Ausgabe 
4.10.1898 Zweites Blatt
 
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wurden Verhandlungen mit dem Fürsten Herbert Bismarck gepflogen, die erst vor einiger Zett zur Entscheidung führten. Bon dem Memoirenwerte werden zunächst zwei Bände von je 400 großen Octavseiten erscheinen und zwar im November dieser Jahre-. Diese schließen mit dem Tode Kaiser Fried­rich- ab.

Die BiSmarck-Acten und die Leipziger Universität. Unter dieser Gpitzmarke schreibt man der Köuigl.Leipz. Ztg.": Gegenüber andern Blättern bin ich tu der Lage und halte e- für meine Pflicht, mttzutzheilen, daß allerdings und zwar noch bei Lebzeiten de- Altreichskanzler» der Plan bestanden hat und reiflich erwogen worden ist, den literarischen Nachlaß Bt-marck- auf eine noch zu verein­barende Art der Universität Leipzig zu sichern und hier wtflenschaftlich zu verwerthen,- zur Bekleidung dieser BtSmarck- profeffur war tu der That Horst Kohl auSersehen. Leider zerschlug sich der vielversprechende Plan, deffeu Durchführung unserer Hochschule nur zum Segen hätte gereichen müsien. Da daS Alles schon über Jahr und Tag her ist, wisien be­greiflicher Weise die jetzt amtirendeu Vertreter der Universität davon nicht-.

Mannheim, 1.October. Da-hiesige Schöffengericht sprach heute die wegen Bertheilung von Flugblättern auf Grund de- groben Unfug-Paragraphen augeklagteu Mitglieder der Bierboykott-Commission frei.

Hu»laoö.

Wien, 1. October. Die für morgen augekündigte italienische Bolt-Versammlung wurde polizeilich verboten.

Wien, 1. October. Der Laborant Je re ab ek de- Hofrath- Nothnagel wurde in seiner Wohnung heute vor­mittag durch unbekannte Thäter überfallen, beraubt und schwer verwundet.

Eger, 1. October. Wegen de- Zusttmmen- der deutschen Linken in die AusgleichSberathnug veranstalteten die Deutsch« Nationalen eine Straheu-Demoustration. Bor der Billa des Abgeordneten Dr. Schlicker wurde eine Katzenmusik auSgebracht.

Paris, 1. October. Die Wtttwe de- Präsideoten Caruot ist auf Schloß Pre-le- uuweit Pari- einem Schlaganfall erlegen. Die abwesenden Söhne wurden telegraphisch dorthin berufen.

Pari-, 1. October. Herr Strong veröffentlicht al» Antwort auf die gestrige Anklage EsterhazyS in derLibre Parole", wonach Strong Esterhazy nach Loudon gelockt habe, zwei Briefe Esterhazys, datirt Brüssel, den 4. September. Der erste Brief lautet: Lieber Freund! Ich möchte Dich sprechen, damit ich Mittel und Wege finde, wie ich etwa» Geld durch Zeitungsartikel verdiene. Ich möchte jedoch noch nicht große Enthüllungen über da» Bordereau machen. Wenn e- möglich ist, so verschaffen Sie mir Ge­legenheit, tmObserver" Artikel oder Interview» auzu- bringen. Der zweite Brief lautet: DerObserver" ist bi» jetzt unparteiisch gewesen. Ich bin angeklagt, ein Berräther zu sein. Ich habe mich nicht vertheidigt, da ich al» Unter­gebener weinen Vorgesetzten Gehorsam schuldig war. Heute bin ich frei und kann die Wahrheit an den Tag bringen. Darf ich auf Ihr Blatt zählen? Die Briefe beweisen, daß Esterhazy selbst seine Enthüllungen angeboten und daß ihm derObserver" dieselben nicht durch List entlockt hat.

Paris, 1. Oclober. Nachgerade wird es unmöglich, zu eutschnden, wie viel an all denEnthüllungen" zur Dreh- fuSsache eigentlich wahr ist. Wa» die abenteuerlichen Er­zählungen zweier Londoner Blätter betrifft, so wird aus Kreisen, die dem vormaligen Präsidenten der Republik, Casimir Perrier, nahesteheu, neuerdings versichert, daß die Geschichte von dem Brirfdiebstahl in der deutschen Botschaft zu Part» durchweg erfunden, und daß auch die in Frankreich gefliffentltch aufrecht erhaltene Behauptung von Beziehungen > de» Hauptmann» Drrhfu» zu Deutschland völlig unwahr fei- ebenso sei e» unwahr, daß Graf Münster von Casimir Perier die Rückgabe irgend eines au» deutschem in französischen Be­sitz gelangten Schriftstücke» verlangte, und daß in jener Unter­redung irgend eines ActenstückeS mir Drtyfus' vollem Namen Erwähnung geschah. Nun aber werden Gestäudniffe Esterhazy» angekündigt, den die GeueralstabSpreffe schon ganz hat fallen laffen. Angeblich erklärte Esterhazy, er werde sich nunmehr vertheidigeu, da man ihn im Stich laffe, und kündigte in einem Brief an, daß fitzt die Bombe bald platzen werde, worunter mau da» Gestäadniß verstehen will, daß Esterhazy da» Bordereau geschrieben habe. Ein Londoner und auch ein Pariser Verleger sollen von EsterhazyErinnerungen" zur baldigen Veröffentlichung augekauft haben. Was Dreyfu» betrifft, so verlautet, der CaffatiouShof werde behuf» gründ­licher Prüfung der Revifionsfrage verlangen, daß DreyfuS nach Frankreich zurückgebracht und hier vernommen werde. Al» Zeitpunkt hierfür sieht man Ende October Vorau», da die Ueberfahrt zwanzig Tage dauern werde. Die weitere Untersuchung wird wohl vier Wochen dauern. Demnach ist die Entscheidung des CaffationShofS Ende November zu er­warten. Daß DreyfuS sich bereit» in Cayenne befinde, wird nicht bestritten. Doch erhält derFigaro" eine halbamtliche Mittheilung, daß bi» in die letzten Tage Dreyfu» in vollster Unkenntnih der Vorgänge in Frankreich blieb. Selbst feine Wächter durften keine Zeitungen erhalten.

Pari», 1. October. Ein hoher französischer Militär hält e» für angebracht, ernstlich daran zu erinnern, daß e» in der Welt doch allerlei ungelösteFragen" gibt, aus denen sich ernste Zusammenstöße emwicktln könnten. In Toulon hielt nämlich Admiral Humaun, der Befehlshaber de» Mittel­meergeschwaders, nach Beendigung der Flottenübnngen eine Ansprache, in welcher er sagte, der Widerstreit der inter­nationalen Jnterrffen trete scharf hervor, die Möglichkeiten, welche binnen Kurzem eiutreten könnten und welche jeder Soldat im Auge haben müffe, ohne sie zu wünschen, machten cl für die Truppen zur Pflicht, auf der Hut zu fein.

Der Admiral mag dabei zunächst an die chinesische und au die Faschoda-Angelegevheit gedacht haben. Doch harrt ja auch noch die wichtige Philipptnenftage ihrer Erledigung. Auch sonst ließen sich in derKimm", wie der Seemann den Ge­sichtskreis nennt, noch verschiedene Wolken wahrnehmen.

London, 1. October. Au» Peking wird gemeldet, daß unter den Bedingungen, welche England der chinesischen Re­gierung gestellt hat, auch diejenige sich befindet, daß Kang- Ya-Wei» nicht hingerichtet werde.

CocaU» rrnd provinzielles.

Grebenhain, 28. September. Am vergangenen SamStag auf Sonntag logirten tmGasthaus zur Krone" hier der Oberst vom Etfenbahnregiment und Herr RegierungSrath Stüudeck, welche die projectirte Etseubahnstrecke von Lauterbach bis hierher etugefehen hatten- genannte Herren begaben sich a« Sonntag von hier nach Gedern. Anfangs dieser Woche war auch Herr Bau- und BetriebSinspector Mathäi in gleicher Dieusteigenschaft hier. Dem vernehmen nach ist vom Großh. KreiSamt der hiesigen Bürgermeisterei die Mittheilung zugegangen, daß in den ersten Tagen drei Hauptleute, sechs Lieutenant» und mehrere Soldaten vom Eisenbahregiwent hier und im benachbarten Bermuthshain eirqaarttrt werden, welche die Strecke, die die Bahn von hier nach Gedern bezw. Wenings gehen soll, vermrffm werden. E» scheint also alle Aussicht vorhanden zu sein, daß die Bahn nicht al» Neben-, sondern al» Haupt- und Milttärbahn erbaut werden soll, daß nämlich da» Projrct, woran schon so lange Jahre vermrffen wurde, seiner Verwirklichung entgegen ge­führt wird.

- J- EiAlsdorf, 1. Oktober. In dem uuweit von hier gelegenen Mühlanweseu der Ferdinand Köhler Ww. wurde vor einigen Tagen eine große Geldsumme gestohlen. Die Frau hatte kürzlich für ihren erst im August verstorbenen Mann ein BerficherungSkapital ausbezahlt bekommen, wovon in ver­flossener Woche der größere Theil noch in der regelmäßig verschlossenen Commode eines für Dritte unzugänglichen Zimmers aufbewahrt gewesen sei. Am Sonntag aber machte Frau Köhler die unangenehme Entdeckung, daß von dem Gelde gegen 800 Mk. fehlten. Man nimmt wohl an, daß der Diebstahl zur Nachtzeit und mittel- Nachschlüssel verübt worden sei, ohne jedoch von dem Thäter eine Spur zu haben.

Mainz, 2. Oktober. In derStadthalle" hier fand heute Bormittag eine von sozialdemokratischer Seite einbe- rufeue, von ca. 1000 bi- 1200 Personen besuchte Volks­versammlung starr, zu welcher die Tagesordnung lautete: Uuternehmerrecht, Arbeiterrecht und Zuchthaus". Referent Reichstagsabgeordneter Hoch von Hanau, der in fehr ge­wandter, jedoch maßvoller Weise die durch die bekannte Rede des Kaisers aagedeutete Absicht der Beschränkung der Coa- lation-freiheit einer eingehenden, von der Versammlung häufig von lebhaftem Beifall unterbrochenen Kritik unterzog. Als Bater de» Gedankens der beabsichtigten Beschränkung bet CoalationSrechtS bezeichnet der ReferentKönig Stumm", der einen sehr verhängnißvolleu Ewfluß auf den Kaiser und die höheren Regi^ungSkreise ausübe. Zum Schluß nahm die Versammlung einstimmig eine Resolution an, durch welche energisch Protest gegen dieVerkümmerung" der wenig noch bestehenden Rechte der Arbeiter erhoben wird. Seit gestern ist auf sämmtlichen Strecken der vormaligen Hessischen LudwtgSbahn für den Personenverkehr die vierte Wager- klasse eingeführt. AlS Wirkung der Neuerung will mau heute auf den hiesigen Bahnhöfen eine bedeutende Verstärkung des LocalverkehrS bemerkt haben. Thatsache ist, daß fast alle Züge au- den nahen Landorten heute mehr Paffagiere hierher brachten als an sonstigen Sonntagen dieser Jahres­zeit. Laut Mittheilung hiesiger Blätter, schweben gegen- wärtig zwischen der Regierung und der städtischen Ver­waltung Unterhandlungen wegen der Erbauung eine» neuen StadtschulgebändeS. Im alten Gebäude, daS für den Laien bisher als ein Musterschulhau« galt, sollen sich ver­schiedene Mißstände sanitärer Art bemerkbar machen.

Worms, 30. September. Mit dem 1. October wurden die beiden Gemeinden Hochheim und Pfiffligheim in die Stadt Worm» eingemeindet- die Stadt WormS erhält dadurch einen Zuwachs von etwa 2500 Einwohnern. In den beiden Gemeinden wird vom 1. October ab da- Ociroi der Stadt WormS eingeführt.

Veemrschtes.

* Für Sammler von Poflwerthzeichen wird e» von In­teresse fein, zu hören, daß die belgische Postverwaltung dem­nächst neue Briefmarken im Werthe von 1 Centime au-gibt, auch die Anfertigung neuer vergrößerter Postkarten angeordnet hat. In parlamentarischen Kreisen ist man über die fortwährende Ausgabe neuer belgischer Postwerthzeichen nicht weniger al- erbaut, aber der Postminister, Herr Banden- peereboom, erklärte im KawmerauSschuffe ganz offenherzig: Jedes Mal, wenn ich ein neue» Postwerthzeichen schaffe, bringt e» sofort der Staatskasse 59,000 Franc» ein," also immer neue Poftwerthzeicheu. Der Congostaat, der au» seinen mit wahrer Kunst angefertigten Postwerthzeichen un­geheure Gewinne zieht, folgt dem Beispiele Belgiens, ja geht ihm sogar voran, denn die belgischen Postwerthzetchen find von künstlerischem Gesichtspunkte au- nicht» weniger al» gelungeu.

Wetzlar, 1. October. Znm Bahnbau Weidenhausen Herborn wird demHinterländer Anzeiger" au» Bischoffen geschrieben:Der Ankauf de» Gelände» ist im Gange. Im Allgemeinen wickelt sich daS Geschäft, da recht anständige Preise gezahlt werden, glatt ab. Mitunter werden aber ganz unerhörte Forderungen gestellt. Beispielsweise wurde in Bischoffen in einem Falle für da» Ar Wteseugelände, für da»

' in derselben Lage bei versteigerungeu höchsten» 30 bi- 35 Mk. erzielt werden konnten, 100 Mk. gefordert, sage und schreibe Einhundert Mark. Auf solche Forderungen kann die Com­mission natürlich nicht eiugeheo.Halb herunter", wie man hier zu Lande bei übertriebenen Forderungen zu fegen pflegt, und bann wa» recht ist."

AnS dem Rheingau, 30. September. Unter den letzten Frühjahrs- Weiuversteigerungen haben sich eme besondere Beachtung in weitesten Kreisen wieder bhjtnißtn im Rheingau zu sichern gewußt. Die zahlenmäßigen Ergeb- niffe der Versteigerungen, vornehmlich derjenigen derVer­einigung Rh ingauer WeingniSbefitzer", der fast alle bei den regelmäßigen Versteigerungen beteiligten namhaft,u Güter de» Gaue» zugehören, sind nunmehr bekannt geworden, von den eben im Verkehr befindlichen Weinen erfreuten sich der Ubhaftesten Bevorzugung die Gewächse de» 95et Jahrgangs, die dem augenblick ich auf flüchtigere Weine gerichteten Ge­schmack in vorzüglichster Weise entsprechen. Die Preise für diesen Jahrgang bewegten sich von 1350 Mk. bi» zu 8240 Mk. und betrugen im großen Durchschnitt 3153 Mk. für 1 Stück (1200 Liter). Bezeichnend war für Me Lage de- Geschäft«, daß die geringeren und mittleren Qualitäten gute Pr»ise erreichten, während die beffeten Nummern vielfach unter der Taxe blieben. Neben den 1895ern richtete sich daS Augen­merk des Handel» vorzugsweise auf die zahlreichen Bestände de» 1896er Jahrgangs, deffen Gewächse in der Hauptsache ein recht bcauchbart- Verschnittmaterial barstellen, im Utbttgen aber auch Weiur enthalten, die, mit einer gewiffen Reife auSgeststtet uub in ihrer Säure erheblich gemildert, al- selbständig ganz gut gelten können. Die Berschnittweine kosteten im Stück 300 bi» etwa 1000 Mk., bessere Weine erzielten Preise bi- zu 2400 Mk. Der angeboteaen Menge nach reihte sich an die vorbesprochenen Jahrgänge eine Anzahl von 1897er Gewächsen. Dieser jüngste Jahrgang steht in seiner Güte zunächst den 1895er Weinen, die er in einer größeren Zahl von Spitzen wohl übertreffen dürfte, während er mit ihnen in den mittleren unb kleineren Sachen nicht immer Schritt halten wird. Die diesjährigen Versteigerungen brachten noch nicht derartige Bestände, daß an Hand der erzielten Preise ein abschließendes Urtheil über die Bewerthnug sich fällen ließe. Die Preise schwankten bisher zwischen 540 unb 6000 Mk. für daS Stück, und als Durchschnitt find 1575 Mk. zu verzeichnen, eine Summe, die sich freilich wesentlich erhöh en wirb, wenn in den nächsten Jahren die Mehrzahl der ersten Güter ihre Bestände auf den Markt gebracht haben wird. Die Gewächse der Jahrgänge 1895, 1896 und 1897 bildeten den Hanptbestaudtheil der Ver­steigerungen. Daneben tarnen noch einige kleinere Partieen älterer Jahrgänge zum AuSgebot und unter diesen trat, alle anderen weit überstrahlend, der 1893er Jahrgang in den Vordergrund. Die hervorragende Fülle und Kraft der Weine diese» Jahrgang», ihr herrliche» Aroma und Bouquet verlieh ihnen denn auch eint außerordentlich hohe Bewerthnng. Mehrere Fäffer Steinberger wurden mit 32 800, 30040 und 29 200 Mk. bezahlt, nach dem Stücke berechnet, unb für ein Faß Erbacher Markobrunner wurden nach der Ver­steigerung in freihändigem Kauf 30000 Mk. bewilligt. Im Durchschnitt kosteten die 1893er Weißweine 8430 Mk., die AßrnannSbäuser Rothweine 5868 Mk.

* Königin Luise von Dänemark erhielt eine sorgfältige Erziehung, bekundete großes Jntereffe für die ßtteraturen Europas und regsten Wohlthätigkeitssinn. Noch als zwölf­jähriges Mädchen soll sie einmal gesagt haben, die Pflicht der Negierung müffe in der Linderung der Noth der Armen liegen! Am Hose des Königs Frederick VII. genoß sie allgemeine Achtung wegen ihrer Bescheidenheit und ihrer Gerechtigkeitsliebe. Des Königs Liebling war Prinz Christian von Sonderburg-Glücksburg, der nunmehrige König Christian H. und Gatte der Verblichenen. Auf einem offiziellen Feste zu Kopenhagen hatte der kinderlose Frederik VII. gesagt:Wenn Golt mich mit einem Sohne beglücken sollte, so möge er nur die Charactereigenschaften de» Prinzen von Glücksburg be­sitzen." Auf diese Liebe des Königs Frederik VII. zum Prinzen von Glücksburg ist auch deffen Vereinigung mit der damaligen Prinzessin Luise zurückzusühren. Die Vermählung der Prinzessin Luise mit dem Prinzen Christian von Glücks­burg fand am 26. Mai 1842 im Schlosse Amalienburg zu Kopenhagen statt. In ihrem kleinen Schlöffe führten die Neuvermählten ein stilles bürgerliches Leben; an de» Thee- abenden pflegte die Prinzessin selbst den Thee zu serviren; sie verstand es, die Unterhaltung zu beleben und zu würzen. Die schleswig-holsteinischen Wirren von 1848 machten dem beschaulichen Leben des Paares ein Ende, stellten aber auch das Pflichtgefühl des Prinzen Christian auf eine harte Probe. D^e Mehrzahl der Verwandten des Prinzen wendete sich gegen den König von Dänemark; auch Prinz Christian schwankte in der Wahl seiner Stellungnahme. Da griff die Prinzessin Luise zum ersten Male thatkräftig ein. Prinz Christian marschirte an der Spitze der Gardecavallerie ins Feld. Der Einfluß der Prinzessin Luise am Hofe des König» Frederik VII. erfuhr dadurch eine große Steigerung, so daß bei der infolge der Kinderlosigkeit des Königs vorgenommenen Regelung der Thronfolgefrage der König sich zu Gunsten de» Prinzen Christian entschied. 1853 wurde Prinz Christian zum Thron­folger proclamirt. Aber auch als Thronfolgerin war die Prinzessin Luise von bestrickender Bescheidenheit und Zuvor­kommenheit. Sie war, wie dieN. Fr. Pr." schreibt, für Alle zugänglich, machte ohne jede Begleitung Spaziergänge in der Umgebung von Kopenhagen und knüpfte auf diesen Spaziergängen oftmals Gespräche mit Leuten aus dem Volke an. Am 15. November 1863 bestieg Prinz Christian al» Christian IX. den Thron. Nun war die Königin berufen, in dem Verfaffungsconflicte, der den schleswig-holsteinlch« i Krieg herbeisührte, eine Rolle zu spielen. König Christian ; weigerte sich, die neue Verfassung, die die Vereinigung von ; Schleswig mit Dänemark proclam'.rte und gegen die Preußen | Protest einlegte, zu unterschreiben. Die Königin bestimmte ihn schließlich dazu. Es war ein für Dänemark verhängniß-