Ausgabe 
4.12.1898 Drittes Blatt
 
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Gießen, den 1. December 1898.

Betr.i Die Bedeckung der Stuten durch die Landgestüts- beschäler in 1899.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.

Wir sehen Ihrem Berichte darüber entgegen, wieviel Scheine Sie für voraussichtlich im Jahre 1899 zur Be­deckung kommende Stuten nöthig haben werden.

v. Bechtold.

Zur Erneuerung des Reichsbankgesetzes schreibt dieAdln. Ztg.": In der Presie war vor Kurzem mitgetheilt worden, daß der Gesetzentwurf wegen der Ber- lSugerung der Privilegium» der Rrich-bank eine Erhöhung des GruudcapitaiS und eine Aenderung der Bestimmungen über die Eoutiugeutiruug des Notenumlauf- enthalten werde. Dem gegenüber wird jetzt osficiör versichert, daß diese Mel duugen verfrüht seien, da der Inhalt der Gesetzentwurf» überhaupt noch nicht feststehe. Wir find der Ansicht, daß mit großer Vorsicht au eine Erhöhung de» Grundkapitals der Reichsbank heraugegaugeu werden sollte. Auf den ersten Anschein spricht allerding- Biele» für die Erhöhung, vor Allem die Thatsache, daß in den letzten Jahren einige große Berliner Creditbauken ein höhere» Grundkapital sich zugelegt haben, öl» zur Zeit die RetchSbank besitzt, die über rin Grundkapital von 120 Millionen Mark und einen Reserve­fonds von 30 Millionen Mark verfügt. Indes ist daran festzuhalten, daß für die Creditbauken da» Grundkapital eine ganz andere Btffdutung darstellt al» für Notenbanken, und daß für letztere, insbesondere aber für die deutsche Reichrbauk, die Noten und fremden Gelder den eigevtlicheu Grundstock der Betriebsmittel hergebeu sollen und wüffen. ES ist sehr wichtig, daß dieser Unterschied auch äußerlich nicht verwischt wird, denn da die Noten und fremden Gelder jederzeit rück­forderbar find, so legen sie, soweit sie al» Betriebsmittel dienen, der Baukverwaltung die doppelte Verpflichtung auf, jederzeit auf die äußerste Flüssigkeit ihrer Anlagen Bedacht zu nehmen, Ju der strengen Durchführung diese» Grund« satzeS liegt die größte Bewähr für die unerschütterliche Solidität der Bank. Soweit wir bisher haben beobachten können, find Wünsche auf Erhöhung de- GruudcapitaiS bisher niemals au» dem Schoße der Reichsdankverwaltung heran» geltend gemacht worden. Sie find vielmehr lediglich von Außenstehenden befürwortet worden. Schon da» ist geeignet, Bedenken gegen eine Erhöhung de» Grundkapitals zu er­heben. Diese Erhöhung würde an» erst dann angezeigt erscheinen, wenn da« Reichsbaokdirectorium selbst sie für unumgänglich uothweudig erklären würde. Für diesen Fall aber müßte e» schon mit Rücksicht darauf, daß die Einnahmen de» Reiche» aus der RetchSbank nicht grschmSlert werden sollten, dringend wünschenSwerth erscheinen, daß die Ber« längeruug de» ReichSbankprivilrgS nicht auf abermals zehn Jahre, sondern auf mindestens 26 Jahre erfolgt.

Je kürzer die BerlängerungSzeit ist, um fo geringer |

muß natürlich das Agis aursallen, da» für die neuen Reich»« bankantheile bezahlt werden kann. 1875 wurden die Antheile der Retch-bauk zu 130 aufgelegt, heute steht der CurS gegen 161, und es wäre zweckmäßig, fall- die Erhöhung sich al» unabweisbar herauSstcllt, die neuen Antheile zu mindesten» 150 Procent aurzuzebrn, darret aus dem Aufgelde um fo reicher der Reservefonds auSgrstattet werden kann. Ein solch hoher CurS ist selbstverständlich nicht zu erreichen, wenn, wie dies fttzt vorgesehen ist, das Reich die Befugniß erhielte, schon nach zehn Jahren die Actieu zum Nevuwerthe zuzüglich der Hälfte des Reservefonds zu erwerben.

Jedenfalls muß man sich darüber klar sein, daß selbst eine Erhöhung de» Grundkapital» vm 100 Millionen Mark keinen uenuenSwerthe» Einfluß auf die DiSkoutPotttik an»« üben würde. Wa» will beispielsweise eine solche Erhöhung gegenüber der außerordentlichen Vermehrung der Gesammt- umsätze der Reichsbank io den letzten zwanzig Jahren auS» machen? Sie betrugen 1876 36 684 Millionen und waren in stetiger Steigerung im Jahre 1897 auf 142110 Mil­lionen gewachsen - die Lombarddarlehen waren in dieser Zeit von 467 auf 1552 Millionen, die Umsätze im Giroverkehr von 16711 auf 103 902 Millionen gestiegen. Trotz dieser gewaltigen Entwicklung hat sich, soweit wie wir verfolgen können, niemals im Schooße der Reichsbank da- Bedürsuiß geltend gemacht, da» Grundkapital von 120 Mill, zu erhöhen. Diese» Bedürfntß würde vielmehr vorwiegend erst bann sich äußern, wenn sich die Nothw-ndigkeit ergeben sollte, kost­spielige dauernde, also unkündbare Verwendungen für wichtige Verbesserungen der Baukeinrichtungen, insbesondere größere Grundstückserwerbungeo und Neubauten zu machen. Da da» GruudflückSconro der Reichsbauk sich bi» jetzt erst auf etwa» über 33 Millionen Mark beläuft, so scheint an» auch au» diesem Gesichtspunkte eine Erhöhung de» Grund­kapitals nicht augezeigt; wohl aber dürfte in solchen Zeiten theuren GrldstandeS, wie wir sie gegenwärtig haben, die Frage sehr ernstlich zu erwägen sein, ob nicht durch die Aufbringung einer Summe von 100 bi» 150 Millionen (einschließlich M Aufgeldes) eine weitere verhängnißvolle Versteifung de» Geldmärkte» künstlich hervorgerufen werden würde.

Uu» will vielmehr scheinen, daß bei einer Erneuerung des RetchSbank Gesetzes da» Schwergewicht gelegt werden sollte auf eine nicht unwesentlich? Erhöhung des steuerfreien Notcnconttugeut» der RetchSbank, das zur Zeit 293 Millionen Mark beträgt. Nach der bisherigen Schaffung der Reich»« bank G setze soll die Urberschreitung dieses Kontingent» eine sehr große Ausnahme bilden. In den letzten Jahren aber bricht sich die Erfahrung immer mehr Bahn, daß die Reichs« bank mit ihrem bisherigen Contingente nicht mehr auSkowmeo kann. Sie hat 1881 zum ersten Male 27 179 Mark Noten- steurr zahlen müssen, bann in den Jahren 1882 bis 1894 zusammen genommen 719 812 Mark, also im Durchschnitt dieser 13 Jahre nicht viel mehr als jährlich 55 000 Mark- bann ist aber bie Notenstener gestiegen auf 224 041 Mark int Jahre 1895, auf 464 801 Mark in 1896 und auf 767 916 Mark im vergangenen Jahre, und e» ist bekannt,

daß da» lauftnde Jahr die'-n B!rc§ noch weit überstehen wird. Allseitig wird anerkannt, daß die Leitung der Reicks- bank bisher in ihrer Diskontpolitik sich niemals durch Rück­sichten auf die Notenstener hat bestimmen laffen, sondern ausschließlich die jeweilige Lage de» Geldmärkte» ihren 6nt« schließungen zu Grunde gelegt hat- doch halten wir eS nicht für zw ckmäßig, die Zwangslage, in die durch die zu knappe Beschränkung bei Noreacontingent» dir RetchSbank gefetzt wird, in der Praxi» auf die Spitze zu treiben. Dazu kommt in Betracht, daß die Privat Notenbanken in den Einzelstaaten schon jetzt gewohuheitsmäßig auch in ruhigen Zeiten ihr Noteneontingent bis nahezu zur Grenze auSzunutzen pflegen, da sie durch da Unterbieten der Reicks- bankdiscontsätze auch bei leichtem Geldstande jederzeit in oer Lage find, fich einen hohen Wechfelvorrath zu verschaffen. Sie tragen daher ihrerseits nicht allein zur Steigerung de» Geldbedarf», sondern nicht minder zur Vermehrung der Schwankungen im ungedeckten Notenumläufe der Reichsbauk bei, und diese Schwankungen find neuerdings noch wesentlich vermehrt worden durch die ungewöhnliche Creditanspanunn^, die aus die preußische Centralgenossenschastskaffe zarückzufützrru ist. Wir find deshalb davon durchdrungen, daß eine Er­höhung des steuerfreien Notencontiugent» für die Reichsbank den Praktischen Bedürfnissen entspricht und wesentlich dazu beitragen würde, die Umlauf-mittel den wechselnden Brrhält- niffru des Verkehrs anzupassen.

vermischtes.

* Heirathsvermittler-Gebühreu find nicht einklagbar. Auf der zweiten Abtheilnag de» Landgericht» Frankfurt a. M. klagte ein Agent gegen einen Weinhändler auf Zahlung von 1500 Mark Provision, weil er die Tochter des Verklagten unter dir Haube gebracht habe. Die Klage wurde ab ge­wiesen. Zwar verdienen bei Eingehung einer Ehe auch die pecnuiäreu Verhältnisse Berücksichtigung, diese aber allein ober doch in erster Linie maßgebend sein zu lassen, wider­spricht dem eminent sittlichen Charakter und der hohen und idealen Bedeutung der auf eine dauernde und vollständige LebeuSgrmrinschaft gerichteten Ehe. Wird sie lediglich al» ein Geschäft behandelt und gar wie ein solche» durch gewerbs­mäßige Ehemakler vermittelt, so würden dadurch die sittlichen Anschauungen von ber Wichtigkeit und Heiligkeit der Ehe verletzt. Widerspricht aber den fitrlichen Anschauungen, die Ehe al» ein Geschäft zu behandeln, fo find auch Verträge zur Vermittlung eine» solchen Geschäfts für beide Theile. unfittlich und somit nicht klagbar.

Elephanten-Kaffee" 8508

von der Holl. Kaffee-Brennerei H. DleqaS A Co. ist an­erkannt die beliebteste Marke und kann bestens empfohlen werden; wegen ihrer Billigkeit, Ergiebigkeit und besonderen Brennart nach I. von Liebigs Vorschrift (leichte Zuckerumhüllung), wodurch da» Aroma gebunden und das schädliche, fettige Ausschwitzen der Bohnen unmöglich ist. Diese Kaffee sind rur in verschlossenen Packeten zu haben, mit Schutzmarke und Firma versehen und ist damit jede Garantie geboten für einen reinen, unverfälschten, gesunden Kaffee. Verkaufsstellen sind durch Annoncen dieses.BlatteS bekannt.

Eine Reihe gleichgefinnter Philosophen, Dichter und Gelehrter kämpfte an ihrer Seite. Allen voran die Enchclopädtsteu, Diderot, Alembert, Grimm. Holbach schrieb seinSystem der Natur", La Mettrie (1746) fein berüchtigte» Buch: Der Mensch eine Maschine". Der Materialismus erhob fein Haupt, um nach kurzem Triumph noch im selben Jahr­hundert von dem Königsberger Weisen mit wuchtigem Hieve zermalmt zu werden.

Der Einfluß ber französischen Philosophie rief auch in den übrigen Ländern, vor Allem in Deutschland, eine Gährung der Geister hervor. Lesfing bearbeitete den Boden der nationalen Literatur, für welche Friedrich ber Große die Laßere Grunblage schuf; ber Umschwung, ben er im brutschen Geistesleben bewirkte, war ein gewaltiger: gar bald brobelte und schäumte e» in ben Köpfen ber Jugend, bie Sturm- und Drangperiode hob an, die Zeit ber Klinger, Lenz, Leisewitz, Gerstenberg, doch so absurd ber Most sich auch gebärdete, er gab zuletzt doch Wein und zwar ben köstlichsten. Au» dem heilsamen Gährungiproceß rangen fich überlegene Geister zur inneren Reife empor, Bürger, Klopstvck, Herder, Wieland erstanben ber jungen Literatur, Goethe und Schiller traten auf, die leuchtenden Sonnen am deutschen Olymp. Der Philosophie erwuchs ein Jmanuel Kant (17241804), ber Schöpfer derKritik der reinen Vernunft", einer Kritik, welche die christliche Scholastik wie die materialistische Auf« klärung mit gleicher Wucht zermalmte. Bon ihm gingen die berühmtesten Philosophen de» neuen Jahrhundert» an», feine Principieu erlangten ihren begeisterten Ausdruck in Schiller» Dichtungen.

Ebenso gewaltig wie auf dem Gebiete der Dichtkunst und Philosophie vollzog fich die Geiste»revolutiou auf dem Gebiete ber Erziehung. Rousseau» Emil hatte die alten Grundsätze und Vorurtheile von ihrem ehrwürdigen Piedestal herabgestürzt, er gebot die Erziehung de» Menschen nach den Prinzipien ber Natur, unb eine Anzahl Volks- und Jugend- frennbe beeilten sich, seine Theorie in Wirklichkeit umzuge- polten. Pestalozzi, Campe, Basedow, Salzwann wirkten in leinem Geiste, ersteren nennt die moderne Volksschule noch ^wlz ihren geistigen Vater, und Campe» treff« Lv* ll?/,f,cuen stch unter unseren Kindern Beliebtheit wie unter ber Jugend de» scheidenden io. Jahrhunderts.

ü"fie ,unb Wiff.n'chaft-n blieben nicht »E- I" der Sanft herrschte der Riafficllmut, die klniMch. anllten Formen dienten als Ideal-, di- Natur trat mrb, und

®* aRaI"'t »«zeichnet Nomen wie Shodowtecki, Angetikn Rauffmann, Raphael äRenaS, (Stuften» David n. f. w., die Bildhauerei rühmt ihr« (Sanova, Thor! waldsrn, DnnneSer, di« Tonkunst d«rtrnt«u Haydn, Mozart V«kthov«u, Sluck, di« Schauspielkunst Sckhos, Jfflaud, Sarrick

u. f. w. Die Naturwissenschaften bereiteten schon ben Tri- uwphzug vor, ber fie durch da» nächste Jahrhundert führen und diesem ben Namen de» uaturwiffenschastlichen fichern sollte. Der Schwede 8lnn6 schuf eine neue Methode der Namengebung und systematischen Darstellung, der Franzose Büffon drang tiefer in die Erscheinungen ber Natur ein unb suchte bie einzelnen Beobachtungen durch all§emeiue Ideen zu verbinden. Der geniale SchneiderSsohn Kaspar Friedrich Wolff veröffentlichte schon 1759, also ein Jahrhundert vor Erscheinen des Darwinscher; Buch» über den Ursprung ber Arten, eine die modernen Gedanken in ihrem Schooße tragende Theorie brr thiertschen Entwickelung, Alexander von Humbolbt trat 1799 feine bahnbrechende Forschungsreise nach Süd­amerika an, nachdem Jame» Cook (1728 bis 1779) schon vorher auf feine« großen Entdeckungsreisen die Entdeckung Australiens vollendet hatte. Immer mehr erweiterte fich der geistige Blick der Menschheit,' wie fie auf ber einen Seite immer tiefer eindrang 'in die noch unbekannten Regionen de» Erdball», fo versuchte fie auf der andern die Geheimnisse der Natur an der Hand der neugewonnenen Erfahrung zu ent« Ziffern, unb Chemie, Technik unb Kunst bemühten sich ge­meinsam, bie neuen Errungenschaften für bie AllgrmLinhrit nutzbar zu gestalten.

Die Erfindungen de» Porzellan», der Dampfmaschine, de» Blitzableiter», des Luftballon» unb de» Steinkohlengase» erregten nicht nur daS Interest? ber Gebilbeten, fonbern riefen auch bereits bedeutsame Hoffnungen wach, obwohl Nie­mand eine Ahnung von den stolzen Erfolgen hegte unb hegen konnte, welche den nächsten Jahrzehnten auf ben Gebieten des Dampfe», ber Elect-lcität und Beleuchtung befchieben fein sollten. Kein Dampfboot burchfurchte noch bie Finthen ber Ströme und Meere, kein Eisenbahnzug brauste ben eisernen Schienenstrang entlang vom electrischen Telegraph, vom Telephon unb Phonograph ließ fich ebensowenig J-mand etwa» träumen, wie von der Erfüllung der deutschen Hoffnungen durch die Gründung eine» mächtigen KaiserthumS.

Denn schon damal» regte fich in den edelsten Seelen der nationale Gedanke; entfacht und angeblasen durch die Thaten eine» Friedrich, deffen Ruhm aus den Liedern der vater­ländischen Dichter und Sänger Wiederklang. Das Elend der Kleinstaaterei lastete schwer auf allen Gemüthrrn, hemmte die Entwicklung von Handel und Industrie, unb lieferte Deutsch­land dem Ausland in bie Hände. Die Volksbildung stand dabei trotz aller Fortschritte der Wiffenschaft, trotz aller glävzenden Triumphe ber Kunst, auf der niedrigsten Stufe nicht nur in bsn ärmeren Kreisen regierten Aberglaube und Unwiffenheit, auch bie Bilburg ber wohlhabenden Klaffen war fast durchgängig nur eine oberflächliche unb äußerliche, sobaß Betrüger wie Cagliostro unb St. Germain, Charlatcme wie Mr-mer einen weiten «rei» von Gläubigen n. Anhängern fonben.

Und nun am Ende dlS Jahrhunderts brach die Sündfluth herein. Die Größe der Katastrophe entsprach ber Größe ber hundertjährigen Mißwirtschaft, welche Frankreich auszesaugt unb zerrüttet hatte. Da» alte System brach zusammen, Ströme von Biut wurden vergossen, die Guillo­tine forderte ihre unzähligen Opfer. Aber die Schrecken dieser Revolution waren die Wehen einer neuen Zeit, fie bezeichnen den Beginn de» Umschwung» ber europäischen Verhältnisse. Sowohl die Revolution als Nopoleon stellten fich, wenn auch al» herrische, so doch nothweudig? Werkzeuge der allgemeinen Entwickelung bar; fo unendlich wir die Greuel der Umwälzung auch verabscheuen, so hoffenSwerth bet korfischc Ursupator, beffen Herrschaft Europa ein Bierteljahr- hundert lang mit Blut düngte, uvs erscheint, so können wir doch jetzt nicht mehr verkennen, daß die schönsten Früchte, bie wir vom Baum des jetzigen SäcnlumS gepflückt haben, aus ben Keimen der gigantischen französischen Katastrophe ent­sprossen find. Ein liefet Widerspruch hatte fick gebildet zwischen der geistigen Bildung unb bem staatlichen Dasein daß bie politische Entwickelung der geistigen und künstlerische» in unserem Jahrhundert im Wesentlichen zu folgen vermochte, verdanken wir der französtschen Revolution, welche bie alten Mißbräuche über den Ha ifen warf, und Napoleon, der bie neuen Joeen, wie Muhammed einst seinen Glauben, mit gtutr unb Schwert über bie Erde trug. Mochte ber wilde Gährung-proceß zunächst die seltsamsten Gebilde und Fratzeu zusammenbrodeln, die endliche Klärung blieb nicht aus. Die politischen Errungenschaften jener unheilvollen Periode, obwohl abgezwungru und widerwillig gegeben, können dem Volke nicht wieder dauernd gerommen werden. In zwanzig Jahreu wurde mit dem Sturmschritt ber unerhörtesten Aufregung eine Eurwsckelungsprriode von 100 Jahren zurückgelegt: Deutschland nahm als Ernte der schweren Jahre sein nationales Bewußtsein, die bürgerliche Freiheit unb Selbstständigkeit, feine polirische Verfassung hinweg und schuf dadurch erst die Basis, auf welcher Handel, Industrie, Sunstgewerbe, Kunst und Wissenschaft weiter zu bauen vermochten. Ein» wurzelt im Andern, greift in'» Andere die französische Revolut'on ist ber Schlüssel zu ben Triumphen be» 19. Jahrhunbert», wie bie Katastrophe bie schließlich? Abrechnung be» 18. war.

So übrrschreiten totr bie Schwelle beS Jahrhunderts: au ihr steht, ein drohender KriegSgott, Napoleon Bonaparte, nachdem Klio mit dem blutigen Griffel ben 18. Brumaire (9. November 1799) auf da» letzte Blatt be» Jahrhunbert» eingetragen hatte. Durch einen Staatsstreich ber Konsul Frankreichs, richtet er seine Blicke auf Europa, ba» nun bald wiberkliugm wirb vom Schritt feiner Bataillone und beffen Fürsten und Völker fich beugen werden vor bem Macht­wort seine» Willen»!