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Nr. 205 Erstes Blatt.Freitag den 2. September 1898
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Amtlicher Theil.
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Bekanntmachung,
betreffend: Die Ausstellung der Deutschen Landwirthschafts-
Gesellschaft tm Juni 1899 ta Frankfurt a. M.
Die Ausstellung der Deutschen Landwirthfchafts-Gesell- schäft wird im Jahre 1899 in der ersten Hälfte des Juni in Frankfurt a. M. abgehalten werden. Es ist eine Ehren- -fl cht der Oberhesfischen Landwirthschaft, entsprechend der Bedeutung unsere» Gewerbe» tm Mrthschaftslebeu der Provinz auf derselben würdig vertreten zu sein. Zur Ausstellung auf derselben kommen. Pferde, Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen, Giflügel, Produkte des Feld- und Obstbaues rc.
Um die Vorbereitungen für diese Ausstellung, frühzeitig genug in die Wege zu leiten, fordere ich diejenigen Landwtrrhe, welche sich innerhalb deS Rahmens der vom Proviozialveretu geplanten Ausstellung und mit Unterstützung durch Mitte! von demselben ausstellen wollen, ihre Vorbereitungen schon jetzt zu treffen und diesbezügliche Anmeldungen bis spätestens den 15. October entweder an mich direct oder durch die Herren Directoren der landwirthschaftlicheu Bezirksyereiue gelangen zu laffrn. Die Ausstellung von Rindvieh kann nur durch die R'ndvtehzuchiveretne erfolgen, da dem Verein nur ein beschränkter Raum für diese Abthetluug zur Verfügung gestellt wird und die Sammlungen dieser Vereine das beste Zuchtmaterial der Provinz repräsentieren sollen. Ebenso find Anmeldungen zur Ausstellung für Obst« und Gemüsebau nur durch den Oberheifijchen Ovstbauvereia (Präsidium Friedberg) zu machen, um eine planmäßige Darstellung dieses Betriebszweiges zu ermöglichen.
Ich bemerke noch besonders, daß eine Unterstützung zur Beschickung dieser Ausstellung von Setten des Provinzial- Vereins nicht stattfinden kann, wenn die betreffenden Produkte nicht rechtzeitig bet mir angemeldet worden find und eine vorbefichttgung durch Sachverständige vorausgegangen ist.
Laubach, den 29. August 1898.
Der Präsident des landwirthschaftlichen Vereins für die Provinz Oberhtffeu:
Friedrich Graf zu Solms-Laubach.
Sedan.
Wenn das deutsche Volk in diesem Jahre seinen Er- iouerungstag des glorreichen Steges von Sedan begeht, so mischt sich in die freudige Stimmung der Gemüther ein Gefühl aufrichtiger, tiefer Trauer. Denn der 2. September steht noch unter dem Schatten deS Heimganges de» Fürsten Bismarck, diese» Mitkämpfer» von 1870/71, dieses Mitbegründers des geeinten Deutschen Reicher.
Welche bedeutsame Rolle der verewigte Held und Staatsmann gerade am Tage von Sedan gespielt ha», ist jedem Deutschen bekannt und unvergeßlich — und wo auch immer das Gedächtniß kriegerischer Großthateu heute erneuert wird zur Lehre für die Nachgeborroeo, da wird man sagen von fcee gewaltigen Manne, von dem das Wort Ariosts gilt: »Die Natur bildete ihn und brach dann die Form entzwei. Sie wird nicht mehr gegoffeo diese Gestalt, außer tu Statuen!" —
Aber es ist heilige Pflicht, Über den Denkmälern von Stein und Erz, welche weithin in deutschen Landen den großen PersSnlichketten der Wilhelminischen Epoche errichtet find und noch errichtet werden, nicht das andere Deokzetchen zu vrr- grffen, daS wichtiger und wrrthvoller ist als alle Standbilder und Erioneruogszcichen: das Festhalten am Geist der Väter nad der Begründer der Einheit und Herrlichkeit Deutschlands. Gottesfurcht, unwandelbare Treue und selbstlose Hingabe an das angestammte Herrscherhaus und für deS Vaterlandes Wohl: da- waren die leuchtenden Tugenden eines Roon, «oltke und Bismarck, das waren die heiligen Mächte, durch welche sie befähigt wurden, ein Kleinod zu erringen, ein Erbe zu hintrrlaffen, denen ihr Geist das Gepräge verliehen hatte.
Run ist'» an den Kindern und Enkeln, zu bewahren die große Hinterlaffeuschaft, fich werth zu zeigen solcher Ahnen. 8« Tage von Sedan, an der Bahre des großen Kanzlers, (alleiugelaffen mit großen Aufgaben, entgegensetzend uogewiffer Zukunft, soll unser deutsche» Volk fich eiueo, stärken, weihen durch da» Gelübde: Mit Sott für Kaiser und Reich! —
Seltsame Erwartungen der Franzosen.
Während dir anderen Mächte noch in den ersten Erwägungen über die dem russischen Vorschlag zu gebenden Folgen begriffen find, hat Deutschland schon seine Entscheidung getroffen. Nach einem Telegramm der Hamburger Lorre- spoudeuten au» Petersburg soll der Gedankenaustausch zwischen den Kaisern Wilhelm und Nicolau» die Identität der Wünsche beider Monarchen festgestellt haben, eine Angabe, tu die wir um so weniger Zweifel setzen, al» vom ersten Augenblicke au sicher war, daß Deutschland tu offenem Entgegenkommen da» Setutge thun werde, um dte vom russischen Kaiser angestrebtrn Ziele zu fördern. Während Deutschland auf solche Weise feine Bereitwilligkeit erklär», gewinnt e» immer mehr den Anschein, daß io Frankreich die Stimmung schlechter wird und nur noch durch dte gewohnte Fügsamkeit gegen Rußland thrilwrise tm Zaune gehalten werden kann. Daß man in Frankreich versuchen würde, alte Schmerzen, da» heißt E.saß-Lothringen, tu die Angelegenheit htnein- zuzteheo, war vorau»zusrheu und überrascht un» bet den chauvinistischen Bläiteru nicht tm mindesten- auffälliger ist e» schon, wenn nach Zeitungsberichten auch fravzösiiche Staatsmänner fich dahin auSsprecheo, Frankreich könne nicht eher Stellung nehmen, als dis der deutsche Kaiser fich amtlich geäußert haben würde. Nun, der deutsche Kaiser hat fich also zur Sache geäußert, und Frankreich wäre souach in der Lage, auch seine Ansicht kuudzuthon, obgleich wir nicht ganz verstehen, wcShalb e» damit zu warten brauchte, bis Deutsch- land vorangegangen war. Die Franzosen, wenigsten» dte zurechcuagsfähigeu Politiker unter ihnen, können doch nicht etaen Augenblick darauf gerechuet haben, daß wir etwa der großen Kundgebung de» russischen Kaisc.s eine deutsche würden folgen lassen, in der wir den Franzosen Elsaß- Lothringen zu Füßen legen? E.waS Sehnliche» ist erustltch garnicht zu erwähnen. Wenn der Gauloi» schreibt, daß unter den Fragen, mit denen der Eongreß fich zu beschäftigen haben würde, auch dte elsäifische und dte ägyptische gehören werde, so könnte da» allerding» geschehen, wenn fich der Songreß dir Lösung von Streitsragen auf dem Wege der Gewalt, nicht aber auf dem de» Rechte» zur Aufgabe setzte. TS gibt Fragen, dte ihre endgültige Lösung erfahren haben und au denen nicht gerüttelt werden darf, und solche, dte fich in einem provisorischen Stadium befinden. Zu den ersteren find z. B. die Angliederungen von Nizza an Frankreich und von Elsaß-Lothrivgen an Deutschland zu rechnen. Zu den zweiten dte noch nicht entschiedene Phtltpptoenfrage und da» Schicksal Aegyptens, da» fich heute noch tu Hnrm auch von England aoerkaonten UebergaugSzustanoe befindet. Diese Scheidung ist endgültig geregelt, und schwebende Fragen werden ganz zweifelsohne für den Eongreß, wenn er sich mit ihnen zu beschäftigen haben würde, allein maßgebeod sein, uod e» ist völlig ausgeschlossen, daß Rußland auch nur einen Augenblick fich den Staudpovkt zu eigen machen könnte, den verletzte Eigenliebe in fraozöfifcheu Blättern eionimmt. Da» rasche Entgegenkommen, da» Deutschland der russischen Aufforderung bewiesen hat, zeigt am besten, daß man fich in dieser Beziehung nicht der geringsten Vesorgvtß hiozugeben braucht.
Köln. Ztg.
Deutscher Reich.
Berlin, 81. August. Die für den Aufenthalt de» Kaiserpaare» in Jerusalem gefestigten Baracken find nunmehr von der damit beauftragten Firma Christoph u. Unmark in Niesky bei Görlitz fertiggestellt und werden demnächst an zuständiger Stelle zur Ablieferung kommen. Behuf» Aufstellung der Katserbaracken wird fich der Zimmer- wann Pech au» Cebra nach Jerusalem begeben. Nach Beendigung der Katserretse wird die eine der Baracken auf der Insel Helgoland aufgestell», während die andere von ihoen im ratierlichen Jagdschlösse Rominten ihren Platz erhalten soll.
Berlin, 1. September. Ueber die Organisation der Besatzung von «iautsch.-u hat der Kaiser folgende Ordre an den Reichskanzler (ReichSmarineamt) erlassen: Ich bestimme: 1) Zar Ergänzung de» 3. Seebataillou» und de» Matrofenarttlleriedetacheweut» Kiautschou find Stawmcompag- nieu zu bilden. 2) Die Stammcowpagnien für da» 3. See- bataillon werden dem 1. und 2. Seebataillou, die Tramm- compagnie für da» Matrosenart llerie«Detachement Kiautschon wird einer der vier Matroseuarnllerie-Abtheilungeo attachirt. 3) Ich genehmige die anbei zurückerfolgeuden Bestimmungen über die Organisatton der Besatzung von Kiautschon mit Anlagen. Zugleich ermächtige Ich Sie, die an den Etozelhetten der Anlagen tm Laufe der Zeit uothweudig werdenden Ab
änderungen und Vervollständigungen bt» auf Weitere» selb- ständtg, erforderlichenfalls tm Etnvcrnehmen mit dem com- mandtrenden Admiral eintreten zu lassen. Sie haben hiernach das Wettere zu veranlassen. gez. Wtlhelm.
In Vertretung des Reichskanzler», ggez. Tirpitz.
Im Anschluß hieran macht der Staatssekretär Tirpitz dte tm Besonderen über da» mtlttärtsche Personal de» Gouvernement» getroffenen Bestimmungen bekannt. Da» Lommando zur Besatzung von Kiautschou dauert in der Regel nicht unter zwei Jahre. In jedem Jahre soll thuultchst die Hälfte der gesammten Besatzung abgelöst werden. Dte Besatzung von Kiautschou ist dem Gouverneur al» obersten Besehl»haber am Orte und in oberster Instanz dem Staatssecretär de» Reichs- Marineamt» unterstellt. Da» 3. Seebataillou und das Matrosen-Artillerie-Detachement unterstehen außerdem den Jaspectiooen der Martuetufauterie und Marineartillerie tu derselben Weise, wie dte heimischen Seebatailloue bezw. Matrosen artillerieabtheilnugen.
Berlin, 1. September. Bi»marck» Memoiren. Neuerdings tauchen verschiedene Stimmen auf, die das Bor- haudeoseio von BiSmarckS Memoiren bezweifeln. So sagt Moritz Busch in seiner neuesten Veröffentlichung, dte Arbeit, dte daS Gerücht „Memoiren" genannt habe, fei nur eine Aufzeichnung von Erinnerungen an einige seiner Erlebnisse und fei ein Torso geblieben. Doch machen dte Angaben von Moritz Busch den Eindruck, als ob er selbst in diese Angelegenheit nicht genügend etngewetht sei. Aehnltch allerdings lassen fich die „Cetyj. N. N." von ihre« bekannten Friedrichs- ruher Berichterstatter schreiben: In der Presse ist viel von Memoiren die Rede, die Fürst BiSmarck hinterlassen habe. ES wird mit aller Bestimmtheit eine süddeutsche verlagSaustalt genannt, welche daS Werk bereits vor längerer Zeit für eine halbe oder eine ganze Million vom Fürsten getauft hätte, und dte nun mit Macht an der Veröffentlichung der ersten Bände arbeite, die noch von Lothar Bucher redigirt seien, während die letzten der Redactioo von Horst Kohl unterlägen. Ich meinerseits habe weder in FrtedrtchSruh, noch in varztn, noch in Kisfiagen oder sonst, wo ich beim Fürsten weilte, weder ihn selbst noch den Grafen Herbert noch sonst Jemand jemals über ein solches Memotreuwerk sprechen hören. Daran» folgt natürlich noch nicht, daß e» nicht existtrt, aber ich werde nach meiner Kenntoiß der Person und der Verhältnisse au dte Existenz diese» Memotreuwerk» erst glauben, wenn ich es gedruckt in der Hand habe. Auch die oben erwähnten Angaben über den verkauf und die Redaetiou stimmen «ich sktpiisch. Ich glaube jedenfalls nicht, daß Fürst Bismarck, wenn er Memoiren hätte herausgeben wollen, die Redaction derselben irgend einer anderen Persönlichkeit überlassen hätte, sei sie auch noch fo geschätzt von ihm. Es ist sehr wahrscheinlich, daß eine vom Fürsten herrührende umfangreiche Niederschrift politischer Natur vorliegt, aber daß es sich dabet um „Memoiren" im Sinne der Zeitungen handelt, welche darüber zu berichten wissen, bezweifle ich- noch mehr, daß die Veröffentlichung dieser Hinterlassenschaft binnen Kurzem bevorsteht. Wenn sie Überhaupt erfolgen soll, fo werden darüber bestimmte Weifuogeu des verstorbenen Fürsten vorliegen, und die dürften gemäß der Eigenart des Heimgegangenen großen Mannes schwerlich in dem Sinne lauten, wie eine auf Sensation erpichte Presse anzuuehmeu scheint. Der Fürst war bekanntlich bei seinen Lebzeiten ein entschiedener Gegner von Aufsehen erregenden Veröffentlichungen, ausgenommen wenn er damit wie 1870 mit den Veröffentlichungen der „Times" und später bei anderen Gelegenheiten einen ganz bestimmten politischen Zweck erreichen wollte. Es ist nicht anzunehmen, daß er für Veröffentlichungen nach seinem Tode andere Grundsätze befolgt, jedenfalls wird fich Fürst Herbert, wenn Niederschriften seine» Vater» vorltegen, mit peinlichster und pietätvoller Genauigke«t in Bezug auf ihre Behandlung nach den Wünschen de» verstorbenen Fürsten richten. Sowett aber fein eigene» Ermessen dabet in Betracht kommt, wird dadurch die Aussicht auf Verwirklichung sensattonSlustiger Erwartungen sicherlich nicht erhöht, denn Fürst Herbert ist seiner ganzen Natur nach ein Gegner aller irgendwie Aufsehen erregenden Schrttte. Wunderlich ist allerdings, daß ben seit Jahren in sehr bestimmter Form auftretenden Nachrichten bei Lebzeiten des Fürsten niemals widersprochen worden ist.
Berlin, 31. August. Die .Verwaltung der sächsischen Staatseisenbahnen hat die Giltigkeit»dauer sämmt- licher Rückfahrkarten auf zehn Tage verlängert. Da diese zehntägige Glltigkeitsdauer auch für Rückfahrkarte« nach Orten anderer Eisenbahnverwaltungen gilt, erstreckt fich jetzt das Gebiet zehntägiger Rückfahrkarten von der fchlefisch-


