Ausgabe 
2.8.1898 Zweites Blatt
 
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Räumung von Euba und Portorico, Regelung der Philippinen- frage durch eine spanisch-amerikanische Commission mit einst­weiliger Oberhoheit Amerikas über die Philippinen.

New-York, 31. Juli. Auf Cuba find über 5000 Ameri­kaner am gelben Fieber erkrankt. Zwischen den Ameri­kanern und den Insurgenten auf den Philippinen finden fort­während Zusammenstöße statt.

Kingston, 30. Juli. AuS den letzten Nachrichten au» Sauttago geht hervor, daß alle Geschäfte dort geschloffen siad. Line große Menge von Lebensmitteln wmdr von der Gesellschaft zum Rothen Kreuz an Land gebracht und vertheilt. Die Handelsleute verweigern den Verkauf von Allem so lange al- dte Gesellschaft zum Rothen Kreuz Berthetlungen vor- nimmt.

DaS Cabinet in Washington hat sich über die Spanien zu unterbreitenden FriedenSbedingungen schlüssig ge­macht. DaS Cabinet beschloß folgende FriedenSbedingungen zu stellen: Abtretung von Portortco, Anerkennung der Un- abhängipkett Cuba-, Abtretung einer der Ladroneninseln, Ueberlaffung mindesten- einer Kohlenstation auf den Philippinen. Die Antwort enthält Nicht» über eine in Geld zu leistende KrtegSentschad'gung. Ein Waffenstillstand wird nicht ab- geschloffen werden. Die Philipptneufrage wird vorau-sicht­lich durch eine au- Amerikanern und Spaniern zusammen­gesetzte gemischte Commission geregelt werden. Da» Cabinet entschied sich einstimmig gegen eine Anvectirung der Philippinen. Ein spätere- Telegramm fügt an diese Bedingungen noch folgende Forderungen der Amerikaner: Die Oberhoheit Spaniens tu den westindischen Gewässern und im Caraiben- Meer soll völlig aufgegeben, die Staatsschuld Cubas und Portor'coS nicht von den Vereinigten Staaten übernommen werden. Dte Handelsverträge -wischen Cuba und Portorico mit anderen Thetlen de- spanischen Königreichs find aufzuheben.

Die Lagein Santiago bessert sich täglich, wenn auch die Nolh noch groß ist. Dte Verwaltung ist schon fast normal geworden. Viele spanische Beamte wollen dte Autorität der Vereiotgten Staaten nicht anerkennen und haben ab- gedankt; Cubaner find an ihre Stelle getreten. Ob diese Politik weise ist oder nicht, wird dte Zukunft lehren- in Washington will man die Cubaner, soweit e- möglich ist, versöhnen. Jedenfalls werden dte Vereinigten Staaten aber Cuba als eroberte- Land behandeln. Dte Gereiztheit der Cubaner kann höchstens dte Sicherheit von Leben und Eigen- thum gefährden. Die ärztlichen Berichte von Santiago und der Armee find im Ganzen günstig, e- wüthen allerdings alle Arten von Fiebern. Unter den Truppen find 300 neue Erkrankungen vorgekomwen, wie viele am gelben Fieber, wird nicht gesagt. General Shafter muß die Gefangenen, die Cubaner und die Spanier ernähren.

CocaUs rrnd provinzieller.

Gießen, den 30. Juli 1898.

* * Unlauterer Wettbewerb. Ueber den Begriffunlauterer Wettbewerb", wie er nach Maßgabe des Gesetze- gegen letzteren von den Gerichten aufgesaßt wird, ist jetzt in dem amtlichen Organ einer preußischen Handelskammer eine Reihe von richterlichen Entscheidungen zusammengestellt worden. Die Erkenotntffe besagen u A. Folgende-: In dem AuSbieteo gewiffer Waaren unter dem Einkaufspreis zur Heranziehung von Kunden erkannte da- Schöffengericht einen Verstoß gegen da- Unlauterkeitsgesetz und vernrtheilte den Beklagten. Die öffentliche Ankündigungnur ein Preis" verpflichtet den Ladentnhaber, für alle Waaren nur einen Pre's zu nehmen. Zuschläge find unstatthaft. Da- Zuwiderhandeln hatte die Verurtheilung zur Folge.Zu Fabrikprüsen" verkaufen, heißt nach Gutachten von Handels­kammern denjenigen Preis zu zahlen, den der Wtederverkäufer der Fabrik zahlt. Die Waaren müssen zu den im Schau­fenster verzeichneten Preisen auf Verlangen der Kunden in jeder nachweislich vorhandenen Menge verkauft werden. Großer Umsatz, kleiner Nutzen", diese Aipreisungen dürfen nur von Demjenigen gebraucht werden, der für be de Be- hauptunaen in seinem Geschäfte die Beweise beibringen kann. Anfichten auf Geschästspapteren von eigenen Fabriken und Räumen müffen, da fie al- Reclame dienen, auch den that- sächlichen Verhältniffen entsprechen und dürfen keine irrige Vorstellunaen erwecken. Mit dem Zusatzfehlerfrei" wurden billige Waaren angeboten. Auf Grund einer Prüfung dieser Waaren wurde der Geschäftsinhaber verklagt und ver- urtheilt, die Bezeichnung der Waaren alsfehlerfrei" künftig zu unterlaffen. Dte BewetSlast für den behaupteten un­lauteren Wettbewerb trifft immer den Kläger- es ist nicht Sache des Beklagten, darzurhun, daß feine angeblich falschen Behauptungen auf Wahrheit beruhen.

H. «u8 dem Kreise Attfeld, 31. Juli. Um sich der Militär pflicht zu cntztehen, verschwand vor mehr denn Jahresfrist ein junger Mann au» Billertshausen. Nun ist derselbe plötzlich wieder aufgetaucht, und stellte fich zu Aller Ueberraschung heraus, daß er gar nicht ort-abwesend war, sondern fich in einem Stalle verborgen hielt und von seiner Mutter verpflegt wurde. Die lange freiwillige Ge­fangenschaft ist dem vermeintlichen Flüchtling nicht gut be» kommen, fein Au-sehen ließ einenWilden" in ihm ver- muthen. Seltsamerweise hat der eigene Vater nichts von dem Aufenthalt de- Sohne- gewußt und foll nun die mütter­liche Fürsorge auf eine angemeffene Weise belohnt haben.

s- Zell. 29. Juli. Schwer verunglückt ist hier der Landwirth und Taglöhner Hrinrich Bütz. Er wollte zwei Rinder eiufohren, die beiden Thiere gingen durch und schleiften den Mann eine große Strecke. Bütz erlitt schwere Kopfver- letzungrn, die Hirnschale war bloSgelegt, auch trug er einen Beinbruch und sonstige bedeutende Verletzungen davon.

-a- Siorudorf, 30. Juli. Bei der heutigen Bürger- meist erwähl fielen 95 Stimmen auf Herrn Johs. Hof. mann und 20 Stimmen auf einen weiteren Caudtdaten.

-aa- Romrod, 30. Juli. Al- Sieger bei der heutigen G emetnder ath-wahl gingen die Herren Heinrich Damm, Karl Heinrich Schmidt und Wilhelm Weber aus der Urne hervor, der letztere war bisher Mitglied des GeweinderathS.

Bingen, 28. Juli. Gerade nicht sehr ermuthigende Er­fahrungen hat ein, vermnthlich hierher gesandter Strike- Agitator in Bingen zu sammeln Gelegenheit gehabt. Er­schien da auf einer großen Baustelle ein Fremder und sprach al- Maurer um Arbeit zu, die ihm auch gewährt wurde. Nachdem er derArbeit" einige Zeit lang nicht allzu lange, nur 2 bi- 3 Stunden obgelegen, rückte er seinen Nebenarbeitern gegenüber mit der Sprache heran-, ließ, unter Hinweis auf den Frankfurter Strike, dte Prosperität eine» solcheo in Bingen im glänzenden Lichte erscheinen. Nur mit einem hatte er nicht gerechnet- mit dem gesunden Sinne der hiefigen Arbeiterschast, und die ihm drohende handgreifliche Antwort auf seine Verhetzungen ließen ihn schleunigst den Staub der Arbeitsstelle von den Füßen schütteln. Die Agi-

tatiooSreise war umsonst gemacht.

Ueber den Alcoholgeuuß in gewerbliche» Betriebe» werden in dem Bericht der Gewerdeinspectoren sehr intereffaute Mittheilungen gemacht. In mehreren gewerb- lichen Betrieben, in denen die Arbeiter vornehmlich in ge- schloffenen Räumen arbeiten, hat durch strenge-, in der Ar­beitsordnung häufig sogar mit Entlaffvng bedrohtes Verbot, alkoholische Getränke in die Arbettsräume mitzubringen, der Genuß von Schaap» und Bier während der Arbeitszeit ganz aufgehört. Um dem Alcohol zu Leibe zu gehen, hat man auch den Versuch gemacht, durch Verabfolgung von kohlen saurem Waffer, da- in kleinen eigens hierfür beschafften Apparaten hergestellt und für den Selbstkostenpreis abgegeben wird, den Genuß von Schnaps und Bier zu ersetzen. Der Versuch ist geglückt. Nachahmung verdient auch das folgende Beispiel eine- 600 Arbeiter beschäftigenden Waggonfabrik- befitzerS. Dieser stellt in den Sommermonaten seinen Ar­beitern unentgeltlich schwachen Kaffee in ungeweffenen Mengen zur Verfügung und hat damit gute Erfolge erzielt. Sein Beispiel hat bereit- in einer ganzen Reihe von größeren Be­trieben mit demselben Ersolge Nachahmung gefunden. Der meiste Schnap- wird wohl immer noch auf den Baustätten getrunken. Dte Beobachtung hat ergeben, daß die Arbeiter beim Bauhandwerk hauptsächlich durch den Umstand zum Alcoholgenuß verleitet werden, daß fast auf keiner Baustelle bi- jetzt ein Raum eingerichtet ist, wo sie fich während der Pausen und besonder» während der Miüag»zeit behaglich niederlaffen können. Die Leute suchen infolgedrffen dte nächste Kneipe auf und trioken dort durch gegenseitiges Animtren über da- Bedürfntß hinaus. Rühmend sei hier da» Vorgehen de» Königsberger Magistrats hervorgehoben. Er erstrebt eine Verminderung de» Alcohol» der im Freien oder auf Neubaustellen thättgrn Arbeiter dadurch, daß er für diese Arbeiter Speisehallen einrichret. Mögen andere Städte diesem Beispiele folgen! Neben den Baustätten find e» dte Ziege­leien, in denen der meiste Schnap» getrunken wird. Aus dem Regierungsbezirk Köln wird berichtet, daß in den dortigen Ziegeleien'Branutweiu bi» zu 1 Liter täglich genoffen wird. Ein vielbeklagter Uebelstand ist der, daß von vielen Arbeitern der Lohn zum großen Thetl vertrunken wird und die Familie darben muß. Besonder» an den Sam-tagen na b der Löhnung wird ein tiefer Griff in die Tasche gethan. Hier möchten wir im Jntereffe der Arbeiterfrauen und Kinder da» Vor- gehrn einer Eisenhütte im Reg. Bez. Liegnttz zur Nachahmung empfehlen. Um dem Anreiz zu lrichtferttgen Geldau»gaben am SamStag und Sonntag entgegen zu wirken, ist dort die Löhnung von SamStag Nachmittag» auf den Mittwoch Vor­mittag verlegt worden- gleichzeitig wird dort der Lohn nicht an notorische Trinker verabreicht, sondern an ihre Ehefrauen auSgezahlt. Beide Einrichtungen haben fich al» segenSwerth erwiesen.

* Sin Sohu deS RrichStagSabgeordueteu Liebknecht, Affeffor Liebknecht, sollte nach einer Mitrheilung verschiedener B älter zum Amtsrichter in Seelow ernannt worden sein. Diese Meldung trifft nicht zu. Affeffor Liebknecht, der gegenwärtig zu einer Militarübung eingezogen lft und erst vor einigen Wochen sein Assessoren Examen gewacht hat, ist nicht zum Amtsrichter ernannt, sondern dem genannten Amtsgericht zur vorlä"fi-en unentgeltlichen Beschäftigung zugewiesen worden.

* Die ReichSdruckerei übernimmt von jetzt ab für Privat­personen die Abstempelung von Streifbändern und von Briefumschlägen mit dem Freimarkenstempel unter den für die Abstempelung von Postkarten und Kartenbriefen geltenden allgemeinen Bedingungen, über welche die Post­ämter Auskunft geben. Die Streifbänder können einzeln geschnitten oder in zusammenhängenden Bogen bis zur Größe von 60:90 Zentimeter, die Briefumschläge in fertigem Zu­stande oder ebenfalls in ganzen Bogen bis zu der angegebenen Größe eingeliefert werden. Die Briefumschläge müffen ihrer Beschaffenheit nach zur Abstempelung geeignet sein. Auf welchen Stellen der ganzen Bogen der Werthstempel ein­gedruckt werden soll, ist genau zu bezeichnen. Die Ab­stempelungsgebühr wird mit 1,75 Mk. für je 1000 Stück Streifbänder und Briefumschläge oder für jedes angefangene Tausend berechnet. Mengen unter 20000 Stück von jeder Gattung werden zur Abstempelung nicht zugelaffen.

* Dar kleinkalibrige Gewehr in bet Schlacht von Cusco» Mountain. Aus New-Dork wird derKölnisch. Volksztg." geschrieben: Bekanntlich"haben die Spanier das Mauser- gewebr, die amerikanischen Regulären das dänische (Krag- Jörgensen'sche) Repetirgewehr, und die Volunteers sind mit dem Springfield Gewehr bewaffnet. Die bisherigen Gefechte haben Gelegenheit gegeben, die Wirkung der modernen Magazingewehre zu erproben. Das Mitglied der American Medical-Association Dr. Ducker hat nun mit dem Marine- Arzt Dr. Edgar das Schlachtfeld von Cusco-Mountain besucht und den Zeitungen folgenden Bericht darüber ein­gesandt :Die Wirkungen von Gewehrkugeln kleinen Kaliber­

dürsten durch die Erfahrungen in der Schlacht von Curco- Mountain für immer festgestcllt sein. Einer unserer Soldaten erhielt in einer Distanz von 200 Schritt eine Fleischwunde in den linken Arm; die Kugel traf ihn dicht unter dem Ell­bogen, als der Arm halb gekrümmt war. Die Wunde war an der Oberfläche nicht größer als das Kaliber der Kugel; wo die Kugel aber wieder herausgekommen, war das Fleisch schrecklich zerriffen, so daß man Anfangs glauben konnte, es rühre von einer Sprengkugel her, doch erwies fich letzteres bei genauerer Untersuchung als unrichtig. Einem der spanischen Soldaten waren die fünfte und sechste Rippe völlig gebrochen und zerschlagen; der Mann hatte sich offenbar nach vorn gebeugt und war im Laufen begriffen, als die Kugel ihn traf; die Kugel hatte ihn in den Rücken getroffen, unterhalb der zehnten Rippe, war aufwärts gedrungen, hatte bie innere Seite der sechsten und die äußere Seite der fünften Rippe getroffen und beide Rippen auf eine Länge von zwei Zoll förmlich in Stückchen geschlagen. Die zweite Leiche war die eines spanischen Neger-Guerilla, mit dem dicken Negerschädel. Eine Kugel war neben der Mitte des linken Schläfenbeins eingedrungen, hatte die Tabula vitria einen Viertel Zoll fortgeriffen, die Pia mater aber intact gelassen, nur daß sie ein glattes Loch von der Größe der Kugel zurückgelaffen. Die Kugel war durch den rechten Augenbogen herausgekommen und hatte hierbei die Hälfte der untern Wand und die ganze innere Wand fortgerissen. Ein vollständiger Längenbruch des Schädels war erkennbar, der sich von dem Stirnbein auf der rechten Seite bis zur Naht des Hinterhauptloches auf der nämlichen Seite, einen Zoll oberhalb der Wunde, entlang erstreckte. Die dritte Leiche war die eines spanischen Regulären, eines jungen Mannes von etwa 25 Jahren. Derselbe hatte sich vornüber gebeugt und sich unfern Truppen zugekehrt, als eine Kugel ihn zwei Zoll von der Naht des Schläfenbeins traf; 2*/, Zoll oberhalb der Schläfe; die Kugel durchschlug das Gehirn der Länge nach und kam an der rechten Seite des Stirnbeines heraus. Die Wunde war dort in Form irregulär und nur l7/8 Zoll in Größe, die Pia mater sowie die Tabula vitria waren in gleicher Wesse be- beschädigt. Die Wunde war glatt und von der Größe der Kugel, sofern die Pia mater involvirt war, jedoch dem unteren Rande der Tabula vitria entlang war das Gehirn fortgeriffen, als ob es mit einem Meißel herausgehauen worden fei. Auch hier zeigte der ganze Schädel einen Bruch. In beiden Fällen stand der Bruch mit .der Wunde nicht in birecter Verbindung. Der Bruch lief parallel mit dem Laufe, den die Kugel genommen hatte. Der Bruch war so, daß man mit einer Messerklinge durchfahren konnte. Der Schuß war aus einer Distanz von 600 bis 800 Schritt abgefeuert. Der vollständige Bruch des Schädels ist jedenfalls eine Folge der großen Schnelligkeit, mit der die Kugel durch den Kopf fährt, wodurch ferne Zeit für eine Zellen-Compre sion ver­bleibt Weiter meint Dr. Ducker, daß bei den modernen Feuerwaffen die Sterblichkeit eine entschieden größere fei. Wenigstens sei das bei den Amerikanern der Fall gewesen. So haben fich durch die modernen Feuerwaffen die Greuel des Krieges unzweifelhaft vermehrt, besonders die Verwund­ungen sind weit schrecklicher, als es früher jemals der Fall war. Dabei stehen erst 17 000 amerikanische Soldaten im Felde. Wie fürchterlich müßte dagegen ein großer europäischer Krieg werden, in dem Millionen-Heere gegen einander kämpfen! Man wagt nicht, sich solche Greuel nur auszu­denken.

* Ein Parodie» für Liebende. Außer dem einst so berühmten Gretna Green giebt es jetzt auch noch andere Orte, in denen Liebende nicht allein ohne jeglrche Schwierigkeiten und Kosten ehelich verbunden werden, sondern nebenbei, wahrscheinlich als Belohnung für den bewiesenen Heldenmuth, noch fünf­undzwanzig Dollars in Gold und bie Begünstigung einer freien Hochzeitsreise auf einem Dampfer zugesichert erhalten. Außerbem haben bie betreffenden Brautleute noch die Wahl zwischen einer Trauung zu Lande ober auf ben rauschenden Wogen des Wassers und zwar bei herrlichstem Mondschein. Dies Paradies für Siebente ist Amerika, und die groß- müthigen Menschenfreunde, denen so unendlich viel daran liegt, Ehen zu stiften, findet man in einer Dampfschiff-Actien- Gesellschaft, die zwischen Milwaukee und Chicago während der Sommermonate mit ihren Dampfern eine regel­mäßige Verbindung unterhält. Milwaukee ist schon feit Jahren btr Zufluchtsort aller Derjenigen, die schnell und ohne Umständlichkeiten das Band der Ehe schließen wollen. Es ist nachgewiesen, daß ein einziger Geistlicher, der Reverend Mr. W. A. Hunsberger zu Milwaukee, auf diese Weise jährlich 2000 Paare eingesegnet hat. Die unternehmende Dampfergesellschaft übersandte kürzlich 20600 Einladungen an junge Herren Chicagos und der umliegenden Städte, in denen den Betreffenden kostenfreie Trauung in Milwaukee selbst und freie Reise auf einem der Gesellschaft gehörenden zwischen Milwaukee und Chicago in Verkehr stehenden Dampfer gewährt werden sollte. Denjenigen aber, die bie Trauung währenb ber Fahrt auf dem Dampfer selbst in Gegenwart der übrigen Reisenden würben stattfinden lassen, wurde die Zugabe von 25 Dollars zugesichert. Eine sehr wichtige Veranlassung zu dieser Speculatlon gab jedenfalls die kürzlich bekannt geworbene Thatsache, baß zu Milwaukee im Staate Wisconsin die Brautleute keiner staatlichen Heirathserlaubniß bedürfen, um eine Ehe einzugehen, was in Chicago nicht der Fall ist. Dann aber rechnet man hauptsächlich darauf, daß die bräutlichen Paare von zahlreichen Freunden und Ver­wandten begleitet warben, bie selbstverstänblich ihre Ueberfahrt bezahlen. Die unterwegs nothwenbige Verpflegung ber Braut­leute wie der Gäste sichert der Gesellschaft ebenfalls gute Einnahmen, die sich ganz betlächtlich erhöhen dürften, wenn die Trauung gar an Bord stattfindet. Wie versichert wird, sind die betreffenden Einladungen so zahlreich angenommen worden, daß ungefähr 500 Personen täglich die Fahrt nach Milwaukee machen werden und Hunderte von Liebespaaren die Trauung auf dem Schiffe während der Fahrt in Aussicht gestellt haben.