Ausgabe 
5.3.1898 Erstes Blatt
 
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Wiedereinrichtung von Pferdemärkten tn Gießen werde > wan zunächst durch Benehmen mit den laudwirthschaftlichen Vereinen näher treten. In der GeneraldiScusfion über den Voranschlag kowmt Herr Löber auf eine tn diesen Tagen erschienene Z itungSnotiz zu sprechen, worin bemerkt worden, daß den Verhandlungen der Stadtverordneten derfrische Sag* fehle, und insbesondere auch dem Wunsche Ausdruck gegeben wurde, daß mehr Gegenstände wie bisher in öffrnt- licher Versammlung behandelt werden möchten. Der als niedrig yingeftellte SteuercoSsfizeut sei hoch und nur mit demjenigen tn Mainz zu vergleichen; er wünsche auch, daß öffentlichen Fragen, z. B. der Verbreiterung der Dammstraße, näher getreten werden wöge, und spricht sich im Uebrigen für größtmög- ltchste Okffentlichkeit der Verhandlungen aus, daran die Be­merkung knüpfend, daß auch tn den TageSblätteru eingehender über die Vorgänge in den Stadtverordneteu-Versammlungen berichtet werden möge.*) Herr Oberbürgermeister Gnauth coustatirt den Aeußeruugen de- Herrn Löber gegenüber, daß hinsichtlich de- Steuercovffizeuten Gießen mit am gün­stigsten stehe. Herr Löber hätte augeben sollen, wa- andere Städte außer der Comwuualsteuer noch ihren Einwohnern abnehmen, er erinnere nur an die Heranziehung von Gegenständen zum Occroi, die in Gießen frei eingingeu, an die Kosten der Straßenreinigung, die tn Gießen zu Lasten der Stadtkaffe stattfindr, wozu noch komme, daß Gießen keinen Zuschuß aus der Sparkaffe habe, der sich in Worw- beispielsweise auf 30 000 Mk. belaufe. Ziehe man alle- die- tu Betracht und vergleiche damit das, wa- den Steuerzahlern Gießen- geboren werde, so kowwe man zu dem Schluß, daß Gießen mit dem kleinsten Loöjfizeuten rechne. Wa- die weiteren Bemerkungen de- Herrn Löber betreffe, tl solle ein fr scher Zug in die Verhandlungen, dieselben gäben kein klare- Bild usw., so erkläre er, nur gehört zu haben, daß alle Arbeiten und Vorlagen gut vorbereitet aus den Commissionen in- Plenum kämen. Dem Specialwunsche gegenüber, es möchte in der Stadtverordneteu-Bersammlung mehr für die Augen und Ohren des Publikum- gearbeitet werden, brmerke er, daß er stet- bestrebt, Dasjenige der öffentlichen Verhandlung zuzuweifen, wa- sich ihr zuweisen laffe. Man sei aber genöthigt, auch über Dinge in nichtöffentlicher Sitzung zu verhandeln, von denen man wünschen möchte, daß sie ge­rade vor da- Publikum kommen. Herr Oberbürgermeister Gnauth characterifirte hierauf die Art und Weis?, wie man von iuteresfirter Sette dir Verbreiterung der Dammstraße habe erreichen wollen- diese hatte die Stadt nicht oeranlaffen können, der Sache näher zu treten, man habe e- aber trotz dem gethan, und da habe sich herauSgrstellt, daß die An sorderuugen an die Stadt hinsichtlich des Ankaufs von Häusern und Grundstücken viel zu hohe waren. Herr Haubach sucht einige in derMitteldeutschen Sonn» lag-zeitung" veröfftntlichte Angaben über den Ver- mögen-ftavd und die Ziuseulast der Stadt richtig zu stellen. Er gibt ferner zu bedenken, ob e- nicht gerathen sei, solche Beschlüsse nichtöffentlicher Sitzungen, für welche kein Grund mehr vorltege, sie weiter zu verheimlichen, den hiesigen Zeitungen mitzutheilen. Herr Oberbürgermeister Gnauth erklärt, damit einverstanden zu sein, sofern man ihm die Er­wägung von Fall zu Fall überlasten wolle. Herr Wallen­fels bemängelt da- Au-schretben Großh. PoltzeiamtS in Be­treff der neuen Schutzmaunöstellen, wonach nur Unteroffiziere und Soldaten fich melden könnten. Oerr Oberbürger­meister Gnauth weist aus da- Reglement von 1879 hin, worin eS heißt, daß die Bewerber um Schutzmaunsstellea ge­dient haben müßten. Herr Helfrich empfiehlt Fort- setzung de- rechtsseitigen Fußsteige- an der Licherstraße bi- zur Hengst'schen Wtrthschaft und beklagt die Schlamm­ansammlung in der Gartenstraße, die jedenfalls auf unge­eignete- Straßenbaumaterial zurückzuführen fei. Herr Grünewald weist auf die Mißstände und Gefahren hin, denen die Pastanten am Uebergang der Oberhesstschen Bahn über die Frankfurter und Liebigstraße au-gesetzt dadurch, daß den größten Theil de- Tage- diese Uebergänge durch Bahn- barriören gesperrt seien. Herr Löber empfiehlt Berbefferung de- von der Rodheimerftrahe nach Burk- Mühle führenden Fußwege-. Herr Haubach legt unter Vorführung eines Spectalfall- die Nothwendigkeit dar, daß auf der Polizei­wache jederzeit ein Schutzmann zur Hilfeleistung bei Vor­gängen auf der Straße bereit steht.

Zn pos. 52 de- Voranschlag-, Octroi, spricht fich H^rr Orvig unter eingehender Darlegung der Gründe für gänzliche Abschaffung desselben au-. Für heute möge man nur den Willen zu erkennen geben, der Weg dazu werde fich schon finden, wenn auch nicht die Schwierigkeiten zu ver­kennen seien. Herr Grünewald erklärt, im Prtvcip für Aufhebung de- Octrols zu sein. Herr Dr. Gutfleisch ist ebenfalls dafür und bemerkt, daß er in Erkenntniß der Schwierigkeit der gänzlichen Abschaffung bereit- vor Jahren dafür eingetretea, mit einigen Artikeln den Anfang zu machen. Herr Hornberger stimmt mit dem Vorredner überein, bemerkend, daß er bereit- in den 70er Jahren seiner Meinung i» dieser Hinsicht Ausdruck gegeben. Herr Grünewald empfiehlt, dem Willen der Versammlung durch eine Reso­lution Ausdruck zu geben. Herr Dr. Gaffkh erklärt sich, trotzdem er der Ueberzrugung sei, daß durch eine Beseitigung de- Ocrroi- die damit belegten Artikel nicht billiger würden,

*) Soweit der uns zur Verfügung stehende Raum' e6 zuläßt, find wir tm Allgemeiaen nicht abgeneigt, diesbezüglichen Wünschen zu entsprechen. Aber in d e r Ausführlichkeit zu berichten, wie fich vielleicht mancher gerade an einer bestimmten Sache Jnterefsute vor­stellt, geht wohl über die Aufgabe der TageSprefie und die d«n wenig oder gar nicht tnteressirten Theil der Leser schuldige Rücksicht hinaus. Auf die Detalls der Verhandlungen, etwa durch vollständige Wieder­gabe der dort geäußerten Anfichlen etnzugehrn, ist nicht immer an­gebracht, da selbst manches, waS tn öffentlicher Versammlung ver­handelt wird, die Veröffentlichung durch die Preffe aus diesem oder jenem Grunde nicht verträgt. Daß man mit genauer Wiedergabe einer Aeußerung übrigens dem betr. Redner unter Umständen einen schlechten Dienst erweisen kann, sei nur nebenbei bemerkt.

Red.

für Aufhebung, und zwar der hohen BerwaltungSkosten wegen und deS durch da- Octroi in der Emwohnerfchaft erregten Gefühls einer Ungerechtigkeit gegen einzelne Klaffen. Herr Beigeordneter Georgi steht ebenfalls auf dem Stand­punkt der Aufhebung, befürchtet aber Beschwerden, wenn in Folge de- Einnahmeaurfalle» die Steuer erhöht werden müffe - feiner Berechnung nach werde der CoLfficient von 28,8 auf auf 35 Pfg. steigen. Herr Haubach verweist auf die Weinsteuer, deren Aufhebung den Wein weder verbilligt noch verbefferr habe- deshalb glaube er nicht, daß nach Aufhebung de- Ocrrois die Preise der damit belegten Lebensrnittel fielen. Herr Wallensel- ist ebenfalls gegen da-Octroi, kann fich aber nur für succefive Beseitigung desselben au-sprechen, um feststellen zu können, inwiefern da- Publikum Vorthetl davon hat. Herr Kirch spricht fich für Commission«, berathnng au-, da Über einen fo weitgehenden Antrag nicht kurzer Hand abgestimmt werden könne. Herr Oberbürger­meister Gnauth gibt unter der Bemerkung, daß auch er für Aufhebung de- Octroi- sei, dem Wunsche Ausdruck, daß die Mehrheit, welche die Aushebung beschließen wird, auch voll und ganz die Consiqnrnzen diese- Beschlusses zieht und Ersatz de- Einnahmeausfalles garantirt, er würde sonst bedauern, wenn die Abschaffung eine Verhinderung deS städtischen Ge­meinwesen- in seiner Entwickelung zur Folge habe. Herr Heichelheim ist für Vertagung. Herr Beigeordneter Georgi schlagt vor, daß seitens der Bürgermeisterei eine vergleichende Ucberficht vorgelegt werde, wie fich die Brr hältmfse gestalten würden bet a) theilweiser Aushebung des Octroi- (z. B. Mehl und Backwaaren), b) gänzlicher Auf­hebung. Herr Löber legt dar, daß die Aufhebung de» Ocrrois auf Backwaaren ein Geschenk an die Bäcker bedeute, denn bei 3/i Pfg. pro Laib könne von einer Pret-ermäßtgung keine Rede sein- er werde sich einer diesbezüglichen Ab» stimmung enthalten. Herr Gutfleisch möchte nicht hören, daß nach Aufhebung de- Octroi- übermäßig gespart werden müffe, d. h. einzelne Theile unserer städtischen Verwaltung be* nachtheiligt würden- immerhin könne man fich schon heute aussprechen, ob man den Wunsch nach Aushebung hege. Der Antrag deS Herrn Kirch auf Ueberweisung an die ver­einigte Finanz- und juristische Comrniffion und Herbeiführung eine- BeschluffeS tn einer der nächsten Stadtverordneten­fitzungen wurde abgelehnt, desgleichen eine Resolution, nach welcher bereit- im Voranschlag 1899/1900 die Aushebung des Octroi- zum Ausdruck kommt, dagegen wurde ein An­trag des Herrn Dr. Gutfleisch zum Beschluß erhoben, welcher besagt, daß die Versammlung den Wunsch nach Be­seitigung de- Octroi- ausspricht und den Oberbürgermeister ersucht, zur Erfüllung dieses Wunsche- geeignete Vorschläge zu machen.

Zu pos. 56, Fleischbeschau, fragt Herr Haubach an, warum die Ausgaben hier größer seien, als die Ein­nahmen. Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkte, daß ein Ausgleich nur durch Erhöhung der Fleischbeschaugebühren möglich sei, die- fei aber nicht angängig, weil dieselben die ge­setzlich zulässige Höhe bereit- erreicht, der Ausfall müffe au» den Schlachtgebühren gedeckt werden. Herr Wallenfels fragt an, ob mit der durch Erkrankung des Schlachthaus- thierarzteS nothwendig gewordenen Vertretung deffelben die Stadt belastet werde. Herr Oberbürgermeister Gnanth verneint die-. Ferner theilt derselbe die erfolgte Gründung einer -weiten BiehverficherungSgesellschast, und weiter mit, daß Herr SchlachthanSthierarzt Liebe seine Mitwirkung an den Geschäften der älteren Gesellschaft aufgekündigt habe- ferner habe die Versicherungsgesellschaft der RindSmetzger be- schloffen, daß sie Ochsen für die Folge nicht mehr versichere, sodaß, da auch die neue Gesellschaft nur Kleinvieh versichere, gerade der wesentlichste Theil der Schlachwiehverficherung tu Wegfall gekommen. Die Anfrage deS Herrn Haubach über den Stand der Vorarbeiten für die Stadterweiternng beantwortet Herr Oberbürgermeister Gnauth dahin, daß dem­nächst der Plan für den Hamm offengelegt werde, und daß weitere Stadttbeile in Angriff genommen seien. Vor Schluß der Sitzung, die morgetk ihre Fortsetzung finden soll, erklärt Herr Dr. Gut fleisch, daß er während der Ab­stimmung über die Anlage de- Viehmarkte- an der Rodhetmer Straße in Wien gewesen- würde er an der Abstimmung habe theilnehmen können, fo hätte er gegen das Project ge­stimmt, da« er seiner Ueberzrugung nach für nachtheilig halten müffe, er werde gegen die Bewilligung der geforderten 210 000 Mk. stimmen.

totale» «nd provinzielle».

Sießen, den 4. März 1898.

Berzetchniß der Sitzungen bei Schwurgericht» der Pro« vinz Oberheffen, pro 1. Ouartal 1898. 1. Montag, 7. März, Vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Johanne- Rost au- Gießen wegen Urkundenfälschung, Betrug rc.- Ankläger: StaatSan- walt Koch, Vertheidiger: Rechtsanwalt Katz. 2. Dien-tag, 8. März, Mittwoch, 9. März, Vormittag- 9 Uhr, Anklage gegen Karl Keil aus Gießen wegen versuchter Brandstiftung- Ankläger: Staatsanwalt Koch, Vertheidiger: Rechtsanwalt Dr. Spohr. 3. Donnerstag. 10. März, Vormittag- 9 Uhr, Anklage gegen Karl Tonrad IV. au- Rainrod wegen Mord- Anklager: Staat-anwalt Zimmermann, vertheidiger: Rechtsanwalt Justizrath Baist. 4. Freitag, 11. März, Samstag, 12 März und Montag, 14. Mär-, je Bormittag- 9 Uhr, Anklage gegen Heinrich Damm aus RudloS wegen Verbrechen und Vergehen im Amt- Ankläger: GerichtSaffeffor Dr. F r i e d r i ch, Vertheidiger: Rechtsanwalt Dr. G u t f l e i s ch.

Theatervereiu. In der 6. Vorstellung, welche Mitt­woch, den 9. März stattfindet, kommt ein Stück zur Auf­führung, welche- schon allein deS Gegenstandes wegen, der \ ihm zu Grunde liegt, da- weiteste Jntereffe beansprucht, j vornehmlich in einer Universitätsstadt. Max Dreyer» drei- actige KomödieIn Behandlung* schildert in luftiger j Weise die vielen Schwierigkeiten, mit denen eine junge Dame ' zu kämpfen hat, als sie nach beendetem Studium der Mediciu

fich tn ihrer Vaterstadt all Aerztin niederläßt. Der Verfasser rollt in einem lebensvollen B.lde die Frauenfrage vor den Augen der Zuschauer auf, welche schon soviel in Wort und Schrift, aber selten im Schauspiel behandelt worden ist. Für die Darstellung der Aerztin war ursprünglich Fran Prasch» Grevenberg vom Berliner Theater tn Berlin gewonnen, an demIn Behandlung" schon 50 mal gegeben worden ist. Nachdem dieselbe ernstlich erkrankt ist, gelang e- einen würdigen Ersatz für sie in Fräulein Toni Wittel- vom ^oftheater in Mannheim zu schaffen. Ihren Partner, den Ilrzt, wird Herr Janson spielen, von dem man sicher an­nehmen darf, daß er feinen Platz ebensogut wie in ber flnften Vorstellung ausfüllen wird.In Behandlung* be­ginnt soeben von Berlin aus seinen Zug Über die deutschen Bühnen, eS wurde kürzlich tm Hoftheater in München, im alten Theater in Leipzig, in Wien und in Mannheim gegeben, Gießen folgt jetzt an sechster Stelle. Hoffen wir, daß auch hier die ersteAerztin" sich gut einführt wenn e- ihr auch, ebenso wie anderen Aspirantinnen versagt war, in Gießen ihre medicinischen Studien zu machen.

* * HandelSkammerlag. Am nächsten Sonntag wird in Mainz und zwar im dortigen Stadthau- ein Hessischer Handelskammertag stattfiaden, auf dessen Tagesordnung n. A. eine Vorbesprechung der für den am 14. März stattfindende» deutschen Handelskammertag aufgestellten Tagesordnung steht.

* * Arbettknachweife. Um eine zweckmäßige Ausgestaltung des Arbeitsnachweises, insbesondere eine größere Crntralifirung desselben tn die Wege zu letten, hat die Re­gierung in dem eben zur Debatte stehenden Staatsbudget- einen Betrag von 2000 Mark eingestellt und der Finanz­ausschuß denselben befürwortet. Nunmehr beantragte der Abgeordnete Köhl er« Darmstadt die genannte Summe auf >000 Mark zu erhöhen, weil der regierungsseitig einge- teilte Betrag für die beabsichtigte Förderung der Arbeits­nachweise unzureichend sei. Arbeit-nachweiSanstalten bestehe» ur Zeit in folgenden Städten des Großherzogthums: Darm- tadt, Gießen, Mainz, Offenbach und WormS. Die in Darmstadt bestehende Anstalt ist kein commuualeS Arbeits­amt, wie die der anderen genannten Städte, sondern eine ! lereinS-Einrichtung. Beabsichtigt ist nun, diese Anstalten unter sich telephonisch zu verbinden, weil dadarch die Mög- ichkeit fortwährenden Nachrichtenaustausche- über Arbeits­angebot und Nachfrage geboten und die Gelegenheit zur Arbeit-vermittelung naturgemäß vermehrt wird. Außerdem ollen periodisch vorzunehmende Ausstellungen der Nachweise mrch Druck vervielfältigt und in den größeren Gemeinden >e- Landes verbreitet werden.

* * Die Militarcapellmeister werden demnächst ein äußere» Zeichen erhalten, da- sie deutlicher al« bisher von den Feld­webeln unterscheiden soll. Ihre Uaisormen werden nämlich au Stelle der Eantillen OsfizierS-Achselftücke mit einer Lyra erhalten. Ein Stern kenazeichnet den Träger als königlichen Mufikdirigenten, zwei Sterne bezeichnen ihn al» königlichen Musikdirector. Die Regimentsnummer kommt in Wegfall. Die Frage, ob den Capellmeistern da» Tragen von JnterimS- röcken gestattet werden wird, ist noch unentschieden.

* Sine der neuere» Einrichtungen der preußischen nnb ter übrigen deutschen Bahnen, die noch wenig bekannt ist, ft die Gepäckbcsörderuug ohne gleichzeitige Lösung von Fahr­karten Expreßbeförderung genannt. Hiernach könne» Güter aller Art, welche fich zur Beförderung im Packwagen eignen, auch ohne Vorzeigung einer Fahrkarte auf Gepäck- chein aufgegeben werden. Der Frachtberechnung wird die normale Gepäckfracht für mindesten- 20 Rilogr. zu Grunde gelegt. Als Mindestbetrag werden bei der Beförderung i» Perfonenzügen 50 Pfg., in Schnellzügen 1 Mk. erhoben. Der Gepäckschein wird dem Absender eingehändigt oder auf Verlangen der Ladung beigegeben, wenn die letztere mit der vollen Adresse de» Empfängers versehen ist. Am Bestimmungs­ort wird die Sendung gegen Rückgabe de» Gepäckschein- bezw. dem zur Abnahme sich meldenden Adreffaten ober dessen Beauftragten gegen Quittung außgeltefert. Holt der Adressat da» Gut nicht tonerhalb einer Stunde nach der Ankunft ab, fo wird er vom Eingang benachrichtigt. Eine Zuführung de» Gute» in die Wohnung der Empfänger fiadet nicht statt.

Eine einheitliche Tnrnerkleidnag für alle deutsche« Turner schlägt in derDeutschen Tnrnerzeitung* Dr. Götze vor. Dieselbe besteht au» blauer Jacke und grauen Bein­kleidern und erregte bei dem letzten schweizerischen Turnfest allgemeine Bewunderung. Man hofft, die Frage bald -n lösen, sodaß beim nächsten deutschen Turnfest, da« bekanntlich in diesem Sommer in Hamburg stattfindet, die einhettliche Kleidung bereit» eingesührt fein dürfte.

* Zu Amerika verstorbene hefsen. In Baltimore, Md., Tapitän Heinrich Holdes er, 81 Jahre ah, au» Westhosen. In Ma-conth», Jll., Fran Louise Nickel, geborene Rammler, 59 Jahre alt, au« Seeheim. In Whipple, Washington Co., Frau Beack, 62 Jahre alt, au» Winterk.sten. In Buffalo, New York, Frau Helene Pfeffer, geb. Köhler, 72 Jahre alt, aal Heppenheim a. d. B. In Cleveland, O., Phil. Menncke, 75 Jahre alt, au» Hamm. In Mtllstadt, Jll, Frau Marie Marg. Eckert, geb. Dehn, 73 Jahre alt, au» Ueberan.

-f- Nidda, 4. März. Herr Oderamt^richter Hof­mann, Geh. Justizrath dahier, welcher auf eine nahezu 47jährige BerufSthätigkeit zurückbl^ckt, von der die letzten 14 Jahre einer segensreichen Wirksamkeit in unserem Sericht»- sprengel gehören, wird mit dem 15.1. Mts. au» dem Justiz- dienste scheiden, um in den nachgesuchtermaßen bewilligten Ruhestand zu treten.

Ruppertenrod, 3. März. Gestern verstarb hier der älteste Mann unserer Gemeinde, der ffiaoner und Landwftth Alexander Kratz. Er war geboren am 18. August 1811, erreichte somit ein Alter von 86 Jahren 6 Monaten und 14 Tagen. Der Verstorbene befand sich noch im vorigen Jahre in einer bewundernSwerthen Mstigkeit- so versah er