grheiwräthliche Rückstchteu auf allerlei Leute, mit denen doch nicht zu pacttreu ist, ausgearbeitet worden, so wird nachher so viel darau herumamputirt, bis glücklich ein Ding heraus- kommt, das nicht Fisch und nicht Fleisch, nicht sauer und nicht süß ist. Solche Schwierigkeiten hat mau schon in einem einzigen Parlament- wenn aber gar die Parlamente der gesummten Culturwrlt über eine solche Sache debattiren sollten, dann kommt ganz gewiß ein Monstrum heraus, daS eben nur gut dazu ist, für die Nachwelt conservirt zu werden — eS wäre freilich schade um den Spiritus!
— Socialdemokratische- au - Sachsen. Au« Leipzig schreibt man der M%. R," vom 29. November: Da» Charakteristische an der gestrigen Stadtverordnetenwahl, bei welcher in der dritten Nbrhetluug wieder fünf ordnung«- parteiliche Candidaien und vier Gocialdewokrateu gewählt wurden, ist der abermalige Rückgang der socialdemokratischrn Stiwm<n trotz der von dieser Partei betriebenen außerordentlich intevfiven Agitation. Die Socialdcmokraten hatten gtgen dar 1896er Wahlergebniß 360 Stimmen weniger zu verzeichnen. Auch die bürgerlichen Parteien zählten die-mal 430 Trimmen weniger, doch ist der Rückgang der Socialdemokratie seit 1894 ein conftanter. Sir haben seitdem 953 Stimmen eingebüßt, während die bürgerlichen Gegner nm 140 Stimmen zunahmen. Die soclaldewokrartsche Presse räumt mit großer Betrübniß diese chronische Abnahme ein.
Hamburg, 27. November. DaS kaiserliche Cavalamt veröffemucht soeben den Bericht über den Kaiser Wil- delw-Canal vom 1. April 1897 bis 31. März 1898. Nach diesem haben im Ganzen 23 108 Schiffe (carnnter 9396 Lamp fei) mit 2,469,795 Register-TonS Netto im an- gegebenen Zeitraum den Canal durchfahren. DaS ergiebt gegen das Borjahr eine Zunahme von 3148 Fahrzeugen oder 621,337 RLg.-Tou« Netto, und die Einnahmen an C^nal- grbüh en betrugen 1,264.266 Mk., d. t. 289,161 MS. mehr al» im Vorjahre, wtter den Schiffm war die deutsche Flagge am stä'kften, mit 87 pCr. der Zahl der Schiffe und 69pCt. des RanmßehalteS, vertreten. Dann folgen der Zahl nach Dänemark mit 4, Schweden mit 3, Niederlande mit 2 und Englauh mit l’/2 pCt. Mit Rückficht auf den Rauwgrhalt verschiebt fich diese-Berhältniß: da kommt England an zweiter Stelle mit 8, dann Dänemark mit 7,38, Schwrden 6, Norwegen 2,87, Rußland 2,54, Niederlande 2,3, Belgien 0,59 und Frankreich 0,17 pCt. des gesamwtrn Tonnengehalts. Bon der deutschen Kriegsmarine haben den Canal im Be- trtebejahr befahren 422 Fahrzeuge. Der Raumgehalt war bei 301 Fahrzeugen angegeben und betrug bei ihnen 100,128 Reg.-TonS Netto. Bei den übrigen fehlte die Angabe. Fremde KriegSschtffe haben den Canal wenig befahren: Ruß- land ist vertreten mit 3 Fahrten, Schwrderr, Siam, England mit je 2 und Brafilieu mit 1, im Ganzen also 10 Fahrten. Die mittlere Dauer der Durchfahrt betrug im letzten Be- triebsjahr 8 Stunden 36 Min. gegen 9 Stunden 33 Min. im Jahre vorher. An Unfällen und Betriebsstörungen haben fich ereignet 260 Unfälle bei 5030 Seedampfern gleich 5,18 pCt. (gegen 7,83 PCt. im Vorjahre). 28 pCt. der gesammten Unfälle werden als Folge schlechten Steuern« durch die Mannschaft bezeichnet. Den Gesammteinnahmen mit 1 300,018 Mk. stehen Ausgaben in Höhe von 2,278,283 Mk. gegenüber, mühin ein Minus von 978,265 Mk. Im Borjahre betrug die Gesammtcinnahme 1,016,854 Mk., die Ausgabe 2,074.792 Mk.
A«»ta»ö
Wien, 1. December. Heute Abend stabet doch ein Fackelzug statt, obwohl man fich allgemein dagegen geäußert l>arte. Lr wird aber n<cht von der Bürgerschaft, sondern von den Beteranen und Feuerwehrmännern abge- halten, welche mit Musikbegleitung über den R ng ziehen werden.
Rom, 1 December. Nach Dlpeschen aus Massaua ist ek dem rusfischen Gesandten gelungen, zwischen König Meuelik und Rar Maugascha eine Versöhnung herbeizuführen.
Paris, 1. December. Der „Gaulois" meldet, die Freunde Plquartt» .'.ätten da« Gerücht in Umlauf gesetzt, Graf Münster werde den bekannten Rohrpostbrief als Eigenthum der deutschen Botschaft von der französischen R gierung zurück- fordern. Dieses Verfahren toihbe der Sache den Charakter der Authruticität verleihen.
Paris, 1. Dtcember« Der „Figaro" meldet, er glaube verfichern zu können, daß der C^ffationShof von heute ab wichtige Haussuchungen vornehmen lassen werde, welche von höchstem Interesse sein würden.
Paris, 1. Deccmder. Der „Courier du Soir" berichtet, sämwtliche Mitglieder des CaflationSbofeS, auch die bisher widerstrebenden, seien sitzt von der Unschuld Drehfus' überzeugt. Dem „Soir" zufolge soll daS geheime Dosfier einer auS drei Mitgliedern deS CaffationShofes gebildeten Lomwisfton vorgelegt werden.
Paris, 1 December. Einige Blätter wollen wiffen, Fr,yc,net beabfichugc die Versetzung Zur lind en« in ein A meecorp» in der Provinz.
Paris, 1. December. Baron Fredericks läßt die Nachricht bemtntircn, daß er die franzöflsche Rrgierung auf den Berrath DrehiuS aufmerksam gemacht habe.
Paris, 1. December. Nach einer Meldung aus Biarritz find die panischen Behörden sehr mit der Kurltsten- Bewegung beschäftigt, obgleich sie nicht annehmen, daß Don Carlo« einen Aufstand heraufzubrschwören gedenke, besonder« da e« t?m an deu nötigen Geldmitteln fehle.
London, 1. December. Hefige Blät er find der An ficht, daß ote Erklärungen PoincarrLs in der fran- zöfischen Kammer da« wichtigste Eceigniß bilden, welches bisher in der DreyfuS-Sache zu verzeichnen fei. Die „Times" sogen, der französische Beneralstab müffe jetzt von der Offensive zur Defensive übergehen. „Standard" befürchtet eine Revolution.
Loudon, 1. December. In GriurSbh eingetcoffeue Fischerleute melden, daß bei den Faroer-Jnseln in einem fürchterlichen Sturm ein deutscher Fischer-Dampfer untergegangen sei. Von der Besatzung sei Niemand gerettet.
London, 1. December. „Daily News" meldet auS Rom, der Papst habe dem Nuntius von Madrid gegenüber erklärt, er willige in die Verlobung des Sohnes Don Carlos, Jaime, mit einer bayerischen Prinzessin.
Loudon, 1. December. „Daily News" veröffentlichen die Verlobung de» Prinzen Georg von Griechenland mit der Prinzessin Victoria von Wales.
London, 1. D cember. AuS New-York wird hierher gemeldet, daß die Anzahl der mit dem Dampfer Portland untergegau-enen Personen 160 beträgt. ES ist Niemand gerettet worden.
Loudon, 1. December. „Daily Mail" bespricht die Möglichkeit eines Karlisten-Aufstandes in Spanien und »agt, eine Revolution in Spanien werde das Einschreiten der | europäischen Mächte nach sich ziehen, denn ohne das Dazwischentreten wäre es sicher, daß die Karlisten-Bewegung einen europäischen Conflict herbeiführen würde.
Loudon, 1. December. „Daily Mail" meldet auS Kairo, Marchand werde morgen in Faschoda eiutreffen. Sobald seine Expedition dieses Gebiet verläßt, werden die Unterhandlungen England- und Frankreich« betreff« der Grenzabsteckung Bahr el Ghazals beginnen.
Spanten and Nordamerika. Das Schicksal der Philippinen ist besiegelt. Die Nordamerikaner betrachten sie schon völlig als ihr Eigenthum und suchen nun die Hinder- n ffr zu beseitigen, die ihrer tatsächlichen Besitznahme und Verwaltung entgegcnstehen. Es gilt vermuthlich, die Eingeborenen zu gewinnen. Da hat nun Mac Kinley versprochen, daß im Jahre 1899 10 Millionen Dollar« für Kulturzwecke im Philippiuen'ArchiPtl verwendet werden sollten, und den Häuptern des sogen, revolutionären PhilipplnencongreffeS wichtige Aemter, allerding« unter amerikanischer Verwaltung, Vorbehalten seien. — lieber die Stellungnahme Deutschlands zur Philipptnensrage verlautet, diese- habe Verwahrung gegen eine Antastung seiner Handelsrechte auf den Sulu-Inseln ein- gelekt. Im Uibrigeu habe der deutsche Geschäftsträger v. Sternberg in Washington auf Weisung des Auswärtigen Amtes dm Staatssecretär besucht, um die vorher ertheilten FreundschaftSverficherunge« der deutschen Regierungen, trotz gegenteiliger sensationeller Zeitungsberichte, zu erneuern. Seine Regierung sei, so habe er erklärt, an der Neuordnung der Herrschaft über die Phil ppirren nicht souderl'ch interesfirt und mit dem Ergrbniß der Pariser Conferenz zufrieden. — Hlnsihtlich der Kmoliueuiuseln war gemeldet worden, daß sie sämmttich durch Kauf in den Brfitz der vereinigten Staaten übergehen sollet'. Heute liegt nun eine Wafh ngtoner Draht- nachricht des Londoner „Daily Telegraph" vor, wonach in den amerikanischen RrgterungSkreisen auf Grund von Pariser Meldungen geglaubt werde, Deutschland werde die Karolinen ankaufen mit Ausnahme einer Insel, die an Amerika zur Anlegung einer Kadelstaüon abgetreten werden solle. Vielleicht hat man e« bei dieser Meldung mit ebnere Ber- suchsballon zu thun, den die Washingtoner Staatsmänner aufsteigen loffm. T. R.
Amerika. Bestätigt sich die Meldung, daß die Bereinigten Staaten eine Kohlenstation an der Chiriqai Lagune ia Costa-Rica erworben Haven, so ist sie nicht ohne Bedeutung und steht vielleicht in engem Zusammenhang mit dem Bericht der amerikanischen Commission über die Rathsamkrit de« Baue« de« N cara^ua Kanal«, welcher demnächst erscheinen wird. Die Chir qat Lagune ist ein p.ächtiger votürlicher Hafen, der einer unbegrenzten Anzahl von Krtegtsch'ffeci einen sicheren Ankerplatz zu gewähren vermag. Die Laaune liegt weithin zwischen Greytown, wo wahrscheinlich der N caragua- Kanal seinen Ansanz nehmen wird, und Colon, wo der Panama-Kanal beginnt. Die geographischen und strategischen Bortheile der Lagune find längst b»kannt, und die amerikanische Regierung erkannte die W chitgkeit, eine beherrscheube Stellung im karaibtschen Meer und Kohlrnstationen an der neuen Straße nach dem fernen Osten zu besitzen. — Jeder Versuch, einen Küstevp atz in Mittelamerika zu befestigen, ober auch nut zu besiedeln, würde geradeuwesS eine Verletzung des Bnlwer- Clayton BerirageS von 1850 sein. In England hofft man daher, eS werde da« drtt'sche Auswärtige Amt dasür sorgen, daß die beiderseitigen Rechte, welche Großbritannien durch diesen Vertrag erworben hat, nicht ohne hinreichenden Ersatz aufgegeben werden, sei eS auf dem amerikanischen Jsthmu« ober sonstwo. Bi« j tzt haben die verschiedenen britischen Ministtriev alle Brrsuche ber Washingtoner Bundesregierung, eine Abänderung des Vertrage« zu erlangen, abgewiesen. Wenn eine so werthvoll: Einräumung j tzr gemacht werden soll, so ist e« jebensallS tntenff nt, zu erfahren, welche Gegen- leistuug die Vereinigten Staaten Großbritannien anbieteu werden.
Asien, lieber da« chinesische Räthsel hat fich der britische Gesandte In Peking, Sir Rodert Hart, unlängst wie folgt gräußert: Chma ift ein schwer verständliches Land. Bor einem oder zwei Jahren glaubte ich etwas von China zu verstehen und wagte e«, meine AnschauunglN zu Papier zu bringen. Heute scheint e« wir, als ob ich nicht« von China verstehe. Ich könnte nicht einmal drei bi« vier Seiten über China schreiben. Nur Einer habe ich gelernt: Ja England ist die Rrgel: „Brich, aber beuge Dich nie", in China: „Beuge Dich, aber brich nie". — Uebrigen« ist, ganz im E uklang hiermit, nach den neuesten Nachrichten in Peking Alles ruhig. Die Kaiserin macht von ihrer Gewalt angeblich mit Mäßigung Gebrauch und hat ihre Stellung befestitzt. Der rulstsche G nlluß im T uno-li-Y >m»n e^bält sich aufrecht.
rsnd provinzielle».
-e. Neu-Ulrichstein, 1. Dee-mber. Monatsbericht der Arbeiter-Colonic pro November 1898. Ende November 1898 sind in der Colonie stellen-, resp. arbeitslos
56 Mann. Dieselben verthellen sich auf das Groß- herzogthum Hessen 10; Königreich Preußen: Regierungsbezirk Kassel 4, Regierungsbezirk Wiesbaden 8; Provinz Rhein- lande 5, Provinz Westfalen 5, Provinz Sachsen 4, Provinz Hannover 2 Provinz Brandenburg 2, Provmz Pomm-rn 1; Königreich Bayern 3, Königreich Württemberg 1, Königreich Sachsen 3, Großherzogthnm Baden 2, Großherzog- khum Mecklenburg 1; thüringische Staaten 2; R ich« laude 1; Ausland: Oesterre ch Ungarn 2. Hiervon waren: Arbeiter 27, Backrr 1, Borbier 1 Bergmann 1, Dreher 1, Former 1, Gärtner 1, Kappenwacher 1, Kaufleute 5, Kellner 3, Klempner 1, Lsndwirth 1, Muschineozeichner 1, Maurer 1, Pantoffelmachkr 1, Photograph 1, Schlosser 2, Schneider 1 , Schreiner 8, Schuhmacher 1, Tuei wacher 1. Gearbeitet wurde an 1277 Tagen. Verpflegt wurde an 1447 Tagen. D.e Colowe zählte im November 139 Sonn- und Feiertage. 31 Krankentage. Im Monat November 1898 wurden entlassen 11 Mann, und zwar auf eigenen Wunsch 5, in Arbeit 1, in die Familie zurück 1, wegen (iontrect- brnche« 4. Abgewie'ea wurden 3 Manu. Seit Bestehen der Colonie sind ausgenommen worden im Ganzen 3511, dagegen abgegan e; im Ganzen 3455, bleibt Bestand am 30. Nov.'moer 1898: 56 Mann.
x Wettfaaseu, 1. Dccrmder. Aw velfloffencn Montag fnnb hier wegen des bei unserm Ort erfolgten Zigeuner Überfalls eine umsaffrnde Zeugenvernehmu ng durch Großh. Uutersuchuvgkrichtsr von Gießen statt. Die überfallenen Z'geuuer, die während dieser Zeit ia Ruppertenrod gelagert, mußten hier erscheinen. Von Der Stelle de« Heber» fall-.« wurde eine Zeichnung avfgeuowmev. Wie schwer die verwundete Z geunerin krank ist, zeigte fich bei ihrer Ber- uehmnnp, au« der sie ohnmächtig weggettagen werden wußte. Jedenfalls schwebt die Frau in Lebensgefahr. Die Ver- wandten der Zigeuter, die von dem Uederfall pet3:t, find herzugeeilt, so daß gestern Abrnd am Ende des BulgwaldeS an oer Straße Mück; Ruppertenrod 11 Wagen mit Z g-unern versammelt waren. Sieben Feuer erhellten das ungcu öhnlich groß- Zigeunerlager.
§§ Ruppertenrod, 1. Deetmber Gestern Nacht kurz nach ,/211 Uhr ertönten plötzlich die Smrmglvckcn und Feuer rufe. Die auf die Straßen geeilten Bewohner gewahrten am westlichen Ende des Ortes hrllen Feuerschetn, der den Himmel rötheec. ES brannten die dort fitzenden großen Strohhausen. Den sofort hinzugeeilteu Gendarmen und anderen Leuten gelang es durch Wegwerfen von Stroh- bäuschen da« Feuer auf drei Haufen zu beschränken. E-a Glück war eS allerdings oabet, Voß in der Nacht fast Windstille herrschte, sonst wäre btr Kauze riesige Strohvorrath, der verficheU ist, verbrannt. Dir EatstehungSursüche des Btande« ist unbekannt, doch vermuthet man Branistifiung.
Bon der Bergstraße, 29. November Die günstige Her bst Witterung tft für die Landwirthschaft ein wahrer Segen. Dtn Laudwirthen ist es möglich, ihre Felder vor Ewtrttt deS Winter« zu stürzen und alle im Rllckiiavde ße« blbbenen Arbeiten zu vollenden. Nicht minder können die Futnrreste des Felde« bestlN« verfüttert werden. W nler* frucht und Rothklee stehen sehr schön.
A Mainz, 1. December. Die vorgestern stattgehablen Ergänzungswahlen zu den hiesigen Stadtverordnetenversammlungen sollen, rote von zuverlässiger Seite mügetheilt wird, angefochten werden. Als Anfechtungsgrund wird angeführt, daß Nichtwahlberechtigte — Bayern, welche die hessische Staalsangehörigkeit nicht errootben — an der Wahl Theil genommen haben. Im Falle der Stichhaltigkeit der Anfechtungsgründe dürfte es bet der geringen Majorität, mit welcher einzelne Stadtverordnete aus der Wahlurne hervorgegangen sind, nicht unmöglich sein, daß die Wahl kassirt wird. — Der P! äsident der hiesigen Elsenbahndir<ction Gdheimra-h Breitenbach hat sich gestern nach Berlin begeben, um an Cons^renzen bei Minister Thielen theilzu- nehmen. Wie wir von Wiesbaden aus erfahren, steht im Vordergrund der beim Minister Thielen flattfindenden Con- ferenz die Berathung über die Ecwetterung der rechtsrheinsschen Bahnanlagen oberhalb B'.ebrich und den direclen Anschluß von Wiesbaden und Mainz. — Ja geheimer Stadt- verordnetenfitzung wurden gestern die Erd-, Grund« und Maurerarbeiten für das hier zu errichtende städtische Eleltricitätswerk vergeben und zwar für 339 927 Mark an die Firma Holzmann & Cie. in Frankfurt, welche 50000 Mk. billiger als eine hiesige Firma war.
VeHnmifchtes.
* Erfurt, 29. November. Vor der hiesigen Strafkammer begann heute bte Verhandlung gegen 16 Personen wegen Belheiliguug an den In der Pfingflwoche vorgekommeneu Straßennnruhen. Heute Abend wurde bereit« das Urthell gefällt. Neun Angeklagtr wurden frelge'p ochen, sechs w?gen Bttheüiguug am Aufruhr zu sich« bl« zwölf Monaten Gesängniß, einer wegen Beleidigung der Polizei zu vier Monaten Gefäogn'.ß verurtheilt.
• Leipzig, 29. November. Zu einem buchhändlerischen Ereignitz ersten Ranges gestaltete fich heute Morgen die Ausgabe von BrSmarck's „Gedanken und Erinnerungen." Al« fich punkt 8 Uhr die Pforten de« Stein- ocker'schen Geschäft«, des hiefigen CommisfionShause« der Cotta'ichen Buchhandlung in Stuttgart öffneten, kamen sofort 500 g<oße Kisten zum versandt und acht große Rollwagen nahmen die von dm sonstigen Leipziger CommisfionShäusern bestellten Exemplare in Empfang. Gin Verkehr, wie er wohl kaum an einem Au-lleferungStoge zur Erscheinung gekommen ist, entwickelte sich bei dem SteMocker'schen Commisfion-bavfe, wird doch der weitaus größte Theil der vorläufig 109050 Exrmplare betragenden GrsommiauflIge deS nationalen Werkes von ihm ausgeliefert. Wa« in den zwei Stunden von 8 bis 10 Uhr bewältigt wurde, rnt'prach etwa der Ladung von 14 Etsenbahnwaggon« von je 100 Centner (ein Exemplar 1 wiegt 2 kg), also einem Gew cht von 1400 Centuern. Ab-


