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Nr. 54 Erstes Blatt.
Samstag dm 5. März
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
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Kchnkfiraße Vr. 1.
heute vom Präsidenten Fa ar e in Audienz empfangen. Faure erwiderte alsbald den Besuch.
Loudon, 3. März. We aus Shanghai gemeldet wird, habe Deutschland beschlossen, ein Schiff nach Shanghar zu entsenden, um die Aufrechterhaltung der vor',CH na gemachte« Coucesfionen zu sichern.
Konstantinopel, 3. Marz. Der auf der Fahrt nach Odessa begr ffrne ungarische Dampfer „Na dor" ist infolge Nebels am Eingänge der Bosporus gestrandet. Menschenleben find nicht zu beklagen.
Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«.
Fernsprecher Nr. 51.
Wien, 3. März. Da« Befinden der Kronprtn- zessiN'Wtttwe Stefanie hat fich im Laufe des Bor« mittags Wetter gebeffert. Der Kräftezustand ist befriedigend, bas Fieber niedriger.
Prag, 3. März. Die Socialdemokraten machen nunmehr auch in der Nähe Prags erhebliche Fortschritte. In Bulanka wurden bet der Grmeiudewahl sämwtltche Candidateu der Socialtsten gegen die Tschechen gewählt.
Budapest, 3. März. Franz Kossuth brachte heute im Abgeordnetenhause den Antrag ein, das Haus möge das italienische Parlament anläßlich des 50jährigen Jubiläums der italienischen Verfaffuug beglückwünschen. Der Antragsteller wird morgen seinen Antrag begründen.
Rom, 3. März. Heute wurden fünf Amuestte- Decrete veröffentlicht, welche der König heute Vormittag aus Anlaß drs fünfzigsten JahreStageS der Verfassung unter- zeichnet hat. Dieselben beziehen fich auf Verbrechen, begangen durch die Preffe, auf Verbrechen gegen die Sicherheit des Staates, auf Duellvergehen, auf Vergehen der Desertion von nationalen Handelsschiffen, begangen durch Italiener oder durch Ausländer; außerdem auf Personen, welche fich der Militär-AuShebung entzogen haben und auf eine lange Reihe von Finauz-Uebertretnugen.
Pari», 3. März. Der Deputtrte Gärault-Richard kündigte eine Interpellation in Betreff des Verbots der Aufführung der ,®ebexA von Gerhard Hauptmann au.
Pari», 3. März. Der Prinz von Wales wurde
Sitzung der Stadtverordneten
am 3. März 1898.
Anwesend: Herr Oberbürgermeister Guauth, die Herren Beigeordneten Georgi, Glünrberg und Wolff, von Seiten der Stadtverordneten die Herren A».amt, Brück, EmmeltnS, Faber, Flett, vr. Güffky, vr. Gutfleisch, Grünewald, Hehligenstädt, Habeuicht, Haubach, Heichelheim, Helfrich, Hornberger, Jng- Hardt, Keller, Kirch, Löber, Orbig, vr. Ploch,. Petri, vr. Schäfer, Scheel, Schiele, vr. Thaer und Wallenfels.
Vor Eintritt in die Tagesordnung thetlte Herr Oberbürgermeister Gnauth mit, daß Se. Kgl. Hoheit der Großherzog die Wiederwahl de» Herrn Beigeordneten Grünberg bestätigt habe. Wer so lange und treu seine Kraft in den Dienst des öffentlichen Lebens gestellt, dem gegenüber sei eine wiederholte Verpflichtung nicht mehr wie eine Formsache- er ersuche deshalb Herrn Grüueberg, durch Handgelöbniß wiederholt die Abficht treuer und unparteiischer Dienstführung kundzugeben,- er heiße ihn Namens der Versammlung willkommen. — Herr Beigeordneter Grüveberg sprach der Versammlung setnrn Dank für die Wiederwahl aus mit dem Versprechen, bestrebt zu sein, fich dieses Vertrauens würdig zu zeigen und mit der Bitte um Nachficht für die Folge hlufichtltch seiner Amtsführung und mit Rücksicht auf sein Alter.
Ueber die bereits früher beratheue Errichtung eine« AuSsichtSthurmeS auf der Hochwarte wurde Voranschlag vorgelegt, wonach die Kosten eine» auf einem Stein- krauz montirteu Holzthurmes von iuSgesawmt 27 Meter Höhe auf 3850 Mk. berechnet find. Der Betrag wird bewilligt unter der Annahme, daß der VerschöuerungSverein nach wie vor fich zu einem Zuschuß von 1000 Mk., sowie zu eine« jährlichen Beitrag von 100 Mk. auf die Dauer von zehn Jahren verpflichtet. Die Anregung des Herrn Haubach, eine Verschalung de» Treppenbaue» auszuführen, soll noch der Beschlußfassung Vorbehalten werden.
Die innere Ausstattung des Erweiterungsbaues für das Realgymnasium ist auf 4500 Mk. veranschlagt. Der Betrag wird bewilligt, desgleichen die beantragte Einrichtung einer elkctrischen Anlage für Arbeiten und Versuche im chemischen und phhfikalischen Institut mit 4000 Mk.
Um daS dem Lesehalle-Verein überlassene Thor- hau» am SelterSweg für die Zwecke der Volköbiblwthek geeigneter zu machen, ist die Vereinigung mehrerer Z mmer zu einem Lesesaal, sowie zu der bereits genehmigten Gasleitung die Elnführung der Wasserleitung für nothwendig erachtet worden. Die Kosten, welche für den inneren Umbau auf 1000 Mk., für die GaSetnrichtuug auf 217 2Bf., für die Wasserleitung auf 159 Mk. veranschlagt find, werden be- willigt.
Betreffs der Herstellung de» Verbindungsweges zwischen Bahnhof- und Hammstraße ist ein Project vorgelegt worden, wonach der Weg unterhalb de» Lenz'scheu Felsen- kellerS verbeffert, über die Wirseck ein eiserner Steg gebaut und da» rechtsseitige W-eseckufer unter der Ueberführung erhöht werden soll. Die Versammlung beschloß Bewilligung deS veranschlagten Betrag» von 6600 Mk. für den Fall, daß eine Verständigung mit der Giseubahn-Dtrection über eine beffere Verbindung (etwa durch Anlage einer Unterführung am Bahnhof) nicht zu Staude kommen sollte.
Die nun folgende Berathung des Voranschlags der Stadt Gießen für das Jahr 1898/99 leitete Herr Oberbürgermeister Gnauth mit dem Hinweis auf den günstigen Umstand ein, daß der Voranschlag mit Zugrundelegung des bisherigen Communalsteuer-AuSschlagS-Coeffictenteu von 28,8 Pfg. pro Mark Bteuercapital aufgestellt werden konnte. Die Mehrforderungen könnten lediglich gedeckt werden infolge der erhöhten Steuerkraft, herbeigeführt durch Zuzug von Außen, Mehrerträgniß der Grundsteuer und die fich günstiger gestaltende Lage der Steuerpflichtigen. Die Er- gebviffe des in Berathung stehenden Voranschlags ließen hoffen, daß auch der Übernächste Voranschlag auf Grund de» gleichen CoSffizenten ausgestellt werden kann. Der von Herrn Stadtverordneten Kirch angeregte Frage wegen
Versuche» Reiche
Berlin, 3. März. Wie aus Bremen gemeldet wird, erwartet man die Ankunft de» Kaiser» dorr morgen Nachmittag.
Berlin, 3. März. Die Commisfion deS Reichstags zur Berathung der Militärstrafproceßordnuug hat heute die zweite Lesung beendet und bei dieser Gelegenheit auch eine Resolution angenommen, worin die Regierung ersucht wird, eine Statistik über die mit dem Milttärstrafproeeß>er- handelten Fälle zu veröffentlichen. Al» Berichterstatter find die Abgeordneten de Witt (Centrnm) und vr. Görtz (LolkSp.) ernannt.
Berlin, 3. März. Die Budget-Commission de» Reichstage» hat heute zunächst § 3 der Flotten-Borlage, be- treffend die Jndiensthaltung, nach dem Vorschläge de» Referenten Lieber angenommen, alsdann den § 4 gestrichen und den § 5 angenommen. Die Debatte wendet fich dann dem § 9 zu, die Deckung betreffend. Außer dem Anträge Lieber liegt hierzu ein Antrag Müller-Fulda vor, welcher die Kosten hauptsächlich auf die Interessenten verthetlen will, und ein Antrag Bebel, betreffend eine Progressive Reichs-Einkommen- steuer. Die Debatte über den § 9 ist noch nicht beendet und wird übermorgen fortgesetzt.
Berlin, 3. März. Die Wahlprüfung S-Com- mission des Reichstages hat die Wahl des Abgeordneten Schulz (frs.Vp.) für gültig erklärt, jedoch beschloffen, noch Beweis erheben zu taffen.
Berlin, 3. Marz. DaS Abgeordnetenhaus nahm heute in zweiter Lesung eine Novelle zum AnfiedelungSgesetz an und zwar mit einem Anträge Ttegl, wonach in AuSnahme- fällen die Bildung größerer Restgüter zulässig ist. De» Weiteren wurde der Etat der Ansiedelungs-Commission genehmigt. Morgen: Antrag Felisch, betreffend Befähigungsnachweis im Baugewerbe, und Petitionen.
Berlin, 3. März. Der neue Gouverneur von Kiaotfchau, Capitän zur See Rosendahl, reist am8.März von Genua noch Ostafien ab- auf demselben Pchiffe macht sein Adjutant, Capitänlieuteuant W i l ck e n, die Reise mit. — Der in Madeira eingetroffene Gouverneur von Kamerun, v. Puttkamer, wird in wenigen Tagen hier erwartet.
Berlin, 3. März. Zu der kürzlich gebrachten Mittheilung einiger Blätter, daß seit Anfang dieses JahreS landwirth- schastliche Geräthe und Maschinen zollfrei nach Rußland eingeführt werden könnten, schreibt die „Nordd. Allgem. Zig." osficiell, daß die Zollbehandluug dieser Gegenstände seit Inkrafttreten de» Handelsvertrages keine Ber- änderung erfahren habe.
Berlin, 3. März. Wie den Abendblättern gemeldet wird, ist der Bergmann, welcher daS Unglück auf Grube Maria" bei Aachen veranlaßt, verhaftet worden.
Wilhelmshaven, 3. März. Die Abreise de» Kaiser», welche heute früh erfolgen sollte, ist abermals verschoben worden.
Versucher
54. Sitzung vom Donnerstag den 3. März 1898.
Tagesordnung: Fortsetzung der Eta t»berathnng. Etat des ReichSetsenbahnamtS. Titel „Gehalt deS Präsidenten", nebst der dazu vorliegenden Resolution Pachnike und dem Amendement v. Stumm.
Abz. Graf Bernstorff (Rp.) wünscht für den Fall einer Reform der Prrsonentarife: 1) keine Aufhebung der Retonrbtllet», 2) keine Abschaffung der Rnudreisebillet» und keine Erhebung von Zuschlägen zu den Schnellzügen.
Abg. Stolle (Soc) kommt wiederum auf die Häufung der Unfälle zurück. Es sei eigenthümlich, wie diese Er- fcheinnug in Zusammenhang stehe mit der wirthschaftlichen Lage. ES erkläre fich das durch die Ueberlastung deS Eisenbahnpersonals, durch die zeitweise den Beamten zugemmhete übermäßige lange Arbeitszeit. DaS Reichsetsenbahnamt sei verpflichtet, dagegen einzuschreitrn. Was sei da» für ein Zustand, wenn für die Flotte und den Weltverkehr Hunderte von Millionen ausgegeben würden, gleichzeitig aber im In- lande die TranSPorteinrichtungeu derartige seien, daß man ohne Gefahr gar nicht mehr fahren könne.
Abg. Graf Kauitz (cons.) bespricht wiederum die An»- uahmetarife für Kohlenexporte und geht bann auf die Canal» frage ein.
Abg. Schönlank (Soc.) bedauert die Nichtanwesenheit der Minister v. Miquel und Thielen. In seinen weiteren Ausführungen wendet Redner fich gegen Herrn v. Stumm, der gemeint, nicht die Unfälle, sondern die Preffe hätte Beunruhigung in» Volk gebracht. Herr v. Stumm habe da wohl nur sein Leibblatt, die »Post-, im Ange gehabt, denn diese habe allerdings oft genug Beunruhigungen zu Wege gebracht, so durch ihren Krieg in Sicht und durch ihre Um- sturzartikel. Die preußische Eisenbahnstatistik ist in den Augen de» Abg. Schönlank keinen Schuß Pulver werth. Characte- risttsch für die Zustände auf den preußischen Bahnen seien die Enthüllungen vor Gericht in dem Prozesse wegen de» Falle» Grüttner.
Abg. Gamp (Rp.): Mit den Gtsenbahnunfällen sei e» gar nicht so schlimm, wie e» hier dargestellt werde. Selbst der schwerste Unfall der Neuzeit, der zwischen Hildesheim und Gerolstein, sei nur verschuldet durch den Bruch einer Brr- kuppelung. Die Wirkungen solcher Unfälle ständen in Gotte» Hand. Eine völlige Trennung der Geleise für den Gütrr- und den Personenverkehr sei ganz unmöglich. Nachdem Redner fich gegen die Ausführungen der Abgeordneten Hammacher und Lenzmann gewendet, bezeichnet er die Miquel'sche Spar- famkeitSpolitik im Staatsbahnwesen al» ein Verdienst. Die deutschen und preußischen Etsenbahnverwaltungen ständen an der Spitze aller Verwaltungen auf diesem Gebiete.
Abg. Hammacher (nl.) betont, er wolle nur wiederholen, daß die preußischen Eisenbahnen nicht den Erwartungen entsprochen hätten, die man bei ihrer Verstaatlichung gehegt habe. Wenn Herr Gamp meine, der preußische Staat müße die Eisenbahnen gleichwie al» Industrie betreiben, dann meine er, Redner, daß die Staat-bahneu den VerkehrStnteressen dienen sollten. Schlimm sei, daß die großen Ueberschüffe, die Hunderte Millionen, welche die Staatsbahnen dem Staate liefern müßten, zu Ausgaben verwendet würden, die größten- theil» dauernde seien. Diese Vermischung der StaatSfinanzen und der StaatSeisenbahvfinanzen hindere eben, daß die Bahnen für den Verkehr so viel leisten, als fie sonst leisten könnten.
Abg. Werner (Artis.) tadelt die Sparsamkeit-politik bei den preußischen Staatsbahnen und erklärt, seine Freunde stimmten gegen die Erhöhung be» Gehalte» be» Eisenbahn- amtspräfibenten.
Abg. Prinz Carolath (Hosp. b. Rat.) beklagt fich Über ben Wagenmangel. Auch gegen bte Unfälle, namentlich gegen die UeberbÜrdung der Beamten und Arbeiter, müsse Abhilfe geschaffen werden. Die Unfälle sprächen eine zu deutliche Sprache. Redner fordert schließlich beschleunigtere Beförderung der Chemnitzer Textilgüter nach England.
Abg. Fuchs (Senn.) legt Verwahrung ein gegen etwaige Einführung von Staffeltarifen zu Gunsten der östlichen und zum Nachtheil der westlichen Landwirthschaft.
Titel 1, „Präsident de» ReichSeisenbahnamte»", wird genehmigt.
Der Antrag Pachnicke wird angenommen nnb ohne wesentliche Debatte der Rest deS Etat».
Morgen 2 Uhr Petitionen und Anträge.
Schluß 6% Uhr.


