Ausgabe 
30.11.1897 Erstes Blatt
 
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ber Gesamt-Labi nei- angenommen unb bell Freiherr« Gautsch von Fravkeothura mit der LabtnetSbildung betraut.

Wieo. 28. November. (Son einem Privat-Lorreson- deuten.) Taufende von Menschen erfüllten heute Nachmittag den FranzenSring unb ben RathhauSpark. Die Menge ver­anstaltete stürmische Kundgebungen gegen ben Grafen Babeni. Die Passagiere ans ben Pferdebahnen «nb Omnibussen stimmten in bie Rufe mit ein. Plötzlich trat Stille ein. ES verbreitete sich baß Gerücht von der Dewisfion deS Grafen Babeni. Wachinspectoren unb Wach­leute erklärten, sie seien beauftragt, mitzutheilen, baß Graf Badeni demisfionirt hätte. Der Bürgermeister Dr. Lueger verkündete die Nachricht auß feinem Wagen, alß er burch bie Meoschenwaflen fuhr, unb wieberholte fie bann auß einem Fenster beß RathhauseS, indem er noch mittheilte, daß der bisherige Unterr'chtSwtnister Gautsch von Frankenthnrn mit brr Neubildung beß Cab inet« beauftragt sei. Jetzt ist alleß ruhig.

Wie«. 28. November. Eine Kundgebung beß Rectorß der Unioerfität tbetlt ben ©tubenten bie Schließung der Universität für morgen ober übermorgen mit unb warnt vor Ausschreitungen unter Androhung bauernder Schließung ber Univerfilät. Auch vor Conflicten mit der Polizei, bie die Abficht kundgab, die Universität nicht mehr burch ihre Wachorgane betreten zu lassen, wirb gewarnt.

Prag. 27. November. Anläßlich ber Ankunft einiger oppositioneller Abgeorb neter an« Wien sammelte fich eine größere Menge, zumeist Arbeiter unb Stubenten, am Bahnhöfe an und zog. von ber Polizei zerstreut, in die Stabt. Auf dem Wenzelsplatze wurden die Wachleute mit Steinen beworfen, zogen daher blank und zerstreuten die Menge. Zwei Personen wurden verhaftet.

Nevyork, 28. November. Kaiser Wilhelm kaufte dir MachtAampa" an.

Depesche» beß BureauHerold.*

Cerlin, 28. November. Auf dem ausgedehnten Fabrik- grundstück der Bank für Sprit« und Productenhandel erfolgte gestern Abend kurz vor 7 Uhr eine gewaltige Explosion. Der Luftdruck drückte eine Wand beß Filtrationßhauseß ein, toobei zwei Filtermeister von den herabstürzendeu Mauersteinen getödtet wurden.

Frankfurt a. M., 28. November. Halbeß.Mutter Erde" hat bei seiner gestrigen Erstaufführung im hiefigen Schauspielhause zwar nicht gleich anfangß aber doch allmälig die Zuhörer zu warmem Beifall herausgefordert. Darstellung ond Zusammenspiel waren vorzüglich und gaben auch daß tief beabfichttgte Eolorit der Landschaft wieder. Die Haupt­rollen wurden von den Herren Bauer, Bolz und Diegelmann, sowie den Damen Boch, Landort und Freund äußerst an­sprechend durchg-führt.

Wien, 28. November. Der Präsident beß Abgeordneten­hauses, Adrahamowitsch, hat eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft gegen den Abgeordneten Dr. Lecher erstattet, in welcher dieser beschuldigt wird, ein Tintenfaß gegen den Präsidenten geschleudert zu haben. ES liegt aber kein Beweis vor, daß Dr. Lecher das Tintenfaß wirklich ge­schlendert hat.

Wie«, 28. November. Die Demonstrationen vor dem Parlamente dauerten den ganzen Abend fort. Vielfach war es eine Wiederholung desselben Vorgänge«.

Wien, 28. November. Wie verlautet, hat der Kaiser dem Grafen Badeni folgendes Handschreiben zugehen lassen: ^Lieber Graf Badeni! Ich finde mich veranlaßt, die Ver­tagung b Reichßratheß btß auf Weitere« zu ver­fügen."

Budapest, 28. November. Mehrere Arbeiterführer begaben sich mit mehreren Hundert Arbeitern von Neu«Pest nach Wien.

Graz, 28. November. Vom boßnifchen Regiment, da« bei den gestrigen Unruhen mit Steinen beworfen wurde, wurden in der Murgasse zwei Personen getödtet und zwei Personen schwer verwundet. Die Boßniakev räumten bann d e Straße mit dem Bajonet.

Wie«, 29. November. Der gestrige Tag brachte der Stadt Wien eine vorläufige Klärung in der politi­schen Lage. Die Ereignisse begannen mit den Demon­strationen der Arbeiter, welche 10 Versammlungen etnberufen hatten, um gegen daß Sabinet Badeni, da« Präsidium de« Abgeordnetenhauses und die Vorgänge der letzten Tage Stellung zu nehmen,- sieben solcher Versammlungen wurden aufgelöst. Nach Beendigung der Meetings durchzogen etwa 20000 Arbeiter die Stadt, um sich nach der Ringstraße zu begeben. Hier hatten sich vorher zwsschen dem Parlaments- und UniversttätSgebäude große Demonstrationen der akademi­schen Jugend abgespielt. Die Studenten bewegten sich un­aufhörlich, fangen nationale Lieder unb riefen:Weber Badeni! Nieder Abrahamowicz." Als sich dcistn die Arbeiter heranzogen und sich eine weitere große Menschenmenge hinzu- gesellte, ging plötzlich um die Mittagszeit eine kolossale Be­wegung turch die Massen. Ein Theil der Menge zog zum Ministerpräfidium, um dort eine Katzenmusik zu veranstalten, während ein anderer Theil zu dem LandgerichtSgebäude zog, wo es bereits zu großen Tumulten gekommen war. Daselbst hatten sich etwa 500 Arbeiter unb Studenten angefammelt und riefen: »H-rau« mit Wolff". Eine Abtheiluvg Husaren zersprengte die Tumultuanten mit gezogenem Säbel. Die Demonstranten sammelten sich jedoch wieder vor dem Rath- Hause, wo berittene Polizisten in die Menge hineinsprengten. Hierbei wurden zahlreiche Personen verwundet und etwa 15 Verhaftungen vorgenommen. Al« sich die Demonstrationen dann vor dem Parlamentsgebäude wiederholten, sprengten abermal« Husaren, diesmal ungarische, heran und zerstreuten die Menge. Die Aufregung legte sich erst, als die angeordnete Vertagung beß Parlament« bekannt wurde und sich bie Meldung verbreitete, Badeni sei gestürzt. Al« Lueger Nachmittag« von einer Audienz beim Kaiser kam, ver­

kündete er vom Balkon de« Rathhanse« an« die erfolgte Entlassung Badeni«. Extrablätter verbreitete« zuerst die Vertagung de« Reichßratheß und bann ben Rücktritt beß (Kabinettß. Um 8 Uhr Abend« wurde Wolff au« der Haft entlassen. Der Kaiser empfing Nach­mittag« Badeni, Banffy, Welferßheimb und Gautsch. Sodann fand eine Ministerconferenz statt, von wo au« Badeni dem Kaiser die sofort beschlossene Demission beß ttabinctß überbrachte.

toten, 29. November. Gerüchtweise verlautet, baß baß Sabinet Gautsch folgendermaßen gebildet wird: Gautsch Übernimmt daß Präsidium, eventuell auch Innere«, Marqui« Baßquehem Innere« eventuell Handel, Graf Latour Unter­richt, Sectionßchef Wittek Eisenbahn. Justiz und Ackerbau find noch unbesetzt, von alten Ministern bleiben der Lande«- vertheidiguugßminister Welferßheimb unb Rittner.

r. .....- .. .

CocaXes Mttb provinziell«,

Gießen, den 29. November 1897.

* * Empfang. Seine Königliche Hoheit ber Großh er­zog empfingen am 27. November u. A. ben Kreißbauinspector Funk von Büdingen, den Dr. med. Schott von Nauheim.

* Parlamentarisches. Die zweite Ständekammer ist für den 7. Decewber etnberufen. Der Zusammentritt erfolgt zu einer einwöchentlichen Tagung.

Kirchliche Dienpnachrichtt». Ernannt wurden: Pfarrvikar Krauß zu Dortelweil zum Pfarrverwalter in Nauheim, Dekanat Groß-Gerau- Pfarramtßcandtdat Mahr zu Eberfiabt zum Pfarrverwalter in Dortelweil, Dekanat Rodheim; Pfarrvrrwalter Stotz zu Beuern zum Pfarr­vikar in Rodheim a. d. H., Decanat Nidda; Pfarrverwalter Kumpf zu Ermenrod zum Pfarrverwalter in Weningß, Dekanat Büdingen,- Pfarrvikar Gürtler zu Frei Lanberß. heim znm Pfarrverwalter in Engelrod, Decanat Lauterbach - Pfarramtscandidat Georgi zu Gießen zum Pfarrverwalter in Ermenrod, Decanat Grünberg.

H. Stadttheater. Die gestrige Sonntagß-Borstellung brachte ein zwar alte«, im Repertoire der Gegenwart sich fremd sühlendeß, aber doch gern gesehenes Stück, nämlich die ZauberposseDer Verschwender" von Ferd. Raimund. E« ist dies des alß bedeutender österreichischer Bühnendichter und Begründer der humoristisch gemüthlichen volkßpoffe be­kannten Verfassers letztes, ja bestes Werk. In Gemeinschaft mit dem namhaften Lieder- und Operncomponisten Conradin Kreutzer, der alle Werke Raimund« musikalisch wirksam auß» stattete, war durch' dessen so Überauß melodiöse Mufik dem Stück von vornherein der Erfolg gesichert, waß bet seinem Erscheine« (1834) sich bewahrheitete und populär werden ließ, ja, daß darin vorkommende LiedDa streiten sich die Leut herum" ist heute noch im DolkSmund und wird gern gesungen. Die moralifirende Tendenz beß Stücke« unter Zuhilfenahme einer acß dem Zauberreiche für da« Geschick de«Verschwender«" bestimmten und in dessen Schicksal ein­greifenden Fee, sowie deren dienstbarem, alß Bleuler er­scheinenden Geist war in damaliger Zeit daß sich behauptende Gebiet beß Wirksamen unb Eindrucksvollen. Die Wieder­gabe unsere« Ensembles traf im Ganzen den richtigen Ton unb erfreute burch flotte« Spiel bet wirksamer Jnscentrung. Alle Mitwirkenden tyatrn ihre volle Schulbigkeit, so daß wir unß nicht in Aufführung der Einzelleistungen zu verlieren brauchen. Die erzielte W rkung auf daS gut besetzte HauS war, sowohl in den humoristischen, alß ben ernsten Scenen, ein mächtige, wie der lebhaft sich kundgebende Beifall bewteß.

Pr. Concertverein. Das gestrige zweiteConcert deß LoncertvereinS vermittelte uns die Bekanntschaft mit Fräulein Lilian Sanderson, einer Künstlerin von bedeutendem Ruf und hervorragender Begabung, für deren Engagement jeder Musikfreund dem Vorstand aufrichtig darkdar sein wird. zeugt sicher vom guten Geschmack unseres musikalischen Publikum«, daß trotz anderer, namentlich daß einheimische Jntereffe berührender Veranstaltungen sich die Gelegenheit, diese vorzügliche Sängerin zu hören, nicht entgehen ließ und den großen Saal de« GesellschastSverein« nahezu bi« auf den letzten Platz füllte. Fräulein Sanderson theilt mit vielen ihrer (Kolleginnen eine mustergültige TextauSiprache, die den Blick in di- dem Programm beigegebenen Liedertexte gern vermissen läßt und gestern besonder« in dem gesprochenen LiedRosentage" in schönster Weise zur Geltung kam- ihr glockenreiner, wohllautender Mezzosopran zeigt in allen Lagen eine seltene Ausgeglichenheit, die im Verein mit einer leichten, außerordentlich reinen Intonation jedem ihrer Vorträge zu erhöhter Wirkung verhilft- wa« aber ihrem Gesang die rechte Würze giebt, ist die von jeder Effekthascherei und Ulbertreibung freie Vortragsweise, die ohne alle Künstelei und doch in höchster künstlerischer Vollendung die einzelnen Pointen genügend hervorhebt und den Zuhörer, er mag wollen ober nicht, einfach für sich einnimmt. Daß Fräulein Sanderson unter solchen Umständen sich die Herzen des Publikum« im Sturm eroberte, ist kein Wunder, obgleich sie mit der Wahl mancher Lieder sicher nicht jedem Geschmack gerecht geworden sein mag. In solcher Interpretation, wie in der gestrigen, läßt man auch mal Bungert« monotonen Sandträger" über sich ergehen. Der Beifall de« Publikums war sehr lebhaft und herzlich unb wurde sichtlich bedauert, daß sich die geschätzte Künstlerin nicht noch zu einer Zugabe verstand. In Herrn Arthur Speed, der die Begleitung der Lieder übernommen hatte und Solostücke von Schumann, Mendelßsohn, Rubinstein, Chopin und Paderewßki vortrug, lernten wir einen Pianisten kennen, der über eine brillante Technik unb einen weichen, modulationSfähigen Anschlag ver­fügt. Seine Begleitung der Gesänge war in jeber Beziehung einaanbfret unb schmiegte sich ber Vortragsweise der Sängerin auf« Innigste an, ein Umstand, ben wir im letzten Gura Concerte leider arg vermißten. In den Solostücken für Pianoforte hätte eine tiefere Auffassunz nicht geschadet, namentlich hätten die Cornpofitionen von Chopin Wirkung«, voller vorgetragen werden können. Im Großen and Ganzen

bot da« zwette diißjähr ge Concert einen hohen Genuß und der Vorstand de« Concertverein« darf versichert fein, daß gestern jeder Concertbesucher den Clnbsaal befriedigt ver­lassen bat.

H. LiederkranzLoucert. Au« Anlaß seine« 60jährigen ehen« veranstaltete der Gesangverein Lieder- sr»=i i estern in Stein« Saalbau eia in größerem Rahmen gehattene« Concert, welche«, wie wir vornherein constatiren wollen, einen sehr schönen Verlauf nahm. Da« Programm

war ein reichhaltige« und wurde in

anerkennenSwerther

Seile

durchgeführt. ES enthielt zwei, den Anfang und den Schluß bildende Gesamnttchöre, bei welchen außer dem jubiläumS- feiernden Verein noch die Gesangvereine Bürgergeselllchaft, Harmonie, Heiterkeit, Kronbaner'sche« Quartett unb Sänger- kränz mitwirkten, neun Männerchöre, Soliß für Sopran unb Bariton, sowie vier musikalische Nummern, welche vot einem Theil unserer RegimentScapelle unter Leitung de« Herrn Mufikdirectorß Krauße außgesührt würben. Unter Leitung beß Dirigenten, Herrn Franz Bauer, dessen Tüchrigkeit rühmlichst bekannt, kamen die Gesangßvorträge zu Gehör. Den Reigen eröffnete der Gesammtchor durch eine Motette

für Männerchor mit orchestraler Begleitung,Ehre fet Gott in ber Höhe" von Hauptmann, die mächtigen Eindruck her­vorrief. Von den vom Gesangverein Liederkranz gelungenen neun Männerchören waren besonders vorzüglich vorgetragen die volkßthümlichenUaterm Lindenbanm" von Sturm,Die KönigSkmder" undNun leb wohl, du kleine Gaffe" von Silcher, sowie der herrliche ChorWie die wilde Roß" vo« Franz Mair. Wohl mit einer der schönsten Mänverchöre, ungemein stimmungsvoll und von wunderbar klangvoller Corn- Position, istNachtzauber" von A. M. Storch, dessen Wieder­gabe nicht ganz einwandfrei war, da fie eine tiefere Auf­fassung vermissen ließ und der feinfühlig poetische Reiz da­durch nicht zur Geltung kam. In dieser Beziehung bietet ber Chor Schwieriges. Schreiber dieses hatte wiederholt Gelegenheit, denselben anderwärts zumeist mit ben gleichen Fehlern zu hören unb nur der Lehrerverein Frankfurt a. M. bot einst in einem von ihm veranstalteten Concert damit eine in Aufführung und Stimmung vollkommen tadellose Wiedergabe. Der ChorHymne an bat Feuer" hätte burch etwas mehr Begeisterung in der Vortragsweise entschieden gewonnen. Frl. Vetzberg er auß Frankfurt a M. war alß Solistin gewonnen, eine jugendliche Künstlerin, deren Bei­träge vornehme Auffassung und treffliche Schule bekundeten und mit frischem Sopran von Hellem Timbre zu Gehör kamen. Die Stimme reicht für den Concertsaal auß und wird

bei weiterer Außbildung noch an Fülle und Wohlklmig (namentlich in den höheren Lagen zeigt fich eine Härte), so­wie an Sicherheit gewinnen- letztere bet Anwendung vo« (Koloraturen. Die beiden von ihr gesungenen LuderIch liebe Dich" undDer Frühling ist da", sowie ein alß Zu- gäbe gebruchteß Hildach'sche« Lied sprachen sehr an unö wurden durch lebhaftesten Beifall ausgezeichnet. In den LiedernWenn Du kein Spielmann wärst!" und , Gekützi?" von Hoffmann hatten wir Gelegenheit, die schöne Ba-'ton- stimme deß Herrn Theodor Haubach zu hören, mne Vortragsweise hätte jedoch zum Vortheil bei beiden freut ger, feurig - temperamentvoller sein dürfen. Die alß ßnuibe gebrachteTannhäuser Arie" war eine recht gute Leistung. Auch ihm wurden beifällige Ovationen bargebracht. Abwechselnd mit den gesanglichen Darbietungen bot baß Orchester unserer Regimentßrnafik Lachnerß Ouvertüre zur (KantateVier Menschenalter", sowie einige anbete mufi- kalisch bedeutsam hervorragende Piecen, die durch sorg fähige Wiedergabe erfreuten. Den Schluß beß Pro-

grammß bilbete ber Männerchor mit OrchesterKrüh- lingßnetz" von Goldmark, gesungen vom Gesammtchor. Die gemäldereiche Compofition, die vocal unb instrumental vorzüglich executirt wurde, verdiente eigentlich ob ihrer Schönheiten eine besondere Besprechung, wozu leidet diesmal weder Raum noch Zeit vorhanden. Sämmtliche Nummern deß Programm« wurden von dem, den Saal bi« auf den letzten Platz füllen­den Publikum durch lebhaften Applaus ausgezeichnet. Alle« in Allem gab baß veranstaltete Concert einen Brweiß vo« bem großen Können und der Tüchtigkeit beß Bereinßchore«, unter dem wir manchen stirnrnficheren Sängerveteran schauten, sowie feines Dirigenten, der seine Aufgabe, daß deutsche volkßthümliche Lied zu pflegen, mit Hingebung erfüllt. Wir wünschen dem Gesangverein Liederkranz zu feinem gestrige« großen Erfolg anläßlich feines 60 jährigen Bestehen« auch ein .ferneres Blühen und Gedeihen! An da« Concert schloß fich ein Banket an, bei welchem dem Vorsitzenden des Vereins, Herrn Heinrich Wagner, Seiten« des Herrn Provinzialdirectorß v. Gagern eine Auszeichnung, da« sil- berne Kreuz Philipp« beß Großmüthigen, überreicht wurde. Der Toaste auf da« Wohl beß Bereinß wurde eine Menge außgebracht, von denen wir in der Hauptsache erwähnen, daß Herr Beigeordneter Wolff Namen« der Stadt, Herr Ernst Challier Namens der vereinigten Sänger gesprochen, sowie Herr Stadtverordneter Sch mall ben tüchtigen Diri­genten de« Verein» hoch leben ließ.

Der Artillerie-Berei« beging am Samstag im Gießener' Festsaal unter zahlreicher Betheiltgung seiner Familienange­hörigen unb ber anderen hiefigen militärischen Vereinigungen sein zweite« Stiftungsfest. Der Vorsitzende, Herr Platzmeister Bergmann, hielt zur Eröffnung der Feierlich­keiten eine Ansprache, in welcher er nach Begrüßung der Gäste unb einem Rückblick auf bie kriegerischen Ereignisse im November 1870, unsere« Großherzogß unb seiner hohen Ge­mahlin gebuchte, welche in diesen Tagen ihren Geburtstag feierten. Mit dem Wunsche, daß unser Großherzogßpaar de» Lande noch recht lange erhalten bleiben möge, schloß Herr Bergmann seine Ansprache mit einem Hoch ans Se. Kgl. Hoheit den Großherzog und Ihre Kgl. Hoheit die Groß­herzogin. Die zur Feier deö Tage« getroffenen Veranstal­tungen, besonder« die Vorträge de« Bauer'schen Gesang- verein« unter Leitung de« Herrn Polster, fanden den wohl» verdienten Beifall- die TheaterstückeDie Kanone" undDer