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Nr. 285 Drittes Blatt.
Sonntag den 4. December
1898
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Gießener Anzeiger
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General -Anzeiger
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Amtlicher Theil.
Gieße«, den 1. December 1898. Betreffend: Zurückstellung unabkömmlicher Beamten, hier von Lehrern und Schuloerwaltern im Falle einer Mobilmachung.
Die
Großh. Kreis-Schulcommisfion Gießen
an die Schulvorstände des KreifeS.
Sie wollen die Lehrer oder Schulverwalter einklassiger Schulen, welche mUitärpflichtiq find, darauf aufmerksam machen, daß Gesuche um Zurückstellung im Falle einer Mobilmachung innerhalb 8 Tagen bet uns einzureichen sind. Später etnlaufende Gesuche können nicht berücksichtigt werden.
In den Gesuchen ist anzugeben:
I) Eivilstellung,
2) Vor» und Zunamen,
3) Militürcharge und Truppengattung,
4) Genaue Angabe de« Truppentheils, Regiment, Compagnie rc., bei welchem der Eintritt erfolgt ist, und Datum des letzteren,
5) Bezirk des Landwehrbataillon».
Bei Lehrern oder Schulverwaltern, welche bereits früher bei uns reclamtrt haben, bedarf es der Angaben 1—5 nicht, H genügt hier einfache Meldung.
Abwesende Lehrer oder Schulverwalter, die als alleinstehende Lehrer zur Reclamation berechtigt find, wollen Sie sofort benachrichtigen.
o. Bechtold.
Bekanntmachung.
Betr.: Ausführung der Landesfeuerlöscholdnung.
Nachdem in Winnerod eine eigene Feuerwehr gebildet worden ist und die nöth gen Löschgeräthe beschafft find wird mit Genehmigung des Kreisausichuffes diese Gemeinde au» dem Brandhülfsverband Ber»rod mit den Gemeinden Beuern, Saasen und Reinhardshain au-geschieden und ein besonderer Brandhülfsverband Winnerod mit BeiSrod, Saasen und Lindenstruth gebildet.
Gießen, den 30 November 1898.
Großherzoglichr» RretÄamt Gießen.
v. Bechtold.
Gießen, den 30. November 1898.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Grosth. Bürgermeistereien Bersrod, Winnerod, Saasen, Lindeustruth, Reinhards- Hain und Beuern.
Die vorstehende Btkanntmachung wollen Sie ortsüblich publiciren, die Commandanten der Feuerwehren entsprechend belehren und das Nöthige wegen Bestellung und Beauftragung der Feuerdoten veranlassen. Ihren Berichten über Erledigung sehen wir demnächst entgegen.
v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Dem laudw. BrzirkSvretn stehen für das laufende Rechnungsjahr 100 Mk. für H:bnnq der Gtflügelzucht zur versügung. ES sollen vier G> flügelzvchtfiellen errichtet
werden unter Aufficht einer zu bildenden Sietion für Geflügelzucht im lanbto. BezirkSvereio. ES sollen Zuchtftä«me von Hühnern der Italiener und der Mtoorkaroffe von 1 Hahn und 4—6 Hühnern auf Kosten de» landwirthfchaftl. veiein» beschaff- werden. Die Inhaber der Zuchtstrllen haben hauptsächlich die Pfl cht, den Zach stamm vom 1. Februar bi» zum 81. Juli alljährlich geteeont in beswsderr« Lavsp'.atz zu halten, gut zu füttern und zu pflegen, vie erzielten «ter zur Brut zu verwenden und die übrigen Eier io Brutsatz'.n vou 10—15 Stück an andere Züchter gegen bestimmten PeeiS abzugeben (10 Pf-, bei Mitgliedern de» laudw. Vereins, 15 Pfg. p o Stück bei R chtmitgliedern)- über die Geiammt- zahl der erzielten Eier eine Liste zu führen; jährlich von der Nachzucht mindestens 2 Hähne und 4 Hühner 4 2 Mk. der Sektion für Gtflügelzucht abzogeben, den Zochtstam« oder die Nachzucht auf Kosten deS laodw. Vereins bei Ausstellungen anßzvstellen.
Die vöthigen Geschäfte deS Ankaufs deS Zuchtstammes, Auswahl des Züchters und Lontrolle besorgt die Sectio« oder, wo ein Srflügelzuchtverein vorhanden ist, dieser.
Ich ersuche Geflügelzüchter bezw. Gtflügelzuchtoereine n« Einreichung von Meldungen zur Utbernahme einer Züchtstelle, und ferner Sachverständige zur VtirrltiSerklärnng für die zu bildende Sectiou, die Mitgliedschaft deS lavdw. Vereins vorausgesetzt.
Die näheren Bestimmungen können bet mir eingesehe« werde«. Gtflügelzuchtveretue hoben Aussicht, für ihre vestrebnnge« do» laudw. Provtnzialveretn weitere Bethülfen zu erhalt».
Gießen, den 1. December 1898.
Der Dirrctor des laudw. Bezirksvereius Gieße«, v. Bechtold.
^nilltto«.
J>as 19. Jahrhundert.
Unter Mitwirkung hervorragender Fachgelehrter herausgegeben von Friedrich Thieme.
(Nachdruck oder Auszug verboten.) Vorbemerkung.
Das 19. Jahrhundert neigt sich seine« Ende zu. Data Kurzem beginnende Jahr ist daS letzte in der langen Reihe. Wir stehen cn der Schwelle deS neuen Jahrhunderts und damit an eine« bedeutsamen Wendepunkt in der Geschichte der menschlichen Entwickelung.
Halten wir doch schon am Ende eines jeden gewöhnlichen Jahres ernste Einkehr in uns selbst, p,üfen da» Jahr auf seine Freuden und Leiden, seine Ereignisse und Fortschritte. Wie viel mehr muß die Menschheit an der Wende eines ganzen Jahrhundert», an einem der großen Marksteine der Zeit, den mit zu erreichen wenigen Generationen beschteden ist, fich Rechenschaft oblegen über ihr Handeln und Denken nab aus der Geschichte vergangener Jahrhunderte den Maßstab entnehmen für die Erfolge deS eben zurückgelegten.
Ein ©Überhaupt, daS weife wer, Schaut tief zurück durch manches Jahr, Und lieft auS der Vergangenheit Prophetisch den Erfolg der Zeit! (Seume.)
Das 19. Jahrhundert war eine» der gewaltigsten und glorreichsten der historischen Periode. Jo seinen engen Rahmen von 100 Jahren saßt ei die Erfolge vrn tausend,- wie im Triumph Hot e» die Menschen zur Höhe der Wissenschaft emporgetragen und die Kragen einer neuen befferen Gesellschaftsordnung und höheren Sittlichkeit wenigstens aufgeworfen, die Lösung de« 20. Jahrhundert üderlaffead.
Unsere Absicht ist eS, in kurzer Zügen die Errungen- schäften deS ablauseuden Jahrhunderts am Auge deS Lesers dorüderzirhen zu laffen. In einer Reihe von vpecialartikeln und chronologischen Ueberfichrrn werden wir dieser schwierigen Aufgabe in allgemein verständlicher Darstellung zu genügen suchen. Natürlich kann der Leser keine Vollständigkeit von ans verlangen, der unS zur Verfügung stehende R-um würde kau« hivrrichen für Namen und Daten. Rur Skizzen verwögen wir zu bieten, flüchtig zusammtnfaffrn daS Bemerkens, »rriheste. Der Geist deS 19 Jahrhunderts ist es, den wir schildern wollen- ohne Rückhalt, ohne Tendenz, ohne Furcht wollen wir daS Tableau einer großen Eulturepoche vor den Lesern entrollen, zum verständntß der Vergangenheit, »er Zeit und der Zokunst, von der w'.r hoffen, daß fie den Menschen Hell bescheeren und nicht nur die Wünsche der Gesamnnhetr, sondern auch jede» Einzelnen von uns, soweit sie b ll g und gerecht stad, herrlich realtfiren möge!
I.
Der Anßgavg bei 18. 3 hrhnndert». %
„Wie schön, o Mensch, mit Deinem Palmenzweige Stehst Du an des Jahrhunderts Neige Jn edler, stolzer Männlichkeit, Mit aufgtsrlosi'nem Sinn, mit Geist:sfülle, Voll mieden Ernst», in thatenreicher Stille, Der reifste Sohn der Zeit —*
Rein Geringerer al» Friedr ch Schiller ist es, der mit diesen stolzen Worten da» 18. Jahrhundert verabschiedet. Aus ihnen othmer das hohe Gefühl erhabener Befriedigung mit der Arbeit seines Jahrhunderts und seiner Zeit — daS Zeugntß, daS der Dichter feine« Säculu« ausstellt, ist daS beste, daS er zu vergeben hat! Ganz anders spiegelt fich indessen im Sange eines Zeitgenossen Schillers da» scheidende Jahrhundert wieder, gleichfalls eine» Mannes, deffen Eharacter die höchste Achtung npb drffeu Wahrheitsliebe unser volles vertrauen verdient:
„Hier hält die Tyrannei mit ihrer Eisenruthe Noch bluilfl alle Büttclzucht, Jndeß geplündert dort ein Volk dem Aflergute Der Frevelfreiheit stucht ....
Bon jeder Alpe bricht der Tod aus Feuerfchlünden Und in dem Waldstrom rauschet Blut;
Der Heerdenhüter t lickt mit Angst auS Felsen gründen Nach feiner Hütte Gluth ....
Durch Leichen schreiten kalt mit ihrer wilden Horde Die Tilly und die Attlla, Als wäre wieder nun mit ihrem wilden Morde Die Zeit deS Faustrechts da ... "
Der diese herzzerreißende Rlage auSstößt, ist Johann Gottfried Seume, der edle Bauernsohn auS Thüringen, de« das Sch cksal seines unglücklichen deutschen Vaterlandes aufs Tiefste zu Herzen ging. Rann es wohl größere Widersprüche geben alS diese zwei poetischen Ergüsse? Nein. Welcher aber hat recht? Beide haben recht. Nur schildert Seume die allgemeinen Zustände a« Ende deS Säeulums, während Schiller den geistigen und fittlichen Fortschritt der verflossenen hundert Jahre verherrlicht. So weit, ruft er auS, haben die Menschen eS in diese« Jahrhnnden gebracht, diese hohe Stufe der Lultur und W.ffenichaft haben fie erstiegen! Der Dichir redet die Wahrheit, aber er spricht nur von den begnadeten Einzelnen, in deren erhabenen Röpsen Wissenschaft, Humanität, Ruust und Gerechtigkeit ihren Sitz Haden — rund um ihn herum aber speien Fleuerschlünde Tod und verderben unter Tansende, blühende Landschaften liegen verheert, Städte und Dörfer in Asche, Fleiß und «rmuth seufzen unter erdrückender Last — daS Gespenst de» Rriege» schreitet zornblitzend über die Erde, und der Tod in seinem Gefolge hält eine fürchter- ltche Ernte.
DaS ist die Signatur deS 18. Jahrhunderts, wie fie in beiden Poesien refleerirt: Aufklärung und Absolutismus! Die höchste Erleuchtung in einzelnen Röpsen, diel
durch die Heuchelei und Niedertracht deS herrschenden Systems an Gott, Vaterland und Allem irr geworden, was bis dahin der Menschheit helltg war, mit dem Schwerte de» Geistes aufräumt unter den alten vorurtheilen und Einrichtungen, seltsamer Weise unterstützt von denselben Rrttsen, gegen die ihr Zorn fich richtete, und fich freier geberdend unter de» Drucke de» Absolutismus, al» heut zu Tage Dichtung und Preffe im Zeitalter de» ParlameutartSmu» und der Preßfreiheit. In der großen Muffe aber da» entsetzlichste Elend neben der kraffesteu Unwissenheit — raffiairter LvxaS au de« Höfen, Noth und Verzweiflung in den Hütten. Ei« Ludwig XV. in Frankreich, ein August der Starke in Sachsen, eine Raiharina in Rußland — die meisten Fürsten jener Zeit find Spielzeuge in den Händen ihrer Maitreffen. Wieviel Flüche allein fich an den Namen einer Powpadonr knüpfen! W-s fragte die genußsüchtige Courtisane nach den Throne« de» Volke» ? Apres nous le dtiluge — nach uo» dir Süud- fluih?" Und fie kam, aber fie sandte ihre Zeichen und Propheten Vorau»!
Voltaire hieß der eine, Rooffeau der andere. Voltaire, der begabteste und vielfeittgste französische Schriftsteller de» 18. Jahrhunderts, stellte sein reiche» Talent, sein enormes Wiffen, seinen alle Zeit schlagfertigen Witz in den Dienst der Aufklärung. Gegen Alle», wa» nur irgend mit de» überlebten System der damaligen Gesellschaft zusammenhing, zog er mit furchtloser Rühuhett zu Felde. Verfolgungen, Haß, die Bastille selbst vermochten den unerschrockenen Rämpser nicht zn schrecken. Aberglaube, politische Mißbräuche, Absolutismus, Heuchelei, Alle» diente seine« beißenden Spott zur Zielscheibe, oftmals schoß er dabei über da» Ziel hinaus, aber fe ne Zeitgenoffen, mit ihm einig in ihre« Haß, nähme« begeistert jede» feiner Werke entgegen. Er war der Man« deS Niederreißen», wa» nachher wurde, kümmerte ihn nicht. Doch die Zett hatte auch für den Baumeister gesorgt, der da» von Voltaire »urückgelassene Shao» wieder ordnen und neue Gebäude an die Stelle der ewgerifftnen setzen sollte. Dieser Banntet fiel war Jean JacqueS Rousseau, der Bürger von Genf,- dieser kränkelnde, peffimisttfcht, fchwätwerische Philosoph verkündete den Menschen da» Eoangeliu« der Freiheit und Gleichheit. Dieser an den Grenzen deS Wahnsinn» streifende Schwärmer — wie Rudolf von Gottschaü einmal treffend bemerkt — hatte jene Eingebungen des Genius, welche daS ganze Staatsrecht der Vergangenheit über den Haufen warfen und de» Leden der Menschen neue Bahnen vorzeichneten. RonffeauS Contract social war die Verfassung der Zukunft, wie sein Emil da- Eoangeliu» der Erziehung war.
Beide Männer zusammen, Voltaire und Rouffeau, übte« eine furchtbare Macht aus ihre Zeit au», fie waren die Schöpfer sowohl der geistigen als der politischen Revolution.


