Ausgabe 
3.12.1898 Zweites Blatt
 
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Nr. 284 Zweites Blatt Samstag den 3. December

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SSI

mir Ehawberlain noch seiner letzten Rede nicht gerade ein hervorragender Ruffenfreund za fein,* 8 der Interviewe» daraus einwarf, daß England trotzdem ohne Hintergedanken auf seinen Lousereozgeda keo tfngtgaagen sei, weil fich daraus die Hoffnung eine» allgemeinen F'ird ns ergeben hätte, aut« wartete der Zar: ,T)\t Hoffnung? Aber ich habe genug von der bloßen Hoffnung. Ich habe fte saft satt- ich möchte

Gros Regenten von L'ppe-Detwold, der in Posen gatn sonireode Bernhard Graf zur Lippe, Premiet«Lteutrnanr vom : 2. Leib Huiaren-Regiment, zu« Rittmeister und Eecadrons- ches befördert worden.

Berlin, 1. December. Der Kardinal Fürstbischof Dr. Kopp stattete gestern Nachmittag nach seiner Rückkehr von Potsdam de« Reichskanzler Fürsten Hohenlohe, sowie

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung.

betreffend: Geschäftsgang bei Großh. Ministerin« des Innern.

Das nachstehende AuSschreiben Grohherzoglichen Mini« Periums des Jnuern bringen wir zur allgemeinen Kenntuiß. Gießen, den 11. November 1898.

GroßherzoglicheS Kreisamt Gießen, v. Bechtold.

Zu «r. M. d. I. 26358

Darmstadt, am 31. Oktober 1898. Betreffend: Wie oben

Das Großh. Ministerium des Innern

an sümnttliche unterstehenden Behörden.

Wir setzen Sie zu Ihrem Bemessen davon in Kenntniß, daß, um einen geregelten G'.lchäftsgang bei dem Min sterium zu ermöglichen, dringende Fälle ausgenommen, künftighin nur Mittwoch und Samstag vormittags mit den Mitgliedern des Ministeriums des Innern in den Geschäftsräumen des Mini« steriuss Rück'prache genommen werden kann. Zu andereu Z tea kann nicht sicher darauf gerechnet werden, die Mit« giieder des Ministeriums zu sprechen.

Die Großh. Kceisämter wollen vorstehendes wiederholt io den Kreisblättern veröffentlichen.

Rothe.

Dr. Neidhart.

Bekanntmachung.

Die lavdwirthschaftliche Houshaltuugsschule zu Lindheim beainot ihren 1. 1899 r 5monatlichen Lehr« eurfus Montag den 18. Januar 1899.

Die Schule hat die Ausgabe, junge Mädchen zur Führung einer wohlgeordneten, einfachen bürgerlichen Haushaltung vorzudrreiteu. Dieselben erhalten hierzu Unterricht und praktische Anleitung in der Htuswirthschast und Milchwirthschaft, im Gemüsebau, in der Obstverwerthung, der Gesundheits« und Ernährungslehre, der Krankenpflege, sowie im Rechnen, in der Abfassung von Auf« sätzrn und Briefen und Anleitung in der Buchführung. Auch ist für gute Lektüre gesorgt und wird der Gesang gr« pflegt.

Die Schule besitzt einen Garten bei« Hause, eigne Molkerei und Giflügelhaltung.

Die unmittelbare Leitung der Anstalt untersteht einer Vorsteherin (Hausmutter) und einer Assistentin (Industrie« lehrenu) Sowohl diese als die Mädchen wohnen im An« ftaltsgebäude. Für Unterricht und Logis find 20 Mark pro Eurfus und sür Kost und Verpflegung 1 Mark pro Tag zu entrichten- außerdem find nur noch etwaige Ausgaben sür Arzt und Apotheke zu bestreiten.

Ausführliche Programme, aus denen das Nähere über die Anmeldungen, die möglichst frühzeitig erbeten werden, zu ersehen ist, find von dem Unterzeichneten, sowie von Herrn Odera«tmann Wtsteruacher zu Lindheim erhältlich.

Hof Thiergarten bei Büdingen, den 21. November 1898.

Der 2. Vorsitzende des laudw. Bezirksvereins. Hahn.

Der Zar über die Abrüstuugs-Coufereriz.

Ueder den Zaren und seine Adrüstuugspläue berichtete derStatin*, und zwar aus dem Munde eine» Engländers, der zugleich Schriftsteller und Diplomat sein soll- er hat «tt dem Zaren in Livadia zwei lange Unterredungen gehabt aud will deren Inhalt demnächst in Buchsor« veröffentlichen. Stx dieser Schriftsteller und Diplomat nur fein kann, darüber püter, vorläufig handelt es fich um des Zaren persönliche Mitthetlungen. Der Engländer bewundert den Zaren, preist leine polit.fche vorausficht und zugleich seine persönliche Liebenswürdigkeit- er führte die Unterredung In eine« tut« tadelt gen Englisch und bot seine« Interviewer zur Einleitung der Unterhaltung eine Eigarrette an: »Ich kann nicht sprechen, ohne zu rauchen* so sagte er.

Der Zar verbreitete fich zunächst über die englisch« rnsfischeu Beziehungen- er beklagte fich über die englischen Zeitungen uud ganz besonders über die welche diese

Beziehungen zu ^vergiften* bemüh: fei. Aber was «ich noch »ehr betrübt fo fuhr er fort ist, daß Ihre Staats« «änner den Journalisten es nachmacheu wollen. So scheint

etwas Greifbares und Prac'isch-res sehen. Uebrr drei Punkte wünschte ich, daß die Mächte fich ins Einvernehmen setzen. Erstens könnten fie fich, bis ans weitere Abmachung, ver« pfl chten, ihre Rüstungen nicht zn vermehren, sondern höchstens in entern Zustande zu erhalten und selbst zu vervollkommnen. Zweitens: nach Ablauf von fünf Jahren würden die Mächte in einer neuen Eonferenz fich über die Aufrechterhaltung des neuen PriueipS aussprechen und dann vielleicht eine neue Periode sestsetzen. Und drittens würden fie über ihre Haltung gegenüber Kriegsdrohungen und Sriegsansfichten schlüsfig werden. Das Ganze soll überhaupt wie ein Zweikampf be­handelt werden. Wenn zwei Personen fich mit den Waffen in der Hand messen wollen, so werden vorerst die Tragweite der Beleiaigung und die Dutllbedingnngen berücksichtigt. Jeder wählt also feine Eartellträger und diese wenden fich dann zuweilen an einen Unparteiischen, der das ewscheidende Wort spricht. Ebenso würde es fich mit den Mächten verhalten. So hätte in der Faschoda Angelegenheit zum Beispiel Eng« land fich an die vereinigten Staaten und Ftankreich an Rußland gewandt. Den vereinigten Staaten und Rußland fällt dann die Ausgabe zu, den beiderseitigen Standpunkt zu beleuchten und ihr Urtheil darüber auszuiprechen. Sollten die Unparteiischen aber nicht zu einem einstimmigen Ergeb­nisse gelangen, fo würden fie fich an einen neuen Schieds­richter, z. B. den Kaiser Franz Joses, wenden- er säße über die Urtheile der Unparteilichen zu Gericht, vielleicht würde auch besten Ausspruch nicht befolgt werden- jedenfalls aber wäre dadurch kostbare Zeit gewoaneu und die G'gner hätten Muße, fich die Folgen eines feindlichen Zusawmeustoßrs zu überlegen.*

Rach dieser Darlegung, deren Krit'k überflüssig er­scheint, fuhr der Zar angeblich mit erregter Stimme fort: Ich weih, daß ein englisches und verschiedene französische B.älter erklärt haben, Murawiew habe Frankreich zum Wider­stande ermmhig'. Das ist greulich! Wie hätte ich das drei Monate nach meinem Rund'chrnden thun können!*

Wer nun der Interviewer ist, der de« Zaren auf den Zahn gefühlt, erhellt aus seiner Schlußbemerkung. Sie er­gibt, daß es fich nm den ehemaligen Ehesredaateur der »Pall Mall Gazette* und jetzigen Herausgeber der »Review of Review* handelt, W. Siead. Derselbe war während des Perschdeh-Zwtschtnfalles im Jahre 1885 der vcriheidiger der Ruffen gegen feine eigenen Landsleute, und ais er fich später nach Rußland begab, stattete ihn die rusfische Botschaft in London mit fo warmen Ewps-Hlungsbriefen aus, daß er vom Zaren Alexander III. in besonderer Audienz empfangen wurde. Unbekannt m.t den Hosgebräuchen, stand Siead zu­erst auf, um fich zu verabschieden, fo daß der Zar damals scherzend sagte: »Das ist daS erste Mal, daß mir selbst der Abschied gegeben ward.* Stead hat «ir selbst damals diese Scene erzählt. In dem vorstehenden Interview wiederholte er dem jetzigen Zaren diesen Zwischensoll, als er fich wieder empfehlen wollte, denn draußen im Garten glaubte er die Zarin des fälligen Frühstücks wegen unruhig hin und her­gehen zu fehen. Uad Nikolaus II lachte und bat ihn, inner­halb zweier Tage wiederzukowmen.

lieber die Petsöulichkeit des Interviewers kann also in diesem Falle kein Zweifel herrschen- er hat übrigens schon in einem deutschen Blatte auS seine« Empsange beim Zrren kein Geheimniß gemacht. Die DrehfuS-Sngelegenheit berührte der Zar natürlich m t keinem Worte, nm den Anschein zu vermelden, als wolle er fich in die inneren Angelegenheiten Frankreichs milchen. Köln. Ztg.

Deutsches Reich.

Darmstadt, 1. December. Ihre Kaiserlichen Hoheiten der Großfürst und die Großfürstin Sergius von Rußland haben heute vormtitag llfl/a von Ihren Königlichen Hoheiten dem Sroßherzog und der Groß­herzogin uud den übrigen Hohen Fürstlichkeiten zu« Bahnhof geleitet, die Rückreise nach Moskau angetreten. Die Kaiserlich Rusfische Gesandtschaft war bei der Abreise zugegen.

Berlin, 1. December. Die das ^Militär-Wochenblatt* heute «ütheilt, ist durch Eabinetsordre des Kaisers, battet Baden-Baden, 25. November 1898, der zweite Sohn des

dem Lultusmin fier Dr Bosse einen Besuch ab. Am Acend trat der Fürstbischof die Rückreife nach Breslau an.

Fürst Bismarck über den Anarchismus. Lus den Gesprächen des Fürsten B'smarck mit Lothar Bucher veröffentlicht die Kölnische Wochenlch ftDas neue Jahrhundert* einige Bemerkungen über die B kämpsuna des Anarchismus, die gerade j'tzt Jntereffe erregen: Zu« Stutz gegen die Anarchisten reicht unsere politische Polizei richt oul. Ich meine nicht der Zahl »och, die würde voll nf genügen. Aber der Qualität nach. Ich weiß aber nicht, wie «an eS anders wachen soll. Mir sollt dabei immer die Anekdote von dem Polizeip'äfidentrn in Hannover ein. Kennen Sie die, Bucher? Bucher verneinte. Z i dem kam wiederholt ein Eommerzienrath, der fich über das barsche Wesen der Schutzleute beschwerte. ,34**, sagte endlich der geqiälte Polizeipräfident, habe mir schon so viel Mühe gegeben, aber ich habe noch keinen Eommerzienrath als Schutzmann bekommen können!* Damit wurde er feinen Quälgeist los. Leute, die gleichzeitig geistig hervorragend und moralisch intact find, gehen nicht zur Polizei. Deren Ausgabe aber ist den Anarchisten gegenüber besonder» schwierig, fett fie statt einer allgemeinen O ganifatiou die fl-cini-mde Gruppeneiuthrilung haben Wird wi.klich mit vieler Mühe etwas ermittelt, fo betrifft es nur immer eine Hand voll Leute, noch dazu meist solche, an denen einem wenig gelegen ist, Hände ohne Kopf, geistig unreife Menschen, uod je un­reifer, desto fanatischer. Natürlich, wer geist'g durchgeardeitet ist, kann kein Fanatiker sein, dazu gehört immer eine gewiffe Beschränktheit. Wenn man den Anarchismus bekämpfen w ll, so muß eS auf dem Wege einer Vereinbarung aller (Kultur« Nationen geschehen. Ich habe schon einmal, Ende der 70er Jahre, bei den Staaten Europas deswegen vertraulich herum­horchen laffeu. Aber ich sand wenig Gegenliebe. O sterreich behielt fich seine definitiven Entschließungen vor, wäre aber, wenn man Ernst gemacht hätte, wie gewöhnlich zu haben gewesen. I alten stimmte bei, hatte aber auch am meisten Grund dazu. Rußland erklärte seine princ'pielle Zust rnmung, wollte nnS aber noch gleich übertrumpfen und hätte e» am Liebsten gesehen, wenn Jeder, der wegen politischer verbrechen oder vergehen versolgt wurde, p:r Schub nach seinem HeimuihS« staute verbracht worden wäre. Als ich daraus nicht -ingehen wollte eine solche Forderung wäre natürlich niemals durch- lubtingen gewesen, zog es fich in den Schmoll ninkel zurück. In Paris wurde mein Beauftragter mit einem solchen Schwall von Humanitätsphrasen überschüttet, daß er noch bti feiner Heimkehr förmlich darnach toch. In England war man kühl biS an's Herz hinan, wie immer, wenn es fich nicht um fpec fisch englische Interessen handelt. Wenn das dann einmal der Fall ist, wundern fich die Leute an der Themse, daß man nicht gleich mit Vergnügen bereit ist, für John Bull die Kastanien ans dem Feuer zu holen. In der Schweiz hätte man wohl mehr Entgegenkommen gezeigt, wenn die Sache von Frankreich auSgegangen wäre, statt von uns. Es find zu kurzfichtige Leute, diese Schweizer! Auf uns schimpsen fie, obwohl fte von uns nie etwas lieblet erfahren haben, und hinter den Franzosen laufen fie her, obwohl diese langst die Westschweiz eingesackt hätten, wenn wir nicht das Gleich­gewicht in Europa aufrecht erhielten. Es ist noch ntchr fo lange her, da wurde mir inofficiell natürlich! w eher einmal der Vorschlag einer Theilung der Schwez unter Deutschland, Frankreich und Italien gemacht. Auch Oester­reich sollte ein Stückchen bekommen, den Eanton Graubünden und einen Theil von St. Gallen, glaube ich. Der Franzose war sehr erstaunt, als ich von rorneherein die Sache für nudiscutabel erklärte, und versicherte mir noch extra, daß Rußland nid) 8 dagegen habe, wenn man es an der unteren Donau entschädigen wolle. Er ging sogar fo weit, daß man die Wistschweiz als Eowpensatiou für Elsaß - Lothringen betrachten werde. Ader ein solcher Pvffrrstaat ist sehr nützlich- wenn er nicht existirte, müßte er geschaffen werden, und dann wir haben fo schon genug Kahlköpfe im Reichs­tag! die Schwierigkeiten würden nur noch größer werden, besonders bei einem Anarchistengesetz. Wir haben eS ja bei den Maßregeln gegen die Socia demokratie gesehen, obwohl diese gerade in den allergünstigsten Zeitpunkt ft len. Ist wirklich einmal ein solcher Gesetzentwurf ohne allzu ängstliche