Cocales «nd Provinzielle-»
Gießen, den 27. Januar 1897.
• * Kirchliche Dieufiuachrichten. Se. Kgl. Hoheit der Grobherzog haben Allergnädtgst geruht, dem Pfarrer Otto Kappesser zu Elch die evangelische Pfarrftrlle zu Pfissiighetm, Decanat WormS, und dem Pfarrverwalter Otto Schreiber zu Langd, Decanat Nidda, die evangelische Pfarrstelle daselbst zu übertragen.
Bon der Universität. Von der Dlrection der Frauen- klinik wird unS mitgetheilt, daß die Zahl der Praktikanten der gynäkologischen Klinik in Nr. 21 unseres Blattes un« richtig angegeben ist. Es nehmen, ebenso wie an den andern Kliniken, in diesem Wintersemester 31 Practikanten und 5 Au-cultanten — gegen 26 Praktikanten und 19 Aus« cultanten im Sommersemester 1896 — au der geburtS- hülflich-gynäkologischen Klinik Thetl. ES ist gewiß erfreulich, daß mit der in allen unseren klinischen Instituten stetig wachsenden Krankenziffer auch die Zahl der Klinictsten in den letzten Semestern sich nicht unerheblich vermehrt hat.
♦ * Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordueteu« Versammlung Freitag den 29. Januar 1 897, Nach« mittags y34 Uhr: 1. Gesuch de- CommerzienrathS W. Gail um Erlaubniß zur Erbauung eines Trockenofens und einer Halle bei seinem Thonwerk. 2. Baugesuch des Wilhelm Schäfer II. dahier für den Asterweg. 3. Gesuch des Heinrich Benner II. dahier, die Wasserbude an der Anatomie betr. 4. Gesuch de- Gg. Appel III. und des Joh. Kaspar Heß um Angabe der Baufluchtlinie für die Löwengaffe. 5. Gesuch der Baugenoffenschaft deS Evangelischen Arbeitervereins um Geländeabtretung hinter der Frankfurterstraße. 6. Den Voranschlag deS Stadterweiterungsfonds pro 1897/98. 7. Festsetzung der CokeSpreise. 8. Den Voranschlag deS städtischen Gas- und WafferwerkS pro 1897/98. 9. Vorlage der Rechnung des GaS« und Wasserwerks pro 1895/96. 10. Vorlage der Rechnung der Stadt Gießen und Erstattung deS BerwaltungSberichtS pro 1895/96.
* * Die Feier des Geburtstages Sr. Majestät deS Kaisers wurde in der üblichen Form begangen. Der Zapfenstreich am gestrigen Abend fand bereits um Va8 Uhr statt, von der Serenade vor dem Haufe des Herrn Obersten war abgesehen worden, eine solche fand im Garten deS Caf6 Leib statt, in besten Räumen der 8. C. zum KaisercommerS versammelt war. Die Tagrevetlle fand heute in der üblichen Weise statt. Dem FeftgotteSdienste in der Stadtkirche folgte um liy2 Uhr unter dem Commando des Herrn Major Kurna- t o w Sky die Parade des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm auf dem Hofe der neuen Kaserne an der Grünbergerstraße. Herr Oberst v. Madai hielt eine Ansprache, in welcher er unter Hinweis auf das wiederholt dem Regiment von Sr. Majestät ausgedrückte Vertrauen hervorhob, daß Se. Majestät besonder- diejenige Soldatentugenden betont, die im Kriege zum Siege gesührt- Se. Majestät habe ferner der ruhmreichen Thaten des Regiments und der hessischen Division gedacht. Das Regiment könne sich demVertrauen Sr.Majrstät dadurch dankbar erweisen, daß es militärische Tugenden Übe in Krieg und Frieden, in Treue zu Gott, in Treue zu Kaiser und Reich, Fürst und Vaterland, zur Familie und sich selbst, durch Gehorsam gegen die Vorgesetzten, durch Muth und Ertragen von Strapazen und Entbehrungen, in Uebung treuer Kameradschaft, in ehren« Hafter Führung in und außer Dienst- dies seien die Grundlagen, auf denen die Armee beruhe und Pflicht Aller, diese Tugenden zu hegen. Geloben wir, diese militärischen Tugenden zu halten, damit Seine Majestät auch ferner sagen kann: „Mein braves hessisches Regiment". Er ersuche die Kameraden mit ihm einzustimmeu in den Ruf: Gott schütze, erhalte und segne Se. Majestät unseren Kaiser: Hurrah! Nach der Parade, zu welcher die Vertreter der Behörden, die Offiziere des Beurlaubtenstandes und eine große Zuschauermenge sich eingefunden hatten, spielte die RegimentScapelle auf dem Kasernenhofe. Im Osfizier-Castno und im GesellschaftSvereinShauS fanden Festesten statt. Für die Mannschaften find in den größeren Wirthschaften Festlichkeiten arrangirt.
* * Kaisers Geburtstag in der Schule. Die heutige Allerhöchste Geburtstagsfeier Kaiser Wilhelms, welche die hiefige Volksschule veranstaltet hatte, stand in allen ihren Theilen unter dem Zeichen besten Gelingens in würdigster Form. Sie wurde begangen durch Lied, Rede und Festspiel, welch letzteres eine Huldigung auf Kaiser Wilhelm durch die Sprache verschiedener Blumen darstellte. Nach nochmaliger kurzer Zusammenfastuug aller Darbietungen ging man zur Ver« theilung der obligaten GeburtstagS-Taigscher über, womit die festliche Veranstaltung ihren befriedigenden Abschluß fand.
* • tzaym LoeweAbend. Der Schubert-Feier am Sonntag den 31. Januar wird acht Tage später eine weitere Erinnerungsfeier, der des BalladensängerS Loewe, folgen. Gleich Schubert entstammt Loewe einer kinderreichen Schullehrer-Familie- war jener der Schöpfer des „Deutschen Liedes", so kann man diesen als den der Ballade bezeichnen. Auf dem Gebiete der Ballade liegt auch LoeweS Hauptbedeutung und ebenso wie Schubert hat Loewe eine große Anzahl von Sängern gefunden, die die Werke ihrer Meister Pflegen und immer weiter zum Verständntß der großen Mafien zu bringen suchen. Zwar ist der 7. Februar nicht der Geburtstag LoeweS, die hundertjährige Wiederkehr dieses Tages fiel bereits auf den 30. November 1896, auch wird die Feier eine durchaus schlichte sein und fich in den bescheidenen Grenzen eines Liederabends bewegen- aber gerade diese Einfachheit dürfte dem Andenken LoeweS am würdigsten sein. Zu Gehör gebracht werden eine Reihe der herrlichsten Balladen des Meisters, der Sänger des Abends wird Dr. HanS Haym sein, ein uns lieber, wohlbekannter Freund und trefflicher Mufiker. ES wird vielleicht Manchen befremden, den famosen Pianisten und Dirigenten als Sänger begrüßen zu sollen, wer aber den ernsten Künstler Haym kennt, ist überzeugt, daß er en der Stätte seiner Erfolge kein Wagniß übernehmen wird. Au- kompetentester
Quelle ist unS bekannt, daßvr. Haym ernste Gesangsstudien gemacht hat und nicht nur mit Ehren bestehen wird, sondern unS Meister Loewe auf das Schönste und Würdigste iuter« prettren wird. Die Arrangements liegen in den Händen deS Herrn Ernst Challter, bei welchem heute schon Vormerkungen aus Sperrsitze (2 Mark) gemacht werden können.
* ♦ OmuibuSverkehr. Die Linie von und nach Wteseck wird eingestellt. Auch der Stadtverkehr muß eingeschränkt werden- die Fahrten Nr. 3, 4, 13, 14, 15, 16, 21, 22, 23, 24, 31, 32, 33, 34, 43 und 50 werden bis auf Weiteres fistirt.
* ♦ Gedenket der hungernden Vögel im Schnee! Dieser Mahnruf macht jetzt die Runde durch die Zeitungen, und auch wir haben nicht Unterlasten, die Vogelwelt dem Schutze barmherz'ger Menschen zu empfehlen. Heute möchten wir, in der Ueberzeugung, daß der Bitte für die Vögel gern entsprochen wird, mit einigen Zeilen auf die frierenden und mitunter auch hungernden Menschen aufmerksam wachen. ES ist in den letzten Jahren viel geschehen, die Leiden der wandernden Handwerksburschen zu mildern, man hat BerpflegungSstationen eingerichtet, die private Mildthätigkeit hat sich organisiert, man sammelt Kleider für die Bedürftigen, sucht ihnen Arbeit zu verschaffen u. s. w. Bei einiger« maßen günstiger Witterung mögen die gebotenen Hilfsmittel genügen, ob dies aber bei Witteruvgsverhältniflen, wie wir sie im Augenblick haben, der Fall ist, mag bezweifelt werden. Hier bietet sich der privaten Mildthätigkeit ein weites Feld. ES ist gar nicht einmal schwer, helfend etnzuspringen, wo Hülfe noth thut. Wer den mangelhaft bekleideten, vor Kälte zitternden Gestalten auf der Landstraße begegnet, kann sich davon überzeugen, daß mit wenig Mitteln geholfen werden kann. Wieviel abgelegte Röcke, Beinkleider, Stiefel, Strümpfe, Hemden u. s. w. liegen zwecklos in den Rumpelkammern, weil sie dem fiüheren Träger nicht mehr modern oder fein genug sind, ohne daß sie auch nur den kleinsten Riß zeigen, während die Kleider vieler Wandergesellen kaum deren Blöße bedecken, oder so dünn sind, daß Wind und Wetter hindurch Pfeift. Nur zu gern ist der hungernde und frierende Wanderer geneigt, im Schnaps das Untversalmittel gegen Hunger und Frost zu erblicken, wenn ihm andere Mittel zur Befriedigung seines Wärme- und NahrungSbedürfnisteS nicht zu Gebote stehen. In vielen Häusern herrscht neben dem Ueberfluß an Kleidern auch Ueberfluß an Eßbarem, das recht gut an den Mann gebracht werden könnte, wenn daS richtige Verständntß dafür vorhanden wäre. Man braucht nicht immer zu befürchten, damit der HauSbettelei Vorschub zu leisten- wer von seinem Ueberfluß gerne Andern etwas zukommen lassen will, findet wohl auch die richtige Form deS Gebens. Abgelegte Kleider übergebe man zweckmäßig einer Centralstelle (in Gießen z. B. der Herberge zur Heimath), wo erfahrene Männer dafür sorgen, daß wirklich Bedürftige und Würdige damit versehen werden.
• * Jagdliches. Im ganzen Großherzogthum beginnt mit dem 1. Februar wieder die allgemeine Hegezeit in Wald und Feld.
* * Zu Amerika verstorbeue Hessen. In Newyork: Johann Wagner, 53 Jahre alt, auS Framersheim, Kreis Alzey. In Baltimore, Md.: Johann Emmel, 71 Jahre alt, aus Rainrod- Catharina Engel, 62 Jahre alt, aus Biedenkopf- Conrad Wenchel, 69 Jahre alt, aus Messel- Carl Erck, 66 Jahre alt, aus Nidda. In Washington, D. C.: Wilhelm Ockstadt, 74 Jahre alt, auSBüdtngen. In Allegheny, Pa.: Catharina Schäfer, geb. Bellof, Gattin des GastwirthS Louis Schäfer, 53 Jahre alt, aus Großen'Buseck. In Boston, Mass.: I. C. Ger lach, 54 Jahre alt, auS Nieder-Wetsel. In Chambers Grove bei Napervtlle, Jll.: Margaretha Frey, geb. Klein, alt 79 Jahre, auS Hessen-Darmstadt. In Reed City, Mich.: Maria Büttner, geb. Alles, 74 Jahre alt, auS Unterschwarz. In Lyons, N. Ä) : Elisabeth Nußbtckel, geb. Wagner, 74 Jahre alt, auS Siefersheim.
* * Souutagsfahrkarteu. Der von verschiedenen Handelskammern itnb anderen Interessenten in Petitionen ausgesprochene Wunsch, es möchten Sonntagsfahrkarten von und nach allen Stationen ausgegeben werden, scheint seiner Erfüllung entgegenzugehen. In den in der letzten Zeit abgehaltenen Berathungen der BezirkSeisenbahuräthe ist dieser Gegenstand mehrfach zur Sprache gebracht werden, u. A. in dem deS Bezirks Frankfurt a. M. Aus dem Bericht deS letzteren ist zu ersehen, daß sich die Eisenbahudirectionen sehr lebhaft mit der Frage der Weitereinsührung der Sonn- tagSkarten beschäftigen. ES wurde aber hierbei hervorgehoben, daß Sonntagskarten nach den in der Eisenbahnverwaltung herrschenden Grundsätzen gemeinhin nur nach solchen Orten ausgegeben werden sollen, die mit benachbarten Städten in lebhaftem geschäftlichen Verkehr stehen oder durch Naturschönheiten ausgezeichnet sind. Namentlich ist die Ausgabe von Sonntagskarren in Großstädten zu berücksichtigen, um den Bewohnern einer solches Gelegenheit zu geben, Sonntags die weitere oder nähere Umgebung zum Zweck der Erholung aufzusuchen. Im Allgemeinen neigt man aber in den maßgebenden Behörden der Ansicht zu, daß eine möglichst ausgedehnte Ausgabe von Sonntagskarten finanziell nur günstig wirken könnte, weshalb zu erwarten ist, daß die Weiterführung derselben auf Schwierigkeiten kaum stoßen wird. Zu beklagen bleibt nur, daß Seitens der Directionen als Endpunkt für die Abfahrt von den einzelnen Bahnhöfen 3 Uhr Nachmittags festgesetzt ist- durch den späten sonntäglichen Geschäftsschluß sind viele Angestellte erst nach 3 Uhr in der Lage, einen Ausflug avzutreten, für welche dann diese Vergünstigung vollständig verloren geht. Vielleicht ist auch hier eine Aenderung möglich.
Mehr Obstbäume! Wiedrrholt wurde darauf hingewiesen, daß bei unß mehr Obstbäume angepflanzt werden. Daß sobald nicht eine Ueberproduct'on zu befürchten ist, vielmehr der deutsche Markt noch sehr wesentlich aufnahmefähig ist, beweist am besten der Umstand, daß, wie die soeben erschienenen pomologischen Monatshefte mittheilen,
im vergangenen Herbste 6 Millionen Doppelcentner Aepfel aus Amerika nach deutschen Häfen verschifft wurden, d. h. etwa zwanzig Mal so viel, wie in früheren Jahren. Diese Aepfel haben überall schlanken Absatz gefunden, was in erster Linie der Gleichartigkeit der Waare zuzuschreiben ist. Daß dieses amerikanische Obst dem deutschen Obst so erfolgreiche Concurrenz machen konnte, liegt aber auch mit daran, daß z. B. die Fracht von New York nach Frankfurt a. M. über Rotterdam für den Doppel Centuer 5 Mk., von Holstein nach Frankfurt dagegen 12 Mk. beträgt. Da der Doppel- centnec der amerikanischen Aepfel in der Berliner Central« Markthalle mit 25 Mk. gehandelt wurde, so fällt die Preisdifferenz der Frachten sehr inS Gewicht. Andererseits darf nicht vergeffen werden, daß gutes deutsches Obst einen unvergleichlich höheren Preis, als das amerikanische Obst erzielt, wodurch die Frachtdifferenz mehr als reichlich aufgehoben wird. Da es nun bet der Anlage von Obstbaum- güteru, sowie des AolegecapitalS unerheblich ist, ob man gute oder schlechte Sorten anpflanzt, auch die Behandlung der Bäume und die Arbeit die^ gleiche ist, so ist, schreibt die „Voss. Ztg.", jeder Schutzzoll, für den Stimmung gemacht werden sollte, abzuweisen, vielmehr einer Ermäßigung der Frachtsätze für frisches Obst das Wort zu reden. Die Hauptmaffe des nach Deutschland eingesührten ObsteS wird nicht frisch gegeffen, sondern verarbeitet. Neuanlagen von ObstverwerthungSstellen in solchen Gegenden, in denen sie bisher fehlen, also besonders in Norddeutschland, sind deshalb besonders zu empfehlen. Hier wird viel Obst, daS jetzt noch wegen zu hoher Fracht nicht verwendet werden kann, ficheren Absatz finden. ES ist dies aber stets Obst zweiter Güte, denn wirklich gutes Obst verträgt auch den hohen jetzigen Frachtsatz. Außer Privaten sollten aber auch die Gemeinden und der FiscuS dem Obstbau an öffentlichen Wegen mehr Aufmerksamkeit schenken. Von Jntereffe ist in dieser Beziehung die Ueberficht der vierzehn Straßen- und Wasserbauinsprctivnen des Königreich- Sachsen über den Obstnutzungsertrag aller an fiskalischen Straßen uod Bächen gepflanzten Obstbäume sür daS Jahr 1895. Die Ueberficht zeigt, daß rund 142,000 Mk. für daS Obst eingiogen.
-a- Dorf-Gill, 25. Januar. Ein aus Holzheim gebürtiger, ungefähr 15 Jahre alter Jüngling wurde heute in dem zwischen hier und Lich fich auSdehnenden Walde erfroren aufgefuuden. — (Bon anderer Seite wird uns folgendes mitgetheilt: „Der 21jährige Konrad Grieb von Holzheim, welcher in der Schuhmacherei des Herrn Kiefer in Butzbach beschäftigt war, stattete am vorigen Sonntag in Muschenheim einen Besuch ab. Abends begab er fich mir einigen Dorfgiller Burschen auf den Heimweg nach Holzheim, blieb aber, ohne daß letztere es merkten, zurück. Bet dem eben herrschenden Schneewetter muß Grieb zu Fall gekommen und liegen geblieben sein, denn am Montag Morgen wurde derselbe auf dem Wege von Muschenheim nach Dorfgtll tobt aufgefunden.")
4- Lich, 26. Januar. Die hiefige Section deS V o g e l S - berger Höhenclubs, welche gegenwärtig 35 Mitglieder zählt, hielt am Samstag Abend eine Abendunterhaltung ab, in welcher musikalische und theatralische Vorträge abwechselten und woran sich ein Tanzvergnügen anreihte. Sämmtliche Mitwirkenden leisteten Vorzügliche- und wurde denselben deshalb auch von den überaus zahlreich Erschienenen der wärmste Dank zu Theil. Die animirteste Stimmung hielt die Festgäste bis zur Morgenstunde versammelt. Vivat segnens!
r. Langsdorf, 25. Januar. Herr Lehrer Leidtch und Familie dahier, wurden in große Trauer versetzt. Das etwa 6jährige Söhnchen desselben wurde nämlich von einem Pferde so unglücklich geschlagen, daß e- heute her hierbei erlangten Verletzungen erlegen ist.
4- Geih-Rtdda, 26. Januar. Bet der gestrigen Wahl eines Oberhauptes unserer Gemeinde siegte Herr Adolf Lind über den Gegencandidaten Ludwig Lind mit geringer Stimmenmajorttät. Ersterer war schon im ersten Wahlgange, 2. Mai 1896, einmal als Bürgermeister erkoren worden.
Freiensteinau, 25. Januar. Sehr oft liegt das Gebtrg voller Schnee- man hat die schönste Schlittenbahn, draußen aber ist wenig oder gar kein Schnee. Der Vogelsberger, in dem Glauben, eS sei überall wie zu Hau- sieht auf einmal blanken Erdboden unter seinem Schlitten- der Auswärtige findet heretnkommend Schnee unter den Rädern. Beide sind gleich übel daran. Unter dieser Calamttät hat namentlich die Post von hier nach Steinau viel zu leiden gehabt. Diesem Urbelstande ist nunmehr durch ein Vehikel abgeholfen worden, das mittelst einiger Handgriffe zu einem Wagen oder Schlitten um gewandelt werden kann, ein sehr wesentlicher erfreulicher Fortschritt. Darmst. Ztg.
§ Vom höheren Vogelsberg, 25. Januar. Für diesen Winter scheint sich die Bauernregel zu bewahrheiten: „Wenn die Tage anfangen zu langen, kommt der Winter gegangen." Denn nachdem fett Herbst meistens nur Kälte herrschte, ist seit gestern Abend Schneefall mit Sturmwind eingetreten. Viele Straßen find unpasfirbar, besonders alte Hohlwege find fast gänzlich zugeschneit, ebenso die Straßen an ge schützten Stellen, wo mitunter der Schnee 2 bis 3 Meter hoch liegt, während an windigen Stellen der Schnee saft ganz weg geweht ist.
X Darmstadt, 25. Januar. Auf dem eine Stunde entfernten Hofgute Kranichstein, 2 Minuten von dem Jagdschlösse, dem Lieblings-Aufenthalte der Großherzogin Alice gelegen, brach hrute Morgen Groß feuer aus. Ein Schweizer hatte die „Schlauheit", eine eingefrorene Brunnenröhre mittelst eines brennenden Bausches Stroh austhauen zu wollen, der starke Wind trieb daS brennende Object gegen die mit starken Dorräthen an Futtermitteln versehene Scheuer, und bald stand, wie uns ein Augenzeuge mittheilte, ein Thetl der Pachthof Gebäulichkeiten in Hellen Flammen. Der Schloßverwalter ließ den Ablauf deS Kranichsteiner Teiche- ab, sodaß genügend Wasser da war und die in einer halben


