an der DiScaffiou. ES herrscht eine Zerfahrenheit, wie sie | bisher nach meiner Erinnerung noch niemals tu ähnlicher \ Weise bet etner praktischen Frage hervorgetreteu tst. ... Daß eS io kommen würde, war nach dem Inhalt de- Hamburger Beschlüsse- vorauSzuseheu. Al- tch tm vorigen Jahre kurz nach dem Hamburger Parteitage wir erlaubte, iu der „Neuen Zeit" die über die Wahlbetheiltguug gefaßten Be- schlüsie zu krittfiren und fie in der Gestalt, iu der sie schließ- ltch Annahme gefunden hatten, al- einen Nousen- zu be- zetchoen, wurde mir diese- Wort mehrfach übel genommen. Die jetzigen Erlebuifie in der WahlbetheiliguugSfrage zeigen schlagend, wie berechtigt mein Urtheil war. Der Beschluß zeigt fich als verfehlt, weil die Directive, die er gibt, durchaus unzulänglich ist. Ein Theil der Parteigenossen handelt sogar direet wider den Beschluß, indem er tm Widerspruch mit demselben die Nichtbethetliguug an der Wahl beschließt (Berlin), obgleich alle Bedingungen für eine Betheiligung vorhanden find. Ein anderer Theil geht über den Beschluß hinaus, weil er ihm unzulänglich erscheint, und handelt tm Sinne der von mir vorgeschlageuen Resolutioneu, obgleich diese durch Annahme de- Ameudemeut- Mittag, da- lautete: Compromtffe und Büudniffe mit anderen Parteien dürfen nicht abgeschloffeu werden, hinfällig geworden find. ... E- geht eben nicht immer zu haudelo, wie mau möchte, und fo handelt mau, wie man kann. Oder glauben die Berliner Geuosien unter allen Umständen, auch eventuell unter der Herrschaft eines verschlechterten Reichstagswahlgesetze-, „zur Niederzwtuguug der Reaetiou fich nach wie vor auf die eigene Kraft verlasien zu können?" Wie die Dinge gegenwärtig in Deutschland liegen, haben wir allen Grund, jede- Mittel, da- einigen Erfolg verspricht, gegen die Reaction anzuwenden und ihr die Zähne zu zeigen. ... Ich empfehle den Parteigenoffen im übrigen Preußen, fich durch da- Borgehen der Berliner Genoffeu nicht beirren zu laffeu. Jedenfalls haben die Letzteren jetzt kein Recht mehr, nachdem sie selbst den Hamburger Beschluß kurzerhand bei Seite geschoben haben, Anderen einen Borwurf zu machen, die über die durch den Hamburger Beschluß gezogenen Grenzen hinau-geheu, weil fie glauben, damit iu höherem Maße deu Jntereffeu der Partei zu dienen. Der Stuttgarter Parteitag tagt gerade noch rechtzeitig, um noch ein Wort in der preußischen Landtag-wahlsrage zu sprechen; er wird fich die Gelegenheit wohl nicht entgehen laffeu.
Arr-Unr-.
Wien, 1. September. Die halbamtliche Erklärung über da- Ergebuiß der Minister-Couferenzen wird in der unabhängigen Preffe ungünstig ausgenommen. Man glaubt nicht, daß die österreichische Regierung die Abficht habe, da- Parlament handlungsfähig zu machen, und hält dafür, daß fich die letzten Miuisterberathuugen tu politischen Folgerungen auSdrückeu werden, die noch tiefer in das Fleisch der Monarchie schneiden werden, als die Sprachenverorduungeu und die durch sie hervorgeruseue Verwirrung. Andere halten die gewählte Lösung nur sür einen augenblicklichen Ausweg, um wieder Zett zu gewinnen. — Auch iu Pester leitenden Kreisen gilt eine Aufhebung der österreichischen Sprachenverorduuug als ausgeschlossen. Die Vereinbarung beider Regierungen gehe von der Voraussetzung aus, daß die Sprachenverorduuugen aufrecht erhalten bleiben und die Obstruktion möglicher Weife fortdaurrt.
Pari», 1. September. Der „Aurore" zufolge wurde der KrtegSmintster durch deu Umstand veranlaßt, Henry verhaften zu lassen, daß mehrere Militär-Attaches drohten, bet dem frauzöfischen Gericht Klage zu erheben, weil angeblich von ihnen herrühreude Schriftstücke gefälscht worden seien.
Pari», 1. September. Au» dem Kriegsministerium wird die Meldung dementirt, daß kurze Zeit vor dem Selbstmorde Henry- ein GeueralstabSoffizier mit diesem con- ferirte. General Gouse will seine Demission nicht geben. Ueber die Verhandlungen deS gestrigen Ministerrath» ist nichts bekannt. Ein Minister theilte einem Freunde mit, man befürchte, daß die Henry-Angelegenheit noch weitere Verwickelungen nach fich ziehen werde. Präsident Faure ist heute Nachmittag V/a Uhr nach Havre abgereist. Mehrere Blätter verficheru, die Mehrzahl der Abgeordneten des Parlaments beabstchttge einen Antrag auf Einberufung einer außergewöhnlichen Sitzung zu stellen, um die Ereignisse der letzten Tage im Parlament zu dißcuttreo.
Pari», 1. September. Zu der von Henry begangenen Fälschung wird noch gemeldet, daß Henry durch einen andern Osfizier auf die Idee gebracht worden sei, durch eiu Schriftstück, worin der volle Name DrehfuS fich befände, die Eousequenzeu der von Ptcquart erfundenen pneumatischen Karte, durch welche Esterhazy compromittirt schien, hintan zu halten. Mehrere Blätter wachen dem Lommandauten der Festung Mont Valerien deu Vorwurf, daß er die aller- uöthigsteu BorfichtSmaßregelu außer Acht gelassen habe, um deu Selbstmord Henrys zu verhindern. Al» Oberst Picquart gestern tm Gefäugniß die Verhaftung Henrys erfuhr, rief er aus: Oh, der Unglückliche, die arme Frau. — General Gonse wurde zum Commaudauten der Festungswerke von Nizza ernannt. Er wird Ende September feinen Posten antreteu. Ueber die Vernehmung des Generals Pellteux tst noch nicht» bekannt. Frau Drehfu» hat feit gestern zahlreiche herzliche Shmpathiebezeugnugen erhalten.
Pari», 1. September. Die heutigen Morgenblätter, selbst die Drehfu» feindlichen, geben zu, daß die Revision de» Dreyfu»-Procesfe» große Fortschritte gemacht habe. „Libre Parole" sagt, eine Revision sei nicht wehr zu umgehen. Der „Eclair" hält ebenfalls die Revision jetzt für unumgänglich. „Radikal" glaubt, Cavaignac habe mit großer Befriedigung die Nachricht von dem Selbstmorde des Obersten Henry vernommen, weil er ohne diesen Zwischenfall unbedingt zur sofortigen Revision de» Proceffes gezwungen gewesen wäre.
Petersburg, 1. September. In hiesigen diplomatischen
und war sofort tot.
Xu» bet Kett für ble Kett.
verein» verfaßt und aufgestellt worden ist, hat bereit» bet
wird. Alle» Nähere fiehe Inserat.
•• Oberhesfische GewerbeauSstelluug Butzbach. Wie uu» mitgetheilt wurde, hat da» Comttö beschlossen, die Ausstellung bi» zum 12. September zu verlängern. Die Ver- loosung findet am 14. September statt. Am Sonntag deu 4. September, ferner am 8., 9., 10., 11. und 12. September ist der Eintrittspreis auf 50 Pfennig ermäßigt. Concerte finden am 4., 7. und 11. September statt. — Zur Beurthetlung und Prämttrung der ausgestellten Gegenstände hat die Groß- herzogliche Centralstelle für die Gewerbe 25 auswärtige Herren bestimmt, welche, in Commisfiouen eingetheilt, gestern Mittag mit ihrer verantwortungsvollen Thättgkeit begonnen haben. ES fanden gemeinsame Besprechungen statt. Da» Ergebuiß wird selbstverständlich bi» zur offiziellen Verkündigung geheim gehalten. Auch soll die Bewerthung nach anderen Gesichtspunkten, al» bet früheren Ausstellungen durchgeführt werden. Gestern (Donnerstag) war die Ausstellung stark besucht. Am Nachmittag coocerttrte die Bauer'sche Capelle aus Gießen, am Abend wurden vom Butzbacher Turnverein Pyramiden gestellt.
** Deutsche Speisekarte. Die vom C o u g r e s s e des Mitteldeutschen Gastwtrthrverbaude» angenommene „Deutsche
Bensheim, 30. August. Unsere Weinberge, welche im Frühjahr zu den schönsten Hoffnungen berechtigten, bieten zur Zeit ein höchst trauriges Bild. In guten Lagen verlief
und geringeren Lagen viel durch deu Sauerwurm zu leiden haite, so stand immer noch etwa ein Drittelherbst in Aussicht. Trotz aller augewandten Schutzmittel tritt seit ungefähr zehn Tagen das Oidium in so großer Menge auf, daß der größte Theil der vorhaudeueu Trauben davon ergriffen tst und nicht ausrrtfeu kann. Durch diese KraukheitSerschetuung werden die HerbstauSfichteu auf ein Minimum beschränkt. — Bet der gestern stattgehabteu Obstversteigeruvg au den Kre»-- straßeu wurden durchschnittlich sehr hohe Preise erzielt. Der Doppelcentner stellte fich jetzt schon auf etwa 15 bt» 17 Mk.
Osthofen, 30. August. Heute Morgen stürzte der bejahrte Dteustkuecht des Herrn Conrad Blaß vom Heuboden
CocaU* rrrrd provinzielles.
Gießen, 2. September 1898.
•• Ernannt wurde Johannes Hach tu Gießen zum
der überwiegenden Zahl der hiefigen Gasthofbefitzer, Restau- rateure ufw. verdienten Anklang gefunden. Nicht weniger denn 33 Gasthöfe, Restaurationen usw. haben die Auflegung der deutschen Beueuvuugen der Speisen enthaltenden Karte beschloffen.
*• Wetterbericht. Da» Centrum de» im Norden gelegenen Minimum» wandert langsam ostwärts weiter und hab heute über der Ostsee und deren Küste einen schweren Sturm verursacht. Auf der Rückseite der Depresfion drängt fich hoher Druck mit Macht nach, sodaß heute bereit» ein ziemlich ausgedehnte» barometrische» Maximum von deu britischem Inseln nach Central-Europa herein erstreckt. Dabei tst allerdings gleichfalls im Süden der Alpen der Luftdruck von Neuem gesunken, sodaß nach dieser Richtung hin ziemliche Gradienten bestehen. Die Herrschaft de» barometrische« Maximum- ist sonach keine ganz feste und zumal für dem Südeu unsere» Gebiete» die Wetterlage eine uufichere. — Voraussichtliche Witterung: Allgemein heitere» Wetter. ____________
§ «u» Oberheffe«, 1. September. Mau hat da» vor- jährige Bienenjahr da» schlechteste de» Jahrhundert» gr- nannt, da» diesjährige aber steht zweifellos noch unter ihm. In guten Jahrgängen nahm mau um diese Zeit die zweite Schleuderung de» Honigvorrath» vor und den Völkern blirb noch Wiutervorrath genugsam. In diesem Jahre konnte vom einem ersten Hauptschleuderu keine Rede sein, geschweige von einem zweiten. Die Imker hatten nach dem Ausbleiben der ersten Haupttracht auf eine vielleicht beffere Nachtracht gehofft; aber auch diese ist au-gebliebeu. An befferem Wetter hat e» ja seither nicht gefehlt, auch nicht au Blüthen- aber letztere waren in diesem Bienenjahr überhaupt honigarm. Daß die Blütheu außerordentlich schecht houigten, zeigt auch die dunkelbraune Färbung de» diesjährigen Honig». Auf der die»- ! jährigen HouigauSstellung der 38. Wanderversammlung des oberhesfische« BieneuzüchtervereinS war nur durch die besonderen Bemühungen deS Präsidenten genügend Honig ausgestellt worden, wovon da» Pfund mit 1 Mk. 20 Pfg. bezahlt wurde. Wo aber deu Völkern Honig genommen werden konnte, da reicht doch tu den meisten Fällen der den Völkern belaffene Rest nicht zum Wintervorrath au». Sollen die Völker erhalten bleibeu, so muß in diesem Jahre der Imker mit Verabreichung von Ersatzfutter nicht kargen. In der Darreichung von Nothfutter begehen viele Imker, namentlich die kleineren auf dem Lande, den Kapttalfehler, daß sie den Termin zu dieser Fütterung zu wett hinau»schieben, nicht selten bi» in deu November hinein. Dann vermögen die Bienen aber nicht mehr die Versiegelung de» BorrathS au»zuführeu, dieser wird dann sauer und führt oft deu Ruin eines Volke» herbei. Auch schadet dem um diese Zett schön iu der Winter- ruhe verharrenden Volke ganz entschieden die nicht zu umgehende Störung. Darum fange man frühzeitig mtt der Noth- fütterung au. Zu dieser aber verwendet man am besten deu Fruchtzucker, der in der Zuckerfabrik Maiugau (Hatter-Heim) fabrtcirt wird. Dieser Fruchtzucker hat deu unschätzbaren Vottheil, daß er iu dem Mageu der Bienen nicht erst einen VerdauungSprocrß durchzumachen hat, wie alle anderen Zucker- arteu, sondern von den Bienen direct in die Zellen gebracht und verdeckt wird. Der Fruchtzucker tst demnach ein direkter und fertiger Ersatz de- wirklichen Honig-. Unsere Erfahrungen, I die wir seit einer Reihe von Jahren mtt dem Fruchtzucker I al- Futtermittel für die Bienen gemacht haben, laffen un» I sagen, einen besseren und billigeren Ersatz für den Honig gibt I es nicht. Man probirel
Darmstadt, 1. September. Die infolge des Todes dr» I LaudtagSabgeordneten Hechler im 13. hessischen WahlkreiS I nöthig gewordene Ersatzwahl fand am 31. v. Mt-. in WolfSkehlen statt. Im ersten Wahlgang erhielten Ober. amtSrichter Lahr-Darmstadt 12 Stimmen, Oberlehrer BackcS. I Darmstadt 8, LaudgerichtSdirector Küchler-Darmstadt 4 und I Bürgermeister Dörr-Leeheim 4 Stimmen. Bei dem zweiten I Wahlgang erhielt Oberlehrer Backe» 16, OberamtSrichrer I Lahr 12 Stimmen. Herr Backes ist somit gewählt. Die I Wahl de» Herr« Backe», welcher jedenfalls der uatioual- ltberaleu Fraktion beitreten wird, dürfte namentlich in Lehrer- I kreisen große Befriedigung Hervorrufen, da derselbe als Ob- manu de» hesfischen Landes-Lehrerveretu» besonders berufe« erscheint, die Forderungen de» LehrerstandeS zu vertreten.
Gehilfen bet dem KreiSamte Lauterbach.
•• Zur Erinnerung an den Tag von Eedau find die öffentlichen Gebäude heute beflaggt. Vom Thurme der Stadt- ktrche wurde früh 7 Uhr et« Choral geblasen.
•* Der Turnverein unternimmt am kommenden Souutag eine Turnfahrt nach Büdingen. ®» findet dortselbst
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Kreise« verlautet, die FriedeuSconfereuz werde, falls der MeiuuugsauStausch über die Vorfragen zwischen deu Mächten ein günstiges Resultat liefere, Anfang März nächsten Jahre» in Kopenhagen zusammeutreten.
Rußland. AuS Petersburg wird der „Deutschen Rundschau" geschrieben: Ehe der Kaiser nach Moskau zur Eothülluug de» Denkmals seine» Großvater» abreiste, gingen hier allerlei Gerüchte über eiu bevorstehende» große» politisches Ereiguiß. Diejenigen, welche diesen Gerüchten überhaupt Glauben schenkten, nahmen al» selbstverständlich an, daß es fich bet einer Gedächtnißfeier für den Czarbefreier nur um ein freiheitliche» Zugestäuduiß auf dem Gebiet der inneren Politik handeln könne. Man kramte alle die Hoffnungen I wieder hervor, die mau beim Regierungsantritt de» jungen Kaisers gehegt und mittlerweile sanft zur Ruhe bestattet hatte- man sprach von der Erweiterung der Rechte der Semstwo», ohne damit irgend welchen klaren Begriff zu verbinden, von der Aufhebung der Verschickung auf dem Verwaltungswege, der Befreiung der Preffe von der Oberpreßverwaltuug und anderen schönen Dingeu. Irgend welche greifbare Anhalt»- punkte aber lagen nirgend vor. Als die Friedenskundgebung hier veröffentlicht wurde, war da» Erstaunen in denjenigen Kreisen, die man hier al» öffentliche Meinung zu betrachten pflegt, d. h. in der sogen. Gesellschaft, ganz allgemein. ~ Hatte man schon nicht entfernt auf einen Act der auswärtigen Politik gerechnet, so überraschte die Friedenskundgebung al» solche um so mehr, al» mau seit Wochen den Krieg mit England al» ganz nahe ansah und e» al» eine Art fesselnder Abwechslung iu der Einförmigkeit de« politischen Leben» auffaßte, da mau mit unglaublicher Leichtherzigkeit die Tragweite eine» folchrn Krieges hier gar nicht zu ermeffeu versteht. Trotzdem hat die Kundgebung nicht gerade eine Enttäuschung hervorgerufen. Man freut fich einmal, daß der Kaiser fich zu einer so starken Willensäußerung veranlaßt gesehen hat, und dann hält man krampfhaft an der Meinung fest, daß auch die innere Politik starke Ueberraschuugen bringen werde. Ob da» geschehen wird, entzieht fich zur Zeit jeder nüchternen Beurtheilung. Wichtiger ist e» im Augenblick, daß in hiefigen politischen Kreisen die Kundgebung schlechthin als eine deut- iche Absage an Frankreich ausgelegt wird, al» eine Absage, die im Uebrigen gar nicht mehr befremdet, da Jedermann das Gefühl hat, daß seit dem verfloffenen Winter eine ganz augeuscheinliche Abkühlung in der rusfisch-franzöfischen Freund- chaft eingetreteu ist. Mau geht sogar so wett, schon von einer Zusammenkunft des Kaiser» Nikolau» mit Kaiser Wilhelm zu sprechen, die allerdings für diese» Jahr tm höchsten Grade unwahrscheinlich ist. Die Abwendung von Frankreich vollzieht fich in allen Kreisen langsam, aber sicher.
— Zur Abrüstungsfrage erfährt die „Morving Post" über Berlin, der Czar werde zufrieden sein, wenn e» einer Couferenz gelinge, einen modus vivendi zwischen den streitenden Parteien im nahen und im fernen Osten zu erzielen. Er hoffe, dieses Ergebuiß in den Unterhandlungen zu entwickeln, die, obwohl anfänglich nothgedrungen etwa» akademisch, schließlich zu einer allgemeinen Bewegung in der Richtung der Abrüstung führen werden. Der Czar wolle erst die Kriegsursachen beseitigen, dann die Kriegswerkzeuge verringern. — Graf Bothmer, Mitglied de» Berner FriedenSbureau» und Vorsitzender der Wiesbadener Gesellschaft der Friedensfreunde schreibt dem „Rhein. Kur.": Graf Murawiew sei seit laugen Jahren eiu ausgesprochener Friedensfreund gewesen, er habe von dem Weltbünduiß der Friedensfreunde Kenntuiß gehabt und habe fich wiederholt ihren Bestrebungen gegenüber sehr sympathisch ausgesprochen. Der practische Friedensfreund denke vorläufig nicht a« gänzliche Abrüstung, sondern an eine partielle, dazu werde ein SchiedSgrrichtshof errichtet werden, der in strittigen Fällen zusammentritt. Die Streitmächte aller Nationen seien die Polizeimacht, welche diesem Schiedsgericht beistehen und eveutl. seinem Spruch Nachdruck verleihen.
Vor 21 Jahren, am 8. September 1877, starb in St. Germain Louis Adolf Thiers, einer der bedeutendsten französischen Staatsmänner. Thiers hielt den Krieg von 1870' für unzeitig und suchte vergebens eine Intervention zu Gunsten Frankreichs herbeizuführen. Im Februar 1871 beseitigte er die Commune, brachte die 5 Milliardenanleihe zu Stande und
welch- v°m SaHcU, Bi,unter I
Mitwirkung be» hiesigen Zweigverein» des Deutschen Sprach- I 1797 8U ^arletue


