Ausgabe 
30.4.1897 Erstes Blatt
 
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»eine Verjährung bet Altersrenten. Nach einer be* merkerrSwerthen Entscheidung des ReichSverfichernngSamteS tritt eine Verjährung des Anspruches auf Invaliden« oder Altersrente nicht ein, weil eine retchSgesetzliche Bestim­mung hierüber überhaupt nicht vorhanden ist.

** Wttterbericht. Hoher Druck beherrscht auch heute den größten Theil Europas und ist das Barometer nament« lich über den Alpen und dem Mittelmeergebiet noch gestiegen. Die Depression im Westen ist der Hauptsache nach nordwärts gezogen, nur am Eingänge des Canals hat sich noch ein Theilminimum erhalten. Dasselbe dürfte die Witterung auf unserem Gebiete zwar wenig beeinflussen, doch könnte eS bei weiterem Vordringen zu Gewittern Veranlassung geben. Voraussichtliche Witterung: Im Allgemeinen heiteres und warmes Wetter, einzelne Gewitter nicht ausgeschlossen.

Hirschhorn, 27. April. Im benachbarten Affolterbach geriethen bekanntlich ein Vater und ein Sohn wegen der zu benützenden Kochherdlöcher in Proceß. Nachdem nun die vom Gerichte ernannten Experten Einficht und Kochproben vorgenommen haben, fand gerichtlicher Termin statt, bei welchem die Experten erklärten, daß der Vater, wenn er dem Sohne das Vorrecht einräume, keineswegs geschädigt sei, und daß er für seinen Bedarf hinlänglich mit dem Hintern Koch- loche zufrieden fein könne. Das Gericht entschied hierauf, daß dem Sohne, als dem nunmehrigen Eigenthümer des An­wesens, das Vorrecht gebühre, daß aber der Sohn, wenn der Vater gleichzeitig mit ihm koche, auf dem vordem Kochloche keme Töpfe einhängen, sondern nur mit nicht einhängbaren Töpfen kochen dürfe. Mit diesem Entscheid wußte fich der Barer nach Lage der Sache zufrieden geben, sowie mit der Bestimmung, daß er die Kosten des Rechtsstreites zu tragen habe. Ob nun die gleichzeitige Kocherei von Vater und Sohn relp. von Schwiegermutter und Schwiegertochter in vollem Frieden erfolgen wird, muß die Zukunft lehren.

Bickenbach. 22. April. Dieser Tage standen fich zwei hiefige Frauen vor dem Amtsgericht Zwingenberg gegenüber, wovon die Eine der Andern verschiedene Maaren, wie Esfig, Oel, Salz, Kaffee, Streichhölzer rc. geliehen, aber nicht wiedererhalten hatte. Bon dem Richter befragt:Haben Sie diese Gegenstände entliehen?" betheuerte die Letherin: ,DeS iS net woor, Herr Amtsrichter, die Sache plauze wer all selw ertl"

Dcrmifc^tes.

Frankfurt a. M , ;28. April. In einem Hotel am Hauptbahnhof fand ein Zimmermädchen beim Reinigen eines Zimmers unter einem Kopskiffen eine kleine .Tasche mit 20000 Mark in Banknoten und 7000 Mark in Wechseln und CheckS. Der Verlierer hatte fich am Morgen nach Wiesbaden begeben und war hoch erfreut, als ihm der Hotelier ein Telegramm, welches den Fund an? meldete, übersandte.

* Frankfurt a. M., 23. April. Ein neues Fahrrad w rd soeben von einer Berliner Fabrik auf den Markt ge- Hadjt, welches mit zwei verschiedenen Übersetzungen gefahren werden kann. Durch eine einfache Kurbelbewegung kann man

die große Uebersetzung, die bekanntlich auf ebener Bahn von Vortheil ist, in eine kleine Uebersetzung, in hügelartigem Terrain umwandeln. Der Erfinder hat elf Jahre an der Idee gearbeitet und sein Patent für Mark 120,000 veräußert.

* Die Garantiezeichner bet Berliner Gewerbe AuSstel- lang 1896 hoffen noch immer auf die Bewilligung einer Lotterie zur Beseitigung ihres DeficitS. Der preußische Minister des Innern sowohl wie der Handelsminister haben einer Deputation des AuSstellungs-Eornttee- erklärt, daß fie zur Unterstützung eines deSfallfigen Gesuches bereit seien.

Würzburg, 24. April. Das Militärgericht verurtheilte den Fußartillerie-Lieutenant Kölsch wegen fahr« lässiger Körperverletzung zu 45 Tagen Festung. Bei dem Salutschießen zu Ehren deS neuen FestungScommandanten von Germersheim hatte Kölsch befohlen, die vorgeschriebene Reinigung deS Rohres zu unterlassen, damit die Schüsse schneller folgten; das Rohr platzte und vier Kanoniere er­litten mehr oder minder schwere Verletzungen.

* Newport-News (Virginia), 27. April. Heute wüthete im hiefigen Hasen eine heftige Feuersbrunst. Zwei Landungsbrücken mit den dort gelagerten Waaren, ferner der englische DampferElintonia" und der Bremer Segler I. D. Bischoff- mit einem Theile ihrer Ladung geriethen in Brand. Der gesarnmte Schaden wird auf 21/, Millionen Dollar geschätzt; darunter befindet sich Getreide im Werthe von 1 Million Dollar. Der Capitän Priele deSI. D. Bischoff" erlitt schwere Brandwunden; drei Matrosen er­tranken. Auch der norwegische DampferSolveh" erlitt schweren Brandschaden.

Cüaraiur urrd "Kunft.

. »chaasfchatz deS Wissens*, (Verlag von I. Neumann, Neudamm). DerHausschatz des Wissens" ist, wie wir unseren Lesern schon öfters mttzutheilen Gelegenheit hatten, eine wohlfeile Hausbibliothek in vornehmster Form und stellt dar eine Sammlung von gemiinoerständlichen Werken, welche das allgemeine Wissen um­fassen und zu billigsten Preisen bei bester Qualität des Gebotenen aus den Büchermarkt gelangen. Das Generalregister ist derart angelegt, daß derHausschatz deS Wissens" auch als Nachschlage­werk bestens zu benutzen ist. Probehefte aller erschienenen und im Erscheinen begriffenen Abtheilungen werden von der Verlagsbuch­handlung umsonst und portofrei geliefert. Heute liegen uns die Hefte 169 bis 178 der ganzen Sammlung vor. Dieselben enthalten: Thierreich von Dr. Heck, Paul Matschie, Prof. Dr. v. MartenS u. a. Heft 32 bis 37. Inhalt: Vögel und Säugethtere; mit zwei Farben­drucktafeln:Vögel und Säugethiere". DaS Mineralreich von Dr. Gürich. Heft 1; Inhalt: Einleitung Das Pflanzenreich, be­arbeitet von Prof. Dr. K. Schumann und Dr. E. Gilg. Heft 18 bis 20 (Schluß dieses Werkes). Mit diesem Buche haben die beiden Verfasser ein werthvolles Werk auf den Büchertisch gelegt, für das ihnen ein jeder Freund der Pflanzenwelt dankbar sein wird. Es ist nicht ein trockenes schematisches Bestimmungswerk, sondern ein Buch, das mit echt deutscher Gründlichkeit uns etnführt in das Leben bet Pflanzen, uns ihr Werden und Wachsen zeigt, dabei den wunder­vollen Bau und das Walten verborgener Kräfte enthüllend. Von der Zelle ausgehend gelangen wir zu den niederen Pflanzen, wie Pilze, Algen u. dgl. Von hohem Werthe ist die Rundschau auf dem weiten Felde der Bacterien, welche auf Grund allerneuester Forsch­ungen besprochen werden und einen besonders werthvollen Abschnitt des BucheS bilden. Mit gleich musterhafter Gründlichkeit wie die Kryptogamen erscheinen die Phanerogamen behandelt. Die Pflanzen werden nicht trocken beschrieben, sondern wachsen förmlich vor dem

Leser auf, welcher besonders über bie Bedeutung der Gewächse in technischer, commercieller, kulturhistorischer und socialer Hinficht Auf­klärung erlangt, wie fie uns unter den vorhandenen Werken kaum eines entsprechender bietet. Ein großer Vorzug deS Buches liegt auch in der klaren, fließenden DarstellungSwetse, welche keine Er­müdung aufkommen läßt, sondern immer wieder zu neuem Studium anregt. Der sachgemäße, vollkommen auf der Höhe der Zeit stehende Text wird überdies noch durch 480 Illustrationen und sechs Farben- brucftafeln unterstützt, wodurch die Kenntniß schwieriger Parthi« wesentlich erleichtert, das allgemeine Verständniß geklärt wird. Nebenbei bilden diese meist mustergiltigen Abbildungen einen werth- vollen Schmuck für daS Buch, das sich würdig an die besten Er­scheinungen anreiht. DaS Pflanzenreich kann auch apart in einen feinen Leinenband gebunden zum Preise von 7 Mk. 50 Pfg. bezogen werden. Wir verfolgen mit Interesse das Weitererscheinen veS .Hausschatz deS Wissens" unb empfehlen unseren Lesern bie An­schaffung bieses vortrefflichen unb im Verhältniß zum ©ebotmen sehr wohlfeilen Werkes. Der Preis einer Lieferung beträgt nut 30 Pfennig.

Gottesdienst in der Synagoge.

SamStag den 1. Mai 1897.

Vorabend 7 Uhr, Morgend 8®° Uhr, Nachmittags 4 Uhr, SabbathauSgang 8W Uhr.

Verkehr, tmfc VoUswirthschafL-

Utm, 29. April. Marktbericht. Auf dem heuttgen Wochenmarkt kostete: Butter pr. Pfd. X 1,050.00, Hühnereier pt. St. 0 2 St. 10-11 H, Enteneier 2 St. 1112 4, Gänse,

eiet pr. St. 0011H, Käse pr. 6t. 58 Ä, Käsematte pr. St. 3 4, Erbsen pr. Liter 18 H, Linsen pr. Liter 27 Tauben pr. Paar X 0,70 bis 0,90, Hühner pr. Stück 1,10 bis 1,36, Hahnen pr. Stück X 1,201,50, Enten pr. Stück X 1,601,80, Gänse pr. Pfund X 0,00-0,00, Ochsenfleisch pr. Pfd. 66-74 4, Kuh- und Rindfleisch pr. Pfd. 60-66 4, Schweinefleisch pr. Pfd. 56 bie 66 4, Schweine» fleisch, gesalzen, pr. Pfd. 70 A, Kalbfleisch pr. Psd. 60-00 * Hammelfleisch pr. Psd. 50-65 H, Kartoffeln pr. 100 Kilo 4.50 biß 5,00 X, Weißkraut pr. Stück 000 4, Zwiebeln pr. Centn« X 8,009,00, Milch pr. Liter 16 4.

tie**«e* 28. April. Fruchtmarkt. Rother Wei»« X 14,05, weißer Weizen X 13.75, Korn X 9.55, Gerste X 7.80, Hafer X 6.00.

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