Ausgabe 
30.4.1897 Erstes Blatt
 
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zumal in diese für viele schweren Zeiten, durch die Eisen- bahneinnahme beseitigt ist? Könnte an die nothwendige ge­waltige Reform der direeten Steuern in Verbindung mit den Gemeindesteuern ohne diese Etsenbahneinnahme herangetreten werden, au die Aufbesserung der Beamtengehälter, an die Organisation der Beamtevbesoldung? Jeder, welcher die vielfachen, an den Staat fester pochenden Interessen kennt und versteht, kann fich das Weitere auSmalen. Wir begrüßen die neue Aera als eine für das Großherzogthum Heffen noth. wendig gebotene, als eine die Zukunft ficherstellende und als eine in hohem Grade national-fördersame.^

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»Iffl teUsraphtscheS 6flne1penbay»B*r?Kx.

Berlin, 28. April. Die von über 400 Ausstellern aus allen Theilen Deutschlands und Belgiens beschickte Garten­bau - Ausstellung auf dem Terrain der vorjährigen Gewerbeausstellung in Treptow wurde heute Mittag in Au« Wesenheit Ihrer Majestät der Kaiserin durch den Ehren- Präsidenten, Freiherru v. Hammersteiu-Loxten, in Gegenwart vieler hervorragender Persönlichkeiten bei herrlichem Wetter eröffnet. Freiherr v. Hammerstein begrüßte in einer An­sprache die Anwesenden, wies auf die Bedeutung der AuS- ftellung hin und schloß mit einem Hoch auf die Kaiserin. Die Kaiserin machte sodann einen Ruudgang durch die Ausstellung.

Berlin, 28. April. Die ReichStagS-Commission für die GewerbeorduuugSuovelle, betr. die Organisation deS Handwerks, nahm die §§ 81 und 81 a und b der Vorlage, enthaltend die allgemeinen Vorschriften über die Bildung und Aufgaben der Innungen, unverändert au, ferner die §§ 82 und 83, betr. die Statuten der Innungen und die Einrichtung der Verwaltung.

Berlin, 28. April. DaS Leutralcomitv der deutschen Vereine vom Rothen Kreuz, unterzeichnet v. d. Knese­beck, rheilt mit: Nach einer hier eingetroffenen telegraphischen Nachricht auS Konstantinopel hat die Pforte mit Rücksicht auf die günstige Wendung des Krieges und die Aussicht auf baldige Beendigung deffelbeu auf die Entsendung der au- gebotenen Abordnung des LernralcomitsS der deutschen Ver­eine vom Rothen Kreuze unter erneutem Ausdruck ihre» Dankes für jetzt verzichtet. Die Expedition sollte am Donners- tag mit dem Orientexpreßzug von Wien abgehen und am SamStag in Konstantinopel eintreffen.

Berlin, 28. April. Heute ist im Auswärtigen Amte von dem StaatSsecretär Frhr. v. Marschall und dem Gene- ralconsul deS Oranje-FreistaateS für die Niederlande, Muller, ein Freundschaft-- und Hand elsvertrag zwischen dem Deutschen Reiche und dem Oranje-Freistaat unterzeichnet worden.

Berlin, 28. April. Auf die Nachricht von der in Athen herrschenden Gährung hat da- deutsche KriegsschiffKaiserin Augusta" Befehl erhalten, fich vorübergehend nach Pha- lerou zu begeben. Die zur Bewachung der auf Kreta gehifften deutschen Flagge erforderliche Mannschaft bleibt in­zwischen dort.

Berlin, 28. April. Am 16. Juni dsS. IS. findet in Berlin zur Berathung der Einsührung deS Berttllon'schen Systems der Personenfeststellung durchMessungen eine Zusammenkunft der Delegirten der deutschen Bundes­staaten, sowie Oesterreich-UngarnS und der Niederlande statt.

Kastel, 28. April. Die erste fretekirchltche sociale Conserenz unter dem Borfitz des Grasen SolmS beschloß nach den Vorträgen von Weber-Gladbach und Stöcker eine kirchliche ArbeitScommisfion für die Organisation.

Kronberg, 28. April. Der Kaiser unternahm heute früh um halb 7 Uhr eine Spazierfahrt in den Wald am Altkönig. Später besuchte der Kaiser zu Fuß in Begleitung der Kaiserin Friedrich und seiner Schwester, Prinzessin Mar garethe von Heffen, das alte Schloß und die Stadtkirche, für deren Wiederherstellung der Kaiser jüngst eine Dotation von 20,000 Mk. gespendet hat.

Kronberg, 28. April, 3 Uhr 50 Nach«. Der Kaiser ist soeben nach Schlitz abgereist. Kaiserin Friedrich, sowie der Prinz uod die Prinzessin Friedrich Carl von Heffen gaben >hm das Geleite zum Bahnhofe.

Schlitz. 28. April. Der Kaiser ist Abends 7»/a Uhr hier eingetroffen. Auf dem Bahnhofe Salzschlirf wurde der Kaiser von dem Grafen Görz empfangen.

Karlsruhe, 28. April. Die Beisetzung des Prinzen Wilhelm von Baden findet am 1. Mai statt.

Wien, 28. April. Im Gemeivderath verlas der Bürger­meister Dr. Lueger eine Zuschrift des deutschen Botschafters Grafen zu Eulenburg, in welcher mitgetheilt wird, daß Kaiser Wilhelm anläßlich seiner letzten Anwesenheit in Wien 1000 Mk. sür die Armen Wiens gespendet hat.

London, 28. April. Nach einer bei LlohdS einge- gangenen Depesche von der südlich von Neufundland ge­legenen Insel Miquelon ist daS sranzöfische Fischerfahr­zeugVeilland", daS 73 Mann an Bord hatte, infolge Zusammenstoßes mit einem Eisberge gesunken. 69 Manu ertranken, die übrigen vier wurden gerettet, nachdem fie eine Woche hindurch in einem Boote auf dem Meere umhergetriebeu waren.

Depeschen deS Bureau »Herold/

Darmstadt, 28. April. Die Großherzogin von Hessen kehrt am 6. Mai in Begleitung der Kronprinzessin von Rumänien auS Bukarest hierher zurück.

Berlin, 28. April. Der preußische Hof legt für den Prinzen Wilhelm von Baden Trauer auf acht Tage an.

Berlin, 28. April. DaS Staatsministerium trat heute Nachmittag 3 Uhr im ReichStagSgebäude unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe zu einer Sitzung zusammen.

Berlin, 28. April. DieNordd. Allg. Ztg." bestätigt, daß der Hauptmann Morgen vom Greuadier-Regiwent

Prinz Carl von Preußen der deutschen Botschaft in Kon- stantiuopel beigegeben worden ist, um sich als militärischer Berichterstatter nach dem türkischen Kriegsschauplätze zu begeben.

Berlin, 28. April. In der heuügen BormittagSziehung der preußtichen Klaffenlotterie ist ein Hauptgewinn von 200000 Mark auf die Nummer 202497 gefallen.

Königsberg, 28. April. Wie derOstpr. Gen.-Anz." meldet, ist von der deutsch-socialen Reformpartei al« Caudidat für die bevorstehende Reichstagsersatzwahl in Königs- berg der Glasermeister Störmer daselbst aufgestellt worden.

N-m, 28. April. In der ersten Hälfte deS Mai soll der Prozeß gegen den Attentäter Acciarito stattfinden. Für derartige Verbrechen sieht daS Gesetz lebenslängliche Zuchthausstrafe vor.

Nom, 28. April. Der griechische DampferSamoS hat an der Mündung des Fluffe» Marpa 300 Freiwillige an Bord genommen.

Athen, 28. April. Die Unruhe in der Stadt war gestern derartig, daß mau jeden Augenblick den Ausbruch eines offenen Aufstandes befürchten mußte. Gegen Abend wurde die Stimmung wieder etwas ruhiger. In einer gestern stattgefundenen Volksversammlung auf dem Cou- stitutionSplatze sprach der VolkSredner GhinnadioS und fand großen Beifall. Einige ausländische Geschäftshäuser haben zu ihrer Sicherheit die Fahnen ihres Heimathlande» gehifft.

Athen, 28. April. Die Kammer wurde einberufen, um darüber Beschluß zu soffen, ob der Krieg fortgesetzt oder ob die Mächte zu ihrer Intervention aufgefordert werden sollen.

Athen, 28. April. E» verlautet, wie folgt werde das neue Ministerium gebildet werden: Präfidium: Admiral CameriS oder Satiropulo, Kriegsminister: Rolli, Inneres: Theotiti, Auswärtiges: DcligeorgioS, Finanzen: Carapano, Justiz: Siniopulo.

Athen, 28. April. Die griechische Armee tu und um Pharsala ist bereit- vollständig reorgauisirt. Die moralische Kraft der Armee hebt sich infolge deS Commando- Wechsels und infolge deS zurückgeschlagenen Angriffs der Türken auf Volo und Belsotino. Man hegt den festen Glauben, die Armee werde die letzten Niederlagen wieder gut machen. Zahlreiche Freiwillige melden fich, selbst im AuSlande lebende griechische Capitalisten hoben Geldsendungen avifirt. Die Armee wurde heute mit dem nothweudigen Kriegsmaterial und Proviant versehen. Oberst ManoS sandte sehr günstig lautende Nachrichten.

Konstantinopel, 28, April. Nunmehr find auch die Griechen tm Epirus mit Ausnahme des südlichen TheileS zurückgeworfen.

Konstantinopel, 28. April. Sämmtliche albanefischen Truppen, die regulären und die irregulären, sind darüber aufgebracht, daß fie schlechte Munition erhalten haben.

Athen, 29. April. Die Griechen haben Pharsala verlassen, die benachbarte Hügelkette besetzt und fich dort verschanzt. Der gestrigen Kammersitzung wird die größte Bedeutung beigemeffeu. Eine lange Unterredung des englischen Gesandten mit dem König Georg wird dahin gedeutet, daß die Großmächte vermitteln wollen.

Konstantinopel, 29. April. Vier griechische Panzer- schiffe wurden durch die Türken blockirt und am Aus­laufen ve» hindert.__________________________________

Locales rrrrd provinzielles

Sießen, den 29. April 1897.

* Empfang Seine Königliche Hoheit der Groß- h erzog empfingen am 28. April n. A. den Oberstlieutenant v. KurnatowSki vom 3. Thüringischen Infanterie-Regi­ment Nr. 71.

* Hoftrauer. Wegen deS Ablebens Seiner Großher­zoglichen Hoheit des Prinzen Wilhelm von Baden ist auf Allerhöchsten Befehl eine Hoftrauer vom Heutigen bis zum 5. Mai l. I. einschließlich angeordnet worden.

Ernannt wurde am 24. April der Gerichtsvollzieher- Aspirant Heinrich KlooS in Mainz zum Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze zu Lich mit Wirkung vom Tage seines Dienstantritts an.

Schwurgericht. Die gestrige Notiz betr. Beginn der Schwurgerichtsverhandlungen ist nach uns gewordener authen­tischer Mittheilung insosern nicht richtig, als der Vor­sitzende noch nicht ernannt ist.

Doppelcenlner. Der BundeSrath hat beschloffen, daß im Schulunterricht, sowie im amtlichen Verkehr fortan sür 100 Kilogramm die BezeichnungDoppelcentner", abgekürzt dz, angeweudet werden soll.

Bezirkstag. Zum Sonntag ist nach demLenz'schen Felsenkeller" der Bezirkstag der Kriegervereiue sür den Bezirk Gießen (30 Vereine) ein beruf en.

Geflngelznchterverein. Die gestern Abend imAqua­rium" wegen Gründung eines Geflügel- und Vogelzüchter- Vereins für Gießen und Umgegend stattgefundene Ver­sammlung war von etwa 20 Herren besucht, welche fich sämmtlich für den Verein als Mitglieder anmeldeten. Es wurde ein provisorisches Cowitv gewählt, welches den Auf­trag erhielt, zum Sonntag Nachmittag um 3 Uhr im hinteren Saale desAquarium", Wallthorstraße, die erste constituirende Generalversammlung einzuberufen, zu welcher man auS der Umgebung das Erscheinen zahlreicher Züchter und Geflügel- freunde erwartet.

Fahrplauanderunge« im OrnuibuSverkehr. Mit dem 1. Mai tritt der neue Eisenbahn-Sommerfahrplau Iin Kraft und hierdurch veranlaßt auch Aenderungeu im Omnibusbetrieb. NennevSwerthe Aenderungen haben die Oberhcff'schen Züge sowie diejenigen von und nach Cöln erfahren; dementsprechend hat der Vorstand der Omnibus­gesellschaft auch seinen Fahrplan eingerichtet und zwar der-

I art, daß zu allen von Morgens 6% Uhr bis Abends 10 Uhr

abgehenden und ankommenden Personenzügen Anschluß statt- findet. Die Linien C und D (Wieseck und Schiffeuberget- wald) werden weiter- bezw. neugefahren. Die officiellen Fahrpläne find im Alleinverkauf deS Herrn Ernst Balser heute erschienen und zum Preise von 25 Pfg. (aufgezogen), 10 Pfg. (unaufgezogen) zu haben. Daselbst ist auch ein sehr handlicher Taichenfahrplan, sämmtliche ankommende und ab­gehende Eisenbahnzüge sowie den OmnibnSfahrplan enthaltend, erschienen und zu dem billigen Preis von 10 Pfg. zu haben; letztere find auch bei den OmnibuSschaffuern erhältlich.

Leicheufund. Die Großh. Staatsanwaltschaft hier erläßt folgendes Ausschreiben:Am Vormittag deS 19. April 1897 wurde in der Nähe von Lollar in der Lahn eine männliche Leiche geländet, die 4 bis 6 Wochen in dem Waffer gelegen haben mag. Die Leiche war bekleidet, soweit dies noch festgestellt werden konnte, mit einem dunkelbraune« Havelock, einem grau und braun carrirteu Anzug (Rock, Hose und Weste) mit weißem Shirtinghemd, Stehkragen und blau- seidener Halsbinde, einem blau und weiß-rotheu gestreifte« Unterhemd, neuen, leinenen Manschetten mit vergoldeten Knöpfen, die einen Revolver darstellen, ferner mit braunen, wollenen Strümpfen und kalbledernen, gut gearbeitete« Schnürschuhen. Die Hosenträger find in Stramin gestickt, haben rothe Blumen und grüne Blätter und tragen am unteren Rande die Buchstaben J. W. DaS weiße Shirting* Hemd trägt in rothem Druck daS FabrikzeichenWäsche- fabrik Jfidor Stern, Friedberg", auf der inneren Fläche des rechten Vorderarmes befindet fich in blauer Farbe ein- tättowirt: ein Stiefel mit Sporn, Schusterhammer und Zange, Klopfstein und 2 Leistentheile. Bei der Leiche wurden eine silberne Cylinderuhr mit daran befindlicher Haarkette gefunden, welch' letztere mit goldenen Beschlägen versehen war. Auf dem MittelstÜck find eingravirt auf der einen Seite die Buchstaben I. $ß., auf der anderen Seite die Buchstaben L. W. Außerdem wurde bei der Leiche gefunden ein Porte- monnaie mit geringem Inhalt, ein sogenanntes Reservisten- Portemonnaies. Auf demselben ist der NamenSzug deS hiefigen Regiments zweimal und dazwischen ein Stern an­gebracht. Die beiden bei der Seide vorgefundenen Taschen­tücher find gezeichnet I. W. Die Leiche ist die eines kräftig gebauten Mannes von 1,64 Ctm. Größe, daS Alter wird auf 36 bis 40 Jahre geschätzt. Wir bitten an Händen deS Vorstehenden nach der Person des Verlebten nachzuforschen und im Falle etwas Über die Persönlichkeit derselben er­mittelt werden sollte, hierher Mittheilung zu motten.

Durch de« Abbruch deS alten Spritzenhauses hinter der Stadtkirche ist ein schön gehaltener Eingang zu un- serern Stadtthurm freigelegt. In einem der Quadern be­findet fich die Jahreszahl 1485. Leider wird dieser Zugang zum Thurm durch die Anlage des Treppenhauses zur Kirche verbaut werden. ES empfiehlt fich daher wohl, diesen gothi- schen Bogen photographisch festzuhalten.

Verhaftung. Gestern Nachmittag wurden hier drei Wechselfälfcher verhaftet. Dieselben versuchten bei einem hiesigen Bankier einen auf eine hiesige Firma aus­gestellten gefälschten Wechsel in Höhe von 6000 Mk. unter- zubringen und befanden fich noch im Besitze eine- weitere« gefälschten Wechsel- in gleicher Höhe. Die Gauner hatten den Plan gut ausgeheckt, fie hatten zuerst gemeinsam vo« einem hiefigen Hotel auS bei dem Bankier telephonisch an­gefragt, wobei fie fich des Namens des Firmeniohaber» bedienten, zu welchem Procentsatz er den Wechsel anvehmen wolle und dann erklärt, eS solle gleich ein junger Mann aal dem Geschäft den Wechsel bringen und daS Geld abholen. Nachdem der Bankier das Geld zurechtgelegt und der angekündigte Abholer noch nicht da war, fragte er in dem Geschäft feie» phonisch an, wo denn der junge Mann mit dem Wechsel bleibe und erhielt die Antwort, daß die Firma gar nicht mit dem Bankier in Verbindung getreten sei und gar kein Geld haben wolle. Später erschien einer der Betrüger mit dem Wechsel, um das Geld zu erheben, fast gleichzeitig aber auch die inzwischen benachrichtigte Polizei. Bemerkt sei noch, daß, während dec eine Gauner da» Geld heben wollte, der zweite fich in daS betr. Geschäft begab, um zu verhüten, daß Jemand störe, und der dritte den Aufpasser spielte- ferner, daß die Betrüger fich vorher schon brieflich mit der Firma, auf die der Wechsel lautete, in Verbindung gesetzt und orientirt hatten. Der eine Betrüger nennt fich Philipp van Co ev erd en auS »rüffel, der zweite Inge­nieur C. Ehlig auS Arnheim in Holland und der dritte ist der Commis Max Schütz aus Holzapfel- letzterer hat vor etwa 5 Jahren einmal kurze Zeit in dem hiesigen Ge­schäft, auf das der gefälschte Wechsel lautete, conditionirt.

Für Kleinhändler mit vier. Nach dem am 1. Januar 1. I. in Kraft getretenen Gesetz über die Abänderung der Gewerbeordnung ist nunmehr den Kleinhändlern mit Bier reich-gesetzlich vorgeschriebeu, von dem Betrieb ihres Gewerbe» der zuständigen Behörde (Ortspolizeibehörde) alsbald Mit­theilung zu machen. Der Kleinhandel mit Bier kann jetzt für die Folge untersagt werden, wenn der Gewerbetreibende wiederholt wegen Zuwiderhandlung gegen die Vorschriften deS § 33 der Gewerbeordnung bestraft ist. Letzterer besagt, daß, wer Gaftwirthschaft, Schankwirthschaft oder Kleinhandel mit Branntwein oder Spiritus betreiben will, dazu der (fr* laubniß bedarf. Hiernach kann also Demjenigen, der bereit» zweimal wegen WirthschafiSbetriebS ohne Conceifion bestraft worden ist, der Kleinhandel mit Bier (Flaschenbierverkauf u. s. w.) verboten werden. Ist da» Verbot erfolgt, so kann die Lande»-Central-Behörde die Wiederaufnahme deS Gewerbe­betriebes gestatten, sofern seit der Untersagung mindesten» ein Jahr verflossen ist.

» Arbeiterfahrkarle«. Aus den preußischen Staat»- bahnen sollen fortan Arbeiterfahrkarten nur noch an Per­sonen, die sich gehörig audroetfen, verabfolgt werden. Al» Ausweis dient eine Karte, die vom Arbeitgeber unterschriebe« werden muß. Die Polizeibehörde hat darauf durch Unter­schrift und Siegel die Richtigkeit der Unterschrift de» Arbeit­gebers zu bescheinigen.

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