Röm.-Jrifch. uvb Dampfbad 24 für Männer, 6 für Frauen, zusammen 30,
Brausebäder 49 für Manner.
Die Zahl der Abonnenten beträgt dabei zur Zeit be- reit- 236. — Der Tageibesuch Hot geschwankt zwischen 82 (am Eröffnungstage) und 330 (am Samstag den 24. September), an welch letzterem Tage in beu Abendstunden allein 121 Schwimmbäder für Männer (zu 10 Pfg.) abgegeben wurden, welche Zahl am Samstag den 1. Oktober bereit» auf über 230 gestiegen ist. Auch die Zahl der Schwimm« bädrr für Frauen zu 10 Pfg. (am Mittwoch Abend) hat fich von 9 (am Eröffnungstage) auf 33 (am 28. September) gehoben. — Gehr stark ist der Besuch der Bäder für Männer am Sonntag Bormittag, wiewohl dabei ein Uebelstand in der Bertheilung der Badezeiten insofern fich ergab, al» da» Schwimmbad in den für Geschäftsleute günstigsten Stunden, von 9 bi» 11 Uhr, für Frauen geöffnet ist, von diesen aber nur ganz schwach (am 25. September von 11 Personen) besucht wird- e» dürfte fich empfehlen, dem Vorgang der auswärtigen Anstalten folgend, da» Schwimmbad am Sonntag während de» ganzen Vormittag» ausschließlich für Männer zu öffnen. — Berhältnißmäßig schwach war bis j-tzt die Benutzung der Brausebäder (zu 10 Pfg.) — BefichrtgungS- karten wurden am 17. und 18. September zusammen 448 und an den folgenden Tagen zusammen 82 gelöst, obgleich e» vielfach nicht genügend bekannt ist. daß die Anstalt nach wie vor gegen ein Eintrittsgeld von 30 Pfg. unter Führung eine» der Angestellten befichttgt werden kann.
p.*e Die erste Vorstellung unsere» Stadttheater» fand gestern Abend vor gut besetztem Hause statt. Die vortheilhafte Veränderung des Saales, Einrichtung von Logen und amphttheatralische Erhöhung fand selten» der Besucher allgemeine Anerkennung. Die Direktion Kruse Helm hatte mit der Poffe „Ehrliche Arbeit" einen glücklichen Griff gethau. ES wurde durchweg flott gespielt, und daS Publikum kargte nicht mit wohlverdientem Beifall. Die Haupterfolge erzielten ihren Rollen gemäß die Herren Helm und Wilhelms. Ersterer wurde bet seinem Auftreten stürmisch be- willkommt und stattete seine überaus dankbare Rolle mit urwüchsigen Humor aus. Letzterer rief durch die getreue Dtaleetwiedergabe seines Obergefelleu „Ralau" die Vermuthuug wach, daß er am Ende gar mit Spreewasser getauft ist. Herr Merker fand fich mit der unvermeidlichen Liebhaberrolle s-hr gut ab. Eine tüchtige Partnerin hatte er an Frl. Heleue Schuhmann, die sowohl den sentimentalen wie den neckischen derben Thetl ihrer Rolle mit Geschick zur Geltung brachte. Al» Soubrette führte fich Frl. Irene Sitar di gesanglich wie schauspielerisch mit Erfolg ein. Alle übrigen Darsteller trugen zum Gelingen des Ganzen nach besten Kräften bet, und so steht zu erwarten, daß fich die begonnene Winter- fatfou durch „Ehrliche Arbeit" zu einer ersprießlichen und genußreichen gestalten wird. Die wohl auf höhere Regionen gemünzte burleske Zugabe de» fünften Acte» gehört unsere» Erachten» nicht sowohl in den Musentempel al» auf eine Specialitäteubühne und beeinträchtigte leider die Wirkung der Handlung, sowie den immerhin erwünschten wenigstens annähernd präcisen Schluß. Die Leistungen de» Orchester» unter der bewährten Dtrecttou de» Herrn Kruse standen auf gleicher Höhe mit denen der Darsteller.
Stadttheater. „Frauenkampf", Scribe» drei- aetige» Lustspiel und eine» seiner bedeutendsten Bühuenwerke, wird am Dien »tag als zweite Abonnements-Vorstellung aufgeführt. — Die Etutritt-preife zu den Volks «Vorstellungen, deren erste am Mittwoch den 5. d. M. statt- findet, find auf 40 Pfg. für einen Saalplatz und 20 Pfg. für die Gallerte festgesetzt worden.
** Dar hier im besten Andenken stehende Kaiser-Panorama de» Herrn Schmidt auSKaffel, welches fich vor zwei Jahren eine» recht starken Besuche» zu erfreuen hatte, wird am Sonntag den 9. Oktober Neuen Bäue 1, im früheren Locale, wo fich da» Panorama vor zwei Jahren befand, eröffnet und zwar mit der Wiener Jubiläums-Ausstellung und Buude»schießeu: die Eröffnung durch Kaiser Franz Josef. E» werden hier noch nie gezeigte Serien ausgestellt, u. a. Reise de» Präsidenten Faure nach Petersburg, Kronstadt. Diese Serien werden nicht verfehlen, eine besondere An« -iehungSkraft auszuüden. Ferner Anfichten von Kopenhagen, Stockholm, Ehrtsttauia, Afrika, Insel Malta, Indien rc. Berlin mit neuen Gebäuden, sowie Einweihung des Kaiser Wilhelm-Denkmals. Neue Reisen durch Frankreich, Italien, Sieilteu, Oesterreich, vor Allem Ansichten au» den Dolomiten, der Breutagruppe, Walfuganabahn, Pusterthal, sowie von Tegernsee, der letzte Sommeraufenthalt der Kaiserin u. s. w. Bor Allem dürften die Nordlandsreisen, sowie Andree» Ballonabfahrt am 11. Juli 1897 interesfiren. Die nordische Landschaft ist durch eine Verbindung de» Herrn Schmidt in naturgetteuer Wiedergabe ausgenommen, und hat so weit im Norden noch kein stereoskopisch-photographischer Apparat gestanden. Bet dem großen Jntereffe der gesammten gebildeten Welt für Andrö-s Polarfahrt dürften diese Gerten auf besondere Theilnahme rechnen können, und überhaupt ein zahlreicher Besuch de» Panoramas deS Herrn Schmidt, der jeden Winter mtt seinen herrlichen Länder-Serieu dem Besucher eine genußreiche Belehrung und Unterhaltung verschafft, zu erwarten sein.
•• Die diesjährige Rennsaison ans der Radfahrbahu an Bichler» Hardt lchlotz gestern mit dem sog. Herbst-Reuueu ab. Den vorhergegaugrnen Regentagen war mit Beginn de» Sonntag» schöne» Herbstwetter gefolgt, und so konnten die Rennen ihren programmgemäßen Verlauf nehmen. Der üb- ltche Corso ging, wenn auch unter weniger zahlreicher Betheiligung der Radfahrer als sonst, den Rennen voraus. Der Besuch war ein guter, und da» Jntereffe des Publikums im Hinblick auf die einzelnen Rrnnen sowohl wie die an dem- selben betheiligteu Fahrer ein rege». — Da» erste Rennen, (FahrenumdenEhreupreiSderdeutscheuSport- behörde über 1 Kilometer (2% Runden), für Herrenfahrer) machte zwei Vorläufe uöthig. Im SntscheidungSfahren
war Erster Paul Albert au» Blebrich tu 1 Miu. 34% See., Zweiter Ludwig Opel au» Gießen in 1 Mtn. 35 Sec., Dritter Carl Dutll aus Gießen in 1 Min. 35% Sec. Der erste Preis besteht in einem Pendule-Onhx mit Broncegruppe, der zweite in einem Triukhorn mit Broncefuß, der dritte in Andröe» Kartenwerk. — Im Fahren um die Meister- fchaftvon Süddeutschlaud über 10Kilometer(25Runden), für Berufsfahrer war Erster Franz Verhetzen aus Gießen in 17 Min. 18% Sec., Zweiter C. Joern» aus Kaiserslautern in 17 Mtn. 18% Sec., Dritter Hans Edelmann auS Mannheim in 17 Min. 19 Sec. Der erste Preis besteht in dem Titel „Meisterschaftsfahrer fürSüddeutschland für 1898/99" und Mk. 200 baar, der zweite Preis in Mk. 100 baar, der dritte in Mk. 50 baar. — Da» Fahren um den Cura- torium-WanderpreiS ging über 4000Meter(10Runden) für Herrenfahrer. Der erste Prei», silberner Pokal, muß dreimal nacheinander und viermal im Ganzen von demselben Sieger gewonnen werden. Der jedesmalige Sieger erhätt eine ächte filbervergoldete Medaille. 2. Prei» eine silberne Medaille. 3. Preis eine Brouce-Medaille. Bertheidiger: Paul Albert. Erster Paul Albert au» Biebrich in7 Min. 15% Sec., Zweiter Carl Duill aus Gießen in 7 Mtn. 15% Sec., Dritter R. Grünewald aus Mainz tu 7 Mtn. 16% Sec. — Im Niederrad-Borgabefahren Über 2000 Meter (5 Runden) für Berufsfahrer, das sich übrigen» zu einem recht scharfen gestaltete, war Erster Wilhelm Wendel aus Frankfurt a. M. in 2 Min. 46% See., ihm folgte Franz Verhetzen in 2 Mm. 46% Sec. und Alex. Verhetzen in 2 Miu. 48 See. Die Preise bestehen in 70,40 und 25 Mk. baar. — Beim Mehrsitzerfahren für Berufsfahrer über 2000 Meter (5 Runden) waren Erster: C. Joern»- KaiserSlautern und Ludwig Rucker-München in 2 Min. 43% Sec., Zweiter Alex. Verhehen-Fraukfurt nud Conr. Lautermaun-Darmstadt in 2 Mtn. 44 Sec., Dritter Ludwig- Schimmer-Darmstadt und Hans Edelmann-Mannheim in 2 Miu. 44% Sec. Die Preise bestehen in 70, 45 und 25 Mk. baar. — Den Schluß bildete da» besonders inte* reffante Fahren um die Meisterschaft von Süddeutschland Über 25 Kilometer (62% Runden), für Herrenfahrer. Der erste Preis besteht in dem Titel „Herrenmeisterfahrer von Süddeutschlaud für 1898/99" und einer echt goldenen Medaille, sowie einer von der Verheyen'schen Traintrschule gestifteten altfilbernen JardtniSre, der zweite Preis in einer silbervergoldeten Medaille, der dritte Preis in einer Broncemedaille. Da» von mehreren Unfällen begleitete Rennen (e» stürzten ein Dreisitzer-Schrittmacher und Albert stieß mit einem solchen auf der drittletzten Runde zusammen) verlief wie folgt: Erster Ludwig Opel-Gießen 34 Min. 57 Sec., Zweiter Joseph Seischab-Matnz 35 Min. 6% Sec., Dritter Paul Albert-Biebrich 36 Min. Letzterer, welcher bis zur drittletzten Runde vorwiegend die Führung behielt, legte Protest ein, weil ihm die Schrittmacher seiner Gegner in die Bahn gefahren seien, wodurch er zu Fall kam.
Der „Gießener Radfahrer-Verein 1885" hielt der- gangeuen SamStag den 1. d. M. seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab, welche außerordentlich stark besucht war. Die Berichte der verschiedenen Vorstandsmitglieder lauteten durchweg sehr günstig, wobei besonders bte, schönen Erfolge de» Vereins im Corso- und Dauerfahren in verfloffener Saison Erwähnung verdienen. In den gesammten, ausgedehnten Verhandlungen prägt sich so recht der Charakter der Friedlichkeit und Kameradschaftlichkeit ans und werden dieselben hoffentlich dazu beitragen, daß der Verein wie seither weiter wächst, blüht und gedeiht. Die Vorstands- wählen ergaben folgende» Resultat: Herr L. Seuling erster Vorsitzender, Herr C. Herber zweiter Borfitzender, Herr C. Müller erster Fahrwart, Herr C. Giller zweiter Fahr* wart, Herr Ph. Meyrrhoff erster Schriftführer, Herr Fr. Jung zweiter Schriftführer, Herr I. SerwaS Zahlmeister und Herr Fr. Schreiner Zeugwart. „All Heil"!
•• Eiseubahuliches. Man schreibt uu»: Der am 1. d. M. in Kraft getretene Winterfahrplan hat für hiesige Gegend keine einschneidenden Veränderungen gebracht.' Zu beklagen ist nur die Früherlegung de» AbendzugeS Gießen—Marburg um 37 Minuten, und zwar auf 10 Uhr 6 Minuten. Ganz abgesehen davon, daß dadurch der Anschluß von dem 10 Uhr 39 Minuten Abend» von Gelnhausen in Gießen rintrrffeuüen Zug verloren geht, wird diese Früherlegung ganz besonder» von dem Thearer- und Covcert besuchenden Publikum aus der Nähe von Gießen, welche» diesen Zug bisher zur Rückfahrt benutzte, höchst unangenehm empfauoen werden. Dasselbe ist jetzt gezwungen, etweder Wagen zu nehmen, was bekanntlich ganz wesentliche Mehrkosten verursacht, oder bi« 1 Uhr 52 Minuten NachtS in Gießen verweilen zu müffen. Hoffen wir, daß die Abfahrtszeit des Zuges nach Marburg bald wieder auf 10 Uhr 43 Minuten Abend» verlegt wird. — Bei dieser Gelegenheit wollen wir nicht unterlaffen, auf einen bisher schon bestandenen Uebelstand aufmerksam zu machen. ES betrifft dies den Mangel eine» Auschluffe» nach Ltch und Nidda von dem 2 Uhr 13 Minuten Nachmittag» von Marburg in Gießen eintreffenden Zug. ES würde hier durch Späterlegung de» LocalzugeS 510 (Gießen—Nidda) um etwa 15 Minuten leicht Abhülfe geschafft werden können, wa» von AuSflÜglern au» der Gegend Marburg—Lollar freudig begrüßt werden dürfte. — Nicht schließen wollen wir, ohne eine» weiteren bestehenden Uebelstandes Erwähnung gethan zu haben. ES betrifft diese» den Zug 1111 von Wetzlar, der 8 Uhr 1 Minute Abend» in Lollar eintreffen soll, aber sehr oft mit nicht unwesentlicher Verspätung eintrifft, wodurch auch eine Verspätung der Züge 778 nach Frankfurt und 781 nach Cassel herbeigeführt wird, da diese Züge in Lollar den Anschluß von Wetzlar abwarten müffen. Hier würde durch eine entsprechende Früherlegung deS Zuges 1111 von Wetzlar auch leicht Abhülfe geschafft werden können.
•• Zu Amerika verstorbene Heffen. Philadelphia, Pa., August Endre», 82 Jahre alt, auS Mainz. Albauh, N. U-/ Elisab. Prinz, 81 Jahre alt, auS Reibertenrod, Heffen* Darmstadt. Greenbush, Renflelaer Co., N. Y., Georg
Schenmaher, 72 Jahre alt, aus Heffen. New-Aork John Uhivk, au» Alzey, Großherzogthum Heffen. Belle- Ville, Jll., Jacob Franz Kurtz, 81 Jahre alt, au» Dieburg. Meriden, Conn., Johann Günther, 77 Jahre alt, au» Eichelhain, Großherzogthum Heffen. Portland, Ottilia Kolfing, 65 Jahre alt, aus Erzhausen, Großherzogthum Heffen.
Bom Lande, 1. Oktober. Die Nichtbeachtung gesetzlicher Bestimmungen bringt die Geschäftsleute häufig zu Schaden. Wie nun die Metzgermeister auf de« Laude e» nöthig haben, bei ihren Einkäufen von Schweinen besondere Vorsicht zu gebrauchen, um vor pekuniären Einbußen gesichert zu sein, lehrt folgendes Beispiel: Bor etwa drei Wochen kaufte der Metzgermeister N. zu W. ein über zwei Centner schweres Schwein auf Lebendgewicht. Bei der Ueber* liefernng des ThiereS erfolgte baare Zahlung. Bei der Fleischbeschau ward die Lunge als nicht rein beanstandet. Der hinzu- gezogene Kreisveterinärarzt stellte Tuberkulose in geringem Grade fest, in Folge dessen die erkrankten Organe unschädlich gemacht und da» Fleisch auf die Freibank verwiesen wurde. Auf unkorrekte Aeußerung eines Herrn hin, den man bei der veränderten Sachlage mit den nun einzntretenden gesetzlichen Bestimmungen genau vertraut wähnte, konnte der Berkans deS für gesund befundenen Fleische» erst am nächsten Tage stattfinden, wa» gegen den Bortag auch schon einen Minder- erlöS von rund 25 Mk. ergab. Der Grsammtschaden beläuft fich auf 90 Mk. Wer ist nun der Geschädigte, der Metzger oder der Züchter? Nach den eingezogenen Erkundigungen muß der Metzgermeister den ansehnlichen Betrag verlieren, da nach den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen für mit Tuberculose behaftete Schweine eine Währschaft nicht besteht und speciell auf diese Krankheit hin beim BerkaufSabschlnffe bestimmmte Bereinbarungen nicht getroffen worden waren. Um also vor Schaden bewahrt zu bleiben, haben die Abnehmer der genannten lebenden Thiere beim Kauf bei den Verkäufern auf Garantie durch Leistung von Währschaft zu der mit Namen zu bezeichnenden Krankheit zu dringen, wa» auf dem Lande bisher nicht genügend beobachtet wurde. Die Landmetzger werden um so mehr gut thun, eine gute Lehre au» vorliegendem Falle zu ziehen, al» die Tuberculose unter den Schweinen gegenüber ftüheren Jahren häufiger vorkommt. In den Städten mit Schlachthäusern sollen für die Metzgermeister die hier einschlägigen Verhältnisse wesentlich günstiger liegen.
+ Reiskirchen, 1. Oktober. Bei der heutigen Ge- meinderathswahl wurden Philipp Stumpf IV., Johannes Peter V. wiedergewählt, und Philipp Stumpf V. neu- gewählt.
An» dem Odenwald, 30. September. Wie sehr fich da» EigenthumSverhältuiß an Wald- und Grundbesitz im Odenwald zu Ungunsten de» Privatbefitze» verschoben hat, stellte kürzlich eine Versammlung de» Hessischen ForstvereinS in Lindenfels fest. Danach umfassen die beiden Obersörstereien Lindenfel» und Wald-Michelbach zusammen eine Waldfläche von 7 860.29 Hektar oder rund 31441 hessischen Morgen. Hiervon liegt etwas mehr als ein Drittel in der Oberförstereb Lindenfels und etwas weniger als zwei Drittel in der Oberförsterei Wald-Michelbach. Da 22 500 hessische Morgen eine Quadratmeile find, so befinden fich also allein nur in den beiden Obersörstereien nahezu 1% Quadratmeilen Waldfläche. Dieser Gesammtwald vertheilt sich auf 34 Gemeinden, auf den FiScu» und eine größere Anzahl Private. Alle diese Privatbesitzer zusammen haben 11510 Morgen, die 34 Gemeinden 12840 Morgen, und der FiScu» allein 6840 Morgen. Da aber bei den Privatbefitzern auch die Herren von Berkheim in Weinheim und von Dorth in Neckar- Steinach inbegriffen find und diese allein in der Oberförsterei Wald-Micheldach 3412 Morgen Wald besitzen, so befindet fich eine verhältnißmäßig verschwindend kleine Anzahl von Morgen im Kleinbefitz — ganz besonder», wenn man noch erwähnt, daß die Grafen zu Erbach und Fürstenau ebenfalls sehr große Waldcomplexe in der Gegend haben. Ferner fei noch erwähnt, daß außer diesen Waldungen noch 2116 Morgen Cameralgüter — Aecker und Wiesen — in den betdrn Oberförstereien liegen. Wie fich da da» Eigen- thumSverhältniß in den letzten Jahren verschoben hat, wag daraus ersichtlich sein, daß AuSgang der 50er Jahre der fiskalische Besitz in den genannten Obersörstereien von etwa 3000 Morgen auf 9000 Morgen gestiegen ist.
Schwurgericht.
W. Gieße», 3. October 1898.
Schluß der Verhandlung gegen Johanne» Schmidt von Eudorf, wegen Meineid.
Der Zeuge Gastwirth Johannes Schäfer deponirt, der Angeklagte fei oft in feine Wirtschaft gekommen und habe stets, als fein Proceß gegen SPeier und Lorsch in Als- feld beim Amtsgericht wegen Rücknahme der Kuh geschwebt, über diesen Proceß gesprochen. Der Zeuge giebt einige Personen an, die dabei gewesen sein köanen, als die Aeußerungen, die belastend für den Angeklagten find, gefallen find. Der Zeuge deponirt weiter, daß er in der Sache s. Zt. beim Amtsanwalt vernommen worden sei und daß Schmidt da wußte, daß ihm eine Anklage wegen Meineid drohte, ihn habe bewegen wollen, eine für ihn günstige Aussage zu machen, wenn er noch einmal vernommen werde. Er habe ja — fo sagte Schmidt — noch nicht geschworen und könne eS noch machen wie er wolle. Der Zeuge hat aber dem Versucher erklärt, er werde streng bei der Wahrheit bleiben, worauf Schmidt meinte, er wäre kein guter Zeuge und feit dieser Zeit mied derselbe seine Wirthschaft. Auf Befragen des BertheidigerS erklärt der Zeuge, daß fein Gedächtuiß in geschäftlichen Dingen nicht daS beste fei, er müffe Alle» gleich aufschreiben.
Die Ehefrau des GastwirthS Schäfer bestätigt, die den Angeklagten belastende Aenßerungeu ebenfalls gehört zu haben.
GerichtSaffeffor Dr. Fuhr erklärt, früher Anwalt bei


