Anzeigen-VermittlungSstellen deS In- und ÄuKtnM nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegn«.

Adresse für Depeschen: Anzeiger $Ut«.

Fernsprecher Nr. 51.

totales tmb prwhuießw.

Stet«, de« 4. April.

Kaufmännische Fachschule. Freitag den 1. April. Abends von 8 Uhr an, wurde die diesjährige öffentliche Prüfung der Kaufmännischen Fachschule abgehalteu, welcher co. 25 Herren darunter Vertreter der Grotzh Handelskammer, der Stadtverwaltung, der Schulcommtsston und des Handelsstandes - als Zuhörer anwohnteu. Die Prüfung erstreckte sich auf Rechnen, Französisch, doppelte Buchführung. Wechsel, und BolkiwtrthschaftSlehre und zeigten die Antworten der Schüler, daß die Sache klar erfaßt und fleißig gearbeitet worden war. Nach Beendigung der Prüfung fand eine gemeinsame Besichtigung der im Lehrfaal HI auS^ gelegten schriftlichen Arbeiten statt, wobei viele Herren ihre lobende Anerkennung auSsprachen. Bei der darauffolgenden gemüthlichen Zusammenkunft in den WirthschaftSräumeu des BerrtuShauseS hielt neben Anderen Herr Beigeordneter Wolfs eine markige Ansprache, worin er besonders betonte, daß hier mit Fleiß und Verständuiß gearbeitet worden und es eine Last sei, zu sehen und zu hören, wie gut ausgerüstet und vorbereitet die jungen Leute nach dreijährigem Besuche der Fachschule in ihr praktisches Berufsleben hinauStreteu könnten er wünsche deshalb der Anstalt, daß fte auf den betretenen Bahnen weiter blühen und gedeihen möge! SamStag den 2. April, Abends von 8*/, Uhr an, fand sodann die Schluß- feier der diesjährigen Abiturienten statt, wozu sich neben den Lehrern auch wieder eine Anzahl Herren etngesunden hatte«. Nachdem an die abgehenden Schüler einige ernste, beherzigeuS- werthe Worte gerichtet worden waren, hielt Herr Eommerzien- rath Koch eine sehr gut aufgeuommeue Ansprache, wori« derselbe tu warmen Worten des Herrn Oberbürgermeisters Guauth al» unermüdlichen FS-d-rcr» de, Gülen und Rütz' lichen unserer Stadt und besonders auch als Freund, Mtt- begründer und Unterstützer unserer Fachschule gedachte und mit einem dreisachenHoch" auf die Stadtverwaltung schloß, in welches die Anwesenden freudig einstimmten. Herr Bor- fitzender Orbig zeigte sodann in längerer Ansprache btc Gründung uud bisherige Entwickelung der Schule, besonders hervorhebend, daß die Ausführungen des Herrn Koch sehr richtig gewesen seien, indem allerdings Herr Oberbürger, meister Gnauth als erster Gründer der Anstalt zu be­trachten sei insofern, als er im Herbste 1893 ihm, dem Vorfitzenden des Kaufmännischen Vereins, eine der Stadt» Verwaltung zur Verfügung stehende Stiftung im Betrage von 400 Ml. als Unterstützung zuficherte. Nachdem nun noch Herr Scheel Namens der Stadtverwaltung gedankt uud verfichert hatte, daß dieselbe jederzeit bereit sei, eine gute, nützliche Anstalt, wie unsere Fachschule, nach Kräfte« zu unterstützen, wechselten Gesänge, Borträge und Ansprache« mit einander ab, bis endlich mit der Auötheilung der Ab- gangSzeugniffe an die Schüler die Feier endigte. Sicherlich

Ansland»

Wie«, 2. April. Kaiser Franz Josef besichtigte heute in Begleitung des Erzherzogs Otto nach einer IKurzen Andacht in der Kirche von Miyerling die Heilanstalt Allaud.

Nezugsprei» vierteljährlich

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Meßmer Anzeiger

Heimat-Anzeiger

Alle Ortschaften, durch die der Kaiser kam, waren festlich geschmückt. Die überall angesammelte Menschenmenge begrüßte den Kaiser mit stürmischen Hochrufen.

Pisa, 2. April. Andauernde Regengüsse verursachten ein An'chwellen des Arno und seiner Nebeuflüffe. Die Eisenbahndrücke bei Pontedera wurde fort, gerissen- die Etseubahultnte PisaFlorenz ist dadurch unterbrochen. x _

Madrid, 3. April. Hier wird der Ausbruch der Krieges für unvermeidlich gehalten. Reiche spanische Klöster, Grundbesitzer rc. haben fich zur Sammlung einer KrteaSsondS von 1000 Millionen Pesetas zusammeugethan.

Madrid, 3. April. Wie eS heißt, würde das diplo- matiscke Corps, insbesondere der Nuntius uud der öster­reichische Botschafter, Schritte thuo, um den Krieg zn verhüten. .

Athen, 3. April. Die Kammer har gestern Abend tit dritter Lesung die Anlethevorlage angenommen. Das Gesetz wird sofort veröffentlicht und den Großmächten osfieiell mitgetheilt, damit die Feststellung deS Termin, der Räumung Thessaliens möglichst beschleunigt werden kann.

Pari», 3. Avril. Einer Madrider Privatdepesche zufolge erhielt General Woodford den Auftrag, am Montag seine Pässe zu verlangen, wenn Spanien nicht binnen 24 Stauden den Waffenstillstand auf Cuba im Sinne der amerika- uischen Forderungen bewillige. , Ä ,,

Petersburg, 3. April. Da» Geschenk Kaiser Wilhelm, an den Zaren wird in hiesigen militärischen uud RegierungSkretseu als offenbares Zeichen des herzlichsten Einverständnisses zwischen den beiden Monarchen diSeuttrt.

der Schweine 9 390 231 (gegen 7 725601) derZttgeu 2 164 425 (gegen 1 964 130), des Federviehs 36 471 324 (Federvieh wurde zum ersten Male gezählt) und -war der Gänse 3 786 144, der Enten 1564409, der Hühner 31 120 771.

Fürst Bismarck und die Politik des neuesten Curses. DieHamb. Nachr." schreiben in ihrem gestrigen Geburtstagsartikel: Mit Sorge waren wäh­rend der letzten Monate die Blicke der deutschen Patrioten nach dem Sachsenwalde gerichtet. Ein schmerzhaftes und langwieriges Leiden hatte den alten Kanzler befallen. Auf allen Lippen lag die Frage: Wird die körperliche Wider- ftandsfähigkeit des greifen Recken auch diesmal wieder des Nebels Herr werden? Zum Glück ist die Antwort bejahend ausgefallen. Der Altreichskanzler befindet sich auf dem Wege der Genesung. Wenn er auch heute, beim Eintritt m sem 84. Lebensjahr, noch nicht die gewohnten Huldigungen per­sönlich entgegennehmen kann, so erscheint doch die Hoffnung berechtigt, daß, was heute noch leider unterbleiben muß, bei wärmerer Jahreszeit nachgeholt werden kann. . . Zur vollen Genesung aber genügt nicht die Heilung der Krankheit, die Wiedererstarkung des Körpers. Der Reconvalescent muß auch in seinem Gemüth froh und heiter gestimmt sem. Glücklicherweise brauchen wir nicht daran zu zweifeln, daß dies bei unserem alten Kanzler der Fall ist. Seme Sttm- mung hat sich während der letzten Zeit erheblich gebessert und sein Humor hat wieder die Oberhand erlangt. Auch dürfen wir annehmen, daß die Politik, welche jetzt im deutschen Reiche getrieben wird, ihn nicht mehr mit Sorge erfüllt und ihm schlaflose Nächte brrrttet, wie dies früher der Fall war . . Dir Po'ttck d-r Sammlung aller staatsrrhaltenden und productiven Element': gegen die Socialdewokratie uud ihre Begünstiger hat jedenfalls den vollen Beifall M Fürsten und seine besten Wünsch- werden Diejenigen begleiten, die unter dem Zeichen der Sammlung in den Wahlkampf ziehen.

Kiel, 3. April. Die unter dem Borfitz des Eoutre- Admirals Frhrn. v. Srckendo^ff stattgehabte Generalversamm­lung der GesellschaftSeemannshauS für Untervff'z ere und Mannschaften der Kaiserlichen Marine" beschloß, Zwetg° Niederlassungen in Wilhelmshaven und Kcautschau zu

ru befriedigen. . m .

B-kannlllch Satte man der Regierung den Vorwurf gc- wacht, daß fit au» fin-nzirll-n Bedenken einer solchen R-forrn widerstrebe. Da» Ist aber unbegründet, und e» waren Er­wägungen anderer Art, welche bi-her der Normtrnng einer Entschädigung für unschuldig Berurth.iite entgegenftauden. Inwieweit e» richtig war, zwei lkiaffen °°" unichuld g «er. ^bellten zu schaffen, wie e» durch die« Gesetz thaisachlich geicheh-n ist, wellen t»:t hier nicht näher untersuchen, sondern ua« mit der oielsach bentilirten Frage beschasngen, ob nicht auch den unschuldig in Uoiersuchuugthast Gewesenen eine Entschädigung hätte zugesprochen werden müffln. Bon vorn- beretn mußten hie,boa Diejenigen aurgeschloffendletben, welche leichtjertig oder abfichtlich einen Verdacht auf sich geladen hatten, auf G-nud d.ffm fie in Untersuchungshaft genommen worden waren. Da» fivd nicht etwa nur oeretujelt oor- kommende Fälle, sondern wenn man Gertcht-verhandmn^n etsrig verfolgt, so wird man erkennen, daß ^ häufiger al» angenommen wird, die »ngeschnldiglen e» fich ^stzu zuschreiben haben, wenn fie auf die «»kl-gebank komme" nn« vorher eine lange Untersuchungshaft verbüßen muffen. Und dann bleibt zu bedenken, daß eine solche nur verhängt werden kann, wenn e« für die Berurtheilung nur an einem direeten B-weife gefehlt hat. Besteht nun die Eutschäd g ungSpflicht für die erlittene UntersnchungShafi, f° kommt der Richter in die peinliche Lage, trotzdem er fest von ^"Schuld eine» Freigesprochenen überzeug! ist, auch uoch eine Entfchä digun, für die Haft au,sprechen zu müffen.

E» hätte bekanntlich nicht viel gefehlt und da» Gesetz wäre NN bitter Frage gescheitert, da btt Regierung unter ketnen Umständen nachgegeden ""b die Entfcdad!gung«p^cht erweitert hätte. Aber die große Mehrheit de« Reichstage» war doch der Ueberzeugung, daß bester sei, da« Gebotene anzunehmen und e» eine, späteren Zeit zu Lberlaff-n, we ter gehenden Wünschen zu entsprechen. Und daß die Frage nicht ruhen wird, darüber find fich alle Kreise ein g - mau halte» aber für angezeigt, erst mit dem jetzt in Kraft tretenden Gesetze die Erfahrungen zu fummeln uni anbe< Hand derselben demnächst weiter vorzugehen. Der Weg st j,»t gezeigt und e» wird nicht schwer sollen, auf demseiden fo-tmschreiten. Wir haben da» Vertrauen zur Reg erung, L?pe in diese. Frage zur rechten Zeit selbst die Initiative erqreifen werde._____

Versuche* Aeßch

Berlin, 3. April. Durch einen Kurzschluß gerteth heute Morgeu eine Anzahl der unter dem Bürgersteig liegenden Stärk'schen Kabel der Berliner ElectricitätSgesellschaft in Braud, wodurch die Zuführung deS electrischen Strom- für einen großen Theil der Stadt für längere Zeit unter, brachen war. BesouoerS unangenehme Folgen ergaben sich für die Banken, die an den Geldschräakeu elektrische Ver­schlüsse haben, da die Schränke nicht geöffnet werden konnten, sowie für die mit electrischer Kraft arbeitenden Betriebe.

Berlin, 3. April. Die ^Statistische Korrespondenz veröffentlicht die Ergebnisse der am 1. Drcember^ 1897 m Deutschen Reich ausgeführten B t e h z S h l u u g für da« König' reich Preußen. Darnach betrug die Gesammtzahl der Pferde, ausschließlich Mtlitärpferde, 2808419 (gegen 2653 661 bet der letzten Zählung i. I. 1892), der Rinder 10552672 . (gegen 9871 521) der Schafe 7 859 096 (gegen 10109 594),

begründen. t _

Glogau. 3. April. Amtlich wird gemeldet: V-er Wagen des gemilchten ZugeS 3021 entgleisten am 2. b. MtS. Nach­mittags 7 Uhr 8 Mtn. bei der Einfahrt in den Bahnhof Glogau infolge Umstellung der Weiche 66a/b unter dem Zuge. HtlfSbremser Schärke ist lobt. Drei Güterwagen find erheblich, einer unerhebltck beschädigt; drei Hauptgeleise waren biS heute 9 Uhr Vormittags gesperrt. Der Betrieb wurde durch Umlrirung der Züge über die Güierzuggeletse aufrecht erhalten. Dcr Weichensteller war fünf Sruaden im Dienst. v t t .

Düsseldorf, 2. April. Heute Abend fand unter dem Borfitz des RegterungSpräfideuten v. Re,cinbaben eine Der» sammlung statt, in welcher über die Gefahr der großen Verbreitung der Lungcui ch wind sucht und Nothwendig- kett der Errichtung von Heilstätten für Lungenkranke be« rathen wurde. Vom Berliner Central Eomiw war Stabs> arzt Dr. Pavnwttz als Berichterstatter anwesend. ES wurde die Begründung eines HeilflätteuvereinS beschlossen. Arhnliche Versammlungen find aus Anregung deS Oberpräfidenteu Nasse auch in anderen größeren Städten der Rhetnprovtuz iür die nächsten Wochen in Aussicht genommen.

Fallersleben, 2. April. Gestern wurden am Grabe deS Dichters Hoffmann von Fallersleben in Höxter von einer Deputation Kränze niedergelegt, welche von der Stadt Fallersleben, von der dortigen Schule uud von dem Gesang« verein daselbst gewidmet waren. Heute ist die Stadt, ins- besondere dar Geburtshaus deS Dichters, festlich ge chmückt. Um 1 Uhr fand die Hauplfeier statt, mit der ein Kinderfest verbunden war. Hierauf fand eine Aufführung von Hoffmanns Bier Jahreszeiten" statt. Bei der Festtafel brachte Landrath v. Berg Gifhorn da» Hoch auf Se. Majestät den Kaiser au-, erinnerte an des Dichte,S LiedDeutschland über Alle» uud gedachte auch des Fürsten Bismarck. AlSdanu wurde die Nationalhymne gesungen. Wettere Toaste folgten. Die Verwandten des D chierS nahmen au der Feier Thetl. Der Festzug unterblieb wegen schlechten Wetters.

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Grschetnt täglich mit Ausnahme deS MontagS.

Die Gießener MamMenötätter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt.

Ja den letzten Tagen vor Beginn der Osterferien hat her Reichstag auch das Gesetz wegen Entschädigung der Im Wiederaufnahmeverfahren freigesproch enen Personen in dritter Lesung genehmigt und damit ein Werk vollendet, welches fich allgemeinster Sympathe ttfunt und seit langer Zeit herbeigesehut worden war. Wie Jedermann füc das unverschuldete Unglück srinrS N-beumenschen Mit- aesühl hat, so mußte mau eS auch schmerzlich empfinden, daß unschuldig Berurtheilte, welche der StaatSraisou schwere Opfer au Ehre, Gesundheit und Vermögen gebracht hatten, j keinerlei Anspruch auf Entschädigung harten. Die Materie j war freilich ungemein heikel uud ihre Lösung schwierig,- auS diesem Grunde allein ist eS zu erklären, daß so lange Zett vergehen konnte, ehe der Volksvertretung der Grsetzeu.wurf zur Entschädigung der unschuldig Verurtheilren vorgelegt wurde. ES konnte fich hierbei freilich erst um einen Anfang zur Lösung jener Frage handeln, und einer späteren Zeil muß Vorbehalten bleiben, das Werk ganz zu Ende zu führen uud womöglichst alle in dieser Htnficht grhegreu Wünsche