sächsisches bis zur frauzöfisch-elsaß-lothringischen Grenze. Die Dresdener Handelskammer bemerkt dazu in ihrem jüngsten Bericht: „Angesichts dieser Sachlage erscheint eS und er« ständltch, warum die preußischen Eisenbahn- Verwaltungen noch zögern, auch ihrerseits die verlängerte Giltigkeit einzuführen, obwohl durch dieselbe der Verkehr zwischen dem süd- und mitteldeutschen Eisenbahngebiet mit dem preußischen sicher eine ganz erhebliche Steigerung erfahren würde." Auf diesem Gebiete erscheint allerdings Vieles unverständlich. — Die „Zeitung des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen" erklärt die Meldungen für unrichtig, wonach einmal Fahrtvergünstigungen für Kinder und sodann der Anschluß der Regierungen von Sachsen, Württemberg und Baden an die preußischen neuen Bestimmungen über die Beförderung von Fahrrädern in Aussicht genommen sein sollten.
— Zu der Niederwerfung des Häuptlings Ngila in Kamerun durch den Premierlieutenant Dominik bemerkt die „Nordd. Allgem. Ztg/: Durch die endliche Unterwerfung NgilaS unter die deutsche Herrschaft ist ein wichtiger Schritt zur Erschließung des Hinterlandes von Kamerun gethan. Seitdem Lieutenant Morgen, im Jahre 1889 von der Nauude-Ttatiou nordwärts dringend, zum ersten Male mit Ngila in Berührung gekommen ist, hat sich der Häuptling als Feind der Deutschen erwiesen und alle Bestrebungen zur friedlichen Erschließung unseres Gebietes am Nordufer des Tauaga bekämpft.
Arr-Urud.
Wie«, 31. August. Die Ansichten über dar RegierungS- LommuniquS betreffend den Abschluß der Ausgleichs- Verhandlungen find gethetlt. ES herrscht die Anficht vor, daß dieses Abkommen nur gewählt sei, um Zeit zu gewinnen. Eine endgültige Beseitigung der AuSgleichSschwterigkeiten sei nicht erfolgt.
Budweis, 31. August. In Ho ritz, dem Ort der PasfionSsptele, brach ein großer Brand auS. Biele Häuser und die gesammte Ernte find vernichtet. DaS Theatergebäude wurde gerettet.
Paris, 31. August. ES geht daS Gerücht, der heutige Tag werdenoch große Ueberraschungen bringen. DaS verhör und die Verhaftung Path du ElamS, sowie mehrerer anderer Offiziere soll bevorstehen. Der KriegSwtnister Lavaignac besuchte heute Vormittag Picquart im Gefängntß und erhielt von ihm die Namen aller mit Esterhazy compro- mitttrten Offiziere.
Pari», 31. August. Der Eindruck, den die Verhaftung Henrys auf die Bevölkerung macht, ist außerordent- lich. Insbesondere herrscht in den Vorstädten die größte Aufregung. JaurvS, der gegen den unbekannten Fälscher im Generalstabe seit Wochen zu Felde zog, hat großen Anhang. Allgemein wird eine Revision des DreyfuS-ProceffeS al» unvermeidlich angesehen. Fraglich ist nur, ob das jetzige oder ein anderes Cabiuet fie durchführen wird. Henry soll seine That kürzlich in Freundeskreisen als gelungenen Geniestreich gerühmt haben. ES laufen bereits Gerüchte um, wonach die Stellung BotSdeffreS und anderer Generale erschüttert fei; auch die Demission EavatgnacS wird für möglich gehalten. Doch wird betont, daß die Gutgläubigkeit LavaignacS über jeden Zweifel erhaben fei, was fein Vorgehen gegen den Obersten Henry beweise.
Pari», 31. August. Ein da» größte Aussehen erregender Zwischenfall hat sich am Dienstag in der DreyiuSsache ereignet. Der Oberstlieutenant Henry, Leiter des In- formationS- (Spionage-) Bureau» und al» solcher Nachfolger Picquart», ist als Verfaffer eines für DreyfuS belastenden Briefes auf Befehl de» Kriegsministers Cavaignac tu Haft genommen und nach dem Mont Valerien gebracht worden. Nach Pariser Drahtmeldungen vom Mittwoch ist der Zusammenhang folgender: In seiner Erwiderung auf die Interpellation CastelinS in der Deputirtenkammer am 7. Juli d. I. hatte KrtegSminister Cavaignac von drei Schriftstücken al» den am meisten belastenden gesprochen und gesagt: Thatsächlich ist in dem dritten Schriftstück DreyfuS mit vollem Namen genannt. In bemsilben heißt eS: „Ich habe gelesen, daß ein Deputirter über DreyfuS interpelliren wird. Wenn (hier — so bemerkte der Kriegsminister Cavaignac — folgt ein Satz, den ich nicht vorlefen kann) . . ., dann werde ich sagen, daß ich niemals Beziehungen zu diesem Juden gehabt habe; daS ist abgemacht. Wenn man Sie fragt, sagen Sie auch so, denn Niemand darf jemals wtffen. wa» mit ihm vorgegangen ist." Dieser Brief ist dem Datum nach der dritte in der Reihe von Briefen, welche In der Schuldfrage eine Rolle spielen, und welche sämmtlich angeblich von Oberst v. Schwartzkoppen an den damaligen italienischen Militärbevollmächtigten in Paris, Major Panizzardi, gerichtet sein sollen. Schon feit einiger Zeit nun feien dem KrtegSminister Cavaignac, fei eS infolge der DiSciplinaruntersuchung gegen Esterhazy, fei eS infolge der Darlegungen Jaurv»' und Trarieux', Zweifel betreffs der Echtheit des Briefes aufgestiegen. Am Dienstag nun entschloß sich Cavaignac, Henry rufen zu laffen und befragte ihn in Gegenwart deS CabiuetSdirectorS deS KriegSministeriums, Generals Roger, über die Art und Weife, wie das Schriftstück in feine Hande gelangt fei. Oberst Henry verwickelte sich in Widersprüche; nach einigem Stocken und Zögern legte er jedoch ein umfassende» Geständniß ab und bekannte, er habe den Brief gefälscht, da er von der Rothwendigkeit überzeugt gewesen sei, zur Rettung des Generalstabs neue Be- weiSmittel gegen DreyfuS herbeizuschaffen. KrtegSminister Lavaignac schnitt ihm weitere Rechtfertigungsversuche ab, in- dem er kurzer Hand die Verhaftung Henry» anordnete, und begab fich in großer Erregung zu dem Ministerprafidenten Brtffon, um ihm Über die außerordentliche Enthüllung Henrys Mittheilung zu machen. Briffon billigte durchweg das vor. gehen LavaignacS. Oberst Henry wurde gegen 10 Uhr Abends in einem Arttlleriebreak unter GendarmerieeScorte nach der Feste Mont Valerien gebracht. — Die Deputirtenkammer be-
I schloß damals mit 572 gegen 2 Stimmen, daß die Rcde be» Kriegsministers in allen Gemeinden Frankreich» durch öffentlichen Anschlag verbreitet werde. Zu bemerken ist übrigen», daß der von Henry geständlich gefälschte Brief au» dem Jahre 1896 nach der Verurteilung dcS CapttänS Drehfu» stammt, während der berühmte Brief mit den Worten: »Celle canaille de D . . .“ daS Datum de» 16. April 1894 trägt. Mit der jetzigen Entdeckung ist also die DrehfuSsache selber noch nicht entschiede«. Aber die meisten Blätter in Pari» glauben, daß die Wiederaufnahme de» DrehfuS-Verfahren» bevorstehe. Der „Figaro" schreibt, Schmerz und Trauer werde die Armee erfüllen, wenn fie erfahren wird, daß der Chef deS Informations-Bureau» solche Miffethat beging und seine Vorgesetzten so schändlich täuschen konnte. — Der „Eclair", welcher zu den dem Generalstabe nahe stehenden Blättern gehört, verlangt die rückfichtSloseste Züchtigung Henry», der das denkbar infamste Verbrechen begangen habe. Die Blätter, welche für DreyfuS kämpfen, empfinden begreifliche Genug- thuung. „Petite Rspublique" meint, die Geständnisse bei Fälschers Henry bildeten bte Lösung be» schrecklichen DramaS, von dem Frankreich allzulange gequält werbe. „Rappel" verlangt bte sofortige Freilassung PicquartS und die Berufung von Drrhfn» nach Frankreich, damit dieser fich vor seinen Richtern rechtfertigen könne. — Mit erstaunlicher Ruhe nahm Esterhazy die ihm von Journalisten um 2 Uhr NachtS Überbrachte Meldung von der Verhaftung Henrys auf. Er erklärte kaltblütig, er habe von der Fälschung Henry» absolut nicht» gewußt und begnügte fich mit der Bemerkung: „Na, da» wird ein schöner Spektakel werden!"
Madrid, 31. August. Der Gouverneur der BiScaya- Jnselu proclamirte fich zum General-Gouverneur der Philippinen. Er lud sämmtliche Spanier ein, fich um ihn zu schämen.
Madrid, 31. August. S a g a st a hatte gestern eine lange Unterredung mit mehreren politischen Persönlichkeiten bezüglich be» Pariser FriebenSauSschuffe». Hiernach finb noch keine Mitglieder ernannt. Die Ernennung würde aber in dem heute statifinbenben Mintsterrath beschlossen werben. Bei ber Ernennung dieser Mitglieder würde man hauptsächlich daraus sehen, daß dieselben aus internationalen und finanziellen Gebieten, in Armee- und Colonial-Fragen, besonder» der Phi- lippiven'Angelegenheit bewandert find.
— Da» geschichtliche Aktenstück, da» den Regierung »- antritt der letzten Oranierin ankündigt, lautet wie folgt: „Im Namen I. M. Wilhelmtna von Gotte» Gnaden Königin der Niederlande, Prinzessin von Oranien-Nassau usw. Wir Emma, Königin-Wittwe, Regentin deS Königreich» . . . Landgenoffen! Die Ausgabe, die Mir in 1890 anvertraut wurde, ist bald beendigt. ES fällt Mir da» unschätzbare Vorrecht zu Theil, meine geliebte Tochter in daS Alter treten zu sehen, in welchem Sie versaffungSgemäß zur Regierung berufen wird. In Tagen von Schmerz und Trauer trat ich als Regentin des Königreichs auf, jetzt fchaart fich daS ganze Volk freudig um den Thron feiner jungen Königin. Gott hat Mich wahrend dieser Jahre gestützt, Mein theuerster Wunsch ist erfüllt. Allen, die Mir mit Rath und That zur Seite gestanden und Mich durch ihre Liebe und Anhänglichkeit unterstützt haben, Meinen Dank! Möge eS unserm Laud mit seinen Besitzungen und Colonien unter der Regierung von Königin Wilhelmtna wohlergehen! Möge eS groß sein in Allem, worin auch ein kleine» Volk groß fein kann! Ich trete von der hohen Stelle, die Ich in unferm Staatswesen bekleidet habe, mit dem tief gefühlten Wunsch zurück, daß auf Königin und Volk, durch engste Bande verknüpft, Gotte» Segen ruhen bleibe." Obwohl die oranische Dynastie seit mehr als dreihundert Jahren an der Spitze de» niederländischen Staatswesen» steht, so gehört fie doch eigentlich in formaler Hinficht zu den jüngsten Dynastien Europa». Denn bi» zum Jahre 1815 waren die manischen Statthalter eigeut- lich nicht» weiter al» Präfidenten einer Republik, deren Würde schließlich allerdings erblich geworden war. Aber der monarchische Character fehlte dem Hause Oranien bis zum Wiener Congreß, welcher im Jahre 1815 das von Napoleon I. geschaffene Königreich Holland genehmigte und den oranischen Erbstatthalter Wilhelm VI. zur königlichen Würde berief. Die Wiege de» oranischen Königshauses stand Übrigens nicht in dm Niederlanden, sondern in Deutschland, in dem heutigen Nassau, und der Vater Wilhelm» deS Schweigsamen den wir unter dem Namen eines Wilhelm von Oranten kennen, hieß Wilhelm, Graf von Naffau. Erst als der elfjährige spätere Gründer der niederländischen Unabhängigkeit im Jahre 1544 von seinem verstorbenen Vetter Reinhard von Naffau die südfranzöfische Besttzung Orange geerbt hatte, legte er fich den Namen bei, unter welchem er in der Welt- geschichte bekannt ist und der seitdem der niederländischen Linie be» Hause» Naffau verblieb. Als König Wilhelm III. im Jahre 1849 infolge be» plötzlichen Tobe» seine» Vater» ben nieberländischen Thron bestieg, da ahnte noch kein Mensch, baß er vier Jahrzehnte später als letzter Oranier zu Grabe getragen würde. Denn damals war kein Mangel an niederländischen Prinzen. Der Oheim de» König», Prinz Friedrich stand in der Blüthe der Jahre. Der König selbst war erst 32 Jahre alt und blickte auf eine Nachkommenschaft von drei hoffnungsvollen Söhnen hin. Außerdem zählte de» König» Bruder, Heinrich, kaum 29 Jahre. Aber von des König» Söhnen starb der Zweitgeborene, Prinz Moritz al» Knabe. Der dritte, Prinz Alexander, litt an einem schweren, organi- scheu Herzfehler. Der älteste Sohu be» Königs, Prinz Wilhelm von Oranien dagegen, war ein schöner, männlich- klüftiger Jüngling, zu welchem daS niederländische Volk als künftigem Stammhalter der Dynastie hoffnungsvoll aufblickte. Leiber zog tiefer Prinz eS vor, unter dem Namen eine» „Prince Citron" der Löwe de» Tages im Seine-Babel zu sein. Frühzeitig kam König Wilhelm III. zu dem betrübenden Bewußtsein, daß der Prinz von Oranien ihn kaum Überleben werde, und diese» Bewußtsein war für den Monarchen um so drückender, als sein Oheim Friedrich nur Töchter, sein Bruder Heinrich aber überhaupt keine Kinder besaß. Al»
Prinz Heinrich im vorgerückten Alter Wittwer geworden^ bewog ihn der König, fich im Interesse der Erhaltung der Dynastie wieder zu verheirathen. Prinz Heinrich führte 187& im Alter von 58 Jahren die Prinzessin Louise von Preußen, die Tochter de» Prinzen Friedrich Karl, al» Gattin heim. Sechs Monate später starb er plötzlich am Schlagfluffe. Auch von dieser Seite waren also die Hoffnungen deS^alternden Monarchen getäuscht worden. Da entschloß er fich denn endlich selbst noch im Alter von 62 Jahren zu einer zweiten Ehe mit der Prinzesfin Emma von Waldeck-Pyrmont. — Anfangs 1880 konnte der König dem Parlamente die freudige Botschaft mittheilen, daß die Königin guter Hoffnung sei. Alle» erwartete einen Prinzen von Oranien. Die Königin gebar jedoch am 31. August 1880 eine Prinzessin, die gegenwärtige Königin Wilhelmtna. Al» König Wilhelm III. die Gewißheit erlangte, daß er weitere Nachkommenschaft nicht zu erwarten habe, ließ er die salische Erbfolgeordnung zu Gunsten seiner Tochter ändern, nachdem seine beiden Söhne erster Ehe, die Prinzen Wilhelm und Alexander, rasch nacheinander ins Grab gesunken waren. Die Geburt der neuen Stammhaltertn be» oranischen Königshauses war der letzte Sonnenstrahl im Leben Wilhelm- in. gewesen; an einem düsteren Novembertage de» Jahres 1890 betraten die Minister und Hofwürdenträger die Gemächer ber zehnjährigen Prinzessin und redeten dieselbe mit „Madame" und „Majestät" an, ihr stürzte ein Strom von Thränen die Wangen hinab. Von diesem Augenblicke an fühlte fie fich aber auch als Königin. Wa» ihre Regierung in politischer Hinficht bieten wird, vermag erst die Zukunft zu lehren. Aber die Sorgfalt, mit der bte Königin-Regentin ihre Tochter für den Dienst be» Staates erzogen hat, berechtigt zu ber Hoffnung, daß Königin Wilhelmtna, die in hohem Grade auch ben Sinn be» Hanse» Oranien für Kunst und Wissenschaft geerbt haben soll, das Scepter ber Niederlanbe zum Heile be» Staate» führen werde. — In einer besonderen Ausgabe des „StaatS- blad" vom Mittwoch wird die von allen Ministern gegen» gezeichnete erste amtliche Kundgebung der Königin Wilhelmins wie folgt veröffentlicht: „An Mein Volk! Ich fühle mich gedrungen, an diesem für Euch und für mich so wichtigen Tage einige Worte an Euch zu richten. Zunächst ein Wort tiefster Dankbarkeit! Seit meiner frühesten Jugend umgab wich Eure Liebe. Au» allen Theilen be» Königreich», von allen Gesellschaftskreisen, von Alt unb Jung, empfing ich jeberzeit die rührendsten Beweise von Ergebenheit. Nach dem Tode meines geliebten Vater» wurde die ganze Liebe zu meinem Hause auf mich übertragen. Jetzt, wo ich bereit bin, die schwere Aufgabe, die mich ruft, zu übernehmen, fühle ich mich von »Eurer Treue getragen. Empfanget Meinen Dank! WaS ich bi» jetzt erfahren, ließ in mir einen unauslöschlichen Eindruck und ist mir eine Bürgschaft für die Zukunft. Meine vielgeliebte Mutter, der ich unaussprechlich viel schulde, hat mir ein großes und edles Vorbild in der Erfüllung der Pflichten gegeben, welche mir jetzt obliegen. Diesem Vorbilbe nachzukommen, wird das Ziel meine» Lebens fein. Mein Wunsch ist, zu herrschen, wie man e» von einer Königin au» dem Hause Oranien erwartet, treu die Verfassung aufrecht zu erhalten, die Achtung für den Namen und da» Banner der Niederlande; mein Wunsch ist, mit Gerechtigkeit über bte Besitzungen und Colonien in Ost und West zu herrschen unb, so weit e» in meinen Kräften steht, zur Vermehrung ihre» materiellen unb geistigen Wohlbefinben» beantragen. Ich hoffe unb erwarte, daß mir niemal» Euer Aller Unterstützung fehlen wirb, um welchen amtlichen ober socialen Stand eS sich auch handeln möge, innerhalb ober außerhalb de» Königreich». Indem ich mich Gott befehle unb ihn bitte, mir Kraft zu verleihen, trete ich bie Regierung an." Einer guten Aufnahme in den Niederlanden dürfte diese Kundgebung der jugendlichen Königin gewiß sein, so daß fich in dieser Beziehung ihrem Regierungsantritt günstige Aussichten eröffnen.
Cecale» «nö provinzielle».
Gießen, 1. September 1898.
** Parlamentarisches auB Hessen. An bie Zweite Kammer richtet fich eine Vorlage deö Großherzoglichen Finanzministerium», die Zustimmung dazu zu erteilen: 1) baß ein Betrag von 67,950 Mk. für bie baulichen Aenderungen unb Neuanlagen im Kurhau» zu Bad-Nauheim zu Lasten be» Rurfonb» verausgabt werden, und ferner, bafr ber in dem Hauptvoranschlag pro 1897/1900 unter Cap. 2, Tit. 3, Pof. 5, Nr. 24 b vorgesehene Betrag von 12,150 Mk. zu Gunsten ber Ausführung des neuen Projekte» gleichfalls Verwendung findet, somit da» gesammte Projekt, entsprechend den Plänen Ord.-Nr. 14,697 I—II mit einer Bausumme von 80,100 Mk. zur Ausführung gelangt; 2) daß ein weiterer Betrag von 12,400 Mk. für die vorzunehmendea Verbesserungen im Inhalatorium zu Lasten be» Bad-Nauheimer KurfondS verausgabt werde. — Ein Gesuch der Hessischen Altkatholiken an die Zweite Kammer bittet um Ablehnung, bezw. Abänderung de» von den Abgeordneten Schmitt und Genossen eingebrachten Anträge», betreffend Aufbesserung deS Einkommen» ber evangelischen unb römisch katholischen Geistlichkeit. (Petenten wünschen, daß dem erwähnten Antrag eine solche Form gegeben werde, baß darin auch die alt- katholischen Geistlichen, den staatsrechtlichen Bestimmungen gemäß, eingeschloffeu werden.) — Eingaben der Gemeinden König st übten und Dauer nheim rc. an die Zweite Kammer bitten, dieselbe wolle eintreten für da» Fortbestehen ber in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen bestehenden Or t»g eri ch te und die Einführung derselben in Rheinhessen bewirken, dagegen ganz entschieden Partei nehmen gegen die Einführung der Notariate in ben beiben Provinzen Starkenburg unb Oberheffen und eintreten für bie Aufhebung ber letzteren in ber Provinz Rheinhessen. — Ein Gesuch ber Grohh. Hessischen Schaffner (Zugführer-Anwärter) bittet bie Zweite Kammer um Berücksichtigung ber Eingabe ber Petenten auf Besserung ihrer Lage.


