Ausgabe 
4.3.1898 Erstes Blatt
 
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der Süddeutsche Galler. An Stelle seines früheren Antrages . zu Z 7 die Kosten betreffend hat Dr. Lieber einen neuen Antrag eingebracht, der dahin geht: während der nächsten steben Jahre soll der Reichstag nicht verpflichtet sein, für sämmtl'che einmaligen Ausgaben des MartneetatS mehr als 471 300 000 Mk. und zwar für SchtffSbauten und Armiruug nicht mehr als 410 800 000 Mk. und für sonstige einmalige Ausgaben nicht mehr als 60 900 000 Mk., sowie für fort­dauernde Ausgaben deS Marineetats nicht mehr al- die durchschnittliche Steigerung von 4 200 000 Mk. jährlich bereit zu stellen. Soweit sich in Gemäßheit dieser Bestimmung das Gesetz bis zum Ablauf de» Jahres 1904 nicht durchführen läßt, ist die Ausführung bis über daS Jahr 1904 hinaus- zuschteben. Weiterhin hat Dr. Lieber zur Deckung der den Betrag von 117 525 494 Mk. übersteigenden fortdauernden und einmaligen Ausgaben der Marineverwaltung die Heran­ziehung der Matricularbeiträge vorgeschlageu. In Bundes­staaten, welche eine allgemeine Einkommensteuer erheben, soll die Deckung anstatt durch Matricularbeiträge durch einen Zu­schlag für Einkommensteuer für Einkommen über 10000 Mk. erfolgen. In der weiteren DiScnsfion handelt es sich haupt­sächlich um die Einfügung des Worte»Thunllchst" in § 1. Die Abgg. Bennigsen und Hammacher beanstanden den Aus­druck. Abg. Lieber erklärt, daß der Ausdruck nur eine Eon scqueuz der Limittrung der Gesammtkosten sei und bedeuten solle, daß die Ausführung des Gesetze» nach Möglichkeit ge­fördert werde. StaatSsecretär Ttrpitz erklärte, da» Wort thnnlichst" im Sinne Lieber» für acceptabel. Der Abg. v. Arnim und Andere erheben Einspruch und schlugen vor, eine Fassung zu suchen, welche den Zweck in weniger zweifel­hafter Weise erfülle. Ehe mau zu eiqer Abstimmung kam, trat die Mittagspause ein.

Berlin, 2. März. Wie die Abendblätter melden, ex- plodtrte in Kiel auf einem Benzin-Motorboot derTorpedo- Jnspectton der Benzin-Kessel. Da» Schutzdach ging in Flammen auf. Die Besatzung erhielt leichte Brandwunden.

Berlin, 2. März. Die von einem englischen Blatte gebrachte Nachricht, Deutschland habe für den kretensischen Gouverneur-Posten einen neuen Candidaten vor­geschlagen, wird von derPost" als unrichtig bezeichnet, da Deutschland nach wie vor seine neutrale Haltung in dieser Frage bewahre.

Berlin, 2. März. Im Proceß der Deutschen GaSglühlicht-Actieu-Gesellschaft Patent Auer gegen eine Reihe von Concurrenzfirmen wegen Patentverletzung wurde heute vom 10. Etvilsenat deS Kammergerichts dahin entschieden, daß die Klagen der betreffenden Gesellschaft gegen die Concurrenzfirmen einschließlich derjenigen bezüglich der GaSglühlichtkörper in erster Instanz ergangene einstweilige Verfügung abzuweisen sei. Die Klägerin beabfichtigt sofort Revifion gegen diese» Urtheil etnzulegen.

Köln, 2. März. Bet einem Umbau in der Apostelstraße find Mauern eingeftürzt. Mehrere Arbeiter wurden unter den Trümmern begraben. Zwei find tobt, drei schwer und ein anderer leicht verletzt.

Münster i. W., 2. März. Seiten» deS Provinzialland- tage» wurde beschlossen, eine Anleihe von 50 Millionen Mark aufzunehmen.

Plauen, 2. März. Wie demVoigtländischen Anzeiger" auS Wurzbach (im reußischen Oberlande) gemeldet wird, find gestern Nachmittag 6 Uhr auf dem herrschaftlichen Schiefer­bruche Ober-Wurzbach neun Arbeiter durch Rutschen von Erde und Gesteinmassen verschüttet worden. Sämmtliche Verunglückte wurden nach mühevoller Arbeit al» Leichen hervor­gezogen. Drei andere Arbeiter find leicht verletzt.

Arrrtarrd.

Rom, 2. März. Heute trafen 240 Pilger, die meisten au« der Schweiz, ein Theil aus Deutschland, hier ein, nm den Papst zum Jahrestage seiner Krönung zu beglückwünschen. Der Papst wird den Pilgern am 6. d». eine Sonderaudienz gewähren.

Mailand, 2. März. Wie diePerseveranza" meldet, find die Handelsvertragsverhandlungen zwischen Italien und Rußland abgebrochen, weil letztere» Er­mäßigungen auf Cement, Petroleum und Getreide verlangte, welche für den Staatsschatz einen Ausfall von 15 Millionen bedeuteten, wogegen die angebotenen Vergünstigungen für italienische Südfrüchte in keinem richtigen Verhältniß stehen.

Paris, 2. März. In der SenatgruppeUnions R6pu- blicains" hielt Senator Guyot, der den Vorsitz übernahm, eine Rede über die Nothweudigkeit, die Republik gegen die Clerikalen und Boulangisten zu vertheidigen. Guhot führte au», der Zola-Proceß habe e» zu Wege gebracht, daß sich die Partei finde und zusammenschließe. Man habeTod den Juden" geschrieen, morgen werde manTod den Protestanten" rufen. Der Clerikali»mu» habe die schimpflichen Leidenschaften, die man schon geschwunden wähnte, wieder geweckt.

Athen, 2. März. Heute Mittag empfing der König, umgeben von der königlichen Familie und dem gesammten Hofe, im Kronsaale die Mitglieder de» diplomatischen Corp», die erschienen waren, um die Glückwünsche ihrer Souveräne und Cabtnette, sowie ihre eignen, anläßlich der glücklichen Errettung, darzubringen. Der Doyen des diplo­matischen CorpS, Onu, gab der Entrüstung über das scheuß­liche Verbrechen, sowie der Freude über die Errettung des König- und der Prinzesfin Marie Ausdruck. Der König dankte bewegt und hob hervor, das Borkommuiß stehe ver­einzelt da. Durch die großartigen und loyalen Kundgebungen habe er fein Volk kennen gelernt.

Kanea, 2. März. (HavaS) Die Aufständischen gaben Gewehrschüsse auf ein türkische» Kaik ab, da» sich auf der Fahrt von Spinalonga nach Raubtet befanb. Ein anbete» Kaik mit vier türkischen Artilleristen unb zwei Matrosen, baS die gleiche Fahrt machte, ist verschwunden. Oberst Chermfibe sandte ein Boot ab, um Nachforschungen nach dem Kaik anzu-

8eilen; indessen wurde nicht» entdeckt. Man glaubt, daß da« Kaik von kretischen KaikS genommen worben ist.

Guatemala. 2. März. Wie amtlich bekannt gemacht wird, ist der Belagerungszustand in Guatemala auf­gehoben.

Cocale» rrnd provtnzieUe».

Gießen, den 3. März 1898.

Sifeubahuhaltestelle für den Personenverkehr im Nord­ende der Stadt Gießen. Die vou dem BezirkSverein Nord-Ost an Großherzogliche Bürgermeisterei gerichtete Petition har nachstehenden Wortlaut:

Die ergebenst Unterzeichneten richten an verehr!. Großh. Bürgermeisterei das ergebene Ersuchen, die ge­eigneten Schritte zu thun, um die Eisenbahndirektion in Frankfurt a. M. zu veranlassen, an rubr. Stelle eine Haltestelle für den Personenverkehr zu errichten.

Der nördliche und nordöstliche Teil der Stadt Gießen ist durch die Anlage des Bahnhofs in dem südlichsten Teile der Stadt, auf dem Seltersberg, in seiner Ent­wickelung im Verhältnis zu den übrigen Stadtteilen nicht allein zurückgeblieben, sondern entschieden zurückgegangen; die Häuser und Liegenschaften sind minderwertig geworden und während vor Jahren noch unter anderem das Haupt­steueramt, Universität, Post, Gymnasium u. s. w. sich hier befanden, hat man solche nach und nach in bevorzugte Stadtteile verlegt.

Es befindet sich im nördlichen und nordöstlichen Stadtteile der weitaus größere Teil der hiesigen Cigarren­industrie, welche eine große Anzahl Arbeiter aus den Orten Lollar, Daubringen, Ruttershausen, Mainzlar, Odenhausen, Staufenberg u. s. w. beschäftigen, die jeden­falls gerne Gelegenheit nähmen, die Eisenbahn zu be­nutzen, wenn der jetzige Personenbahnhof nicht zu weit von ihrer Arbeitsstelle entfernt wäre.

Es wird wohl von keiner Seite geleugnet werden können, daß die Verhältnisse im hiesigen Personenbahnhof mißliche find, trotz aller Anbauten und Veränderungen sind Durchgänge, Vorplatz und Wartesäle an den Haupt­verkehrszeiten der Lokalzüge total überfüllt, so daß es im eigensten Interesse der Bahnverwaltung liegen muß, hier Abhilfe zu schaffen, und würde ein großer Teil der die Lokalzüge benutzenden Passagiere an der projektierten Haltestelle ein- bezw. aussteigen und hierdurch den jetzigen Bahnhof entlasten.

Durch Errichtung des neuen Friedhofs im Norden unserer Stadt kann es wohl nicht ausbleiben, daß der Bebauungsplan hiesiger Stadt auch auf die nordöstlich und nördlich gelegenen Grundstücke ausgedehnt wird und daß hierdurch die Einwohnerzahl gedachten Stadtteils wesentlich zunimmt, obwohl solche heute schon trotz der ungünstigen Verhältnisse recht bedeutend ist und auch da­durch die Frequenz einer Haltestelle gesichert erscheint.

Was uns umsomehr berechtigen darf, zu hoffen, daß unserem Gesuch Folge gegeben wird, ist, daß neuerdings jedem an der Eisenbahn liegenden kleinen Orte durch Errichtung einer Haltestelle Rechnung getragen wird und daß erst in letzter Zeit in Städten mit wesentlich ge­ringerer Einwohnerzahl und bei weitem unbedeutenderem Verkehr, wie Marburg und Ems, Haltestellen errichtet wurden.

Ganz besonders wollen wir noch erwähnen, daß nach Fertigstellung der Eisenbahn LondorfLollar sich das Be­dürfnis für eine Haltestelle im Nordende noch bedeutend fühlbarer machen muß, da ein großer Teil der mit dieser Linie ankommenden Passagiere an den Gerichten zu thun hat, ferner die Kaserne, Militärlazarcth aufsucht, so daß jedenfalls auf eine ganz bedeutende Frequenz fraglicher Haltestelle auch hierdurch mit Bestimmtheit zu rechnen ist, außerdem aber .würde bei Nichterrichtung der Haltestelle im Nordende, der nördliche Stadtteil auch den Verkehr aus den Orten der Rabenau, den einzigen, welchen der­selbe heute noch besitzt, verlieren und hierdurch die Ent­wertung der Häuser und des Grundbesitzes wesentlich weitere Fortschritte machen, was zu verhüten unsere städtische Verwaltung, soweit es möglich, verpflichtet ist.

Da von dem jetzigen Personenbahnhof die Entfernung bis zum Kirchenplatz genau die gleiche ist, wie von der in Aussicht genommenen Stelle, so hätten alle nördlich und östlich dieses Platzes wohnenden hiesigen Einwohner näher nach der projektierten Haltestelle, welche Entfernung sich noch verringern dürfte, wenn eine direkte Straße aus dem Centrum der Stadt dahin führt.

Aus allen diesen angeführten Gründen bitten wir verehr!. Bürgermeisterei, unserer Petition Folge zu geben und an maßgebender Stelle für deren Ausführung zu wirken.

Im Uebrigen verweisen wir auf bie Bekanntmachung in heutiger Nummer.

Militärdtenstnachricht. Dr. Maßko«, Stubireuber bet Kaiser Wilhelm« Akademie für baö militärärztliche Bll- dungSweien, vom 15 Februar b. I. ab zum Unterarzt befl actlveu Dienststande« ernannt nnb beim Infanterie-Regiment Kaiser Wlhelm (2 Großh Hessisches) Nr. 116 angestellt.

** Staatsbeamte nnb antisemitische Agitation. Der Be­richt deS vierten Ausschusses bet Zweiten Kummer übet ben Antrag bet Abgeorbueteu Köhler (LangSborf) unb Genossen, ben sogenannten Beamten-Erlah betreffeub, erstattet von dem Abgeordneten Euler, lautet: Beitens brr Abgeord­neten Köhler unb Genossen würbe am 12. März 1897 nach­stehender Antrag eingebracht:

Hohe zweite Kammer der Stände wolle Großherzog­liche Regierung ersuchen, die Verfügung Großherzoglichen . StaatSm'nisteriurnS vom 20. October 1892 (zu Nr. St. M. 4626), betreffend die antisemitische Bewegung Im Großherzogthum, ohne Verzug zurückzuziehen und für un­

gültig zu erklären, sowie gleichzeitig allen Großherzoglichen Civilbeamteu ohne Ausnahme Mittheilung vou der Zurück­ziehung und Ungültigkeitserklärung zugehen zu lassen."

Don dem Vorsitzenden des vierten Ausschusses über ihre Stellungnahme befragt, gab Großherzogttche Regierung folgende Erklärung ab:

Ew. Hochwohlgeboren beehrt sich da« unterzeichnete Ministerium in Erwiderung auf die gefälligen Schreiben vorn 26. März unb 30. September (24. Ottober) 1897 ergebens! mitzutheilen, baß baSselbe ablehnt, ben Antrag der Abgeordneten Köhler und Genossen auf Zurücknahme de« urtterm 20. October 1892 an bie Grohherzoglichen Civilbeamten ergangenen Erlasse», bie antisemitische Be­wegung betreffeub, Folge zu geben.

Die von den Herrn Antragstellern aufgestellte, de» Näheren nicht begründete Behauptung, alfl verstoße der erwähnte Erlaß gegen die Berfaffuug und daS Gesetz, muß zurückgewieseu unb bem gestellten Ansinnen gegenüber an bet Befugniß der Großherzoglichen Regierung festgehalten werden, ben Staatsbeamten im Interesse der Ausrecht­haltung be» öffentlichen FriebenS Direktiven in Betreff der Ausübung ihre« Amtes und des Verhalten» in ihrrm öffentlichem Auftreten zu erlheilen.

Darmstadt, den 28. October 1897.

Großherzogliches Staatsmiuisterium.

Finger."

Der Ausschuß konnte sich der Ansicht nicht verschließen, daß die antisemitische Propaganda, wie fie sich namentlich in ihren ersten Stadien gerirte, die Aufmerksamkeit Großherzog­licher Regierung wachzurufen geeignet war, erblickt jedoch in bem vou Großherzoglicher Regierung gegebenen Erlaß nicht ben richtigen Weg bet Bekämpfung etwaiger Ausschreitungen, weil burch betreiben in bie politischen Rechte bet Beamten in unzulässiger Weise eingegriffen wirb. Der Ausschuß be­antragt: bie Kammer möge an Großherzogliche Regierung daS Ersuchen richten, sich künftighin jeder Stellungnahme bezüglich der Parteirichtung ihrer Beamten zu enthalten.

*H. Stadttheater. Eine kleine, aber anbächtig-ausmetk- fame Gemeinde war eS, welche gestern zu dem Trauerspiel Graf Essex" erschienen war. Da« Stück hat Heinrich Laube, den großen Förderer für die Entwicklung be» modernen Theaters, zum Verfasser und ist mitDie Karlschüler" da» beste seiner Dramen. InGras Essex" wird der Sturz des mächtigen GünstlingS ber ckgin Elisabtth behanbelt, bie englische Königin selbst ziemlich lebenswahr in ihrem Charakter, ihrer menschlichen Schwäche und ihrer politischen Bedeutung in malkantrn Zügen vor Augen geführt. In Bezug auf Exposition unb Einheit befl Themas erweist sich bet Dichtet als vorzüglicher Kenner theatralischer Wirkung, nur wäre Manches bezüglich ber Handlung unb Motivimng zu rügen. Doch bie Vorzüge des Dramas üb'.rwiegen unb erfüllen da« alte, große Kunstgesetz ber Tragödie: erweckt Furcht unb Mitleid, Abscheu unb Begeisterung. Die Wiebergabe be­stücke» kann noch mitgut" pasfirm, unb baS nur bem Um­stand zufolge, daß in der Titelrolle Herr OScar Bohnäe vom Kölner Stadttheater eine Prachtleistung schuf, die mit dem Unzulänglichen der übrige« Darbietungen wie versöhnend wirkte. Herr Bohnöe, dem wir schon so manchen genuß­reichen Abend verdanken und ber bie Sympathien ber Theater­besucher schon längst gewonnen unb forterhalten hat, bot in seinemGraf Essex" eine bis in bie Detail» richtig erfaßte, großarttge Charakterwiebergabe: ben Stolz be» ersten Manne» be» Königreich», die Kühnheit de» Helden, die Leidenschaft be» innig liebenden Manne», bie Srelengröße be» bem Tod festen Schrittes entgegengehenden Märtyrer» feiner eigenen Sache. Da» Spiel war prägnant und scharf, dabei maßvoll, seine sonore, herrliche Stimme vermittelte baS geistige (Sifaffen seiner Rolle burch bie Accente, welche er in ben jeweiligen Stimmungen kundgab. Kurz gesagt, Herr Bohn6e bot un» wiederum eine Bravourleistung, für welche sich da» Auditorium dankbar erzeigte und wahre Bttfallrsalven spendete. Wir wünschen, den beliebten und geschätzten Künstler noch recht oft hier sehen und bewundern zu können. Bon ben übrigen Rollen verbleut bie ber Königin Elisabeth, von Fräulein Marlo ff gegeben, zunächst hervorgehoben zu werben, schon um deßwillen, al» diese an sich große schauspielerische An» forberungen stellt unb außerdem nicht in bem Fache ber Künstlerin liegt. Daß Fräulein Marloff biefe Rolle in Er­mangelung einer anberen Vertreterin übernommen, ver­dient mit Dank hoch angerechnet unb anerkannt zu werden. Sie offenbarte auch gute Auffassung unb großen Fleiß, je­doch auch manchen Fehler, von benen ber be» zu jugeublichen Aussehens ber schon Jahre lang regterenben Königin wohl ber auffaüenbfte war. Alle n wa- geht nicht über weibliche Eitelkeit, namentlich wenn es gilt eine Königin zu repräsen- tlren, auf bereu historisch-rothem Haar eine Krone fitzt. W iter ist der mangelnde Au-druck des strengen, finsteren, despotischen Charakter» dieser Elisabeth, der nur in ben Momenttn ihrer Gebauten an den geliebten Mann unb bevorzugten Günstling sich milder unb weiblich zeigte, al» nicht in ber Wiedergabe richtig getroffen anzuführen, sowie ber mübe Ton, ber an Stelle eine» energischen, die Herrscherin charakrerisirenben, gleich bei ben ersten Scenen ungünstig wirkte. Königin Elisabeth hat nachweislich wenig weibliche Tugenden gcoffen- bart, ihre Härte unb Herrschsucht, ihre Eitelkeit, Stolz unb Habsucht ließen fie zu manchen Ungerechtigkeiten unb falschen Handlungen verleiten. Immerhin bot Fräulein Marloff schon durch bie Schönheit ihrer Sprache eine gute Leistung. Ferner ist Fräulein WÜrblg alfl Gräfin Rutlaub lobend zu erwähnen. Mit Au-nahme ber meist zu heftig gerathenben Ausbrucksweise bet seelischen Erregungen, bot fie namentlich in ben Scenen befl Zusammenseins mit Essex ein völlige» Anfgehen in ihrer Rolle und vollmbete Hingabe. Herr Jan- s o n (Öorb Nottingham), Herr Lieb sch er (Sir Jame» Ralph), sowie Herr Dos er (Jonathan) zeigten sich von ber guten Seite. Herr Albrecht alfl Cuff befriedigte weniger, noch weniger Herr Böhm (Graf Southampton), der sich allzuviel au» bem Kasten holte. Herr Fritzschler al» Sir Ralelgß