Ausgabe 
1.7.1898 Erstes Blatt
 
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gerade tu 1 t Tagung, in welcher so einschneidende

Vorlagen t . i unsere innere Politik zur Erörterung

gestellt w für einen Uebelstaud, daß, bei den

bestehender i Kampfgruppen, die parlamentarische

Lage fortgeseyr uuytw.fi bleibt und daß auf eine sichere Mehrheit für oder wider nicht gerechnet werden kann, daß also, an Stelle der Politik der großen Gesichtspunkte auch in den kommenden fünf Jahren immer nurvon Fall zu Fall" verhandelt undgehandelt" werden muß.

Dank de- Großherzog- von Weimar. Die Weiwarer Ztg." veröffentlicht die folgende Danksagung: Ein erhebendes, seltenes Fest ist Mir soeben zu feiern be- schieden worden, und in demüthiger Dankbarkeit gegen die Führung des Himmels blicke Ich auf die vergangene Zeit zurück, eine Zeit, reich au Beweisen göttlicher Gnade, die Mir und den Meinigen widerfahren find. Wie herrlich fich diese auch au uns offenbart hat, nirgends ist sie Mir doch beglückender entgegengetreten, als in der immer gleichen, liebevollen Theilnahme Meiner LaudeSkiuder. Eine treue Begleiterin aller Ereigniffe in Meinem Hause, der freudigen, wie der traurigen, hat diese schöne Herzensempfindung auch der letzten Geburtstagsfeier gleichsam eine höhere Weihe ver­liehen- tief bewegen Mich die unzähligen Kundgebungen an­hänglicher Gesinnung, deren Anlaß der gestrige Tag gewesen ist, und erfüllen Mein Herz mit inniger Dankbarkeit. Auf daS Freudigste bezeuge Ich diese durch den erneuten Ausdruck Meiner allbekannten laudesväterlichen Gefühle und hege daS feste Vertrauen, daß mit Gottes Hilfe die bisherige enge Gemeinschaft zwischen Meinem geliebten Lande und seinem angestammten Fürstenhause fortbesteheu werde bis in die fernste Zeit, als sicherstes Unterpfand einer glücklichen Zukunft.

Wilhelmsthal, den 25. Juni 1898.

Carl Alexander.

Leider ist der Geburtstag des GroßherzogS dadurch getrübt worden, daß bei der an diesem Tage stattgehabten Stichwahl im Wahlkreise Weimar-Apolda der Socialdemokrat den Sieg davongetragen hat. Der Großherzog soll beim Empfang der Nachricht schmerzlich geäußert haben:DaS hat mein Han­um Stadt und Land wahrlich nicht verdient!"

Berlin, 30. Juni. Der künftige Reichstags- Präsident. DieGermania" schreibt in ihrer letzten Abendausgabe, daß daS Centrum als stärkste Partei des Reichstags wieder die Stelle des ersten Präsidenten zu be­setzen haben werde und daß, da Herr v. Buol dem neuen Parlament nicht mehr angehöre, die Annahme nahe liege, Graf Ballestrem werde von seiner Partei als erster Präsident in Vorschlag gebracht werden.

Berlin, 29. Juni. Die Zahl der Socialdemo- k rat en im neuen Reichstag beträgt, nachdem in der Stich­wahl ihnen auch München I abgeuommen ist, 56. Sie hatten im Reichstag bisher 48 Sitze inne, von diesen verloren sie 13. Neu gewonnen haben sie 21.

Berlin, 30. Juni. Eine Verbesserung der Reichstagswahlstatistik scheint angebahnt zu werden. Die Wahlcommiffare find nämlich angewiesen, dem Statistischen Amte außer der wie bisher sofort eiuzusendendeu Ge- sammt-Ueberficht für den Wahlkreis spätestens zehn Tage nach Vornahme der Hauptwahl (engeren Wahl, Neuwahl, Ersatzwahl) eine Abschrift der von ihnen für die ReichStagS- wahlacten aufzustellenden Generalzusammenstellung der Ab- stimmungS-Ergebniffe aus sämmtlichen Wahlbezirken zugehen zu laffen, und zwar unter Aufrechnung der Summen für die einzelnen Kreise (Oberämter in den hohenzollern'schen Landen), sowie für die mehrere Wahlbezirke umfaffendeu Stadt- und Landgemeinden.

verlin, 30. Juni. Einen bedeutungsvollen Erfolg hat derReichScommiffar für die Pariser Weltausstellung, Geh. RegterungSrath Dr. Richter, bei einer Besprechung über die Weltausstellung zu verzeichnen gehabt. ES wurde dabei vereinbart, daß die derNorddeutschen Wagenbau- Bereinigung" angehöreuden Anstalten sich inSgesammt an der Pariser Weltausstellung betheiligen und ausstellen werden: einen Spetslwagen, einen Salonwagen, einen Aussichtswagen, einen Kranken-Salon-Wagen, einen V-Wagen 1. Klaffe, einen Schlafwagen neuesten preußischen Typs, einen Brief-Post­wagen und unter Umständen noch zwei Wagen 2. u. 3. Klaffe. Auf dem Ausstellungsplatze werden hierfür 170 Meter Geleise zur Verfügung gestellt werden und im Ganzen für diesen Zweck 1700 Raummeter verwendet werden können. Die nächste Besprechung soll im October in Paris stattfinden.

Ars-Unsd»

Paris, 29. Juni. Die Aufnahme, welche das neue Miutsterium Seitens der Blätter findet, ist eine stark getheilte. Die gemäßigten und conservativ-republikanischen Blätter erwarten bereits morgen anläßlich der Debatte über die allgemeine Politik eine entschiedene Niederlage. Dagegen hoffen die radicalen Blätter, daß fich für das Ministerium eine genügende Majorität finden werde.

Madrid, 29. Juni. Heute unterzeichnete die Königin- Regentin ein Decret, welches die sofortige Bildung einer Division von Hilfskreuzern verfügt. Die sion besteht aus den mit Artillerie versehenen Schiffen

s HI., Joaquim, Pielago, Ciudado de Cadiz und

,.vüX.

Madrid, 29. Juni. General Blauco telegraphirte an die Regierung, daß fich die Landung der InsurgenUn« führer Sanguilla und Bethencourt mit 1000Manu Artillerie und zahlreicher Munition in Baues (Pinar del Rio) bestätigt.

Madrid, 29. Juni. Nach aus Port Said hier ein- getroffenen officielleu Meldungen befindet fich das spanische Geschwader bereits auf der Durchfahrt durch den Suez- Canal.

Madrid, 29. Juni. Nach officieller Meldung aus Santiago zieht fich das amerikanische Landung-- Corps infolge der in den letzten Gefechten erlittenen

Schlappen nach der Küste zurück und errichtet dort verschanzte Lager, in welchen er Verstärkungen abwarten will.

Madrid, 29. Juni. Au- Manila wird gemeldet, daß auf Ersuchen des Gouverneurs der Commandant de- spanischen Geschwader- Befehl erhielt, Manila vor weiteren Angriffen der Insurgenten zu schützen.

Madrid, 29. Juni. Nach einer Meldung aus Manila find die nach dem General Mouet und seiner 1000 Mann starken Abtheilung auSgesandten Boten unverrichteter Sache zurückgekehrt. Der größte Theil der Insel Luzon hat fich wegen Mangels an Lebensmitteln ergeben, ebenso General Pena, weil fall alle seine Leute, welche Eingeborene waren, zum Feinde übergegaugen find. Mehrere reiche Spanier, darunter auch die Gouverneure verschiedener Provinzen, haben fich nach Cavite geflüchtet. Die Aufständischen halten Manila mit 25000 Mann etngeschlossen. Alle Verbindungen nach außen find abgeschnitten. Da- spanische Geschwader wird in Manila stündlich erwartet, da die Lage unhaltbar ge­worden ist. _

Gibraltar, 29. Juni. Bei Cadiz find 1500 Mann Verstärkungen und eine Batterie Artillerie augekowmen.

Cocate» rrird j-eovinzieUes.

Gießen, 30. Juni 1898.

* * Empfang. Seine Königliche Hoheit der Groß­herzog empfingen am 29. Juni u. A. den Major Gold­man n, Batatllon-commaudeur im Infanterie-Regiment Nr. 28, den Pfarrer Euler von Gießen, den Polizeicommiffär Ortwein von Nauheim.

* * Ernennungen. Seine Königliche Hoheit der G r o ß - Herzog haben Allergnädigst geruht, die Geometer 1. Klaffe Johann Heil au- Schlitz und Friedrich Lohne- au- Höchst i. O. zu Katasteringenieuren bei dem Katasteramt zu ernennen.

* Auszeichnung. Seine Königliche Hoheit der Groß- herzog haben Allergnädigst geruht, am 28. Mai l. I. dem Forstwart der Forstwartei Ilbeshausen, Förster Friedrich Möuuig zu Ilbeshausen aus Anlaß seines am 29. Juni l. I. eiutretenden fünfzigjährigen DieustjubiläumS das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen.

* «rbeiter.Wohnnngen. GroßherzoglicheS Ministerium des Innern hat genehmigt, daß der Vorstand der Ver­sicherungsanstalt Großherzogthum Hessen zu Darmstadt Darlehen auf Arbettrrwohnungen auch unmittelbar an Arbeiter gewährt. Der Zinsfuß ist auf 3pCt. ermäßigt, es muß jedoch jährlich mindestens lpCt. auf die Schuld abgetragen werden, und die Beleihung darf bis höchsten- % der Schätzung stattfiuden.

Zn Betreff der Allgemeinen Bauordnung hat der Ab­geordnete Schönberger eine Anfrage an Großh. Mini­sterium gerichtet welche lautet: Die in der allgemeinen Bau­ordnung vorgesehene Baugenehmigung wird von den Ber- waltung-behörden theilweise durch Verfügungen bethätigt, welche unveraulaßte erschwerende Vorschriften und Beding­ungen der Bauerlaubniß enthalten und zu bedauerlichen Störungen, Verzögerungen, Mißständen und Nachtheileu von Staatsbürgern geführt haben. ES ist weiter schon vorge- kowmen, daß gegenüber definitiv ertheilter Bauerlaubniß auf ganz.einseitige, grundlose Einsprachen dritter Personen ohne Weiteres von Berwaltuug-behörden Einhalt geboten, und die bereits ertheilte Bauerlaubniß demnächst mit ganz neuen erschwerenden Bedingungen versehen worden ist, welche fich al- uuvöthig herausgestellt haben. Durch derartige Vor­gehen haben fich gleichfalls jahrelange Verzögerungen und große Benachtheiligungen ergeben. Der Unterzeich­nete erlaubt fich die ergebenste Anfrage an Großherzog­liches Ministerium: 1. ob dasselbe Kenutniß von solchen Mißständen und deren Folgen hat, 2. wa» GroßherzoglicheS Ministerium zu thun gedenkt, um solchen Mißständen entgegen zu wirken, 3. ob GroßherzoglicheS Ministerium beabfichtigt, in solchen Fällen den dadurch beschädigten Staatsbürgern Ent. schädigung zu Theil werden zu laffen.

Am Gießener VolkSbad wird im Innern lebhaft weitergeschafft. Ja den nächsten Tagen wird man die erste Probefülluug deS großen Schwimmbassins vornehmen, um dasselbe auf seine Dichtigkeit zu proben. Als Termin der Fertigstellung des Bade- ist Anfang September in Aus­sicht genommen.

Unsere Radfahrer Kolonie vermehrt fich immer mehr. Zu den Ravfahrern Opel, Verheyen, Derossi, Cisotti, Dnill, Boggio, welche sämmtlich in Gießen wohnen, und den Ge­brüdern DöngeS wird in den nächsten Tagen der Italiener Miuozio kommen. Die Radler erklären sämmtlich, daß fie Gießen als Wohnort vorziehen, weil fie erstens die ganz vorzügliche Rennbahn für ihr Training schätzen und weil eS fich im Allgemeinen hier gut und solid leben läßt.

Lahuthal Sängerbund. In dem durch seine reizvolle Lage weithin bekannten Marburg, begeht vom 9. biS ll.Juli d. I. der vor 38 Jahren aus nationaler Gefinvung hervor» gegangene Lahnthal-Sängerbuod sein 22. Bundesfest. Gegen 500 Sänger des Lahn- und DillthaleS werden fich dort zusammeufinden, um in edler Begeisterung vaterländische Schöpfungen hervorragender Meister der Ton- und Dicht­kunst, sowohl im Kunstgesang wie auch besonders im Volks­lied, in Gesarnmtchören wie in Einzelvorträgeu zu Gehör zu bringen. Den Theilnehmern an diesem Feste, da- im Ueb- rigen volkSthümlich ausgestaltet ist und zu deffen Wohlge­lingen fich alle Stände und Berufskreise vereinigt haben, stehen genußreiche Tage bevor. Da- wird für viele Fremde, selbst auf weitere Entfernungen hin, eine willkommene Ge­legenheit sein, da- freundliche Städtchen, seine wunderbar schöne Umgebung, und vor Allem seine gastlichen Einwohner kennen zu lernen, für viele Andere, die Marburg au- ähn­lichen Veranstaltungen kennen, ein Anlaß sein, dorthin zu gehen, um in Erneuerung alter Verbindungen freudige Er­innerungen an schönverlebte Tage aufzufrischeu. Die Fest­

ordnung ist wie folgt ausgestellt: Samstag den 9. Juli: Don 7 bi- 12 Uhr: Concert der Capelle des Hessischen Jäger-BataillovS Nr. 11 (Königin Margherita von Italien). Gesellige Unterhaltung. Abends 10 Uhr präcis Turnerische Aufführungen von Mitgliedern der Turngemeinde Pyramiden) auf dem Festplatze. Sonntag btn 10. Juli: Don 9 Uhr vormittags ab: Empfang der auswärtigen Sänger und Gäste am Hauptbahnhofe. 11 Uhr Dormittags: Be­grüßung der Sanger durch den Fest-Vorsitzenden Herrn Bürger­meister Siebert auf dem Feftplatze. Anschließend daran: Generalprobe der Gesammtchöre. 2*/, Uhr Nachmittags: Aufstellung des Feftzuge- tu der Bahnhofstraße. 3 Uhr: Abmarsch deS FestzugeS durch die Hauptstraßen der Stadt nach dem Festplatz. Ansprache des Herrn LandgerichtSrath Gleim. Instrumental- und Vocal-Concert der gesummten Jägercapelle und der Bundesvereine. 8 Uhr Abends bis 2 Uhr Nachts: Abwechselnd Tanz und Concert von der Marburger Stadtcapelle bezw. Jägercapelle. Montag den 11. Juli: 7 Uhr Morgens: Weckruf von der gejammten Jägercapelle. 9 Uhr: Sammeln der Festtheilnehmer am Rudolph-Platz zum Ausflug nach dem Kaiser WilhelmSthurm. Daselbst Concert der gesummten Jägercapelle. 12 Uhr: Rückmarsch nach der Stadt bis zum Marktplatz mit der Mufikcapelle an der Spitze. 4 Uhr Nachmittags bis 11 Uhr Abends: Concert der gesummten Jägercapelle, abwechselnd mit Tanz von 4 Uhr Nachmittags bis 2 Uhr Nachts (Stadt- capelle). 10 Uhr präcis: Turnerische Aufführungen von Mitgliedern der Turnvereins (Pyramiden in Verbindung mit Marmorgruppro).

Eine für Zagerkreife wichtige Entscheidung hat vor Kurzem daS Kammergericht gefällt. Ein Jagd- berechtigter im Kreise König-berg Nm. war, als er sein Jagdgebiet verlaffen hatte und sich auf dem Heimwege be­fand, von einem GenSdarmen ungehalten und nach seinem Jagdschein gefragt worden. Er verweigerte dem Beamten die Vorweisung der Legitimation, da er keine Veranlaffung habe, dies außerhalb des Jagdgebietes zu thun. Er wurde dann zur Anzeige gebracht und erhielt ein Strafmandat. Gegen dieses erhob er Widerspruch uud beantragte richter­liche Entscheidung, wobei er die Sache durch alle Instanzen bis zum Kummergericht führte, dus endlich den Full zu seinen Gunsten entschied, indem el erklärte, der controllirende Be­amte habe nicht daS Recht, die Jäger vor uud nach der Jagd nach den Jagdscheinen zu fragen. In der Begründung der UrtheilS heißt eS:Die Jagd übt nur Derjenige aus, der jagdbaren Thieren nachstellt, um fie todt oder lebendig in seinen Besitz zu nehmen. Wenn aber ein Jagdberechtigter, nachdem er auf seinem Jagdgebiete die Jagd auSgeübt hat, es verläßt und fich außerhalb desselben auch noch mit Ge­wehr und Jagdgerätdeu versehen und seine Jagdbeute tragend, auf dem Heimwege befindet, so übt er die Jagd nicht mehr auS, denn er stellt nicht jagdbaren Thieren nach.

» Religions-StatisttscheS. Nach den Mittheilungeu der Hessischen Centralstelle für LaudeSstatiftik find im Jahre 1896 im Großherzogthum Hessen 102 Uebertritte von der katholischen Religion zur protestantischen erfolgt und 10 von der protestantischen zur katholischen. Unter den bürgerlichen Eheschließungen gab e» 577, bei denen die Frau katholisch, 651 bei denen der Mann katholisch ist. Davon wurden durch protestantische Pfarrer getraut 295 Paare, bei denen die Frau und 223, bei denen der Mann katholisch war. JnS- gesammt wurden 6583 protestantische Ehen civiliter, davon 5618 auch kirchlich geschloffen. Die Zahl der auS Mischehen geborenen Kinder betrug 3943; davon wurden durch pro­testantische Pfarrer 1097 getauft, deren Mutter und 635P deren Vater katholisch ist. InSgesammt wurden 20830 Kinder protestantisch getauft. Die Gesammtzahl der Confirmirren betrug 14028, davon hatten 623 eine katholische Mutter und 307 einen katholischen Vater.

Bade-Regeln. Man bade entweder am frühen Morgen oder am späten Nachmittag, nie nach eben vollendeter Mahl­zeit. Vor dem Baden vermeide man jede Aufregung uud allzu große Anstrengungen, namentlich sorge man für eint mittlere Körpertemperatur und durch langsamer Entkleiden für eine allmähltge Abkühlung. DaS Herumlanfeu und Herum- lungern vor uud nach dem Baden uud in den Pausen muß streng vermieden werden. Etwaige Erkältungen find auf diese Unfitte zurückzuführen. Nachdem mau daS Waffer verlaffen hat, reibe mau fich nicht nur trocken, sondern warm, lege schnell die Kleidung an und mache noch einen Spaziergang, bis die gewöhnliche Körpertemperatur erreicht ist. DaS Baden erfüllt seinen Zweck nur halb, wenn eS nicht mit Schwimmen verbunden ist. Abgesehen davon, daß Erkältungen und Er­trinken in der Regel den Nichtschwimmer treffen, gibt eS wohl kaum eine Bewegung, die alle Theile des Körpers so gleich­mäßig beschäftigt wie daS Schwimmen. Dem Krampf im Waffer fallen jährlich viele Personen, darunter vorzüg­liche Schwimmer, zum Opfer. Der bis zum letzten Augen­blick noch muntere Schwimmer macht plötzlich ungewöhnliche Bewegungen mit den Armen, finkt lautlos in die Tiefe und verschwindet zum Schrecken der Badenden derKrampf hat ihn befallen!" In Wirklichkeit aber ist es niemals Krampf im gewöhnlichen Sinn, der den Schwimmer befallen hat. Das schnelle Nachlaffen der Muskelkraft wird dadurch erzeugt, daß Schaum oder Wafferstaub in den Schlundkops mit der Einathmung gelangt und in die Luftröhre eindringt oder, wie es im BolkSmund heißt, in diefalsche Kehle" ge» räth, wodurch eine fast augenblickliche Stockung sämmtlicher AthmungSorgane eintritt. Kommt daS Waffer bei Beginn einer Athmung in die Luftröhre, wenn die Lungenflügel ganz luftleer find, so finkt der Körper sofort. Wenn daher die Mitbadenden bemerken, daß Jemand beim Baden ungewöhn- liche Bewegungen macht, so müffen fie sofort Hilfe leisten, weil der Betreffende unter den beschriebenen Umständen keinen Hilferuf uuSstoßen kann.

Vom südlichen Odenwald, 28. Juni. In den letzten Tagen wurde in dec hiesigen Gegend mit der Heidel